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Wenn Du, lieber Leser, täglicher Zeuge wärest von Erscheinungen, die Dir fremd und unerklärlich sind, welche Dir aber merkwürdig und tiefbedeutend, ja weltumfassend erscheinen, so. würdest Du gewiss den Drang in Dir fühlen, diese Erscheinungen nicht nur für Dich streng zu prüfen und zu beobachten, sondern sie auch Anderen, ja der ganzen Welt zur Prüfung, zur Beurteilung und so weiter vorzulegen, da man sich in derartigen Dingen nie auf sein eigenes Urteil verlassen soll, besonders wenn gewisse Erscheinungen zu einem noch unerforschten Gebiete gehören. So geht es mir mit den Erscheinungen merkwürdiger Heilungen, Geister-Manifestationen, Bildern im Wasserglase, Zeichnungen, die ich hiermit der Welt zur Beurteilung vorlege. Ich er zähle hier nur einfach und der strengen, nüchternen Wahrheit getreu, wie sich Alles zutrug in unserer Erfahrung, ohne es wissenschaftlich feststellen oder erklären zu können; ich bringe die nackten Thatsachen und stehe für diese ein mit meiner Person, meinem Namen, meiner vollen Adresse, mit meiner ganzen Bereit willigkeit, allen Fragenden so viel zu sagen, zu erklären, wie ich es nur aus der Erfahrung, den Thatsachen, als nicht wissenschaftliches Weib thun kann. Dieses Buch bringt übrigens nichts absolut Neues — Verwandtes oder Gleiches ist in Däumer’s, Perty’s, Home’s, Swedenborg’s Werken, in der Seherin von Prevorst, in allen eng lischen und französischen spiritistischen Zeitschriften, in Allan Kardec’s Werken zu lesen und zu finden. Ich erachte es nicht nur für ein Recht, sondern sogar für eine Pflicht des Einzelnen, alle derartigen seltenen Erfahrungen mit-zutheilen, da besonders das geistige Feld ein in vielen Beziehungen noch unerforschtes ist und man sich hierin eines zu raschen Urtheils enthalten söll. Meine eigene persönliche Meinung prägt sich im Laufe der Erzählungen genügend aus; sie ist jedoch von keinem Belang, da das Medium selbst immer streng neutral bleiben soll — die Untersuchung, das. Urtheil Andern überlassend. Ich habe hier nur den hundertsten Theil unserer Erlebnisse mitgetheilt, alle Kuren von akut Kranken und chronischer Uebel weglassend, ‘ weil dies in die Tausende ginge und nur für Aerzte von Werth wäre. Indem ich meine Erzählung nur auf die sogenannten Besessenheits-Kuren beschränkte, that ich dies, weil dieselben die frappantesten, eclatantesten Beweise von Geister-Einwirkungen sind. Ich bin bereit, einem jeden Kranken und Leidenden zu helfen, nur verlange ich in Briefen die Nennung des Namens. Ohne Scheu nenne ich mich offen vor aller Welt, wohl wissend, dass ich Hohn und Spott, ja oft Missdeutung meiner guten Absicht erndten werde — also verlange ich auch, dass die mich Coiisultirenden sich mir schriftlich nennen. Gonobilz in Steiermark, im Januar 1874. Adelma Freiin von Vay, geb. Gräfin von Wurmbrand. Einleitung. Wir schreiben: 1) über die Prinzipien, 2) die Mittel, 3)-die Erscheinungen, oder 1) über den bewegenden Geist, 2) die belebende Kraft, 3) den kleidenden Stoff der Naturgesetze. 1. Die Principien: Das höchste Princip ist Gott, so wie wir es im Buche „Geist, Kraft, Stoff,“ durch die Worte Johannis anführten: „Im Anfänge war das Wort, das Wort war bei Gott, Gott ist das Wort.“ Hier sind Gott und das Wort, aus welchem Alles gemacht wird, und zugleich auch das Gemachte, Eins: hier haben wir als Princip „Gott,“ als Mittel „das Wort,“ als Erscheinung „das, was dadurch gemacht wurde;“ Gott ist der Geist, das Wort ist die Kraft, das, was daraus gemacht wurde, ist der Steffi" "die" Schöpfung? Also ist immer das höchste Princip „Gott," das'Urgesetz, das Gesetz der Schaffung, des Lebens, der Bewegung und Bildung — Er. Viele gibt es, die Gott und diese Gesetze leugnen, nicht nur auf Erden, sondern auch in den anderen Reichen des All’s, wo der Gegensatz arbeitet; sie wollen Gott nicht als ein persönliches Urwesen, dessen Form, Bildung, (Wesenheit und Grösse dem einfachen ungebildeten Geiste unfassbar ist, ansehen. Viele wieder universalisiren, zer stückeln und zertheilen Gott, so dass er schliesslich überall und nirgends, und der Vater der Schöpfung, der Herr, den Wesen genommen ist. Gott ist das Urprincip, der Vater und Schöpfer, der alle Wesen liebend umfängt. Ohne diese Urintelligenz, diese höchste Potenz, diese reinste Vollkommenheit ist kein Begriff, keine Schöpfung, keine Weltenordnung. Kein Begriff, weil ohne Ur intelligenz überhaupt keine Intelligenz,- ohne Gott keine ihm entsprechenden Geister möglich wären, weil Alles seinen Vater, seinen Keim oder Samen, seinen Beginn haben muss. Keine Schöpfung, aus denselben Gründen: ohne Intelligenz und ohne die höchste Potenz kein Leben, keine Befruchtung und keine Erweckung — keine Schöpfung. Keine Weltenordnung ohne die reinste Vollkommenheit, denn • nur diese kann Ordnung schaffen und erhalten. So ist also Gott der Geist, die Seele des Ganzen, uner reichbar in seinen Eigenschaften, einzig in seiner Art und Wesenheit, in seiner Liebe und Weisheit. Aus diesem Gott und Vater kommen alle Wesen, Geister und Menschen. So wie es einen Gott giebt, so giebt es ein Gesetz, eine Stufenleiter für Alle im All. Dass Gott allgegenwartig ist, ist kein leeres Wort, sondern ein Gesetz; dieses Gesetz liegt in Ihm, in Seiner Wesenheit, Kraft und Allmacht. — Ist nun Gott etwa in Seinem Mittelpunkt unbeweglich? Er ist in Seinem Mittelpunkt erst recht schaffend, arbeitend, denkend, also auf die höchste, geistigste, kraftvollste Art bewegungsvol, und dabei doch unwandelbar. Sein Geist ist unendlich, gross! Das All erscheint Ihm so, wie dir deine Stube, in deren Mitte du stehest. Du kennst die Gegenstände, die da und dort, im verborgensten Schub fache liegen, du weisst, was hier und dort geschieht, und hörst alle Töne des Raumes, der dich umgiebt. Als Vergleich der Allwissenheit Gottes sagt Christus, dass Er ein jedes Haar unseres Hauptes, einen jeden Sperling auf dem Dache kenne. Gott, dem Unendlichen, ist die Unendlichkeit nicht unendlich, sondern ganz natürlich — 3 — Ilim endlich; dem Schöpfer ist das Universum nicht, grenzenlos, sondern Ihn umgebend, wohl bekannt und begrenzt, wie dir deine Stube. Wenn man dir als Kind sagte: „Denke dir nichts Böses, denn Gott sieht dich!“ oder: „Bete, Gott hört dich!“ so hat die Zunge, die dies sagte, wähl’ gesprochen; denn Er sieht dich, Er hört _dich — deine Gedanken, dein Ruf müssen zu Ihm gelangen durch das allwirkende Gesetz des Lichtes, der Rotation und Assimilation; denn aus Gott theilt sich Licht, Leben, Bewegung dem All stufenweise mit. Im Licht, in der Bewegung lebst, denkst, sprichst auch du; diese Beiden begegnen, assimiliren sich, und also gelangt Alles zu Gott und ist Er allgegenwärtig und allwissend, da Alles durch Ihn und in Ihm wird. Die Menschen denken zu wenig nach über die Wesenheit, Grösse und Herrlichkeit Gottes. Einige malen sich Ihn aus als einen Vater mit langem Barte und machen einen schönen Mann aus Ihm; Andere-wieder verwandeln Ihn in eine Kraft, in eine allgemeine Belebung, in einen Naturgott, der nur stückweise zu finden ist; Andere wieder leugnen Ihn ganz ab, weil sie Ihm keinen Platz zu geben wissen und Er sie als Princip genirt und nicht in ihre Wissenschaft passt! Menschen! könnt ihr euch denn durchaus nicht den wahren, grossen Gott, den Schöpfer und Vater des Alls, ' denken als unendliches Urwesen, dem das All natürlich, das Universum als Raum Seiner Person, ähnlich ist? Könnt ihr euch diesen grossen Gott nicht als allwissend und allgegenwärtig vorstellen? — Aussei’ Christus haben viele Philosophen vor und nach Ihm Grosses und Wahres über Gott gelehrt und auch geschrieben; doch diese Bücher, diese Schätze wurden von der Allgemeinheit der Menschen wenig gelesen und liegen vergessen da. Und doch wird immer wieder dieselbe Wahrheit gesagt und niedergeschrieben. Was vor und nach Christus in allen Ländern und unter allen Völkern der Erde gesagt wurde, wird immer wieder von Neuem gesagt, dieselbe Wahrheit wird immer wieder neu aufgetischt, — sollte, hier var seite 4 in org.buch— euch dies allein nicht schon ein Beweis der Wahrheit dieser Principien und des ewigen Daseins derselben sein? Blicket aber um euch in Gottes ewig lebendige Offenbarung: aus welchem kleinen Samenkorn erwächst der Baum! ein einziges Körnchen wird eingepflanzt und zehnfach kömmt es hervor — könnt ihr euch das er klären? Kann die menschliche Kunst des Samens Lebens-keim und Kraft nachahmen? Woher quillt der Duft der Pflanzen und ihre Farbenpracht? — Alles dieses wird aus einem Samen, aus einem Princip entwickelt, unnahbar durch menschliche Kunst. Die Erde allein birgt für euch grosse Räthsel, und das Wunderbare schliesst sich dem Unfassbaren an. Schon hier kannst du diese Räthsel nicht lösen, und wenn du erst auf das Meer der Sterne, Sonnen und Nebel blickst, o Mensch, kannst du das fassen? Nein! Aber Gott fasst es nicht allein, sondern Er hat es inne, da Er es geschaffen hat. Er ist der Same, der schaffende Lebenskeim, aus dem Alles wird. Nach der Grösse und Unendlichkeit, nach der Ordnung der Gesetze und Dinge, die dich umgeben, schliesse auf die Wesenheit und Person Gottes, dem das Alles natürlich ist. Damit hätten wir einen Versuch gemacht, über das Urprincip, über Gott, Einiges gesagt zu haben. Jeden falls muss es euch klar sein, dass wir Gott das höchste Wesen, den höchsten Geist, den Schöpfer des Alls nennen, und dass wir alle Ausdrücke zu klein und nichts sagend finden, um seine Grösse und Herrlichkeit zu be-. schreiben. Denn wenn dieselbe auf Erden schon den! Geist so mächtig erfasst, wie viel mehr durchschauert . und ergreift Einen dies Bewusstsein, wenn man sich im Raume bewegt und von Stufe zu Stufe überall die Er habenheit und Vollkommenheit des Schöpfers und höch sten Geistes bewundern muss. — Aus Gottes Geiste stammen die Emanationen^ der höchsten Intelligenz, der reinsten Liebe, des kräftigsten Willens, die „Erstlinge des Geistes Gottes,“ wie wir sie — 5 — i in unserem ersten Buche*) beschrieben haben. Einige dieser Erstlinge widerstehen nicht der Probe des freien Willens und fallen durch Hochmuth und Ehrgeiz! Da- *) „Geist, Kraft, Stoff,“ (bei Lechner, Universitäts-Buchhand in Wien, 1870. durch geschah der Ursprung der nachmaligen Geister, .on anderer und zwar sekundärer Wesenheit, als der der Erstlinge. Die Schäftung erlitt durch das Eintreten des Gegensatzes, durch den Fall der Erstlinge, eine Aende-rung. Es fand eine Vermehrung und Vervielfältigung statt; das Lebensprincip musste mehrere Turnusse durch machen, bis es, mit Gottes Geist und Licht sich vereinend, die nach geschaffenen oder Embryo geister gebar. Beim Fall der Erstlinge traten eine vermehrte Bewegung, j verdoppelte Rotation, vervielfachte Spiralkreise oder Stufen und Lebensturnusse ein, sowohl für das Lcbens- princip, wie für die Geister. Der Fall der Embryogeister hatte die Menschwerdung zur Folge, Alle Menschen sind also von ihrer Geburt im Fleische an gefallene Geister.' Wir theilen euch hier die Dinge nur in den Principien mit, welche sind: das Urlebensprincip „Gott;“ aus ihm das zweite Lebensprincip, „die Messiasse“ als Erstlinge Gottes; nach dem Fall das dritte Lebens- princip, „die Embryogeister.“ Diese drei Lebensprincipe sind individuell geistig und intelligent, sie sind drei geistige Wesenheiten: als Gott, der Vater und Schöpfer; die Erstlinge als Totalität: der Sohn; die sekundären Geister, nach ihrer Harmonisirung oder Einswerdung als Totalität: Heilige Geist. Durch den Fall der Geister entstand ein Dualismus, ein Gutes und Böses, ein Gesetz und ein Gegensatz; Alles theilte sich in das gesetzlich Gute und in das gegensätzlich Böse. Alle nachmaligen Welten, also auch die Erde, entstanden schon durch diese Gegensätze und in ihnen. Dieser Dualismus, diese Extreme, die sich feindlich und störend gegenüberstanden, wurden durch ein verbindendes Gesetz versöhnt; wir nannten dies — 6 — Gesetz ..die Gnade Gottes“ — es ist das Potenzirungs- und Rotationsgesetz, welches ewig versöhnend, harmoni-sirend, vergeistigend wirkt. In diesem einen Gesetze liegt Alles: Die Assimilation oder Einigung, die Stufen oder Turnusse, die Stadien oder Zustände, der Kampf und die Harmonie, der Austausch und Stoffwechsel. Die Principien, oder der bewegende Geist der Gesetze, sind also: 1) Gott, die Erstlinge und die Geister; 2) die Mittel, oder die belebende Kraft der Gesetze, ist das Lebensprincip, welches fluidisch, vegetabilisch, ani-malisch ist; 3) die Erscheinungen der Gesetze, oder der Stoff ist alles sinnlich Sichtbare, Tangible Solide oder Feste. Behandeln wir nun Die Mittel, das heizt das Lebensprincip als belebende Kraft. Das Lebensprincip ist dreierlei, so wie das in telligente Princip; es ist, das heizt es erscheint in dreierlei Formen: fluidisch, vegetabilisch, animalisch. Zur flui dischen Klasse gehören: die Atmosphäre, die chemischen Gase, alle Fluiden und Ausdünstungen der Nervengeister und Körper. Zur vegetabilischen gehören die Mineralien und Pflanzen; zur animalischeü: alle Monaden, Licht-thierchen, Infusorien, alle Organismen der Menschen und Thiere. Alles ist organisch belebt durch mikrokosmische Körper, welche Wasser, Erde, Luft consolidiren und verbinden. Diese Verbindungen geschehen durch die Belebungen der Monaden, die nicht nur die Luft, und Erde, sondern auch die fluidischen Körper der Geister erfüllen. Es sind tausenderlei Abstufungen und Arten in diesen kleinsten Subjecten, den Monaden. Das Lebensprincip strömt, wie gesagt, aus Gottes Licht und bewegt mechanisch, durch die Rotationsbewegung in den verschiedenen Turnussen, alles Vorhandene. Von den ersten Stufen erfasst, folgt es dem Rotationsgange nach abwärts, in den Verdichtungen und Vervielfältigungen, bis es, durch daselbe Gesetz wieder erfasst, sich vergeistigend, individualisierend nach aufwärts steigt zur Einschmelzung mit Gottes Hauch, zur seelischen umkleidung der gøttlichen funken: Geister genannt. Desshalb nennen wir das_lebensprincip auch die Natur; sie ist ja die verkörpernde Seele_des_Ganzen die empfangende mutter und der Vater und, begeistigende Lebenskeim ist. Deshalb nennen wir die Geister: die Krone der Schöpfung, die Vollkommenheit derselben; denn nichts Besseres, nichts Höheres, nichts Kraftvolleres, nichts Erhabeneres wird geschaffen, als die Geisten welche Kinder Gottes und der Natur, Kinder des göttlichen Funkens und des ihnen Form gebenden, sie kleidenden Lebens-Prinzipes sind. Die Geister tragen die Unsterblichkeit dieser Verbindung und Lebensgabe in sich, weil sie die Frucht der grössten und reinsten Liebe, die Mittheilung der höchsten Intelligenz, die Aus geburt der grössten Kraft sind. Deshalb nun, weil die Geister die Krönung der Schöpfung sind, ist es auch der Mensch inmitten des materiellen Lebens. Der Mensch wäre, wie der thierische Organismus, ohne den Geist, mit dem Lebensprincip. allein, eben kein denkendes Wesen und nicht die Krone der Schöpfung. Zeuge davon sind Euch die tiefgefallenen Geister, die, ihre geistige Kraft verlierend, als einverleibte Menschen sogar den höheren Thieren an Charakter und Eigenschaften nachstehen, weil sie eben den göttliehen Funken in sich erstickten, unterdrückten, versinnlichten und sich nur dem animalischen leben zuwandten. Wir nehmen den Standpunkt der Erde und Menschen, das heizt der schon gefallenen Geister an. Diese Geister müssen alle durch ihren Fall, durch die Verdichtung und Beschwerung ihres Nervengeistes, Mensch werden nach dem Gesetze der Schwere, welches sie einverleibungsfähig und bedürftig macht. Lebensprincip und Geist sind im Menschen und stellen den Instinkt und die Vernunft dar. Ersteres, das Lebensprincip. bildet die Seele, den Nervengeist, und dieser, der Nervengeist, bildet das fluidische Lebensband/'welches den Geist an den Men schen kettet und ihn mit dem Körper verbindet. Das selbe Lebensprincip deiner Seele ist also auch in der Blume, im Thier, in den Monaden, in der Luft, im Sonnenstrahl; in dir ist es aber potenzirt, individualisirt, zum Selbstbewusstsein gelangt durch seine Verschmelzung mit dem göttlichen Funken, dem unsterblichen Geiste. In allem Anderen ist das Lebensprincip sich selbst un bewusst, dem Gesetze mechanisch folgend. Auch ihr könnet das Steigen, Wachsen, Individualisiren dieses Lebensprincipes auf Erden beobachten, und zwar in dem, was ihr sehet. In den Fluiden, Blumen, Thieren ist es eine mehr mechanisch wirkende Belebungskraft. Dieses Lebensprincip verwandeln die mythologischen Sagen der Völker, besonders diejenigen Indiens, in Blumenseelen; auch die Griechen glaubten die Blumen von Elfen belebt. Habt ihr nicht Tausende der schönsten Mythen und Erzählungen über Blumenseelen und Elfen, über das Leben, Sterben und Verwandeln derselben? Suchet hierin die Urwahrheiten heraus, die zu eurer grössten Bewunderung gleichsam schon von Natur im All liegen. Ja, allen Mythen, heidnischen Sagen, Mythologien liegen Urgesetze der Natur und Menschheit, die unzertrennlich mit der selben sind und sich durch die poetischen Bilder und Gestalten des Volkes gleichsam nur vermummt äussern und zeigen, „zu Grunde. So wussten die Menschen und Völker den Schätzen bergenden Erdtiefen Gnomen, den Höhlen und Felsen Geister, den Bergen Oreaden, den Wellen des Meeres Oceaniden und Sirenen, den Wäldern und Quellen Dryaden, Nymphen, Nixen und Elfen zu geben. So verstanden sie es, Gebilde der Lüfte, der Sonnenstrahlen, des Meerschaumes zu schaffen. Und trägt dies Alles nicht einen Keim der Wahrheit in sich? Sind die Lüfte, die Sonnenstrahlen, die Meereswellen, die Schilfe, die Quellen und Wälder, die Berge und Steine etwa nicht belebt durch das fortwährende, rotirende Lebensprincip, das stufenweise, je mehr es belebt, an Instinkt und Bewusstsein zunehmend, Seele wird? Also findet ihr wirklich im Zittern der Luft, im Lispeln der Blätter, im Brausen der Fluth — Leben, Fortschritt und Individualisirung. So heult und singt, so pfeift und spricht es um dich, Geist-Mensch! Horche auf, und betrachte das Werdende dessen, was du schon bist! Nur ist dir, o Mensch, die Wissenschaft des Theuersten und Werthvollsten verloren gegangen; der göttliche Funke, er hat sich in dir verdunkelt durch die Sünde, durch die Uebertreibung, durch die Derotation. In den alten Hexenbüchern und Prozessen ist viel zu lesen von Pferde-, Hunde-, Wasser- und Feuerseelen, welche, durch die Hexen citirt, allerhand Erscheinungen hervorbringen, wie zum beispiel Krankheit, Sturm, Brand, Feuer, grosses Wasser u. d. gl. mehr. In all diesem liegt nur soviel Wahrheit, dass eben das Lebensprinzip alles Vorhandene, alles Da sein fluidisch, vegetabilisch und animalisch belebt, und wir sagten, dass das Lebensprincip dem_ Naturgesetze zuerst mechanisch folge sich mechanish potenzirend ausbildend und dieser seiner Ausbildung selbstbewusster werdend. Das Lebensprincip belebt Alles in einer gewissen Reihenfolge und Ordnung. Nehmen wir zum beispiel ein be stimmtes Atom oder Lichtchen aus dem grossen Lebens princip heraus und wir werden sehen, wie es, ob zwar unbewusst mechanisch folgend, doch eine gewisse Selbst arbeit und Individualisirung des Einzelnen verfolgt. Versetzen wir uns in den Feuerofen des Schaffens im Mittelpunkte des Universums: Seht, von da geht das Leben, die Belebung strahlenförmig aus! Millionen Lebensprincipe, im Effekt doch nur einen Strahl im Lichte bildend, ergiessen sich aus diesem unendlichen Mittelpunkt nach der Bewegung der Rotation über das All; in erster Reihe die chemischen und verfeinerten Fluiden und Stoffe belebend. Nur rotiren und bewegen sie sich abwärts. Hier ist das Strahlenleben, welches aus dem grosssen Eins kam, schon gebrochen, vermehrt und bildet eigene Strahlenkränze in den Fluiden der anderen Kreise und Sonnen. Diese Fluiden nun rotiren abermals belebend nach Abwärts; das Lebensprincip arbeitet jetzt verdichtend, Festes gestaltend. Auf diese Art findet ein jedes Lichtatom seine eigene Kleidung — 10 — Form und Ausbildung, vom Geistigen bis zum Materiellen, durch alle Mineralien und Vegetabilien hindurch. Immer jedoch stehen diesen Verwandlungen die das All bewegenden Geister vor. Aus der Belebung der Mineralien führt die Rotation die Lebenskeime in das Vegetabilische ein, wo sie sich, bis zu ihrer Verschmelzung mit dem animalischen Leben, in ein seelisches, d h. bewusster werdendes Leben verwandeln. Hier entfalten sich die Lebenskeime schon einzeln nach den Arten; es beginnen die Abstammungen und Abstufungen des Einen vom Anderen. Das Verwachsen des fluidischen, vegetabilischen und animalischen Lebens in einander, ist das innige Band, welches Alles an einander knüpft. Es ist nirgends eine Trennung, sondern überall herrschen Uebergänge, Lebensaustausch, Verbindungen. Das Lebensprincip wird geartet. Ein reineres Prinzip liegt in der Taube, in der • Rose, im Pferd, als wie im Eisen, im Raben, in der Belladonna, in der Hyäne. Der Fall der Geister erzeugte Gegensatzfluide, Gegen satzempfindungen und Schöpfungen, die sich im Seelen- Ileben abspiegelten und in gröberer Materie, in Giftpflanzen, bösen Thieren und so weiter Ausdruck fanden. Deshalb muss der Mensch diese seine selbstgeschaffenen Fluiden { ausrotten, zähmen, potenziren. Es ist eine anders geartete Seele oder ein anderes Lebensprinzip im Hund als wie im Fisch oder Elephant, im Apfel als wie in der Stachelbeere, im Veilchen als wie in der Brennnessel, im Erz als wie im Marmor; daher die verschiedenen Gerüche, Farben, Geschmacksarten. Alles theilt sich in Stufen und Kreise. ein, welche dann Abartungen und . Rassen zeigen, die doch wieder Abstufungs-Aehnlichkeiten an sich haben. Deshalb sind Ausdrücke wie „Wasser-, Feuer-, Blumen- und Thierseelen“ kein leerer Wahn, sondern finden eine naturgesetzliche Begründung. Es gibt jedoch keine Vaganten, uneinverleibten, oder herum- irrenden Blumenseelen. In ihrer nur scheinbaren Stille und Ruhe liegt oft die allerrascheste Bewegung, und es findet zum beispiel das Lebensprinzip der abgeblühten Pflanze - 11 — gleich sein neues Leben, seine neue Form, die Seele des todten oder gemordeten Thieres gleich ihren neuen Lebenskeim oder ihre Einverleibung wieder. Die Aehnlichkeit des Menschen mit dem Thiere ist die des Geistes mit dem Lebensprinzip, also eine seelische. Der Mensch ist schon das, was die ganze Natur zu werden strebt, eine unsterbliche, bildunggfähige individualität (eigentlich ist dies nur der reine Geist). — Die Verschmelzung des Lebensprinzipes mit dem gött lichen, geistigen Prinzip kann nur dann stattfinden, wenn selbes seelisch ausgebildet und potenzirt ist; auf-Erden- ist kein solch ausgebildetes Lebensprincip einverleibt, wohl aber in den Thieren und Pflanzen der höheren Planeten und Stufen. Auf die mechanischen Entwicke lungen des Naturgesetzes wird das Lebensprinzip nach und nach sich selbst bewusster, bis es individuellen Geist, und durch dessen freien Willen Freiheit, Vernunft erlangt. Wie gesagt, ihr habt auf Erden kein solch vorzügliches, instinktiv ausgebildetes Seelenprinzip und nicht jene vorzüglichere Belebungskraft der höheren vorgeschrittenen Welten des Alls. Die Erde selbst als Individualität ist die Abstammung einer höheren Welt, also keine hohe Welt selbst. Weil sie eben aus einer höheren Welt abstammt, haben sich noch Ähnlichkeiten mit derselben in ihr erhalten. Die Erde wurde nicht aus sich selbst geboren, sie ist die Ausgeburt einer an deren höheren Welt, welcher sie in ihrer Bildung, Form und Materie ähnlich ist. Die Welten haben ja alle ihre Stufen und ihre Ordnung, ihre Potenzirung und ihre Vergeistigung; denn sie haben durch den Fall der Geister auch ihren Abfall, ihre Vervielfältigung und Materiali- sirung gehabt. Allen Ereignissen, Veränderungen und Verwandlungen steht das geistige Princip vor; die Geister sind die Beweger, das Lebensprincip, die Beleber der selben. Ein jedes Element ist chemisch anders gestaltet, geistig anders belebt; es lebt, ist bewegt und geleitet, -12 - — 12 — durch das Naturgesetz, durch das Prinzip alles Lebens, durch einen Geist. Ein jeder Geist hat in seinem chemischen Kleide die Potenzen der Stoffe in sich und begibt sich durch dieselben in die ihm homogenen und verwandten Fluiden und Stoffe. Wir sagten dir, dass die oft so sonderbaren Witterungsverhältnisse durch Erdatmosphäre-Geister geleitet werden. Aus dem Centrum und innersten Punkte der Erde heraus bilden sich fluidische Eruptionen, welche gerade für die klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas von grosser Wichtigkeit sind. Europa ist mehr als alle anderen Welttheile klimatischen Veränderungen ausgesetzt, da es am Ausgeburts- und Nabelpunkte der Erde liegt, an dem Punkte, aus welchem die Ausscheidung der Erde aus der Sonne einst geschah. amerika ist ein neutralerer Theil, dessen Entwicklung langsamer ist, Asien ist die Seite des Gleichgewichts, der Harmonisirung, afrika ist der Theil der Unfruchtbarkeit und Latentisirung, welcher Theil belebt werden muss im Laufe der Entwicklungen, und zwar durch Europa. Asien ist das Haupt und Hirn, Europa das Herz und Sonnengeflecht, Amerika das Verdauungs- und Nahrungs system, Afrika der Sockel der Erdfigur. Diesem Allen stehen dem entsprechende Geister vor; auf diese Art hätte ein jeder Weittheil seine ihm eigenthümlichen Geisterkreise. Beobachtet nun einmal die Philosophien und Religionen, wie sie alle in Asien, als dem Haupte der Erde, den schönsten Ursprung hatten, besonders das- Christenthum, dann in Europa beherzigt wurden, und sich so erst nach Amerika verpflanzten, wo man Vieles materialisirte. In Afrika hat das Geistige noch keine bewussten Wurzeln gefasst. Es hat so ein jeder Welt- theil seine Individualität. In Asien begann das Leben, der Gedanke, welcher dann in Europa Wurzel und Fort pflanzung fand, durch Europa nach Amerika gelangte und nun Afrika erwecken soll. — Wir sagten, dass im Innersten der Erde auch Geister seien; so ist es. Viele Völker des Alterthums dachten sich das Innere der Erde bewohnt und von Geistern 13 — erfüllt. Die Erde wird mit ihrem Gravitations- und Bewegungsgesetz von Geistern begleitet, die dieser Bewegung folgen; denn einer jeden Bewegung steht gesetzlich ein geistiges Prinzip, das heizt eine Kategorie bestimmter Geister vor. Mittelst seiner Fluide dringt ein Geist überall durch, wo er Anhalt und homogene Fluide findet. So wie ein Geist bei geschlossener Thür, in einem gut verwahrten Raume dir erscheinen kann, so kann er auch ins Innerste der Erde dringen. Den Geisterfluiden ist der Stoff eine poröse Masse, die er mittelst seiner Fluiden und Kräfte durchdringt. Ohne dieses Durchstrahlen der Geister bis ins Innerste der Erdfluiden wäre kein Leben, keine Wärme, keine Bewegung von Innen nach Aussen; die Erde müsste erstarren. Es ist nicht nur nöthig, dass die Geister als Menschen auf der Erdoberfläche leben und sie bearbeiten, sie müssen auch als Geister im Innern der Erde arbeiten. Diese Arbeit ist für die betreffenden Geister eine unbewusste, mechanische, und wird nur von solchen Geistern ausgeführt, welche, tief gesunken, mechanisch folgen und den Fluiden der Erde eben adäquat und homogen sind. Nur die der mechanischen Arbeit zugeneigten und verfallenen Geister sind zu dieser inneren, fluidischen Erdatmosphäre-Arbeit geeignet; sie leben und folgen den Bedingnissen ihres Zustandes, sich selbst noch unbewusst; so wie sie auf Erden, als Menschen und Wilde, mechanisch, sich selbst geistig unbewusst, lebten und den Bedingnissen ihres Lebens folgten, arbeiteten, ackerten, jagten und auf ihre Art lernten, so folgen sie auch als Geister den Bedingnissen ihres Lebens, arbeiten und lernen. Diese Geister sind nun diejenigen, welche auf Erden wilde, tiefstehende Menschen sind; wenn sie sterben, gehören die Leiber der materiellen Erde, ihre Geister werden von den Erdfluiden erfasst und in die Rotationsbewegung gebracht; indem sie nun diesen Fluiden zur Belebung dienen, ist dieser Rotationsgang für sie eine sie reinigende, erlösende Arbeite. Für derartige Geister wird diese untergeordnete, fortgesetzte Arbeit — 14 — ein neuerweckendes Leben, welches ihnen das Selbstbe wusstsein wiederbringen soll; es reisst sie heraus aus der ewigen Verdammniss und geistigen Versunkenheit, und gibt ihnen nach einem Arbeitsturnus Kraft zur Wiedereinverleibung auf Erden. Dieses ist Alles höchst weise und gerecht eingetheilt, und wird durch höhere Geister nach Gottes Gesetz geleitet und überwacht. Wundere dich daher nicht über einen Traupmann — siehe, für ihn war seine Erdenexistenz doch schon ein Fortschritt; denn statt täglich Menschenfleisch zu essen und Hunderte zu morden, mordete er jetzt, seiner Mord lust nach, nur Sechs, und wird als Geist so lange mit dem Gesetz getrieben und fortrotiren, bis er daserlösende Gesetz der Bruderliebe im Christenthum zu begreifen anfangen wird. Was wird nun aber aus den Wilden, aus Solchen, die keinen Begriff von Gott und dem Guten haben? Sie sind eben solche tiefgesunkene Geister, die ein primitives Leben aus der Materie heraus beginnen sollen, um neu geweckt zu werden. Mit der Potenzirung der Erde und ihrer Fluiden werden sich auch die Arten ihrer Elemente und Geister ändern, potenziren. Plötzliche Kälte oder Hitze sind also Geister und Ode, dje aus jem innersten der Erde herausgehaucht und getragen werden. Die Erde steht ausserdem unter allerlei planetarischen Einflüssen: Von der Venus_ strömt ihr Lieblichkeit und Güte zu, Mars ist kriegerisch und reizbar, Jupiter vergeistigend, fortschreitend, Saturn nahrhaft, trocken, Mercur materiell, verbrennend, Uranus kalt und regnerisch, der Mond verliebt, sinnlich, selbst mörderisch. So oft die Erde nun in ihrem Laufe unter dem einen oder anderen dieser Einflüsse steht, äußern sich bei ihr diesen entsprechende Dinge — der Effekt spricht von der Ursache. Die früher erwähnte seelische Ähnlichkeit zwischen Mensch und Thier, ja das enge Band der Gesetze, das sie verbindet, hat manchen Naturforscher der Erde irre gelockt. Sie erklären diese Erscheinung eben nur materiell, nur nach dem, was sie an anatomischer Aehnlichkeit fanden, ohne des Unterschiedes zwischen Werdendem und Gewordenem zu gedenken, ohne zu bedenken, dass der Unterschied des Instinktes und der Vernunft, der Maschine und des Bewusstseins, doch auf einem wichtigen Gesetze beruhen müsse, ebenso wie die seelische und anatomische Aehnlichkeit. Es ist unmöglich, hier auf rein anatomischem und physiologischem Wege der Wahrheit auf den Grund zu kommen; dieser Weg allein wird die Menschen nie bleibend aufkläreh und belehren. Zu den materiellen anatomischen und physiologischen Studien sind geistige und seelische (psychische) Studien unumgänglich nötig und zwar durch den Verkehr mit dem geistigen Prinzipe, , durch Medien und Geister. Wenn ihr in dem euch Umgebenden, die Seelen, das Leben des Werdenden, in euch selbst die Unsterblichkeit und die Individualisirung desselben — das Gewordene betrachtet, so werdet ihr euch nicht mehr über die seeli sche Aehnlichkeit und über die scheinbare Kluft, die zwischen euch und dem vegetabilischen und animalischenx) Leben ist, wundern, sondern ihr werdet es euch erklären können. Viele sagen: der Mensch hat von allen Reichen in sich; so ist es auch. Die ganze Natur fasst er potenzirt in sich durch die Weckung des Seelenprinzips mit dem göttlichen Funken. Ja, es ist der Geist nach seiner Schaffung, wenn er rein und makellos durch Gott gezeugt, durch das Seelenprinzip, oder die relative Natur, empfangen und geboren wurde, eine relative Gottheit, eine Gott ähnlichkeit; und mag dann der Geist noch so tief fallen, mag er als Mensch noch so tief in der Natur stehen, er bleibt eben immer eine Gottheit nach dem Prinzip seiner Geburt — aber eine gefallene Gottheit. Nur aus dem Grunde ihres göttlichen Entstehens, als aus der Ursache eines ewigen Prinzips, können sich diese gefallenen Gottheiten, diese Geister des Gegensatzes, bessern, und liegt in ihnen der Kern, die Möglichkeit der Umkehr und Neu-Potenzirung. 3. Die Erscheinungen des geistigen Prinzips, oder der Intelligenz und des seelisch mechanischen Lebensprinzips oder des Instinktes, findet ihr, erstere nur im Menschen allein, letztere aber in den Fluiden, Vegetabilien und Animalien — in Allem. Die Erde ist derart gestaltet und steht auf solch materieller Stufe, dass ihre Menschen oder Bewohner von den Geistern, von allem fluidischen Leben wie ge trennt erscheinen und Nichts von Alledem zu sehen und zu hören vermeinen. Nun aber wissen wir,, dass der Mensch nicht allein organische,- sondern auch seelische und geistige Eigenschaften hat, daher er auch auf Erden neben der organischen, auch auf seelische Art und Weise sehen, hören und fühlen könnte. So gibt es viele Menschen, Medien genannt, die das sogenannte Äusser- materielle, die Geister und Fluiden, sehen und fühlen können. Es gibt viele Stoffe äusser der gewöhnlich sichtbaren Materie, die derb, schwer, tangibel und wägbar sind, wenngleich sie von den Menschen in ihrer Wesenheit nicht gesehen werden, sondern nur nach ihren Erscheinungen bemerkbar sind. Doch da alle diese Dinge durch Gesetze sind, so ist jetzt die Zeit da, wo die Menschen dieselben als positiv vorhanden entdecken werden. Bis jetzt haben sie. sich noch wenig um die Mittel dieser Entdeckung bemüht, und die Wissenschaft hat alles den Fluiden und Geistern auch nur Annähernde aus ihren Forschungen und Untersuchungen geschieden und verwiesen. Doch ist die Homöopathie als Heilgesgtz durch Potenzirung der Materie schon ein Beginn von einem wissenschaftlichen Beweise des Daseins geistiger Kräfte. Haben die sogenannten exacten Gelehrten bis jetzt die Ergründung dieses Beweises studiert und er forscht? Wissen sie, warum und wie die Dynamik so wunderbar heilt? Kennen sie die Wirkungsgrade und Kraftstufen der Potenzirung? Nein, sie haben sich gar nicht bemüht, hierin weiter zu forschen; ja, sie sind verwegen genug, das ganze Gesetz dynamischer Heilkraft, der Potenzirung der Materie schnurstracks zu leugnen, also auch alle Heilungen, die auf diesem Wege geschehen — 17 — zu ignoriren — und warum? Haben sie vielleicht triftige Gegenbeweise? O nein! Aber sie können nicht glauben und wollen nicht forschen; sie sagen einfach und kurz: die Homöopathie, der Heilmagnetismus und alle Medien sind ein Unsinn. Doch die Zeit, die Ereignisse und Umstände, das die Erde umgebende geistige Prinzip, die Geister werden durch ihre Fluiden und Einflüsse die Menschen veranlassen, jetzt auf diese Studien zu kommen. Die Rotation der Zeit und die Ereignisse, die sie mit sich bringt, müssen die Menschen zu Studien über Geister und Fluiden bewegen. Wir möchten gern so positiv als nur möglich sein. Vor der Hand ist es schwer, nur von dem zu euch zu reden, was ihr schon glauben müsstet ohne gegebene Beweise. Doch die Beweise, die euch gegeben werden, sind für die Menschen eben keine, weil sie sich eben nur auf Medien, also nur auf einige be schränken. Es muss dem aber doch ein allgemeines Naturgesetz zu Grunde liegen? Suchet und versuchet! Das Medium Home in England wird durch geistige Fluide gehoben, wie schwebend erhalten; Güldenstubbe erhält, durch die Fluide der Geister, - schriftliche Mittheilungen ohne Zuthat von Tinte oder Bleistift. Hunderte von Medien sind von den sonderbarsten fluidischen Kräften begleitet, so dass sie die mannigfaltigsten Phänomene erhalten, als Gesang, Sprache, Leuchten, Erscheinungen von Geistern. Ist das Nichts? Sind das keine Beweise? Oder aber sollen alle Medien Betrüger oder Phantasten sein? Sie sind doch, wie meist bekannt, ehrliche, trockene und nüchterne Menschen. Wissend, wie wenig die materiellen Beweise die Menschen überzeugen, gehen wir mit vielen anderen Geistern nicht den Weg der physischen Effekte, sondern den der vernünftigen Deduktion. Wir möchten euch kurz und bündig die Prinzipien der selben mittheilen und zur Beurtheilung übergeben. Äusser diesen drei individuellen Lebensprinzipien waltet noch das im Allgemeinen mechanisch belebende Prinzip. Es strömt aus dem Mittelpunkte und belebt das All, sich verdichtend durch alle Stufen hinab, — 18 — sich vergeistigend durch alle Stufen hinauf. Kein Stäub chen, kein Lüftchen, kein Thierchen, kein Leben ohne dieses Lebensprinzip; dasselbe wird aus dem Subjektiven in den verschiedenen Lebensturnussen objektiv oder ein zeln, bis es seine Potenzirung oder Vergeistigung erreicht und durch die Vereinigung mit Gottes Hauch und Licht individualisirt, oder zu Geistern oder zu einzelnen Subjekten wird. In den Embryo-Geistern bildet es dann die Seele oder Hülle des göttlichen, ewig lebenden Funkens, Geist genannt; das bist du, ich, sind wir, Alle. Nach diesen Prämissen^gehen wir nun zur Erde herab, und werden euch die Dinge, die ihr dort sehet, nach diesen Prinzipien erklären und zwar nach diesen drei geistigen Wesenheiten und nach dem Gesetze dieses Lebensprinzipes. Durch den allgemeinen Sündenfall entstand der Gegensatz des Gesetzes, und mit ihm die Gegensatz- Fluide, Gegensatz-Kraft, Gegensatz-Bewegung; wir nennen sie Electricität, Repulsion, Derotation. Die Electricität ist in ihrem Ursprünge geistig und wird fluidisch; sie hat die Repulsion als Kraft, und als Folge die Derotation. Das Gesetz ist in seinem Ursprünge Licht, beziehungs weise Magnetismus, hat die Attraction als Kraft und als Folge die gesetzliche Rotation. Diese sind im Prinzip die scharfen Gegensätze. In der Folge jedoch sind diese Gegensätze durch die Versöhnung, Assimilation, Stufen und Turnusse vereint, durch das Gesetz der Dynamisirung oder Potenzirung, der Einswerdung oder Harmonisirung fähig. Ja, Gegensatz und Gesetz sind in ihren Erscheinungen oft so eng in einander verwoben, dass der Mensch in Verwechslungen der Begriffe und Namen verfiel. Die Extreme stehen einander scharf gegenüber; es gibt aber vereinende Elemente, die noch in der Gährung und Harmonisirung begriffen sind und ein tiefes Studium zu ihrer richtigen Erforschung verlangen. So gibt es nach dem Gesetze keinen puren, reinen Magnetismus auf Erden, äusser in den Aeusserungen und Fluiden der hohen Geister an ihre Medien; doch auch diese Geister müssen zu eben diesen Aeusserungen mit Electicität, — 19 - gemengten Magnetismus an sich nehmen, wenn sie sich der Erde nähern. Der Mensch kennt die Electricität nur in ihrer Kraftäusserung und hat die fluidischen, nervengeistigen, perespritalen Zusammensetzungen und Wesenheiten derselben noch nicht erforscht. Durch die Dynamisirung oder Potenzirung wird die Electricität magnetisirt; dies ist auch das Gesetz, nach welchem der geistige Heilmagnetismus elektrische Krämpfe und Hysterien heilt, elektrische Geister bekehrt oder bannt. — Wenn du das Prinzip des Geistes auf Erden finden willst, so suche in dir selbst, o Mensch! Da findest du das stillsprechende, innerste Bewusstsein desselben; ja, da findest du den bewegenden Geist, den Herrscher und König, und unterscheidest ihn von der belebenden Kraft, der instinktiven Seele und Dienerin, die Ersterem mechanisch folgen soll. Wehe, wenn sie der König, und er der Knecht ist; wehe, wenn der hingebende Theil den erzeugenden beherrscht! Dieses bringt uns auf den Dualismus, in der Trias oder Dreifaltigkeit des Menschen, aller anderen Wesen und der Natur. Gehen wir auf einen Augenblick wieder zur höchsten Stufe, zu Gott empor, und wir finden auch in Ihm, der Alles fasst, die erzeugende Kraft und die ergänzende, hingebende Kraftaufnahme. So nannten wir Gott den Erzeuger, die männliche Kraft; das Lebens prinzip oder die Natur, die bildende, hingebende Kraft- Aufnahme; Beides aber kommt aus Gott, da Er aus Sich Selbst heraus die männliche, erzeugende, so wie die weibliche, empfangende Kraft entwickelt; wenn er diese beiden Eigenschaften nicht hätte, so wäre er eben kein Schöpfer und hätte das todte Nichts nicht zum Leben — 19 - cität gemengten Magnetismus an sich nehmen, wenn sie sich der Erde nähern. Der Mensch kennt die Electricität nur in ihrer Kraftäusserung und hat die fluidischen, nervengeistigen, perespritalen Zusammensetzungen und Wesenheiten derselben noch nicht erforscht. Durch die Dynamisirung oder Potenzirung wird die Electricität magnetisirt; dies ist auch das Gesetz, nach welchem der geistige Heilmagnetismus elektrische Krämpfe und Hyste rien heilt, elektrische Geister bekehrt oder bannt. — Wenn du das Prinzip des Geistes auf Erden finden willst, so suche in dir selbst, o Mensch! Da findest du das stillsprechende, innerste Bewusstsein desselben; ja, da findest du den bewegenden Geist, den Herrscher und König, und unterscheidest ihn von der belebenden Kraft, der instinktiven Seele und Dienerin, die Ersterem mecha nisch folgen soll. Wehe, wenn sie der König, und er der Knecht ist; wehe, wenn der hingebende Theil den erzeugenden beherrscht! Dieses bringt uns auf den Dualismus, in der Trias oder Dreifaltigkeit des Menschen, aller anderen Wesen und der Natur. Gehen wir auf einen Augenblick wieder zur höchsten Stufe, zu Gott empor, und wir finden auch in Ihm, der Alles fasst, die erzeugende Kraft und die ergänzende, hingebende Kraftaufnahme. So nannten wir Gott den Erzeuger, die männliche Kraft; das Lebens prinzip oder die Natur, die bildende, hingebende Kraft- Aufnahme; Beides aber kommt aus Gott, da Er aus Sich Selbst heraus die männliche, erzeugende, so wie die weibliche, empfangende Kraft entwickelt; wenn er diese beiden Eigenschaften nicht hätte, so wäre er eben kein Schöpfer und hätte das todte Nichts nicht zum Leben wecken können; so aber ist Gott der Erzeuger von Allem in Allem. Ihr findet in Ihm, das heizt in der von Ihm ausgeströmten Lebenskraft: Befruchtung oder Lebens- Vervielfältigungs-Bildungsfähigkeit; und doch sind diese Dualitäten in Gott durch das Geschaffene zu einem herrlichen Drei vereint. Nun werdet ihr es begreifen, dass Gott in Seiner Dreiheit dualistisch Alles aus Sich Selbst schafft. Wo Drei, da ist nothwendigerweise auch Zwei; die Zwei schaffen das Dritte, welches in der Er scheinung ein dreimächtiges Eins ist. Da alles Geschaffene ein in den Prinzipien Gott ähnliches, relatives Bild ist, so findet sich dasselbe Gesetz des Dualismus in der Trias auch in den Geistern und Menschen. In den, „neu^ geschaffenen Geistern wurde der göttliche Eunke zuin Erzeuger oder männlichen Prinzip und das potenzirte Seelenprinzip zur Empfängerin, oder zum weiblichen Prinzip. Beide sind in einem Dualgeiste geeint. Es ist in der Vereinigung dieser Zwei zu Einem der Eine nicht besser, der Andere nicht schlechter — sie sind sich gleich ! Das "Wort Duale schliesst die Gleichheit in sich, und 'heisst: zwei in Allem gleiche Geister' in einer fluidischen jEIülle geeint, zwei Wesenheiten bergend, doch vereint durch eine Liebe-, durch einen Willen. Dieses ist der paradiesische Anfangszustand der Geister, die grösste Glückseligkeit. In diesen Prinzipien sind sie zu bleiben, sich auszubilden und fortzuschreiten bestimmt. Erzeugung und Hingebung, zwei Geister und Wesenheiten in Einer Hülle, die vollkommenste Ergänzung zweier Prinzipien, die sich selbst genügen in vollster Liebe, in reinster Harmonie! Wie konnten doch nur Einige aus dieser Harmonie austreten?! Wie konnten sie der versuchenden Stimme des getrennten Gegensatzes, dessen einzelne Duale sich init Hochmuth oder Selbstkraft rühmen, Gehör schenken?! Der Wille war frei, die Dualgeister hatten als Solche zweiartige Liebe, zweiartigen Willen. Der empfangende Wille des weiblichen Geistes im Dual empfand den Willen und Wunsch nach der Erkenntniss der einzelnen getrennten Gegensatz-Geister. Dieses brachte zuerst in den Dualwillen, dann in die Dualliebe und drittens in die Dualkraft oder Fluide Uneinigkeit; durch das Sich- Theilen dieser dreivereinigten Zahl wurden die Dualgeister einzeln, oder Eins und Zwei, und erschienen als Mann und Frau. Die Dualtrennung hatte Einverleibung, Tod, Geburt, Lebensturnus, Menschen-Sinnlichkeit zur Folge — 21 — Wieder ihren Ursprung zu erreichen, wieder eins zu ^werden in einer Liebe, einem Willen, einer Hülle, ist das Streben, die Aufgabe aller gefallenen und getrennten Geister. Betrachten wir nun das Leben auf Erden. Wahrhaftig, sie ist ein Ort grosser Busse für beide Theile der gefallenen Dualgeister, aber besonders für den empfangenden, weiblichen Theil. Betrachtet das Weib der Erde: schwächer constituirt als der Mann, muss sie doch weit mehr leiden, als er. Während ihm nur der Genuss bekannt ist, musssie, die Schwächere, unter grossen Schmerzen, die durch die Liebe erzeugte Frucht gebären. Ihre ganze Entwickelung vom Kinde bis zur Jungfrau, von der Jung frau bis zur Frau und Mutter bringt ihr Schmerzen, die der Mann nicht kennt. Er geniesst und sie leidet. Auch ist die physische Arbeit des Erdenweibes keine minder harte, als die des Mannes. Im Gegentheil, oft arbeitet dieser hingebende Geist weit opferfäh— 21 — Wieder ihren Ursprung zu erreichen, wieder eins zu ^werden in einer Liebe, einem Willen, einer Hülle, ist das Streben, die Aufgabe aller gefallenen und getrennten Geister^ Betrachten wir nun das Leben auf Erden. Wahr haftig, sie ist ein Ort grosser Busse für beide Theile der gefallenen Dualgeister, aber besonders für den empfan genden, weiblichen Theil. Betrachtet das Weib der Erde: schwächer constituirt als der Mann, muss sie doch weit mehr leiden, als er. Während ihm nur der Genuss be kannt ist, musssie, die Schwächere, unter grossen Schmerzen, die durch die Liebe erzeugte Frucht gebären. Ihre ganze Entwickelung vom Kinde bis zur Jungfrau, von der Jung frau bis zur Frau und Mutter bringt ihr Schmerzen, die der Mann nicht kennt. Er geniesst und sie leidet. Auch ist die physische Arbeit des Erdenweibes keine minder harte, als die des Mannes. Im Gegentheil, oft arbeitet dieser hingebende Geist weit opferf— 21 — Wieder ihren Ursprung zu erreichen, wieder eins zu ^werden in einer Liebe, einem Willen, einer Hülle, ist das Streben, die Aufgabe aller gefallenen und getrennten Geister^ Betrachten wir nun das Leben auf Erden. Wahr haftig, sie ist ein Ort grosser Busse für beide Theile der gefallenen Dualgeister, aber besonders für den empfan genden, weiblichen Theil. Betrachtet das Weib der Erde: schwächer constituirt als der Mann, muss sie doch weit mehr leiden, als er. Während ihm nur der Genuss be kannt ist, musssie, die Schwächere, unter grossen Schmerzen, die durch die Liebe erzeugte Frucht gebären. Ihre ganze Entwickelung vom Kinde bis zur Jungfrau, von der Jung frau bis zur Frau und Mutter bringt ihr Schmerzen, die der Mann nicht kennt. Er geniesst und sie leidet. Auch ist die physische Arbeit des Erdenweibes keine minder harte, als die des Mannes. Im Gegentheil, oft arbeitet dieser hingebende Geist weit opferfähiger, als der erzeu gende, herrschende Geist des Mannes, wenn man die Constitutionen vergleicht. Die Bauers- und Arbeiters frau theilt, trotz Schwangerschaft und Ernährung des Kindes, alle Feld- und Landarbeiten des Mannes, ja sie muss obendrein noch für die Mahlzeit, das Körperwohl und die Bequemlichkeit Aller besorgt sein. —Die Bürgers frau scheint weniger Arbeit zu haben, als der Mann, und doch ist dem nicht so; denn während er im Bureau oder am Schreibtische sitzt, oder vielleicht anderweitig seinen Geschäften nachgeht, muss die Frau thätig im Hause wirken, sich um Alles kümmern, für Alles sorgen. Ihre Beschäftigung ist oft eine peinliche, weil so sehr ins Kleinliche, Alltägliche eingehende. Von den Tausenden, die mühsam arbeitend Tag und Nacht dasitzen zur Fristun g ihres eigenen, oder des Lebens ihres Kindes, mögen wir gar nicht reden. Es ist, als ob hier ein sühnendes Gesetz obwalte! Denn wenn in der Leichtfertigkeit und Sittenlosigkeit dieser Erde ausserehliche Kinder, Aus wüchse des Genusses, zur Welt kommen, wer trägt diese lebenslängliche Sorge und Last? Wieder das Weib!ähiger, als der erzeugende, herrschende Geist des Mannes, wenn man die Constitutionen vergleicht. Die Bauers- und Arbeiters frau theilt, trotz Schwangerschaft und Ernährung des Kindes, alle Feld- und Landarbeiten des Mannes, ja sie muss obendrein noch für die Mahlzeit, das Körperwohl und die Bequemlichkeit Aller besorgt sein. —Die Bürgers frau scheint weniger Arbeit zu haben, als der Mann, und doch ist dem nicht so; denn während er im Bureau oder am Schreibtische sitzt, oder vielleicht anderweitig seinen Geschäften nachgeht, muss die Frau thätig im Hause wirken, sich um Alles kümmern, für Alles sorgen. Ihre Beschäftigung ist oft eine peinliche, weil so sehr ins Kleinliche, Alltägliche eingehende. Von den Tausenden, die mühsam arbeitend Tag und Nacht dasitzen zur Fristung ihres eigenen, oder des Lebens ihres Kindes, mögen wir gar nicht reden. Es ist, als ob hier ein sühnendes Gesetz obwalte! Denn wenn in der Leichtfertigkeit und Sittenlosigkeit dieser Erde ausserehliche Kinder, Aus wüchse des Genusses, zur Welt kommen, wer trägt diese lebenslängliche Sorge und Last? Wieder das Weibiger, als der erzeugende, herrschende Geist des Mannes, wenn man die Constitutionen vergleicht. Die Bauers- und Arbeiters frau theilt, trotz Schwangerschaft und Ernährung des Kindes, alle Feld- und Landarbeiten des Mannes, ja sie muss obendrein noch für die Mahlzeit, das Körperwohl und die Bequemlichkeit Aller besorgt sein. —Die Bürgers frau scheint weniger Arbeit zu haben, als der Mann, und doch ist dem nicht so; denn während er im Bureau oder am Schreibtische sitzt, oder vielleicht anderweitig seinen Geschäften nachgeht, muss die Frau thätig im Hause wirken, sich um Alles kümmern, für Alles sorgen. Ihre Beschäftigung ist oft eine peinliche, weil so sehr ins Kleinliche, Alltägliche eingehende. Von den Tausenden, die mühsam arbeitend Tag und Nacht dasitzen zur Fristung ihres eigenen, oder des Lebens ihres Kindes, mögen wir gar nicht reden. Es ist, als ob hier ein sühnendes Gesetz obwalte! Denn wenn in der Leichtfertigkeit und Sittenlosigkeit dieser Erde ausserehliche Kinder, Aus wüchse des Genusses, zur Welt kommen, wer trägt diese lebenslängliche Sorge und Last? Wieder das Weib! Habt Ihr nicht aber Tausende solcher Beispiele?! Wo sind die Väter dieser Kinder? Wissen sie um das Leben der Wesen, deren Erzeuger sie wurden? Wissen sie um die sorgenvollen Nächte und Tage, die-das Weib, das einst ihrer Lust fröhnte, unter Thränen und schwerer Arbeit zubringt? Solche furchtbar derotirende, gegensätzliche Zustände erzeugen die grössten Laster; sie stellen das Weib unter das Thier, wenn dasselbe, von falscher Scham gepeinigt, das Kind ihrem Leibe entreisst und es tödtet! Thut dies das Thier? Und warum thun es solche tiefgefallene Geschöpfe des einstigen Paradieses? Aus einem der elendesten Gründe: aus Scham und Angst vor der Welt, nicht aber aus Scham und Angst vor Gott, ihrem Gewissen und der Ewigkeit! Welch ein Genuss wäre es wohl dem Weibe, sich in Studien und Arbeiten zu vertiefen, die denen des Mannes gleichen, der Welt ihre geistigen Kräfte zu widmen, ihren Denkungskreis zu erweitern. Doch darf sie dieses, wenn sie weiblich und in 'ihrem Kreise nütz lich bleiben will, nur bis zu einer gewissen Grenze. Das instinktmässige Wissen der Frauen ist zu bewundern; denn ohne Universitäten und Schulen zu besuchen, können sie-Selbst den unterrichtetsten Männern Stützen, ja oft auch Rathgeberinnen sein. Sie scheinen das Wissen durch Intuition an sich zu ziehen. Vor der Welt stand -der Mann scheinbar immer höher als die Frau; er hat auch für das industrielle und wissenschaftliche Feld das Meiste geleistet. Er war Künstler, Schriftsteller, Natur forscher, König der Töne, während die Frauen dies immer nur ausnahmsweise waren. Nun erhebt sich die Frage: können sie dies Alles nicht sein, oder hindern sie nur ihre anderen Frauenpflichten daran, es zu werden? Diese Frage beantworten wir etwas weiter unten. Jetzt wollen wir bloss sagen, dass nach seinem Wesen, in der Grösse und Erhabenheit desselben, der empfangende Geist_eben_so_gut_ist; wie der erzeugende, denn sonst könnten sie ja nie einige, oder innige Duale werden; sie sind nur durch den Fall uneinig, entzweit worden. Aber — 23 — auch in dieser Entzweiung könnte der Eine ohne den Anderen nicht bestehen. Was wäre zum beispiel das allgemeine, erzeugende Prinzip ohne das empfangende? Ein ver lorener Same. Was wäre das empfangende Prinzip ohne das erzeugende? Ein unfruchtbares Feld. Ihr seht, das Eine lebt durch das Andere; dir Gesetz ist: sich gegenseitig zu ergänzen und sogar hier auf Erden schon eine Aehnlichkeit ihres einstigen, einigen Dualwesens darzustellen. Wahrlich, der hingebende weibliche Theil des Duals sühnt durch Schmerzen und Demüthigungen seinen ersten Urfehler! Aber das Weib soll und wird auch der Schlange den Kopf zertreten, das heizt den Gegensatz versöhnen. Nun aber zu unserer Frage: — Können die Frauen den Männern in ihren intellektuellen Beschäftigungen nicht nachkommen, oder sollen sie es nicht? Sobald man den Dualbegriff als naturgesetzliche Zusammengehörigkeit und geistige Gleichheit inne hat, so ist die Antwort einfach. Sie können den Männern gleichkommen, doch sie sollen es nicht. Ihre Aufgabe auf Erden ist es nicht, öffentlich zu studiren und öffentliche Vertreterinnen aller Wissenschaften ’zu sein; ihre Aufgabe ist dies auf der jetzigen Stufe und in dem jetzigen Stadium der Erde noch nicht; denn sie sollen hier den Fall, die Trennung der Duale, dessen Anregung sie, der empfangende Theil der Duale, gaben, büssen. Desshalb haben sie hienieden eine andere Auf gabe, als der Mann. Inmitten ihrer Sühne und Schmerzen, inmitten der Worte: „In Schmerzen sollst du deine Kinder gebären“, liegt auch eine unendliche Seligkeit; das tiefe, herrliche Gefühl der Mutter, der Lebensgeberin, welches der Mann nicht kennt. Das Leben, die Menschen, die Bevölkerung, also auch ihr Wohl und Wehe, ihre Freude und ihr Leid, sie gehören mehr der Frau, als dem Manne; denn sie hat alle Menschen getragen, sie hat sie in sich gehabt, geboren, genährt und gross gezogen, sie gab dem Staate Söhne, den Söhnen Frauen und Kinder. Sie ist also die Mutter all dessen, was da ist. Die Mutterliebe, — 24 — ist das schönste und heiligste Gefühl der Erde, keines kömmt ihr an Reinheit und Opferfähigkeit gleich, und dieses Gefühl, es gehört eben der Mutter allein; dieses oft in den verworfensten Geschöpfen noch rührende Gefühl haben die Frauen vor den Männern voraus. Die Frau fühlt ihre Kinder mehr als ihr Eigen, und der innige fluidische Verband, der das Kind an die Mutter kettet, hat immer seine seelische Kraft und Nachwirkung, oft noch in der ärgsten Entmenschung und spätesten Verworfenheit der Gefühle. Vielen wird der Dualbegriff unangenehm und unheimlich sein; warum? Eben aus dem Grunde ihres Bruches und Falles; auf Grund ihrer in Selbstliebe und Egoismus verwandelten Dualliebe; auf Grund ihres in Hochmuth und Eigensinn verwandelten Dualwillens. Der Dualbegriff, als Ausgangs- und Endpunkt der Geister muss euch immer logischer und wahrer erscheinen; denn die Liebe, der Wunsch der Einigung, entspringen aus diesem Gesetz, so wie aus dem Dualbruche alle Fehler und Verirrungen erklärbar sind. Vielen Menschen wird, wie gesagt, dieser Dualbegriff nicht behagen, da sie, von ihrön Dualen getrennt, in Sinnlichkeit und Dualliebe- Verletzung, in eigenmächtigem Hochmuthe sich ergehen. Weil sie die wahre Dualliebe nicht kennen, die reine und hohe, ergehen sie sich in geistiger und leiblicher Liebeständelei, in Verirrungen. Was ist der Grund aller Laster, des Verfalls der Rassen und des Zunehmens aller Unsittlichkeit? Immer nur dieser eine sinnliche Fall der einstigen harmonischen Liebe. Durch diese Trennung sind beide Theile selbstliebcnd und selbst willig geworden; ein Jeder glaubt allein für sich bestehen zu können; der Mann trennt sich von der Frau, die Frau vom Manne. Besonders jetzt herrscht eine grosse Derotations-Bewegung unter den empfangenden weiblichen Geistern aus der ihnen gesteckten Bahn. Mit allem Ehr geiz streben sie ihrer sogenannten Emancipation zu und wollen sich den Männern in Wissenschaft, Industrie, Kunst gleichstellen; sie wollen hinüber rotiren in die Bahn der Männer. 0 Brauen! Euer enger und gering / _ erscheinender Wirkungskreis ist in der That in das Mark der Menschheit eingreifender, umfangreicher undwirksamer, als der des Mannes, der nach Aussen schafft. Doch gibt es keine Wirkung nach Aussen, wenn die inneren Ursachen, das Mark, die Seele des Ganzen nicht tüchtig sind. Wollt ihr diese innere Arbeit für die äussere verlassen? In der Demuth liegt Kraft, und diese Kraft gehört zu solchem fruchtbringenden Wirken. Je mehr die Frauen keck ihre Häupter zwischen die Männer stecken, desto erbärmlicher werden sie, weil sie aus ihrem Gesetz, der empfangenden, hingebenden Natur heraustreten, erzeugen wollen und es nicht können. Wenn jedoch die Frau, der Lilie gleich, geraden Weges, doch mit leichtgesenktem Haupte, treu neben dem Manne steht, dann wird dieser sie immer höher achten, besser lieben, ja, dann wird sie ihm unentbehrlich werden, und er wird sie als den köstlichsten Juwel schätzen. Das Weib hat, wie gesagt, die grössten Anrechte auf die menschliche Bevölkerung. Liegt nicht schon hierin allein ein Vortheil vor den Männern? Der Mann erzeugt das Kind, dann sind für ihn Freud’ und Leid verloren; der Mutter allein gehören sie an. Und ihr wollt Universitäten besuchen, öffentlich auftreten, den Männern gleichgestellt werden und hoffet hierin eine nie geahnte Grösse zu erreichen? 0 Frauen, wollt ihr euch eurer angebornen Grösse berauben? Wollt ihr euren Wirkungskreis, der so umfassend in das innerste sociale und civilisatorische Leben eingreift, selbst zerstören? Es wäre dies der grösste Fehltritt und eine ungeheure Derotation aus eurem Gesetze. Woher nun diese Bewegung unter den Frauen, diese Emancipationswuth, diese fixe Idee von ihrer fortwähren den Unterdrückung? Aus Grund der Entzweiung der Dualgeister, und weil eben nur solche entzweite Geister zur Sühnung und Besserung auf Erden einverleibt werden. Denn nicht, nur das Erdenweib will mit dem Manne wetteifern, auch ihre von einander getrennten Dual geister wollen es. Wir sagten, dass die Anregung zum Falle — 26 — durch den weiblichen, empfangenden Dualtheil geschah und durch den erzeugenden ausgeführt wurde. Desshalb sollen Beide sühnen und büssen, Jeder aber in der ihm vorgezeichneten Bahn. Keiner soll sich über den Anderen in Hochmuth erheben. Keiner ist im Prinzip minder oder mehr als der Andere, aber zur Erzielung der Har monie und Dualeinigung sind einem Jeden Bahnen vor gezeichnet, die seiner Wesenheit nach ihm am besten anpassen, und zwar für den weiblichen, empfangenden Theil nicht die ins Auge fallende, äussere industrielle und politische Arbeit des Mannes, sondern mehr die innere Thätigkeit des sozialen und Familien-Geistes. — Je mehr das Weib von ihrem eigenen Wirkungskreis erfüllt ist, desto reiner, geistiger und thätiger ist sie, desto höher steigt sie in ihrem doppelten Werth, und beschämt werden es die Männer fühlen, dass die ächte Weiblichkeit Wissen und Bildung, Häuslichkeit und Demuth zu vereinen weiss. Es gehört eine gewisse Kraft und Flexibilität des Geistes zur gerechten Vertheilung zwischen häuslichem und geistigem Ausbilden und Wirken. Diese Zweiseitigkeit haben nur die Frauen: denn die Männer sind meist von einer bestimmten Richtung absorbirt, nur dem Einen oder Anderen lebend. Die Höhe der weiblichen Reinheit, Klarheit und Ruhe wird selten von einem Manne erreicht. Der weibliche Wirkungskreis ist dehnbarer als der männliche, ohne in die 0 Öffentlich keit zu treten; er erhebt, aber verkleinert nicht den Geist; er stählt und klärt ihn durch tägliche Prüfung. Durch seine Stellung ist der Mann nicht so vielen täglichen Prüfungen ausgesetzt, da er immer den Vorrang hat und weniger gedemütbigt wird; daher ist aber auch der männliche Geist weniger geklärt. Weil eben die Erfüllung dieser Pflichten gar nicht leicht ist, so wollen sich viele Frauen ihrer entledigen und werfen sich auf die äusseren Wissenschaften, deren Erlernung minder schwer ist, weil sich mit Fleiss und Musse Alles erlernen lässt; es ist leichter, Zoologie, Geologie, Astronomie zu studiren, als die tägliche Ausübung der Demuth, Liebe, — 27- Nachsicht zu pflegen, als sich der Ausbildung des eigenen und anderer Geister zu weihen. Die meisten Männer würden von diesen Arbeiten in Extremen entsetzt zurück- schrecken. Dann soll das Weib die Erhalterin und Trägerin des Glaubens und der Liebe Gottes sein. Für Gott wirken und sprechen, das Bild der Reinheit darstellen, ist ihre Aufgabe. Dieses liegt dem Manne fern. Sie kann durch Liebe den Mann an sich fesseln, und wenn ihm dann das makellose Leben einer edlen Frau Gott zu erkennen gibt, hat sie dann ihre Aufgabe nicht erfüllt? Nähern sich dann nicht Beide der geistigen Dual-Verbindüng? Wir haben hier kein Wort gesagt, was nicht schon gesagt worden wäre, nur haben wir euch mit dem Prinzip eures Seins, mit dem Uranfang eurer Wesenheit, mit dem Grund purer Trennung und Sünden bekannter zu machen gesucht, Die uneinverleibten Geister haben in ihrem Zustande relativ dieselben Versuchungen, Aufgaben und Sühnen, wie die Menschen. Durch die Dualtrennung wurden die Geister in ein männliches und weibliches geistiges Prinzip getheilt. In den Turnussen der gesetzlichen Einverleibung ziehen die erzeugenden Geister den männlichen, die empfangenden Geister den weiblichen Samen an sich, um ihn nervengeistig, Erstere als Mann, Letztere als Weib auszubilden. — Nun geschehen auch hierin sehr oft Derotationen durch unfolgsame, eigenwillige Geister, so dass verkehrte Einverleibungen, als erzeugender Geister in weiblichem, empfangender Geister in männlichem Saamen, stattfinden. — Oft wieder liegen diese verkehr ten Einverleibungen im Buss- und Sühuungsgesetze der Geister, sie werden dann gesetzlich verkehrt einverleibt. Wenn jedoch diese verkehrten Einverleibungen durch Derotation oder Eigenwillen der Geister stattfinden, so haben sie gewöhnlich die furchtbarsten Folgen, die entsetzlichsten Auswüchse und Abnormitäten, als: Unweiblichkeit, Schamlosigkeit, Feigheit in moralischer Hinsicht. Physisch sind Hermaphroditen Früchte solch gegensätz licher Derotationen. Ihr findet oft einen leidenschaftlichen männlichen Geist - 28- in einem Weibe, und einen weibischen eitlen Geist in einem Manne; nehmet sie dann als verkehrte, gegensätzliche Einverleibung (Urninge*) anliehen männlichen Geist in einem Weibe, und einen weibischen eitlen Geist in einem Manne; nehmet sie dann als verkehrte, gegensätzliche Einverleibung Urninge*) an. 0 Mensch, es gibt nichts Herrlicheres, als der po-tenzirte weibliche Geist, und nichts Kraftvolleres, als der potenzirte männliche Geist! Ersterer ist die vollkommenste Schönheit und Liebe, Letzterer die vollkommenste Kraft, die vollendetste Weisheit. Wie unaussprechlich und über alle Beschreibung gross ist es, wenn sich zwei so vollkommene Geister zu ihrer dualen Einigung gegenüberstehen, um getraut, vermahlt zu werden durch das Dritte, sie einsmachende Fluid. Dies ist der höchste Moment in der Schöpfung. Engels chöre singen ihre Loblieder dazu und Gott schliesst das neuvermählte, wiedervereinte Dualpaar in seine Liebe, sein Licht, seinen Glanz inmitten dieser göttlichen, herr lichen Brautnacht, wo ein Bund für die Ewigkeit geschlossen wird! — Doch kehren wir wieder zur Erde, dem Orte der Sühnung und Prüfung zurück. Wie vieles ist noch ab zustreifen, abzulegen, bis zur Erreichung der herrlichen Dualeinigung! — das Dualleben, die Ver e i n i g ung zweier Wesenheiten in Einem Körper, oder die Wiedervereinigung, die Ver mählung des weiblichen mit dem männlichen Prinzip, ist nicht nur im geistigen und menschlichen, sondern auch im fluidischen, vegetabilischen und animalischen Leben vorhanden. Die eingehenden Studien der Natur, die Beobachtungen derselben liefern euch den Beweis dieser Zweiartigkeit, die vom kleinsten Objektiven ins Subjek tive übergeht, und in der Erscheinung geeint ist. Alles bis in das kleinste Stäubchen der Luft und Körnchen er erde, ist mannlich erzeugend, weiblich empfangend, *) Wir verweisen hier aut die „Forschungen über das Räthsel der urnischen Liebe“ (Liebe männlich gebauter In dividuen, uneigentlicher Männer, zu Männern) von Numa Numantius. (Leipzig, Commission bei H. Matthes, 1864—1866.) — Die Herausg. . (Leipzig, Commission bei H. Matthes, 1864—1866.) — Die Herausg. — 29 — fluidisch vereinend; diese Dreiartigkeit kömmt aus Gott und spiegelt sich im Kleinsten wie im Grössten ab, im Objektiven wie im Subjektiven. Der Mensch ist: 1) Geist, als bewegendes, sich äusserndes Prinzip, als Vernunft. ; ;; ’/" 2) Kraft , als SeeleundlebendesPrinzip, oder Instinkt. 3) Stoff, als Körperform, Organismus, Ausdruck. Aus dem zweiten, dem Lebensprinzip, strömt das , bindende, fluidische Lebensband, welches die Einverlei- j bung, die Ausbildung des Fötus, die Geburt geschehen . macht. — Bei den Geistern wird dieses Belebungs-Prinzip / zum Nervengeiste, das heizt zur fluidischen Hülle der Geister. '' — Die Einverleibung kann eine Ausdehnung des Nerven geistes, eine Organisirung desselben genannt werden, so wie die Entkörperung ein nervengeistiges Zurückziehen und Ansichziehen der Belebungsfluide aus den Organen genannt werden kann. Der Lebenskeim wird im Mutterleibe geistig be wegt, geweckt, seelisch und nervengeistig belebt, heran gebildet, geboren; das Kind wächst und gedeiht, wird zum ausgewachsenen, fertigen Menschen durch die selben Prinzipien, und stirbt durch das Zurückziehen dieser Prinzipien aus dem Organismus, das heizt der bewe gende Geist und das Lebensprinzip entziehen sich dem Körper, brechen mit ihm ab, gehen denselben Weg in sich selbst zurück, den sie aus sich selbst gegangen waren, und werden ein Geist, das heizt ein selbstbewusstes, individuelles, geistiges Wesen, welches den menschlichen Körper als abgestreifte Hülle leblos zurücklässt. Dieser Körper, baar des bewegenden und belebenden Prinzips, zerfällt und verwest, während der Geist fortlebt. Doch ist der Prozess des Todes von der Medizin immer noch nicht gründlich genug behandelt worden. Oft halten sie einen Starrkrampf, oder Sphejnto d^ eine längere Ab wesenheit des Geistes aus dem Körper, für die definitive Auflösung, oder den Tod. Da gäbe es noch viele Mittel, solche Todte wieder zu erwecken. Es werden eure Verstorbenen — 30 — meist schon nach einigen Tagen eingescharrt und begraben, denn sie waren ja todt, wie die Menschen sagen; in der Wahrheit aber waren sie es nicht, und befanden sich nur in einem unharmonischen physischen Zustand, welcher diese Starrheit auf das organische Leben verbreitete ; und wenn der Körper dann im Grabe liegt, muss der Geist durch die seelischen Qualen der totalen Trennung hindurch. Blaue Flecken am Leibe, ja oft auch der Verwesungsgeruch, sind keine untrüglichen Zeichen des wahren Todes, das heizt der totalen Trennung des Leibes vom Geiste; sie sind gewöhnlich Anzeichen, dass diese Trennung und Auflösung komme, aber sie sind nicht immer die Auflösung selbst. Die Menschen sollten grossartige, gut ventilierte und wohlein-gerichtete Leichen-Häuser oder Anstalten haben, in welche sie ihre Todten legen, und nicht vor dem neunten Tage und erst nach allen möglichen Wiedererweckungs- versuchen, begraben. Aerzte sollten zu jeder Stunde des Tages und der Nacht in diesen Anstalten die Erstarrten beobachten und wieder zu beleben versuchen. Besonders durch elektrisch-magnetische Einströmungen, ja selbst durch Magnetismus allein, könnte man schöne Resultate erzielen, so wie auch durch kalte Einpackungen und warme Bähungen, je nachdem die Krankheit eben war. Bei allgemein auflösenden Eirankheiten sind solche Versuche natürlich unnöthig. Eine solche Leichnams - Wiederb elebungs-Anstalt*), durch gute Medien wohl geleitet, würde manche Auferstehung feiern, manche Thränen trocknen. *) Wie wenig noch die gebildete Welt in dieser Hinsicht gethan hat, lehrt die kleine „Denkschrift über die Nothwendigkeit einer gesetzlichen Einführung von Leichenhäusern“, -von Friederike Kempner. (Breslau bei Wilh. Gotti. Korn, 1856.) — Die Herausg. Nicht in allen Krankheits- und Todesfällen trennt sich der Geist mit dem Nervengeiste gleich schnell aus dem Körper; durch lebensmagnetische Einströmung gäbe es hier manche Möglichkeit der Erweckung, das heizt der Wieder herstellung der Harmonie zwischen Geist, Nervengeist — 31 — und Körper. In manchen Fällen weilt der Geist länger beim Körper und könnte noch in denselben zurückgerufen werden. Christus kannte die Motoren dieser Wiederhelebungskraft, die, wie ihr seht, nicht aussernatürlich, I sondern auf Erden nur noch unerforscht und unerkannt sind. Die kleinste Disharmonie im Menschen hat seine 1 .Rückwirkung auf den Geist, und umgekehrt; man lebt in Wechselwirkungen. Austausch ist das ewige Treiben ; des Lebens, im Kleinen wie im Grossen. Es ist kein Gesetz, dass der Geist und Nervengeist nur in einem gesunden Körper leben können; sehr oft assimiliren sie sich einer kranken Materie und bilden einen kränklichen Organismus. Die Kränklichkeit des Körpers wäre keine Bedingung für die Trennung des Geistes aus demselben. Verletzungen der Lebensorgane haben den soge nannten Tod zur Folge. Doch gibt es viele Fälle, in welchen keine gänzliche Zerstörung stattfindet, wo die Thätigkeit der Lebensorgane nur paralysirt ist, und man den Geist zurückführen könnte in die Hülle, besonders durch Anrufung desselben, in welchem Falle der Geist. durch ein gutes Medium selbst Auskunft geben könnte, wie ihm am besten zu helfen sei. Wir wollen hier einen Zustand hervorheben, der ein Mittelding ist zwischen Scheintod und definitiver, wahrhafter Trennung des Geistes vom Körper. Wenn auch der Geist durch Krankheiten, Disharmonien aus seiner körperlichen Hülle verdrängt wird, er bleibt doch noch eine gute Weile bei demselben, und oft könnte man ihm noch einen lebensfähigen Eingang verschaffen durch Ersetzung der mangelnden Verbindungsfluide. Aus den Evangelien erseht ihr, dass man es kann. Doch das, was Jesus nur ein W ort kostete, kostet euch das Studium von Jahrhunderten, und noch habt ihr nicht einmal damit begonnen; die allgemeine Scheu von den Leichen hält euch ab, euch mit denselben zu beschäftigen, und wenn nun einmal der Arzt gesagt hat; „Der Mensch ist todt“, so muss er es auch sein, wenn auch Millionen Fälle von -32 — Scheintod vorkamen und noch Vorkommen werden. Alan behandelt eben die Körper der für todt Erklärten wie leblose Massen; man bahrt sie auf, man streckt sie aus, statt sie zu erwärmen, zu magnetisiren, zu elektrisiren, oder mit ihnen vorzunehmen, was eben angezeigt wäre. Die Anrufung des betreffenden Geistes würde manches Dunkel aufhellen. Doch darüber lacht die Welt und die (Medizin. Die Hinrichtungen zum beispiel Sind kein pløtzlicher Tod, keine definitive, spontane Trennung des Geistes vom Körper. Nach dem Bilde eures fleischlichen Körpers habt ihr einen Nervenkörper, welcher da ist und nicht so plötzlich getrennt werden kann. Die Geister sind nervauriscbe Bilder der Menschen. Der Geist selbst ist das Leben, die Empfindung inmitten dieser zwei sich gleichenden Bilder. Also fühlt er Alles dreifach: geistig, nervauriscb, fleischlich. Deshalb ist das plötzliche Nehmen des fleischlichen Lebens bei Hinrichtungen oder sonstigem Mord, kein definitives Stehen bleiben alles seelischen Nervenlebens; dieses Leben lebt noch fort, bis die nervaurische Agoniezes vollendet hat. Das Nervenleben muss sich austoben, bis es den Geist definitiv von sich gibt. Aus diesen Gründen ist der Krieg, aller Mord und Hinrichtung ein dreifaches Unrecht, das nicht nur an der Menschheit, sondern auch an den Geistern verübt wird; man tödtet gewaltsam den Körper, das animalische Leben, quält das Nervenleben und den Geist, welchem man eine lange, peinliche Agonie durch zukämpfen gibt. Obzwar der Verurtheilte es weiss, dass er sterben soll, 'so kann er doch nicht die sonst gradative Trennung des Geistes und Nervenkörpers vom Menschenleben vor bereiten und bewirken. Wegen dieser Widernatur ist aller Mord ein so furchtbar schreiendes Unrecht, da er gegen das von Gott eingerichtete Naturgesetz ist. Nur der Mensch erfindet die gräulichsten Todes- und Marter maschinen, und übt diese Unthaten aus. Ja, der selbst bewusste Geist ist der Gründer aller Gegensätze. Betrachtet die Thiere! Sie bekämpfen sich wohl, — 33 — eine Art die andere, doch bringen sie sich nie in der eigenen Art einander um. Kein Adler, kein Tiger zieht gegen Seinesgleichen, wohl aber der Mensch. Ja, der Christ zieht gegen die Christen und unterscheidet sich hierin nicht vom ungebildeten Heiden, der aus Un-1 wissenheit fehlt. Ihr seht den freien, selbstbewussten Geist.durch, seinen geistigen Fall tiefer stehen, als das dein Natur gesetz meclianjsch folgende Thier. Irrsinn, Blödsinn,Thier A Scheintod, Mord in der eigenen Art, sind Erscheinungen,’ die unter den Menschen, nicht aber unter den Thier kommen.__irn(I auf dies o Mensch! bist du so ein- gebildet und stolz?) Wir wissen nun, dass alle gefallenen oder einzelnen Geister männlich oder weiblich sind; gleicherweise sind es auch ihre Fluide. Ihr seht, dass der Mensch dreierlei Eigenschaften an sich hat: 1) geistige oder vernünftige; 2) seelische oder nervengeistige, und 3) körperliche oder organische.- 1) Durch seine geistigen Eigenschaften äussert er sich selbst individuell vernünftig, erhält eben solche Aeusserungen von Anderen und kann mit ihnen in geistige Verbindungen treten. 2) Durch seine seelischen Eigenschaften erhält er nervengeistige Verbindungen, fluidische Effekte und Er scheinungen und gibt solche von sich. 3) Durch seine organischen Eigenschaften äussert er sich organisch und empfängt die Aeusserungen des ihn umgebenden organischen Lebens. Auf diese Basis gründet sich der Geisterverkehr mit den Menschen als Naturgesetz, weil er als solcher in den Menschen und Geistern selbst hegt. Es ist also der Geister verkehr, mit den Menschen weder ein Wunder, noch etwas Außergewöhnliches, sondern er ist begründet im Gesetze der Gleichheit der Dualen, die durch Assimilirung, Vereinigung oder Mediumschaft zu ihrer harmonischen Verbindung gelangen. — Alles muss auf Erden entdeckt und herausstudirt werden; so war es auch mit diesem geistigen Verkehr, dessen Zeitpunkt der wirklichen Entdeckung und des gründlichen Studiums erst jetzt beginnt, obzwar er schon von der Erde Anfang her schlummernd in dem Menschen lag und von Vielen bereits als ein Naturgesetz geahnt wurde. Doch war bis jetzt im Allgemeinen der G-eisterverkehr noch als Mysticismus betrachtet; nun aber müssen sich die Men schen desselben als eines Gesetzes bewusst werden. Äusser A. J. Davis in Amerika, welcher im Jahre 1847 seine „Prinzipien der Natur“ und 1851 seine „Philosophie des geistigen Verkehrs als eine Erklärung der modernen | Geheimnisse“ veröffentlichte, war Allan Kardec in Frank reich der Erste, welcher hierüber ein ernstes, in’s Wissen schaftliche gehendes System anregte. Er hat somit in diesem Lande das Alpha oder den Grundstein zur systematischen Fortentwickelung dieses grossen Werkes gelegt. Wie viel haben die Menschen im Laufe der Zeit lernen müssen, wie viel hat sich ihnen als unbekanntes und doch ewig bestehendes Gesetz erwiesen! Trotzdem fahren sie fort zu verdammen und zu bespötteln, ja, das zu leugnen, worüber sie noch keine Erklärung fanden. Doch wir nicht zu den spöttern. die den Geist ganz leugnen, noch zu Denen, die den Verkehr für Teufelswerk halten; nein, wir wenden uns nicht an solche Beschränktheit; wir reden vielmehr zu Solchen, die lernen wollen, oder selbst thätig zu lernen suchen und der Er klärung geduldig harren. Unser Hauptzweck ist, die verschiedenen Mediumschaften, den Verkehr der Men schen mit der Geisterwelt nach den früher aufgestellten f Basen -positiv zu erklären, und wir fügen hier noch folgende Ergänzung bei. Die meisten Menschen betrachten alle Mediumschaften als Ausflüsse der, wie sie sagen, „magnetischen Kraft.“ Nun haben die Menschen überhaupt über diese „mag netische Kraft“ sehr einseitige Begriffe. Dreifach und dreiartig äussert sich der Magnetismus^ . im Menschen, und zwar: 1) geistig, als Licht — 35 — 2) fluidisch, als Attraction und Assimilation, 3) physisch, als Wärme und Ausströmung. Dieser Magnetismus ist indessen niemals ganz rein, sondern immer mit Electricität gemengt, äusser im reinen hohen Geiste, welcher dynamisirten, potenzirten Magnetismus enthält. Magnetismus, ist bewegend und je nach dem Geiste hoch oder niedrig potenzirt; Magnetismus 2) ist belebend, mehr oder weniger attraktiv und assimilirbar, das heizt flexibel; Magnetismus 3) ist mehr oder minder kräftig und warm, leicht oder schwer; er hat stets die zwei Ersteren als Bedingung, ist der physische Ausdruck ihrer Wesen heit, das Dritte dieser Duale. Äusser den Spiritisten kennt die menschliche Wissen schaft die meist nur dritte Erscheinung des Magnetismus, also die bedingte mechanische Kraft, die sich aber nie allein für sich vernünftig äussern könnte. Dieser dritte Magnetismus könnte sich nie selbständig intelligent äussern, wie es so viele Magnetiseure behaupten. Ohne geistigen oder seelischen Magnetismus, ohne Bewegung und Belebung, ist er latent, leblos. Es ist ein Unsinn und Widersinn, die medianimischen und somnambulen Effekte dem Magnetismus allein zuzuschreiben. Der Magnetismus 1) ist Licht, das heizt Princip, und solches liegt als Potenz des Geistes in ihm, seine Substanz, V seinen Werth und seine Stufe angebend; Mgt. 2) liegt in seinen Nerven und Fluiden; Mgt. 3) liegt im Blute und Körper. Der Mensch strömt eine Dreikraft aus und saugt ebenso eine Dreikraft ein. Durch dies Wechselleben, durch dies fortwährende Geben und Empfangen lassen sich alle geistigen, seelischen und körperlichen Zustände der Menschen und Geister erklären. Die Gesundheits bedingungen der Menschen, die Ursachen vieler Krank heiten, Ansteckungen, endlich alle Mediumschaften lassen sich aus diesen Gesetzen ableiten. - 36 — Auch die Geister haben diese drei Arten von Magnetismus in sich; der geistige und seelische bleibt derselbe, wie bei den Menschen; nur der körperliche Magnetismus ist hier fluidischer Magnetismus, welcher eben bei der Einverleibung organisch wird. Um euch die fluidischen Zustände der Erde gut zu erklären, müssen wir uns hier bei den Geistern, welche die Erde gesetzlich umgeben, aufhalten. Die fallenden Geister sind an ein Gesetz gebunden, in eine Bewegung eingeschlossen, und zwar in eine verdichtende, fortarbeitende, da es keinen Stillstand gibt. Durch diese Gesetze gelangen die Geister nach ihrem Sturz oder Fall mit den rotirenden Fluiden in die nie deren Welten, deren Bewohner sie zu werden bestimmt sind. Sie werden also, je nach dem Grade ihres Falles, in höhere oder niedere Welten einverleibt; sie gelangen je nach der Potenz ihres Geistes und der fluidischen Schwere ihres Nervengeistes, der chemischen Natur ihrer Hülle, an ihren Bestimmungsort. Hierin waltet nur das göttliche Gesetz, niemals die Willkür. — Die sich dem Gesetze widersetzenden Geister bleiben stationär, das heizt ohne Besserung auf ihrer Stufe stehen; an ihnen geht die bildende Rotation wirkungslos vorüber, ohne sie zu bessern und zu potenzhen, da sie als negative dieselbe von sich weisen und willkürlich stehend bleibend, derselben nicht theilhaftig werden können. Solche Geister mengen sich in allerlei Fluide; sie wollen sich eigenmächtig ein Gesetz machen und treten dem rotirenden, bildenden Gesetze hindernd in den Weg. Sie überhäufen es schaaren-weise mit Schwierigkeiten aller Art und müssen schliess lich ihre Ohnmacht einsehen. Wenn sie auch liie und da Revolten, Eruptionen, Gegensätze hervorbringen, so können sie doch nicht das kleinste Gesetz umstossen, die kleinste Selbstschaffung erzeugen. Diese Geister sind aber äusserst hochmüthig und glauben sich schon bei der kleinsten Störung, die sie verursachen, Schöpfer und Herren. Eine jede Welt hat ihre Geisterschaar um sich, die, — 37 — in der Atmosphäre, in den Fluiden derselben, welche ihnen adäquat ist, leben, und die so lange in ihre Welten einverleibt werden, bis sie hoch und rein genug sind, in eine höhere Welt zu kommen, das heizt , bis die Potenzirung ihres Geistes sie in eine höhere Rotation durch das Gesetz der Gravitation führt. Demnach ist auch die Erde, wie von ihren Fluiden, so auch von ihren Geistern umgeben, die mit ersteren fortrotiren. Diese Geister der Erde sind die sinnlichen, gewöhnlichen Menschen. Die hervorragenderen Menchen sind jadoch meist Geister einer höheren Welt. Eine jede Welt entfaltet ihr besonderes Talent, ihre besonders ausgebildete Eigenschaft. So hat die Venus die Darstellungskunst, Jupiter die Musik, ^Saturn die Schrift, die Erde die Kunst des Bauens und der Industrie. Da also eure Erdatmosphäre von Millionen ihr adäquaten Geistern belebt und bewegt ist, so findet ihr euch, bis jetzt noch unbewusst, fortwährend von Geistern umgeben, die, dem Rotationsgesetz der Erde folgend, turnusweise in dieselbe einverleibt werden. Diese Geister haben eine geistige, seelische, perispritische Ein wirkung und Abspiegelung auf alle Fluiden, chemischen Elemente und Zustände der Erde. Die Hüllen dieser Geister* sind nicht alle chemisch gleich begabt; einige entwickeln mehr Stickstoff, andere mehr Sauerstoff, Kohlen stoff, Electricität, Phosphor und so weiter , je nach der Potenz ihrer Geister. Dieselben leiten alle gegensätzlichen, electrischen Evolutionen bis in das Innerste der Erd atmosphäre; daher die Idee uralter Vorstellung von den in den Bergen, in der Erde wohnenden Geistern nicht so übel ist. Der Erweist im „Faust“ ist sehr gut dar gestellt. Göthe hatte als ein höherer Geist vollkommen das Verständniss des Geisteslebens in sich. Sehr schön und wahr sagt hier der Erdgeist im „Faust“: „In Lebensfluthen, im Thatensturm Wall’ ich auf und ab, Webe hin und her! Geburt und Grab, Ein ewiges Meer, Ein wechselnd Weben, Ein glühend Leben: So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit, Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.“ Das Wissen dieser Geister ist gering, geringer als das vieler Menschen, die aus höheren Planeten auf Erden t einverleibt wurden. Die Haupteigenschaften dieser Geister sind Hochmuth, Eigenliebe, Sinnlichkeit, Rohheit und O Dummheit. Langsam und allmählig, erst nach den Tur nussen mehrerer Einverleibungen, erlangen sie bessere Eigenschaften. Es gibt unter den Erdgeistern selbst viele Stufen, welche A. J. Davis in seinem „Reformator“ sehr gut angeführt hat. Diese Stufen könnt ihr auch in den verschiedenen Völkern der Erde beobachten. Der Glaube an Gott ist bei diesen Geistern abgestumpft, deshalb ist er auch auf Erden unter den Menschen nur in der Geringzahl vertreten. Alle Zustände der Erde jedoch bessern sich und schreiten gesetzlich vorwärts durch die Rotation und das Potenzirungsgesetz. Niedere und minder ausgebildete Medien und Seher schreiben nur mit solchen Geistern der Erdatmosphäre: da ihr Wissen beschränkt und ihre moralischen Eigen schaften niedrig sind, findet dieses in den Medien und ihren Aeusserungen seine Abspiegelung. Höhere Geister kommen entweder persönlich oder fluidisch zu den Medien, um sie zu beeinflussen, zu belehren und zu leiten; sie sind die Träger der Gnaden-gaben Gottes, welche ein jeder Mensch durch das Gebet an sich ziehen kann. Äusser diesen zur Erde gehörenden Geistern ist dieselbe auch vom gesetzlichen Princip, das heizt von Schaaren guter und hoher Geister umgeben. Dieselben haben die Leitung der Erde unter Führung eines Messias unternommen. Dasselbe Gesetz gilt auch für alle Welten. Allem steht das intelligente, leitende Princip vor. Gott ist allgegenwärtig; in ihrer göttlichen Abstammung und Potenzirung sind die Geister die Vertreter Gottes, das nach seinen jesetz intelligente, leitende princip welches, — 39 — der Führung der Welten vorsteht, auch heiliger Geist genannt. Wenn es also Gegensatzgeister in der Erdatmosphäre und ihrer- Bahn gibt, so gibt es auch helfende und leitende Geister in derselben, Geister der gesetzlichen Rotation und Gravitation. Der ~ Gegensatz ist niemals ganz verlassen vomgesetz, er hatbdasselben, wenn er es will, immer er es will, immer wieder anschliessen. Die gesetzlichen, leitenden Geister der Erde sind die Träger der Sonnenstrahlen, des Gebetes, des Magnetismus, der Fruchtbarkeit. Ihr guter Einfluss ist permanent um euch, als Gegengewicht zum Gegensatz; in ihren Schaaren findet ein jeder Mensch seinen Schutz-geist. So hat eine jede Welt ihr leitendes geistiges Princip, das heizt Geister, die schon gereinigt sind, die ihre Potenzirung erreicht haben und nun grossartig im Gesetz arbeiten. Sie leiten nicht nur die Bahnen der Welten und ihren Fortschritt, sondern sie leiten Alles bis in’s Kleinlichste, die Einverleibungen, Entkörperungen, Heilungen; sie überwachen den Gegensatz, ihm das Gegengewicht haltend. Ohne dieses intelligente, leitende Princip wäre keine gesetzliche Rotation und Bewegung,es wäre überall Umsturz, Verfall, Verwüstung und Tod. Wenn wir euch früher sagten, dass nicht alle Menschen-Geister aus der Erdatmosphäre seien, so heisst das, dass sich auch höhere Geister, die über der Erdenstufe stehen, auf dieser Welt einverleiben. Auch hierin liegt ein Gesetz, keine Willkür, und zwar das versöhnende Gesetz Gottes, die Attraktion, durch welche schaaren-und massenweise bessere geistige Einverleibungen auf Erden stattfinden, um als gebildete, edle Völker der Civilisation der Erde vorzustehen. Das Leben, die Thaten, die Schriften, die Kunstschätze und Denkmäler solcher Völker besitzt die Menschheit noch jetzt und schätzt sie hoch als Andenken und Erinnerung der Einverleibung dieser hohen Geister auf Erden. Von Allem, was da ist, habt ihr ein Bild auf Erden; auch von Gott durch Christum Seinen Sohn, den Erstling, 40 Seines Geistes, der die Erlösung und Bildung der Erde aus Liebe zu Gott übernahm. Also ist es wahr, dass ihr nur durch ihn, den Sohn, durch die Erkenntniss seiner Wesenheit und Kraft, zu Gott dem Vater gelanget; denn das dritte geistige Princip kann nur durch das Zweite zum Ersten gelangen, da 3 nur durch 2 zu 1 gelangt. Wir sagten ferner, dass es unter den Geistern, die sich in der Nähe der Erde befinden, viele Stufen gäbe; dieses prägt sich in den verschiedenen Nationalitäten der Erde, in deren prägnanten Oharacteren und vielerlei Eigenschaften aus. So gibt es Millionen israelitischer Geister, die, starr in ihrem Sinne stehen bleibend, Christum als Gott gesandten Geist und Messias nicht anerkennen wollen und immer nur als Israeliten erscheinen. Auch solche Geister gibt es, welche 'die mehrfachen Einverleibungen verabscheuend, hunderte von Jahren auf ihrer Bildungsstufe stehen bleiben und so ein negatives, gleich gültiges Element bilden. Beispiele hiervon folgen in diesen Kapiteln. Betrachtet die Nationen mit ihren Hunderten von Schattirungen, bilden sie nicht alle verschiedene Geister- Gruppen, verschiedene Geister-Arten durch ihre tausen derlei Meinungen, Auffassungen und Ansichten? Nun, ihr findet dieselben alle im Geisterreiche photographirt und abgespiegelt, so wie sich im Lichte, in der Atmosphäre Alles reflectirt. Wundert euch deshalb nicht, wenn ein jedes Medium seiner Persönlichkeit, seiner Umgebung und Nation, seinem eigenen Charakter Aehnliches schreibt; wundert euch nicht, wenn die Mediumschaften und geistigen Erscheinungen verschiedenartig auftreten; hier gemessen deutsch, dort heiss und poetisch französisch, hier experimentell amerikanisch oder gründlich englisch. Auch der Wilde, der Sohn der Wüste und Steppen, hat seine Art geistiger Manifestationen; denn eine jede Nation hat ihren ihr ähnlichen Geisterkreis. — So viel Menschen-Subjekte, so viel Geister-Subjekte; so viel objektive, 40, Seines Geistes, der die Erlösung und Bildung der Erde aus Liebe zu Gott übernahm. Also ist es wahr, dass ihr nur durch ihn, den Sohn, durch die Erkenntniss seiner Wesenheit und Kraft, zu Gott dem Vater gelanget; denn das dritte geistige Princip kann nur durch das Zweite zum Ersten gelangen, da 3 nur durch 2 zu 1 gelangt. Wir sagten ferner, dass es unter den Geistern, die sich in der Nähe der Erde befinden, viele Stufen gäbe; dieses prägt sich in den verschiedenen Nationalitäten der Erde, in deren prägnanten Oharacteren und vielerlei Eigenschaften aus. So gibt es Millionen israelitischer Geister, die, starr in ihrem Sinne stehen bleibend, Christum als Gott gesandten Geist und Messias nicht anerkennen wollen und immer nur als Israeliten erscheinen. Auch solche Geister gibt es, welche 'die mehrfachen Einverleibungen verabscheuend, hunderte von Jahren auf ihrer Bildungsstufe stehen bleiben und so ein negatives, gleich gültiges Element bilden. Beispiele hiervon folgen in diesen Kapiteln. Betrachtet die Nationen mit ihren Hunderten von Schattirungen, bilden sie nicht alle verschiedene Geister- Gruppen, verschiedene Geister-Arten durch ihre tausen derlei Meinungen, Auffassungen und Ansichten? Nun, ihr findet dieselben alle im Geisterreiche photographirt und abgespiegelt, so wie sich im Lichte, in der Atmosphäre Alles' reflektiert. Wundert euch deshalb nicht, wenn ein jedes Medium seiner Persönlichkeit, seiner Umgebung und Nation, seinem eigenen Charakter Aehnliches schreibt; wundert euch nicht, wenn die Mediumschaften und geistigen Erscheinungen verschiedenartig auftreten; hier gemessen deutsch, dort heiss und poetisch französisch, hier experimentell amerikanisch oder gründlich englisch. Auch der Wilde, der Sohn der Wüste und Steppen, hat seine Art geistiger Manifestationen; denn eine jede Nation hat ihren ihr ähnlichen Geisterkreis. — So viel Menschen-Subjekte, so viel Geister-Subjekte; so viel objektive, — 41 — Menschen-Meinungen, ebensoviel objektive Geister-Meinungen; hier gilt es eben zu unterscheiden, zu beobachten, nachzudenken und dann zu entscheiden. Die Elementar- Grundprincipien werdet ihr doch überall und bei Allem vorfinden, wenn auch noch so verdeckt und oft verdreht durch falsche Benennungen und Begriffe. Vieles lernt der Mensch unbewusst durch die ihn umgebenden guten Geister. Er nennt das eine gute Inspiration, einen guten Gedanken bekommen; er sagt dann: „Dieser Gedanke fiel mir plötzlich ein!“ Durch welches Gesetz fiel er dir ein? Weisst du es, du Hald der Gehirnwindungen und ihres Phosphorgehaltes? Nein. Aber du weisst es doch wohl, du offener und freidenkender Menschenkopf, du, der du vom Dasein deines eigenen und anderer Geister weisst, du, der du das Princip der Aehnhchkeiten und ihrer Assimilationen kennst? Indem du plötzlich einen Gedanken erhältst, theilt sich deinem Geiste ein anderes günstiges Princip mit, aus welcher Berührung beider geistiger Principien eine fluidische Verbindung oder Assimilation entsteht, die ihre Photographie oder Abbildung in deinem Hirn findet, welches den organischen Ausdruck des Gedankens bildet. — Die sogenannte Versuchung, beruht auf demselben Gesetz der geistigen Annäherung oder Assimilation, so wie auch viele Krankheiten, besonders der Irrsinn. Aus diesen Gründen ist die Wissenschaft dieser Gesetze dem Menschen gar so nöthig. Denn wenn man die Ursachen der Uebel und des Guten kennt, so ist ersteren leicht vorzubeugen und letzteres leichter an sich zu ziehen. Bei den meisten Anfangsmedien äussern sich zuerst die sie umgebenden Geister" aus der Erdatmosphäre. Es hängt dann vom Medium und seinem Willen selbst ab, ob es durch bessere Geister sich ausbildet und fort schreitet, oder nicht. Alle physischen, hör- und sichtbaren Effekte werden durch die Fluiden der Erdatmosphäre bewirkt, so wie in den höheren Manifestationen und Worten der Geister höheres Verständniss und höhere Fluide liegen. Die höheren Geister brauchen die Erdatmosphäre als chemisches Mischungs- und Verbindungs-mittel zu ihren Aeusserungen auf Erden. Oft verwenden sie niedere Geister dazu, denen dies ein hoher Unterricht und Fort schritt ist. Stellet euch vor, dass ein jeder Geist den Gang des Triangels gehen muss, und zwar: 1) durch die Ver nunft, die als Princip des Geistes bewegend wirkt, 2) durch seinen Willen, der als Kraft belebend wirkt, 3) durch seine Liebe, die im Fluid schaffend wirkt. So hat ein jeder Geist Vernunft, Willen, Liebe, oder Geist, Kratt, Stoff, mit denen und durch welche er sich fort- und ausbilden soll. Wenn nun diese Drei unharmonisch sind, so ist das Gleichgewicht des Triangels gestört; der eine oder der andere Balken ist fehlerhaft, der Geist hat derotirt, und zwar 1) durch die Vernunft in der .Geister dazu, denen dies ein hoher Unterricht und Fortschritt ist. Stellet euch vor, dass ein jeder Geist den Gang des Triangels gehen muss, und zwar: 1) durch die Vernunft in der Gegeubewegung so: nach Enks in der Derotirung, statt nach rechts in der gesetzlichen tirung, statt nach Rotation; auf diese art ist durch den gegenwillen die Harmonie, des triangel gebrochen, eben so 2) durch den Hochmuth als. Gegensatz zur Vernunft; 3) durch die Sinnlichkeit als Gegensatz zur Dualliebe. Auf diese Art bilden sich zu jeder ge-setzlichen Eigenschaft, oder jedem richtig stehenden Balken ungesetzlich rotirende Balken, ungeschlossene Triangel, und man sieht in der bildlich dargestellten Figur den ursprünglichen gesetzlichen Triangel gleichsam auf gehoben, seine Ureigenschaften von Nebeneigenschaften oder Gegensätzen begleitet; zieht man dann um das Ganze einen grossen Triangel, so hat man das Bild des Umsturzes, der Vervielfältigung vor sich. So wie ihr im menschlichen Unharmonischer, gegensätzlicher Triangel Lebeil den verschiedensten, in seiner Vervielfältigung u. Verkehrtheit, sonderbarsten Menschen begegnet, - 43 — so erhaltet ihr durch die mannigfachen Figuren- Combinationen allerhand Formen; hier zum Beispiel das Bild des Falles, des Wissensstolzes, durch Gegensatz- Vernunft allein; der Geist ist noch nicht vom Hochmuth angestochen, es ist das erste Stadium des Falles: (Abb. 1.) sehen seite 43 online Buch. Der zweite Fall, durch Hochmuth, schliesst den Eigenwillen schon in sich: (Abb. 2.) Der dritte totale Fall, die Sinnlichkeit, vervollständigt den Gegensatz-Triangel, und bildet ihn total um. (Abb. 3.) Hier seht ihr bildlich den grossen Weg, den ihr wieder gut Harmonischer, gesetzlicher Triangel in seiner gesetzlichen Rotation. zu machen habet. Ihr müsst die Vervielfältigung ver einfachen, die Materie vergeistigen und wieder der eine erhabene und doch so einfache gesetzliche Triangel werden. Abbild 1. Abb. 2. Ein jeder Geist übernimmt dieses sein Lebensgesetz und soll dieses, sein vervielfältigtes Zahlengesetz wieder zur Ur-Drei der gesetzhehen Vernunft, des gesetzlichen Willens und der gesetzlichen Liebe verwandeln und potenziren. Der eigene Wille des Menschen soll sich mit dem Willen Gottes, der sich durch das göttliche Naturgesetz kundgiebt, harmonisiren. Es kommen aber, wie ihr wisst, viele verkehrt und unrecht denkende Geister auf die Erde, welche diese Harmonisirung hindern; die Verantwortung für gebrochene, - 44 — Zahlen oder verursachte Derotirungen fallen nur auf sie zurück. Manche Geister, die so tief in die Sinnlichkeit verfielen, dass die Vernunft wie erstarrt und latent in ihnen liegt, machen einen Turnus von Einverleibungen durch, der sie wieder langsam durch viele Leiden und Einverleibungen zum vernünftigen Bewusstsein weckt, wo dann die Selbstbildung wieder beginnen soll. Mit Bewusstsein und eigener Kraftanstrengung soll der denkende Mensch den Willen Gottes in seinen Gesetzen suchen und zu erfüllen trachten. Es ist natürlich, dass kein Geist das ganze Zahlengesetz seines Daseins in einer einzigen Einverleibung erfüllen kann. In den gesetzlichen Zahlen oder Eigenschaften liegen die Proben, in den Proben liegt die Erfüllung oder der Fall. So fallen die Embryogeister durch Verunstaltung ihrer Ureigenschaften, durch Vermehrung ihrer Urzahlen, wodurch sie sich in Unregelmässigkeiten verstricken. Da stehen die Balken parallel laufend neben einander; der gesetzliche Weg, einmal verlassen, ist schwer wieder zu finden. Wirrwarr und Unklarheit umgeben solche Geister; sie verlieren ihre, frühere Kraft, die in ihrer Harmonie und Einheit lag. Doch fallen, wie gesagt, nicht alle Geister gleich tief; einige behalten diese, andre jene Zahlen oder Eigenschaften; dieselben können aber niemals sprungweise, sondern immer nur in Reih’ und Glied behalten werden. So zum beispiel kann ein Geist nicht durch Hochmuth allein fallen, er muss auch im Willen, nicht aber immer in der Liebe fallen. Es kann aber ein Geist durch die Liebe allein fallen, dabei nicht hochmüthig, wohl aber gegenwillig sein; ferner kann ein Geist durch den Eigen-willen allein fallen: er bleibt dann stehen und neutralisirt oder krystallisirt sich selbst zur Unthätigkeit. Zeichnet euch selbst nach den schon gegebenen Andeutungen diese verschiedenen Arten von Fällen auf, und ihr erhaltet die verschiedensten Figuren, Bildungen und Krystallisationen, die euch die mannigfaltigsten Stufen und Charaktere der Geister und Menschen darstellen. Die meisten der auf Erden einverleibten Geister, — 45 — müssen beim Eins anfangen, das Zerstörte wieder auf-bauen und jede einzelne Scharte der Balken aüswetzen. Die gewissenhafte Durchführung dieser Arbeit potenzirt euren Geist und erfüllt euer Lebensgesetz. Ihr habt; ohnehin so viel geistige Hülfe dabei, als ihr nur' wünschen könnet; hat euch Christus nicht selbst versprochen, bei euch zu bleiben? Er ist das Bild der Vergeistigung auf Erden; Ihm trachtet nachzukommen! Alle hohen Principien entarten in Fanatismus; so auch das Wort der Selbstkreuzigung und Abtödtung, das in eine unwürdige Marter des Körpers ausartete. Doch der geistige Mensch wird uns verstehen; er wird wissen, was wir meinen, indem wir ihm sagen, Christo nachzufolgen. Das Urgesetz der Drei in Eins, welches das Dual gesetz in sich schliesst, ist mit logischer Folgerung auf Alles anwendbar. So bildet der Mensch selbst einen Triangel. Der Geist ist die Spitze oder Culmination des Triangels, welche der Kopf des Menschen mit seinen Denkorganen darstellt. Der Geist oder die Gedanken durchströmen den Menschen, ihn als Licht und Motor nach rechts und links bewegend. Die Fluide concentriren sich im Sonnengeflecht, (nehmet für dieses die Basis des ersten Triangels, welcher aufrecht steht △ triangel), unter dem Herzen des Menschen. Der Mensch ist Folge des geistigen Falles, deshalb ist er wie alles Lebende, in Gegensätze oder Polaritäten getheilt. Vom Gehirn also bis zum Sonnengeflecht geht der gesetzliche Triangel oder das Reich des Lichtes und Geistes; dort condensiren sich die zwei Polaritäten, das heizt der zweite Triangel, der Triangel des thierischen Lebens, schliesst sich als umgestürztes Gesetz an den ersten. Triangel, wie folgt: Das potenzirteste magnetische Fluid geht vom Geiste oder Lichte aus in das Nervensystem und Sonnengeflecht. Die elektrischen Fluide kommen von den Unterleibs organen ebenfalls in das Sonnengeflecht, und zwar als, — 46 — Wärme. Indem das Sonnengeflecht die Attraction bildet und die Polaritäten in sich vereint, kondensirt und bereitet, so hat es auch die Kraft der "Wiedergabe und Repulsion; die geistigeren Fluide steigen in das Gehirn, die elektrischeren in Unterleib und Füsse; erstere geben dem Gehirne Nahrung und Flexibilität, letztere den Unterleibsorganen Verdauung, den Füssen Bewegung. Ihr denket und gehet im Gesetze der magnetisch-elektrischen Polaritäten und in der Condensirung derselben. Störungen dieser Verhältnisse nennt man Krankheiten, Irrsinn, Blödsinn, Krämpfe, Schlag. Wenn der Mensch nun diese zwei Triangel bilden soll, so nehmen wir an, dass die geistigste Potenz, das heizt der persönliche Geist, hauptsächlich auf die Spitze oder das Gehirn wirkt; dass diese Wirkung sich durch den ganzen Organismus verbreitet und sich mit den elektrischen, materiellen Lebensfluiden des Unterleibes im Sonnengeflecht kondensirt, wo der Hauptsitz der nerven geistigen Fluide, des Gefühls oder der Seele ist. Auf diese Art ist dergeist hauptsächlich im Gehirn, die Kraft im Sonnengeflecht, der Stoff im Unterleib. Bei seiner Einverleibung muss der Geist sich an diese Gesetze halten. Er selbst und seine Eltern leben und sind ja nur nach diesen Gesetzen Geist und Mensch. Bei der Einverleibung sehen wir aber den Drei-Geist, die Drei-Kraft, den Drei-Stoff in einer Wirkung; da nun dieselben niemals harmonisch sind, so seht ihr ein, wie, schwer es ist, erstens, harmonische Eltern zu finden, zweitens, sich selbst harmonisch einzuverleiben. Hierbei arbeitet das Gesetz der Assimilirung, Condensirung, oder Gleichmachung. Ein jeder Geist hat diesem Gesetze zu folgen; und wenn seine Vernunft nicht ausgebildet genug ist, dieses Gesetz zu erkennen, so hat er. den Instinkt, seehscli-mechanisch zur Befolgung dieses Gesetzes treibt. Weil aber viele Geister im Vernunft-Gegensatze ausgebildet sind und die Erde selbst ein gefallener Planet ist, so sind die Einverleibungen auf derselben sehr schwer zu harmonisiren. In dieser Unharmonie liegen vie vielen Leiden des Weibes, die Sinnlichkeit der Eltern, die Degeneration der Kinder. -47- Bei seiner Einverleibung, wirkt der Geist absolut motorisch auf den Vater, relativ belebend auf die Mutter. Ist nun dieser absolute Lebenskeim in der Mutter, so ist auch der sich ein verleiben wollende Geist, und zwar durch seinen Perisprit, fluidisch im Fötus, dem er seelische Lebenskraft gibt: der Geist selbst ist an Mutterund Fötus gebunde und befindet sich in einer oft schmerzlichen, organischen und nervengeistigen Umgestaltung. Während nun der wachsende Fötus durch die Mutter thierisches Leben an sich saugt, zieht er durch den ihn belebenden Geist seelisches Leben an sich. Da der Geist die Mutter fortwährend umgeben muss, so sind dadurch die verschiedenartigsten Seelenzustände der schwangeren Frau zu, erklären, weil eben der sie umgebende Geist grosse seelische Einwirkungen auf sie hat. Die Einwirkungen der Mutter auf das noch ungeborene Kind sind bekannt; hierin suchet wieder die Polaritäten, die sich berühren, kondensiren, abstossen, um ein drittes Ganze zu bilden. Wenn die Frucht das Stadium der materiellen Reife erreicht, prägt sich das seelische Leben immer mehr und mehr in demselben aus, so dass das Kind zum lebenden Wesen im Mutterleibe wird. Der Geist bildet sich also mit dem Fötus, durch die perispritischen oder nervengeistigen Fluide auf ihn motorisch einwirkend, im Verein mit dem thierisch-organischen Leben der Mutter seinen Organismus; die Einwirkung des Geistes auf denselben ist also bis zum Zeitpunkt der Geburt dieses seelisch und organisch lebenden Kindes eine äusserliche. Doch im Prozess der Geburt kehrt der Geist immer mehr und mehr in seinen Körper ein; und der erste Schrei des Kindes kündet euch die vollständige Menschwerdung des Geistes an. Nun kann der Geist nicht mehr von Aussen auf seinen Körper einwirken, sondern er wirkt von Innen heraus, aus dem Körper. Die Erscheinungen todter Kinder sind - 48 — Zurückziehungen des Geistes aus dem Organismus. Die Erscheinungen von blödsinnnigen Kindern sind ebenfalls Folge von dem Nichteingehenwollen des Geistes in den Körper des Kindes, wodurch die Harmonie des herrschenden Geistes im Körper nicht hergestellt ist und statt dessen das seelische Leben regiert. Doch nun wollen wir einige Beispiele von Mediumschaften anführen, und zwar von verschiedenen Personen, beginnen aber mit den Mediumschaften der Verfasser dieses Buches: Adelma und Odön Vay. Der Titel oder Hauptteil des Buches ist die römische Ziffer zwei. II. Mediumschaft der Adelma Freiin von Vay, geb. Gräfin von Wurmbraud. Durch die Gnade Gottes jetzt in so regem Verkehr mit der höheren Geisterwelt, kann ich mich gar nicht erinnern, jemals früher Andeutungen meiner Mediumschaft oder Zeichen derselben erhalten zu haben; ich weiss in der Geschichte meiner Kindheit nicht einmal besondere Zeichen von Sensitivität anzuführen, geschweige denn Merkmale einer Sehergabe oder Mediumschaft; denn lebhafte Träume hat wohl ein. jedes Kind, besondere Antipathien und Sympathien auch; und nur solche waren bei mir stark ausgeprägt. Von früh an liebte ich Gott und glaubte au Ihn, hatte Zutrauen zu meinem Schutzgeiste und eine besonders tiefe Verehrung für Maria, die Mutter Jesu, eine eigene Liebe für die armen Seelen Doch auch diese sind religiöse Neigungen, die fast ein jedes empfindsame katholische Mädchengemüt fühlt und fühlen muss, wenn es von frommen und guten Eltern erzogen ist. Ich hatte von Klein auf den ernsten Drang, die Erkenntniss meiner Lebensaufgabe zu erlangen; und dass ich mich dann oft im Gebete seltsam gelabt und innerlich erhoben fühlte, dieses ist eine grosse Güte Gottes, für die ich nie genug Ihm danken uud Ihn preisen kann. — 50 — Das einzige Erwähnungswertlie aus meinem Mädchen leben ist, dass ich trotz meiner Liebe zu den armen Seelen eine grosse Scheu und Angst vor allem Geister-haften hatte und mir nie derlei Erscheinungen zu sehen wünschte. Im Herbste des Jahres 1865 machten wir, mein Mann und ich, die Bekanntschaft eines Magnetiseurs Dr, G.Dieser behauptete, die Eigenschaft des geistigen Schauens auf meiner Stirn phrenologisch ausgeprägt zu sehen, und rieth mir, das magnetische Schreiben zu versuchen. Ich wies jedoch solches mit grosser Verachtung von mir, es als antikatholisch bezeichnend. Von Kindheit an hatte man mir gelehrt, allen Aberglauben zu meiden und den richtigen gesunden Verstand beizubehalten; diesem Prinzip wollte ich nun nicht untreu werden. Dr. G. liess jedoch nicht nach; er versuchte es, mich zu magnetisiren und behauptete, ich würde gleich einschlafen; doch fühlte ich nicht die geringste Veränderung dabei, eben so wenig Effekt hatte auf mich ein (Ilas magnetisirtes Wasser, welches ich trank. Nun erklärte mich Dr. ff. umsomehr für stark magnetisch und blieb fest dabei, zu behaupten, dass ich ein Seh- und Schreibmedium sei; er rieth mir, mich als solches besonders zur Stärkung meiner Gesundheit zu versuchen. Ohne krank zu sein, war ich doch von sehr zarter Constitution und litt öfters an schmerzhaften Krämpfen. Ich hatte den Rath des Dr. ff. beinahe vergessen, als ich eines Tages, an heftigen Krämpfen leidend, meinem Manne scherzweise erklärte, ich wolle nun das magnetsche Schreiben als Heilungsversuch anwenden. Gesagt, gethan; ich nahm einen Bleistift in die Hand, al? ich plötzlich meinen Arm wie durch elektrische Ströme bewegt fühlte; die Hand wurde hin und her gerissen, und es schrieb in grossen Buchstaben: „Ich bin Thomas, dein Schutzgeist — schreibe magnetisch, es thut dir gut, du wirst ganz gesund. — Heinrich — Sarg — 1867 für euch ein Trauerjahr. — Napoleon’s Sturz 1870.“ Erschöpft hielt ich inne und fing nun an, mit meinem, — 51 — Manne das Geschriebene langsam zu entziffern, da ich keine Ahnung des Wortlautes hatte. Leider traf die Prophezeiung über Heinrich, den Bruder meines Mannes ein, da er richtig im Jahre 1867 nach langwierigen schweren Leiden verschied. Meinem Manne und mir wurde es sehr unheimlich, ich fühlte mich unbehaglich; das Unbekannte und Geisterhafte war uns Beiden unan genehm. Ich ging zur Ruhe, mir fest vornehmend, dieses „magnetische Schreiben“, wie ich es nannte, nicht mehr zu versuchen. Wir hatten damals Beide noch keine Ahnung vom Spiritismus und von der Existenz so vieler spiritistischer Bücher; wir hatten uns nie, weder mit Magnetimus noch mit Mystizismus beschäftigt. Obzwar ich einen eigenen Reiz in Geister-Geschichten und Märchen fand, so hatte das Wort „Geister“ doch stets etwas Unheimliches, Grauen haftes für mich. Ich erinnerte mich nun wohl, dass ich als zwölfjähriges Kind mit meiner jüngeren Schwester unseren Kindertisch gerückt hatte, so dass er im Zimmer her umflog, bis es uns verboten war, dieses Spiel weiter zu treiben; ich war also gewöhnt, das Tischrücken als etwas Lächerliches und Abergläubisches anzusehen. Ich führe hier das Tagebuch über die Entwicklung meiner und meines Mannes Mediumschaft an. Ich lasse Alles unverändert, mit den Ausdrücken und Begriffen, die ich damals über diese Sache hatte, damit man sehe, wie unbekannt uns der Spiritismus, war. Unerfahren und unbelesen, wie wir waren, hatten wir nur den festen Glauben an Gottes Güte. Wenn mir das Schreiben auch, unheimlich war, so hatte es doch etwas äusserst Spannen des für mich, weil ich eben von Kindheit an eine warme Freundin und Fürbitterin der armen Seelen war. Ich begann also die Geister, die mir schrieben, all mählich zu lieben, da ich in ihnen arme leidende Seelen fand, die um meine Hülfe baten. Das katholische An dachtsbuch: „Trost der armen Seelen“, von Josef Ackermann, war von meinem sechszehnten Lebensjahre an, — 52 - mein steter Begleiter gewesen, und so fand ich nun in den Bitten und Aeusserungen der Geister Bestätigungen dessen, was ich in diesem Buche über die armen Seelen gelesen hatte. Sonderbar und frappant war mir dieses mechani sche Schreiben ohne Selbstdenken. Es war mir, als erzählte mir da Jemand Geschichten, und als hörte ich zu; die Bewegung des Armes, das Schreiben geschah da bei ganz ohne meinen Willen und Einfluss. Der Geist Thomas, der mir schrieb, war ein Bekannter meiner Kindheit, ein talentvoller junger Mann, der mit neunzehn Jahren starb, und den wir Alle sehr lieb hatten. Merkwürdig war ein Traum, den ich die Nacht vor seinem Tode von ihm hatte. Ich träumte, er wäre zu mir gekommen und habe mir sehr traurig gesagt: „Lebe wohl, ich muss jetzt weg gehen; bete du für mich, denn ich hatte dich sehr heb!“ Ich bat ihn zu bleiben, da wurde er sehr blass und verschwand immer mehr. Ich weinte so heftig im Traume, dass ich darüber erwachte. Nach drei Wochen erhielten wir die Nachricht seines Todes. Die Nacht, als ich diesen seltsamen Traum hatte, rang er bereits im letzten Todeskampfe. Meinem Vorsatze des Nichtschreibens war ich also untreu, anfangs vielleicht aus Neugierde, dann aber aus Interesse und Liebe zu den leidenden Geistern. Nun lasse ich hier Bruchstücke aus meinem damals geführten Tagebuche folgen: Am 20. Januar 1865. — Ich nahm Abends den Bleistift in die Hand, und Thomas schrieb Folgendes magnetisch mit mir: „Ich bin vereint mit dir, bete für mich alle Tage, ich bleibe bei dir, bis du stirbst. Seit der Stunde meines Todes bin ich dein Schutz geist, als ich damals dir im Traume erschien. Gott war mir barmherzig. Lass mir an meinem Todes tage eine Seelenmesse lesen, gehe dann zur Boichte und Communion und opfere es für mich auf. Ich habe es nicht vergessen, dass du mir einmal im Wallfahrtsorte, - 53 — ein Kerzeben brennen liessest; ich habe dein Gebet damals woblthuend empfunden*). fussnote. *) Ich war ein Jahr nach dem Tode dieses Thomas, in meinem sechszehnten Jahre, in Oswitz gewesen und betete damals recht innig für seine Seele, und zündete ihm dabei auch das pflicht schuldige Kerzlein an. Seitdem waren aber acht Jahre vergangen; ich hatte es schon beinahe ganz vergessen und freute mich nun zu hören, dass ihm damals mein Gebet wohl gethan habe. **) Er meinte vielleicht hiermit das in meiner Einleitung näher erklärte Dualverhältniss der Geister „Sei nur brav, Adelma, denn du erlösest mich dann ganz; ich bin noch fehlerhaft. Es freut mich zu sehen, dass Ödön dich liebt; er liebt dich schon von jeher. Immer schon fühlte er deinen Magnetismus, noch ehe du ihn kanntest; euere Seelen sind vereinigt.Fußnote2. „Ich schreibe dir ein magnetisches Lied: - 53 — ein Kerzeben brennen liessest; ich habe dein Gebet da mals woblthucnd empfunden*).Fußnote, Ich war ein Jahr nach dem Tode dieses Thomas, in meinem sechszehnten Jahre, in Oswitz gewesen und betete damals recht innig für seine Seele, und zündete ihm dabei auch das pflicht schuldige Kerzlein an. Seitdem waren aber acht Jahre vergangen; ich hatte es schon beinahe ganz vergessen und freute mich nun zu hören, dass ihm damals mein Gebet wohl gethan habe. Fußnote2, Er meinte vielleicht hiermit das in meiner Einleitung näher erklärte Dualverhältniss der Geister. Fußnote am Ende. „Ich schreibe dir ein magnetisches Lied: „Die Todtenschau mit mir ist rein, Mit Gott ich geh zum Himmel ein, Aber zu schwach ist noch meiu Geist, Dass er den Schöpfer würdig preist. 0 Tod, ich habe dich bezwungen Und deinen Stachel dir entrungen. Bei Gott ist meine Seele ja, Mit Engeln singt sie Hallelujah! Ich steh bei dir um Mitternacht Und halt an deinem Bette Wacht Mit Zrinyi Gilda, die Ödön Zu ihrem Schützling ausersehn. Zu Gott steigt dein Gebet empor, 0 streb’ zu mir in der Seeligen Chor. Ein Engel Gottes, mild verklärt, Wenn du im Leben dich bewährt, Will ich im Tod’ dich einst geleiten In Gottes schöne Ewigkeiten. Aus deiner Seele geht ein Strom, Ein warmer Hauch, ein Duftarom! 0 hab’ mich lieb und bet' für mich! Ich lieb’ dich ja herzinniglich. Doch, süsses Herz, dir ist so bang? Ach! Wahrer Liebe Leid ist lang! Steig indess empor, mein Geist! Sieh, du bist nicht liebverwaist. — 54 — Lobo Gott mit Innigkeit, Dank’ Ihm für die Himmels-Freud’, Adelina! Ödön.' bleibt bei mir, Betet, betet, ach! mit mir. Thomas.“ Frage: Wer ist Zrinyi Gilda? Antwort: „Ich bin es Zrinyi Gilda, ein Geist. Ich soll Ödön beschützen. Adelma, mache Ödön zu Gottes Knappen hienieden; wenn du ihn magnetisirst, wird er auch schreiben und Gott dienen.“ Adelma’s Frage: „Seit wann bist du bei mir?“ Gilda: „Seitdem du Ödön kennst. Auch dich habe ich lieb; bete für mich, denn ich brauche es auch. Gieb’ Ödön ein Glas magnetisirtes Wasser, damit er mit Thomas den Zrinyi Miklös zeichne.“ Ich magnetisirte für meinen Manu ein Glas Wasser, und nachdem er es getrunken hatte, versuchte er zu schreiben. Seine Hand bewegte sich wirklich; doch machte sie anfangs nur Striche, wobei sein ganzer Ober körper schwankte; zugleich fühlte er eine heftige Bewe gung in der Herzgrube. Nun hielt ich meine Hand über der seinen, worauf die Striche heftiger wurden. Ich trug nun Gilda, was zu thun sei? Sie schrieb: „Der Magnetismus wirkt sehr gut: gieb’ ihm ein reines Blatt Papier, Thomas zeichnet dann mit ihm meinen lieben Mann, den Zrinyi Mikios, welcher 1552 lebte.“ — Dieses geschah auch wirklich, und mein Mann zeichnete mit dem Geiste Thomas das Bild des Zrinyi Miklös, gleich darauf das Bild des Johannes Amade. Während dem er zeichnete, schrieb mir Gilda: „Johannes Amade war ein Raubritter; er tödtete einen gewissen Brunelesci. Seine eigene Tochter Valerie vergiftete ihn, weil sie den Ermordeten gegen seinen Willen heirathen wollte.“ Frage: Wui'de sie nicht auf ewig verdammt, wenn sie eine Mörderin war? Antwort: „Nein, denn eine Seele, welche Gott gemacht hat, kann nicht auf ewig verloren gehen. Sie litt aber furchtbar. Drei Hundert Jahre musste sie büssen; — 55 — sie hat dir sehr gleich gesehen im Gesicht, aber sonst nicht. Ödön wird sie zeichnen in ihrem Büssergewande, wie sie im Fegefeuer litt.“ Ich hatte niemals etwas von Wiedereinverleibungen (Reincarnationen) gehört; plötzlich stieg aber der Gedanke in mir auf, ob ich nicht schon einmal gelebt habe und vielleicht gar diese Valerie war. Gilda schrieb: „Eine Seele, die Gott gemacht hat, lebt auf Erden nur einmal. Das war Valerie Amade, welche Gott im Höllen-Geisterchor züchtigte, und du bist Adelina Vay. Gott verzeih ihr, weil ihr Mann, Louis Brunelesci, sehr fromm war und viel für sie betete. (Also wusste dieser Geist Gilda nichts von der Wieder einverleibung.) Den 25. Januar 1865 zeichnete Ödön diese Valerie Amade. Sie deutet mit den Fingern auf den Ort der Qualen, wo sie ihre Fehler abgebüsst. Denselben Abend wurde ein zweiter leidender Geist gezeichnet. Eine Ilona Zrinyi, die sich mit ihrem Geliebten umgebracht hatte. Ödön zeichnete nun mit grosser Schnelligkeit und Leichtigkeit; er fühlte stets einen entschiedenen Drang dazu und nach jedem vollendeten Bild eine grosse Er leichterung. Bei mir wurde das magnetische Schreiben immer mehr zum Bedürfniss, und da Thomas und Gilda anfangen wollten, mir über Nichtigkeiten zu schreiben, musste ich sie stets bitten und ermahnen, mir ernste, belehrende Dinge zu schreiben, worauf Thomas schrieb: „Ich bin noch schwach, wenn du aber Gott bittest, so wird er dir deinen sehgen Vater schicken, der viel mehr weiss, als ich. Gieb’ aber das Schreiben ja nicht auf, denn es thut dir sehr gut und ist uns eine grosse Wohlthat. Sei nicht ungeduldig, wenn ich dir unrichtige Sachen schreibe. Gott bestimmt Alles, die Welt geht nach Seinem Willen. Im Geisterchor sind viele Stufen. Gott macht die Seelen. Ein jedes Gebet dringt zu Ihm. Die Geister, welche im Jahre 1859 im Kriege starben, sollen im Jahre 1910 wieder auf die Erde kommen.“ — 56 — (Dieser Geist also wusste schon etwas von der Wieder einverleibung.) Da ich, wie schon erwähnt, von der Wiedereinver-leibungslehre noch gar nichts wusste, so trug ich ihn, wie denn dies möglich sei? Thomas: „Ich weiss nur, dass es so ist; vertraue auf Gott, du sollst einmal Alles erfahren. Gilda will jetzt den Schutzgeist zeichnen, welcher Ödön in diesem Feld zuge beschützte im Kriege.“ Ödön nahm den Bleistift und zeichnete zuerst eine Perrücke, es wurde dann ganz schief ein Gesicht hinein gezeichnet und ausgestrichen; das Bild musste von Neuem gemacht werden und fiel nun sehr gut aus. Es war Marietta, Ödön's Schutzgeist im Kriege. Frage: „Warum wurde das erste Bild verdorben?“ Antwort: „Ein gewisser Geist, Fay Laczi, drängte Gilda weg von Ödön, er verdarb ihr das ganze Bild, sie musste es dann wieder gut machen; dieser Laczi stört uns sehr oft, er ist sehr leidenschaftlich. Er lebte vor drei hundert Jahren und hatte ein Herz von Stein.“ Wir hatten späterhin Gelegenheit, die Leidenschaft- lichkeit dieses Vay Laczi öfters zu beobachten. Er ver darb Ödön viele Zeichnungen und setzte seine Geduld öfters auf die Probe. Auch wollte er uns zum Schatz graben versuchen, und gab Ort und Stelle genau an, wo, wie er sagte, viele Hunnenknochen mit Gold und Geschmeide begraben liegen. Auch klopfte er öfters hörbar auf den Tisch und wollte mir durchaus sichtbar erscheinen, mich zu allerlei Proben verleiten. Thomas jedoch warnte mich vor ihm und bat mich immer, keine Proben zu fordern. Den 28. Januar 1865, Abends, zeichnete Ödön das beifolgende Bild König Alfred’s I. von England. Der Kopf wurde zuerst ohne Krone gezeichnet, bis dann die selbe stufenweise auf die Locken gesetzt ward. Es er füllte uns dieses Bild mit grosser Freude, weil es so ganz unerwartet kam; die Krone besonders war uns eine Ueberraschung, und wir fürchteten uns anfangs, dass, — 57 — die Zeichnung verdorben würde, bis wir nach und nach merkten, was daraus werden sollte. Ödön wurde nun nicht mehr durch mich magnetisirt; er zeichnete nach dem Gefühl, dem eigenen Drange hierzu, oft zwei bis drei Bilder nach einander mit grosser Schnelligkeit. Die Beschreibung der Bilder wurde immer durch mich medianimisch gegeben. Nach einiger Zeit zeichnete Gilda mit Ödön das Bild ihres liebsten Sohnes Miklös (siehe das beigefügte Bild, Um diese von den Medien erstellten Zeichnungen zu sehen, besuchen Sie die Website der deutschen Ausgabe, etwa auf Seite 57). Sie erklärte sich ausserordentlich glücklich, mit Ödön zeichnen zu dürfen, und versprach uns noch mehrere schöne Bilder. — Ödön’s medianimische Entwicklung ging Schritt für Schritt mit der meinigen. Am 11. Februar 1865, Abends schrieb mir Thomas: „Gott hat dein Gebet erhört, dein seliger Vater ist hier und wird jetzt gleich mit dir schreiben.“ Ein Gefühl grosser Rührung überkam mich, die Schrift und die Empfindung änderten sich ganz, ich hatte das Bewusstsein der Ruhe, eines andern Geistes, ich fühlte mich erleichtert und andächtig gestimmt. Es schrieb: „Ernst, dein Vater ist da. Ich sehe euch, meine Kinder, und will euch helfen. Dein magnetischer Ruf drang zu mir; Gott gestattet es, ich schreibe. Mein liebes Kind! sei Gott getreu und bete für- mich. Der Tod brachte mir Schmerzen, doch auch Freude und Erlösung. Ein Jahr erscheint mir wie eine Minute; zweifle nie daran, dass der reine magnetische Verkehr den Geistern wohl thut, sie erlöst und von Gott gestattet ist. O lasset Gott walten!“ Denselben Abend zeichnete Gilda mit Ödön das Bild Kaiser Carls I. Thomas schrieb dazu: „Au seinem Ausdrucke seht ihr, dass er nach seinem Tode nicht so heilig war, wie die Kirche es meinte. Er war sehr erstaunt, nun kein Kaiser und kein Heiliger zu sein; ja, er musste Vieles abbüssen, was er auf Erden au Grausamkeit verbrochen hatte.“ Am 12. Februar 1865 zeichnete mein Mann unter dem Einfluss meines seligen Vaters Emst ein neues seltsames Bild. — 58 — Er schrieb mir dazu, dass dies die Darstellung eines sehr reinen Geistes sei: „Diese Flügel sind die fluidisch magnetischen Ausströmungen des Geistes; in dieser Wollte bewegt er sich zur Erde herab. Bittet Gott, dass er euch gestatte, bald mit einem so reinen Geiste zu schreiben; ihr werdet dann mehr lernen und wissen als durch mich. Mein Geist ist eine Kraft Gottes. Jesus Christus lehrte den göttlichen Magnetismus. Der Magnetismus wird auf Erden verfolgt, weil er eine Wahrheit ist. Der Teufel arbeitet gegen diese göttliche Wissenschaft; doch wo das Gute stark ist, da ist der Teufel schwach. Die Weissagung der Bibel ist göttlicher Magnetismus. Du möchtest Vieles wissen, liebes Kind! über die Sterne, den Mond; diese Dinge interessiren dich alle sehr, doch ich habe diese Wissenschaft noch nicht inne, ich kann dir nur Einiges sagen. Bis du stärker bist, dein Magnetismus reiner wird, wird ein reiner Engel mit dir schreiben. Aber du musst Gott sehr bitten darum und besser werden. Bete nur fleissig für die armen Seelen, . das heizt für die armen Geister, die um dich sind. Du erlösest sie dadurch, sie sind dir dank bar und beten dann auch für dich. Auch ich habe immer dein frommes liebevolles Gebet gespürt. — Nach meinem Tode kam ich in eine bessere Welt, wo ich lernte und mich erholte; es ist dies der Planet Saturn. Die Sonne ist die Wohnung der Herrlichkeit, die ich noch nicht erreichte. Die Planeten sind Fegefeuer; der Mond und MerkuÄind aber wahre Höllen. Betrachtet betend den Mond, denn viele arme Seelen leiden dort grosse Qualen. Betet beim Glanze des Mondes für die armen Seelen, die in der Finsterniss der anderen Mondseite leben. Das Gefühl, ein Geist zu sein, ist gut; man ist aber nicht sogleich ein reiner Geist. Die Bauern werden leichter-gerichtet, als der Gebildete, denn Gott ist gerecht. Gott ist ein Engel. Er schuf Engel nach Seinem Ebenbilde, diese sind aber keine Menschen.“ (Er meint hierunter die Erstlinge.) „Ernst.“ — 59 — Diese Worte meines seligen Vaters gaben mir viel Kraft und Vertrauen; es überkam mich stets eine grosse Rührung, wenn er mit mir schrieb. Denselben Abend zeichnete er mit Ödön einen Geist, der, wie er sagte, viel um mich sei, Adelheid heisse und im Jahre 1279 gelebt habe. Hier folgt ihre Geschichte: „Dieser Geist Adelheid legte den Körper im Jahre 1279 ab. Sie litt viel nach dem Tode, da sie Gott den Schwur der Keusch--heit brach. Sie war Klosterfrau und liebte einen Ludrviff ; Wurmbrand, den sie in der Kirche beten sah beim Abend geläute; mit ihm ging sie durch und ward sein Weib.“" Den 15. Februar 1865 schrieb Thomas plötzlich in seiner dicken kräftigen Schrift: „Ich will dir ein magnetisches Lied schreiben, welches wir büssende Geister im Chore singen, gib mir schnell ein Notenpapier.“ Hier muss bemerkt werden, dass ich, obzwar musikalisch ausgebildet, doch niemals musikalische Kompositionen geschrieben hatte. Ich suchte nun ein Notenpapier, legte es auf den Tisch, und Thomas schrieb ein Lied mit dem Text zugleich. Diesen Choral nun musste ich öfters des Tag’s auf Bitten der Geister singen. Sie sagten, dass es ihnen wohl thäte, ihn zu hören und mit zu singen. Sehr oft erschreckte mich der Eine oder der Andere während des Singens durch ein lautes Klopfen. Am 24. Februar 1865 hatten wir die grosse Freude, eine herrliche Zeichnung zu erhalten; Ödön fühlte sich dabei ganz erhoben und gelabt. Ernst schrieb: „Diese Zeichnung habe ich mit Ödön gemacht, es ist die Dar stellung Maria’s, so wie sie zu uns kommt, um uns in unseren Feinen zu laben, zu trösten und zu erlösen. Sie ist ein herrlicher, kräftiger Geist; Adelma, du stehst unter ihrem Schutze, rufe sie nur fleissig an.“ Die ersten Tage des März 1865 waren wir Beide sehr gestört; ich konnte nicht schreiben, mein Mann konnte nicht zeichnen, und wir fühlten uns dadurch sehr verstimmt und niedergeschlagen. Endlich am 5. März zeichnete Ödön ein Bild, Thomas schrieb mir dazu: „Dieses ist der Geist, maria Magdalena’s; Ernst zeichnete es durch Ödön. — 60 —. Sie ist sehr oft um dich und um viele gute Frauen; sie ist ein dir verwandter Geist. Wir hatten diese vergangenen Tage furchtbare Kämpfe um euch zu bestehen. Es waren wahrhafte Teufelsgeister hier, die uns vertreiben wollten, um euere Mediumschaften zu be herrschen; doch euer beständiges Gebet half uns, sie Alle zu besiegen, und wir stürzten sie zurück in ihre furchtbare Hölle, wo sie ewig sein werden, wenn sie sich nicht bessern. Gott kann so viel Seelen machen, wie er will. Er braucht nicht eine Seele mehrmals in die Welt zu senden: der Weg zu Ihm ist lang genug durch alle' Abgründe und Geisterstufen hindurch.“ Ich frug: „Ist es also nicht möglich, dass man mehr mals als Mensch auf Erden kommt?“ Antwort: „Ein höherer Geist, Aloysius v. Gonzaga, wird dir besser antworten. Ich weiss nur, dass ich dein Vater auf Erden war und nun ein Geist bin. Der böse Geist, mit welchem wir jetzt den Kampf hatten, war zu Christi Zeiten einer der Pharisäer, der Christum tödteu liess. Diese Kategorie Geister heissen Eoda, welches in der Geistersprache. „Teufel“ heisst. Ich glaube nicht, dass diese Eoda’s reiner werden können, sie sind zu dunkel. O liebe Menschen, sehet Christum als das Erste an. Höhere Geister haben höhere Hoffnungen. Nach langen Läuterungen erlangen die Menschengeister diese Hoffnung der reinen Geister, Urgeister genannt. In allen Welten sind solche Urgeister ,x) welche Gott stets gehorsam und treu waren; sie sind nicht sinnlich, noch fleischlich, sie sind kristallrein und edel. Doch da manche Urgeister gefallen waren, so wurden Menschen daraus, denn die Menschen sind gefallene Geister. Manchmal kommen aber auch Engel in Menschenform auf Erden, zum beispiel zur Förderung des Guten. Ernst.“ Hier ist zu bewundern, wie sich der Geist meines seligen Vaters Mühe gab, mir die Wahrheit mitzutheilen. Immer mehr und mehr brach sich das Licht Bahn durch — 61 - die vorgefassten Meinungen der Erziehung. Wenn mir auch oft bange wurde, so verlor ich doch nicht den festen Glauben an Gott und an die Kraft meines Gebetes, welches um Licht und Wahrheit flehte. Im Monat April 1865 kam ein Arzt zu uns, Herr P., der schon seit mehreren Jahren Spiritist war und die französische spiritistische Literatur kannte. Ich machte mich nun selbst mit dieser Literatur bekannt und war hocherfreut, das, was mir so mystisch und geheimnissvoll schien, nun als eine positiv philosophische und psychologische Studie dargestellt zu sehen. Besonders die Werke des Camille Flammarion gaben mir Halt und Vertrauen, diesen Weg als einen Weg des Studiums und der geistigen Forschung mit Fleiss fortzusetzen. Die Wiederein-verleibungs-Theorie gab mir viel zu denken und war mir anfangs sehr unangenehm; diese Gefühle alle mussten einen Prozess der Gährung in mir durchmachen, bis sich im Laufe der Monate Alles logisch und ordentlich gestaltete. Bei meinem Manne kamen fast täglich schöne erfreuliche Zeichnungen, die ihm eine physische und moralische Labung bereiteten. Bald aber sollte sich unser Arbeitsfeld erweitern: am 8. April 1865 kam Doctor P. zu uns mit der Bitte, ob denn nicht der Geist Haltnemann’s oder Mesmer’s über einen akuten Krankheitsfall sich äussern wolle. Ich war bis zu jener Stunde der Homöopathie ganz fremd, und hatte mich weder mit Krankheiten noch mit Arzneien oder Heilungen befasst. Nun abei' äusserte sich wirklich der Geist Hahnemann’s, und gab homöopathische Mittel, und zwar Doppelmittel, welche die Homöopathie damals noch selten anwandte, an. Dieser Kranke genas. Herr P. kam nun öfters, und konsultirte mit den Geistern Hahne-mann’s und Mesmer’s über seine Kranken. Es wurden immer homöopathische Arzneien verord net, manchesmal mit Zugabe von magnetishtem Wasser, oder Striche, die entweder ich oder mein Mann verabreichen und in Anwendung bringen mussten. Wir wurden bald belagert von Kranken; von weit und breit kamen — 62 — sie zu uns. Hahnemann’s Geist veranlasste uns zur An schaffung einer grösseren homöopathischen Apotheke. j^^ Wir heilten alle die in der flachen Theiszgegend so häufigen Krankheiten, alz Darmtyphus, Ruhr, Fieber und sonstige Entzündungen. Am. 12. Mai 1865 hatten wir die grosse Freude, eine neue herrliche Zeichnung zu erhalten. Sie ist die erste, die mein Mann in dieser Art zeichnete. Mit ihm zugleich äusserte sich bei mir der mir durch meinen seligen Vater verheissene Geist Aloysius v. Gonzaga, zu dem ich schon von Kindheit auf eine besondere Liebe hatte. „Was du heute im Evangelium lasest: „nicht Alle werden verwandelt werden“, heisst: „nicht Alle bekommen den reinen Geist Gottes“. Ernst zeichnete indessen mit deinem Manne die Darstellung meines Geistes, als Gott der Herr zu mir sprach: „Geh’ hinab auf die Erde, Olla! (das heizt Engel meines Geistes!) und werde Mensch.“ Und ich ging hinab auf die Erde und wurde Aloysius v. Gonzaga. Nun ist meine Aufgabe erfüllt, ich bin wieder bei Gott. Euere Aufgabe ist es auch, dorthin zu gelangen; desshalb könnt ihr nicht streng genug an eurer Besserung arbeiten. Euere Aufgabe ist es, in der Heilkraft zu wirken. Seid gläubig und arbeitet zu Gottes Ehre. Er hilft euch. Weihet euch Gottes Dienste und erwecket, bekehrt Geister, heilet die Menschen.“ Von diesem Tage angefangen, schrieb uns Aloysius v. Gonzaga immer schöner und erhebender; auch ich fühlte seinen ruhigen Einfluss wohlthuend und kräftigend. Es kamen viele Fragende und Kranke zu uns. Erstere er hielten durch Aloysius geistige Ermahnungen, Letztere bekamen von Hahnemann und Mesmer Heilmittel für ihre Leiden. Uns selbst verordneten die Geister eine neunmonatliche streng vegetabilische Nahrungsweise, welche uns von vielen alten Beschwerden heilte, und die unsere Mediumschaften entwickeln half. Aloysius versprach mir, mich meinem eigentlichen Schutzgeiste Buddha zu zuführen. Am 22- Juli 1865 zeichnete mein Mann die Darstellung — 63 — des Geistes Buddha, und an demselben Tage schrieb Buddha zuerst mit mir. Gleich nach Buddha’s Zeichnung, kam das Bild Burru’s. Hierüber schrieb mir Aloysius Folgendes: „Nun habe ich dich in Verbindung gesetzt mit deinem wahrhaften Schutzgeiste und Leiter Buddha. Ich bin berufen, Geister zu leiten, Buddha eben leitet die Bewe gungen der Offenbarung auf Erden. Er ist der Stifter einer grossen, aber sehr missverstandenen Religion, und war späterhin einer der Apostel Jesu. Burru ist ein Geist, der von Buddha lernt und ihm folgt. Dieser Geist hat mit deinem Mann die Darstellung Buddha’s gezeichnet. Er hat ihm eine fluidische Krone aufgesetzt, die eine . Auszeichnung ist und die Höhe und Reinheit des Geistes andeuten soll. Ihr seht es, Burru’s Krone ist viel kom pakter und schwerer, sein Bild selbst viel derber als Buddha's', erblicket hierin die geistigen und dadurch auch fluidischen Unterschiede der Geister.“ Am Ende meiner Erzählung lasse ich Bruchstücke von Manifestationen, die ich im Laufe der Jahre 1865, 1866 und 1867 erhielt, folgen, damit man hieraus die Entwickelung und die Ausbildung meiner Mediumschaft chronologisch ersehe. Ebenso lasse ich einige Zeichnun gen meines Mannes folgen mit. den hierzu gehörenden Beschreibungen. Ich will hier nur in Kürze sagen, dass ich im Anfang des Jahres 1866 das Büchlein „Betrach tungen für Alle“ (Universitäts-Buchhandlung Lechner, Wien) schrieb, und dass sich mir Maria damals, wie es aus den folgenden Manifestationen ersichtlich ist, auf meine Bitten als Leiterin kund gab. Ich kannte nichts Natürlicheres, als mich der Leitung dieses erhabenen Geistes anzuvertrauen; hatte ich doch von Kindheit anp-1' schon eine besondere Verehrung und Liebe für die Mutter unseres Erlösers gehabt. Nun war ich aber überselig und glücklich, als ich die herrliche Nachricht erhielt, dass sie mich wirklich leiten und beschützen wolle, dass sie meine Bitte gehört habe. Im Laufe des Jahres 1866 war uns der Schutz des — 64 — früheren Märtyrers Laurentius versprochen. Er erklärte sich als der besondere Leiter meiner geliebten Schwieger-Mutter, und gesellte sich zu Maria und Buddha bei allen unseren Heilungen und Arbeiten. So war der Geister- Triangel Maria, Buddha, Laurentius entstanden und zu- sammengestellt worden, über welche Zusammenstellung ich ebenfalls eine Manifestation folgen lasse. Die folgen den Kapitel enthalten verschiedene Manifestationen von verschiedenen Geistern, und einige der hervorragendsten Heilungen vom Jahre 1865—1870. Alle Kuren und Heilungen hier anzuführen, wäre eine Sache der Unmöglichkeit. Da dies kein medizini sches Buch sein soll, habe ich mich auch enthalten, akute oder chronische Krankheitsfälle anzuführen; ich beschränkte mich nur auf einige interessante Heilungsfälle, die haupt sächlich durch Bekehrungen der Geister erzielt wurden. Immer sprachen unsere Leiter von einem besonderen Buche mit einem Zablengesetz, welches geschrieben wer den müsse. Sie gaben mir hierzu viele belehrende und vorbereitende Manifestationen; sie erzogen und bildeten mich heran, gaben mir neue Begriffe und Gedanken, bis sie endlich im Monat November 1869 binnen 36 Tagen das Buch „Geist, Kraft, Stoff“ mit seinem Zahlengesetz durch mich schrieben. Vor Beginn dieses Werkes hatte ich keinen Begriff davon, wie es werden -würde, wie sich das Zahlengesetz ausbilden sollte. Da ich durchaus keine geometrischen Kenntnisse besass, konnte ich mich nicht genug über die Zahlenfiguren und ihr Ineinanderpassen wundern. Ich erhielt dieselben in raschen, bestimmten Zeichnungen, so (wie auch alle Manifestationen immer mit unendlicher Schnelligkeit geschrieben wurden. Wie aus den Bildern zu ersehen ist, erlitt die Mediumschaft meines Mannes im Oktober 1865 eine Aenderung. Die Zeichnungen wurden derb, grob und dunkel. Der Geist 4. Humboldt’s wollte mit seinen Darstellungen aus dem Planeten Mercur nicht nachlassen, und diese Aenderung in den Zeichnungen erregte ein Unbehagen, — 65 — einen Missmuth im Medium; er fühlte sich von dicken schweren Fluiden umgeben, so dass er zu zeichnen auf hörte, und in den Jahren 1866—1870 nur hin und wieder Zeichnen-Versuche machte. Im Sommer 1871 jedoch drängten ihn unsere geistigen Leiter so sehr zur Wiederaufnahme seiner Darstellungs- Mediumschaft, dass er endlich -wieder Lust und Freude hierzu bekam, und wie man aus den Bildern sieht, schöne Erfolge erzielte. Wenn jedoch seine Darstellungs-Mediumschaft abgenommen hatte, so wurde sie durch die Heilmediumschaft ersetzt. Im Sommer 1866 war ich mehrere Wochen hindurch sehr leidend; ich fühlte mich immer schwächer werdend, ohne dass mir ein Mittel half. Da verhiessen uns die Leiter die Gnade einer besonderen Heilmediumschaft, die sich bei meinem Manne kund geben sollte. Sie hiessen ihn seine Hände betend über meinem Haupte zu halten, und sagten ihm, dass sie dieselben mittelst ihrer Fluide in Bewegung setzen und mich auf diese Art magnetisiren würden. Dieses traf auch Alles ein. Meines Mannes Hände wurden von einer fremden Kraft unwillkürlich bewegt; er machte allerhand Striche und Bewegungen; bald war mir kalt, bald warm, und ich fühlte mich dabei stark und gesund werden. — Nach meiner Genesung zeigte sich diese fluidische, unwillkürliche Art des Magnetismus auch bei mir. Unsere Leiter sagten, dass sie durch uns, ihre Fluide mit den unseren assimilirend, magnetisirten; dies sei also kein thierischer Lebensmagnetismus. sondern fluidi-scher Geistermagnetismus. So wie sich der Magnetismus der Geister, mit dem des Mediums vereint, durch Schrift, Zeichnung, Sprache, Bilder und so weiter kund gebe, gebe er sich auch durch die Bewegungen der Hände, durch die fluidisch- magnetischen Ausströmungen in Strichen und Drücken beim Magnetisiren kund. Durch diesen Geister-Magnetismus erzielten wir die schönsten spontanen Heilungen, das plötzliche Aufheben mancher Uebel bei Leidenden und Kranken. 'Das Medium stellt sich vor den Patienten hin, sammelt sich eine Weile und bittet, 66, um Kraft und Schutz; nun streckt es die Hände über dem Haupte des Kranken aus, und bald spürt der selbe die fluidische Einwirkung oder Assimilation. Die Hände bewegen sich ganz ohne Eigenwillen oder Absicht des Mediums, welches einer in Bewegung gesetzten und intelligent geleiteten Maschine gleicht. Die Art des Magnetismus ist bei jedem Medium, und jedem Kranken gegenüber, verschieden. Oft werden die Hände auf die kranken Glieder oder Theile geleitet, ohne dass das Medium früher Kenntniss von dem Leiden gehabt hätte. Doch nicht nur leidende Menschen, sondern „auch unglückliche Geister mussten wir durch diesen Geister-Magnetismus von ihren Feinenheilen, indem wir diese oder jene uns von den Leitern angegebene Stelle der Stube magnetisirten, wo sich unglückliche, Hülfe bedürftige Geister befanden. Gewöhnlich löste sich bei solchen Gelegenheiten ein Gefühl von Unbehaglichkeit, Krampf-haftigkeit bei dem einen oder dem andern der Anwesenden, die, ohne es zu wissen, die fluidische Einwirkung des unglücklichen Geistes gefühlt hatten. Da wir in keinem Buche und von Niemand über die Art und Möglichkeit dieses Geister-Magnetismus et was erfahren hatten, so waren wir Gott zu doppeltem Dank für- diese uns so merkwürdig und spontan zuge-konunene Gnade verpflichtet, besonders deshalb, weil diese Art der geistigen Heil-Mediumschaft sich sehr rasch unter unseren Freunden und Bekannten verbreitete. III. Chronologische Zusammenstellung von Manifestationen aus den Jahren 1865—1869 1) Frage: „Wie ist folgender 22. Vers aus dem 7. Capitel Matt. zu erklären: „Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht ge-weissagt in Deinem Namen? haben wir nicht Teufel aus getrieben in Deinem Namen? Haben wir nicht viele Wunder gewirkt in Deinem Namen?“ — 23. Vers: „Als dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt, weichet von mir, ihr Uebelthäterl“ Antwort: „Aloysius antwortet dir: Diejenigen, welche blos „Herr, Herr!“ rufen, sind ohne Liebe. Sie thun viel durch den Verstand und durch den Willen, aber die Seele der That, die Liebe, fehlt ihnen! Leset, was der Apostel Paulus sagt: „Kenntet ihr die Sprache der Engel und Menschen, und hättet die Liebe nicht, so wäret ihr wie ein tönendes Erz und wie eine klingende Schelle.“ Sie nehmen Gott als Nothwendigkeit, nicht aber als Liebe an; sie lieben sich selbst und ihre guten Werke zu sehr, und rechnen auf Vergeltung. Diese Menschen scheinen sehr heilig; sie gehen viel in die Kirche, sie beten viel, sie geben Almosen, sie haben den Namen Gottes auf den Lippen, weil es so Sitte ist und — 68 — gut klingt; sie thun dies Alles, aber nicht aus Liebe, sondern aus Selbstgefallen; daher wird der Herr der Demuth und der Liebe sie nicht kennen.“ 2) Eine uns bekannte Somnambule behauptete, dass die Planeten ganz unbewohnt seien, und dass es durch aus keine Wiedereinverleibung gäbe. Da dieselbe Somnambule in Krankheits- und andern positiven Fällen fast immer die Wahrheit gesagt hatte, frappirten mich diese ihre Widersprüche mit den Geistern, und ich bat Aloysius um Aufschluss hierüber. Antwort: „Eine Somnambule, die durch thieri-schen Magnetismus eingeschläfert wird, ist durch das Gesetz der grösseren Kraft immer mehr oder weniger die Sklavin ihres Magnetiseurs, dessen Ansichten und Gedanken sie annimmt und ausspricht. Dann ist dieser Somnambulismus die individuelle Gabe des persönlichen Geistes, der treue Spiegel desselben; deshalb sind so vielerlei Stadien und Stufen im Somnambulismus, als es eben Somnambulen und Persönlichkeiten gibt. Die Somnambule hält sich an die Orthodoxie der Bibel und Kirche, weshalb sie die Bewohnbarkeit der Planeten, die Wiedereinverleibung der Geister leugnet. Anders ist es mit meinem Medium, durch welches ein fremder Geist spricht, der von seiner hohen geläuterten Stufe aus euch durch das Medium die Wahrheit kundgibt; die geistige Mediumschaft ist ein viel feinerer Verkehrsweg, als der thierische Somnambulismus.“ 3) Frage: „Welches ist der eigentliche Zweck der Zeichnungen meines Mannes?“ Antwort: „Erstens sein eigenes Heil; es ist die götthche Kraft, die in ihm wirken, ihn fluidisch und geistig ausbilden soll durch die Assimilation und Verbindung mit reinen Geistern. Dann sollen die Menschen sehen, wie vielseitig - die Geister auf euch einwirken können. Verherrlichet Gott durch diese Arbeit mit reinen Geistern. Es kommt die Zeit, wo diese Zeichnungen in die Welt geschickt werden als Zeugen der Verbindungen zwischen Geistern und Menschen. Diese — 69 — Zeichnungen sollen euch auch Darstellungen der Verschiedenen Geisterstufen sein; da ist kein Strichlein zu viel oder zu wenig, kein Schatten zu licht oder zu dunkel, kein fluidischer Strom von Haaren zu lang oder zu kurz. Alles hat seinen tiefen Sinn, Zweck und seine Bedeutung. Diese Verschiedenheiten und Nüanerrungen erfordern ein tiefes, ernstes Studium.“ 4) Frage: Herr Doctor P. bat den Geist des von ihm sehr’ verehrten ungarischen Dichters KÖlcsei, ihm zu sagen, was er über den Spiritismus denke. Antwort: „Ich antworte dir, lieber Freund! der Spiritismus ist die' herrliche Pflanze der Menschheit. Sie muss Frucht bringen und reifen! Sie ist nicht, wie der dürre Feigenbaum im Evangelium. Zu dieser Pflanze spricht Christus nicht: „Verdorre!“ Sie ist wie der Wein stock, der die herrlichste Frucht bringt. Diese Pflanze des Spiritismus ist seit dem Anfänge der Welt schon dagewesen! Unsere Vorväter, die Propheten, die Apostel und Evangelisten, die grossen Denker des Heidenthums, China’s und Indien’s Philosophen, haben an diesem Weinstock gearbeitet und gegraben. Doch nun nahet die Fülle der Zeiten, das Reifen der Früchte! Ein Jeder ist zur Arbeit berufen.“ 5) Die ersten Worte Buddha’s an das Medium: „Gott ist mein Streben, Gott ist mein Sehnen, mein Leben! Gott ist mein Gut, mein All! „Die grösste Seligkeit auf Erden ist nichts gegen die Wonne, Gott zu fühlen! Des Weibes, des Mannes, des Kindes Liebe sind Seligkeiten, Geistes-Freuden; doch was gleicht dem Gefühl der Liebe zu Gott, der Empfindung, Eins zu werden mit Ihm, dem Allgütigsten! Eins zu werden in der Liebe und im Willen mit Ihm, dem Allerweisesten! O Menschen! Könnte ich euch nur dieses so recht sagen, damit ihr euch der Liebe zu Gott befleissigtet. Das kleinste Werk der Liebe, das kürzeste Gebet des Herzens, sieht Gott gefällig an. 0 seid durchdrungen davon! Wie arm seid ihr, ihr, die ihr nichts von Alledem empfindet. Entreisset euch doch den Fesseln des Fleisches - 70 - und der Erde, und dienet dem höchsten Geist allein. Ihr ‘bringet der Opfer so wenige, und jammert über das kleinste Leid! Ist es denn gar so schwer, aus Liebe er geben und gut zu sein? Ach, wenn Gott mich liesse, ich käme donnernd nieder zu euch Menschen, als ein Apostel, der die Welt bekehret! Ja, ich möchte die Fackel der Wahrheit anzünden und brennen lassen, ich würde meine Lippen überströmen lassen von Worten der Liebe und Macht, die alles Bös’e und Fleischliche vernichteten! Ja, ich bete Dich an, Du herrlicher und grosser Gott, im Geiste und in der Wahrheit! Die Zeichen der Zeiten, von welchen Christus sprach, sind da! Die Bahnen sind geebnet, ihr Arbeiter des Herrn, wandelt darauf! Ewig werden die Menschen forschen; Gott gab ihnen den in telligenten Geist dazu: menschliche Formen können diesem ihren Denken und Studiren keine Dämme setzen, denn „Aufwärts nach Licht!“ ruft und ringt Alles. Der Regenwurm in der Erde arbeitet sich empor nach dem Lichte, der arme Wilde in der Wüste Afrika’s schreit und sucht nach Gott, den König aller Wesen. — Christus ist der Sohn Gottes, ein erhabener, immer rein gebliebener Geist. Er hat sich auf ewig verherrlichet durch das Opfer, welches Er dem Vater und der Menschheit brachte, indem Er auf Erden kam, dort litt und starb. Gross ist Sein Werk im All, verehret Ihn, rufet Ihn an, und Er ist dann wahrhaftig um euch.“ 6) Am 6. August 1865 schreibt Buddha-. „Im Geister leben ist ein ewiges Fortschreiten. Alles lebt und strebt nach dem Höheren und Besseren. In der Wahrheit gibt es nur eine Macht, und das ist Gott! Mit Ihm bezwinget ihr Alles, ohne Ihn Nichts. Wen Gott nicht kennen will, wer sich vor Ihm nicht beugt, der ist elender als das allerletzte Geschöpf der Welt. Ja, der Hoch-mütlnge hat furchtbare Reinigungsstufen durchzumachen. Warum fürchtet ilir euch vor dem Tode, o Menschen? Er ist ja eine Reinigungsstufe zum ewigen Leben. Er ist ja nur ein Krampf des Geistes, der sich des Körpers entledigt. Wohl dem, der gesund und geläutert aus — 71,— diesem Krampfe auferstellt; doch wehe dem, der vou diesem Krampfe zusammengezogen wird. Der Geist Mes Hochmüthigen ist ein Krüppel nach dem Tode, denn er ist ein geschrumpft und elend; ohne seine Schwäche ein zusehen, ist er doch auf die Hülfe der Barmherzigkeit Anderer angewiesen.“ 7) Herr Dr. A frag: ob auch Hahnemann und Mesmer ' ^drei Grundkrankheiten als den Ursprung aller andern ' ' ’ Krankheiten in der Menschheit annehmen? Antwort am 20. August 1865: Ja wohl, es gibt drei Grundkrankheiten in der Menschheit, die ihre Zweige, Abstammungen und Ausläufer haben. Die Krankheiten entstehen durch Disharmonien zwischen Geist und Körper, durch die Sinnlichkeit des Geistes, durch die Genusssucht des Leibes. Die Sünde und Gesuukenheit ist der Grund aller Krankheiten. Wären die Menschen niemals unsitt lich und unmoralisch gewesen, hätten sie immer zweck mässig gelebt, so wären niemals diese furchtbaren Krank heiten in die Menschheit gekommen. Hätten die Menschen immer dem Geiste und der Vernunft statt den Sinnen und dem Leibe gehorcht, so wäre das Menschengeschlecht jetzt stark, edel, gross, strotzend vor Jugend und Schönheit Doch die ihren freien Willen schlecht benützenden Men schen thaten das Gegentheil von alledem und sind nun. sinnlich, klein, kränklich und hässlich. Und diese De generation in den gebildeten Erdenvölkern nimmt zu wegen ihres unzweckmässigen Lebenswandels. Es sind nun Krankheiten in ihnen entstanden, welche die gewöhn liche Heilart nicht mehr bändigen wird, es muss eine noch eingreifendere, auf die Nerven und den Geist wirkende Heilart kommen, und das ist der mit der Homöopathie vereinte Magnetismus. Diese beiden Heil systeme müssen sich noch sehr vervollkommnen und aus bilden, welches die Arbeit der nächsten Jahre ist. Ich, Mesmer, finde meine Werke über Magnetismus leider nur sehr unvollkommen und nicht ausreichend für eine positive Wissenschaft, die doch der Magnetismus seiner geistig-fluidischen Wesenheit nach ist, und auch auf Erden sein wird. Ich, Hahnemann, finde die von mir gestiftete Heilkunde auch unausgebildet, unergründet, sie ist noch grosser Reformen fähig. Bei chronischen und akuten Krankheiten sollte sie immer mit einer streng vegetarianischen Kost verbunden sein. Ueberhaupt ist das Essen des Fleisches, die Tödtung der Thiere, eine dem Geiste ganz widernatürliche und widerstrebende Sache, und muss im Laufe der Zeiten -bei den gebildeteren, edleren Völker der Erde aufhören. Wenn es nur eine Familie in Europa gäbe, die niemals ein Thier getödtet und Fleisch gegessen hätte, ihr solltet sehen, welch’ kräftige Männer, welch’ herrliche Frauen dieselbe erzeugen würde. Doch nicht nur die Menschen sind krank, auch die Geister sind es. Es gibt tief stehende Geister mit solch mephytischen, übelriechenden Nerven geistern, dass die Nähe derselben Krankheiten in den Menschen, ja Epidemien hervorrufen kann. Man sagt dann gewöhnlich: Es hegt etwas in der Luft! Freilich, liegt sie in der Luft und theilt sich durch die Luftströmungen mit, diese mephytische, nervengeistige Ausdünstung solch’ tiefstehender, leidender Geister. 0 Menschen, erbarmt euch dieser armen Brüder, heilet sie durch Gebet, gute Gedanken und Magnetismus! Hahnemann.“ 8) Die erste Kundgebung Maria’s fand am 14. Okt. 1865 statt: „Mit Gott! Mit Gott! im Menschenleben wie im Geisterreiche, mein theueres Kind! Das „Mit Gott!“ töne stets in deinem Herzen. Ich habe deinen Ruf gehört. Ja, mein liebes Kind, ich will bei dir bleiben, dich beschützen und führen. Ja, ich rede zu dir-, ich bin bei dir, Maria, die einst gewürdigt war, vor den Augen der Welt die Mutter Jesu zu sein. Nennt mich nicht Mutter Gottes, denn es ist Frevel, so zu sprechen, und thut mir weh. Gott ohne Anfang und ohne Ende kann keine Mutter haben; aber die Mutter Jesu, des ab gesandten Sohnes Gottes, ja, die war ich vor der* Welt, und auch jetzt bin ich bei Ihm, dem herrlichsten und höchsten aller erschaffenen Geister. Mein liebes Kind! Von Kindheit an suchte mich dein Geist, und immer — 73 - schon habe ich dich gehört, nicht nur jetzt. Tranke Gott vom innigsten Grund deines Herzens für die Gabe des geistigen Schreibens: heilige sie und wende sie an zum Wohle der Menschen. Viele rufen zu mir! Ach, wie gerne möchte ich allen Leidenden helfen! Sie sollten aber mehr Gott den Herrn anrufen, denn was kann ich, armer Geist, ohne_Ihn? Gerne gäbe ich den Bedrängten lind Armen dieser Erde all’ die Schätze und Güter hin, die in meinem Namen in den Wallfahrts-Oertern aufge-speichert liegen. Wie schmerzlich ist es mir, die Verkehrtheiten der Menschen zu erblicken! Während viele Tausende an Hunger und Kälte leiden und sterben, liegen die todten Schätze für mich aufgespeichert da. „O nein, ich will sie nicht haben! Denn ich will sie euch geben, euch Armen und Leidenden, euch Hungernden, diese todten Schätze, damit sie lebendig werden in euch, in eurem Dankgebet! — Auch wir Alle, die wir damals mit Christus auf Erden lebten, wir waren Medien der Gnade und des Geistes Gottes. Auch ihr sollt dieses sein; seid nur standhaft, rein, und treu!“ „Maria.“ 9) Maria’s zweite Kundgebung den 29. Nov. 1865: „Ja wohl, ich bin immer um euch, und will euch immer leiten und führen mit dem Geiste Buddha. Du, Adelma, heile und schreibe, du Ödön, heile und zeichne zur Verherrlichung Gottes! Euer Leben sei Ihm geweiht, und der Verbreitung der geistigen Sache auf Erden. „Eure Mutter Katharina ist geistig auch mit euch verbunden; ihr geistiger Leiter und Beschützer ist Laurentius der Märtyrer, der einst so viel für Gott und seine Ueberzeugung litt. Auch er gesellt sich zu uns, um euch zu führen.“ „Maria.“ 10) Laurentius: „Gerne schliesse ich mich Maria und Buddha an zu einer Arbeit, die gross werden soll. Ihr seid im ersten Anfang, die Pflanze ist noch zart, und in der ersten Kindheit; doch unter unserem Schutz und Schirm, unter eurem Gebet und eurer Pflege soll sie zu einem mächtigen Baum heranwachsen, dessen Aeste sich mit andern Bäumen vereinen, um einen herrlichen — 74 — gewölbten Wald zu bilden, welcher der Erde Labung, Kühle und Fruchtbarkeit bringt. Seit vielen Jahrhun derten leite und führe ich Katharina’s Greist, und da sie mit euch so eng verbunden ist, nicht nur als irdische, sondern auch als geistige Mutter, so ist es mir eine liebe Aufgabe, euch zu umgeben, für euch zu beten und zu arbeiten.“ „Laurentius.“ 11) Das früher erwähnte Buch: „Geist, Kraft, Stoff,“ wiu’de ausschliesslich durch diese drei Leiter (Buddha, Maria und Laurentius) geschrieben. Sie sagten, Maria habe dabei die Aufgabe des Geistes oder Bewegers — Buddha die Arbeit der Kraft oder des Belebens — Laurentius die Arbeit der fluidischen Bereitungen des Stoffes. Ein Gelehrter, welcher die Zusammenstellung und das Gesammtwirken dieser drei Geister sich ein gehender erklären lassen wollte, erhielt folgende Antwort über die innige Harmonisirung dieser drei Geister. 12) Erklärung Johannes des Täufers über die Art und Weise des harmonischen Zusammenwirkens der drei geistigen Leiter Adelma’s: „Gott mit euch! Wir wollen euch den Standpunkt, den Maria, Buddha und Laurentius, die leitenden Geister des Mediums Adelma, im All und sich gegenüber einnehmen, erklären; es übernimmt dies ein hoher. Geist, der unter dem Einflüsse Christi durch Adelma schreibt und welcher euch erklärt, -wie so. Maria, Buddha und Laurentius auf Erden so verschieden waren und nun doch auf einer gleichen harmonischen Stuiestehen. Auf Erden lebten sie als Maria, Buddha und Laurentius auf sehr verschiedenen Stufen, in sehr verschiedenen Zeitaltern; damals waren sie noch nicht harmonisirt. Maria, die Tochter David’s, die Ebräerin, die als eine Jungfrau das verheissene Licht Israels gebären sollte, die unbefleckte Mutter Jesu, die auf höhere fluidische Art Christum durch den höchsten geistigen Einfluss, durch ein allumfassendes geistiges Gesetz zur Welt brachte, - Maria, von deren Taufe mit Wasser. nirgends die Rede istj die aber doch treu als Christin ihrem Sohne folgte bis zum Tod am Kreuze, — Maria betrat als hoher, reiner Geist zur Erfüllung der gross artigen Mission des tiefsten geistigen Gesetzes diese Erde. Es ist wenig Rede von ihr im Evangelium; sie die so Grosses vollbrachte, steht zurückgezoge : bescheiden und demüthig da vor der Welt. Nach ihrem Tode wurde sie der Grund grosser Dogmen und Streitigkeiten in den Kirchen. Wenn Einige irrigerweise ihrem Geiste eine fast göttliche Verehrung zollen, so betrachten sie Andere nicht minder irriger Weise als ein ganz gewöhnliches Weibder Erde. Ehret in Maria einen ganz besonders hohen Geist, der das Drei, das heizt die Vollkommenheit der Geister, erreicht hat. Nur ein solch hoher Geist konnte Mutter; des Erlösers werden. Ihre eigene Geburt war eine rein menschliche. Sie ging durch die Phase der ganzen menschlichen Einverleibung, durch gute, reine, fromme Eltern. Joseph, obzwar niclit auf der Höhe Marien’s, war auch ein reiner, gläubiger Geist; er hatte die Mission des menschlichen Schutzes für Maria übernommen. Durch seinen Glauben begriff er seine grosse Aufgabe, und führte sie in all seiner Reinheit durch. Er hat das grosse Verdienst der Reinheit und des Glaubens. Als hohes Medium verkehrte er mit den höchsten Geistern oder Engeln, die ihm das Gesetz, nach welchem er sich bewegen sollte, kundgaben. Er nahm Maria kirchlich zum Weibe, doch nicht leiblich. Zur Einverleibung des Erst lings-Geistes Gottes, wäre eine leibliche Ehe Entheiligung gewesen; hohe Dinge erfordern hohe Gesetze. Die reine Jungfrauschaft war zu solch hoher Einverleibung nöthig, da dieselbe auf geistig-fluidische Art, nach eben solchen Gesetzen stattfinden sollte. Ihr wisset, wie rührend einfach, gläubig und demüthig Maria auf des Engels Botschaft antwortete; wie über allen Zweifel erhaben steht hierin Maria’s Jungfrauschaft, und das Bewusstsein ihrer Mission. Alle Fluide, die in und um Maria waren, wurden durch Christum voiT dessen Einverleibung gleichsam getränkt, durchwehet, völlig durchdrungen. Der Geist Christi selbst legte die Lebensfähigkeit in diese ihre Fluide, welche alle ihre Blutfunctionen concentrirten und — 76 — so einen Blutfötus, eine embryonische Masse in ihr bildeten, die durch den Geist selbst fluidisch und geistig belebt, angeregt und zum Wachsen und Gedeihen gebracht wurde. Es bildete sich auf diese Art ein fluidisch übermenschlicher, und doch seiner Form nach menschenähn-lieber Körper in ihr, welcher nach seinem Erscheinen in der Geburt würdig .war, den höchsten Geist, der je eure irdische Stufe betrat, euern Erlöser zu beherbergen. So war Gottes Sohn Mensch geworden und wurde, in einem Stalle arm geboren. Das Verdienst seiner Menschwerdung ist durch die reine fluidische Art seiner Geburt nicht geschmälert,_es ist also das Kirchendogma der unbefleckten Geburt Christi durch eine Jungfrau mit Hülfe des Heiligen Geistes in seinem Wesen wahr und richtig, aber kein Wunder, sondern nur das allerhöchste Gesetz. Nach der Reinheit und Wesenheit von Christi Geist wäre eine menschliche, sinnliche Einverleibung durch Mann und Frau gegen sein Gesetz gewesen; doch die direkte Einverleibung durch fluidische Einströmung und Assimilation in den dafür vorbereiteten Geist und Leib einer reinen Jungfrau war Christum natürlich und gesetzlich. Nur diese Geburtsart erklärt seine Auferstehung; denn nur dieser halbfluidische Leib konnte nicht verwesen konnte auferstehen und sich verwandelnd und verklärend zum Himmel steigen. Nehmet Maria als das, was sie ist, weder als eine Göttin, noch als eine gewöhnliche Familien mutter, sondern als einen hohen Geist, der aus dem Drei heraus, aus dem Eins gewordenen Geister-Chore, aus der Harmonie zur Erde kam, um Christo würdig die ihm angemessene Menschenform zu geben. Gern ist sie Trägerin eurer Leiden, Fürbitterin bei Gott. Sie ist der Inbegriff alles Weiblichen! Auf Erden war sie Israelitin, doch ihr -wisset es, dass dies blos eine 1 Form war, die die Erfüllung ihrer Mission erforderte. „Wären Buddha und Laurentius als solche auf ihrer früheren Stufe stehen geblieben, sie hätten noch bis heute nicht Maria’s Harmonie erreicht! .Buddha, der Stifter derverbreitetsten Religion auf Erden, erfüllte nur — 77 — unklar seine Mission. Seine Lehren mitlmlbm Zwar schon die grössten Wahrheiten, Hellten Vorläufer de Christenthums sein, aber es ist sehr zu bodiuicrn, sie gleich nach seinem Tode falsch verstanden und aul- gefasst wurden, besonders was seine Nirvana und die Seelenwanderungen anbetrilft. Später erschien Buddha als Petms. unter den Aposteln Christi und starb für diese Lehre, die ihm als Vervollkommnung der einstigen Lehre erschien. Zum dritten Mal erschien Buddha als Franciscus Xaverius, der, als indischer Apostel bekannt, in dieser seiner Heimath starb, wo er das Christenthum, das er als Petrus erlernt, verbreitet hatte. So erreichte er Maria’s Stufe, so bat er dieselbe Liebe, dieselbe Weisheit, dieselbe Sprache sich erworben und angeeignet. „Ebenso ist es mit Laurentius, *) der euch als Märtyrer blos oberflächlich bekannt ist, dessen Leben, Wirken und Schriften jedoch euch Zeugniss seines hohen Geistes geben! *) Laurentius war aus Spanien gebürtig und wurde unter Papst Sixtus II. im Jahre 257 Diakon und Schatzmeister der Christen-Gemeinde in Rom. In der Verfolgung unter Kaiser Falerianus erlitt er 258 den Märtyrertod. Als ihm die heidnische Behörde ansann, die Schätze der Kirche auszuliofern, bezeichnete er als solche die versammelten Armon und Kranken der Gemeinde und wurde nun an einem langsamen Feuer auf einem glühenden Roste zu Tode gebraten. Auf der einen Seite verbrannt, soll er noch verlangt haben, auf die andere gewendet zu werden. Seine Geschichte hat der heilige Ambrosius, noch mehr aber Prudentius in dem „Hymnus in passionem Laurentii martyris“ noch mehr aus- geschmiickt, und die katholische Kirche feiert sein Gedächtniss noch heut am 10. August. Er scheint deshalb ein Leiter und Schutzgeist Adelma’s und Catharinaus von Fay geworden zu sein, um durch sie seiner Neigung und Erbarmung für die Armon weiter Genüge thun zu können. — Die Herausg -78 den ältesten Völkern verbreitet. —..Was brachte nun. das Christenthum Neues, da doch der Hauptbegriff des schaffenden Gottes, der Begriff der Liebe, schon da waren Christus brachte sich Reibst als den Begriff der Erlösung, des Sohnes, er brachte den Begriff eines inspirirenden, reinen Geistes, den der durch Liebe fort schreitenden Geister überhaupt. Die Gottheit liess er stehen für sich als unerreichbaren Gott und Vater._[Der T Begriff Gottes auf Erden war also schon von jeher, nur der Begriff des Erlösers durch Liebe war ein spezifisch christlicher. Die späteren Begriffe haben sich aus diesen göttlichen Wahrheiten durch Menschen-That und Wort erst herangebildet; der Papst mit seiner Weltherrschaft und Alle, die sich an den Glanz, Prunk, Titel, die Würden Und Formen geistlicher Aemter hängen, sind das Werk menschlichen Ehrgeizes, welches im Laufe der Zeiten untergehen muss. Vieles war einmal zeitgemäss, hat sich jedoch jetzt überlebt und hört deshalb auf, Nothwendigkeit und Macht zu sein. „Luther, Zwingli und Calvin wollten wahrhaft reformiren, doch gossen sie das Kind mit dem Bade aus. Statt vom Grund aus geistig zu reformiren, reformirten sie bloss menschliche Formen, daher auch jetzt das Zurückfallen der Einen in die Formen, das Abfallen der Andern vom Glauben. Die Formen und Dogmen sind Wucherpflanzen am Baume des wahren Christenthums; sie sollen durch die reine, geistige Lehre als sein Wachsthum hindernde, überwuchernde Schlingpflanzen abgelöst werden. „Wenn die Kirchen den Umgang mit Geistern ver bieten, so werden sie es erfahren, wie ohnmächtig ihr Bannfluch dagegen ist. Kein wahrhaft erleuchteter Geist stürzt die Grundwahrheit und Lehren der Kirche,, im Gegentheil, er will dieselben als Gesetze aufstellen und beweisen,’ -wie zum beispiel Folgende: 1) Ein göttliches Gesetz ist Christi Einverleibung, Auferstehung und Himmelfahrt. — 79 2) Ein göttliches Gesetz ist die Mitteilung des Heiligen Geistes und die gegenseitige der Geister. 3) Ein göttliches Gesetz ist Christi fluidisch-geistige Gegenwart im Abendmahl. Indem Christus das Abend-mahl einsetzte, schloss er hierin einen heiligen Bund ~ mit der Menschheit. Er versprach, stets gegenwärtig zu sein in der Form des Abendmahls, und ist es auch fluidisch-geistig. Diese drei Hauptpunkte bestätigt ein jedes gut geleitete, reine Medium, ein jeder wahrhaft ausgebildete hohe Geist. Tausende leugnen sie aber. Tausende kennen diese Punkte nicht, und leiten Medien und Menschen auf bedauerliche Irrwege. Deshalb prüfet die Geister, prüfet euch selbst! „Johannes der Täufer.“ IV. Erklärungen einiger medianimischer Zeichnungen. _ _ _ 1) Eine Darstellung Jesu als Knaben, durch Buddha mit Ödön gezeichnet. „Ich habe euch Jesu dargestellt, so wie ich Din als Knaben auf Erden sah, als er unter uns lustwandelte, wir seine Weisheit und Güte bewun derten, und ich Ihm diente. Ich, der ich früher Buddha war, und das grosse Christenthum ahnte, diene jetzt dem Herrn aller Menschen und Geister.“ 2) Darstellung einer Thierseele, die Form derselben, wenn sie von dem Thiere ausgehaucht wird und sich einem andern Lebensprincipe mittheilt. Hier trat die Veränderung in Ödön’s Mediumschaft ein, die Zeichnungen wurden grob und dunkel, er hatte nicht mein- das angenehme, erhebende Gefühl; der Er leichterung dabei, sondern Empfindungen des Missmuthes. Die Leiber jedoch sagten, dass diese groben Zeichnungen ihm eine physische Nothwendigkeit seien und fortgesetzt werden müssten. 3) Der dunkle und schwere Geist Robespierre’s, wie er jetzt im Geisterreiche mit seinen Leiden und Ge wissensbissen sich befindet. 4) Ein wilder Mensch aus dem Mercur. Studie, durch Alexander von ^umboldl gezeichnet: „Ich befinde mich jetzt — 81 — in dem Planeten Mercur, wo ich als Geist grossartige, wissenschaftliche Studien mache. Ich will der Erde durch dieses Medium Einiges hiervon wiedergeben, da es gar so interessant ist.“ „Alex. Humboldt.“ 5) Eine Katze aus dem Mercur. „Wegen der Rauhe- oder Härte dieses Planeten haben die meisten Thiere dort ein drittes Auge an einem Fühlhorn. Alle wilden und bösen Zustände der Erde befinden sich in poten- zirtem Masse auf Mercur; so sind dort ungeheuere Ratten und Mäuse, welche von diesen bösen Katzen aufgezehrt werden. — (Siehe beifolg. Abbildung.) Alex. Humboldt.“ 6) Die Hyäne aus dem Mercur. „Sie ist äusserst schlimm und blutgierig, und hat rückwärts zwei Gift beutel, mit welchen sie ihrer Beute Gift in die Augen spritzt und sie auf diese Art erblinden und betäuben macht.“ „ Alex. Humboldt“ 7) Der wachsame Mops aus dem Mercur. „Mit dieser seiner- dicken und langen Zunge zermalmt er das rohe Fleisch. — (Siehe beif. Abbild.) Alex. Humboldt“. 8) Er zeichnet auch einen fliegenden bösen Drachen aus dem Mercur. „Diese Thiere sind Mittelwesen zwischen den Drachen und Vampyren. Sie sind in den felsigen Gegenden des Mercur schaarenweise zu finden. Sie stürzen sich auf die Menschen, auf das Vieh und saugen ihnen das Blut aus. Die Menschen vertheidigen sich gegen diese grässlichen Thiere in Felsen-Burgen, die sie schützen', und aus deren Schiessscharten sie vergiftete Pfeile auf diese Thiere schleudern. — Alex. Humboldt.“ 9) Ein Haase aus dem Mercur. „Er entwickelt eine besondere Schnelligkeit, ist viel rascher und behender als der Haase der Erde; auch ist er von viel mehr Ge fahren umgeben, weshalb er das dritte Auge an dem Fühlhorn hat, um seine Fluide besser beobachten zu können.“ „Alex. Humboldt.“ 10) Die darauf folgenden Tage machte Humboldt, wie er uns sagte, eine Forschungsreise in den Mond; er zeichnete mit dem Medium einen Bewohner des Mondes. „Ich behauptete mit den Gelehrten der Erde, dass der 82 — Mond unmöglich bewohnt sein könne; nun habeich aber eine Forschungsreise in den Mond gemacht und mich eines Anderen überzeugt. Die chemische Luft des Mondes ist ganz verschieden von der irdischen Luft; sie enthält viel mehr Stickstoff, Kohlenstoff und Phosphor- Gase; daher müssen auch alle lebenden Organismen dieser Welt eine andere Mechanik haben, als die Körper der Erde. Die Menschen haben die Athmungswerkzeuge in einer eigenen organischen Mechanik im Kopfe, welcher sehr gross und ganz unproportionirt zu dem sonst kleinen Körper ist.“ „Alex. Humboldt.“ Diese Bilder wurden alle von Alexander von Humboldt . gezeichnet. — 11) Geistige Darstellung eines Zauberers aus Medina, genannt Gam. Er zeichnete sich selbst, mit Rhadamanta, seiner Frau. Wir erhielten hierüber folgende Mani festation: „Ich bin der Geist eines Magiers, der zu Medina starb. Kinder eines Gottes! Das ist mein Bild als Menschensohn, so sah ich aus. Mein geistiges Bild seh’ ich noch nicht klar. Ich werfe mich im Staube vor Allah nieder und bete ihn an. Meine Magie war ein Kinderspiel, ein Herumtappen im Finstern. Nun bin ich froh, die Hülle abgelegt zu haben und frei denken zu können. Mein hoher Prophet hilft mir. Mein irdisches Studium war auf das, was ihr Magnetismus nennt, ge richtet; doch ich hielt mich zu sehr an die Formeln und Worte; der reine Glaube allein hätte mehr ausge- richtet. Ich zeichne euch noch mein Weib Rhadamanta; ich habe nur diese eine Blume besessen: ihr Geist war rein und klar, sie war eine Priesterin der göttlichen Kraft; das ist das, was ihr eine Hellseherin nennt. Rhadamanta war der Funke, der das Feuer der Magie und des tiefen Forschens in mir erweckte! Ich hörte nur sie; sie flog dahin in einer Nacht — die ersten Sonnen strahlen saugten ihren Geist auf und trugen ihn mit sich fort mit dem frischen Thau der Blumen. Nach ihrem Hinscheiden verdorrte mein Leben, denn die Seelen- speisc, ihre Worte fehlten mir. Deshalb folgte ihr bald 83 — mein Geist. Bewahret sie, diese Bilder des berühmten Magiers aus Medina, mit. seiner Seherin, durch deren Weisheit so viele Menschen geheilt und getröstet wurden. Nun bin ich bei ihr, der Königin dei' Blumen; sie ist die weisse Rose, wie sie Gott liebt, in deren Hauch ich lebe.“ „Gam.“ 12) Ein Spottgeist zeichnet sich selbst. Er liebt es, physische Effekte hervorzubringen, den Menschen Taschen spieler-Künste vorzumachen. 13) Geistige Darstellung der Pompadour, durch Thomas gezeichnet. Ihr Geist schrieb Folgendes: „Ich war auf Erden ein schönes Weib, das sich nach seinem Tode in ein Marmorbild verwandelte, sich zu Stein werden fühlte. Ja, ich lebte an König Ludmig’s Hof, ich war die berühmte Pompadour, ich war die allgemein beneidete Maitresse, des Königs, die Miturheberin der nachmaligen, schrecklichen Revolution. Mein Erdenleben war voll sinnlicher Genüsse. Ich war schön, aber ein geistiges Ungethüm. Ich starb, gefallsüchtig und eitel, wie ich war; da ich so an meinen Körper attachirt war, konnte ich mich nicht von demselben trennen. J’ai sentiroidir mon corps, je l’ai senti de venir glacial; cela me donna l’idee, que je fus une Statue: heisst auf deutsch: Ich wurde steif und dachte, eine Marmor-Venus zu sein; ich fühlte mich hart und kalt. Ihr sagt: Fabeln, es sind Fabeln! O nein, es ist Wahrheit in den Fabeln. Ich wurde zur Bildsäule, wie einst Madame Loth, aber nur nicht von Salz, sondern von Marmor. Ich stand im Garten von Versailles, ein Geist trug mich dort herum. Mit der- Zeit fühlte ich mich so grau, abgeschunden und alt werden. Personne ne m’adora — j’etais sans rouge et sans poudre! Ich fühlte mich hässlich und alt werden, Niemand sah mich an, und das kränkte mich sehr! Die Revolution mit zu erleben, war mir schrecklich! 0, wie sie da herein stürzten, diese wilden Horden, ces poissardes abominables, diese abscheulichen Fischweiber, das war grässlich. Der Sturz des geliebten Königshauses war une centaine de poignards dans mon coeur! Heisst auf — 84 — deutsch: Tausend Dolchstiche in mein Herz! Ach, und ich stand da, immobile, kalt, steif — konnte die Hand nicht drohend erheben, den Mund nicht scheltend öffnen, den Fuss nicht stampfend bewegen — ich konnte nicht einmal weinen! — Es war ein furchtbares Leiden! Es erweichte den Stein meines Herzens, meines Geistes, den Stein meines Hochmuthes, meiner Gefallsucht. Nach langer, langer Zeit hörte ich einige Menschen im Garten zu Versailles über Spiritisme reden; der eine hatte „le Livre des Esprits“ in der Hand und las; ich las mit und starrte das Buch durch und durch. Mein guter Träger brachte mich zu euch, wo mich ein Geist mit diesem Medium abzeichnete, allen herrschsüchtigen, eitlen Frauen zur Lehre. An der Sonne, der Liebe Gottes, schmilzt mein Marmor immer mehr; betet, o betet für mich, damit ich mich als reiner Geist aus dem Stein befreie.“ „Madame Pompadour.“ 14) Der Faun des Heidenthums oder Dämon der Christenheit, der gefallene Erstling unserer Lehre, und 15) sein Dual, die Megäre des Heidenthums oder die Hexe des Christenthums. V. ueber das Schauen im Wasserglase. 1) Bevor ich diese biographische Skizze über die Entwicklung unserer Mediumschaften schliesse, muss ich noch einer medianimischen Grabe erwähnen, die sich bei mir im Herbste 1867 kund gab. Ich meine hier das Schauen im Wasserglase. Unsere geistigen Leiter riethen mir dazu. Sie eröffneten mir eines Tages, dass ich die Gabe hätte, Geister zu sehen, ohne somnambul zu werden, doch müsste dieses in irgend einer Form geschehen; ich solle ein mit Wasser gefülltes Glas nehmen und hinein schauen, sie würden mir alsdann fluidische Bilder, geistige Darstellungen in demselben zeigen. Beim ersten Mal Schauen sah ich sogleich allerlei Gegenstände im Wasser glase; das Erste, was ich sah, war eine Eisenbahn, ein Hund und dann menschenähnliche Formen. Es war mir Anfangs, als bewegte sich das Wasser, dann kamen kleine Wölkchen, Pünktchen, Fleckchen; dann schien es mir wieder, als habe das Wasser einen Wellenschlag, bis diese Dinge alle nach und nach Formen annahmen und sich in allerhand Gegenstände entwickelten. Ich war dabei in ganz normalem Zustande, das heizt bei vollem Bewusstsein dessen, was ich sah und was um mich gesprochen oder gethan wurde. Doch habe ich das Gesehene immer mit empfunden, durch Freude oder Schmerz, durch Trauer oder Heiterkeit, durch Wohlbehagen oder Missbehagen, durch Seligkeit oder durch Ekel und Aerger. — 86 - . Der Anblick höherer, reiner Geister beseligt mich, wo hingegen der Anblick Ekel erregender, böser Geister mich ärgerlich stimmt. Ja, ich nehme sogar Gerüche, Wärme und Kälte wahr. Wenn sich das eine Mal meine Augen oft mit Thränen füllten, so muss ich andre Male wieder über die Bilder, die ich sehe, herzlich lachen. Ich habe den Eindruck, als ob ein Bild aus dem andern krieche, eins sich aus dem andern wie bei dissolving , views entwickele. Oft erscheinen mir dieselben viel grösser, als es eigentlich die Fläche des Wasserglases erlaubt. Diese Darstellungen erscheinen wie Photogra phien, dann wieder wie glänzende Licht- oder Wolken- Bilder. Lichtblau, gelb, goldig, röthlich, lila, grau sind die Farben, die ich sehe. Ich führe hier einige Bilder an. Indem ich ins Wasserglas schaue, diktire ich das Gesehene meinem Mann, und erkläre und erläutere es dann medianimisch, gewöhnlich mit dem Geiste Laurentius oder Buddha. 2 . Erklärung unserer geistigen Leiter über dieses Schauen. „Das Schauen oder die Sehergabe ist so alt als die Menschheit; letztere erscheint bei allen Völkern, in allen Schichten der Gesellschaft. Sie ist eine allgemeine Gabe, die aber bis jetzt noch wenig studirt und erforscht, und nur ausnahmsweise ausgeübt wurde. Einige sehen die geistigen Bilder in der Leere, Andere auf Tüchern an der Wand, Andere im Feuer, Andere in einem leeren oder gefüllten Glase. Um diese geistigen Dinge schauen zu können, ist es nothwendig, dass der menschliche Geist sich von Etwas fesseln, concentriren lasse, das heizt er muss seine Aufmerksamkeit auf h’gend Etwas fest richten; Gehirn und Auge dürfen nicht zerstreut sein, sondern müssen sich in Sammlung, in aller Ruhe und bei vollem Bewustsein befinden, ohne Somnambulismus oder Ekstase, die wieder ganz andre Zustände sind; wir verlangen hier nur für- die Bilder, die -wir dem Sehmedium zeigen wollen, ein ruhiges Auge, Sammlung und Befähigung. Diese Befähigung liegt in der magnetischen Potenz, im Wärme grade des Mediums und drückt sich in den Denk- und — 87 — Fühlorganen aus. Es ist dies eine Befähigung, die, wie alle Mediumschaften, gar nichts zu thun hat mit dem Willen des Mediums; ja, das Medium wird sehr oft gar nicht einmal das sehen können, was es sehen möchte, denn hier geschieht der Wille der Geister, die dem Medium die Bilder bereiten und zeigen. Wir bereiten diese fluidischen Darstellungen durch das Gesetz der Abspiegelungen (des Reflexes), durch Luft- und Licht-Eindrücke. Wenn eure Kunst der Licht-Bilder und Abdrücke vervollkommnet werden wird, so wird das sehende Medium diese fluidischen Darstellungen mittelst Vergrösserungs-Gläsern und Spiegeln photographisch wiedergeben können. „Adelma sieht oft die gegenwärtigen Geister; dann erhält sie die Abbildungen der entfernteren Bewohner der Sterne und Gegenden aus denselben; sie sieht ver gangene Episoden ihres Lebens durch deren Abdrücke, die sich in den unendlichen Luftschichten befinden. Die Zukunftsbilder sieht sie je nach den Berechnungen der Geister. Auch die Menschen reden von der Zukunft, stellen die Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart zusammen, und schliessen darnach auf die Zukunft; die Geister nun thun dies auch, die höheren frei, wahr und treu, die niederen jedoch mangelhaft, oft unwahr. Alles wird je nach dem Verständniss, nach der Wissenschaft, Weisheit und Stufe des Geistes dargestellt und gesagt. Gott allein ist allwissend und unfehlbar; kein Geist kann sich diese Eigenschaften anmaassen. „Adelma’s Auge und fluidisch magnetische Umgebung ist nicht alle Tage gleich; es gibt Tage der Hindernisse und Tage der besonderen Hülfe, wie bei allen medianimischen Kundgebungen. Sie empfängt mit den Bildern Gefühle und Empfindungen über dieselben, da eine jede Fluidenpotenz ihre Nachwirkung hat.“ „Maria.“ 3 . Aufführung einiger Bilder des Wasserglases mit deren Erklärung. Den 2. September 1868. — a) Das Medium sieht in das Wasserglas und sagt nach einer Minute: „Ich sehe dunkle, herumgehende Gestalten, sie machen — 88 — mir den Eindruck, von Staub gebildet zu sein, sie verstauben und verschwinden.“ b) Ein Petrus-Kopf; er verwandelt sich in einen geharnischten Ritter; dieser wird zu einem sich bäumenden Pferde (das Medium lacht). „Ich sehe ein höchst komisches kleines Männchen mit einem Höcker, das sieht mich so sonderbar an.“ Erklärung der Geister: — „Die von Staub gebilde ten Gestalten sind Geister, welche die Erde umgeben und in der Atmosphäre derselben sich bewegen. Petrus war gegenwärtig, er will euch ermahnen, recht gläubig zu sein. Der geharnischte Ritter ist die frühere Ein verleibung deines hier geistig gegenwärtigen Vetters; das sich bäumende Pferd gehört dazu. (Es folgte nun die Erzählung seiner Einverleibung, die wir hier auslassen.) Der lächerliche kleine Geist mit dem Höcker ist das, was die Menschen einen Kobold nennen, eine gewisse Spezialität Geister hat diese Formen; sie sind oft heiterer Laune, dann aber können sie auch recht bös werden; diese koboldartigen Geister finden sich sehr oft in der Menschheit einverleibt.“ Den 9. September 1868. — c) Das Medium thut einen Aufschrei des Entzückens über folgende herrliche Erscheinung. Ein Engel, der so glänzend ist wie die lichten Abendwolken, trägt eine dunklere Wolke auf seinem Rücken; er schwebt so schön und leicht! Ich sehe weder Arme, noch Füsse; es ist ein herrlicher Kopf mit nicht zu langen Haaren. Seine Gestalt gleicht einem Etwas wie von flaumigen Federn und Wolken. In der dunklen Wolke, die der Engel auf dem Rücken trägt, ruht eine müde schlafende Menschengestalt! Der Arme sieht so müde aus, und es scheint ihm doch gut zu gehen! (Die innere Bewegung des Mediums drückt sich in dessen Stimme aus; das Mitempfinden mit dem Gesehenen scheint qvw nie sehr lebhaftes zu sein.) Der Engel schwebt über ein düsteres Gewölk, das sehr kalt ist; dieser müde Mensch be findet sich jetzt in den Armen, an der Brust des Engels, er haucht ihn an. Wie -so der Engel auf einmal Arme - 89 — bekam und die müde Menschen-Gestalt sich da hinein legte, kann ich nicht erklären; es ist aber deutlich so. Die Arme des Engels sind aber nicht wie Menschenarme, sie sind wie zwei fluidische Ausströmungen, die aus dem Engel herauskommen und die müde Gestalt tragen. Die düsteren Wolken sind alle verschwunden. Die müde Gestalt hat Flügel bekommen, sie wird ätherischer, er wacht und schwebt neben dem Engel. Sie werden beide immer lichter und lichter! Sie sind so schön und schweben so prächtig! Es war mir wohl dabei. (Das Medium hat ein wohlthuendes Gefühl; schlieslich sagt es mit grossem Bedauern:) „jetzt sind sie fort.“ Erklärung: „Diese müde Gestalt war ein so eben ent- körperter Geist. Sein Schutzgeist nahm ihn auf und trug ihn mittelst seiner Fluide hinweg von der Erde in eine reine Geisterwelt. Das, was du in einem Augen blicke sähest, diese Entwickelung von der Müdigkeit zur Phätigkeit des Geistes, dauert in der That mehrere Jahre. Der Geist muss sich erst an seinen entkörperten geistigen Zustand gewöhnen; er kräftigt sich durch die Fluide des Schutzgeistes und unterrichtet sich durch seine Lehren während dieser Reise. Nun aber kommen sie durch die kalten Wolken, das sind Gegensatzströmungen, Hindernisse, die sie überwältigen müssen; der Geist flüchtet sich in den Liebeshauch des Engels, der ihn immer mehr und mehr zum Geiste macht, bis sie endlich, wie liebende Geschwister, neben einander schweben; dieser Geist folgte seinem Gesetze und kam auf diese Art sehr rasch an sein Ziel“. d) Das Medium sieht Zeilenende zeichen Goldschrift; es zeichnet sie auf Papier nieder: e) Eine hässliche, ekel hafte Frau, die schnell verschwindet. Nun, eine weibliche Gestalt, jung, in schwarzem Wollkleid; über ihrem Kopfe ein leuchtender-goldene — 90 — Stern; ihre Hände sind auf den Rücken gebunden; sie trägt ein Rad. Zwei dunkle Männer gehen vor ihr, zwei hinter ihr; diese Männer sind in grosse Mäntel gehüllt und haben breitkrempige Hüte. Neben ihr ein Mann mit einem zacki gen Werkzeug in der Hand, ein anderer mit einer Geissel. Die Männer mit den grossen Hüten haben Masken oder eiserne Visire. Das arme Mädchen ist gebunden und sieht wie eine Büsserin aus; zwei lange schwarze Zöpfe hängen ihr über die Brust herab. Ich habe eine sonderbare Empfindung ihr gegenüber, wie wenn ich es selber wäre; es ist ganz eigenthümlich. Nun hegt sie auf einem schwarzen eisernen Bett, sie ist mit allen Gliedern darauf gebunden; ist das vielleicht eine Folter? Aus dem Stern über ihrem Kopfe kömmt ein Lichtstrahl, der ihr in die Herz grube scheint. Die Männer mit den grossen Hüten deuten auf sie hin, sie wird immer glänzender; ich sehe wie ihre Seele aus dem Körper geht; sie ist ganz goldig. Ihre Haare sind ficht und lang, ein noch schönerer Geist empfängt sie. Die Männer sind aufs Gesicht gefallen und zittern. Erklärung: — „Während des Schauens hast du ganz richtig gefühlt; denn du sahst deine eigene verflossene Einverleibung auf Erden. Du erkanntest dich selbst, und dein Leiden. Um das Jahr 1394 warst du eine Jungfrau zu Köln, selten begabt mit der Gabe der Weissagung; dieses nun erfuhr die Geistlichkeit, sie wollten dich zu ihren Zwecken ausbeuten, du jedoch hieltest fest an Gott und deinem Rechte; da schrieen sie dich aus als Hexe, und du machtest alle Torturen der Hexenprozesse durch. Während sie dich auf die Folter legten, wurdest davon guten Geistern durch und durch magnetisirt, so dass du von der Folter und den feurigen Zangen fast gar nichts spürtest. Du weissagtest ihnen ihren Untergang, ihren Tod und die Reformation. Als dein Geist den gemor teten Körper verliess, erbebte das Gefängniss; sie hörten ein Zischen und Rauschen, und glänzend stand dein Geist vor ihnen, so dass sie zitternd und bebend aufs Angesicht fielen.“ — 91 — Am 4. Januar 1869. — f) Ein Dreieck, auf dessen Basis eine dicke Atmosphäre ruht; aus ihr entwickelt sich ein Aether, der bei der Spitze des Dreiecks heraus geht. Unter dem Dreieck ein glänzendes Fluid; der Aether senkt sich von der Spitze nach . abwärts und saugt die dicke Atmosphäre auf. Auf der Spitze des Dreiecks befindet sich eine leuchtende Kugel. Nun sehe ich einen zweiten Triangel, von glänzendem Licht und Fluid erfüllt, mit der Basis gegen den ersten Triangel gekehrt. ° Das lichte Fluid des unteren Triangels strömt in ^ die dicke Atmosphäre des oberen Dreiecks hinein und saugt 'es auf. Erklärung: — „Adelma sah ein Bild über die höhere Erdkunde, die Condensionen des Magnetismus und der Elektrizität, des Sonnenlichtes und der Erdatmosphäre. Die Kugel an der Spitze des oberen Triangels ist die Sonne, welche auf die Erde einwirkt und hierdurch die Verwandlung des Lichtes in Aether, des Aethers in die Atmosphäre der Erde bewirkt. Der untere Triangel ist das Fluid und der Magnetismus der Sonne, welche durch diese ihr ganzes Planetensystem an sich hält und durch einen Doppeldruck bewegt.“ Am 9. November 1869. — g) Nachdem das Medium mehrere Monate hindurch nicht in das Wasserglas geschaut hatte, sah es diesen Abend zwar etwas schwerer als sonst, aber doch zwei wundervolle Gestalten. Sie sind ganz nackt und schweben hernieder. Ein sehr afiek-tirter Herr mit einem Toupe (das Medium lacht, weil derselbe Gesichter schneidet). Ich sehe meine Mama schreibend, sie ist von einem Glanz umgeben. Jetzt kleine schwarze Geister, welche Bocksprünge machen. (Dem Medium wird schwindlich, und es hört auf). Erklärung: — „Du bist jetzt nicht in der Uebung; diese Mediumschaft muss, -wie jede andere, geübt werden. Die zwei schönen nackten Gestalten sind Geister, welche zu ihrer Einverleibung auf die Erde herabschweben. Ein Spukgeist zeigte dir das lächerliche Bild des Herrn mit dem Toupe, um dich zu zerstreuen. Deine Mama schreibt — 92 — dir'. (Nach drei Tagen erhielt ich richtig einen Brief meiner Mutter desselben Datums.) Die Fluiden der kleinen dunkeln Geister erregten dir zuletzt den Schwindel, sie waren gegenwärtig und wollten dich stören.“ Am 18. November 1869. — h) Ich sehe meine Schwester R. schreibend. Dann erscheint ein herrlicher Engelskopf mit zwei kurzen Flügeln. Eine prachtvolle Gestalt, von Lichtglanz umgeben, hat ein glänzendes Triangel auf der Brust. Eine graue, gebückte, alte Gestalt sammelt die Balken eines zerbrochenen Triangels zusammen; diese Arbeit scheint sehr mühsam. Eine schwarze Gestalt kniet im Schnee vor einem Z, sie hat ein erloschenes Licht in der Hand. Ein französischer Soldat, welcher sehr traurig aussieht. Jetzt eine herrliche nackte Gestalt; sie hat lange Haare, die sie wie ein Goldregen einhüllen. Ihr Körper ist ganz durchsichtig und sehr fein; von den Beinen abwärts sind keine Füsse, sondern ein lichter schöner Strom. Plötzlich erscheint der Kopf einer Kuh. Erklärung: — „Deine Schwester schreibt dir heute. (Nach zwei Tagen erhielt ich einen Brief von ihr, desselben Datums.) Der Engelskopf mit den zwei Flügeln ist der Geist eines Kindes, der heut seiner Hülle entflog. Die schöne Gestalt mit dem Triangel ist der gerechte Geist, der das Gesetz erfüllte und den Weg des Triangels gesetzmässig durchgemacht hat. Sein Gegensatz ist der gebückte, graue Geist, welcher den gerechten, gesetzlichen Weg des Triangels verfehlt hat und nun mit Mühe und Arbeit das verlorne Gut wieder aufsuchen muss; es hat dies Bezug auf die Gestalt vor dem Z- es ist ein Selbst mörder. Ihr werdet bald davon lesen. (Drei Tage darauf lasen wir in der Zeitung, dass sich ein Obristlieutenant Z. entleibte.) Der französische Soldat bedeutet Krieg und Bedrängniss in Frankreich. (Dies Bild hat sich im Jahre 1870 erfüllt.) Die durchsichtige schöne Gestalt mit den langen Haaren ist eine Bewohnerin der Sonne; sie hat keine Füsse, weil die Bewohner der Sonne schweben und sich durch die Kraft, des Magnetismus bewegen. Einer eurer gutmüthigen Hausgeister, wie die Griechen — 93 — sie schon nannten, zeigte dir euere Kuh; gebet ihr täglich 37 Korn Pulsatilla drei Tage lang ein, und sie wird viel mehr Milch geben; ihre Milch hat eine Stockung erlitten, dieses verursacht ihr Blähungen; der früher er wähnte Geist ist nun besorgt, dass ihr dadurch den Kummer hättet, die Kuh zu verlieren. Geister von niederen Stufen üben sich zuerst in solchen kleinlichen Werken der Barmherzigkeit; es ist dies eine Schule für sie.“ (Nachdem wir diesen Rath befolgt hatten, gab diese Kuh nach dreimaligem Einnehmen zweimal so viel Milch ° als sonst.) „Alle Bilder der Zukunft sind Zahlenberechnungen der Geister; wenn keine Brüche oder Hindernisse kommen, so erfüllen sie sich. Zum Beispiel, du siehst deine Schwester schreibend, weil sie die Absicht hat, es zu thun, und einer der umgebenden Geister dieses sieht und es dir mittheilt; nun aber wollte sie es nur thun, und hat es noch nicht gethan, als du das Bild darüber sähest; kömmt nun ein hinderndes Element, welches sie vom Schreiben abhält, thut sie es nicht, so hat desshalb der Geist, der dir das Bild zeigte, nicht falsch gerechnet oder gesprochen; er that es nur, ohne die möglichen Brüche oder Hinder nisse zu nennen.“ Am 26. November 1869. — i) Ein Rabbi mit langem t weissem Bart; er hat einen Dolch in der Hand, geht auf eine Lichtgestalt zu, welche auf der Erdkugel steht und die Arme ausbreitet. Eine kriechende Gestalt fleht diesen Engel des Lichtes an. Ein dicker Kardinal, der sehr stolz aussieht, hat ein grosses Buch vor sich und zeigt auf die Lichtgestalt. Dem Kardinal gegenüber befindet sich ein schwarzer Mann, der sehr mager ist und sicht lich magerer wird; er zeigt auch auf die Lichtgestalt, welche die Arme immer mehr und mehr ausbreitet, so dass ihr Glanz sich wie ein herrliches Fluid über die ganze Erdkugel verbreitet. Rechts und links drängen sich allerlei Menschen zu diesem Engel; neben dem Kardinal, der immer dicker wird, .steht eine stolze Frau aus dem Mittelalter, mit grosser Krause und gebieteri-scher — 94 — Haltung. Die magere Gestalt hat einen zweiten Kopf bekommen, der hat eine Kappe auf wie Luther. Erklärung: — „Dieses Bild ist von grosser Bedeutung für die Zukunft des Christenthums. Die herrliche Lichtgestalt über der Erdkugel ist der Messias und Erlöser Jesus. Liebevoll streckt er die Arme aus und ruft : „Menschen, liebet euch, versöhnet euch!“ Das orthodoxe Judenthum will überall in blindem Fanatismus alle Worte und Werke des Messias zerstören. Der Kardinal ist der ultramontane Katholizismus, welcher aufgebläht und stolz ist und sich ein Stückchen unfehlbarer Gott heit dünkt. Er hat die Dreieinigkeits-Lehre vor sich aufgeschlagen und hält sie für sein Eigenthum. Die Dogmen des Mittelalters und ihre Missbräuche stehen personifizirt in dieser stolzen Frau neben ihm; sie befehlen einfach den Menschen blinden Gehorsam. Dieser Ultra-montanismus wird sich so lange aufblähen, bis er zu Grunde geht. Ihm gegenüber steht eine abgemagerte, geplünderte Lehre, der Protestantismus, welcher mehrere Köpfe und vielerlei Sinn hat; er ist arm und hat wenig Mittel, aber viel Köpfe und Uneinigkeit. Doch wollen Alle sich auf Christum stützen und Keiner thut es in der Wahrheit. Die arme bedrängte Menschheit schaartsich um Christum, dessen Liebe immer thätiger und kräftiger wird. Er bleibt unwandelbar inmitten aller Wort-und Völker-Kriege.“ Am 3. December 1869. — k) Zuerst erblickte ich einen aufgebahrten Leichnam, neben ihm steht ein Geist und bläst ihm auf den Hals; dann das Meer in grosser Bewegung. Gewaltige Wellen schaukeln ein Schiff. Ein mächtiger Engel schwebt über dem Meere und breitet die Arme darüber aus. Erklärung: — „Du sahst einen Mann, welcher als scheintodt begraben wird; sein Schutzgeist gibt sich alle Mühe ihn aufzuwecken; doch da die Menschen gar nichts dazu thun und ihn in kalter Kammer erstarrt hegen lassen, kann er allein nicht zum Ziele gelangen. Die Aerzte wollen ihn seziren; wie oft thun sie das an solchen VI. Schreibmediumschaft der Fr, Baronin Cath.v.Vay, geb. Baronin v. Geymüller. Vorwort des Mediums. Obwohl ich, trotz des wärmsten Interesses für die Grabe der medianimischen Schrift, diese nie für mich selbst von Gott zu erbitten wagte, so wurde sie mir ganz unverhofft, im schwersten Zeitpunkt meines Lebens, am Sterbebette meines Sohnes, doch zu Theil. Es scheint, dass ich damals dieses Ableiters bedurfte. Adelina’s geistige Leiter riethen zu einem Versuch, und schon am zweiten Tage schrieb ich einige verständliche englische Sätze, trotz der jahrelangen Vernachlässigung dieser mir einst geläufigen Sprache. Vom 23. Juli 1867 bis April 1868 fühlte ich fast täglich zu bestimmten Stunden den mächtigsten Drang zum Schreiben — so erlangte ich mehr als 75 verschiedene Geister-Manifestationen — meistens Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend — Ergüsse, Geständnisse überraschendsten Inhalts, wo rauf stets wesentliche Erleichterung folgte. Aus dieser kleinen Sammlung, welche mein geistiger Leiter Laurentius mein geistiges Photographie-Album nennt, lasse ich sieben Manifestationen folgen. — 98 — 1) Manifestation am 24. Februar-1868. Nach heftigem Blutandrang gegen Kopf und Herz schreibt ein Geist (mit grober heftiger Schrift) Folgendes: „Man will mich nicht in deine Nähe lassen, und doch muss ich endlich mit dir sprechen; ich will mich nicht stets wegdrängen lassen. Weichet — ich muss mir Luft machen! Vielleicht verursachte ich dir die arge Blutwallung; denn wo ich hinkomme, ist dies der Fall. Heute lief es noch gut ab — du hattest viele treue Wächter — ganz konnten sie mich doch nicht abweisen. Du kennst mich wohl, ich bin ein Verwandter und will die Gabe, die dir verliehen ist, genauer kennen lernen; meine Frau auf Erden hat noch nicht den Muth, sich direct an dich zu wenden; ihr Geist ist noch zu schwach, um dieses Naturgesetz auf zufassen.“ Laurentius. „Fasse dich, theure Chatharina! da ist wieder ein recht finsterer Geist in deiner Nähe; er will durch dich zum Licht gelangen. Seine Nähe trug viel zu deinem Unwohlsein bei — er wirkte auf die schwäch sten, empfindlichsten Theile deines Körpers, daher die Erstickungen — er muss sich aussprechen.“ — (Grosse Schrift): „Man muss grosse Geduld besitzen, um diese Störungen zu ertragen; wisse denn, wer ich bin: Dein Schwager, ehemaliger Gesandter. Jetzt bin ich nun ein Geist, und zwar kein glücklicher — ich bin allein und suche vergebens befreundete Gestalten. Alles flieht mich — so irre ich nun im Weltall herum, ohne Anhaltspunkt, mir selbst zur Last, zum Ekel. Wie ich endlich zu dir kam und deine Arbeit beobachten konnte, ist mir noch nicht ganz klar; ich sah deinen innigen Verkehr mit entkörperten Wesen, und so wollte auch ich den Versuch machen. Ich überzeuge mich immer mehl', dass dies kein Hirngespinnst ist, wie viele Hoch gelehrte der Erde es auch behaupten wollen.“ Laurentius: „Es genügt nicht, dass du als forschender Geist zur Erde zurückkehrst — du musst auch als wir kender trachten, manch’Versäumniss nachzuholen. Hast du schon den Muth, einen scharfen Blick auf dein letztes — 99 — Erdenleben zu werfen? befriedigt es dich? hast du die freiwillig durch deine Einverleibung übernommene Mis sion gewissenhaft erfüllt? — könntest du nach deinem Tode frei und offen vor Gottes Richterstuhl treten? Vor Allem, beantworte mir alle diese Fragen, lieber Freund! dann, wenn du mit dir selbst im Reinen bist, wollen-wir dir- alle Wege zu neuen Forschungen eröffnen — eher nicht. (Grosse Schrift): „Wer wagt es, diese Sprache gegen mich zu führen? Ich bin Niemand als mir selbst Rechenschaft schuldig — weichet von mir, ihr Zudring lichen!“ — Laurentius. „Sträube dich nicht! Endlich rückte auch deine Stunde heran. Viele gute, dir befreundete Geister wünschten sie sehnlichst herbei; ihrem heissen Gebet hast du es zu verdanken, dass sie schon jetzt eintrat.“ — (Grobe Schrift): „Weshalb soll ich vor euch derlei Bekenntnisse ablegen?“ (Mit anderer Schrift): „Meine theure Schwester! habe Geduld mit meinem armen G. Ich trug viel dazu bei, dass er hier bei dir Hülfe suche; weise ihn nicht ab. Du hast schon Vielen geholfen, o, so reiche auch ihm deine hülfreiche Hand; las ich ja schon längst in deinem Innern, wie betrübt und besorgt du um uns Beide bist. Mein langes Schweigen war dir unerklärlich. Die Angst um ihn zog mich von dir ab — jetzt endlich muss er aus seinem Halbschlaf gerüttelt werden; mit Hülfe deines hohen Leiters Laurentius wird es uns gelingen.“ „M.“ G—. „Nun will ich nichts mehl’ von euch hören, ihr Schwätzer; lasst mich meine wissenschaftlichen Unter suchungen pflegen.“ Laurentius. „Nicht deshalb führten wir dich zu Catharina. Du sollst durch sie über deinen tiefen Stand punkt aufgeldärt werden. Blicke in deinen eigenen Geist — dies die erste Pflicht.“ G—. Was verlangst du von mir? Ich fühle mich plötzlich wie gefesselt! ich kann mir nicht mehr entgehen. 0, erbarmet euch meiner, ihr unsichtbaren — 100 — Richter! — Ich sehe plötzlich meine Fehler, als: Eigen liehe, Stolz, Geiz vor mir auftauchen mit allen ihren Folgen. — Ich sehe meine treue Frau auf Erden; o wie sehr quälte ich sie durch meine Härte! — Egoismus und Ehrgeiz waren die Haupttriebfeder meines Seins, ihnen unterwarf ich die heiligsten Empfindungen und Pflichten — kann so vieler Frevel Vergebung finden? War ich wirklich, wie ich es zur Schau trug, ein frommer Geist (Christ?) War das nicht Heuchelei? Musste ich auch diese Sünde auf mich wälzen? 0, wer ihr auch seid in Catharina’s Nähe, nehmet euch meiner an — ich kann diesen schauderhaften Rückblick, diese Abspiegelung meines verlorenen Erdenlebens nicht länger ertragen. O kommt, helfet, rettet einen Verzweifelnden!“ Laurentius. „Bereue tief, mein Sohn, deine Vergehen; demüthige dich vor Gott, so wie du es jetzt vor einem Menschenkinde gethan; segne diese Stunde — sie soll dich von noch grösserer’ Pein erlösen; diese geistige Wiedergeburt soll ein Freudenfest sein für viele dich liebend umgebende Wesen.“ G—. „Nun will ich den gebotenen Hoffnungsstrahl festhalten — will euch folgen und anhören.“ Laurentius. „Für heute begnügen wir uns mit diesem Anfang. G. wird viele Hülfe finden, du, Catharina, nimm ihn in dein Gebet auf. — M. segnet dich lür diese * Stunde.“ „Meine liebe, gute Schwester; ich will heute mein Herz vor dir ausschütten; der gestrige Tag gab mir Kraft und Muth, einen Weg einzuschlagen, welchen ich während meines Erdenlebens für gefährlich und strafbar liielt. Jetzt fallen die Schuppen von meinen Augen — ich sehe, wie sehr du meinem armen G., um welchen sich schon lange vergebens viele gute Geister bemühen, durch die Schrift hilfst. Er musste durch menschliche Ver mittelung über seine Lage Aufklärung erhalten. Wie sehnte ich mich, seitdem ich dein Wirken beobachte, nach dieser Stunde — wie oft bemerkte ich, mit welch’ tiefer Trauer du unsere dunlden Bilder, die so deutlich — 101 — unseren geistigen Standpunkt wiedergeben, betrachtetest. — ------ Ich bin noch schwach, kann meine Gedanken nicht so leicht, wie ein geübter Geist, durch dein Gehirn senden — deshalb habe Geduld mit mir, deine treue, liebevolle Erinnerung stärkt mich. Deine Schwester M.“ 2) Manifestation am 3. Oktober 1867. Erwachen mit erhöhter Beängstigung. Drang zum medianimischen Schreiben. Laurentius sagt: „Deine Beklemmungen rühren heute von einem Geiste her, der ein Gebet haben will: es ist dein armer Neffe H.G., der nur durch deine Hülfe sich erheben kann; lass ihn sprechen." — H. G.: „Ich bin ein armer Sünder, den Gott verstossen hat.“ Medium: „Bete, wie folgt: Gott, nimm mich auf in Dein Reich, verzeih meine grossen Fehler und stehe mir bei; erhöre meine Bitte! — So wird dir durch mich geholfen werden.“ H. G.: „Ja, meine liebe Tante, ich will auf deine Stimme hören. Oft bin ich bei dir und kann mich nicht aussprechen. Nun kenne ich den Weg; Gott segne dich für deine Liebe und Theilnahme für einen Unglücklichen!“ Laurentius-. „Lasse öfters den armen ff. G. sprechen — er bedarf deiner geistigen Hülfe — sein Geist ist noch zu schwach, um sich allein emporschwingen zu können; er sucht Hülfe bei den Menschen, die im Leben gut für ihn waren, so wie du, Catharina.' — Lasse uns die Sorge für das Uebrige; wir werden dir schon helfen.“ „Laurentius.“ Später: „Liebe Tante! Ich muss mich heute an Ihrem Geburtstag aussprechen, und Ihnen einige Auf schlüsse über mein kurzes trauriges Erdendasein geben. Meine arme. Mutter führte mich zu Ihnen, sagend, dass ich durch Sie Ruhe finden werde. Ich habe viel gefehlt, aber auch viel gelitten. Lange konnte ich weder beten, noch den Gedanken an Golt ertragen. Endlich ward mir durch die Beobachtung Ihres Wirkens Manches klar, und ich fing an, mein Unrecht einzusehen und etwas — 102 — Hoffnung zu schöpfen. Ich höre schon deutlich die Stimme meines Schutzgeistes. Ich habe die Kraft, ihm zu folgen. Er führte mich zur Mutter, diese zu Ihnen, meiner guten Tante. Hier sehe ich Ihre Arbeit — ich fühle Ihr Gebet; ich sehe, wie Sie die Kranken heilen und wie Sie auch den armen Geistern helfen; so wende auch ich mich an Sie um Trost und Kraft. Ihr armer Sohn H. ist auch da und will mir beistehen. Ich will alle rachesüchtigen Gefühle unterdrücken und versuchen zu verzeihen — ich bedarf ja auch der göttlichen Verzeihung!“ — (Andere Schrift): „Meine liebe Mutter, auch ich will dir heute einige Worte sagen. Gott sei mit dir und gebe dir Kraft zu allen deinen schweren Aufgaben. Den armen Vetter H. G. empfehle ich dir; er ist sehr hülfsbedürftig, es muss ihm durch uns Beide geholfen werden. Deine grosse Angst wird aufhören, wenn es ihm besser geht. Bete für uns Alle.“ „Heinrich.“ , Am 4. Oktober 1867: — Nach grosser Beängstigung: „Du bist wieder sehr beängstiget; das kommt von side- rischen Einflüssen/) Die Luft ist voll Electricität. H. G. trägt auch noch dazu bei. Lasse ihn heute ausreden — es wird dich und ihn erleichtern.“ — Geist H. G.: „Liebe Tante! Seit ich mit dir reden kann, fühle ich mich wie neugeboren. Ich habe dir recht viel zu sagen. Gott erlaubt es. Jetzt kann ich schon das Wort Gott aussprechen. Als ich die letzte Erden-Existenz begann, lag vor mir das Leben voller Glück und Heiterkeit; mit dem Tode der Mutter umzog sich der Himmel. Ich war Vielen im Wege; nun, du nahmst dich meiner an — aber die Andern waren mächtiger. Ich ward gewaltsam zur Sünde getrieben, bis endlich mein Bisschen Verstand verdunkelte. Im Wahnsinü beging ich die sträfliche That. (Selbstmord.) Dann erst ward es recht dunkel; ich irrte umher, schnaubte Hache, hielt mich an die Peiniger der Erde, hörte nicht auf die Stimme meines Schutzgeistes, bis sich endlich meine Mutter näherte und mich zu dir führte. Erst jetzt empfing ich einen Hoffnungsstrahl. — 103 — Aus deinen Gedanken ersah ich, dass Gott auch den ärgsten Sündern die Mittel zur Besserung nicht versagt; ich lerne nun an Gott glauben — ich will .versuchen zu beten, will den guten Geistern folgen und dich nicht mehr durch meine drückende Nähe krank machen. Dein Gebet stärkt mich schon jetzt; ich kann mich noch nicht zu ihnen erheben. Es sind viele helle Gestalten um mich — ihnen will ich folgen und mir alle Mühe geben; meine Verfolger der Erde zu vergessen. Das Wort „Verzeihen“ spreche ich noch schwer aus, aber ich will es versuchen. — Du hast ja im Leben schon Vieles verziehen — Deinem Beispiel will ich folgen. „Dein Neffe H. G“ Geist H. G. am 9. Oktober 1867: — „Liebe Tante! ich bin dir vielen Dank schuldig. Durch dich erkannte ich erst klar meinen jetzigen Standpunkt; durch dich ward mir meine Todesart erst Mar; durch dich lernte ich erst meinen Schutzgeist kennen, auf seine Stimme hören. Nun weiss ich, dass Gott sich jedes Sünders erbarmt, sobald er seine Fehler einsieht und bereut. Mii- leuchtet die Hoffnung — dieses Gefühl allein ist schon eine grosse Erleichterung und Wohlthat für einen armen Geist, der bisher im Dunkel herumtappte. Der Durst nach Rache ist endlich erloschen — ich verzeihe meinen Peinigern — ja, ich lerne schon für sie beten. „Dein Neffe 27. G.“ Am 17. Oktober 1867: „Ma chere amie! Je desire vous parier, je suis un vieil ami — un ami un peu oublie — je suis le petit 0... Daignez lui permettre de vous dire, quelle est sa ppsition actuelle — je ne suis plus le Charge d’affaires de mon eher Duc de L. Onon! je ne fais que voyager, je suis un peu comme le juif errant; j’ai le don de la clairvoyance, j’observe tout ce que vous faites, je m’etonne de vous voir occupee comme une soeur grise. — Je ne suis pas du tout mort, je vis fort agreablement; ce u’est que recemment, que je fus ä Vienne, mais je n’y trouve plus les anciens salons — la maison de votre maman a bien changee, je n’y rencontre — 104 — pas une seule vieille connaissance. Je ne sais, comment j’ai pu decounir votre etablissement — tont d’un coup je vis Alme. Cathi, tant soit peu changee, occupee ä soigner des malades. — Je vois autour de vousbien des connaisr sances — votre aimable soeur Betty, et bien d’autres. Tons sont vetus de blanc, ils sont si claires et rayonnants — je crois que leurs corps sont bien legers, ils ont la faculte de voler dans l’air.“ — „Lasse diesen armen Geist nur ganz ausreden; er hat noch keine Ahnung seines Todes. Er hält sich für lebend und soll durch dich aufgeklärt werden. Schreibe, so oft dir der Drang dazu kömmt — du bedarfst dieses Ableiters.“ „Laurentius.“ Geist 0.: — „La possibilite de vous ecrire me rend bien heureux, tous les vieux Souvenirs me reviennent (aus den Jahren 1826 und 1827), en vous voyant. Je desirais savoir, comment cette correspondence peut avoir lieu; vous ne me voyez point, et moi, je tiens votre main, pour vous ecrire par vous meme tout ce qui me passe par la tete. Je 'ne peux pas comprendre, comment votre main me fait parier — tächez de m’expliquer cet enigme.“ Laurentius spricht: „Deine Gedanken genügen, um 0. allmälig aüfzuklären.“ Am 18. Oktober 1867. — „Je suis encore ici, l’ami 0,.. Je ne con^ois pas encore, comment je viens äbout de vöus parier, je commence ä croire que mon existence n’est plus de cette terre^ j’entends des voix; surtout Alme, de C. me dit que je ne suis plus de cette terre. Elle me propose un voyage, j’ai envie de l’accompagner — eile veut me mener dans des mondes plus purs que notre pauvre terre. — Je vois aussi votre soeur Louise, eile aussi me parle. Que Dieu voüs benisse, ma obere amie — j’entrCrai däns de grandes meiweilles; adieu pour cette fois, adieu!“ „0.“ 4) Afanifestation vom 23. Oktober 1867. „Meite theure Schülerin! Ich will versucbeü, dir ein klares Bild meines jetzigen Lebens zu entwerfen; ich will treu nach der Natur malen, so wie ich es so oft auf Erden gethan — 105 — und mit dir versuchte. (Als Lehrer der Zeichenkunst.) Ich bin in einem herrlichen Planeten, wo es weder Krieg, noch Hass, noch Elend gibt. Wir sind immer thätig, aber auf andere Weise, als auf unserer armen Erde: wir unterrichten schwächere Geister, hören deutlich die Stimmen der höchsten, reinsten Geister, die nach langen Kämpfen ausgerungen haben. Den Tod kennen wir nicht, er ist nur eine kleine Ohnmacht. Da unsere Körper leicht und durchsichtig sind, so haben wir die Gaben des Sehens und Hörens im verfeinerten, verschärften Maasse; oft unternehmen wir im Auftrage hoher Geister Reisen in entfernte Welten, wo wir helfend und stärkend unsern Brüdern im Geisterreiche beistehen. Dir ward durch Gottes Gnade die Gabe des Heilens; nicht nur Menschen, sondern auch Geistern stehst du bei. Schon lange beobachte ich dies, noch ehe du selbst eine Ahnung davon hattest. Deine Kinder kenne ich alle — den Vielgeprüften sah ich seit seiner Entkörperung schon oft: o, ihm ist wohl; er ruht aus von den Erdenqualen und hofft, euch alle Liebe vergelten zu können. Ich war schon sehr oft mit allen deinen Lieben und freute mich besonders über die zuletzt gekommene Schwester Betty. Der Zweck meines Schreibens ist dir noch nicht klar — ich will versuchen, ihn dir auseinander zu setzen. Schon lange sah ich deine argen Leiden, ohne abhelfen zu können; indem ich nun durch dich schreibe, verhindere ich andere zudringliche Geister, in deine Nähe zu kom men; ich veiTannte ihnen den Weg. Meine reine Ab sicht allein schreckte sie zurück; so wird es mir vielleicht gelingen, dir die mir in alter Zeit bewiesene'Güte und Freundlichkeit zu vergelten. Ich will dich bewachen und deinem abgemarterten Gehirn Ruhe verschaffen. Auch muss ich dir noch danken für jedes meiner Schwester Kosa einst in M. gesagte Wort — du thatest dadurch nicht nur ihr, sondern auch mir als unsichtbarem Zu schauer sehr wohl. Nun aber muss ich dich verlassen, um meinen schwererrungenen Platz einem andern alten Freunde zu gönuen. Deine Gedanken werden auch mich — 106 - zu erreichen wissen, liebe Schülerin! Dein Gebet dringt bis zu uns.“ „Mesmer.“ 5) Manifestation vom 4. November 1867. „Laurentius ist mit dir — ich brachte dir wieder zwei Besuche — empfange sie freundlich und gönne ihnen das Wort. — „0 wir begleiteten dich heute bis zur Tanya und dem kleinen Patienten Arpad, bewunderten die Verord nungen der hohen Geister Adelma’s und möchten so gerne ihrem Beispiele folgen; aber wir müssen noch lange warten, bis wir so Nützliches leisten können. Wir irren noch zwecklos herum, sehen uns alle Stufen des menschlichen Elends an, ohne abhelfen zu können, und doch wissen wir, dass man auch ohne Körper mächtig wirken kann. Ich komme mir jetzt so zudringlich vor und fühle, dass meine Nähe dir schwer fällt; und doch wagte ich es, dem Beispiele deiner zahlreichen Umgebung zu folgen und dir diese Worte zu schreiben — vielleicht gestattest du uns, dich auf allen deinen Krankenbesuchen zu be gleiten. Laurentius wird uns schon andeuten, auf welche Weise wir dir nützlich sein können.“ Laurentius spricht: „Habe Geduld mit diesen armen Schwätzern — sie machen so viele Worte, um den Augenblick, sich dir zu nennen, noch etwas hinaus zu schieben, und doch müssen sie es thun — Demütigung ist ihnen nöthig. 0 Gott, stärke diese Beiden, lasse sie Demuth und Selbsterkenntniss erlangen!“ — „Wir müssen uns also doch entschliessen, dir unsere Namen zu sagen — Donna Maria da Gloria und Dom Miguel, welche du einst hi Wien öfter sahst — nun weisst du, wer wir auf Erden waren. Jetzt sind wir recht arme, verlassene, elende Geister, die nur noch bei Menschen Hülfe suchen und finden können. Du wunderst dich, weshalb wir gerade zu dir kommen? Weisst du, es gibt sonderbare Verkettungen unter den Menschen und Geistern; ich erblickte unlängst einen hellen Geist, deine Schwester Betty. Sie erkannte mich und rieth mir, sie zu dir zu begleiten; nun sah ich, wie andere Un-glückliche durch dich schreiben und dadurch Trost — 107 — erlangen; so wagte auch ich den Versuch und hoffe, dass du auch mir und meiner unglücklichen Gefährtin helfen wirst. Sie ist noch betäubter als ich, und kann sich in ihrem körperlosen Dasein gar nicht zurecht finden. Ich glaube, die Geistlichen knechteten sie dermaassen, dass sie kaum zu denken wagt. Gestatte auch ihr deine Hand und habe Geduld mit dieser königlichen Bettlerin.“ — — — Donna Maria: „Ich bin verlassen, trostlos, im Finstern; Gott würdigt mich keines Blickes, und doch bin ich mir keines so argen Vergehens bewusst. Man hat mir Gott als zürnendes, unerbittliches, nie verzeihendes Wesen geschildert; so wagte ich gar nicht, Seine Verzeihung für meine vielen Fehler zu hoffen. Endlich verliess mich der Glaube — ich dachte, es sei ja doch umsonst — Verzeihung würde ich so nicht erlangen. — Nun sehe ich aber durch dich, dass Gottvertrauen Grosses bewirkt. Der Besuch bei dem kranken Kinde lieferte mir den Beweis — nur fester Glaube konnte diese Kur unter nehmen und fortsetzen. 0 unbekannte Freundin! nimm uns Beide, Bettler aus einem Herrscherhause stammend, freundlich in deine Gebete auf; wir werden nicht undankbar sein, sondern nach Kräften dir diese Wohlthat zu lohnen trachten — schon jetzt leuchtet mir die Hoff nung: — durch deine Fürbitte gelangen wir zum Licht — Miguel und ich waren auf Erden für einander bestimmt — erst jetzt im Elend sollten wir uns als recht beklagenswerthe Geister finden.“ Laurentius sagt: „Diese Beiden werden bald vollkommen erwachen und dann als tapfere Kämpfer in deine Schaar eintreten. Schreibe dieses ab und lies es laut vor — auch das stärkt die beiden Schreiber.“ 6) Manifestation eines verstorbenen Priesters. „Schon längst hoffte ich auf diesen Augenblick. Ich bin derjenige, welchen du einstens würdigtest, ihm die Fehler und Gebrechen deiner Seele auzuvertrauen. Wie beschämend für mich war schon damals dieses Vertrauen. Ich bin schon längst in deiner Nähe, kenne genau deine — 108 — Richtung, dein Wirken, deine Briefwechsel mit meinem alten Freunde St. rind muss dir nun zu meiner tiefsten Beschämung eingestehen, dass ich trotz meiner Schriften und Predigten, als Mensch, gleich ihm, von einem Irrthum in den andern verfiel. Die hohe Meinung, welche du von mir schwachem Geiste hattest, trug viel dazu bei, mich zum Erwachen zu bringen. Eure Richtung — die Heilungen von Menschen und Geistern — brachten mich zum lebendigen Glauben, zeigten mir unsere Irr wege und lehrten mich auf die Stimme höherer Geister hören. Meine Schriften Hessen dich vermuthen, dass ich schon als Mensch die Christuslehre so wie ihr aufgefasst — o wie sehr irrtest du! Ich war von Zweifeln zerrissen und musste doch als frommer Mann vor der Welt er scheinen. Ich will nach dieser Generalbeichte mir selbst als Busse die Aufgabe stellen, dir,nun in allen deinen vielfachen Aufgaben behülflich zu sein. Freilich kann ich das nur mit Zustimmung deines geistigen Leiters Laurentius, dessen herrliches Vorbild mich aneifert und zur rastlosen Thätigkeit anspornt. Dein letztes Schreiben an St. erregte in ihm einen mächtigen Zwiespalt, ich könnte fast sagen — Sturm. Eure Ausdauer bewies ihm, dass feste Ueberzeugung euch leitet. Wenn auch nicht sogleich, kannst du doch sicher darauf rechnen, dass er durch deine schlichten Worte im geeigneten Augenblick zur Erkenntniss des Wahren geweckt werden wird. — Ich kehre auch oft bei deinen lieben Kindern in Steiermark ein und lese mit Wonne ihre Arbeiten; das Buch „Geist, Kraft, Stoff“ wird eurer schönen Lehre mächtigen Vorschub leisten, denn auch Denkern wird es genügend Antrieb und Stoff zu neuen Forschungen bieten. Hat ja das kleine bescheidene Büchlein schon Grosses bewirkt und euch manches Schäflein zugeführt. Ich bitte dich, mich von nun an in deine Schaar aufzunehmen, ich will dir helfen kämpfen — dulden — wirken — so lange als Gott der Allmächtige dich dazu berufen hält. Gott stehe dir bei — gedenke oft des einstigen Priesters. „Stanislaus Albach. - 109 — 7) Manifestation am 14. Januar 1868. Eine an periodischem Wahnsinn leidende Israelitin M- S. aus K. bat um Hülfe; mit Eintritt des Frühlings ergriff sie namenlose Unruhe, sie riss sich die Kleider vom Leibe und lief rastlos herum; alle bisher angewandte ärztliche Hülfe blieb erfolglos. Nachdem ich ihr einige passende homöopathische Arzeneien verordnet hatte, schrieb ich medianimisch wie folgt: Laurentius: „Sie leidet an arger Obsession, (Besessen heit), der Geist wird sich schon melden.“ Bald danach schrieb ich mit sehr grosser Schrift: „Mustapha Pascha ist da — was hast du mit mir im Sinne? Ich brauche diese Jüdin, sie muss mir als Botin dienen — ich treibe sie vor mir her, so lange es mir beliebt. Du wirst mich nicht daran hindern — sie ist meine Sklavin, mein Eigenthum.“ — Laurentius. „Bedenke, dass du nicht berechtigt bist, ein armes Menschenkind so zu quälen. H. ist weder deine Sklavin, noch Glaubensgenossin; lass ab von ihr und trenne dich ganz von der Erde — wende deinen Blick zu Gott, dem Ewigen, der das Gute lehrt und das Böse gerecht bestraft. Fährst du noch fort, dein Unwesen an Menschen auszuüben, so wirst du streng zur Verantwortung gezogen, du schadest dir nur selbst.“ — Mustapha. „Man wird mich nicht so leicht von H. abziehen; ich habe sie mir auserkoren.“ Laurentius. „Höre auf die vielen wohlwollenden Geister, die schon lange mit tiefer Trauer deinem Treiben zusahen. Alle wollen dir rathend, helfend beistehen. — Mustapha, komme mit uns und lerne in höheren, reineren Sphären, welch’ herrlicher Wirkungskreis guten Geistern zugewiesen wird, wenn sie die Kraft haben, ihren bösen Erdenangewohnheiten zu entsagen. Bald wirst du ein sehen, wie gut wir es mit dir meinen. Dein Herz ist eigentlich gut, nur hängst du noch zu sehr an alten Gewohnheiten.“ — Mustapha. „Deine schönen Worte bringen mich aus meinem Gleichgewicht; sollte ich wirklich Unrecht gethan — 110 - haben, wenn ich H. in meine Dienste nahm? Ich will mit euch gehen, vielleicht mache ich neue Erfahrungen — im Grunde langweilte mich H.“ — Laurentius. „Du siehst, dass Mustapha kein eigentlich böser, sondern mehr ein unwissender Geist ist, der die muhamedanischen Sitten und Gewohnheiten auch jetzt noch beibehält; er benützt stets den Sommer, um H. herumzutreiben, weil dann ihr erregbarer Organismus und Blutumlauf die meiste Neigung zur Unruhe entwickelt. Dieser Geist wird sich noch öfters melden — bete für ihn und M. Gott wird dir mächtig beistehen.“ — Den 4. Februar 1872, Vormittags, kam M. S. um neue Mittel, welche ich ihr auf fernere drei Wochen gab. — Die Wahnsinnsanfälle blieben ganz aus — sie klagte nur über grosse. Müdigkeit. Abends schrieb ich: „MustaphaPascha ist da, er will dir danken. Ich sehe jetzt mein grosses Unrecht ein, seitdem mich viele gute Geister unterrichten. M. S. empfehle ich deiner Pflege; jetzt will ich bedacht sein, sie dir alle drei Wochen zuzusenden. Deine Mattel werden ihr helfen“ — Diese Kranke wurde mit der Zeit wirklich vollkommen hergestellt. Catharina- von Vay VII. Das Buch der Kuren. (Heilmediumscbaft der Baronin Adelina von Vay.) Erstes Kapitel. Kur des zweijährigen] an Epilepsie M. Das Medium und ihr Gemahl besuchten eines Tages eine Freundin, und fanden das kleine, zwei Jahr alte Töchterchen derselben krank; die Mutter war in äusserster Besorgniss, denn das Kind hatte wiederholt Krämpfe ge habt, die der Arzt für Epilepsie erklärte. Da das Kind früher bei den ersten Zähnen öfters an Fraisen litt, die jetzt in Form von stärkeren Krämpfen auftraten, war die Mutter in äusserster Besorgniss, um somehr, da der sehr gescheidte und überlegte Arzt selbst die Krämpfe nicht heben konnte, und ihre Wiederkehr sogar für lebensgefährlich hielt. Obzwar die Mutter dieses Kindes an den Spiritismus nicht glaubte, noch den Verkehr mit Geistern billigte, so wandte sie sich doch jetzt in ihrer äussersten Nöth und Seelenangst an das Medium, das ihr befreundet war; dasselbe versprach ihr auch bereitwillig seine Hülfe, und nach Hause gekommen, bat sie im Verein mit ihrem Gatten die geistigen Leiter um Rath und Hülfe in diesem Krankheitsfalle. - 113 — Hier veränderte sich plötzlich die Bewegung des Bleistiftes, das Medium fühlte sich ruhiger, und der Geist des Kindes selbst schrieb in schöner Schrift. Es war gegen 10 Uhr Abends, um welche Stunde das Kind . schlief. Wie bekannt, können sich die Geister der Mensehen, wenn der Organismus schläft, auch medianimisch äussern. .Die Mittheilung lautete: — M.-. „Ich rede mit dir, Raimund] Ich sage dir feier lich, dass ich dir Alles verzeihe, was du mir angethan hast; erspare nur jetzt meinen theuren Eltern allen Kummer.“ Raimund: „Nein.“ M.: „Warum nicht? hast du mich denn noch nicht arg genug geplagt?“ Raimund: „Nein, ich will dich bei mir haben.“ M.: „Ich kann aber nicht. Gott ist mein Heill Sag’ mir dieses nach!“ Raimund: „Gott ist mein Unheil!“ AR: „O Raimund 1 wie weh du mir thustl kannst du nicht beten?“ Raimund: „Ich kann fluchen!“ M.-. „O Adelma (an das Medium), hilf! Ich möchte mich von Raimund befreien. Ich bin jedoch an ihn gekettet, habe eine versäumte Pflicht bei ihm zu erfüllen; hilf mir ihn bekehren, mein Gott, gib mir Kraft dazu.“ Diese Worte sprach M. zum Medium, welches hierauf Raimund in lauten Worten zum Ablassen von ihr er mahnte. Raimund: „Ich habe schon gesagt, dass ich einen Leib auf Erden suche. Ich will J/’s Bruder sein, um sie recht zu plagen.“ Das Medium: „Die gewaltsamen Einverleibungen sind gegen Gottes Gesetz; bekehre dich zuerst, und dann bitte Gott um diese Gnade.“ Raimund: „Das will ich nicht, der Teufel hilft mir.“ Die Leiter des Mediums schrieben hierauf folgendes Gebet: „Im Namen Gottes! Vater! Du Erschaffer des Alls! Du Herr über Alle! Du Ende und Anfang! Erhöre 114 — unsere Stimmen! Wir flehen zu dir für Raimund’s armen bethörten Geist. 0 Vater, lasse Gnade für Recht er gehen! Im Andenken des Verdienstes Deines Sohnes Jesu sende diesem armen Geiste einen Strahl Deines Lichtes. 0 gib ihm Einsicht und Reue! Erhöre dann sein demüthiges Flehen, denn du bist ja auch sein Vater. Amen.“ Hierauf trat eine Pause im Schreiben ein, nach welcher das Medium langsam schrieb: Raimund: „Ich bin schwindlich geworden. Dieses Gebet war wohlthuend. Wenn ihr mir versprecht, öfters so mit mir zu reden, so quäle ich M. nicht, sonst aber thue ich es. Ach, ich kann nicht gut sein! Mein Gott, ich bin sündhaft.“ (Nach einer Pause schrieb er langsam und gedehnt): „Mein Gott, vergib mir! Ja, der Entschluss ist gefasst! Ich entferne mich von M., wenn ihr alle Tage für mich betet.“ Die Leiter.- „Seine Reue ist aufrichtig, er will sich wirklich bessern. Folgendes kleines Gebet sollt ihr in Seide einnähen und M. um den Hals tragen lassen; es soll dies Raimund, wenn er sich dem Kinde nähert, eine Erinnerung an sein Versprechen sein. „Das Gebet lautet: „Mit Gott wir fangen an. 0 Gott, Raimund’s Sünde sieh’ nicht an! 0 Vater, erbarme Dich seiner, auf dass er bekehret werde und M. Heilung finde. Amen. — „Wir geben sonst dem Kinde nichts ein; wir treten durch Adelma in geistigen Verband mit ihr und schützen sie vor Krämpfen. Sage der Mutter des Kindes, dass sie ihm täglich 10 magnetische Striche gebe.“ — Diese Kur-Verordnung wurde den 27. August 1865 begonnen. Aus den Worten Raimund’s ersieht man, dass er ein gefallener Geist ist, der- die Last eines Mordes mit sich führt. Ei- möchte die Erinnerung an sein Ver gehen durch eine erzwungene menschliche Einverleibung vertilgen, indem er sagte: „Ich suche meinen Leib.“ Da sich jedoch das göttliche Gesetz nicht zwingen lässt, und die Einverleibungen nicht nach Willkür der — 115 — gefallenen Geister geschehen, so fühlt er sich gebunden; deshalb sagt er: „Ich bin wie ein Kettenhund!“ Anfangs ist er verstockt, dann aber gesteht er sein Verbrechen ein, nach dem Gebet endlich ist er erschüttert und der Vorsatz zur Besserung erhebt sich in ihm. M., welche fluidisch fühlte, dass ich hier für sie wirkte, kam nun geistig, währenddem ihr Körper im Schlafe ruhte, selbst hierher, um so selbst zur Bekehrung Raimund’s mit beizutragen. Das Medium war das Mittel ihres Verkehrs. Raimund sah wohl M., doch verstand und hörte er sie besser, indem sie durch das Medium schrieb, welche ihre Worte laut vorlas. Am 28. August 1865 erhielt das Medium folgenden Brief der Mutter des Kindes: — „Gott lohne euch eure Theilnahme an meinem Kinde; ich habe die Tage mehr gelitten, als ich mit Worten sagen kann; das Amulet habe ich gleich umgebunden. Sie hatte bisher Gottlob! keinen Krampf; sie fieberte in der Nacht weniger und ist heiter. Ich vertraue dir, meine theure Freundin! vollkommen, und werde mit kindlichem, festem Glauben auf Gottes Hülfe bauen. Was soll ich thun, wenn das Fieber sich erneuert? Gott segne deine Heilkraft, und behalte lieb, mein armes Kind.“ Hierauf antworteten die Leiter: „Im Fall des Fiebers gebe man ihr homöopathisch in 30. Potenz ein Korn Aconit in einem halben Glase Wasser, und ein Korn Pulsatilla ebenso; stündlich ist abwechselnd ein Löffel zu nehmen, dieses aber nur bei ausgesprochenem Fieber. Die besorgte Mutter soll uns vertrauen, und keinen Arzt fragen, da diese sie nur falsch behandeln würden, den Grund der Krämpfe nicht kennend; es ist kein organi sches Leiden, sondern, wie gesagt, ein äusserer schäd licher fluidischer Einfluss, der eine Rückwirkung auf das Nervensystem des Kindes hat; es ist also nur dieser Einfluss zu heben, damit das Kind gesund würde.“ Den 28. August 1865 erfolgte wieder die Anrufung des Geistes Raimund. — 116 — Raimund; ,.Was wollt ihr? M. hat das Amulet um den Hals, ich lese das Gebet immer ab, und es thut mir wohl. Ich habe viel nachgedacht. Der Umgang mit euch ist mir eine grosse Erleichterung. M. komm, rede mit mir und sage, ob du mir vergiebst?“ Hierauf äusserte sich der Geist des Kindes M.: „Ja, lieber Bruder! ich vergehe dir. Jeh liebe dich und freue mich des Glückes, das du fühlst, wenn du besser wirst. Sage, willst du beten?“ Raimund: „Ja.“ M. : „Mein Gott! hilf uns armen, schwachen Geistern. Verzeih uns Sündern durch Deinen Sohn Jesum Christum; gib uns Trost, o Vater, und Kraft, alles Böse zu über winden. Heile uns, o Gott, in Christi Namen. Amen.“ Raimund: „Ich habe Alles gehört und mit gebetet, und will mein Versprechen halten!“ Die Leiter an das Medium: — „Glaubet an Raimund's Bekehrung. Das Band ist nun sehr gekräftigt und bekommt keinen Krampf mehr, wenn ihr täglich fleissig für sie und für Raimund betet und mit Letzterem redet.“ Am 29. August erhielt das Medium folgenden Brief ihrer Freundin über das Befinden des Kindes: — „Ich habe M. die Mittel eingegeben, da sie doch etwas fieberte, besonders Nachts nach Mitternacht. Sie hat zweimal im Fieber phantasirt, und schien von Aengstlicbkeit gequält zu sein; sie wollte aufstehen und sagte immer: „Fort, fort!“ Was soll ich bei den Anzeichen der Wiederkehr der Krämpfe thun, die sich durch fliegende Hitze, durch steifes Schauen, Farbenwechsel, durch trockene, heisse Hände, heissen Kopf kundgeben, wonach gewöhnlich der starke Krampf eintritt? Sie hat auch oft vor dem Krampf eiiien so starken Schmerz im rechten Fusse, dass sie nicht auftreten kann. Gott segne Dich tausendmal.“ „N. N....“ Hierauf folgende Erklärung der Leiter: — „Die Mutter des Kindes fürchtet sich vor der Wiederkehr der Krämpfe, deren Grund wir ihr verschweigen mussten, weil sie ihn nicht wissen darf. Sie soll auf Gott vertrauen — 117 — und unserem Worte, dass die Kleine in drei Tagen von den Krämpfen befreit werde, glauben. ,,Sie gebe ihr täglich zehn magnetische Striche, bei Fieber die genannten Mittel, sonst nichts, dieses beruhigt und heilt die Nervenerschütterung, die durch die Krämpfe verursacht wurden. Der Schmerz im Fuss ist auch nichts anderes als ein Krampf. Indem sie im Traume: „Fort, fort 1“ rief, wollte sie die schädlichen Einflüsse vertreiben. Redet nur mit Raimund, denn dieses ist das Heilmittel.“ Es erfolgte nun die Anrufung Raimund’s. Raimund: „Ich fange an zu beten, eure Fürbitte thut mir gut; fahret nur so fort; ich möchte gern mit M. reden.“ M.\ „Ich bin schon da. Ich komme gern, da es mir und Raimund wohl thut; es beruhigt mich. Das Gebet des Amulet’s kräftigt mich. Meine arme Mutter ist in grosser Angst um mich, sie betet eifrig. Diese Prüfung reinigt ihren Geist. Wie geht es dir, Bruder Raimund?“ Raimund: „Besser. Bete mir etwas vor!“ M: „Ja ich bete für uns beide: „Mein Gott und Vater, blicke gnädig auf uns herab! Lass Raimund die Freuden des Guten fühlen! Verzeih ihm seine Sünden- Schuld. Auch mir gib Kraft und Gesundheit, auf dass ich meine Mission auf Erden gut erfülle. Mein Gott, segne meine Eltern und sende uns Deinen Engel hilfreich zu in Christi Jesu Namen. Amen.“ Raimund: „Das war gut! leb danke dir, M. Ruhe sanft, ich bewache dich und schütze dich. Ja, ich liebe dich. Verzeih meine Gräuelthat! o verzeih! verzeiht M.: „Ja, ich habe dir längst verziehen. Gott stärke dich, armer Bruder!“ Raimund: „0, ich danke euch Allen, die ihr mir zur Erkenntniss und Reue verhälfet! Ach, wie wohl wird mir bei euch. M., fühlst du es auch?“ M.: O ja, und ich lobe und danke Gott dafür, da es mir Heilmittel ist.“ Raimund: „Ich danke euch, ihr lieben Erdenpilger! Ich danke euch, ihr hohen reinen Geister, die mein Blick — 118 - kaum erfassen kann. Im Namen Gottes verspreche ich euch, keinen Rückfall in meine frühere Bosheit zu haben. Ich bete nun für M's Genesung und um die grosse Gnade, nach meiner vollkommenen Besserung ihr Bruder zu werden.“ Die Leiter: „Ihr könnet Raimund’s Worten glauben. Wenn seine Bekehrung auch eine rasche ist, so ist sie doch eine vollkommene; denn wenn die Einwirkung auf einen Geist leichter ist, so ist auch die Besserung eine beständigere als die der sinnlichen Menschen.“ Den 30. August 1865. — Nachdem für Raimund -gebetet worden, legte dieser ganz spontan und freiwillig ein Bekenntniss seiner Schuld ab. Raimund: „Ich sehe meine ganze Gräuelthat ein. In einer früheren Einverleibung liebte ich AI., sie war meine Braut. Das furchtbare Gefühl der Eifersucht bemächtigte sich meiner, und ich vergiftete HI., welche, wie ich es nachher einsah, unschuldig war. Die Last dieses Verbrechens lag schwer auf mir, ich suchte Erlö sung im Krieg und starb in einer Schlacht. Als Geist nun suchte und verfolgte ich HI.-, auch da war ich eifer süchtig, indem ich die geistige Liebe nicht begriff. Des halb war ich so wüthend, als sich M., um sich vor mir zu retten, in ihre Mutter einverleibte; ich wollte es durch aus auch thun, doch hinderten mich, wie ich es jetzt einsehe, gute Geister daran. Ich quälte nun AI. durch meine Nähe und wollte sie, o wie schrecklich ist es mir, dies auszusprechen, entkörpert sehen. 0, ich danke euch Allen, dass ihr mich vor so schrecklicher Sünde gerettet habt. In Demuth und tiefer Reue flehe ich nun zu Dir, mein Gott, erbarme Dich meiner! Verleihe mir die Gnade, AI’s Bruder zu werden; ich werde ihr dann alles zuge fügte Uebel wieder gut machen. Ich bitte Dich instän digst, mein Gott, heile AI. in Christi Jesu Namen. Amen.“ Hierauf wurde noch ein Gebet für Raimund gespro chen. Nach den eingelaufenen Nachrichten über das Befinden des Kindes, hatte dieses seit dem Tag der — 119 — Behandlung und Bekehrung Raimund’s, wie es verheissen war, keine Krämpfe mehr gehabt. Den 28. August 1865, Belehrung der Leiter: „Das Geständniss seiner Sünden hat Raimund sehr erleichtert. Nichts ist dem Geiste so schwer, als seine Sünden offen und reuig vor Andern zu bekennen. Im Bekenntniss liegt eine grosse Sühne. Ihr seht, dass die guten und bösen Eigenschaften noch nach dem Tod anhaften; des halb war Raimund wieder eifersüchtig. Die Fehler und Laster, die du als Mensch auf Erden nicht ablegst, haften auch nach der Entkörperung deinem Geiste an. M. war ein leichtfertiger Geist und reizte Raimund oft zum Zorn und zur Leidenschaft, statt ihn mit Liebe und Güte zu behandeln. Doch dieses hat sie durch Schmerzen, durch ihr liebevolles Vergeben abgebüsst und gut gemacht. Gott wird Raimund die gewünschte Einverleibung ge währen, sobald er stark und gut genug dazu ist. Amen.“ Das Medium und ihr Gatte setzten die Gebete für Raimund und M. täglich fort. Im Monat Oktober schrieb Raimund, von Freude und Dankbarkeit durchdrungen und herzlich Abschied nehmend, dass ihm nun Gott die gewünschte Einverleibung gestattet habe, und dass er nun der Bruder jIR’s werden sollte. Er bat noch um fortwährendes Gebet. Inzwischen waren mehrere Briefe des Mediums, Nachfragen über M.'s Be finden, unbeantwortet geblieben, bis endlich am 28. Dec. das Medium folgenden Brief von der Mutter des geheilten Kindes erhielt. Zu bemerken ist dabei noch, dass das Medium ihrer Freundin brieflich Glück wünschte zur be vorstehenden Geburt eines Sohnes, obzwar diese Freundin dem Medium nichts derartiges erwähnt, und sie dieselbe seit zwei Monaten nicht wiedergesehen hatte. Das Medium jedoch wusste es durch ihre Leiter und durch Raimund selbst, dass ihm Gott die Einverleibung als jV.'s Bruder gestattet hatte, und wollte durch ihre Worte ihre Freundin zum Glauben überzeugen. Hier folgt der Freundin Brief: „Uns geht es, Gott Lob! ganz gut. Die Kleine ist vollkommen gesund, und ich, wirklich in der Hoffnung, — 120 — freue mich sehr darüber; wundere mich nur, wie du es weisst, da es erst kurze Zeit ist, und wir uns nicht sehen. Mein Kind ist munter und wohl, ich danke Gott innig dafür; möge Er sie auch fernerhin vor allen Krämpfen bewahren! Ich danke dir, dass du mit so vieler Theil-nahme ihrer gedenkst. Ich magnetisire sie nicht mehr; ich stelle lieber Alles Gott anheim. Ich meine, sobald die Kirche nicht ihren Segen zu einer Sache gibt, soll und muss das gläubige Herz sich unbedingt beugen, ohne weiter' nachzugrübeln, und lieber Alles über sich ergehen lassen, als auch nur im Zweifel gegen den Ge horsam fehlen. Mir ist der Gehorsam der unfehlbarste Weg. Darum bitte ich dich, bete nicht mehr magnetisch für mein Kind; diese Art und Weise, mit den Geistern zu verkehren, ist vielleicht doch nicht recht. Bete lieber alle Tage recht innig zu deinem Schutzengel für sie.“ — Man sieht hieraus, dass die Mutter des geheilten Kindes nicht glauben wollte, und wie Christus sagte: „Ihr habt Ohren zu hören, und höret nicht; Augen zu sehen, und sehet nicht“, verdammte sie in ihrer Verblen dung die Mittel der Heilung ihres Kindes. Sie spricht dadurch dasselbe Wort gegen das geistige Wirken aller Medien aus, welches die Pharisäer gegen Christus sprachen, indem sie sagten: „Durch den Obersten der Teufel, Beize bub, treibt er die Teufel aus.“ Eine reine Kraft wird damit verdammt, ein reines geistiges Wirken antikirchlich genannt. Ferner drückt dieser Brief Unwissenheit über die geistigen Dinge aus, da die Anrufung des Schutzgeistes doch selbst nichts Anderes als die Anrufung von Geistern ist. Zum Schluss bemerken wir hier, dass Alles nach Verheissung der hohen Leiter eintraf. Obzwar der Verkehr' zwischen dem Medium und ihrer Freundin abgebrochen war, setzte dieses seine Gebete für M. und Raimund in gewohnter Weise fort. Letzterer erblickte als der Bruder M.’s das irdische Tageslicht, und Erstere blieb von Krämpfen verschont. — 121 — Zweites Kapitel. Kur des G. von Epilepsie. (Durch Geist Moritz.) Eines Abends, am 3. Februar 1866, fühlte das Medium ein Unbehagen, wie wenn sich ein Greist mani-festiren wollte. Nachdem sie im Beisein ihres Gemahls und ihrer Schwiegermutter den Bleistift zur Hand nahm, fühlte sie eine bleierne Schwere im Arm, der sich langsam zu bewegen anfing, Folgendes schreibend: „Ich muss reden. Moritz.“ Das Medium sprach hierauf laut: „Rede offen und ohne Scheu.“ Moritz: „Meine Lage ist schrecklich, rettet mich!“ Medium: „Wir helfen dir gern; sage nur, was dir fehlt.“ Moritz: „Gisela tödtet mich!“ Medium: „Lieber Freund, du bist schon todt; fürchte dich also nicht, getödtet zu werden.“ Moritz: „Ich weiss nicht, was du meinst, todt? bin ich todt? Gott gebe, dass es so wäre!“ Medium: „Ich kann dich versichern, dass es so ist; beruhige dich.“ Moritz (sehr heftig schreibend, so dass das Papier zerrissen wurde): „Giselal Mörder!“ Medium: „Versuche zu beten; bete mir nach.“ Moritz: „Ich kann nicht! Ich bitte Euer Hochwürden, ich muss zuerst beichten: — „Ich armer sündiger Mensch, bekenne und beichte vor Gott dem Vater, der Mutter Maria und allen Heiligen, und nun vor Ew. Hochw. an Gottes statt, dass ich oft und viel gesündiget habe, durch meine grosse Schuld. — „O wie schwer ist es, Alles zu sagen! Ich war ein schlechter’ Vater, ein gewissenloser Gatte, ein böser Bruder, ein falscher Freund, erfüllt von Ahnen-Stolz, hochmüthig, eingebildet, lebte im Taumel der Welt, in Genusssucht, Frass und Völlerei. Ich war zornig, mit meinen — 122 - Dienern bös, Gisea ist todt wegen mir. Hab’ ich sie umgebracht? Ich weiss es nicht! Ich bin vom Schlag gerührt schon viele Jahre und kann kaum reden; hören Sie mich, hochwürdiger Herr? Ich fürchte mich, dass Sie mir keine Absolution geben, und dass ich dann zu den Teufeln komme.“ Das Medium war nun in grösster Verlegenheit, was zu thun sei, da sie doch unmöglich dem Geiste die priester liche Absolution geben konnte, und da seine Ruhe davon abzuhängen seiden. Der Geist hatte seine ganze Beichte äusserst schnell und leidenschaftlich geschrieben, so dass das Medium nach derselben in Schweiss gebadet und athemlos war. Als sie sich wieder erholt hatte, sprach sie folgende Worte laut zu Moritz: „Fürchte dich nicht, Heber Freund! Gott ist gütig. Wenn du deine Sünden wahrhaft bereuest, so wird er dir verzeihen.“ Moritz: „Gott! mir verzeihen? O, ich bin ein zu elender Kerl! Glauben Sie, Herr Pfarrer, dass er mir wirklich verzeiht?“’ Das Medium: „Gewiss, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; du musst aber deine Sünden wahrhaft be reuen.“ Moritz: „Wie soll ich das? Ich weiss nicht, ob ich lebe. Ich kann mich nicht rühren!“ Medium: „Vertraue deshalb auf Gott. Leide mit Geduld und Ergebung; das ist deine Busse.“ Moritz: „Ich danke Ihnen, ich weiss nun meine Busse. Es wird aber wohl noch lange dauern, bis ich weiss, wo ich bin?“ Medium: „Bitte Gott um Erleuchtung, und rufe die Hülfe deines Schutzgeistes an.“ Moritz: „Ein elender Schuft hat keinen Schutzgeist.“ Medium: „Ein jeder Geist hat einen Schutzgeist (oder Leiter). Du also auch. Bete nur eifrig zu Gott.“ Moritz: „Ich küsse Euer Hochwürden die Hand. Was soll ich beten?“ Medium: „Sage nur: Gott sei mir armen Sünder gnädig!“ — 123 — Moritz-. „Gott vergelt’s.“ Erklärung der Leiter: „Dieses ist ein sehr bedauerns-werther, armer Geist, welcher bei euch Hülfe sucht. Es hat dieses Bezug auf einen Kranken, der sich bald bei euch melden wird. Eure medianimische Arbeit zieht viele hilfsbedürftige Geister an; seid stets bereit und willig, ihnen zu helfen, und habet Geduld mit ihnen. Ein Zeichen der Schwere und Dichtigkeit des Nerven- fluids dieses Geistes ist, dass das Medium seinen Arm so schwer wie Blei fühlte; es ist dies die Wirkung der Assimilation der Fluide. Dieser Geist i$t sich seiner Entkörperung nicht bewusst, empfindet sie nur als Lähmung, da er sich ohne Körper nicht zu bewegen weiss. Ei- glaubt, dass seine Seligkeit von einer Beichte abhänge. Bis jetzt hörte ihn jedoch kein Mensch an, da er kein Medium traf; heute führte ihn sein Schutz geist nun zu Dir, indem er Dir die fluidische Hülle und Kleidung, sowie das Ansehen eines Geistlichen vor Moritzens schwachem Blicke gab. Nun fühlt sich der Arme erleichtert. Für die Communion sorgt sein Schutz geist. Dieser arme Geist ist in einem Zustande der Betäubung.“ Den 4. Februar 1866, Vormittags, sass das Medium bei ihrer Schwiegermutter und las Etwas aus dem Evangelium vor. Da hörten sie mehrere sehr deutliche Klopf zeichen im Zimmer. Das Medium glaubte, dass dieses die Mahnung eines Geistes sei, der sich äussern wolle, und nahm deshalb den Bleistift zur Hand. Es schrieb lebhaft: „Ich bin es, Moritz! Medium: „Hast du die schönen Worte, die wir lasen, gehört?“ Moritz: „Ja, ich höre Alles wie durch ein Sprach rohr. Gott sei mir gnädig! Ich bin gestern nach meiner Beichte gestorben! Jetzt bin ich ein Geist und rede mit einer barmherzigen Seele, die mich unterrichten soll. Mein Gott, sei mir gnädig! Ich war so ein grober Sünder, meine Sünden zerfressen mich jetzt,“ — 124 — Medium: „Sobald du deine Sünden einsiebst, ist ja schon ein Schritt zur Besserung gethan.“ Moritz-. „Glaubst du? Wie soll ich büssen?“ Medium: „Indem du deine Leiden ergeben trägst und betest.“ Moritz: „Ich will darnach trachten.“ Die Belehrung der Leiter: „Bald wird sich der Kranke, der im Verkehr mit diesem Geiste steht, melden; I rede nur täglich mit diesem Geiste. Er steht so tief, y dass er unsere Worte nicht vernehmen kann; auch deine Stimme hört er nur dumpf, wie durch ein Sprachrohr. Sein Nervengeist, der so dicht ist, hindert ihn an dem direkten Verkehre mit uns. Er selbst sank durch seine Sünde in diese Verdichtung, und soll sich nun selbst herausarbeiten: er erhält die ihm angemessene Hülfe. Da ei' sich durch sein gestriges Geständniss erleichtert fühlt, glaubt er, dass er nun erst gestorben, erlöst worden sei; wirklich hat so ein Geist auch mehrere Tode oder Reinigungen durchzumachen.“ — Einige Tage nach diesen Manifestationen, am 6. Febr., kam ein Israelit, Namens G., zu dem Medium. Er war von seinem Vater begleitet, welcher unter vielen Thränen erzählte, dass dieser sein Sohn seit mehreren Jahren an der Epilepsie leide und von vielen Aerzten als unheilbar erklärt worden sei. Er erzählte von den furchtbarsten Kuren, die sein Sohn durchgemacht hatte. Die stärksten allopathischen Mittel, sowie alle Mittel der Homöopathie hatten sich an ihm als gar nicht heilkräftig erwiesen. G. war bis zu seinem achtzehnten Jahre vollkommen gesund gewesen; da hatte einmal sein älterer, von ihm sehr geliebter Bruder durch einen Schrecken einen Krampfanfall, worüber der jüngere Bruder G. so äusser sich gerieth, dass er, wie er dem Medium selbst sagte, Gott inständigst bat, diese schreckliche Krankheit von seinem Bruder zu entfernen und lieber’ auf ihn zu übertragen. Dieses ging nun leider in Erfüllung; denn der ältere Bruder ward — 125 — ganz gesund, der jüngere G. hingegen ward von diesem Tage an krank und an Epilepsie leidend. Sonderbar ist es, dass er den Anfall immer bekam, wenn er sich zum Schreiben niedersetzte; er war ein be kannter Schönschreiber und hatte als solcher seinen Erwerb. Nun konnte er dieses nicht mehr thun, und er versank deshalb in Melancholie und Verzweiflung. Mehrere Jahre waren, wie schon gesagt, durch allerlei Heilversuche ver strichen, welche sich alle als nutzlos erwiesen; G. selbst war geistig und körperlich ganz herabgekommen, so dass er sich nicht mehl’ getraute, eine Viertel-Stunde weit allein zu gehen. Der Anfall kam mitunter öfter des Tags und dauerte ' oft eine halbe Stunde. Nach der Beschreibung muss er an grossen Starrkrämpfen gelitten haben. Nachdem das Medium diesen ganzen Bericht des Vaters G. angehört hatte, ging sie im Verein mit ihrem Gemahl ihre geistigen Leiter um Hülfe und Rath bitten; sie schrieben Folgendes: „Der Krankheitsfall des G. ist einer der allerschwersten und die Folge einer fortwährenden pernitiösen geistigen Influenzirung auf den Organismus, besonders aber auf das Nervensystem. Weil die ärztliche Wissenschaft diesen Grund der Krankheiten, die sogenannten geistigen Besessenheiten, verlacht und verwirft, so können sie eben die Krankheitsfälle, welche einen bösen geistigen Einfluss zum Grund haben, nicht heilen. Bei G. ist der Krank heitsfall sehr verwickelt; der Geist Moritz, den wir euch schon zuführten, ist der Motor einer Krankheit, der bei ihm eine latente organische Disposition war. Moritz, der mit G. in einer früheren Einverleibung in Verband stand, übte zuerst seinen gegensätzlichen Einfluss auf G.’s Bruder aus, nachträglich aber G. selbst als sein Opfer erkennend. „Ihr fragt nun: Wie kann ein Geist, der so tief gesunken ist wie Moritz, der so unbeweglich und erstarrt sein soll, die Kraft entwickeln, in einem Menschen solche Krämpfe hervorzurufen, -wie G. sie hat? „Hierauf antworten wir: Zwischen Moritz und G. — 126 - besteht ein alter Verband; durch seine fluidische perma nente Nähe allein hat Moritz in G. die Krämpfe entwickelt; es ist, als ob sein Nervensystem fortwährend elektrisirt würde. Dieses übt die Macht betäubender elektrischer Schläge auf G. aus, daher die Krämpfe. — G. büsst durch' seine Leiden. — Hier ist die Bekehrung des Geistes Moritz die Hauptsache. Um geheilt zu werden, muss G. von der fortwährenden elektrischen Nähe des Geistes befreit werden. „Da der Geist Moritz durch das Medium schon ge weckt wurde, so soll nun dasselbe, gesammelt und betend, G. zehn magnetische Striche geben, um zwischen ihm und Moritz eine fluidische Scheidewand zu setzen. Je grösser ihr Glaube dabei ist, desto mächtiger greift die Kraft des geistigen Magnetismus durch. „Die Bekehrung des Geistes Moritz ist in G.'s Fall nicht einziges Heilmittel; sein erschüttertes Nervensystem und sein Organismus müssen gekräftigt werden, sein Vater soll ihm desshalb täglich betend 41 magnetische Striche geben. Folgendes Gebet nähet in Seide ein, und lasset es ihn zur Aufrechthaltung seines Glaubens und zur Warnung für Moritz um den Hals tragen.“ Gebet. „Vater der Welten! Wir bitten Dich durch Deinen Sohn Jesum Christum, G. zu heilen, und in Moritz Reue zu erwecken.“ Nachdem sie diese Worte erhalten, begab sich das Medium zu G. und sagte bei ihm, dass sie ihn im Namen Gottes heilen wolle; dass aber ihre Heilart eine andere sei als die der Aerzte. G. hörte ihr gläubig zu. Das Medium hing ihm hierauf das Amulet um den Hals, und gab ihm zehn magnetische Striche. Beim dritten Strich stürzte G. auf die Kniee; das dadurch äusserst erschreckte Medium dachte, dass er einen Anfall bekäme; sich jedoch schnell sammelnd, setzte sie das Magnetisiren betend fort. G. hatte keinen Anfall gehabt, er lag nur- auf den Knien, des Mediums Kleid küssend und ausrufend: „Jetzt bin ich befreit!“ Er sagte nachträglich seinem Vater, dass er während des Magnetisirens neben dem Medium — 127 — einen Engel (wahrscheinlich des Mediums geistigen Leiter) habe stehen sehen. Der Vater G.’s begriff das Magnetisiren sehr rasch und mit dem Versprechen, dasselbe fleissig fortzusetzen, schieden sie. Am 8. Februar 1866 rief das Medium den Geist Moritz folgendermaassen an: ,,Lieber Bruder Moritz, komm und höre uns, wir sind hier, um dir Erleichterung zu bringen, um dir aus dein bösem Zustand, der dir selbst so unangenehm ist, heraus zu helfen. Wir wissen es, dass zwischen dir und Gisela, die du uns schon einmal nanntest, ein Zwist war; vergieb ihr, Gott vergiebt dir dann auch!“ Die geistigen Leiter hatten dem Medium erklärt, dass Moritz unter Gisela den kranken G. meine, dass sie / früher in nahen Beziehungen zu einander gestanden und zusammen gesündigt hätten. Moritz: „Ich kann ihm nicht vergeben! Sie hat sich ja verkleidet; sie ist kein Mann. Sie ist ja meine Frau; warum verstellt sie sich so? Was sind das für Geschichten? Obzwar es mir seit der Beichte besser geht, will ich ihr doch diese Maske herunterreissen.“ Die Leiter: „Lieber Moritz, gieb diese Rachegedanken auf. Siehe, du bist ein Geist; wir sagen qs dir vor Gott, dass Gisela auch bald nach dir starb! Du wusstest es nicht, da du nach dem Tode durch deine Sünden so blind bliebst. Siehe, Gisela ist zur Busse nochmals auf die Erde gekommen, um als armer, schlichter Mensch die früheren Sünden zu büssen; und so büsse auch du ab und bereue deine Sünden; nur dann wirst du mit Gisela vereint werden.“ Moritz: „Es ist schwer, diese Fabeln zu glauben; wie konnte sie noch einmal Mensch werden, noch dazu ein Mann? Ich lasse es mir' nicht nehmen, es ist nur Verkleidung.“ Die Leiter: „Lass diese Gedanken; wir werden dir dieses später erklären; jetzt denke nur an deine Besse-rung. - 128 — Willst du aus dieser peinigenden Ungewissheit heraus?“ Moritz: „Ja.“ Die Leiter: „Nun so verlasse Gisela, und folge uns.“ Moritz: „Wie soll ich aber dann meinen Zorn an ihr auslassen? Es ist sehr schwer, sich so zu beherrschen.“ Die Leiter: „Gerade diesen Hauptfehler musst du eben unterdrücken, denn sonst wirst du niemals geistig genesen.“ Moritz: „Das ist sehr schwer. Vor meinem Schlag anfall prügelte ich meine Diener und Gisela im Zorn, und jetzt soll ich Alles schlucken?“ Die Leiter: „Ja, lieber Freund, wir bitten dich inständigst, es zu thun! Du sollst sehen, welch ein Friede, welch eine Seligkeit dir hieraus erwächst.“ Moritz: „Na, ich will es probieren. Jetzt kommt gerade der Zornesanfall.“ Die Hand des Mediums bewegte sich heftig auf dem Papier, bis sie erschöpft stehen blieb, worauf die Leiter folgendes Gebet schrieben: „Gott Vater! — Wir bitten dich durch deinen Sohn Jesum Christum, gieb Moritz die Kraft, seine Fehler zu beherrschen und zu unterdrücken. Sei ihm barmherzig und hilf uns, G. zu heilen. 0 Herr, sprich nur ein Wort, und sie werden Beide genesen.“ Am 9. Februar 1866 schrieb Moritz spontan: „Ich bin da.“ Die Leiter: „Mein Gott, stehe Moritz bei, gib ihm Kraft, seine guten Vorsätze auszuführen.“ Moritz: „Solche Worte thun mir wohl. Ich sehne mich darnach, wie einst Ismael sich nach der Quelle sehnte. Ich will Gisela nichts mehr thun, wenn ihr mir das Räthsel ihrer Verkleidung löset. Ich sage euch jetzt, bis wohin ich Alles klar weiss vor meinem Schlag anfall. — „Ich bin ein reicher gefürchteter Graf, dessen Stamm baum bis zum Anfang der Welt reicht. Ich war ein Lüstling und lebte sehr gut. Gisela ist meine Geliebte, - 129 — nicht meine angetraute Frau. Jetzt weiss ich nicht, wie das Alles kam. Ich lebte mit ihr und war alt; sie war sein- leichtsinnig und mir oft untreu. - Auf einmal verschwand sie aus meinen Augen, da kam der ewige Schlaganfall, der vielleicht tausend Jahre dauerte. Ich weiss es nicht. Trotz meiner Unbeweglichkeit fand ich endlich Gisela heraus; wie, das weiss ich nicht, denn sie hat sich schmählich verkleidet, um mich abermals zu betrügen. Ich übte nun meine volle Macht über sie aus; denn trotz Allem ist sie an mich gekettet, das liess ich sie fühlen. Es ärgert mich sehr, sie als Mann zu sehen. Sie erkennt mich nicht und hört mich nicht. Gottlob! starb ich jetzt den 3. Februar, nach dei- Beichte; das wenigstens weiss ich genau. Jetzt aber sagt mir, warum ist Gisela ein Mann geworden? Warum hört und sieht sie mich nicht? 0, macht sie redend und erklärt mir Alles!“ Die Leiter: „Lieber Moritz l Vor vielen Jahren führtest du auf Erden ein Leben der Sünden und bösen Genüsse. Gisela war deine stille Genossin. Da kam plötzlich der Tod wirklich durch einen Schlaganfall, der dich in Mitten des Genusses traf. „Du bliebst nun lange in einem geistig paralysierten Zustand, nicht tausend, aber viele Jahre. Gisela starb auch; sie ward zu dir geführt, um deine Leiden zu sehen. Zur Busse nun folgte sie einer ihr angeordneten Ein verleibung auf Erden, und aus Angst vor dir und vor den Versuchungen, die dem Weibe bevorstehen, nahm sie einen männlichen Körper an. Dieses war allerdings - eine grosse Schwäche von ihr; sie hätte ihrem Schutz-geiste folgen sollen und als Weib die Sünden des Weibes büssen. „Du wusstest sie auf Erden wieder zu finden; und dein Trachten, ihr zu schaden, die Krämpfe, die du ihr dadurch verursachtest, sind eine schwere Sünde, die auf dir lastet, und die du gut machen sollst. Lange genug bist du schon unbussfertig. Siehe, welche Gnade Gottes es ist, dass dich dein Schutzgeist zu diesem Medium führte und du so geistig beichten, dein Gewissen erleichtern — 130 — und dich belehren konntest. Fahre nur fort auf der Bahn der Reue; verlasse Gisela und lasse dich . durch uns Geister unterrichten, da du nun auch unsere Stimme zu hören beginnst.“ Moritz-. „Ich habe Alles gehört; ich sehe heute besser als gestern, meine Augen werden stark; ich danke euch, 1 wenn Gisela auf Erden ist als Mann, so will ich auch , als Weib.“ Die Leiter: „Das ist jetzt unmöglich; warte, bis du geistig genesest, dann wirst du Alles besser einsehen. Du bist jetzt noch sehr schwach; wir wollen deshalb immer für dich beten.“ Moritz: „Gott hilf mir! Es thut mir wohl, das zu sagen; ich will Gisela nichts thun. Betet nur für mich!“ Belehrung der Leiter: — „Aus den zwei letzten Manifestationen erseht ihr, dass der Kranke G. die büssende Einverleibung zwar annahm, sie jedoch nicht so ausführte, wie es sein Schutzgeist wollte, indem er die Form des Mannes statt der des Weibes wählte, was der Grund von Moritzen’s Ingrimm war. „Wie nun erkannte Moritz seine Gisela unter dieser veränderten Form? Hier geht das Erkennen von Geist zu Geist, durch das fluidische Band der Verwandtschaft. So fand Moritz den Geist, welchen er suchte, trotz seines schweren perispritischen Zustandes, trotz der veränderten äusseren Form dieses Geistes. Moritz ist ein sehr un wissender und sinnlicher Geist, dessen geistige Fähig keiten durch den tiefen Fall betäubt sind. Ihr seht es aber nach der letzten Manifestation, dass er sich schon so weit besserte, um fähig zu sein, die Stimmen von Geistern, und nicht bloss die von Menschen zu hören.“ Am 14.Februar 1866. — Moritz äussert sich spontan; „Ich habe dem Mann, welcher Gisela sein soll, nichts gethan. Redet mit ihm! machet Platz, er ist schon da!“ \f Die Leiter: „Der kranke G. schläft; sein Geist ist in Begleitung seines Schutzgeistes hergekommen, um sich unter eurem Schutze mit Moritz zu versöhnen.“ — 131 — Es veränderte sich nun das Gefühl des Mediums (im Arm), welches sehr langsam schrieb. G.: „Mit Gottes Hülfe bin ich da; Moritz, siebest du mich?“ Moritz: „Gebt ein Licht; siehst du mich? Ja, o komm’ und umarme deinen alten Geliebten!“ G.: „Nein, Moritz, betrachten wir uns als Geister.“ Moritz: „Also bist du kein lebender Mensch?“ G.: „Ja, aber nur für einige Jahre, als Busse, dann bin ich wieder ein Geist.“ Moritz: „Wann wird das sein?“ G.: „Wann Gott will, lieber Moritz, ich habe alle Sünden, die ich mit dir begangen, tief bereut; ich bitte dich, thue auch du desgleichen.“ Moritz: „Ich thue Alles, was du willst!“. G.: „Nun, so plage mich nicht mehr; es schadet dieses dem Körper, in welchem ich mich jetzt befinde. Lass mich in Ruhe und denke an dein Seelenheil. Ich werde, so oft du es wünschest, auf diese Art mit dir reden.“ Moritz: „Wenn du so mit mir sprichst, ist Alles gut; ich brauche dich dann nicht mehr zu quälen. Ich will beten: „Gott sei mir gnädig, verzeih’ mir elenden Sünder, erbarme dich meiner!“ Am 15. Februar 1866. Nachdem die Leiter ein Gebet für Moritz geschrieben hatten, äusserte sich der Geist des kranken G. G.: „Ich bin da, um euch zu sagen, dass ich gesund bin; Moritz wird sein Versprechen halten.“ Moritz: „Ja, das werde ich thun. Gott segne dich, Gisela! ich will dich nicht mehr plagen. Ja, ich will besser werden; ich fühle mich jetzt schon wohler; Gott" segne euch für eure Hülfe!“ Die Leiter: „Wir nehmen nun Moritz einige Zeit in unsere Obhut; denn er ist schon so weit gebessert, dass er mit uns direkt verkehren kann. Sendet G. zur Heilung der Uebel, welche die Krämpfe in ihm ange richtet haben, je ein Korn Pulsatilla auf 9 Tage.“ — — 132 — Das Medium erkundigte sich hierauf nach dem Be finden des Kranken, und es ergab sich, dass derselbe seit der Magnetisirung wirklich keinen Krampf mehr gehabt habe. Die Gebete für Moritz wurden fleissig fortgesetzt, und immer äusserte sich der Geist Moritz reumüthiger und besser, immer blieb der kranke G. von Krämpfen verschont. Es war im Monat Juli desselben Jahres, dass das Medium G. wieder kommen liess, um ihn nach Anordnung der Geister zu magnetisiren. Während des Magneti-sirens zuckten alle seine Glieder, und er hob sich oft unwillkürlich nach der Bewegung der Hände vom Sessel auf. Er versicherte, dass dieses immer so sei, auch wenn sein Vater ihm täglich die 41 verordneten Striche gäbe. Er klagte, dass er noch nicht schreiben könne, das heizt , dass ihm der Muth hierzu fehlte. Die Leiter, hierüber besorgt, antworteten: „Das Zucken während des Magnetisirens ist ein Zeichen seiner grossen Sensitivität und der heilkräftigen Einwirkung; es lässt nach und hört auf mit seiner Heilung. Er nehme eine zeitlang 1 Korn (3. Potenz) Pulsatilla, zur Kräftigung seiner Nerven. Ei' soll nur jetzt gleich vor euch schreiben und diese kindische Angst überwinden, es wird ihm nichts fehlen dabei.“ Hierauf setzte sich G. unter Zureden der Schwieger mutter des Mediums und ihres Gemahls, mit dem Angst-schweiss auf der Stirn, nieder und schrieb Einiges, ohne dass es ihm im Geringsten geschadet hätte. Ueber diesen Beweis seiner Heilung glücklich, kehrte er nach Hause zurück, von wo aus er dem Medium, nach einigen Tagen, folgenden Brief, der ganz in seiner originalen Einfachheit wiedergegeben ist, schrieb: — „Hochgeborne Gräfin! „Sie sind so gnädig, sich für meinen leidenden Zu stand zu interessiren; da ich mir nun einer Besserung bewusst bin, wage ich es, Ihnen über meinen Zustand — 133 — Nachstehendes mitzutheilen. Seitdem ich Sie, Hochge- borne Frau Gräfin, zuletzt sah, fühlte ich mich heiterer und gestärkt; ich hatte sonst Anfälle zum Trübsinn, diese sind nun ganz verschwunden. Ich habe die sichere Hoffnung, durch Euer Hochgeboren ganz zu genesen. Dieser ist seit vielen Jalu-en der erste Brief, den ich schrieb; Gott sei gelobt dafür! „Ich richte meinen ersten Brief an Euer Hochgeboren mit dem Gefühle des tiefsten Dankes. „Ihr und so weiter G.11 Der Geist Moritz äusserte sich noch einigemal ganz gebessert und reuig. G. und seine ganze Familie, Israeliten, wurden durch diese Heilung eifrige Anhänger der geistigen Delire, „Spiritismus“ genannt, und zollen den geistigen Leitern und dem Medium volle Anerkennung und Dankbarkeit. Nachschrift des Mediums: G. war zwei Jahre nach dieser Kur ganz gesund; er erhielt stets nach Verordnung der Leiter magnetische Striche seines Vaters und konnte seinem Geschäfte nachgehen. Allmählig jedoch begann er sich nicht zu schonen und sogar gesundheitswidrige Dinge zu thun. Nach eingezogener Erkundigung soll G. zwar nicht mehr an epileptischen Krämpfen, aber an Ohnmächten und Schwindel mitunter leiden, die wir als Folgen seiner unordentlichen Lebensweise nehmen, und soll unsere Aufgabe sein, auch diese Schwäche noch zu entfernen. Adelina Vay. Drittes Kapitel. (Kur des Burous 91. an Magenkrampf.) (Ursache Geist Gottfried.) Am 14. Februar 1866 befrug Baron M. das Medium durch Vermittlung ihrer Schwägerin, Baronin B., wegen seiner sehr häufigen und heftigen Magenkrämpfe, die ihn ganz trübsinnig machten. — 134 — Alle genossenen allopathi-sehen und homöopathischen Mittel erwiesen sich als ganz nutzlos. Diesei Herr und seine Frau, beide Atheisten und Leugner des persönlichen Geistes, wandten sich nur aus Neugierde au das Medium, mit dem Versprechen, ihm zu folgen, da ja so wie so, wie sie sagten, gar nichts gegen die Magenkrämpfe helfen könne. Nach dessen Befragung der geistigen Leiter über diesen Fall, schrieben diese: „Hier erweist sich wieder alle ärztliche Wissenschaft nicht nur als nutzlos, sondern als der Gesundheit schädlich, weil die Magenkrämpfe M.'s rein fluidisch - elektrischer Natur sind. Er braucht gar nichts einzunehmen. Wenn der Geist, welcher der Urheber dieser Schmerzen ist, bekehrt wird, ist M. geheilt. Zur Kräftigung der Magennerven, und hauptsächlich des Sonnengeflechtes, lege ihm seine Frau täglich, drei Minuten lang, die Hand in- die Herzgrube. — Der Geist, welcher durch seine Gegenwart Urheber dieser Magenkrämpfe ist, influenzirt dieses Ehepaar zum Unglauben, zum Materialismus. Die Bekehrung dieses Geistes ist eine schwere Arbeit, Gott helfe euch dabei. „Er heisst Gottfried und wird sich jetzt gleich äussern, ganz nach seiner Art.“ Gottfried: „Was ist das Christenthum? Eine Fiction! Wollt ihr vielleicht etwas von mir, und wer seid ihr?“ Die Leiter: „Kennst du den Baron H. und seine Frau?“ Gottfried: „Ich bin ihnen verwandt.“ Die Leiter: „Du weisst, dass M. so heftig an Magen krämpfen leidet, vielleicht könntest du ihm, da du ein Geist bist, leicht helfen.“ Gottfried: „Was ist Geist? Ich bin kein Geist!“ Die Leiter: „Kennst du nicht die Erlösung oder den Tod?“ Gottfried: „Ich kenne wohl das Wort, will es aber nicht aussprechen. Mich trifft es nicht. Es gibt kein Geisterleben. Die Zwei, die ihr nanntet, sind meine Kinder.“ Die Leiter: „Lieber Gottfried-, bedenke, was du sagst — 135 — du willst Gott und das Geisterleben leugnen' nachdem du selbst schon auf Erden gestorben, und nun ein Geist bist?“ Gottfried-. „Mein Name ist eine Ironie. Wo, und was ist Gott? beweise es mir!“ Die Leiter: „Die Sterne, die Natur, der Mensch, die Geister — diese alle sind Beweise eines schaffenden Gottes, eines höheren geistigen Princips.“ Gottfried: „Dummes Zeug! Die Natur bringt Alles dieses hervor. Was du Geist nennst, sind Nerven, Le benskräfte. Gutes Kind, gib dir keine Mühe, mich zu überzeugen, das sind alles Fabeln.“ Die Leiter: „Das ganze, logisch zusammengesetzte Universum fordert einen Gott, einen Leiter, eine Unsterblichkeit.“ Gottfried: „Warum soll ich dir das gerade glauben?“ Die Leiter: „Weil es dir Ruhe brächte, du Armer, du leidest ja schrecklich!“ Gottfried: „Hm, hm, ja, wie man es nimmt!“' Die Leiter: „Viele gute Geister sind da und wollen dir helfen; siehst du sie nicht?“. Gottfried: „Ich bin ja kein sogenannter Seher, bin Fleisch und Bein, und habe einen Magenkrampf, was ganz gegen deine Theorie von Geist spricht!“ Die Leiter: „Du musst fluidisch geheilt werden und geistig genesen. Versuche es, Gott anzurufen.“ Gottfried: „Bei dieser Phrase gefällt mir nur das Wort fluidisch.“ Die Leiter: „Wenn du mit vollem Glauben sagen könntest: ,Gott sei mir gnädig — ich will-glauben und beuge mich vor dir/ so wärst du geheilt.“ Gottfried: „Zum Spass will ich es sagen, jedoch erst später einmal — als Versuch! Ich bitte um eine Abschrift.“ Die Leiter: „Nimm das, was wir dir sagten, im vollsten Ernst auf. Denke an Gott, als an den ewigen Schöpfer, und an die Unsterblichkeit des Geistes.“ Erklärung der Leiter: — „Gottfried’s Aeusserungen: — 136 — „Ich bin ja noch Fleisch und Bein!“ und seine Empfindung des Magenkrampfes seien euch ein Beweis der Dichtig keit des Nervengeistes, und der Beinen und Schmerzen, welche die Geister hierdurch leiden. Es sind dies lauter selbst geschaffene Leiden, durch ihren tiefen Fall und durch ihre Unbussfertigkeit herbeigeführt. Leiden, die, uns an Christi Worte mahnen: „Dort wo Heulen und Zähne knirschen ist.“ Ein ewiger Magenkrampf ist eben ein solches nervengeistiges Leiden der so tiefgefallenen Geister.“ Am 15. Februar 1868 empfindet das Medium eine Unruhe im Arm; sie setzt sich nieder und schreibt Folgendes: Gottfried: „Gott muss sein!“ Das Medium: „Es freut mich sehr, dass du dieses einsiehst. Wie gelangtest du auf einmal zu diesem Glauben?“ Gottfried: „Weil mein Magenkrampf seit deinem Gebet aufgehört hat.“ Das Medium, merkend, dass Gottfried ironisch sprach, bat die Leiter um Rath, als Gottfried, sie unterbrechend, heftig schrieb: — „Ich möchte gern an den unsterblichen und persön- ' liehen Geist glauben; gebt mir die Beweise.“ Die Leiter: „Ein Beweis des unsterblichen Geistes bist du dir ja selbst. Diese Menschen hier sehen dich nicht, und doch äusserst du dich ihnen durch die Schrift, wie thust du dieses? Denke nur nach. Ist es dir nicht auffallend, dass, während du die Menschen siehst und hörst, sie dich weder sehen noch hören? Das ist doch ein Zeichen, dass du noch bist, und zwar nicht als Mensch, da du ihnen unsichtbar bist, sondern als Geist. Weisst du es noch, als du dalagst in deinem Bette, ächzend und stöhnend, und Gott läugnend? Du wolltest nicht sterben, da du dich vor der nichts bringenden Zukunft, vor der Auflösung deines Ich’s fürchtetest. Und jetzt, kannst du es läugnen, dass du ein Geist und kein Mensch seiest? Du hast den menschlichen Körper im Tode abgestreift, dein Geist aber und seine Individualität lebt; wirf also — 137 — die Maske des Unglaubens ab und demütbige deinen Hochmuth.“ Gottfried: „leb war mal jung und gelehrt; ich studirte viel, mein Verstand war mein Unglück, da er mich ver leitete, alles Geistige zu leugnen.“ Die Leiter: „Das ist nicht so! Der wahre Verstand und das echte, tiefe Wissen leugnen Gott und das Geistige nicht. Nur das Stückwissen, die hinkenden menschlichen Philosophien treten der Wahrheit leugnend entgegen. „Nur der Hochmuth erkennt das Höhere nicht an. Dieser Dünkel ist auch in dir, und hindert die freie Be wegung, das freie Denken deines Geistes. Ein gescheidter Kopf sieht aus dem grossen Ganzen, dass hier eine schaffende, regierende Hand waltet, und fühlt den ewig unsterblichen Geist in sich selbst.“ Gottfried: „Das war schön gesprochen! Ach, könnte ich dir nur beistimmen! also wäre ich wirklich todt? Rede mir noch etwas über mein Sterben vor, vielleicht erinnere ich mich dann an Alles. Also dünkelhaft bin ich? So, und das wäre mein erstei’ Fehler? Na, ich werde noch darüber nachdenken. Jedenfalls thut mir das Aussprechen gut. Wenn du so gescheidt bist, so erzähle mir etwas über meine Vergangenheit.“ Die Leiter: „Es war ein Mann, dem Gott viele gute Talente gab, unter andern auch den Verstand, dieser Mann jedoch missbrauchte den Verstand und die geistigen Gaben, die ihm Gott gab, und wurde hochmüthig; er sprach: „Ich regiere über Alles durch den Verstand, und glaube nur das, was ich durch meinen Verstand begreifen kann. Kindsfrauen-Märchen glaube ich nicht!“ Da er Gott und den unsterblichen Geist in seinem, menschlichen Hirn nicht fassen konnte, leugnete er sie; da kam eine schwere Krankheit, er sollte geprüft werden, glauben und beten lernen. Es half aber nichts. Er schrie oft vor Schmerzen, ohne die Erleichterung im Gebet zu suchen, und starb unter grossen geistigen Qualen im vollkommenen Unglauben des Fortlebens. - 138 — „Es war Abend; er hatte viel gelitten und lag ächzend im Bette, da hörte er sein Kind leise beten. „Lass den Unsinn“, sprach er, „es gibt keinen Gott, , sonst könnte ich nicht so leiden.“ —„Bete mit mir, lieber Vater!“ sprach das Kind, dem der peinliche Eindruck dieser Worte seines Vaters mit ihrem inneren Zweifel an Gott nun für’s Leben blieb. — Der Vater des Kindes erwiederte nichts und verlor bald die menschliche Be sinnung. — Die Gnade Gottes wollte ihn geistig wecken, und während sein Körper in einer langen Agonie lag, hatte sein Geist folgende Vision. Er sah einen herrlichen Engel von Licht umgeben, der ein grosses, goldenes Buch hielt, auf welchem mit Flammenschrift die Worte: „Gott“ und „Unsterblichkeit“ geschrieben standen. Neben diesem Engel des Lichtes stand eine schwarze, verhüllte, unbewegliche Gestalt, auf deren Brust das Wort: „Nichts“ eingeschrieben war. Der Geist des "sterbenden Mannes sah beide Gestalten an, und Gott und die Unsterblich keit für eine Fabel haltend, wandte ei’ sich dem trüben Nichts zu. „So gingst du selbst, Gottfried, einem geistigen Tode zu; stiessest alle Belehrungen über Gott und das Geister leben zurück, und bliebst hochmüthig und halsstarrig beim unbeweglichen Nichts. Du bist folglich aus dem Kreise der Erde und deiner Familie nicht herausgetreten. Du zwangst dich als Geist zu glauben, dass du noch ein Mensch seist, indem du mit den Menschen fortlebtest und sie nicht verliessest. Traurig war dein Loos, denn du lebst in Widersprüchen, in fortwährenden Räthseln, die dich dein Hochmuth nicht erklären lässt. Deine fluidische, fortwährende Nähe und Influencirung verur sacht AL Magenkrämpfe und verwandelt ein weibliches Gemüth in die fürchterliche Fratze des Unglaubens. Es ist Zeit, glaube uns, dass du dich in Demuth vor Gott beugest. Willst du mit dir selbst Komödie spielen? Du weisst es doch, dass du lebst und kein Mensch bist. Rufe Gottes Gnade an und sprich: „Ich bin ein irre gegan gener, hochmüthiger Geist; Gott, mein Vater, verzeih mir!“ — 139 — Gottfried: „Ich danke dir. Von den Büchern, die ich geschrieben habe, erwähnst du gar nichts?“ Die Leiter; „Die vermodern und sind vergessen, so wie alles Sterbliche; nur die edlen Thaten leben fort. Sprich, willst du zu beten versuchen, M. verlassen und Hülfe bei den Geistern suchen?“ Gottfried: „Warum drängst du mich so, wer bist du? mit welchem Recht willst du mir Versprechungen ab nehmen?“ Die Leiter: „Wir sind eben Geister, die mit Gottes Hülfe ausgerungen haben, nun selig sind und durch die Vermittlung dieser Frau (Medium genannt) dir helfen wollen.“ Gottfried: „Ja, warum wollt ihr mir helfen? was liegt euch denn so sehr daran?“ Die Leiter: „Die Guten weinen über die Verirrten!“ Gottfried: „Sehr verbunden.“ Die Leiter: „Gott gebe, dass das Eis von deinem Geiste schmelze und das gute Prinzip in dir siege.“ Gottfried: „Also gibt es doch noch etwas Gutes in mir?“ Die Leiter: „Gewiss, überwinde nur die falsche Scham.“ Gottfried: „Es sind lästige Zuhörer hier; du weisst, ich pflege nicht gern zu beichten.“ ' Die Leiter: „Das ist auch nicht nötliig. Denke nur öfters an unsere Worte.“' ’ Gottfried: „Gut, aber von M. gehe ich nicht hinweg.“ Die Leiter: „Versuche es nur, du sollst sehen, wie dieser eine Schritt dich vorwärts bringt.“ Gottfried: „Kann ich mit diesem Schreiben fortfahren?“ Die Leiter: „Ja, aber ohne bösen Willen, nur um zu lernen; doch nun hast du genug nachzudenken.“ Hierauf schlossen die Leiter die Sitzung; dem Medium schrieben sie noch folgende Erläuterung: „Wenn euch dieser Geist durch Klopfen erschreckt, so betet nur für ihn. Die Geschichte seines eigenen Todes, die wir ihm erzählten, ist ihm genug Beweis zur Bekehrung. Mit diesem Geiste darf .man nicht viele Worte machen, er hat nun genug gehört, und soll das erst verdauen.“ — 140 — Am 21. Februar 1868. Die Leiter spontan: „Es sind viele hülfsbedürftige Geister um euch; wir wollen ihnen einige kräftige Worte sagen.“ „Lieben geistigen Brüder! — Wir wollen euch einiges über Gottes Liebe sagen; sie ist unendlich und ewig. So wie Gott den leisesten Hang zum Guten in euch sieht, sendet Er euch die geistigen Mittel zur Fortbildung, die geistigen Hülfen zu eurer Besserung. Seht, wie unermesslich Gottes Barmherzigkeit ist, dass Er eurer nie mals vergisst; ja, Gott ist die Liebe! Da steht ihr, die ihr Gott früher verkanntet; der Keim des Glaubens ist durch Gottes Barmherzigkeit in euch wieder wach gerufen worden; lasset ihn, mit der innigsten Liebe zu Gott unsrem Vater vereint, Wurzel in eurem Geiste fassen, und allen Unglauben verdrängen. 0, Geister! wendet euch zu Gott; suchet nicht Hülfe bei den Menschen, suchet sie bei Ihm, suchet sie im Geisterreiche!“ Nach diesen Worten äusserte sich Gottfried spontan: — „Ihr heben Menschen und ihr hohen reinen Geister! Ich habe viel nachgedacht. Ich lobe, ja ich liebe Gott. Ich befolgte euren Rath, wandte mich von den Menschen, die ich bisher so schlecht influenzirte, ab und suchte Geister. Mein Schutzgeist unterrichtete mich und führte mich im All herum; da öffneten sich meine Geistesaugen, da entrollte sich vor meinem Blicke Gottes Liebe und Weisheit. 0, wie ist es möglich, dass ich diesen Bück vertrug, wie ist es möglich, dass ich noch bin, nachdem ich das tiefe Elend des Unglaubens und die Herrlichkeit des Glaubens erblickte? Mein Gott, verzeih mir Elenden! Dich habe ich verlacht, Dich ge-läugnet? Warum vernichtest Du mich nicht ganz? Keine Busse wird mir streng genug sein. Ich sehe es mit Schaudern, dass mein Unglaube, die Starrheit meines Geistes auf M. physisch, und auf dessen Frau moralisch so furchtbar schlecht einwirkten. Mein Gott, gibst Du mir die Gnade, das Uebel, was ich dort anrichtete, wieder gut zu machen?“ — 141 — Die Leiter: „Gott sieht deinen Eifer, deinen Durst, alles das durch dich angerichtete Böse zu löschen, wieder gut zu machen. Gott wird dir die Wiedereinverleibung auf Erden als M.’s Kind gestatten; bist du aber stark genug, zur Sühnung deiner Fehler als Krüppel, oder als ein wenig krankes Kind, die Erde zu betreten und durch deine Geduld im Leiden, durch ein sanftes und frommes Gemüth, deine Eltern zum Glauben zu bekehren?“ Gottfried: „Ich übernehme dasAergste und Schwerste, da mir Alles zu gering scheint gegen die lange Unbussfertigkeit meines Geistes, betet für mich! — Gott, lass mir nur die freie geistige Einwirkung auf den Körper, wie krank und elend dieser auch sei, damit ich meine zukünftigen Eltern zum Glauben bekehren könne.“ Erklärung dei' Leiter: — „So, seht ihr, sind die vielen Prüfungen des Erdenlebens, die mit der Geburt beginnen, Mittel zur Besserung. . Gottfried ist ein Geist, der Energie und einen kräftigen Willen hat; er wird in seiner Besserung nicht nachlassen, und wenn er ein Mal auf dem Wege der Besserung ist, ihn nicht mehr verlassen.“ Am 4. April 1868. Gottfried: — „Meine theuren Menschen und Geister, die ihr mich der Besserung zu führtet! Ich stehe am Punkte, mich in aller Demuth in das Leben der Sühne zu begeben. Es ist hart, denn im Herzen meiner zukünftigen Mutter liegt wenig Liebe! Ich komme mitten in den Unglauben und das Verleugnen alles Göttlichen und Geistigen hinein, und soll sie nun bekehren und bessern! Nun, ich gehe entschlossen und tapfer an das Werk, von Glauben und Liebe zu Gott beseelt. Wenn euch einst ein krankes und wunderliches Kind entgegen lächelt, so denket an den Geist Gottfried, den ihr bekehrtet.“ Nach dem Verlaufe von drei Monaten schrieb die Schwägerin des Mediums Folgendes an dasselbe: — „M. ist geheilt, ei’ weiss es nicht wie, da ihn seine Frau höchst selten magnetisirte und es schliesslich ganz unterliess. Sie sind sehr erfreut und glücklich über die — 142 — Heilung, fragen aber nie über die Heilart; sie ist seit Kurzem in der Hoffnung.“ Die Leiter: ,.So, seht ihr, ist auch eine Heilung durch geistige Kräfte bei total ungläubigen Menschen möglich, da eben diese Heilart auf ewigen Gesetzen beruht.“ Viertes Kapitel. Kur des Ehepaars S. an heftigen Magenkrämpfen. (Ursache Geist Eva.) Das Ehepaar S., arme Wirthsleute, in der Nähe des Mediums wohnend, kam zu derselben, sie um Hülfe bittend gegen fortwährende Magenkrämpfe, die sie schon seit Monaten, den Mann sowohl als die Frau, belästigten. Die Leiter, hierüber befragt, schrieben dem Medium Folgendes: „Die Magenkrämpfe dieses Ehepaares stammen nur von geistig fluidischen Einflüssen her. Magnetisire sie Beide und rufe den Geist an, der dem Namen „.Eva“ folgt.“ — Das Medium that es, worauf die Frau in einen mehr stündigen wohlthätigen natürlichen Schlaf verfiel, den sie schon lange entbehrt hatte. Der Mann hatte ebenfalls eine angenehme wohlthuende Empfindung während des Magnetisirens. Noch denselben Abend, am 8. April 1866, rief das Medium den Geist Eva’s an. Ihr Arm bewegte sich heftig, und sie hatte dabei das Gefühl eines Würgens im Halse. Eva: „Weisst du, man mischt sich nicht ungestraft in die Angelegenheit Anderer. Der Frau geht es seit deiner berühmten Magnetisirung ganz schlecht — sie ist elend und, ganz hin; was brauchst du da zu beten im Namen Jesu? So gut, wie du, bin ich auch!“ Das Medium: „Ich will dir einmal glauben, dass du besser seist, als ich. Lasse uns nun beten für die Genesung des Ehepaares S.“ — 143 — Eva: „Ich kann das sehr gut. Die Frau und der Mann aber stöhnen vor Schmerz und ächzen! Sie sterben.“ (Der Geist wollte das Medium dadurch nur schrecke^ und kleingläubig machen.) Das Medium: „Liebe Eva, wir vertrauen auf Christum, der uns in diesem Krankheitsfalle helfen wird, und wollen jetzt für alle Menschen und kranken Geister beten.“ Hierauf folgte ein Gebet und folgende Erläuterung der Leiter: — „Dem Ehepaar S. fehlt nichts mehr; gehe morgen hin, und magnetisire sie.“ Das Medium that dieses und fand die beiden S. heiterer und wohler. Am 10. April 1866 bat das Medium den Geist Eva, sich im Namen Gottes zu äussern. Eva: „Nichts im Namen Gottes! Ich hin schon da! Ich bin so froh, dass es dem Mann und der Frau recht elend geht! So schlecht, so schlecht! Ja, rennt nur hin nach Tisch, ihr werdet schon. das Elend sehen. Dir und deinen Geistern zum Spott werde ich deine Hand leiten, wenn du sie magnetisirst.“ Das Medium: „Gottes reine Geister werden mich nicht verlassen, und Christus wird mir helfen, sie zu heilen. Vereinige dich im Gebet mit uns, und zügle deine Leidenschaft!“ Eva: „Nein, mit so schlechten Menschen, wie ihr seid, bete ich nicht. Es kann kein hoher Geist mit euch sein, wenn ihr sagt, dass ich leidenschaftlich bin. Pfui, ich verabscheue euch! Ihr seid auch noch dumm dazu, denn dem Ehepaar geht es sehr schlecht, und dadurch verlieren sie allen Glauben an deine Zauberei!“ Das Medium: „Deine Worte stören mich nicht, denn die Macht des reinen Gebetes zu Gott ist stärker als Alles.“ Eva: „Auch ich bin mächtig! Ich kann Magenkrämpfe erzeugen!“ (Der Geist ist sich also seiner bösen Handlung bewusst!) Die Leiter: „Leider wissen wir- das. Wenn du versuchen würdest, zu heilen, statt zu schaden, wärest du glücklicher und zufriedener. Es verzehrt dich eine — 144 — Leidenschaft, das ist die Eifersucht. Wo du ein Ehe paar glücklich und zufrieden siehst, da ergreift dich der ^eid, die Eifersucht, und du trachtest, sie zu stören und krank zu machen durch geistige und fluidische böse Einflüsse. Da nun das Ehepaar S. ihre Leiden mit grosser Geduld erträgt, so wird es ihnen zum Heile, dir aber zum grossen Schaden gereichen. Ueberwinde und beherrsche dich, liebe Eva\ denn sonst kommst du aus dem elenden, leidenden, geistigen Zustand, in welchem du dich jetzt befindest, niemals heraus.“ Eva-. „Ihr habt leicht reden.“*) *) Anm. der Leiter für das Medium: — „Du siehst hier unter den Geistern dieselben Fehler, wie unter den Menschen, weil eben die geistige Individualität bleibt und nur die Hülle sich verändert.“ Hier trat der Gemahl des Mediums herein, der die kranken S. besucht hatte, und sagte, dass sie Beide wohler seien, dass aber die Frau ein starkes Fieber habe. Eva (heftig schreibend): „Wohler? diese Lüge! Die Frau ist gefährlich krank; und dem Manne geschieht heute ein grosses Unglück.“ Die Leiter: „Wir fürchten uns nicht. Gott ist da und wacht. Wir vertrauen und beten: „Gott! helfe dem Ehepaar S. O Herr! sende ihnen Heilung; auch für den Geist Eva bitten wir. Vater! sei ihr barmherzig!“ Kaum war das Gebet zu Ende geschrieben, so schrieb Eva sehr heftig: „Ihr seid rechte Schöpse. In 3 Tagen sind beide S. mausetodt.“ Die Leiter: „Wohl ihnen dann! denn sie entschwinden dann vollkommen deinem Blick und Einfluss, da ihre Geister gut und fromm sind, und du ihnen dann nicht mehr nahe kommen kannst.“ „Eva: Ja, aber alle Leute hier werden das ganze Vertrauen zu euren Kuren verheren.“ Die Leiter: „Es bleibt uns das reine Gewissen, Gutes gethan zu haben. Sei nicht so leidenschaftlich, Eva, und beherrsche dich. Wir kennen dich besser, als du dich selbst, und sehen, dass in deinem Innersten die Fähigkeit zur Reue, der Keim zum Guten liegt. Wir — 145 — wissen es, dass du an Zornesanfällen leidest; trachte, dich dann innerlich fest zu sammeln und zu beten.“ Eva'. „Ich werde daran denken und bleibe vorläufig bei diesem Medium.“ Das Medium: „Bleibe nur bei uns, liebe Eva\ und betrachte mit mir die Leiden Christi, die Er für die armen Sünder litt, und trachte, Seiner Gnade theilhaftig zu werden.“ Das Medium magnetisirte noch einigemal das Ehe paar S., worauf sie sich ein jedes Mal bedeutend wohler befanden. Am 13. April 1866 schrieb Eva spontan: — „Betet nur recht eifrig, ehe es zu spät ist. Die Angst, dass sie Beide nun wirklich sterben, verfolgte mich. Herr, mein Gott! ich wäre dann ihre Mörderin! Diese Angst lässt mir keine Ruhe; betet noch mehr, noch eifriger, damit sie Gott recht schnell heile. Ach! ich fürchte mich so vor Leichen. Die Angst um das Leben dieser Beiden überwältigt mich.“ Die Leiter: „Diese zwei Menschen werden geheilt, wenn du dich, liebe Eva', ganz aus ihrer Nähe entfernst, die Nachwirkung des Magnetismus nicht störst' und uns die Heilung überlässest. Vertraue uns!“ Hierauf versprach Eva es zu thun. Das Ehepaar S. ward von diesem Tage an ganz gesund und leidet nun seitdem nicht mehr an Magen krämpfen. — Die Gebete für Eva wurden fortgesetzt. Sie äusserte sich späterhin immer ruhiger und reuiger, und über schüttete das Medium und ihre Leiter mit Dankesworten über ihre Bekehrung. Dieses geschah Alles in ihrer gewohnten, derben Art, da dieser Geist eben nur wenig gebildet ist; doch ist er nun durch den Unterricht der besseren Geister auf die Bahn des Guten geführt worden. — 146 — Fünftes Kapitel. Kur der Frau W. an Herz- und Halskriimpfen. (Ursache Geist C.) Frau W., die Gemahlin eines Advokaten, bat das Medium um Hülfe. Sie litt an furchtbaren Herz-, Brust und Halskrämpfen und an Erstickungen. Ihre Nerven waren so angegriffen, dass sie bei der geringsten Veranlassung in Krämpfe verfiel; besonders Musik und Menschengedränge verursachten ihr grosse Ueblichkeiten und Leiden. In ihrem Aeusseren sah sie gar nicht leidend aus, sondern machte eher den Eindruck einer gesunden und starken Frau. Doch fing ihre Krankheit an, auf ihr Gemüth zu -wirken; sie konnte weder in die Kirche, noch in Gesellschaft gehen, ohne grässliche Be ängstigungen und Krämpfe zu bekommen. Nachdem sie schon alle Arzenei-Mittel versucht hatte, und ihr gar keines Erleichterung brachte, bat sie das Medium,, von dessen geistiger Heilart sie gehört hatte, um Rat. Die geistigen Leiter schrieben hierüber Folgendes: — „Frau W. leidet an einer sehr argen Folge gegensätzlicher, fluidisch-geistiger Einflüsse. Ihr Nerven system ist sehr zart, sie selbst sensitiv, weshalb sie diese Einflüsse mehr fühlt, als eine Andere. — Die Bekehrung des betreffenden Geistes, der zu den eigensinnigsten gehört, ist eine höchst schwierige Sache. Er heisst C. Auch wird Frau W!s Heilung eine grosse schwierige Arbeit sein, da ihr Organismus überhaupt zu Hysterien neigt, die Krämpfe bei ihr also auch, äusser dem geistigen Einfluss, ein chronisches Leiden sind. Deshalb werden wir ihr äusser der Anrufung des Geistes C., Bäder und homöopathische Mittel verordnen. — Nehmet den Geist C. in euer tägliches Gebet für alle ruhelosen Geister. — Die Verordnung für Frau W. ist: Das Medium soll zu ihr fahren und ihrem Gatten zeigen, wie er ihr täglich mit grosser Sammlung und unter Gebet sieben magne tische Striche geben solle. Sie trage ein,Ajnulet, worin ein Gebet für die Bekehrung des Geistes C. steht. Sie — 147 — selbst soll täglich für den genannten Geist beten. Sie nehme jeden 3. Tag folgendes Bad: 1 Pfd. Seife, 1 Pfd. Kochsalz und 3 albe Metzen Waizen - Kleien werden gekocht und in das Bad gethan, welches 19 Grad haben soll.“ Diese Verordnung sandte das Medium der Frau W. am 25. April 1866 zu, ihr seinen nahen Besuch ankündigend. Denselben Abend, nachdem für alle Geister gebetet worden war, rief das Medium den Geist C. an, der in fürchterlicher Schnelligkeit, heftig mit der Hand des Mediums auf den Tisch schlagend, so dass sie ihres Armes gar nicht mehr mächtig war, in einem Zuge Folgendes schrieb: — „Ja wohl, ich bin es, C. Ich bin sehr gut, ihr brauchet die Frau W. nicht zu besuchen, denn sie ist ganz gesund, auch das Amulet gebt ihr nicht. — Ihr arbeitet unter einer grossen Täuschung; ich bin kein Besessener, ich bin ein ganz guter Geist. W. hat nur Faxen im Kopfe. Seid auf der Hut vor dem Spiritismus! Seid recht vorsichtig, sonst lebt ihr gar zu sehr in der Selbsttäuschung. Die sogenannten hohen Geister schrieben niemals mit euch, es sind lauter usurpierte Namen. Ja, ja, es ist gut, dass es euch unheimlich wird, denn es ist Schade, liebes Kind! (zum Medium) dass du dich so weit verirrst und dir einbildest, dass ein hoher Geist mit dir schreibt. Diese fixe Idee! Hast du sonst keine Schmerzen? Du bist ja in Dünkel gehüllt, und blickst mit Verachtung auf Andere, die weit besser und nicht so eingebildet sind, wie du. Willst du alle Geister an die Leimruthe kriegen? 0, du bist diplomatisch! So thun es aber die Sanften, Blonden; nur die blauen, unschuldigen Augen fehlen dir; wenig stens lügen sie nicht, deine stolzen, schwarzen Augen, und deine verächtlichen Mundwinkel, und deine, hohe Nase, die du bis zu den Wolken trägst! Ja, gehe nur so fort, bald stolperst du und liegst in der Schande der Sünde! Auch deine Stunde der Versuchung-wird schlagen, wo dich dann Alle schmähen und verlassen werden! O die Schande, die Schande für eine Spiritistin! Ich rathe dir, — 148 — diese elende Kur mit der W. aufzugeben; sie wird dir auch die grössten Unannehmlichkeiten bringen. Gerade morgen wird sie dir ihre Faxen (Gaukeleien, Possen) vormachen, ich werde dann lachend zusehen, wie du nichts kannst! Glaubst du, dass dir Alles gelingen wird? O nein!“ — Hier blieb die Hand des Mediums stehen, welches sich nach diesem fürchterlichen fluidischen Ergüsse ganz erschöpft fühlte. Da sie das Bewusstsein des Geschriebenen, wie gewöhnlich, nicht hatte, so interessirte sie die Durchlesung desselben sehr. Die geistigen Leiter schrieben ihr hierauf Folgendes: „Ihr habt nun eine neue geistige Bekanntschaft ge macht. Lasset euch nicht durch die Worte dieses Geistes beunruhigen; er fühlt die höhere Kraft des Guten in euch, und will sich ihr durch solche Redensarten entgegenstellen. Er will euch einschüchtern und ärgern; erbarmt euch dieses armen Geistes; lasset ihn sich stets ausreden, antwortet ihm nur wenig. Wenn euer Innerstes ruhig bleibt und euere Liebe nicht wankt, so fühlt er es schon, und es ist dann dieses der beste Motor zu seiner Bekehrung.“ .Am 28. April 1866 besuchte das Medium die Frau W., magnetisirte sie unter innigem Gebet, worauf sich diese sehr erleichtert fühlte und keinen Krampf mehr bekam. Das Amulet hing sie sich gläubig um den Hals und versprach, alle Tage für den Geist zu beten. Ihr Gatte erklärte sich bereit, seiner Frau die verordneten magnetischen Striche täglich zu geben. Am 30. April 1866. — Nach den gewöhnlichen Gebeten für alle unglücldichen Geister erfolgte die Anrufung C.’s. C.: „Ich bin da. Es war recht herablassend von dir, so die Populäre zu spielen bei W‘s; es war- wirklich wunderschön! (der Geist meint hier den soeben erwähnten Besuch des Mediums bei der Familie W.~) Wisse, ich bin ein Bischof; ich habe die Gewalt, dich zu excommuniciren. Ich quäle ja W. gar nicht, es ist mir Absuidität — 149 —. so etwas zu sagen; du bist vom Teufel besessen.“ (Wieder ein Beweis, wie sich die geistige und geistliche Indivi dualität stets gleich bleibt.) Das Medium: „Du wirst mich, lieber C., durch deine Worte weder erschrecken, noch ärgerlich machen. Das Reich des Bösen ist wider sich selbst uneins. Wir be mühen uns, den Willen Gottes zu thun, den Er uns durch Seine reinen Geister kundthut. Wir vertrauen auf die Verheissungen Christi und wissen, dass Er unsere rufende Stimme hört.“ Hierauf antwortete C. nichts, machte nur lauter un willige Striche auf das Papier, und klopfte auf demselben mit der Hand des Mediums herum. — Am 2. Mai 1866 war die gewöhnliche Stunde der geistigen Beschäftigung für das Medium und ihren Ge mahl herbeigekommen, als sich dieses gar nicht zum Schreiben disponirt fühlte; da es ihr jedoch zur täglichen Pflicht geworden war, nahm sie den Bleistift zur Hand, und es schrieben die geistigen Leiter Folgendes: „Ueberwinde dich und zeige keinen Unwillen; bedenke, dass dich so viele hülfsbedürftige Geister umgeben1, welche lernen wollen. Du kannst nie genug trachten und suchen, Gutes zu thun. Der Unmuth zur geistigen Arbeit ist oft ein gegensätzliche!' Einfluss. Die Allgegenwart Gottes soll dir ein Heiligthum sein, und dich mit Kraft und Liebe erfüllen. O Menschen und Geister! gedenket des allgegenwärtigen Blickes Gottes, und benehmet euch so, wie es dieses Heiligthum erfordert.“ Nachdem sich mehrere leidende Geister geäussert hatten, schrieb Geist C.: „Ich bin da, der Bischof. Ich sehe es ein, dass ich den ersten Abend recht ungalant gegen dich war. Mit der Frau W. ist es beim Alten.“ Hier fühlte das Medium eine veränderte Bewegung, der Bleistift bewegte sich sehr heftig hin und her,- und schrieb in grosser Aufregung: C.: „Iclr fürchte mich vor ßoffislav.“' . Die Leiter: „Hier hat sich C. verrathen; mit diesem - 150 — Geist Bogislav hat C., der sich für einen Bischof aus- giebt, einmal schwer gesündigt. So frech ei' sonst ist, hat er eine namenlose Angst vor diesem Mitschuldigen. C. ist ein sehr hochmüthiger Geist; es wird noch lange dauern, bis er seine Sünden einsieht.“ Nachdem das Medium dieses vorgelesen hatte, schrieb C.: „Ich höre Alles; ich bin nicht so schlecht, als ihr glaubt, ich bin ganz fromm. Ihr werdet sehen, Bogislav ist der leibhaftige Teufel. Es ist nicht meine Schuld, wenn ich fehlte. Ja, es gibt Teufel. Mesphisto hat mit Pulver und Dampf gearbeitet.“ Die Leiter: „Hier darf kein Unsinn gesprochen werden; unterwerfet euch den Gesetzen dieser Sitzung. Es gibt nur eine Macht, welche alles Andere beherrscht; diese ist Gott und die Reinheit des Geistes.“ Am 4. Mai 18 6 kam der Advokat W. an, und be richtete dem Medium über die begonnene Kur seiner Frau. Beim ersten Versuch des Magnetisirens bekam dieselbe Krämpfe, welches den Gatten so erschreckte, dass er das Magnetisiren unterliess; er bat nun um den Rath des Mediums und ihrer Leiter, welche sich hierüber folgendermassen äusserten: „Die Krämpfe W.’s waren in diesem Falle eine ge lungene List des Geistes C. Herr W. hätte sich nicht sollen erschrecken lassen, und das Magnetisiren nach unserer Verordnung gläubig und vertrauensvoll fort setzen; die Menschen sind aber schwach im Glauben.“ „W. soll das Magnetisiren seiner Frau mit innigem Gebet fortsetzen; es soll sie stärken und gegen die An griffe der elektrischen Geister stählen. Ihr seid nicht nur von hülfebedürftigen Menschen, sondern auch von bedrängten Geistern umgeben, die, weil noch so materiell, ihre Hülfe nur bei den Menschen, in der Sinuenwelt, und nicht in der geistigen Welt suchen.“ Denselben Abend äusserte sich C.: „Ich bin da; ich bin ein reicher Bischof, aber ganz entblösst, denn man hat mir Alles genommen: Güter, Kleider, Körper, Alles; ich will es zurück haben.“ — 151 — Die Leiter: „Es ist ganz einerlei, was und wer du warst, wir wissen von dir nur, dass du ein hülfsbe- dürftiger, bedrängter Geist bist; deshalb beten wir für dich und sind bereit, dir zu helfen. Wenn du ein Bischof warst, so musst du wissen, dass Nichts ohne den Willen Gottes geschieht. — Suche nicht deinen Körper bei den Menschen. Glaube uns, verlasse die Frau W., wende dich zu Gott und bitte um Seine Barmherzigkeit.“ C.: „Das geht schwer. Eure Sprache ist meinem Stande nicht angemessen.“ -• Die Leiter: „Wir bitten Dich, Vater des Alls, er barme dich über die Frau W. und heile sie durch die grossen Verdienste Deines Sohnes Jesu. Erbarme Dich auch dieses armen Geistes, und nimm ihn in Deine un endliche Vater-Güte auf. Amen.“ Am 6. Mai 1866 äusserte sich C. spontan: „Ich habe gestern drei Gebete gehört und gefühlt; es freut mich, dass du für mich gebetet hast; ich werde trachten, mich von Frau IV. zu entfernen.“ . Die Leiter: „Wir bitten dich inständigst, es zu thun. Kehre zu deinem Schutzgeiste zurück, der über deine Irrwege trauert. Du findest schon Hülfe bei Gott, im Geisterreiche; suche sie nur. Siehe, auch Frau W. betet für dich, so wie wir es täglich thun; belästige sie also nicht mehr mit deiner Nähe; denn von Gott allein kommt alle Hülfe.“ C.: „Kann Er mir einen neuen Körper geben? Es ist schrecklich, so entblösst zu sein. Wenn ich -wieder ein Mensch sein könnte, so wäre ich vielleicht besser.“ Die Leiter: „Bedenke, welche Versuchungen dich im Erdenleben erwarten; bedenke, wie viel du dort gesündigt hast. Bekehre dich zuerst als Geist, werde reumüthig und unterdrücke als solcher deine bösen Neigungen, dann erst empfängst du die Gnade der Wiedereiuver- leibung aut Erden für ein Leben der Sühne. Deine frühere Sinnlichkeit gibt dir nun das Gefühl der Nacktheit, da dein Geist entblösst dasteht und nicht bekleidet ist — 152 - mit den Werken der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit. Kleide dich also zuerst moralisch und geistig neu, dann erst erhälst du ein Körperkleid. Wir wollen dir gern helfen, doch musst du uns zu folgen versprechen.“ C.: „Ich will folgen; sage nur, was ich thun soll. Es ist grossartig, wenn ich wirklich wiedergeboren werden könnte! Ach diese Gnade!“ Die Leiter: „Die erste gute That, die deinen Geist kleiden soll, ist, dass du Erau B\ ganz verlassest, dem Rufe des Mediums gern folgst, hierher kömmst, um dich unterrichten zu lassen, und deinem Schutzgeiste willig zuliörst.“ C.: „Ich will es versuchen im Namen Gottes.“ Die Leiter: „Ihr müsset nun nicht glauben, dass C. jetzt ganz bekehrt ist; er ist ein schwacher Geist, der viele Rückfälle haben wird.“ Am 8. Mai 1866: Nachdem sich mehrere andere Geister geäussert hatten, schrieb C. von selbst: C.-. „Ich muss dir nur sagen, dass ich schon zwei Tage von der Erau W. weg bin. Inh will mich nun ernstlich bessern.“ Die Leiter: „Bleibe nur standhaft und weiche einer jeden Versuchung aus; bete mit uns!“ Hierauf folgte ein Gebet zum Schluss der Sitzung. Am 14. Mai 1866 schrieben die Leiter: — „Rufet C., er hat einen Rückfall gehabt, und soll es euch selbst gestehen.“ C.: „Ich bin da, was wollt ihr?“ Die Leiter: „Wir wollen dich nur bitten, recht standhaft bei deinen guten Vorsätzen zu bleiben. Siehst du schon deinen Schutzgeist?“ C.: „Ja, ich fange an, ihn zu sehen. Ihr glaubt mir vielleicht nicht, dass Erau W. ganz gesund ist. Ich will es auch nicht fest behaupten,, denn der' Geist Boffislav hat eine solche Macht über mich, dass er mich mit Gewalt zu ihr hinschleppt.“ Die Leiter: „Gott gab dji den freien, Willen, nicht, damit du dem Bösen, sondern damit du dem. Guten folgst.; — 153— trachte du vielmehr, Bogislav zu bekehren durch das gute Beispiel, welches du ihm gibst, nicht aber, dass du dich noch durch ihn verleiten lässt.“ C.: „Ich sehe meinen Fehler ein. Beunruhiget euch nicht, ich will der Frau wirklich nichts mehr thun. Das Leben ist aber schwer, und Bogislav hält mich fest an seiner Kette. Er ist immer hinter mir und schiebt mich vor sich her; er weiss es, dass seine Elektricität die IK. wabriugen könnte, desshalb schiebt er mich vor.“ Die Leiter zum Medium: — „Die elektrischen Schläge des Geistes B. wären für Frau W. tödtlich; desshalb hält B. den etwas bessern, minder elektrischen Geist C. vor, welcher die Wirkung von Krämpfen hervorbringt.“ Die Leiter zu Geiste.: „Wir sagen dir noch einmal, werde selbstständig, folge deinem Schutzgeiste, ergreife seine dargebotene Hülfe; durch das Sichausreden mit einem Anderen wird deine eigene Schuld nicht kleiner.“ C.: „Also um Gotteswillen, saget mir wenigstens den Namen meines Schutzgeistes, damit ich ihn rufen kann.“ Die Leiter: „Reine, hohe Geister sind nicht so irdisch, als dass sie am Namen hängen würden; dein guter Wille genügt, um deinen Schutzgeist anzuziehen.“ C.: „Ich bitte dich, mein theurer Schutzgeist! hilf mir, denn ich bin hart bedrängt durch Bogislav] rette mich, denn ich will weg von der Erde, von der Hölle, von Bogislav, dem ich nicht mehr zum Werkzeuge dienen will. Gott, sprich ein Machtwort aus, und erlöse die Frau W. von mir und Bogislav!“ Die Leiter: „Kämpfe und ringe, reisse dich selbstlos!“ — (An das Medium:) „Dieses ist heute ein entscheiden der Tag, den Frau W. fluidisch angenehm fühlt. Bogislav ist das Bild des ärgsten Versuchers; wir gestatten ihm nicht, mit dem Medium zu schreiben; seine elektrischen Schläge könnten ihr Starrkrämpfe verursachen. Ihr wisset es, dass der Gegensatzgeist das Naturgesetz nicht überschreiten kann. Bogislav ist ein so tiefer Geist, dass er nur durch die Fluide anderer gefallener Geister — 154 — (die ihm folgen wie C.) auf die Menschen wirken kann.; seine eigenen Fluide sind nicht einmal denen der Erde adäquat (sie sind zu stark für die Erde); er braucht stets er gänzende Fluide, und sucht sich hierfür seine geistigen Werkzeuge aus. Betet nur für £; vielleicht wird Bogislav durch dessen Bekehrung zur Busse erweckt.“ Am 20. Mai 1866. Die Leiter: „Betet in diesen Tagen eifrig für C. Er selbst kann nicht kommen, da er in einen heftigen Kampf des Losreissens mit Bogislav verwickelt ist. Wir sprachen ihm Muth zu.“ Am 23. Mai 1866 empfing das Medium folgende Mittheilung von Frau W.-. — „Verehrte Gräfin! „Nehmen Sie meinen innigsten Dank für Ihr werthes Schreiben, das ich gestern erhielt, gütigst entgegen. Täglich flehe ich zu Gott, Er möge Ihnen durch die geistigen Leiter die Kraft und Gnade verleihen, — mich von diesem peinlichen Uebel zu befreien. Auf Ihre Frage: wie ich mich den 19. befand? kann ich mit Freude er-wiedern, dass ich mich seit lange nicht so wohl fühlte, als am bezeichneten Tage. Krämpfe hatte ich gar keine. Die vorgeschriebenen Magnetisirungen von Seiten meines Mannes werden selten durchgeführt; er selbst scheint wenig Vertrauen zur Sache zu haben, besonders seitdem ich das letzte Mal in so arge Krämpfe verfiel, während er mir die Striche gab. Die kleinen Mittel und das magnetisirte Wasser nehme ich pünktlich und vertrauens voll ein und benütze auch die vorgeschribenen Bäder. Mein Befinden im Ganzen ist unberufen gut, indem ich ungehindert meine häuslichen Geschäfte verrichten kann — Indem ich meinen wärmsten Dank wiederhole, bin ich Ihre „ergebene W.“ Am 23. Mai 1866. — Das Medium hatte vor dem Beginn ihrer allabendlichen Sitzung ein Kirchenlied gesungen, worauf C. ohne Anrufung schrieb: C.: „Dank, dank! 0, das war gut! Ja, Geister, lobet und singet Gott Preis und Dank, ich bin erlöst - 155 — und befreit. O, das Lied that mir wohl. Lasset mich ausschreiben. Nach einem Leben der Sünde, der befrie digten Ambition, Sinnlichkeit und Weltlichkeit folgte ein grässlicher Tod und ein noch grässlicherer Zustand nach demselben. Meine Hauptsünden geschahen in Folge starker Versuchungen durch den Dämon meines Lebens Boffislav, dem ich nicht widerstehen konnte; so einte uns immer eine fürchterliche Kette der Mitschuld. Eure Gebete, die Hülfe der hohen Geister und meines Schutz geistes, mein eigener Wille und meine Reue halfen mir, dieses fluidische Band zwischen Bogislav und mir zu zerreissen. Ich fühle mich nun, wie nach einer grossen Krankheit, in geistiger Reconvalescenz. Ich will von nun an meinem Schutzgeiste folgen, und bitte Gott um Kraft.“ Die Leiter: „Unser fortwährendes Gebet begleitet dich. Bleibe nur standhaft bei deinem guten Vorsatz, und höre die Stimme des Versuchers nicht an.“ Nach einigen Tagen schrieb C.: „Ich fühle Gottes Gnade mir nahen.“ — Die Leiter versicherten das Me dium, dass die kranke Frau IT. sich wohler befinde, welches folgender Brief derselben bestätigte: — „Verehrte Gräfin! „Ich befinde mich seit meinem letzten Briefe fort während wohl; ich kann die Feldarbeiten überwachen und kann mit Leichtigkeit gehen, was ich früher gar nicht konnte. Das furchtbare Seitenstechen, das ich hatte, hat aufgehört und die ganze Zeit über hatte ich keine Krämpfe. Wahrhaft gross ist Gottes Macht, und ich bin erfüllt vom heiligsten Glauben an diese geistige Heilart. Gott möge Sie tausendfach segnen! Ihre ergebene W“ Einige Tage nach diesem erfreulichen Brief erhielt das Medium zu seinem Kummer die Nachricht, dass Frau in Folge eines Schreckens einen Herzkrampf gehabt habe. Die Leiter riethen dem Gemahl des Mediums, zu — 156 — W‘s zu fahren und die Frau zu magnetisiren, da Herr W. sich hierzu nicht bewegen liess. Das Medium liess ihren Gemahl allein zu W.'s fahren; er magnetisirte dieselbe, worauf sie einen Erstickungskrampf im Halse bekam, der sich aber nach einigen Strichen vollkommen legte. Hierüber schrieben die Leiter: — „Frau W.’s letzter Krampf ist eine zurückgebliebene Schwäche der Nerven; der Geist C. ist nicht Schuld daran. Dieses Recidiv ist Folge der Nichtbefolgung unserer Verordnung, das Magnetismen betreffend. Wenn ihr- Mann sie täglich magnetisiren würde, wären ihre Nerven viel gestärkter. Ihr werdet in einiger Zeit wieder zu ihr fahren, um ihr Kraft zu geben.“ C. schrieb hierauf: „Der Frau W. Krämpfe haben mich furchtbar ergriffen. Ich allein bin Schuld an dieser Nervenschwäche. Ihre Leiden sind meine grösste Pein. Ich kann nicht genug für ihre Heilung beten!“ Am 19. Juni 1866 spontan: — C.: „Ich bitte euch um Verzeihung für alle hässlichen Worte, die ich euch den ersten Abend (bei meiner ersten Manifestation) sagte. Ich bin noch nicht ganz gut, doch hoffe ich mit Gottes Hülfe, immer besser zu werden. Ich will Alles gut machen.“' Die Zeit verfloss ruhig bis zum 7. Juli; Frau W. befand sich bedeutend wohler und hatte keinen Krampf. Es wurde, eifrig für C. gebetet, der sich am 7. Juli äusserte. C.: „Frau W. erscheint mir noch schwach; ich werde oft versucht, in den alten Fehler zu verfallen; ich rufe dann mit aller Kraft meinen Schutzgeist an, der mir bedeutend hilft. Ich bin mir meines geistigen niedrigen Zustandes bewusst; es ist so schwer, vorwärts zu gehen. Dann bin ich auch in steter Angst um Frau W., deren vollständige Genesung' ich mit Ungeduld' erwarte.“ Die Leiter: „Ein Fortschritt für dich ist es, dass du deinen Fehler offen bekennst. Bete um Kraft für — 157 — dich und um Heilung für Frau W., wir vergessen deiner nicht.4 An das Medium: — „Frau W. nehme den 19. Juli ein Korn Arsenik, den 22. Juli ein Korn China, den 25. ein Korn Hyosciamus ein. Ueberbringe ihr diese Mittel aus deiner Apotheke in 30. Potenz selbst, und magnetisire sie. Zur Kräftigung ihres Nervensystems nehme sie alle drei Tage folgendes Bad: man nehme einen Magnetstahl von drei Pfund Ansiehungskraft, lasse ihn eine Stunde in einem sprossen Wassertopf kochen, und giesse es in das Bad, welches 26 Grad haben soll, und worin sie eine halbe Stunde zu bleiben hat.“ Das Medium magnetisirte Frau W., welche während dem gar keinen Krampf bekam, und sich bedeutend wohler und heiterer fühlte. Am 4. August 1866 schrieb C.-. — „Gott sei Dank, Frau W. ist wohler; mein Augenmerk ist nur Bogislav. Da ich stärker bin als er, möchte ich ihn gerne zum Guten bekehren.“ Die Leiter ermunterten ihn zu dieser That der Nächstenliebe und versprachen ihm ihre Hülfe dazu. Den 14. August 1866 erhielt das Medium folgenden Brief von Frau W.: — „Sehr werthe Gräfin! „In Erwiederung auf Ihre freundliche Anfrage in Betreff meines Leidens kann ich mit dankerfülltem Herzen Ihnen zu wissen geben, dass ich seit den drei letzten Wochen, als wir uns das letzte Mal sahen, keinen Krampf anfall hatte. Die verordneten kleinen Mittel nehme ich pünktlich ein, die Bäder hingegen musste ich auf später hinausschieben, da der Magnetstahl aus Pest noch nicht angelangt ist und so weiter „Ihre ergebene W.“ Den 1. September 1866 verordneten die Leiter für Frau W. Folgendes: — „Je ein Korn Arsenik, China, Opium alle drei Tage abwechselnd einzunehmen. Die Magnetbäder sind als strenge Verordnung zu ihrer Heilung unumgänglich nöthig, da sie dieser Nervenstärkung bedarf.“ — 158 — Das Medium sandte Frau PK. diese Verordnung, und erhielt von ihr’ den 18. September folgende Zeilen: „Hochgeborne Gräfin! „Ich fühle mich viel wohler und stärker, besuchte auch schon die Frühmesse. Neulich aber hörte ich eine Dame Klavier spielen und bekam hierüber einen kleinen Herzkrampf; die Magnetbäder habe ich noch nicht ge braucht, der Magnet-Stahl ist wohl da, doch machen mir die Bäder allerlei Schwierigkeiten und so weiter W.“ Hierüber schrieben die Leiter: „Dieser Krampf ist nicht einmal ein Dividiere zu nennen; schon seit einem Monat sollte sie die Magnetbäder ohne Unterbrechung nehmen; hätte sie uns gefolgt, so würde aller Hang zu Krämpfen in ihr schon geheilt sein, so aber sind ihre Nerven noch etwas geschwächt. — Der Geist C. trägt keine Schuld an diesem letzten Anfall; er ist mit Bogislav’s Bekehrung beschäftigt und wird jetzt schreiben. Schärfet es nur der Frau W. ein, die Bäder zu nehmen. ( Ein Zeichen, um wie Vieles wohler und stärker sie sich fühlt, ist, dass sie Bedenken trägt, uns zu folgen. C.’s geistiger Zustand ist befriedigend. So wie er früher dem Geiste Bogislav folgte, so soll ihm nun dieser auf der Bahn des Guten folgen.“ C.-. „Der letzte Krampf der Frau PK. hat mich tief gekränkt; es sind dies nachträgliche Wirkungen meiner und Bogislav’s Sünden. Wenn Letzterer mir nur folgen wollte. Höre mich, Bogislav! ich kann beten ; bete mit mir: ,Vater der Güte! Verzeih’ uns armen Sündern. Wir haben den ernstlichen Vorsatz, uns zu bessern. Herr, gib uns die Gnade und Kraft, büssend zu sühnen. 0 mein Gott, heile die Frau W. Von diesem Tage an erhielt das Medium blos gute Nachrichten von Frau PK., welche sogar ein Concert und eine Gesellschaft besuchte, ohne krank zu werden; sie fühlte sich vollkommen gesund und hergestellt. Zu Ende des Jahres 1866 erhielt das Medium folgende Worte des Geistes Bogislav, der ihr nun seine und C.’s vollkom mene Besserung bestätigte. — 159 — Bogislav: „Ich bin es, der früher so furchtbare Geist. Endlich erlaubt mir mein Bruder C., mit dir zu schreiben. Ich war ein Dämon. Meines Bruders C. Bekehrung hat mich überzeugt; er hat mich durch die Gnade und Kraft Christi, an welcher er durch euch und eui’e geistigen Leiter zu glauben begann, aus meiner Hölle und den Beinen der Laster herausgezogen. Glaubet meinen Worten. Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Sein Name sei gepriesen!“ Ein Brief von Frau W. vom 31. December 1866, in welchem sie dem Medium ihre wärmsten Glückwünsche darbrachte, erwies die Worte Bogislav’s als vollkommen wahr, denn die Kranke erklärte sich selbst als genesen mit diesen Worten: „Was meine Gesundheit betrifft, so kann ich mich als vollkommen geheilt erklären. Denn seit Wochen hatte ich ja keinen Krampf und bin vollkommen gesund und heiter, gehe unter Menschen, höre Musik, habe auch schon schlechte Nachrichten und Schrecken bekommen, ohne dass mir dieses Alles im Geringsten geschadet hätte. Ich kann Gott, Ihnen und Ihren geistigen Leitern für diese grosse Gnade nicht genug danken und so weiter W“ Eine nachträgliche Anmerkung. — Im Jahre 1870 gebar Frau PP. nach einem langen Zeitraum, ich glaube 10 Jahre, wieder ein gesundes Töchterlein, und erfreut sich der besten Gesundheit. Sechstes Kapitel. Merkwürdige Erscheinung eines 6jährigen, blödsinnigen Kindes. (Ursache Geist eines früheren Gourmands und Boues.) Bauersleute aus der Nachbarschaft brachten dem Medium ein im Wachsthum und - in der Entwickelung vollständig zurückgebliebenes Kind, und baten sie, das selbe wo möglich zu heilen. Sie hatten schon alle Aerzte der Umgegend befragt, die aber sämmtlich das Kind als unheilbar erklärten. — 160 — Der Anblick desselben war etwas Furchtbares. Es war ein Fleischklumpen, ohne Besinnung, ohne Zeichen eines intelligenten Lebens. Seine Augen starrten in die Welt ohne Glanz und ohne Verständniss, vollkommen blöde. Der Mund war beständig offen, der Kopf unge wöhnlich gross. Es konnte nicht stehen und lag gewöhn lich auf dem Rücken, die Füsse in die Luft streckend. Es gab nur thierische Laute, ein Gestöhn von sich; kein Lärm, keine Musik, keine Aeusserung von Aussen hatten eine Einwirkung auf dieses Kind; es ass Alles, was man ihm gab, hatte eine normale Verdauung, und war auch sonst ganz gesund. Die Leiter, hierüber befragt, schrieben: „Dies ist ein hoffnungsloser Fall. Hier ist der Geist zur Busse und Strafe einverleibt worden. Er derotirte aus dem Wege des Gesetzes, indem er nach der Geburt aus dem menschlichen Leibe niemals in den normalen Ki’eis des menschlichen Lebens, der gesetzlichen organi schen Einwirkung eintrat. Er war mit dem Körper durch das fluidische Lebens-Band verbunden; doch liess er denselben geistig nur vegetiren, und ihn nur physisch seelisch leben. Hier fehlte zwar die äussere bildende Kraft nicht (siehe die Schrift: „Geist, Kraft, Stofi“ 24. Kapitel im II. Buch), wohl aber entzog sich der innere Beleber oder Geist den menschlichen Organen, wodurch diese ungeübt und nicht bewegt, sich auch nicht äussern und ausbilden konnten. Dieser Geist will seine volle Busse nicht erfüllen und entzieht sich mittelst des fluidischen Lebensbandes der geistigen Einwirkung auf die Organe des Körpers, den er nur seelisch-fluidisch leben lässt. Es sind dieses seltene Fälle, und durch die menschliche Wissenschaft, welche den Grund des Uebels noch nicht kennt, unheilbar. Dieses Kind könnte noch, wenn der Geist von nun an eine gradative Einwirkung auf die Organe ausüben würde, und mit Nachhülfe homöopathischer Mittel, des medianimischen Magnetismus noch halbwegs zu einem vernünftigen Wesen gemacht werden. - 161 — Es wird aber schwer gehen, erstens, weil der Geist ein sehr eigenwilliger ist, und zweitens, weil die Mutter des Kindes zu weit von euch wohnt, was das tägliche Magnetisiren unmöglich macht. Das Gehirn des Kindes, dem von Geburt an die geistige Thätigkeit, die Be wegung, also auch Entwicklung fehlt, ist in einer De- composition (Zersetzung) begriffen, der man durch die genannten Mittel noch steuern könnte. Gebt dem Kinde Sulfur ein, und rufet seinen Geist sogleich an.“ Während das Medium mit dem Geiste dieses Kindes schrieb, lag dasselbe noch starrer und blöder als je im Nebenzimmer. Aeusserung des genannten Geistes: „Ich bin es, der Geist, der zu diesem Fleischklumpen gehört; umsonst gebt ihr diesem Organismus Arzenei, mein Geist paralysirt alle Einwirkung. Höchstens zwei Jahre kann dieser fürchterliche kleine Körper noch leben, den ich mir nicht zu einem Hinderniss im Denken machen will. Ich will ein Geist bleiben. Der Körper hängt mir nur wie ein Anhängsel an; bald schüttle ich ihn ganz ab, ich bin dann wieder frei, mir einen schönen Körper zu suchen Diese ganze Geburt war eine Schweinerei in solchem Leibe! — Ach, mein Gott, verzeih’ mir, ich verfalle in meinen alten Fehler. Diese Mittheilung thut mir faktisch gut.“ — Die Leiter: „Bedenke, dass du immer ein Geist bleibst, äusser so wie in der Einverleibung. Wohl dir, wenn du diesen deinen jetzigen, elenden Körper ganz angenommen hättest und in ihm normal wirken würdest j so aber glaubst du, es sei eine Gnade deinerseits, diese Einverleibung überhaupt angenommen zu haben, und sträubst dich, als einfacher, arbeitender Landmann in’s menschliche Leben zu treten. Auf diese Art erfüllst du gar nicht den Zweck dieser Einverleibung, und es wird dir dieselbe nicht als die dir auferlegte Busse an gerechnet ; Du duldest nur den Körper, statt ihn liebend zu bilden. Wir rathen dir, gehe vollkommen ein in den Körper, und sei willig ein armes Bauernkind. Liebe Studien Uber die Goistcrwolt. H — 162 — deine Mutter, die diesen blöden Körper pflegt und über ibn weint, entziehe dich nicht dem mühevollen Leben.“ Der Geist: „Das ist alles recht schön gesagt, aber schwer gethan. Wenn ich in meinem jetzigen Zustand bleibe, so beschmutze ich mich nicht so sehr mit dem Volke. Die Einverleibung allein ist mir eine fürchter liche Strafe, ärger als die Hölle. Ich — so verwöhnt, so parfümirt, so gewählt — mein Gott! — und jetzt? Ihr habt ja keinen Begriff von meinem früheren freien Leben! Erstens diese Küche: Austern, Leckerbissen aller Art, feine Gemüse und Weine, Saucen, Seefische Kuchen und Mokka! Dann diese Cigarren, Regalia grandes! Londres, pfui! schon zu schlecht. Und dieses Bett, wie fein mit Spitzen! Ja, an die andern Genüsse denke ich leider gar nicht, es schickt sich auch nicht vor dieser Dame (er meint das Medium); ich habe den Anstand vor der Welt, ganz besonders vor schönen jungen Frauen, immei’ zu beobachten gewusst. Ich war sentimental und poetisch mit den Sensitiven, sarkastisch mit den bösen Zungen, blasirt mit den Roue’s, Fein- , schmecker mit den Gourmand’s, genial mit den Prinzes sinnen der Demi-Monde und Sportsman mit den Jockeys. „Ich sehe es wohl ein, dass dieses Alles Larifari war, denn die Unmoralität hat stark an mir gefressen; da ich aber sonst ein guter Knabe war, so nahm ich diese Ein verleibung auf Wunsch meines Schutzgeistes an, weil ich eben nichts Besseres zu thun hatte. Ich ging aber nur wahrem Ekel daran; freilich war dies nun die Strafe für die Genüsse früherer Sünden; ich musste nun neun Monate in diesem schmutzigsten uud unschönsten Leibe der Welt wohnen; ich weiss es, dass mein Grausen dem armen Weibe viele Leiden verursachte, aber — tant pis pour eile.“ Die Leiter: „Da du, lieber Geist, deine Fehler ein siehst und dich ihrer so genau erinnerst, so folge nun auch der dir auferlegten Busse. Erbarme dich dieses armen Leibes, erniedrige dich menschlich und gib deine geistige Freiheit auf.“ — 163 — Der Geist: „Ich will hierüber mit meinem Extra- Schutzgeiste reden, und sage euch Lebewohl!“ Bekehrung der Leiter: „Dieser Geist sagt, dass ihn das menschliche Hirn im freien Denken hindere. Indem nun dieser Geist seinem menschlichen Hirn den Motor entzieht, wird dieses zu einer inerten Masse, die nur lebt, aber nicht denkt und in Decomposition geräth. Hieraus folgert sich die Wahrheit, dass nur „Geist, Kraft, Stoff“ in ihrer Harmonie den gesunden, denkenden Menschen ausmachen. Dieser Geist will das fluidische Lebensband, das ihn an seinen Körper bindet, zerreissen, und würde so einen Selbst mord begehen. Das Gesetz jedoch hindert ihn daran, nämlich an dem plötzlichen Zerreissen des Lebensbandes, Geist und Körper trennen sich nur, wenn die Organe nicht mehr lebensfähig sind. Nur so kann der Geist seine Lebenstage abkürzen, aber nicht plötzlich, sondern gradativ, durch das fortwährende Entziehen der geistigen, thätigen Einwirkung des Mitlebens, oder durch einen fortwährenden geistigen Ueberreiz des Organe.“ — Nach zwei Tagen äusserte sich der Geist dieses Kindes folgendermassen: — „Ich bin da, der Geist dieses blöden Fleischklumpens. Ich habe alles Mögliche versucht, um in diesen furchtbaren Körper ganz einzu gehen; es ist aber- schwer und eine Tortur. Welche Mühe sich auch mein Geist gibt, dieser Körper bleibt ein Trottel und Wechselbalg; soll ich mit ihm ver trotteln ?“ Die Leiter: „Hier ist die Handlung der Demüthigung die Hauptsache. Du sollst dich beugen, folgen, volle Busse thun. Die Stunden des Schlafes sind deinem Geiste genug Erquickung.“ • Der Geist: „Dann werde ich immerfort schlafen.“ Die Leiter: „Das auch nicht; verstehe uns nur recht, du sollst eingehen in die Organe, freiwillig ein Krüppel sein; diese Demütliigung bringt deinem Geiste Nutzen.“ Der Geist: „Ich will es noch einmal versuchen. Ich werde meinen Geist nicht mehr über dem Körper, sondern — 164 — in demselben halten. Nun muss ich dieses aber ernstlich bedenken; denn sonst machte ich oft lange Reisen und war an diesen gräulichen Körper wie an einer langen Kette gebunden; ich Hess ihn zappeln. Jetzt soll ich aber ganz hinein, das ganze Joch auf mich nehmen, meine Freiheit beschränken?“ Die Leiter: ,,Ja, thu es nur. Eine Stunde der Er holung und Freiheit wird dein Geist dann mehr geniessen, als jetzt. Du selbst trägst die Schuld an dem Blödsinn und an der Verunstaltung deines Körpers; diesen Frevel wirst du schwer büssen müssen. Trachte ihn wenigstens jetzt noch theilweise gut zu machen.“ Hierauf entfernte sich der Geist. Belehrung der Leiter: „Ihr saht, dass der Geist nun den Weg in die Or gane schwer findet; er scheut sich selbst vor dem durch ihn entstellten Körper; er hat nicht die Kraft, dem Gesetze zu folgen, und derotirt fortwährend, was ihm künftig grosse Schmerzen bringt.“ Es verstrichen drei Jahre, und das Medium hörte nichts mehr von diesem Kinde, bis sich ihr ganz spontan den 25. Januar 1870 der Geist desselben äusserte. Der Geist: „Erinnert ihr euch an die Bäuerin N. NX Ich bin der Geist des leblosen Fleischklumpens, das sie ihr Kind nannte. Ich habe diese drei letzten Jahre furchtbar gelitten. Als ich dir hier in diesem Zimmer zuletzt schrieb, da ging es mir noch gut — aber dann! Meine fürchterliche arme Mutter war dumm genug, aus Faulheit nicht mehr zu dir zu kommen. Daher scheint es, dass mein Fleischklumpen an Lebensfähigkeit immer mehr abnahm. Ich kümmerte mich nicht viel um den selben. — Plötzlich spürte ich — (der Geist) ein Schnüren, ein Anziehen, ein Hineinzwängen in Etwas; ich fühlte einen grossen Kampf und Krampf, ich weiss nicht wie lange; es dünkt mir jetzt noch eine Ewigkeit. Ich war in den Körper eingepresst und eingeschnürt, umgeben von lebensunfähigen Organen, von Nerven, die wie Knoten zusammen gezogen waren. Es waren Schmerzen, Leiden, — 165 - Krämpfe, die mein Geist in den Organen fühlte, bis ich endlich die geistige Besinnung verlor. Das muss ein langer Todeskampf gewesen sein. Endlich erwachte ich, zwar noch etwas betäubt und duselig. Mein Erstes war, meinen immer geduldigen, geliebten Schutzgeist anzu rufen. Ich bat ihn nun inständigst, sich meiner durch Rath und That zu erbarmen; er sprach: „Nun hast du die Strafe für deine frühere Unbeugsamkeit erlitten. Der arme, verkrüppelte Körper wurde durch das fort währende Entziehen des Geistes organisch aufgelöst; je mehr er sich auflöste, desto mehr zog das fluidische Lebensband den Geist an sich. Zu dem Prozesse des Todes musste eine Concentration der Kräfte erfolgen, weshalb dei’ Geist in diese allgemeine Decomposition hinein gezogen wurde, um sie aufzulösen. Du warst drei Wochen in dem Zustand einer furchtbaren Agonie. Dies sind die Schmerzen und Krämpfe, die du fühltest und deren du dich noch erinnerst. Endlich war das fluidische Lebensband zerrissen, dein Körper in Verwesung, dein Geist betäubt und erschöpft. So lagst du da, als Geist ich übernahm deine Pflege. Du musst nun das Schreck liche deiner früheren That einsehen. Für dich gibt es keinen geistigen Fortschritt ohne grosse Demüthigung, thue es, bitte Gott um Verzeihung.“ — So sprach mein Schutzgeist vor etwa drei Monaten; ich lerne nun, ob zwar es mir viel Mühe kostet, denn ich habe einen un überwindlichen Leichtsinn.“ Belehrung der Leiter: „Ihr hört, das Kind ist todt, der Geist befreit, und verharrt trotz allen seinen Leiden im alten Leichtsinn. Es ist nicht so leicht, eingebürgerte Fehler abzulegen. Wenn die gesetzliche Zeit der Einverleibung für diesen Geist da ist, wird er wiederum unter denselben irdisch niederen Verhältnissen einverleibt.“ - 166 - Siebentes Kapitel. Kur des 16jälirig-cn Mädchens F. vom Starrkrampf. (Ursache Geist Job.) Am 20. Juni 1866 kam ein Israelit mit seiner Nichte zum Medium, dasselbe bittend, sie zu heilen. Das Mädchen litt seit ihrem 7. Jahre an wiederholten Erstarrungen des ganzen Körpers. Sie hatte keine Krämpfe oder Zuckungen, aber sie wurde plötzlich inmitten des Spiel’s oder anderer Beschäftigung ganz starr; alle Muskeln waren unbeweglich, das Auge regungslos, man konnte sie rütteln und rufen, sie gab kein Lebenszeichen von sich. Ihre Gesichtsfarbe war während dem geröthet, die Hände kalt. Ob sie nun stand, ging oder sass, wenn es über sie in was immer für einer Stellung kam, so erstarrte sie in derselben. Während dieser Erstarrung hatte sie keine Besinnung oder Erinnerung; sie wusste nicht, was man ihr während dem sagte. Den Augenblick vor dieser Erstarrung hatte sie keine Ahnung, dass es über sie kommen würde; wenn sie aber wieder zu sich kam, wusste sie es, dass sie den Anfall gehabt habe. Diese Erstarrung dauerte 5—10, auch 15 Minuten; der Anfall kam öfters des Tag’s vor und sie hatte selten einen freien Tag. Dieses nun 16 Jahr alte Mädchen .litt, wie gesagt, seit ihrem 7. Jahr, also volle 9 Jahre an dieser Krankheit. Natürlich hatten ihre Eltern in dieser langen Zeit alle möglichen Heilversuche angestellt. Nie jedoch zeigte sich dieser Anfall vor einem Arzt oder vor den Personen, die sie heilen wollten; dieses versetzte die Mutter und das Mädchen selbst in grosse Traurigkeit, weil sie darin das Hinderniss der Heilung suchten und meinten, dass das Kind sich in einer bösen Zaubergewalt . befände. Das Mädchen sah sonst blühend und gesund aus, war vernünftig und zeigte keine Störung in der Entwicklung ihrer Intelligenz. — 167 — Ueber diesen Fall schrieben die geistigen Leiter Folgendes: — „Dieses Mädchen ist organisch gesund; nur ihr Nervensystem und ihre ganze Person ist von einem dicken erstarrenden Fluid umgeben, das von einem Gegensatz-Geiste herrührt, welcher das Mädchen magnetisirt. Er thut es nie vor Denjenigen, die das Mädchen heilen wollen, damit sie den Fall nicht sehen. Diese Heilung wird jahrelang dauern. Erstens ist der zu bekehrende Geist, Job genannt, einer der hartnäckigsten und hochmüthigsten. Zweitens müssen diese Gegensatz- Fluide, von welchen das Nervensystem und der ganze Körper des Mädchens, durch die jahrelange Magnetisation des Gegensatz-Geistes, durchdrungen und wie getränkt sind, aufgesogen und entfernt werden. Ihre Heilung wäre eine raschere, wenn du sie täglich ein Jahr lang selbst magnetisiren könntest. Da dies nun nicht sein kann, werden wir ihr entsprechende, aufsaugende, homöo pathische Antidota eingeben. Magnetisire sie jetzt, und rufe dann den Geist Job an.“ Das Medium that ersteres und F. fühlte schon eine Erleichterung. Da das Mädchen sehr weit vom Medium wohnte und die Reise für dasselbe immer eine kostspielige war, ging die ganze Behandlung desselben durch schrift lichen Verkehr. Es erfolgte noch an demselben Tage die Anrufung des Geistes Job. — Job: „Ich staune, wer mich ruft? Störet mich nicht in meiner’ wissenschaftlichen Studie, die ich an F. mache.“ Der Bleistift ging hierauf sehr unruhig hin und her, das Medium fühlte ihre Hand wie in dicke Fluide gehüllt. Die Leiter: „Die grösste Wissenschaft ist, Gott zu lieben; das köstlichste Gut ist, beten zu können. Kannst du das?“ Darauf schrieb Job heftig mit allerlei häss lichen Strichen: — „Nein. Ich habe grosse Zornes- anfälle; sie könnten euch erschrecken; ein alter’ Denker wie ich hat schon Alles ergründet, durchdacht. Ich muss bei F. sein, denn similia similibus. Die Gleichheit der — 168 - Ströme hält mich in Umkreis ihres Blutes und Körpers. Der thierische Magnetismus hat für euch noch unerschöpfte Kräfte, die ich an F prohire his in die ärgsten Compli- cationen, welche den tiefsten Denker irre machen könnten. Mein Wille lässt ihren Geist aus dem Körper treten; ich sehe dann die Fleischmasse starr vor mir, ich locke sie heraus, sie muss mir folgen, wohin ich will; das ist die Macht der Magie; Alles ist Magie, Gott ist die Ur- magie — durch sie regiert Er, weil er die Kraft des Concentrirens hat. Er ist eine Fiction, denn er ist ja nur eine Urkraft, und eine Kraft ist keine Person. Diese Kraft kann man sich aneignen durch Forschungen und Studien, diese Kraft will ich ergründen. F. ist mir ein gutes Material dazu. Gleichgewicht sucht Gegenge wicht, und Festigkeit fordert Denkkraft. Meine Gedanken zu verstehen, seid ihr nicht würdig; ich werfe euch nur die angenagten Knochen hin, kneifelt daran! Ich bin euer Herr!“ Die Leiter an das Medium: — „Dieser Geist war in seiner letzten Einverleibung ein Gelehrter; er be schäftigte sich sehr viel mit Magie und Naturwissenschaft; er kennt nur Naturkräfte und betet sich selbst an. Er will dem Medium durch seine Gelehrsamkeit imponiren und dasselbe einschüchtern. Was nützt ihm nun sein Stückwissen, wenn er die höchste Wissenschaft, die De muth und die Anerkennung Gottes, nicht inne hat? Er ist noch da, fraget ihn, wie er sich jetzt befinde, ob er sich nicht oft vereinsamt fühle?“ Job-. „Ich? o nein! Ein Denker ist niemals einsam. Ich bin mir selbst genug. Dioffenes — sehnte er sich vielleicht nach Gesellschaft?“ Das Medium: „Warum brauchst du also F.?“ Job; „Zu meinen Studien und Proben.“ Das Medium: „Und wenn sie stirbt, was dann?“ Job; „Dafür sorge ich schon — sie stirbt nicht. Ich kenne das Gesetz des Todes — ich beherrsche es. Auch ich lebe ja, habe mich nur durch die Magie un sichtbar gemacht!“ — 169 — Belehrung der Leiter: „Es ist der Hochmuth, welcher diesen Geist Alles auf magischem Wege erklären lässt. Ei- gesteht sich seinen eigenen Tod nicht ein und will vor euch als Gelehrter und furchtharer Magier gross- thun; seine Bekehrung wird eine schwere sein.“ Am 21. Juni 1866 sagten die geistigen Leiter: — „Wii- reden mit dir Job, merke auf! Wir sind die Ge sandten Gottes, seine demüthigen Diener. Alle Regungen deines Geistes sind uns klar durch die Kraft des Herrn, die in uns wohnt. Unterwirf dich mit deinen armseligen Wissenschaften Gott, dem allerhöchsten Geiste. Lass ab von deinen freventlichen Versuchen an F, welche da runter leidet und krank ist. Seit neun Jahren verfolgst du sie mit deinem Blick, und reissest sie aus aller Be schäftigung heraus. Du begehst einen Frevel an dem Geiste dieses Kindes! Gottes Macht steht über dir; gib Acht, dass du dir nicht Seine Strafe zuziehst, denn du wirst dann furchtbar büssen.“ Job: „Ich rede jetzt, der Magier. Ihr habt mich angerufen — o ich kenne das, es ist mir nichts Neues. Ich bin mir selbst gut genug und kenne meine Hand lungen. Ich fühle mich sehr glücklich, so wie ich bin, warum soll ich mich ändern? Ich bin ja im Stande, mich sichtbar zu machen, soll ich es thun? Wenn Gott ist, so nehme Er mir die Macht hierzu.“ Die Leiter an das Medium: „Ermahnungen wären jetzt nutzlos, Zeit- und Wortverlust. Dieser Geist möchte sich gerne in lange, sophistische Discussionen einlassen; wir beschränken uns aber, für ihn zu beten, ihn hin und her zu senden, und ihm Liebe zu zeigen.“ Am 26. Juni 1866. Nach gesprochenem Gebet er suchte das Medium den Geist Job, zu schreiben; ihre Hand wurde heftig auf dem Papier hin- und hergeführt und mehrere Bleistiftspitzen abgebrochen, so dass das Medium ermüdet den Anwesenden sagte: „Vielleicht kann er heute gar nicht schreiben?“ Hierauf schrieb es zornig: — 170 — Job: „Ich nicht können? 0 Menschenkind! wie bist du dumm und albern! Das war ja nur mein Zornesanfall; ich sagte euch ja, dass ich daran leide; jetzt ist es vorbei, ich bin wieder fidel. Der Mensch ist ein ungeschicktes Wesen. Wie konnte nur die göttliche Weisheit Menschen erfinden? Ein plumpes Ding, so ein Mensch! Ihr wollt Geist sein? Ich werde nie ein Mensch, so ein Unding, ich verachte euch! Denket an eure Entstehung, in Schmutz geboren, pfui! Ich bin ein denkender Auswuchs des Geistes. Ich habe das Gefühl des Geistes; ohne ein Mensch zu sein wie ihr, bin ich es doch, und sehe euch und eure Dummheit. Die Magie ist meine Kraft; sie zwingt euch, meinem Willen zu folgen. Erkenntniss ist meine Eigenschaft; ich fühle und empfinde das Boden lose; es ist für mich Festigkeit. Es kömmt der Geist vom Geist getrieben, und schmeckt das Süsse des Noch- niedagewesenen. Das Band wird zur Wahrheit, das Licht des Ephemeren zur Thatsache. Das Optische wird zui’ Concentration aller transcendentalen Od- und Fluid massen, das Universum zum Tempel der Helle und un aufhaltsamen Studien.“ Das Medium ermüdete und hielt inne: „Lieber Job, wir verstehen dich durchaus nicht. Du widersprichst dir fortwährend. Nachdem du neulich den Geist leugnetest, sprichst du heute immerwährend von demselben. Wie soll ich dich verstehen? Glaubst du an Gott und die Unsterblichkeit des Geistes?“ Job: „Ihr seid so schwer wie Eisen und Blei. Armes Kind! wie sollst du mich verstehen? Verstehe ich mich doch selbst oft nicht. Mein Verstand ist über den Verstand meines Geistes erhaben.“ Das Medium: „Dieser letzte Satz ist ein grosser Unsinn. Dein Verstand ist eben in deinem Geiste, er kann deshalb nicht über den Verstand deines Geistes erhaben sein.“ Job (heftig schreibend): „Unnsinn? Ja, die Narren sehen überall Narren. leh bin über solche baroque Phrasen erhaben. Die Menschen schlagen tiefe Wunden, — 171 — sie bluten aber nicht, denn die Kruste des Verstandes ist so dick wie eine Elephantenhaut.“ Das Medium: „Lieber Job, trotz deiner Gelehrsamkeit thust du mir von Herzen leid. Du erscheinst mir über spannt, höchst unklar und unglücklich. Gib dir keine Mühe, und rede nur einfach mit uns, sage dir öfters folgenden kurzen Satz: „0 Gott, sei mir armen Sünder gnädig.“ — Am 2. Juli 1866. Job (zum Medium): Mache dich bereit, mir zu folgen, du armes Erdendgeschöpf; .heute Nacht schlägt deine letzte Stunde, du stirbst.“ Das Medium: „Du sagst mir dadurch gar nichts Schreckliches, uns ist das Geisterreich weder fremd, noch schauerlich.“ Hierauf machte Job allerlei hässliche Zeichnungen und grobe Striche auf dem Papier. Die Leiter: „Dem muss abgeholfen werden, und zwar durch das Magnetisiren des Geistes, der in seinen dichten Nervengeist gehüllt ist und rechts drei Schritte vom Medium steht. Dein Gatte Ödön magnetisire diese Stelle; hättet ihr die Gabe des Sehens, so würdet ihr den Geist dort stehen sehen, und die merk würdig beruhigende Einwirkung des Magnetisirens auf denselben beobachten können. Der Magnetismus soll seine Zornesanfälle, die sich durch Electricität äussern, und die das Medium so ermüden, paralysiren. Der Mag netismus soll ferner reinigend, verdauend und auf saugend auf seinen dichten Nervengeist einwirken, wo durch er weniger schädlich auf Adelma wirken wird.“ Der Gatte des Mediums.that, wie ihm geheissen wurde; er empfand während des Magnetisirens Ueblichkeiten und einen Halskrampf; auch hatte er das Gefühl eines dicken Teiges in den Fingern, wodurch er, obzwar kein Seh medium, an der materiellen Gegenwart des Geistes nicht zweifeln konnte. Job schrieb während der Magnetisirung: „Mich heilt Niemand, ich bin der Meister.“ Am 5. Juli 1866. Nach der Anrufung des Geistes Job bewegte sich der Arm des Mediums abermals auf — 159 — Bogislav: „Ich bin es, der früh — 175 — noch viel zu thun mit mir. Hol euch der Kukuk mit euren Mitteln und Körnern für F, der sie nur schaden.“ Die Leiter: „0 Gott, erbarme dich dieses armen Geistes! Gib ihm die Erkenntniss seiner grossen Fehler. Wir flehen um Gnade für ihn durch deinen Sohn Jesum Christum. Amen.“ — Das Kügelchen Carbo carbonicum, welches wir F. sandten, sowie das Magnetisiren des Geistes Job, dessen Nervengeist dadurch minder elektrisch wird, hatten eine gute Wirkung auf die Kranke. Es gab ihr Widerstandskraft.—Leset Job Folgendes vor: ,Lieber Job, du würdest Gott wohl finden, aber du forschest und suchst falsch. Es ist ein hochmüthiger Wahn, dass du Gott von Angesicht zu Angesicht sehen willst. Dann wieder suchst du ihn in fluidischen Zusammensetzungen, in magischer Zaubergewalt, das ist Alles hochmüthiger Frevel. Gott ist das ewige Gesetz, Alles ist ihm unter- than, nur durch Demuth, Gebet, Liebe und Reinheit näherst du dich Ihm und lernst Ihn erkennen. Du hast den Weg zu Ihm verfehlt; desshalb bitten wir dich, höre auf unsere Worte, gib deine hochmüthige Selbst herrschaft auf und rufe in aller Demuth: ,Gott sei mir armen Sünder gnädig!“1 Am 4. August 1866 verordneten die Leiter F ein Korn Carbo Vegetabilis, welches das Medium ihr sandte. Nach vielem zornigen Hin- und Her-Zeichnen und Drohun gen schrieb Job, jedenfalls endlich erweicht durch ein langes Gebet, welches die Leiter für ihn schrieben: „Gott Vater, erbarme dich F.’s.“ Hierüber äusserten sich die Leiter, wie folgt: * „Freut euch über diese paar Worte, welche Job in aller Ruhe schrieb. Ihr wisset es nicht, welche Ueber- windung sie ihm kosteten; das Schreiben dieses kurzen Gebetes war für ihn ein grosser geistiger Kampf. Von heute an könnt ihr auf seine Besserung rechnen. „Der kranken F. geht es in so fern besser, als nun die Krämpfe unordentlich kommen; Job verliert oft das Gleichgewicht, während dem sich •der Organismus der Kranken stärkt.“ — 176 — Abermals wurden diese Worte der Leiter durch einen Brief F.’s bestätigt. Sie schrieb am 3. August 1866, welchen Brief das Medium am 6. d. M. erhielt, Folgendes: „Ich kann Ihnen die erfreuliche Nachricht geben, dass es mir viel besser geht. Ich war eine ganze Woche gesund, was seit Jahren nicht der Fall war, und hatte seit meinem letzten Schreiben vom Monat Juli diese Krankheit nur viermal.“ Den 17. August schrieb Job: „Ich habe alle Tage das kurze Gebet wiederholt und mich fern gehalten von F., und bin erstaunt über die Wirkung. Seitdem ich bete, wird sie gesund! Merkwürdig! das hätte ich nie geglaubt. Also ist Gott? Hat er mein Gebet gehört? Ich bete wieder: — ,Gott befreie F. von den Krämpfen. Erhöre die Stimme des Propheten Job!1“ Belehrung der Leiter: „Obzwar’ Job nicht auf die gehörige demüthige Art betet und F.’s Besserung wieder seiner Person allein zuschreibt, so ist es doch ein Fort schritt. Er will Gott erproben und enthält sich dabei eines jeden Einflusses über F, um die Wirkung seines Gebetes zu prüfen. Dadurch können wir nun F. alle Tage frei magnetisiren und sind die Werkzeuge Gottes für ihre Gesundheit.“ Am 18. August 1866 erhielt das Medium einen sehr erfreulicher, und dankbaren Brief F.’s, in welchem ihr dieselbe mittheilt, dass sie seit dem 7. August gar keinen Anfall gehabt habe und sich bedeutend wohler und stärker fühle. Am 24. August, nachdem Job sich mehrere Tage hindurch nicht geäussert hatte, frug ihn das Medium: — „Wir bitten dich, lieber Job! uns zu sagen, ob du unsere Gebete für dich fühlst, und ob du selbst fort fährst zu beten?“ Job: „Ja wohl! O mein Gott, wie gut geht es mir doch, seitdem ich zuletzt hier schrieb. Ja, mir that der Magnetismus sehr gut; ich habe seitdem keine solche Zornesanfalle mehr. F. hat viel weniger Krämpfe, ich — 177 — bete täglich für sie einigemal. Trotzdem verfalle ich noch in die alten Fehler, meine Macht an ihr zu ver suchen. Ich werde euch bald meine Geschichte erzählen. Fahret nur fort, für mich zu beten; es thut mir wohl, dass Jemand an mich denkt.“ Die Leiter: „Vertrauet auf Gott; fahret nur fort Ihn anzurufen; wir wollen Job’s nicht vergessen.“ x Den 29. August 1866 verordneten die Leiter F. ein Korn Variolin. Am 2. September spricht Job: „Ich bin da. F. geht es gut. Ich bete: ,Mein Gott, mache F. gesund und erhöre mich!‘ Auf diese Art heile ich F. selbst. Ich habe mich selbst geändert und bekehrt, nicht etwa Ihr.“ Die Leiter: „Wir wissen es recht gut, dass wir nichts könnten ohne Gottes Hülfe und ohne deinen eigenen guten Willen. Wir schrieben F.’s Besserung und deine Sinnesänderung nicht uns. sondern Gottes Gnade zu.“ Job: „Ja, Er aber half mir nicht aus freien Stücken, ich betete für F. aus freiem Willen.“ Die Leiter: „Du armseliges Geschöpf, willst du dich wieder über den Schöpfer erheben? Dem Sünder ge ziemt Demuth. Eine unendliche Gnade Gottes ist es, dass Er deine bittende Stimme jetzt noch erhört.“ Job: „Ja, Adieu! doch ehe ich gehe, magnetisire mich.“ Der Gemahl des Mediums that es. Job: „Das war gut. Nun sag’ ich es: Ich bin auf keinem hohen Standpunkt. Ich begann zu beten, nur um Gott zu probiren, zu fangen. Wenn Er mich erhört, so muss Er sein, aber wo?“ Die Leiter: „Da musst du, lieber Freund! noch lange suchen und dich zuerst bessern, nicht aber blos Proben an F. anstellen. Nm- durch Reue und Einsicht deiner Geringfügigkeit gelangst du in höhere Geister sphären, wo du immer mehr Arbeit findest und immer mehr einsehen wirst, wie viel dir noch fehlt und wie weit du noch von Gott entfernt bist.“ Job: „Es ist schwer, sich selbst aufzugeben.“ — 178 — Die Leiter; „Du sollst dich ändern. Du hörst die Stimme dieses reinen, guten Geistes, der dich belehren will; folge dieser Stimme, sie ist kein Wahn.“ Job: „Also komme, Geist! Obzwar es mir unheim- lich ist, einer Stimme zu folgen, deren Ursache ich nicht kenne, so will ich es diesmal doch versuchen.“ Den 4. September schrieb F dem Medium, dass sie einen Anfall gehabt habe. Es wurde hierauf Job ange rufen und ihm Vorstellungen gemacht. Job: „Beruhigt euch, ich will/1, von nun an wirklich in Ruhe lassen. Auch jetzt habe ich mich ihr kaum genähert.“ Die Leiter: „Du siehst aber, dass ihr sogar das geschadet hat. Komm und schliesse dich unserem Gebete für alle kranken Geister und Menschen, die hier in der Kur sind, an.“ Gebet der Leiter: „Vater des All’s! Sende uns Deine Gnade, Hülfe und Heilung für unsere Kranken! Wir empfehlen sie Alle Deiner väterlichen Liebe. Herr, lasse Dir unser Gebet wohlgefallen; sende uns Deinen Segen, Deine Erleuchtung, Deine Kraft für die Heilung dieser kranken Menschen und Geister.“ (Hier wurden sie alle einzeln genannt.) Christus, Erlöser! Der Du die Ki-anken heilest und die Trauernden tröstest, hilf uns! Amen.“ , Am, 17. September 1866 meldet sich Job spontan: „Lange schon sehnt sich mein Herz nach einer Bespre chung mit euch. Ich will euch über F. berichten. Im Ganzen geht es ihr besser, sie hat noch Anfälle, aber schwach. Ich selbst fühle mich woliler und sehe in der Ursache der gewissen Stimme eine lichte Nebelgestalt.“ Die Leiter: „Job’s Nervengeist ist nun so weit gereinigt worden, dass er seinen Schutzgeist erblickt; so sind die Fortschritte der Geister wie das langsame Genesen der Kranken. Job’s Aussage über F. ist richtig.“ Am 24. September 1866 meldet sich Job wieder spontan: „Freut euch, mein Gebet wirkt so, dass F. schon viel wohler ist. Barmherziger Vater, mache F. gesund! — 179 — Ich sehe es ein, dass ich früher ein böses Spiel mit ihr trieb; diese Erkenntniss kam allmählig und sehr langsam. Ich komme alle Abende hierher, auch wenn du mich nicht rufst, und höre den Belehrungen und Gebeten zu. Ich gebe immer Acht, ob ihr meinen Namen in der Liste nicht auslasset.“ Ein Brief F.’s bestätigte seine Worte vollkommen; denn sie fühlte sich viel stärker, und die Anfälle kamen nur selten und kurz. Am 14. Oktober 1866 schrieb Job: „Ich habe schon lange nichts gesagt, ich schämte mich, es nur zu gestehen, dass ich in dieser Zeit drei Mal meine Kraft an F. ver sucht habe. Ich bin sehr zerknirscht, mein vieles Wissen, mein Stolz, mein Dünkel haben mich so schlecht gemacht; ich bin nicht mehr stolz, da ich einen Höheren kennen lernte, meinen Schutzgeist, der besser ist als ich, auch mehr weiss und sich dabei doch für gering erachtet. Ich schäme mich meiner früheren hässlichen Worte an euch; ich danke euch für eure guten Gebete, und bitte euch inständigst, F. zu heilen.“ Die Leiter: „Deine Worte machen uns sehr glück lich, denn sie zeigen uns, dass du Fortschritte in deiner Besserung machst; wir bitten dich, bleibe in dieser Bahn, und du wirst sehen, dass das Sichselbstdemüthigen dem Geiste einen grossen Frieden bringt.“ (An das Medium:) „Sende F. ein Korn Pulsatilla zu.“ Am 6. Decembei’ 1866 waren drei Wochen verstrichen, in welchen die Besserung der Kranken fortwährend zu nahm; auch Job äusserte sich immer ruhig und reuig. Am selben Tag äusserte sich derselbe etwas länger und zwar folgendermaassen: Job: „Ich spreche zu euch Herumstehenden. Mein Geist des Hochmuthes ist zwar gebrochen, der Stolz ist erstickt; aber was war das für ein Kampf, ihr habt keinen Begriff davon! Meine liebe F. ist nun mein Hauptgedanke, sowie alle Anderen, die ich krank machte, denn ich habe durch meine magischen Experimente nicht nur sie, sondern auch Andere gequält; Gott gebe ihnen 12* — 180 — Allen vollkommene Genesung. Als ich euch, durch Gottes Gnade, sage ich jetzt dankend, kennen lernte, war ich von Selbstgefallen und Hochmuth erfüllt. Ich dachte, Gott zu erreichen! Ich elender Wurm wollte durch den Verstand Gesetze beherrschen, weil ich einige technische Griffe kannte. Ich lockte den Geist aus F.’s Körper, den ich durch Magnetisirung in einen Starrkrampf ver setzte. Gott verzeih’ mir diesen Halbmord; schaudernd denke ich jetzt zurück an das, was hätte geschehen können. Ich wollte den Geist zersetzen, chemisch analy- siren, das Geheimniss seiner odischen Mischung ergrün den und so zur Selbstschafiung gelangen. Euere grosse Geduld, die Lehren eurer Leiter, die Art eures Wirkens hat mich überzeugt. Langsam kam die Erkenntniss meiner selbst. Ich sprach desshalb wochenlang nur kurz mit euch, da es in mir kochte und gährte; ich brauchte Ruhe zum Denken. Als gedemüthigter Geist erkenne ich nun meine niedrige Stellung im All und harre einer Einverleibung.“ Die Leiter: „Deine Worte erfüllen uns mit Dank und Jubel. Wir sind da, lieber Job! um dir nach Gottes Anordnung zu verkünden, dass der Ort und die Art deiner Einverleibung schon bereit sind. Komm und folge uns, wir wollen dich führen und leiten; nimm Ab schied von diesen Menschen, welche fortfahren werden, für dich zu beten. Wir führen dich einem Planeten zu, der moralisch und geistig über der Erde steht. Dort kannst du in demüthiger Stellung lernen und im Guten fortschreiten; dort wirst du erkennen, wie wenig du weisst und wie gering du bist; nütze die Zeit.“ Job: „Mein Gott! Ich verdiene nicht so viel Gnade. Ja, dienen will ich dir von Herzen und mit Hingebung; ich bitte euch, beendet F.’s Heilung. Gott segne euch, ihr lieben Menschen, in euren Arbeiten. Dank, Dank für eure Gebete! Ich folge dem Ruf der Höheren, meine Geringheit anerkennend!“ Belehrung der Leiter: „Seht, nun scheidet dieser Geist von euch. Wir führen ihn nach der Ordnung des — 181 — Gesetzes auf einen Planeten, wo er das ihm noch Man gelnde erlernen soll. Er soll lernen, mit vollem Verstand und Wissen Gott zu dienen. Er soll sehen, wie seine Erdenwissenschaft vor der Wissenschaft der Bewohner dieser besseren Welt verschwindet, und dadurch demüthig und klein werden.“ Ein Brief F.’s vom 16. December 1866 bestätigte dem Medium deren fortschreitende Besserung. Die Leiter: „Wir werden F. von Zeit zu Zeit noch homöopathische Arznei eingeben, da ihre erschütterten Nerven an Elastizität verloren haben und, zur alten Krankheit hinheigend, desshalb gekräftigt werden müssen. Sie soll als Endkur zwei Wochen hindurch beim Medium sein, und durch dasselbe täglich magnetish't werden.“ Die Monate Januar bis Juni 1867 vergingen, ohne dass das Medium diesen Wunsch der Leiter erfüllen konnte. Dieselben sandten F. fortwährend homöopathische Arzneien zu, bis endlich F. den ganzen Monat Juni 1867 beim Medium zubrachte und durch dasselbe täglich magnetisirt wurde. Der frühere Starrsuchtsanfall zeigte sich bei F. nur noch als eine kurze, vorübergehende Schwäche oder kleine Betäubung, eine Art Schwindel, der nur eine Minute dauerte. Vom Monat Juli bis Ende des Jahres 1867 erhielt F. fortwährend, aber in sehr geringen Dosen (so zum beispiel nur ein Korn auf drei Wochen), homöopathische Mittel. Sie litt gar nicht mehr an dem früheren Krampf, nur noch an Schwindel und Blutwallung. Dieses bestätigt der hier folgende Brief F.’s, der getreu wiedergegeben ist: „Hochgeborne Frau Gräfin! „Mit gerührtem Herzen und dem innigsten Gefühle der Dankbarkeit lasse ich diese Zeilen an Ew. Hochgeb. ergehen. Meine Feder ist zu schwach, um das auszu drücken, was mein Herz empfindet, der Raum zu klein, um die Pflicht meiner Dankbarkeit hier darzustellen. Ein Engel hat mich aus der Gewalt eines betäubenden Zaubers gerettet. Ich kann nur täglich den lieben, allgü tigen Vater aus tiefstem Herzen andächtig anflehen, Ihnen — 182 — - Kraft und Gesundheit zu verleihen, um auch weiterhin ungehindert das menschliche Leben aus heilsamen Quellen von Krankheiten befreien zu können.“ „F.“ Zu bemerken ist hier, dass das Medium weder F., noch ihren Verwandten je ein Wort über die Art ihrer Krankheit oder die geistigen Heilarten gesagt hatte. Bezeichnend ist es, dass F. diese betäubende Zauberge walt, wie sie ihren Zustand nennt, früher empfand und sich nun davon befreit fühlt. Im Monat Juli des Jahres 1868 nahm das Medium F. auf drei Wochen zu sich, um sie zu beobachten und sich von ihrer vollkommenen Heilung zu überzeugen. F. hatte in der ganzen Zeit gar keinen Anfall mehr, war munter und wohl. Nach ihrer Rückkehr zu Haus, schrieb ihre Mutter dem Medium, sich abermals für F's vollständige Heilung bedankend. Achtes Kapitel. Kur der Frau D. an Herzkrämpfen. (Ursache Geist Marie.') Den 10. April 1866 suchte eine Frau Hülfe beim Medium gegen Herzkrämpfe; sie litt schon seit Jahren an denselben; kein Arzt konnte sie hiervon befreien. Die Krämpfe waren sehr heftig und beängstigend. Die Leiter, hierüber befragt, schrieben Folgendes: „Dieses Uebel wird bald gehoben, da es keinen organischen Fehler zum Grunde hat, es ist ein durch den äusseren beängstigenden Eindruck eines unglücklichen Geistes gestörter Blutumlauf; die Fluide dieses Geistes wirken auf die Nerven, auf den Blutumlauf der Frau lähmend ein, was durch die Hauptherz-Ader oder Aorta eine Stockung, einen Krampf verursacht. Magnetisire die Frau. Gib ihr 9 Korn Pulsatilla, die in 33 Tagen einzunehmen sind, mit und hänge ihr zur Erweckung des Glaubens und zur Warnung für den Geist ein Amulet mit folgenden Worten um den Hals; — 183 — - 210 — tragen und täglich selbst für ihn beten. K. nehme alle Tage 9 Korn Pulsatilla ein,, als Nachhülfe zu ihrer 'Heilung, damit ihr Herz ganz befreit werde von den Nachwirkungen des erlittenen fluidischen Einflusses.“ Als das Medium den Geist angerufen hatte, über fiel sie eine grosse Kälte, so dass sie sich kaum erwärmen konnte. Die geistigen Leiter erklärten dies auf folgende Art: „Dieser Geist ist von sehr kalten Oden und Fluiden umgeben. In seinem Nervengeiste ist fast gar kein er wärmender Magnetismus; er besteht meist aus Electricität, die in diesem Falle lauwidrig, unangenehm, kühl auf das Medium, und schmerzerregend auf K. einwirkt. Der Geist selbst leidet physisch, das heizt nerwengeistig; es sind dies die Folgen seines früheren Lebens, die nur durch seine Besserung gehoben werden können.“ Läszlö spricht: „Mir ist kalt, ich will Kleider haben, trocknet mich ab.“ Anmerkung der’ Leiter: „Ihr seht, er fühlt fluidisch seine geistige Nacktheit und Armuth, die Folgen seines Unglaubens, seines gewaltsamen Todes. Dieses sind die Schmerzen der Hölle, von welchen Christus spricht.“ Zum Geiste: „Wir sagen dir, lieber Geist, erwärme dich an der Liebe Gottes und rufe seine Hülfe an.“ Läszlö: „Gott hilft mir nicht. Ja, ich bin der nagende Schmerz, welcher K. im Herzen sitzt. Die Elende! Ich nage sie zu Tode! Ha! wie gut ist die Rache! Schon 30 Jahre rufe ich das aus, und nage an ihr. Nein, ich habe dich nicht verlassen; mein Liebchen, ich bin bei dir, du fühlst es, nicht wahr? — Ich bin von Liebe ge plagt, ich muss an ihr zehren und saugen, muss befriedigt werden. Obzwar ich meinen Gefühlen freien Lauf lasse, bin ich doch so unglücklich und friere so. Den auslän dischen Herrn, dem sie nach meinem Tude angehören wollte, habe ich zum Tode geführt; ha! ha! die Treu lose, sie musste eine alte Jungfer bleiben!“ Die Leiter: „Hierin liegt die Erklärung langanhal tender Leiden, die allen Heilmitteln trotzen.“ — 211 — Das Medium: „Höre auf, du unglücklicher, armer Geist! Deine Worte thun mir weh, du selbst thust mir leid. Wenn dir das Aussprechen Erleichterung verschafft, so komme nur täglich hierher, ich will dich zu trösten trachten. Rufe Gott, die unendliche Güte an, wenn du dich so unglücklich fühlst, und lasse ab von K.a Läszlö: „Ist Gott wirklich so gut? An meinen Schmerzen habe ich es nicht gefühlt.“ Das Medium: „An deinen Schmerzen bist du selbst Schuld; Gott ist unendlich barmherzig, dass er dir keine grössere Strafe für deinen Unglauben und deinen Zorn auferlegte. Er ist wahrhaftig ein gütiger Vater.“ Läszlö: „Was soll ich denn thun?“ Medium: „Hauptsache ist, dass du dich freiwillig von K. trennst, sie ungestört und ruhig ihr Leben be schliessen lässt. Willst du deine Rachepläne zur Errei chung deiner eigenen Ruhe und Zufriedenheit aufgeben?“ Läszlö'. „Ja, wenn ihr öfters mit mir sprechet; denn ich bin wahrhaftig furchtbar unglücklich und friere sehr; ihr tröstet und erwärmet mich!“ Am 19. Februar 1867 schrieb das Medium: „Lieber Geist Läszlö, hörst du unsere täglichen Gebete für dich? Willst du mit uns reden?“ Läszlö'. „O, ja! Ich danke euch; ich fühle, dass etwas in mir vorgeht. Ich kann noch schwer von K. Weggehen, doch wird mir selbst leichter, wenn ich sie verlasse.“ Medium: „Nimm all deine Kraft zusammen und verlasse sie ganz. Du siehst doch deinen Schutzgeist, dir von Gott gesandt, seit deinem letzten Gebete; nun so folge ihm.“ Läszlö-. „Das ist wahr, dass ich auf dein Zureden anfing zu beten, und da ist mir ein herrlich schöner Geist erschienen, der mich tröstete und ermahnte. Nun, ich will wieder beten und ihm folgen.“ Den 24. Februar 1867 schrieben die Leiter: „Es ist eine grosse Aenderung in Läszlö’s geistigem Zustand ein- 14* — 212 — getreten, was auch eine ihm angenehme Umwandlung seines Nervengeistes herbeiführte.“ Das Medium fühlte dieses wirklich und bestätigte es als Wahrheit, indem sie während des Schreibens mit Läszlö nicht mehr fror. Die Leiter; „In dem Grade, als das Medium das unangenehme Gefühl während des Schreibens mit Läszlö verliert, in dem Grade mindern sich auch bei K. die Herzschmerzen, da Läszlö, seinem Schutzgeiste folgend, sich entschloss, sie auf längere Zeit zu verlassen.“ Auch dieses bestätigte sich durch Nachrichten von IL, die sich wohler zu fühlen begann. Das Medium sprach ihre Freude aus über Läszlö’s Besserung, worauf er ihr Folgendes schrieb: „Meine theurö Freundin! „Du hast mich aus der Hölle gerettet, indem du mir den guten Weg zeigtest. Das Ziel meines Lebens ist, mich zu bessern, um mit K. einmal vereinigt zu werden. Mein Schutzgeist zeigte mir den Weg, dieses zu erreichen. Ich soll K. auf lange Zeit verlassen; so lange sie auf Erden lebt, darf ich mich ihr nicht nähern, und damit mir dieses leichter werde, gestattet mir Gott, dass ich auf einer anderen Erde Mensch werde. Dieses hat mir mein Schutzgeist eröffnet, es wird mir furchtbar schwer, ihm zu folgen; doch bin ich fest entschlossen, diesen Augenblick der Gnade Gottes zu benützen; denn nur nicht mehr frieren, hungern, jammern und so unglück lich sein, wie ich es bin! Die Möglichkeit, wieder ein Mensch zu werden, macht mich glücklich.“ Die Leiter: „Bleibestandhaft! Nimm die dargebotene Einverleibung, welche eine wohlthätigc Sühne sein soll, dankbarst an. Durch ein Leben des Kampfes, dex* Sorge und der Mühe wirst du ordentlich beten und glauben lernen. Mittlerweile beschliesst K. ihr Erdenleben, ge bessert und rein tritt ihr dann dein Geist entgegen. Nur auf diese Art kannst du auf eine Vereinigung mit ilir hoffen.“ Am 3. April 1867. Es kamen fortwährende befrie- — 213 — digende Nachrichten über das Befinden der Kranken; sie behauptete, ihre Herzschmerzen ganz verloren zu haben, und war sehr glücklich und dankbar darüber. Läszlö schrieb spontan Folgendes: „Meine Theuren Heute werde ich einverleibt in einer Bewohnerin des Planeten Mars, um als armer Bewohner dieser Welt standhaft die Lorbeeren der Liebe und Entsagung zu erobern. Gott segne euch! Gott segne K.l“ Die Leiter: „Lieber Geist, unsere Gebete und guten Wünsche begleiten dich; wir werden fortwährend an dich denken und dir helfen, so oft wir können.“ (ZumMedium:) „Sehet, dieses ist die Beendigung dieser Kur. K. wird gänzlich genesen, undZ&z/o wird sein Wort treu halten, und wird ein Bewohner des Planeten Mars werden; morgen schon ist er ein verleibt, um nach erlf Monaten den Verhältnissen dieses Planeten gemäss dort das Tages licht zu erblicken.“ » Im Laufe desselben Monats erhielt das Medium ein Schreiben von Fräulein v. K., in welchem sie sich für ganz geheilt erklärte. Vierzehntes Kapitel. Kur der Gräfin H. von Melancholie und Beängstigungen. (Ursache Geist Karl.) a Gräfin II. wandte sich Anfang April 1867 schriftlich an das ihr unbekannte Medium und bat dieses, sie von folgendem Uebel zu befreien, an welchem die Kunst ihres Hausarztes scheiterte. Es beschlich sie nämlich seit einiger Zeit eine un überwindliche Melancholie, Nervösität und Appetitlosig keit; hiebei konnte sie gar nichts verdauen, was eine fortwährende Dissenterie zur Folge hatte. Ihr Sohn schilderte den Zustand seiner Mutter als einen sehr jämmerlichen und beängstigenden. — 214 — Die geistigen Leiter des Mediums schrieben hierüber Folgendes: „H.’s Ueblichkeiten, Schwermuth und nervöse Auf regung sind eine Folge der fortwährenden fluidischen Nähe des Geistes eines ihrer jüngst verstorbenen Be kannten; ihr Uebel ist zwar noch kein bedeutendes, doch könnte sich hieraus ein sehr bedeutendes chronisches Magenübel bilden. Wenn sie uns folgt, so wird sie ge heilt. Der Geist Karl war einst ihr stiller Bewunderer; sie haben so manch weltliches Wort zusammen gewech selt und getändelt, wie die Menschen sagen. Ihr seht, „ dass eine jede Handlung, ein jedes Wort des Menschen seine zukünftigen geistigen Folgen hat. Dieser Geist ist nicht bös, er ist aber sehr weltlich und leicht gesinnt; ihiv werdet keine schwere Arbeit mit ihm haben. — H.’s jüngste Tochter lege täglich ihre Hand auf die Herz grube ihrer Mutter, die andere Hand auf die Stirn der selben , und bitte Gott andächtig um Seine Kraft und Hülfe. — Dann magnetisire sie ihrer Mutter ein Glas Wasser und gebe sodann drei Korn Cannabis hinein. Dieses soll drei Wochen hindurch geschehen, während welcher Zeit H. gar kein Fleisch essen darf. Auf diese Art wird der Schaden, den die elektrischen Fluide des Geistes K. angerichtet haben, geheilt. Ihn selbst versuchet durch Anrufung zu bekehren.“ Der Geist Karl äusserte sich sogleich, das Medium jedoch empfand, während er schrieb, starke Ueblichkeiten und Bauchgrimmen, welche die Folgen der fluidischen Assimilation mit diesem Geiste waren. Karl: „Ich werde gerufen, und bin da. Fürchten Sie sich nicht, schöne Gräfin, ich bin sehr unschuldig. 0! warum diese Ueblichkeiten? Ich bin doch nicht Schuld daran? Sie sind ganz wie die Gräfin H., voller Magen übel!“ Die Leiter: „Du siehst, lieber Karl, dass das Medium medianimisch schreibt; diese Dinge sind dir nicht fremd, denn du hörtest viel davon in deinem letzten Erdenleben. Du staunst über die Ueblichkeiten des Mediums und H.’s — 215 — — nun, sie sind Folge deiner fluidischen Nähe, da du, dich selbst unwohl und unheimlich fühlend, dieselben Wirkungen mit dir bringst. Trachte, dich von der Erde zu trennen, und wende dich von den Menschen ab, den Geistern zu.“ Anmerkung der Leiter: „Der Geist trägt in seinen Fluiden erweichende, auflösende Theile, welche in der magnetischen Assimilation dieselben Wirkungen beim Medium wie bei der Gräfin ff. hervorbrachten; so seht ihr, ist der Nerven geist eines jeden Geistes, seiner Individualität nach, chemisch, fluidisch anders geartet.“ Karl: „Es ist schon wahr, es geht mir infam. Ich war in jüngeren Jahren so intim mit Gräfin ff., dass ich sie nun nicht verlassen kann. Glauben Sie, schöne Gräfin, dass die Intimitäten mit dem Tode aufhören? Gott be wahre ! Ich bin froh, der Gräfin ff. meine Nähe fühlbar machen zu können.“ Die Leiter: „Lieber Freund! denke an Gott und an das ewige Leben. Genug dieser Narrheiten! Blicke auf deine vielen vertändelten Einverleibungen zurück; schau derst du nicht über deinen Leichtsinn? Versuche zu beten!“ Karl: „Beten? Das nützt nicht viel. O, jetzt erst bemerke ich, dass Sie magnetisch schreiben! nun sehe ich das, was ich im Leben manchem Medium nicht glauben wollte. 0, es ist sehr interessant! Ich äussere mich, und Sie schreiben es mechanisch nieder.“ Die Leiter: „Ja, lieber Freund! Du siehst, wir be schäftigen uns sehr ernsthaft, und treiben keine Spielerei mit diesen Dingen. Wir wollen jetzt, wie gewöhnlich, ' für alle uns anempfohlene Geister, und auch für dich beteu.“ (Hier folgte das allgemeine Gebet für die behelfe-dürftigen Geister.) Karl: „Ja, das ist sehr schön, aber ich kann mir nicht helfen, ich muss lachen! Es kommt mir so unwill kürlich, schlechte Witze darüber zu machen! Ihr seid gar so reine und unschuldige Engel! 0, wie ich gähnen muss! Es ist interessant, aber langweilig, wie in einer — 216 — Kirche! Ja, jetzt fällt es mir ein, warum dutzen Sie mich, liebe Gräfin? 0, es ist zu amüsant; sind wir beide denn Schäker? Ich gehe zur Gräfin fl. und lese aus ihrem Innersten alle Stadtneuigkeiten. Ich lebe in der Erinnerung meiner Jugendjahre.“ Die Leiter: „Denke lieber an deine Zukunft, und sei ernsthaft. Um glücklicher zu werden, darfst du nur ernstlich wollen; reine Geister helfen dir dann. Entferne dich von H.l. Karl: „Das kann ich nicht, sie ist zu himmlisch.“ 'Die Leiter: „Also trachte wenigstens, zu beten und zu sagen: ,Gott verzeih mir meine Fehler!'“ Kati: „Ja, ja! Doch für jetzt Adieu! ich muss fort.“ Die Leiter: „Wohin willst du?“ Karl: „Zur Gräfin H.‘; Die Leiter: „Lasse sie doch in Ruhe; sie ist ja nicht dein Himmel und deine Zukunft. Blicke in’s Un endliche! Siehe, diese Millionen Geister, die sich im Raum bewegen wie Johanniswürmchen in einer Sommer nacht! Trachte uns zu folgen, und du wirst eingehen in dies Leben des Lichtes.“ Karl: „Ich kqnn nichts mehr sagen, gute Nacht!“ Am 4. April 1867. Nach Eröffnung der allabendlichen Arbeit und des Gebetes für alle zu bekehrenden Geister, schrieb Geist Karl von selbst. Karl: „Ich bin auch da. Ich weine heisse Thränen der Rührung ob eurer liebevollen Worte für uns Alle. 0, ich verspreche euch, nicht mehr zur Gräfin K. zurück zu kehren. Ich will mich wirklich den guten Geistern zuwenden. Könnte ich nur ein geistiges Bad nehmen, um all den Seelen-Schlamm, dei’ an mir- haftet, wegzuwaschen.“ Die Leiter: „Lieber Freund, komm zu uns, folge uns. Zittere nicht, habe keine Angst, diese Erde zu verlassen. Dieser heutige Tag sei dir der wirkliche Tod, das Absterben alles Materiellen! Du musst dem absterben wollen, um ein freier Geist zu werden. Komm, lieber Freund, lass deinen verwesten Körper, die Erinnerung — 217 — an materielle Genüsse auf Erden; trenne dich vom Menschlichen, fürchte dich nicht vor dem Geistigen: es hat nichts Furchtbares in sich und soll dir nur Ruhe und Frieden bringen. Komm, bete, und du wirst die Wohlthaten dieses geistigen Bades, nach welchem du selbst ein Bedürfniss fühlst, bald empfinden.“ Karl: „Gut, gut, ich will kommen; lasset mir noch Zeit bis morgen, ich muss mich erst vorbereiten.“ Am 6. April 1867 manifestirt sich Karl spontan: „Ich bin schon wieder da; ich habe es versucht, mich durch Gebet und ernste Gedanken moralisch zu waschen, und es hat eine wunderbare Wirkung auf meinen Geist gehabt. Ein Engel führte mich, wie ich glaube, auf einen Stern, in ein Reich, wo viele solche Unglückliche sind, wie ich, das heizt Solche, die an moralischem Schmutz leiden. Sie waren grässlich anzusehen; sie waren erfüllt von sinnlichen Gedanken; ich schauderte bei ihrem Anblick Auch sah ich viele mich peinigende, unmoralische Bilder vor mir, als Folge meiner langen Sinnlichkeit und Unbussfertigkeit. Dieses gab mir einen wahren Ekel vor der Sünde und ihren Genüssen, vor mir selbst ein. Ich kam mir furchtbar befleckt vor; die Nothwendigkeit, mich rein zu waschen, stieg heftig in mir empor. 0, ihr lieben Menschen 1 wenn ihr es nur wüsstet, wie sehr die sinnlichen Genüsse eurem Geiste schaden! 0, diese Flecken! dieser Seelenschlamm! diese Lähmungen des ’ Geistes! Glaubet mir, ich gehe nie mehr zu H., denn ich verlasse die Erde, fange ein neues Leben an, trachte moralisch besser, geistig reiner zu werden, dem Rathe meines Schutzgeistes folgend.“ Die Leiter; „Gott stärke dich in deinen guten Vorsätzen! Bleibe nur standhaft, wir werden fortfahren, für dich zu beten.“ Belehrung der Leiter über Karl's Umwandlung an das Medium: „Der Geist Karl ist euch ein deutliches Beispiel von dem, was wir euch schon oft sagten, dass nämlich die kleinste Handlung des Menschen, ein Wort, ein Blick seine geistigen Folgen hat. Die Bilder, von — 218 — denen er spricht, sind die Abdrücke, der Wiederschein vieler seiner eigenen Gedanken, Worte und Handlungen) die ihm nun peinigend vor dem Geiste schweben. — Ihr könnt ruhig sein wegen H., es geht ihr besser; bald ist sie ganz geheilt. Was den Geist Karl anbetrifft, so könnt ihr auch beruhigt sein; denn er hat die Erde ver lassen und folgt wirklich freudig seinem Schutzgeiste.“ Einige Wochen hierauf erhielt das Medium durch Gräfin H. die Bestätigung ihrer Heilung und Befreiung von allen früheren Uebeln. Fünfzehntes Kapitel. Kur des Israeliten L. von Herzkrämpfon. (Ursache Geist Hackel.) L. litt an heftigen Herzkrämpfen, zu — 237 — gänzlich ihren Verstand zu verlieren. Daher bitte ich Sie inständigst, als Medium Ihr Möglichstes zu thun. Ihrer gütigen Antwort mit Sehnsucht entgegen harrend, verbleibe ich „Ihr „ergebenster Dr. U.“ Die Leiter: „Es ist derselbe Greist Jairus, der früher E. schadete, welcher nun C., die ein typhöses Fieber hatte, schadet. Jairus ist ein armer versunkener Geist. Die Heilung C.’s besteht hauptsächlich in der Bekehrung dieses Geistes. Sie nehme keinerlei Arznei ein, Adelma schicke ihr von ihren Haaren in Seide eingenäht, dieses soll C. tragen, um in einen geistigen Rapport mit Adelma (dem Medium) zu kommen. Es ist ein grosser Hang zu Gehirnerweichung in der Kranken vorhanden; deshalb ist rasche Hülfe durch den geistigen Magnetismus Adelma’s nöthig, die täglich zu einer bestimmten Stunde für C.’s Heilung beten soll.“ Diese Verordnung sandte das Medium sogleich dem Doktor- U. zu und rief den Geist Jairus an, der sich folgendermaassen äusserte: Jairus: „Jairus, komme im Namen Gottes! So erschallt’s, und ich muss kommen, ich, der Knecht des Teufels, der Knecht des Lasters, der Verdammte, der Verdorrte, Verbrannte, Verhexte, Erdrückte, der nach Erlösung Schreiende. Doch gibt es keine Erlösung, keine Rettung, keine Hilfe, keinen Trost! Deshalb, <7., leide mit mir!“ Die Leiter: „Jairus, höre uns an, es gibt Rettung und Trost. Suche sie bei Gott im Gebete, in der Selbst-erkenntniss und Reue deiner Sünden.“ Jairus: „Redet mir nicht von Gott. Er ist nicht; es ist Etwas, doch was ist es? Eine verfolgende Macht, ein Gewissen, ein Peiniger. Sonst hätte ich doch Ge nüsse jeglicher Art, so leide ich; glaubt ihr, dass ich C. liebe oder hasse? Keines von Beiden; sie ist mir ganz gleichgültig; ich habe aber meine Freude an solchen elektrischen Streichen und Schlägen. Ich verwandle mich in den Leib C.’s, denn ich will ein Kleid haben; mich friert, oder verbrenne ich? — Ich suche Menschen, und, — 238 — sie scheuen mich. Mein Zustand ist grässlich, und doch ist er mir lieb, denn ich bin mein Herr; aber doch kann ich nicht Alles, was ich will, hauptsächlich keinen Leib bekommen. O, dieser Geist, warum lebt er? Kann man nicht ganz sterben? Ist dies Gottes Macht?“ Die Leiter: „Dein Geist ist Gottes Schöpfung, er ist ein Atom Seiner Kraft. Daher sind wir Alle Kinder Gottes, zum Fortschritt, zur Fortbildung, zur ewigen Seligkeit geschaffen. Auch du bist so eine Schöpfung Gottes; doch wo bist du hingerathen, armer Geist? Wie hast du alle G«ben, die du erhieltest, gemissbraucht; kehre um, denke nach; wir bitten Gott, dich zu erleuchten.“ Jaims: „Diese letzten Worte thun mir wohl, für heute habe ich genug.“ Belehrung der Leiter für das Medium: „Jairus ist einer der schrecklichsten Geister; er ist so tief gesunken, dass ihm die Einverleibung auf Erden fast unmöglich ist; würde er sie erzwingen, so wäre sie eine der furchtbarsten; er muss zuerst in niederen Welten grosse Fehltritte abbüssen; doch kann er sich nicht entschliessen, die Erde zu verlassen. — Die Wahnsinns-Anfälle C.’s sind heftige Gehirn- und Herzkrämpfe, durch den Geist Jamis erzeugt, der, wie er selbst gesteht, C/s Geist in ihrem Körper motorisch ersetzen möchte. Gute Geister kämpfen für C. und helfen ihr; dieses Alles fühlt sie fluidisch durch heftiges Fieber und allerlei Krankheits-Symptome.“ Am 4. Januar 1868 riethen die Leiter dem Medium, C.’s Geist anzurufen, denselben zu beruhigen und durch gute herzliche Worte zu kräftigen. Dieses geschah. C. äusserte sich sehr trostlos und entmuthigt, sie ging jedoch beruhigt und erleichtert zurück. Folgender Brief und das Krankheitsjournal über C. bestätigte es dem Medium, dass C. wirklich am 4. diese Erleichterung auch physisch fühlte. Doktor U.’s Brief: „Hochgeborne Frau Gräfin! „Obzwar -wir niedergeschmettert sind über die gräss lichen Feinen und Leiden meiner armen C., die am Rande — 239 — des Grabes war, so hoffen wir doch auf die Hülfe der guten Geister; und diese Hülfe ist schon da, denn C. lebt noch. Das Haar-Amulet habe ich ihr umgehängt, habe vollkommen Zuversicht zum geistigen Magnetismus, und will den Rath der Geister genau befolgen. — Ich lasse hier C.’s Krankengeschichte und Journal folgen: „Meine Tochter C., 23. Jahr alt, sonst immer gesund und heiter, wurde auf einmal vor 6 Wochen ruhig, ernsthaft, arbeitsunlustig; es zeigten sich bald Herz- und Athmungskrämpfe, welche täglich an Intensität zunahmen. Sie fing an, fixe Ideen zu zeigen, und klagte über Schmerzen in den Gliedern. Dies verzog sich bis zum 27. December 1867. Hier Anfang des Fiebersturmes mit ungeheuerem Kopfschmerz, besonders in den rechten Schläfen, Geschwulst in der rechten Wange. Im Munde das Zahnfleisch geschwollen und schmerzhaft, Zahn schmerzen in einem oberen cariösen Stockzahne. Mit der Backengeschwulst trat ein heftiger Speichelfluss ein, wie nach Merkurial - Missbrauch. Die Kopfschmerzen steigerten sich täglich mit abendlichen Fieber - Ex acerbationen. Gar kein angewandtes homöopathisches Mittel zeigte Besserung, blos kalte Einpackungen linderten und brachten sauer riechenden und übelschmeckenden Schweiss hervor. Das Gehirnleiden und die Fieber erscheinungen steigerten sich derart, dass am 2. Januar 1868 Abends furchtbare Krämpfe ausbrachen, mit Irre reden und fixen Ideen bis Mitternacht, wo sie dann ein schlief. Grosse Salivation. „Am 3. Januar früh war sie noch nicht bei Bewusst sein, phantasirte. Um 10 Uhr Vormittag ist eine Remission eingetreten; sie wollte zwar aufstehen und war bei vollem Verstände. Um 3 Uhr Nachmittag Kälte, Fieber, furchtbares Kopfweh, Krämpfe, Delirium; die Krämpfe steigerten sich derart, dass sie in Trismus, Katalepsie und Starrkrampf übergingen, so dass ich glaubte, das arme Mädchen müsste ihnen erliegen; es war eine furchtbare Nacht, die nicht zu beschreiben ist. Doktor D. aus Debrecin, den ich telegraphisch kommen — 240 — liess, konstatirte den ganzen Fall, ohne abhelfen zu können. „Am 4. Januar früh liessen die Krämpfe nach. Sie bat, man möge ihr den kariösen Zahn ausreissen. Der selbe wurde glücklich herausgenommen, worauf aus der Oberkieferhöhle reichlicher Eiter floss. Das Bewusstsein ist etwas zurückgekehrt, doch um ein Uhr wieder Deli rium, um drei Uhr Krämpfe, fortwährendes Winseln und Jammern. Da trat ich zu ihr und sagte ihr, dass sie durch das Amulet schon in Rapport sei mit Adelma, und dass Letztere sie magnetisire. Sie nahm freudig das Amulet in die Hand, und in einigen Minuten wurde man deutlich gewahr, dass die Krämpfe und alle Zu stände sich beruhigten; sie schlief auf mehrere Stunden ein, wachte aber mit Geschrei auf und begehrte, man solle ihr Haare und Hals abschneiden. Die Nacht ver ging mit unterbrochenem, unruhigem Schlaf. — „Dr. U.“ Das Medium betete eifrig alle Tage zur bestimmten Stunde für C., auch rief sie deren Geist alle Abende an; sie äusserte sich von Tag zu Tag, von Abend zu Abend ruhiger. Die Leiter verweigerten eine jede Arzenei bis 13. Januar, und verordneten vom 13. angefangen, täglich um 7 Uhr früh eine kalte Einpackung. Sie versicherten das Medium und den betrübten Vater der Kranken, dass das Gebet allein dieselben heilen würde. C.’s Krankenjournal, vom Doktor U. dem Medium gesendet: — „Den 5. Januar 1868. — Die Wohlthaten des geistigen Magnetismus machen sich fülilbar: C. hatte keine Krämpfe, nur Gliederzuckungen und Fieberhitze; Schlaf war ziemlich gut. Abends hatte sie einen kurzen Krampf in der Brust. „Den 6. Januar: Den Tag über ruhig, Mittags so poröser (Tief-J Schlaf mit unwillkürlichen Gliederbe wegungen. Nachmittags guter Schlaf, dann munter ge wesen. Von 7 Uhr Abends bis 1/2 9 Ulm (die Stunde, um welche das Medium sie geistig magnetisirte) ein magnetischer, ruhiger Schlaf ohne Sprache — 244 — kein Mensch. Er fühlt und denkt sinnlich, ohne die Befriedigung dessen in menschlichen Organen zu haben; er möchte lieber ein Thier sein. Eine thier-menschliche Einverleibung wird seine Strafe; in neun Tagen führt ihn sein Lebensturnus an dem Planeten Mercui* vorüber, wo es solche Menschen gibt; hier wird er durch das Gesetz einverleibt, um seine Strafen und Bussen, seine Reinigung im Laufe des Gesetzes zu beginnen.“ — Fortsetzung von C.’s Krankenjournal: „Den 13. Januar 1868: — Früh Einpackung, unter Tags geschlafen, doch unruhig; wollte fortwährend das Amulet entfernen. „Den 14. Januar: — Ganz eben so. „Den 15. Januar: — Verging ebenfalls unter Fieber hitze und Unruhen. „Den 16. Januar: — Nach der Einpackung blieben die Füsse kalt, nachher bekam sie Fieberhitze, schlief ein und war ruhiger als gestern. „Den 17. Januar: — Phantasirte sie den ganzen Tag, schlug sich den Kopf mit den Fäusten, bis sie endlich um sechs Uhr Abends gut einschlief. „Den 18. Januar: — Es bekam ihr die Einpackung besonders gut, sie hatte keine Kopfschmerzen und sprach vernünftig. Sie ass Suppe und Obst; um sieben Uhr Abends setzte sie sich auf im Bett und niesste dreimal; ich halte das für ein Zeichen der kommenden Genesung. Abends hatte sie Fieberhitze — schlief jedoch gut. „Dr. U.a Am 19. Januar 1868 verordneten die Leiter für C. ein frisches Amulet von des Mediums Haaren; dasselbe wurde sogleich in Seide eingenäht und abgeschickt. Am 22. Januar erhielt es U., hing es der Tochter gleich um, und schrieb dem Medium folgenden Brief mit Krankenbericht: „Verehrte Frau Baronin! „Mit gewöhnlicher Sehnsucht und Freude erhielten wir Ihre Zeilen und Worte der Geister. Es ist unstreitig, dass ein böser Geist meiner armen Tochter so viel — 245 — Unruhe, Leiden und Wahnsinns - Anfälle verursachte. Jetzt noch überfallen sie oft selbstmörderische Gedanken, und wollte sie fortwährend das Amulet entfernen, um den Rapport mit Ihnen zu unterbrechen. Trotzdem ist es merkwürdig, wie die Besserung doch täglich vor sich geht, trotzdem sie keinerlei Arzneimittel zu sich nimmt, und nur durch den geistigen Magnetismus, jetzt auch mit Einpackungen, geheilt wird. Mein Glaube und meine Liebe zu Gott werden auch immer stärker, so auch meine Zuversicht zur Weisheit und Hülfe der Sie leitenden Geister. Wahrscheinlich ist der böse Geist noch nicht ganz bekehrt und entfernt, da er leider noch zu wühlen droht, aber mein Glaube und die Hoffnung, dass Sie, gute Gräfin, als Vermittlerin, Ihr Bestes thun werden, beruhigt mich! Ler liebe Gott wachet!“ Krankenbericht: „Vom 19. bis 22. Januar 1868 vergingen die Tage ohne merklich grössere Besserung; sie hatte Fieber hitze, phantasirte und hatte nur wenig lichte Momente. Als heute Ihr Brief ankam, nahm ich ihr das alte Amulet weg und verbrannte es; mittlerweile wollte sie sich mit einer Schnur den Hals zuschnüren, schlug sich mit der Faust auf Stirn und Brust, und wollte durchaus sterben. Mit Mühe hing ich ihr das neue Amulet um; bald da rauf verfiel sie in magnetischen Schlaf, einen Schlaf, den sie schon einige Tage entbehrt hatte; sie legte die Hand fortwährend auf das Amulet und schlief so1 ruhig fünf Stunden lang. „Am 23. Januai’ hatte sie noch Selbstmord - Gedan ken ; sie hatte jedoch wieder den guten magnetischen Schlaf, der sie sehr beruhigte; gegen Abend sprach sie vernünftig. „Am 24. Januar Vormittag ganz vernünftig. Nach mittag jedoch bat sie mich phantasirend, ich möge ihr den Kopf abschneiden. „Den 25. früh trug sie, mir viele Grüsse für das Medium Adelma auf; sie hat mehrmals geniesst, es stellen — 246 — sich katarrhalische Symptome ein, somit auch eine Ab leitung vom Gehirn, eine entschiedene Besserung.“ — Den 25. Januar 1868 Verordnung der Leiter für C.'. „So lange C. noch Fieber hat, fahre man mit den Einpackungen fort. Die Krankheit ist gebrochen, der böse Einfluss des Geistes durch seine Entfernung ver nichtet. Sie nehme jetzt täglich, neun Tage hindurch, drei Korn Coffea ein; und sie sollen Zuversicht haben, Gott hat geholfen und wird weiter helfen! „Die Leiter.“ Wirklich zeigte sich vom 25. Januar 1868 an eine merkliche Besserung. Die Fieber nahmen täglich ab; sie zeigte eine besondere Liebe zum Amulet und wurde von Tag zu Tage vernünftiger und ruhiger. Alle Tage fast trug sie ihrem Vater die herzlichsten Grüsse für das Medium Adelma auf.“ Am 2. Februar 1868 Brief des Doktor U.: „Hochgeborne Gräfin! „Eine jede Gefahr wegen des Verlustes des Verstan des und Lebens meiner Tochter C. ist beseitigt; Dank sei dem allmächtigen Vater und Ihnen, gütige Gräfin! C. steht täglich auf, ist heiter und hat auch schon Klavier gespielt.“ Krankenbericht vom 8. Februar: „Der Zustand meiner Tochter C. ist, Gott Lob! bis auf einige Körper schwäche, die- wohl nach und nach gehoben werden wird, gut; der Appetit ist riesenhaft. Hie und da fühlt sie noch den druckartigen Schmerz am Kopf. Neulich las ich ihr Ihre Briefe sammt den Geisterworten, die während ihrer Krankheit ankamen, vor; sie staunte sehr und brach in einen Strom von Thränen aus! Es waren Thränen der Dankbarkeit; sie kann ihrer Dankbarkeit keine Worte geben, und küsst Ihnen, Uebe Gräfin, vielmals die Hände.“ Am 18. Februar 1868: „Hochgeborne Frau Baronin! — Die Reconvalescenz meiner Tochter C. ist constatirt und macht ohne alle Hindernisse und Beschwerden täglich grosse Fortschritte. Hätten sich die guten Geister meiner Tochter C. nicht — 247 — angenommen, so würde sie dieser furchtbare Sturm in’s Grab geführt haben; so aber brachte er ihr eine noch nie dagewesene Gesundheit, denn sie erwacht wie eine Rosenknospe nach dem Sturme. Je mehr ich die natur gemässe geistige Heilart studire, desto mehr Wahrheit finde ich darin, und desto mehr werde ich zur geistigen Lehre hingezogen. Leider huldigen nur sehr wenig Aerzte diesen heiligen Gesetzen. So auch mein College Doktor D., der C.'s Krankheit nur dem cariösen Zahne zuschrieb und sie zuletzt hoffnungslos aufgab. Er erkundigte sich, wie es C. späterhin ergangen sei; über unsere Erzählung von dem Verkehr mit den Geistern ward er sehr böse, und behauptete wieder, der cariöse Zahn sei Ursache des ganzen Sturmes, trotzdem dass nach Entfernung des Zahnes der krankhafte Prozess noch lange nicht abge schnitten war, sondern im Organismus fortbrannte, bis die guten Geister die wohlthätige Krisis herbeiführten. Ich will trachten, Doktor D. bei Gelegenheit aufzuklären. „Dr. U.“ Den 22. März 1868: — „Mit Freuden theile ich Ihnen mit, dass unsre C. schon bausbäckig geworden ist; ihr heiterer Humor kehrt zurück, und sie hat auch schon Witze gemacht; mit einem Wort, liebe Gräfin! ich kann Gott, den guten Geistern und Ihnen, nicht genug Dank sagen für die Heilung meiner’ Tochter. „Genehmigen Sie etc. „Dr. U.11 - 248 - Achtzehntes Kapitel. Sonderbare Erscheinung einer Idiotin. (Ursaohe Geist Gabriel.) Eines Tages, im October 1866, kam eine Frau mit einem Mädchen — von acht Jahren — zum Medium. Das Kind hatte, nach Aussage seiner Mutter, seit seinem sechsten Monat die Epilepsie. Von seinem ersten Jahr angefangen, zeigte es eine grosse Liebe zum Geld und zu sonst fast gar nichts. Seine geistige Entwicklung und Fähigkeiten blieben stehen, denn es war in seinem achten Jahre noch ganz unvernünftig, thierisch; nur der Anblick des Geldes machte seine blöden Augen funkeln, und es griff darnach mit einer affenartigen Hast, es eiligst verscharrend. Es sammelte das Geld und vergrub es in Löcher in der Erde; wenn seine Mutter ihm das selbe wegnehmen wollte, stiess es einen gräulichen Schrei aus und vertheidigte sich; es konnte, wie gesagt, das Reden nicht erlernen, und sein Ausruf der Freude, wenn man ihm Geld gab, war furchtbar anzuhören. Ausspruch der Leiter über diese Erscheinung: „Ihr erblicket in dem Kinde das Bild einer gerechten, aber furchtbaren Busse. Dasselbe ist für diese Erde nicht mehr zu heilen, da seine Denk- und Fühlorgane ganz missgestaltet sind; das Gehirn ist erstens durch die fortwährenden Krämpfe so verunstaltet und verkrüppelt, dass sich durch dasselbe nicht mehr geistig denken lässt; das Mädchen lebt nur seelisch und fühlt thierisch; sein Geist selbst ist wie eingesperrt in einem Kerker; er kann sich nicht äussern, da er die Organe nicht äusserungs fähig findet; er muss warten, seine Zeit abbüssen und sollte im Innersten in sich kehren. Ihr könnt diesem Geistö selbst nur helfen oder Trost spenden, wenn des Kindes Körper schläft. Es wii'd euch interessant sein, den Geist, der dieses Kind nie verlässt, und welcher der Erzeuger seiner Krämpfe ist, kennen zu lernen. Er heisst Gabriel und war der frühere Mitgenosse aller ihrer — 249 — Sünden und Fehler; sie gehören zusammen, lasset ihn reden.“ Hierauf schrieb es gleich heftig in dicken Strichen: Gabriel: „Ich habe Alles gehört, warum liesest du so laut? Warum mischest du dich in meine Angelegenheit mit Fanni?“ Die Leiter: „Wir möchten dir und ihr den Weg zu Gott zeigen.“ Gabriel: „Gott? Was geht mich denn Gott an? Die Actien stehen blos auf 10 Procent. Ich bin betrogen, ich schrieb sie mit 16 an! Der Betrug muss bis zum letzten Groschen bezahlt werden.“ Die Leiter: „Zu was? Ein Geist braucht ja kein Geld?“ Gabriel: O, ja! Ich weiss sehr gut, dass ich ein Geist bin, und das ein reicher. Ich habe Schätze! Doch still, sage es nicht laut! Meine Bankgeschäfte gehen gut.“ Die Leiter: „Wir bedauern dich, armer Gabriel! dass du so sehr an diesen nichtigen Sachen hängst. Könnten wir dir nur da heraus helfen.“ Gabriel: „Gut, Adelma! helf mir in Etwas, du sollst dann sehr reich werden.“ Da dei’ Geist diese Worte an das Medium richtete, antwortete dasselbe: „Nein, lieber Gabriel: Reichthum will ich nicht. Ich möchte nur, dass du dich zu Gott wendetest.“ Gabriel: „Du Thörin! Hat man Geld, so hat man. Alles!“ Das Medium: „Ein gutes Gewissen ist viel mehr werth, als alle Schätze; du kannst dir dasselbe mit keinem Geld erkaufen, dieses bringt nur die Tugend.“ Gabriel: „Nun, jeder nach seinem Geschmack, du so, ich so. Ich bin immer mit der Fanni. Ich brauche sie, da sie mir Geld sammelt; sie muss mir. noch ihre alte Schuld von 2,000,000 fl. zahlen; wenn sie es zusammen gescharrt hat, ist sie erlöst.“ Das Medium: „Wir bitten dich, lieber Gabriel! deine Handlungen zu bedenken. Zu was willst du das viele — 250 — Geld? Du weisst doch sehr gut, dass Fanni diese Summe niemals zusammen scharren kann. Du wirst sie doch nicht zum Diebstahl verleiten? Wenn Gott auf einmal solche Unmöglichkeiten von dir fordern wollte, wie du jetzt von Fanni, was thätest du dann? Sei nicht so un barmherzig, da Gott so voll Erbarmen ist gegen dich.“ Gabriel: „Gottes Erbarmen ist Luxus, es geht mir ja sehr gut.“ Das Medium: „O Gott, verzeih ihm, er weiss nicht was er thut. Gabriel, versprichst du mir, bis zu unserem nächsten Gespräch etwas nachzudenken ?“ Gabriel: „Wenn meine Geschäfte mir Zeit lassen, warum nicht? Doch jetzt lebe wohl, ich habe viel zu schaffen; ich glaube, die alten Sechserin (10-Kreuzer- Münzen, sie wurden wirklich bald nachher confiscirt) werden confiscirt, und da hab’ ich viel mit dem Ein wechseln zu thun, wegen dem Trottel, der Fanni, die einen grossen Haufen Sechser* schon gesammelt hat.“ Durch eine Reise verhindert, konnte das Medium erst nach einem Monat wieder mit Gabriel reden; er äusserte sich wie folgt: Gabriel: „Ich bin da, Gabriel, der Geschäftsmann. Geld bleibt meine Welt. Fanni ist noch, -wie sie war. Ich habe über Gott nachgedacht und über den Himmel, es bringt aber gar nichts ein. Im Himmel ist kein Bankgeschäft, kein Agio. Gott der Gerechte! wie rechnet Er? ohne Valuten, ohne Actien!“ Das Medium: „Sage mir nur, was brachte dir denn das Geld bis jetzt für ein Glück?“ Gabriel: „Was? Ich könnte dir geben davon, wenn du mir* dienst! Wenn du thust, was ich will, bezahle ich dich mit Gold! Höre mich an, verrathe mich nicht, du sollst dann Geld haben, dir Perlen und Kleider kaufen, und reich sein.“ Das Medium: „Diese Worte können mich nur schmerzen. Wisse, wir wollen durchaus keine Reich thümer haben. Geld ist ein für den Geist todtes Kapital. Lasset uns nach des Himmels Schätzen trachten. - 251 - Gabriel: „Ich bin ja arm ohne Geld! Kein Geld, kein Geld zu haben, wie furchtbar!“ Am 15. December 1866. Gabriel: „Ich bin da, der Geldgeist. Ihr werdet erstaunt sein, wenn ich euch allen hier Anwesenden sage, dass ich mich total geändert habe. Ich habe gesehen, wie Adelma und Catharina täglich für mich und Fanni beteten; ich wohnte immer euren Arbeiten bei, und habe mich nun entschlossen, mich vom Gelde loszureiSscn und meinen Schatz nicht mehr in der Erde, sondern im Himmel zu suchen. Da ich nicht wegkann von der Erde, weil mir die Kenntniss der Bewegung des Lebens über derselben fehlt, so sind die guten Geister zu mir gekommen und haben mich unablässig unterrichtet, so dass ich nun entschlossen bin, mich mit ihrer Hülfe von der Erde loszureissen. Die arme Fanni thut mir sehr' leid, ihr Gehirn ist ruinirt, ich bin wohl auch daran Schuld, da ich sie so viel quälte.“ Das Medium: „Diese deine Worte erfüllen uns mit unendlicher Freude, und wir werden mit unseren Gebeten nicht nachlassen und oft an dich denken. Deine un erwartet rasche Umkehr erfüllt uns mit Dank gegen Gott!“ — Am 30. December 1866 schreibt Gabriel: „Ich kann nicht weg von der Erde, ich werde daselbst gleich ein verleibt, wie sie es nennen, und zwar in eines hohen Herrn Familie mit viel Geld. Ich werde viel Armen und Kranken geben und denke, es wird bald geschehen: meine geistigen Freunde werden mir das Wie und Wann angeben, da ich mich schwer auskenne mit diesen flui dischen Geschichten; ich verstehe diese Gesetze so schwer. Ich verlasse mich aber ganz auf diese vortrefflichen Geister; sie sind gar gute Narren, so nachsichtig und bereitwillig. Bis jetzt war ich immer ein Jude; wenn ich das Kind dieses grossen Herrn bin, muss ich ein Christ werden. Ich werde auch Fanni nicht vergessen, denn ich werde sie dann aufsuchen und für ihr Alter versorgen. Du. kannst dich dann meiner erinnern, liebe - 252 - Adelma, wenn du dann noch lebst und es hörst, dass ein reicher Graf der Fantii eine Versorgung gab. Helfet mir durch euer Gebet. Ich werde wohl ein reicher Graf! Wie sonderbar, aus einem Handels-Juden! Ein Jude gibt dem Andern. Ich war eben ein Spekulant an der Börse, der auf seinem Quadrat stand. Jetzt soll ich ein Christ werden! Ja, und ich will es auch im vollsten Sinne sein. Wird meine Vergangenheit nicht bei jeder Handlung durchscheinen? klein Gott, hilf mir, damit ich die alten Felder ablege. • „Ich werde mich abstossen müssen. Die Welt und die Schicksale werden mich schon abschleifen. Für jetzt lebet wohl, oder vielmehr, auf Wiedersehen als Mensch! Betet für mich!“ , Erklärung der Leiter: „Es ist wirklich so, wie es der Geist sagt; und es erscheint euch vielleicht sonderbar, dass derselbe als reicher Mensch der Erde einverleibt wird. Doch liegt es so in seinem Gesetze. Er soll durch den Ueberfluss die Werthlosigkeit des Geldes kennen lernen; denn es werden ihm allerhand Prüfungen und Schicksalsschläge auferlegt; er wird einsehen lernen, dass das Geld nicht im Stande ist, den wahren Frieden, das wahre Glück zu bringen. „Wir führten euch diesen Geist als Studie vor, damit die Welt immer mehr erkenne, welche grosse Wohlthat die Wiedereinverleibung für Geister dieser Art ist, die, wie sie selbst sagen, sich von der Erde nicht fortbewegen können, also nur durch die Erde Sühnung und Fort schritt finden.“ Neunzehntes Kapitel. Kur des M. von Epilepsie. (Ursache Geist Jakob.) Ein armer Mann Namens M. litt von Kindheit an der Epilepsie, jedoch nur des Nachts, und bat das Medium, welches sich im September 1866 zu T. Lök bei Rakamuz in Ungarn befand, um Abhilfe. — 253 — Die Leiter verordneten, ihm, abwechselnd Ignatia und Cocculus einzunehmen, und erklärten, dass hier ein Geist, der dem Namen Jakob folge, Anlass zu den Krämpfen gäbe. Das Medium und seine Schwiegermutter schrieben sofort den Namen dieses Geistes auf ihre Listen und beteten einige Tage für denselben, als eines Abends bei der medianimischen Beschäftigung der Ai-m des Mediums plötzlich in grosser Eile über das Papier fuhr, und Folgendes schrieb: Jakob: „Wer betet schon so lange für mich? Ich bin Jakob. Du betest, und noch Jemand in Golop (d. i. die Schwiegermutter). Es ist sehr gut, doch ich eile, ich eile!“ Das Medium: „Warum eilst du so?“ Jakob: „Weil — weil — ich viel zu thun habe; ich muss den M. pflegen.“ Das Medium: „Ist er krank?“ Jakob: „Er hat Krämpfe! Es ist schrecklich! Adieu, ich muss fort.“ Das Medium: „Wie kennst du ihn denn?“ Jakob: „Das ist ein Geheimniss, ich muss fort.“ Die Leiter: „Dieses ist der Geist, der durch die Dichtigkeit seinös Nervengeistes, und durch seine Un ruhe, M. Anlass zu Krämpfen gibt. Dieser Geist war ein eiliger und oberflächlicher Arzt, der dadurch viele Menschen um’s Leben brachte. Er ist jetzt noch Materialist und glaubt nicht an das Fortleben, und setzt deshalb seine Kuren noch als Geist fort. iV.’s Organismus, der so wie so zu Krämpfen neigt, gibt diesen schädlichen geistigen Fluiden nach, woraus epileptische Krämpfe entstehen. Ihr müsst diesen Geist fest zu halten trachten; er ist lügenhaft und listig. Jetzt zum beispiel sagte er, dass er fortgehe, und doch ist er noch da; ein Sehmedium würde ihn sehen, wie er dasteht und aufpasst. Doch kann er nicht Alles hören, da wir ihm schon die Ohren zuhalten, wenn es nöthig ist, das heizt sein Zuhören fluidisch hindern. Jetzt redet einmal laut zu ihm: .Aber, Jakob, du bist ja noch da!‘“ — 254 — Jakob: „Das ist merkwürdig! Seht ihr mich denn? Das ist seit langer Zeit das erste Mal, dass mich Jemand sieht! Niemand sieht mich, selbst der Kranke nicht!“ Die Leiter: „Das ist wieder nicht wahr, denn der Kranke sieht ihn während des Krampfes. Saget laut zu ihm: „Damit du siehst, wie man dich deutlich sieht, so soll dich Ödön (der Mann des Mediums) abzeichnen.“ Das Medium Ödön zeichnete heftig des Geistes Bild, worauf Jakob bewegt schrieb: „Ja, ja, das bin ich, wie ähnlich!“ Drei Tage darauf war ein anderes Medium, Graf JK, anwesend. Jakob schrieb spontan: „Geehrter Graf W.l Ich stelle mich vor als berühmter Arzt. Ich sehe, dass diese Menschen hier auch heilen, aber wie?! homöopathisch! 0 ihr Armen! Man hat neulich mein Portrait hier gezeichnet, es war treffend, und ich war auch gestern hier, als ein Geist, Julie, die Geschichte ihrer Wiedereinverleibung erzählte. Ich griff ihre Ideen nicht an, obzwar sie auf ganz schwankenden Hypothesen stehen.“ Graf W.: „Kennst du ,das Buch der Geister' von Alan Kardec?“ Jakob: „Nein! Wo ist es denn zu bekommen?“ Graf W.: „Es hegt hier auf dem Tisch! da sieh es an.“ Jakob: „Aber, mein Gnädiger, ich kann ja nicht Französisch.“ Graf W.: „Gut, so bringe ich dir das Buch auf Deutsch übersetzt.“ (Das Buch wurde gebracht, auf den Tisch gelegt und aufgeschlagen.) Jakob: „Der Druck ist schlecht. Abends sehe ich nicht gut, ich muss es bei Tage lesen, lasst es nur hier hegen.“ Als das Medium eine besondere Stelle in dem selben aufschlug, sagteer: „Lassen Sie das, ich will selbst darin blättern. Richten Sie es mir nur bequem in dem Fauteuil her, es soll sich Niemand dorthin setzen.“ Graf W. richtete nun dem Geiste Alles bequem her. Die Leiter schrieben hierüber folgende Erklärung: — 255 — „Dieses sind lauter Schwierigkeiten, die er macht, um eure Geduld auf die Probe zu setzen; er ist in einem unangenehmen, halbbewussten Zustand, und kann sich sein Dasein und sein verändertes Leben gar nicht er klären. Er wird das Buch lesen und in sich saugen; er bedarf noch menschlicher Mittel, um zu lernen. Hir seht es, auf welcher niederen Stufe er steht, indem er vorgibt, Französisch nicht lesen zu können, kurzsichtig zu sein und einen Sitz zu seiner Bequemlichkeit zu brauchen! Dieses sind lauter Bedürfnisse, die er durch die Dichtig keit und Schwere seines Nervengeistes braucht. Am 1. Oktober 1866: Jakob: „Ich habe seit meinem letzten Gespräche mit euch alle spiritistischen Bücher durchgelesen und sogar Französisch verstanden. Wo ist denn Graf R