KUNDGEBUNGEN GEISTES EMANUEL, im Texte 1890-1897. Bitte beachten Sie, dass hier Fehler enthalten sein können, unter anderem durch fehlerhaftes Kopieren des Textes von Google Books. https://play.google.com/books/reader?id=VpdjNDS7BQAC&pg=GBS.PR6&hl=no KUNDGEBUNGEN GEISTES EMANUEL, im Texte 1890-1897 Original, Gesammelt durch B. Forsboom. Der Erlös dieses des Buches ist wohlthätigen Zwecken gewidmet. Jahr 1897. Preis Mark 10.-. Vorwort. Die nachstehenden Kundgebungen des Geistes Emanuel sind in der Hauptsache nicht an Einzelne, sondern an Alle gerichtet. Je weitere Verbreitung sie finden, desto mehr können sie ihren Zweck erfüllen, da jeder aufstrebende Mensch, der sie liest, einen Nutzen daraus zu ziehen vermag. Dieselben bedürfen keines Commentars, da sie einfach und klar wahre Güte, Liebe und geistige Freiheit lehren, Ursprung, Zweck und Ziel des Erden-lebens zu einheitlicher Erkenntniss bringen: Indem sie die Frag-mente menschlichen Wissens, Glaubens und Ahnens möglichst verbinden, weisen sie von den einzelnen endlichen und ewigen Gesetzen stets auf das Ganze hin und ermöglichen so vorurtheils-losen Menschen, je nach ihrer Entwicklungsstufe, einen weiteren Einblick in die Grösse und Schönheit, in das wunderbare In-einandergreifen der sich ergänzenden Gesetzeswelt Gottes. Der Faden, welcher sich durch die auf den Offenbarungen Christi in ihrer ursprünglichen Reinheit fussende Lehre zieht, wird dem Leser, der sich als Theil des lebendigen Schöpfungswerkes Gottes, als unsterblicher Geist fühlt, dessen Gedanken und Thaten im Wellenschlage der Ewigkeit Folge auf Folge haben, tiefen Ernst und Werth, die Bedeutung und Aufgabe des irdischen Daseins, wenn es sich auch noch auf relativ recht niederer geistiger Stufe bewegt, zum Verständniss bringen und gleichzeitig wahre Hoffnungsfreudigkeit über die Morgenröthe kommenden, stets höheren Glückes erschliessen können. den In diesen Blättern ist nicht etwa eine aus Zwiegesprächen in Freundeskreisen hervorgegangene Weltanschauung in der Form und unter der Flagge eines medialen Verkehrs zum Ausdruck gebracht, wie man auf die von mir und Anderen angeregte Fragen und darauf erfolgte Antworten hin, unterstellen könnte. Wer der Psychographie nicht völlig fremd gegenübersteht, wird alsbald erkennen, dass die Kundgebungen keineswegs das Gepräge menschlicher Forschung nach Wahrheit tragen, da sie weit über die engen Grenzen hinausgehen, die wir ihrer Er-gründung zu ziehen pflegen, sich vielmehr oft in grossen mäch-tigen Umrissen auf der Frage scheinbar nicht naheliegenden Feldern ergehen, um hiedurch erst die sachlichen Einzelnheiten in das richtige Verhältniss, auf ihren rechten Platz zu stellen. Gerade dies Verfahren ist für mediale Eingebungen durch ein entkörpertes, hochentwickeltes Geistwesen charakteristisch, da ein Solches die Schranken zwischen den Abzweigungen unserer Wissenschaften, Religionen, Theorien und Anschauungen nicht mehr empfindet und bestrebt ist, uns in deren innerem Zusammen-hange zu zeigen, was nach seiner Erkenntniss daran wahr ist. Ein weiteres Kennzeichen dafür, dass die Kundgebungen menschlichem Intellekte nicht entsprungen, liegt darin, dass sie uns für rein geistige Vorgänge, für welche uns die Begriffe und folglich auch die adäquaten Worte fehlen, durch umschreibende oder annähernde Bezeichnungen ein Ahnen dessen ermöglichen, was über unser Fassungsvermögen hinausgeht. Auch sind die Ergebnisse dieses Verkehrs weder dramatisirte Monologe, wie wir sie im Traum führen, denn das intuitive weib-liche Medium befindet sich bei deren Niederschrift nicht in somno-lenten Zustande oder in Extase. Der Inhalt der Aussprüche ist ebenso wenig eine Spiegelung des Seelenlebens des Mediums, denn er überragt nicht nur die Erkenntnissphäre desselben, sondern steht sogar wie dies bei persönlichen Rathschlägen und Ermahnungen deutlich zu Tage tritt öfter nicht mit dessen zeitweiligen Anschauungen und Empfindungen im Einklange. Indem ich eine Reihe von in den Jahren 1890 bis 1897 aus der Hand dieses Mediums hervorgegangener, theils spontaner, theils durch Fragen veranlasster Kundgebungen eines und des-selben Geistes hier wortgetreu und ungekünstelt wiedergebe, komme ich der mir in diesem Verkehre zugetheilten Aufgabe des Sammlers und Verbreiters nach. Ich habe dabei die einzelnen Kundgebungen nicht nach ihrer chronologischen Folge, sondern, soweit möglich nach Hauptthemen zusammengestellt, so dass sie ein einheitliches und übersichtliches Bild ergeben. Dém ernsten und redlichen Forscher wird diese Veröffent-lichung Gelegenheit bieten, die neueren Ergebnisse einer in der Entwicklung fortgeschrittener Psychographie eingehender Prüfung auf ihren Werth und Gehalt, ihre Bedeutung und Tragweite vor dem Kriterium seiner Vernunft und seines Empfindungslebens zu unterziehen. Ich bin mir wohl bewusst, dass dieselben Missverständnissen und Anfechtungen aller Art, ja selbst scharfer Verurtheilung be-gegnen können; ist dies doch das Loos alles dessen, was nur ein Atom grösser als der jeweilige Massstab der Welt, alles dessen, was ihr neu oder in der Ausdrucksweise fremd ist. Hat ja selbst die erhabenste, der Erde jemals gebrachte Offenbarung Christi, die unvermeidlichen Phasen von Ablehnung, Widerspruch, Verfolgung, entstellender Auffassung durchmachen müssen ! Diese Erwägung durfte mich jedoch nicht bestimmen, die widerspruchslose, harmonische Lehre Emanuels den Zahllosen vorzuenthalten, deren jetzigem Bedürfnisse nach relativer Wahr-heit sie entspricht, in deren Seelen Gleiches schlummert, die in ruhelosem Drange sehnend anstreben, was sie ihnen zielvoll in's Bewusstsein trägt. Die Resultate dieses seit Jahren fortgesetzten Verkehres erweitern in ihrem logischen Aufbaue bis zur Grenze des uns zur Zeit Fasslichen unsern Ausblick auf höhere Fernen und wandeln dieselben, Strecke um Strecke bahnbrechend, in gangbare sichere Wege. Von Vielen belächelt, werden sie Anderen sympathisch, eine wirksame Hilfe auf ihrem Heimwege sein. Nur indem sie in voller unverfälschter Klarheit zu unserem geistigen Gute werden, in Fleisch und Blut übergehen, können sie sich zur Ueberzeugung gestalten. Ein junger Morgen, thaufrisch und erquickend, entringt sich der Nacht; das Erstarrte wird flüssig, die so geförderte Lösung wird weit über unsere Zeit hinausgehen, denn geistige Saat spriesst nur langsam. An den Früchten aber werden wir die Art und Gattung des Samens erkennen. Emanuel, der bewährte Führer auf geistige Höhen, sagt uns: "Wir Geister freuen uns über jedes Körnlein des, Wahren und Guten aus unseren Scheunen, welches in "Euerem Boden Wurzel fasst, und wenn auch Viele derselben nicht zum Keimen kommen, kann uns dies nicht "abhalten, immer mehr der Körner in der Gewissheit "auszustreuen, dass für jeden Boden eine Frühlingszeit "kommen wird, in welcher bestimmte Gesetze latentes "Leben zum Keimen und zur Reife bringen werden. "Er hat mit voller Hand, in warmer Bruderliebe reichen Samen ausgesäet; das Gedeihen überlassen wir Jenem, der die Gesetze von Ursachen und Folgen geschaffen. München, Ostern 1897. Bernhard Forsboom. A. I. Die spirituale Bewegung. 1.Zweck und Ziel derselben. 2. Verkehr zwischen Geistern und Menschen. 3. Die Menschheit Bindeglied zwischen hohen und niederen Geistern. 4. Zweck der Kundgebungen. 5. Die spiritualen Phänomene, exacte Wissenschaft und Religion. 5a. Die spiritualen Phänomene, Hypnose, Suggestion, Telepathie. 6.Eintreten für den Spiritismus. B. 7. Die Mediumschaft. 8. Bewusstsein und Ahnung. 9. Die Mediumschaft, eine seelische Eigenschaft. 10. Besitznahme des Mediums durch hohen und niederen Geist. 11. Beruf des Mediums. 12. Verhältniss zwischen Geist und Medium. 13. Die psychischen Kräfte des Mediums. 14. Räumliches und zeitliches Fernsehen. 15. Zur Geschichte von Schatzhebungen. 16. Verkehr mit dem Meister. 17. Vatermedien und Ausführungen dazu. Die spirituale Bewegung. A. Frage: Welche Zwecke und Ziele hat die spirituale Bewegung? Geistige Bewegungen treten in der Geschichte der Mensch-heit cyklisch und zwar stets in Zeiten sittlichen und ethischen Verfalles auf. So ist Christus mit seiner Lehre erschienen, als die Saduzäer und Pharisäer die Richtung ihrer Zeit beherrschten. Dem heute überwiegenden Materialismus gegenüber ist vor 40 Jahren der Spiritualismus wieder aufgetaucht, welcher die Menschheit, auf Grundlage der von menschlichen Zusätzen und Schlacken gereinigten, auf ihren ursprünglichen geistigen Gehalt zurückgeführten Lehre Christi, zur Vergeistigung zurückleiten soll, ja dieselbe in dem Maasse zu erweitern haben wird, wie es die seither fortgeschrittene Entwicklung des Menschengeschlechtes zulässt. Bist Du mit dieser Auffassung einverstanden? Es besteht in allen Dingen eine Wechselwirkung. Was lebt, das heisst was schon das höhere Leben erreicht, die Schwelle des Geistlebens überschritten hat, wirkt in gegenseitigem Aus-gleiche, zu gegenseitiger Hilfe. So die entkörperte auf die ver-körperte Geisterwelt oder Menschheit. Das Gesetz der Solidarität der Geister ist ein ewiges und das Entstehen derber Materie hat es, als solches, nicht aufheben können, sondern nur einer neuen Kette von Bedingungen bedurft, diesem Gesetze neue Erscheinungs-formen zu geben. Eine solche Erscheinungsform des geistigen Gesetzes ist der Spiritualismus. Vergängliche Materie ein Etwas, was höheres Leben noch nicht erreicht hat, kann sich unmög-lich diesem als unüberwindliche Schranke entgegenstellen. Wie I. Die spirituale Bewegung. 1. Zweck und Ziel derselben. Welche Zwecke und Ziele hat die spirituale Bewegung? Geistige Bewegungen treten in der Geschichte der Mensch-heit cyklisch und zwar stets in Zeiten sittlichen und ethischen Verfalles auf. So ist Christus mit seiner Lehre erschienen, als die Saduzäer und Pharisäer die Richtung ihrer Zeit beherrschten. Dem heute überwiegenden Materialismus gegenüber ist vor 40 Jahren der Spiritualismus wieder aufgetaucht, welcher die Menschheit, auf Grundlage der von menschlichen Zusätzen und Schlacken gereinigten, auf ihren ursprünglichen geistigen Gehalt zurückgeführten Lehre Christi, zur Vergeistigung zurückleiten soll, ja dieselbe in dem Maasse zu erweitern haben wird, wie es die seither fortgeschrittene Entwicklung des Menschengeschlechtes zulässt. Bist Du mit dieser Auffassung einverstanden? Es besteht in allen Dingen eine Wechselwirkung. Was lebt, das heisst was schon das höhere Leben erreicht, die Schwelle des Geistlebens überschritten hat, wirkt in gegenseitigem Aus-gleiche, zu gegenseitiger Hilfe. So die entkörperte auf die ver-körperte Geisterwelt oder Menschheit. Das Gesetz der Solidarität der Geister ist ein ewiges und das Entstehen derber Materie hat es, als solches, nicht aufheben können, sondern nur einer neuen Kette von Bedingungen bedurft, diesem Gesetze neue Erscheinungs-formen zu geben. Eine solche Erscheinungsform des geistigen Gesetzes ist der Spiritualismus. Vergängliche Materie ein Etwas, was höheres Leben noch nicht erreicht hat, kann sich unmög-lich diesem als unüberwindliche Schranke entgegenstellen. Wie zwei Flammen, in der Wurzel getrennt, zu einer emporschlagen, so sind die entkörperte und die verkörperte Geisterwelt. Die Einheit ihrer Wesenheit und ihres Zieles überbrückt zeitweilige Trennung und einem ewigen Gesetze zu Folge schlagen sie zu einer Flamme zusammen. Die spirituale Bewegung ist demnach Folge eines geistigen Gesetzes und wirkt (in der Wechselwirkung wahren Lebens) zur Veredlung sowohl der entkörperten als der verkörperten Geisterwelt. Letztere wird damit auf die Unhaltbarkeit des traurigen, den Fortschritt hemmenden Materialismus hingewiesen und erhält durch die Lehre höherer Geister eine Erläuterung und Erweiterung der Lehre Christi, wie sie die fortgeschrittene Entwicklung dieser Welt ermöglicht. Aber auch die Geisterwelt, indem sie diese Aufgabe erfüllt, schreitet auf gesetzlichen Bahnen ihrer Vollendung entgegen, an Erkenntniss und Wirkungskraft zunehmend und so immer fähiger werdend, einer fortschreitenden Menschheit höhere Lehre zu geben. 2. Verkehr zwischen Geistern und Menschen. In demselben findet eine gegenseitige Entwicklung statt. Es ist für den Spirit ein schweres Opfer, in's Leben des materiell eingehüllten Geistes zurückzukehren, auf's Neue in das durch den Tod Ueberwundene, in die Fesseln von Zeit und Raum ein-zutauchen. Viele thun es aus Liebe und selbstlos; Viele, um auf diesem Wege, durch die ihnen verloren gegangenen, vom Medium zur Verfügung gestellten Kräfte, auf Erden Versäumtes nachzuholen, Gutes zu wirken, an der eigenen Vervollkommnung zu arbeiten und dabei die Menschen, die sie lieben, mit sich empor zu ziehen; Viele, weil sie auf so niederer Stufe stehen, dass sie bei edleren Menschen Besserung ihres Zustandes suchen; Viele endlich im Drange zur Erde und weil die Lust am Bösen in ihnen nicht erstorben ist, sie ohne dieselbe nicht existiren wollen. Dem höheren Grade von Willenskraft, welcher den Spirits eigen ist, entspringt ihre Fähigkeit, mit den Menschen in einen für diese bewussten Verkehr zu treten und sie sei es im guten oder schlimmen Sinne mit sich zu ziehen. Ist die geistige Individualität des Menschen in gutem Sinne entwickelt, wird sie Veranlassung, dass höhere Geister auf sie trotz der sie -) ?? Antwort: umhüllenden Leiblichkeit wirken können; beherrscht aber die geistige Individualität des Menschen die Materie nicht, in die sie eingebettet ist, so wird ihr die Leiblichkeit keinerlei Schutz gegen das Andringen niederflehender schlechter Spirits gewähren. Sind diese Anschauungen richtig? Die Anschauungen, die Du in der Frage darlegst, sind richtig und brauche ich nur auf Einzelnes darin zurückzukommen. Du sagst: "Es ist für den Spirit ein schweres Opfer, in's Leben des materiell eingehüllten Geistes zurückzukehren. "Dies ist aber nicht immer der Fall. Ein wirklich hochentwickelter Geist bringt jeder Aufgabe, die ihm nach dem Gesetze der Soli-darität der Geister auferlegt wird, wahre Liebe entgegen. Ein Opfer nach Eueren Begriffen ist auch eine schwere Aufgabe für ihn nicht, weil seine Liebe und Erkenntniss schon stark geworden sind. Ich sagte: "jeder Aufgabe, die ihm auferlegt wird. "Wer oder was legt dem Geiste eine Aufgabe auf? Bei vorgeschrittenen Geistern, die den zwingenden Gesetzen der Materie (und diesen ist kein enger Kreis gezogen) entwachsen sind, ist es einzig seine eigene Erkenntniss. Er erkennt, als Folge einer gewissen Reife, die Hülfsbedürftigkeit einer kleinen Gruppe Brudergeister, sowie die Möglichkeit, dass er diesem Bedürfnisse entspreche. Diese Erkenntniss erfüllt ihn nicht mit Wehmuth darüber, dass er einem Theile seiner Geist -Freude und -Freiheit entsagen muss, um der erkannten Aufgabe gerecht zu werden, sondern einzig mit jubelnder Dankbarkeit, dass er sein Bestes geben darf, um das Beste zu erringen: dem geistigen Fort-schritte seiner Brüder Hülfe zu bringen. Dadurch ist ein Opfer in Euerem Sinne ausgeschlossen. Die Erkenntniss und die Liebe in ihrer Vollendung bilden die höchste Seligkeit vollkommener Geister, wie sie auch deren vollkommene Freiheit bewirken; mit ihnen entwickelt sich auch die Freiheit. Solche Geister schreiten von Kraft zu Kraft, end-liche Gesetze als Ueberwundenes abstreifend, in ewigen Gesetzen, als in Erkanntem, lebend. Ihnen ist das Gefühl von Schmerz und Leid unmöglich. In den Offenbarungen Johanni wird Euch von den seligen Geistern gesagt, dass Gott die Thränen in ihren Augen trockne, und Schmerz und Seufzer entfliehen werden. Dir, mein Schützling, kam dies nur wie eine negative Freude vor; kein Schmerz, meintest Du, ist noch nicht Seligkeit. Du hattest aber das Gesetzliche dieses Ausspruches nicht verstanden. Eine errungene, bestimmte geistige Stufe von Liebe und Erkenntniss macht Schmerz und Leid für den Geist unmöglich, sie entfliehen in das Reich, in das sie gehören; er kann ihnen aber mit seiner geistigen Hülfe in ihr Reich nachgehen, ohne sie zu empfinden. Freilich muss er diese bestimmte Stufe schon erreicht haben; sonst wird er das Niederlegen seiner geistigen Freiheit noch als Opfer empfinden und ein solches Empfinden trübt seine Aufgabe, wie ein leichter Hauch den reinen Krystall zu trüben vermag. -Nun verkehren aber auch viele Geister mit Euch, Euch theils bewusst, theils unbewusst, die das Opfer noch vollkommen als solches empfinden, Viele, die einen einzelnen Menschen so lieben, dass sie das, was sie für ihn thun, nicht als Opfer empfinden; Viele, die bei den Menschen Besserung suchen und Viele, weil die Lust am Bösen in ihnen nicht erstorben ist. -Im Fortschritte einer geistigen Individualität (einerlei ob in oder ausser dem Menschenkleide) liegt auch ein Fortschreiten seiner Freiheit nach jeder Richtung hin. Der gutentwickelte Geist im Menschenkleide ermöglicht den Verkehr mit höheren Geistern und schliesst, seiner schon errungenen Freiheit zufolge, auch den Verkehr mit niederen Geistern nicht aus, während ein Mensch, der selbst noch ein unentwickelter Geist ist, mit hohen Geistern nicht verkehren kann. Ein solcher Mensch thut gut, seine Mediumschaft möglichst unentwickelt zu lassen, denn er kann die Welt, die sich an ihn herandrängt, nicht beherrschen. Der gutentwickelte Mensch aber darf sich der Pflicht der Nächsten-liebe, diesen armen Geistern gegenüber, nicht entziehen; er vermag es, schadlos durch ihre Welt zu schreiten, wenn er mit der ganzen Kraft der Selbstlosigkeit, Liebe und klarer Erkenntniss über-nommene Pflichten erfüllt. Er fühlt sich als Theil des Ganzen und hat damit ein ewiges Gesetz erkannt und empfunden. 3. Die Menschheit Bindeglied zwischen hohen und niederen Geistern. Du sprichst am Schlusse Deiner vorstehenden Kundgebung von der Pflicht der Nächstenliebe, welcher sich der gutentwickelte Mensch, armen Geistern gegenüber, nicht entziehen darf. Wie vermag derselbe dieser Pflicht im Dienste der Geisterwelt gerecht zu werden? Antwort: Der Zweck der Menschheit ist, Bindeglied zu sein zwischen Hohem und Niederem in der Geisterwelt, das Gute, Wahre vom Hohen nehmend und es dem Niederen weitergebend. Hoch und Nieder ist in der Geisterwelt gesetzlich getrennt; es muss sich aber berühren, um zum Ausgleiche zu kommen. Die Materie ist Folge des Sündenfalles; die Gnade Gottes erweiterte aber auch diese Folge und liegt nun in der Materie die Verkehrs-möglichkeit zwischen Hoch und Nieder. Sie ist zur gottgegebenen Sprache geworden, die das Verständniss zwischen Solchen ermög-lichen soll, die ihre eigenen verschiedenen Sprachen nicht ver-stehen könnten. Das Menschenkleid verbindet Geisterstufen, die in ihrer Heimath getrennt sind. Die Spiritualisten sollen nun diese Aufgabe der Menschheit erkennen und in der Kraft der Erkenntniss zu erfüllen suchen. Heute sind es noch Vorposten, der Armee vorausgesandt. Ihr sollt erkennen, dass eine Auf-gabe die ganze Schöpfung verbindet, wie nur ein Ziel der ganzen Schöpfung gegeben und von jedem Lebensatom erreicht werden wird. Die Aufgabe ist die Erlösung und Befreiung, das Heraus-führen der Verirrten auf gesetzliche Wege. So die Einheit des Zieles und des Weges Euch verbindet, wird auch die Einheit gegebener Lehre als Folge Euch erwachsen; denn Ihr werdet einen mächtigen Strom von Geisthülfe auf Euch herablenken; die Einheit des Strebens, die Einheit der selbstlosen Sehnsucht nach Hülfeleistung wird erkenntnissreifen Geist auf Euch herab-ziehen und in dem geistigen Fortschritt wird Verschiedenheit der Lehre, die heute noch so störend wirkt, untergehen. Doch wollet nicht zur Zeit des Keimens schon Blüthen und Früchte sehen. Die Tragweite der spiritualen Bewegung ist eine so grosse, dass Ihr kleinen Menschen sie auch nicht annähernd überblicken könnt. Auf Euerer Erde ist ja erst der Anfang gemacht; Menschen bevölkern sie wohl; aber fast ausschliesslich solche, die noch zweck-und ziel -unbewusst sind. Die Erkenntnissschwäche der Menschen zieht auch eine erkenntnissschwache Geisterschaar auf sie herab; denn das Gesetz bleibt bestehen, dass Gleiches sich mit Gleichem verbindet. Einzelne Lehrgeister sind Euch gesandt und einzelne Menschen sind Stimmen dieser Geister; doch nur einzelne Flammen erleuchten Euere Erde, während sie einmal lichtüberfluthet werden muss. Und der Eine sieht die Flamme in gelblichem, der Andere in bläulichem Lichte brennen, und sie betrüben sich über den Unterschied der Farbe, statt zu erkennen, dass alle Farbe nur Folge der Lichtbrechung ist und dass alles gebrochene Licht, in der einstmals errungenen Voll-kommenheit wieder vereint, farblos erstrahlen wird. So lasst gleiches Streben, möglichst reine Erkenntniss Euch verbinden; Selbstlosigkeit, Sehnsucht nach Hülfeleistung sei Euer Streben, Gleichheit der Lehre wird als Folge erwachsen. Die Hülfeleistung ist verschieden; mediale Hülfe, dem tiefstehenden Geiste gegeben, ist nur eine Form derselben. Behaltet stets die Einheit, das Grosse im Auge und lasst Euch nicht bewegen, weil Ihr ein Glied der grossen Kette erkannt, diesem Gliede mehr Wichtigkeit beizulegen, als den nächsten Gliedern. 4. Zweck der Geisterkundgebungen. Euer Interesse für werthlose Dinge zieht minderwerthige Geister an; diese unterhalten sich, Euch wunderbare Dinge zu erzählen, reizen Eure zwecklose Neugierde und verlieren dadurch die Zeit, die sie auf ihren eigenen Fortschritt verwenden könnten. Den Menschen die höchste Wahrheit, die sie aufzunehmen im Stande sind, so darzustellen, dass sie die Sehnsucht erfasst, dieser Wahrheit zu leben, das ist der Zweck der Geisterkundgebungen. Sanfte Winde müssen sie sein, die die schlaffen Segel füllen und das Schiff dem Hafen näher bringen. Ihr Kapitaine habt zu prüfen und zu verstehen, von welcher Richtung der Wind kommt und in welcher Richtung Euer Ziel liegt. Das Leben in der wahren Bedeutung des Wortes ist, wie alle Ausflüsse oder Schaffungen Gottes, klar, einfach, widerspruchslos in seiner Ent-wicklung und Vollendung. Klarheit ist Bedingung der Grösse und diese zu verstehen, uns eigen zu machen, ist unser Zweck und Ziel. Streift daher Nebensächliches ab, liebe Menschen, lernet die Hauptsache erfassen und mit ganzer Kraft bemeistern. Die Klarheit Euerer Erkenntniss verbindet Euch dann mit höher entwickeltem Leben; jubelnd, Gott preisend, erhebt sich Dieses mit Euch in höhere Sphären. Seid Euch in jedem Augenblicke Eueres Lebens klar, dass Ihr aufwärtsstrebender Geist, und dass, jetzt schon im Menschenkleide, Euere Erkenntniss Euch befriedigen, beglücken kann. Geistbrüder sind wir Alle; Vergängliches kann keine wahre Schranke gegen Ewiges bilden. Frage: Antwort: 5. Die spiritualen Phänomene, die exacte Wissenschaft und Religion. Wird die sogenannte exacte Wissenschaft auf dem Wege des Experimentes im Stande sein, die spiritualen Phänomene zu erklären, die in demselben wirkenden Kräfte zu erforschen? -Alles Leben ist aus einer Einheit hervorgegangen und strebt folglich in seiner Vervollkommnung dieser Einheit zu. Unter Einheit müsst Ihr nicht Gleichförmigkeit verstehen, sondern Harmonie, Ausgleich und Zusammenarbeiten der verschiedenen Kräfte und Eigenschaften eines Lebewesens. Es ist schwer, in Eurer armen Sprache den Begriff der Einheit, wie er in der Gottheit seine Vollendung findet und wie er bewusst oder unbe-wusst von allem relativen Leben angestrebt wird, Euch klar zu machen. Nicht nur der einzelne Geist, auch der allgemeine Lebens-strom, der sich über eine Welt ergiesst, oder besser gesagt, eine Welt durchfluthet als Aeusserung einer gewissen Entwick-lungsstufe, welche die diese Welt belebende Geistgruppe erreicht hat, auch dieses allgemeine Leben, welches in den Gesetzes-wirkungen, den Religionen und Wissenschaften einer Welt zum Ausdruck kommt, strebt einer Einheit zu. Auf derbmateriellen Welten, wie die Euere, ist die Wirkung endlicher Gesetze die vorherrschende, Eurer Entwicklungsstufe gemäss von Euch rascher anerkannte, als die Wirkung ewiger Gesetze, die in der Materie sich Euch selten offenbaren. Und wenn sie sich Euch offenbaren, so fehlt Euch das Verständniss und entweder läugnet Ihr, was Euer Auge nicht gesehen, oder Ihr sprecht von Wundern, wenn es sich um die Thaten Christi handelt, die sich durch Euch be-kannte Gesetze nicht erklären lassen. Und doch waren die Thaten Christi nichts Anderes, als Wirkung der durch die Vollendung seiner Wesenheit beherrschten ewigen Gesetze, die ihn zum unbe-dingten Herrscher endlicher Gesetze machten. In dem Masse des allgemeinen Fortschrittes, der allgemeinen Entwicklung Euerer Welt werden diese ewigen Gesetze von Euch entdeckt und bewiesen werden. Ihr werdet Wirkungen entdecken, die bekannte endliche Gesetze aufheben und diese Wirkungen werden Euch mit der Zeit auf deren Ursachen führen. Die sogenannte exacte Wissen-schaft wird immer mehr Dinge finden, die sich in den Rahmen der von ihr anerkannten Gesetze nicht einzwängen lassen; Glied für Glied wird sich fügen an der Kette ihrer Beweisführung. Ihr steht schon jetzt an der Grenze, wo ewige und endliche Gesetze ineinandergreifen und ähnliche Wirkungen verursachen: -nun ist es da zu verwundern, wenn Eure exacte Wissenschaft heute noch all ' diese ähnlichen Wirkungen von einer Quelle abzuleiten bemüht ist? Bedenkt doch, vor wie wenigen Jahren sie sogar diese Wirkungen zu läugnen sich bemühte; hat sie diese anerkannt und sucht die Ursachen zu ergründen. Lasst nur noch einige Jahrzehnte vergehen und sie wird weitere Wirkungen entdecken, die wieder den eben geschlossenen Rahmen anerkannter Gesetze sprengen und erneutes Suchen nach dem zu Grunde liegenden Gesetze zur Folge haben müssen. Du fragst, ob die spiritualen Phänomene zu Grunde liegenden Kräfte jemals von der Wissenschaft erforscht werden können? und Du glaubst, diese Frage verneinen zu müssen. Was aber der Entwicklungsstufe einer Welt zufolge, heute seine Verbindung und Ergänzung nicht finden kann, wird eben dieser fortschreitenden Entwicklung zufolge, in kommenden Zeiten die Verbindung finden müssen; denn die Wissenschaft einer Welt ist nichts Anderes, als der Ausdruck des Intellektes im Geistleben der Welt und sind daher die Grenzen, die den Forschungen der Wissenschaft gesteckt sind, von der Entwicklung dieses Intellektes gezogen. Der allgemeine Fortschritt des Geistes bedingt aber seine Er-kenntniss ewiger Gesetze und in seinem Menschenleben wird sein Intellekt diese Erkenntniss zum Ausdruck bringen. Ihr müsst nicht ausser Acht lassen, dass die Vergeistigung der Materie ein Gesetz ist. Die Materie des Gehirns, durch welche der Geist Anerkanntes und Erkanntes dem Wesen: Mensch -zum Bewusst-sein bringen muss, kann dem vorangeschrittenen Geiste nicht zum Hinderniss werden; ist es doch nichts Anderes, als das In-strument der Materialisirung einer erkannten Wahrheit zur Sprache dieser Welt. Unter Sprache verstehe ich hier nicht nur das Wort, sondern die klaren, sich ergänzenden Begriffe, die in Worte gefasst, eine vom Geiste geschaute Wahrheit dem Brudergeiste darstellen wollen. Das, was Eure Religionen und Eure Wissenschaft heute noch trennt, sind die Unzulänglichkeiten und Unvollkommenheiten, welche ihnen Beiden anhaften. Die Geistgruppe, die Eure Welt belebt, hat, als Gesammtsumme genommen, Erkenntniss einer Frage: --ewigen Lebensquelle, aus der jede Lebensform entstanden, Er-kenntniss einer Moral, die den Begriffen Gut und Schlecht zu Grunde liegt; die Aeusserungen dieser Erkenntnisse sind die Religionen Eurer Welt. Die Aeusserung der Vernunft und der Denkkraft dieser Geistgruppe ist Eure Wissenschaft; es stehen sich also Religionen und Wissenschaft nicht nur nicht diametral entgegen, sondern sie sind nur die Aeusserungen verschiedener Eigenschaften, auf verschiedenen Feldern reifende Er-kenntniss einer Geistgruppe. Indem sich Erkenntniss an Er-kenntniss reiht, lernt der Geist mit der Zeit die Felder alle be-herrschen und findet (die Grenzen untergegangen) die Verbindung von Gesetz mit Gesetz, die Harmonie, die jede Dissonanz un-möglich macht, die Einheit, die in der Vollendung liegt. Lange bevor diese vollendete Einheit erreicht ist, werden aber die Aeusserungen jener Geist -Eigenschaften, welche Religion und Wissenschaft auf Eurer Welt verursachen, ihre Verbindung ge-funden haben und mit der Kraft zunehmender Gesetzeserkenntniss die Vergeistigung der Materie anstreben. Die spiritualen Phäno-mene sind bestimmt, das Glied zu bilden, welches Wissenschaft und Religion verbindet. 5a. Die spiritualen Phänomene, Hypnose, Suggestion und Telepathie. Lassen sich die psychischen Kräfte eines Mediums auf dem Wege der Hypnose und Suggestion oder der Auto -Suggestion so wecken und auslösen, dass sie allein und ohne Mitwirkung von Spirits die physikalischen und geistigen spiritualen Erschein-ungen hervorbringen, wie Thomas Jay Hudson in seinem Werke "The Law of Psychic Phaenomena ", Chicago Me. Cllurg & Co. 1891 zu beweisen versucht? Können Phänomene eines übersinnlichen Verkehrs, in welchen sich eine Intelligenz manifestirt, auch der aussergewöhnlichen, bewussten oder unbewussten Wirkungskraft lebender Menschen, die sich ausserhalb des spiritualen Cirkels befinden, mittels Tele-pathie, ohne Intervention von Spirits, entstammen? Die Theorien Hudsons sind zum grossen Theile schon durch Aksakow Fußnote.) widerlegt und bedarf es nur eines Studiums beider Antwort: fussnoteFußnote.) Aksakow, Animismus und Spiritismus. Versuch einer kritischen Prüfung der mediumistischen Phaenomene. Leipzig 1894 bei O. Mutze. s18: Bücher, um zu sehen, wie weit diese Theorien stichhaltig, wie weit sie hinfällig sind. Es geht Hudson, wie so manchem Menschen. Er steht vor einem Gebiete, das ihm fremd ist und findet, indem er es mit Interesse zu durchforschen sucht, Theorien, durch welche sich einige Erscheinungen auf denselben erklären lassen. Statt damit zufrieden zu sein, müht er sich ab, alle Erscheinungen durch das gleiche Gesetz erklären zu wollen, und das Argument, welches innerhalb einer gewissen Grenze gut gewesen wäre, wird nun schwach. Die Menschen, die solche Werke lesen, zerfallen dann, je nach ihrer Entwicklungsstufe, in drei Gruppen: Solche, die Alles acceptiren, weil ein Theil gut ist, Solche, die Alles verwerfen, weil ein Theil schwach ist, und Solche, die das Gute und das Unzulängliche zu trennen wissen. Dies gilt auch von jeder Religion, die auf Erden Anhänger gefunden, und die ersten zwei Gruppen, zu denen die Mehrzahl der Menschen gehört, sind es, die den allgemeinen Fortschritt so erschweren und verlang-samen. Die Grenzen physischer, psychischer und rein geistiger Kräfte und die Wirkungen dieser Kräfte sind schwer durch be-stimmte Striche zu ziehen; ein Gesetz ist mit dem andern ver-bunden, es ergänzend und erweiternd, die Bedürfnisse geistiger und atmosphärischer Art einer fortschreitenden Geisterwelt be-friedigend. Ein Hauptirrthum Hudsons ist der, dass er der Seele, die er mit seinem "subjective mind "identifizirt, die höchsten Eigenschaften beilegt, beim Tode die höchste Vollkommenheit erreichen lässt und es doch als nothwendig bezeichnet, dass sie dem objective mind (mit welchem Ausdrucke er die Funktionen des Gehirns identifizirt) unterstehe, damit der Mensch nicht in Wahnsinn verfalle. Das sich dem Leser nothwendig aufdrängende: Warum? weist er mit der Sentenz zurück: Wenn Gott Etwas für gut findet, haben wir kein Recht, zu fragen, warum Er es so und nicht anders gemacht hat. Das ist ein unendlich gefähr-licher Satz, der in dem Werke eines Forschers keinen Platz finden soll. Dieser Schild kann die Theorien Hudson's nicht vor Anfechtungen schützen, denn nicht alle Menschen werden diese Theorien mit der Offenbarung des göttlichen Willens identi-fiziren können. Unverstand ist es von ihm, die Versuchung Christi durch ein Zwiegespräch seines "objectiven und subjectiven mind "erklären zu wollen; unhaltbar die Theorie, dass die Ver-suchung von der Seele, die beim Tode des Menschen sofort ihre Vollkommenheit und Vereinigung mit Gott erreicht, aus gehe, aber von den Funktionen des Gehirns zurückgewiesen werden soll. Die vollkommene Seele, die nur durch die Verbindung mit der Materie zum versuchenden Dämon und zur Kraft wird, welche, wenn nicht genügend beherrscht, den Menschen in den Wahnsinn treibt, soll dennoch die Materie in der Funktion des Gehirns zu beherrschen, zu retten im Stande sein? Hudson erklärt die Heil-ungen Christi einzig durch die Gesetze der Hypnose, Suggestion und Telepathie und knüpft daran die Vermuthung, dass die weiteren Wunder Christi auch die Wirkungen uns unbekannter Gesetze sein könnten. Da aber Hudson nur die Gesetze der Hypnose kennt, muss er sich an eine Beweisführung wagen, dass Christus nur, um uns diese Gesetze zu lehren, auf Erden lebte. Doch genug davon. Durch die psychischen Kräfte allein lassen sich gar keine Erscheinungen auf spiritualem Gebiete hervorbringen; sie bieten gewisse Bedingungen, die der Geist zu seiner Kund-gebung bedarf; doch in ihnen liegt nicht die Intelligenz, die sich in solcher Kundgebung zeigt. Doch vermag der durch Hypnose und Suggestion willenlos gewordene inkarnirte Geist die Rolle eines entkörperten Spirits zu spielen. Weder die Seele, noch die Funktionen des Gehirns sind Intelligenzen an sich, sie sind nichts Anderes, als die mehr oder weniger dichte Atmosphäre, deren es bedarf, um die Bewegung des Geistes dem Menschen als Lichterscheinung in's Bewusstsein zu bringen. Damit ist nun auch Deine Frage in Betreff der Wirkungskraft lebender Menschen auf das Zustandekommen geistiger Phänomene mittels Telepathie beantwortet. Die Telepathie ist die Zukunftssprache der Mensch-heit. In dem Grade, als ihre Gesetze erforscht und erkannt werden, vermag jeder Mensch sie für sich anzuwenden; denn sie ist nicht eine Gabe Einzelner, sondern die Wirkung eines Gesetzes, welches der Menschheit ein bestimmtes Mass der Freiheit, das ihrer Entwicklungsstufe angemessen, verschafft. Wenn die Materie von der Menschheit in ihrer Wesenheit erkannt sein wird, welches gleich bedeutend ist mit ihrer vollkommenen Beherrschung, so ist sie an sich kein Hinderniss, dass der Mensch sich gewissen Gesetzen unterstelle, die ihn zum Herrn aller endlichen Gesetze machen und ihn in denselben Wirkungskreis ewiger Gesetze stellen, in dem die entkörperten Geister einer gewissen Stufe leben. Christus bewies Euch dies durch Seine Thaten und durch Sein Wort. "Und grössere Dinge, als diese, werdet ihr thun. " S20 (12-13 i eboken): 6. Eintreten für den Spiritualismus. Frage: Dürfen sich Spiritualisten und namentlich Medien den viel-fachen Anfeindungen und Kämpfen gegenüber, welchen die geistige Bewegung heute noch ausgesetzt ist, mit Rücksicht auf Lebens-stellung und Verhältnisse dem offenen Bekenntnisse zu der Geister-lehre aus Opportunitätsgründen durch kluges geschicktes Aus-weichen entschlagen, oder haben sie im Interesse der Sache ent-schieden für dieselbe einzutreten? Antwort: Du weisst, mein Liebling, dass ich Dir nie gesagt habe: "Dies thue und dies lasse ", sondern nur stets versucht habe, Dich soweit als möglich auf unsere Höhe zu erheben, damit der Blick, der sich daraus ergibt, die Erkenntniss, die dadurch er-wacht, Dein Führer sei. Denn nicht einengen wollen wir die Freiheit eines emporstrebenden Geistes, indem wir ihm sagen: "Dies ist Deine Pflicht, dies thue ", sondern die Grenze seiner Freiheit möchten wir ausdehnen, indem wir ihm helfen, seine Selbstlosigkeit zu erweitern. Wenn Deine Selbstlosigkeit den Grad erreicht haben wird, der Dir möglich, dann wird Deine Individualität nicht mehr von Menschenfurcht beengt sein, und als eine Freie, die unbehindert von Allem, was sie umgibt, einzig zu ihrem Gott emporstrebt, nur von dem Wunsche beseelt ist, Seinen Willen zu erkennen und treu zu erfüllen als eine solche freie Individualität wird sie sich immer inniger mit unserer Individualität verbinden können. Du, mein Liebling, wirst darin eine Freude finden, die Dich voll entschädigt für das, was Du durch solches Streben zu verlieren fürchtest. Du brauchst nicht mich, um Dir zu sagen, wenn Du gefehlt. Du empfindest diese Schatten selbst und sie sind Dir unerträglich. Was Du als solche Schatten empfindest, ist für Dich ein Unrecht; daran halte fest. Du darfst ja menschlich klug sein, so lange Du es kannst, ohne einen Schatten hervorzurufen. Wo Du nicht ver-standen wirst, darfst Du schweigen; wenn Du aber aufgefordert wirst, musst Du wahr sein, kannst nicht die Flinte in's Korn werfen und sagen: "Ich habe nie eine Flinte in der Hand gehabt. "Es kommt für jeden Menschen eine Zeit, in der er nicht mehr im Halbschatten stehen bleiben kann, sondern heraustreten muss in das Licht seiner Erkenntniss, die seiner Ueberzeugung zu Grunde liegt. Die ganze spirituale Bewegung ist gottgewollt und gesetzlich; sie enthält die nothwendige Lehre für die Ent-Frage: wicklungsstufe Euerer Welt. Als Solche hast Du diese Bewegung erkannt und Dich in ihren Dienst gestellt, bevor Du dieses Menschen-kleid um Dich geworfen. Nun Du Dich in ihm befindest, musst Du in ihm Deiner Aufgabe gerecht werden. Denke doch an die Sache und nicht an Dich. Sei dankbar, wenn Du ihr dienen kannst und suche nicht, Dich zu schonen. Was schadet es, wenn die Menschen Dich verachten oder verlachen? Streife Deine Eigen-liebe ab und Du wirst es gar nicht mehr schmerzlich empfinden. Thue einfach das, was Du für recht erkennst; die Folgen Deiner Handlungen überlasse Dem, der in vollendeter Weisheit Handlung und Folge gesetzlich verbunden hat. Ihr könnt die Folgen einer geistigen Handlung überhaupt nicht überblicken, da sie weiter gehen, als Menschenblick und Menschenerkenntniss zu dringen vermögen. Wie Luther aus seiner Erkenntniss heraus sagte: "Hier stehe ich; ich kann nicht anders. Gott helfe mir ! "so saget auch Ihr Spiritualisten aus Euerer Erkenntniss heraus. Die Menschen, welche die Art eines Baumes nicht erkennen, lassen sich doch durch die Frucht überzeugen, ob er gut und edel sei; so sollt Ihr Spiritualisten höchste Güte anstreben, nicht nur um Eueres Fortschrittes, sondern der Sache wegen, der Ihr dient. So seid wahr und schlicht und einfach. Lasset nichts Anderes Euere Handlungen bestimmen, als die Erkenntniss, dass diese Handlung gut, gerecht und gottgewollt. -B. 7. Die Mediumschaft. Die Mediumschaft wurde von einem Spiritkreise als im Organismus des Menschen wurzelnd und aus dessen gelockerter Lebenskraft entspringend, bezeichnet. Diese Erklärung reicht wohl nur für physikalische Phänomene aus. Von anderen Spirits wird die Mediumschaft als fluidischer Einfluss dargestellt und werden diese Fluide, den magnetischen gleich, in positive und negative Strömungen getheilt. Im geistigen Verkehre zwischen Spirits und Schreib-oder Sprach -Medien nehmen wir an, dass eine relative Loslösung der letzteren von ihrer Einkörperung, eine Konzentration ihres Geistes die Erhebung desselben bis zu dem Grade ermöglicht, dass er von der Geisterwelt beeindruckt werden kann. Diese Eindrücke sind vom transcendentalen Subjekte des Mediums in dessen Gehirn und damit in's sinnliche Bewusstsein des Menschen zu über-tragen und die so gebildeten Gedanken durch Schrift oder Sprache auszulösen. Auf diesem langen Wege treten der völlig ungetrübten Wiedergabe der ursprünglichen Eindrücke mancherlei Hemmnisse entgegen, welche durch möglichste Passivität des Mediums am wirksamsten zu beseitigen sind. Wir bitten Dich, uns über die Grundlage, Wesenheit, sowie über den Vorgang in der Ausübung der Mediumschaft möglichst eingehende Belehrung geben zu wollen, um dem einleitenden Kapitel Deiner Kundgebungen über die spirituale Bewegung auch Deine Mittheilungen über die ihr zu Gebote stehenden Mittel anfügen zu können. Antwort: Die Mediumschaft ist eine Eigenschaft, die sowohl im Organismus als auch im Transcendentalen des Menschen wurzelt. Alle Menschen haben mehr oder weniger diese Eigenschaft, denn kein Mensch ist ganz frei von der Beeinflussung durch die ihn umgebende Geisterwelt. Diese Beeinflussung in ihrer entwickelten, klaren Form ist das, was Ihr Mediumschaft nennt. Der Mensch, der Geist war, verkörperter Geist ist und in kurzer Zeit wieder entkörperter Geist sein wird, hat ja das Geistleben nicht verlassen, sondern steht mitten d'rin und empfindet, wenn auch oft un-bewusst, das, was die Geistbrüder ihm übertragen wollen. Der Vorgang dabei ist folgender: Jeder Mensch ist von Fluiden um-geben, die einen Theil seiner Wesenheit ausmachen; diese Fluide sind die Leiter, welche die Verbindung und Aeusserung des Geistbruders mit und durch den Menschen möglich machen. Bei physikalischen Phänomenen sind diese Fluide das Material, dessen der Geist zu seiner Arbeit, zur Herstellung des materiell Sicht-baren und Greifbaren aus Imponderabilien bedarf. Die Fluide des Menschen, eine materiellgeistige Substanz, sind Mittler, deren der Geist bedarf, um die im Aether liegenden Elemente in Verbindungen zu bringen, welche sicht-und greifbare Er-scheinungsformen ergeben und die Kräfte auslösen, welche Dinge heben oder in Bewegung setzen, Lichteffekte hervorbringen u. s. w. In den Fluiden des Menschen liegt seine Lebenskraft, daher seine mehr oder weniger grosse Erschöpfung nach der Ausübung dieser Mediumschaft; doch ist die Hingabe seiner fluidischen Kraft nur ein Darleihen, das der Mensch gibt und welches ihm die Geister mit Zinsen zurückerstatten, indem sie Entnommenes durch ihre reineren Fluide ersetzen. Während des Schlafes des Menschen ist die Arbeit des Zurückerstattens, des Mischens der Fluide und des Ersatzes der entnommenen Kraftatome am leichtesten; daher der Schlaf solcher Medien während und nach der Sitzung ein ungestörter sein muss. Durch Uebung erzielen solche Medien immer schönere Erfolge, die leitenden Geister durchtränken die Fluide ihres Mediums mit ihren Fluiden, die nothwendige Ver-bindung der Fluide des Mediums, der Geister und der Aether-bestandtheile geschieht rascher und vollkommener, die ausgelösten Kräfte nehmen zu und die Erscheinungsformen gewinnen dadurch an Klarheit und Bestand. Die Materialisationsmedien sind weit seltener, als die Medien, welche durch klares Verstehen der Sprache der Geistbrüder das Kontingent der Sprech-und Schreib -Medien bilden. Der Grund dafür ist der, dass die physikalischen Expe-rimente den Beweis des Fortlebens des Geistes erbringen und daher nur ein kleines Bruchstück in der nothwendigen Belehrung Euerer Welt zu nennen sind. Die physikalischen Experimente, die der Mensch sieht, prüft und aus deren Entstehen er sich vom Wirken ihm bisher unbekannter Gesetze überzeugt, führen ihn erst an die Schwelle einer ihm neuen Gesetzeswelt, von der er sich durch ernstes Studium der Lehren, die sich im intelligenten oder geistigen Verkehr zwischen Geist und Mensch ergeben, ein möglichst klares Bild zu machen suchen muss. Die den Menschen umgebende Geisterwelt beeinflusst ihn mehr oder weniger, sich ihrer Einwirkung bewusst zu werden und durch möglichstes Passivverhalten des eigenen Geistes diesem Einflusse zeitweise ganz hinzugeben. Das so Empfundene durch Schrift oder Wort klar wiederzugeben, ist die Ausübung der Schreib-oder Sprech-Mediumschaft. Der beeinflussende Geist bedient sich da wieder der Fluide des Menschen als Leiter seiner Verbindung mit dem verkörperten Geiste, dieser versteht die Sprache des Geistbruders und bringt sie durch die Vermittlung der Materie des Gehirns in's Bewusstsein des Mediums, welches sie durch Wort oder Schrift dem Erdenbruder wiedergibt. Dies ist der Vorgang beim intuitiven Schreib-oder Sprech -Medium, dessen Beeinflussung die des Geistes auf den Geist ist. Beim mechanischen Medium, das entweder schlafend oder im wachen Zustande unbewusst, die Gedanken des beeinflussenden Geistes wiedergibt, ist der Vorgang ein etwas anderer. Der Geist des Mediums wird dabei vom entkörperten Geiste verdrängt, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf, wo die Konzentration des verkörperten Geistes und damit die Freigabe des materiellen Mittlers, des Gehirnes, eine freiwillige ist. Der entkörperte Geist bringt die Hand oder das Sprachwerkzeug des Menschen durch den Telegraphen des Gehirns in Bewegung und äussert so seine Gedanken und Empfindungen. Viele Menschen, und Du selbst, mein Liebling, gehörtest zu ihnen, sind der Meinung, dass die mechanischen Medien die Gedanken des Geistes reiner, das heisst mit den eigenen Gedanken unvermischter zum Ausdruck bringen können. Wenn aber der intuitive Geist durch seinen Willen sich passiv verhält und auf einer Entwicklungsstufe steht, die ihn unsere Sprache verstehen lässt, das heisst die ihm unsere Gedanken, unser Wissen (welche ja immer ein Ergebniss unserer erreichten Stufe sind) nicht als etwas Fremdes erscheinen lässt, so wird der Geist des Mediums dem Instrumente, dem Gehirne, dieselben Töne ent-locken, als wenn wir es direkt spielen würden. Natürlich ist es keine Unmöglichkeit, dass der Geist des Menschen dem Gegebenen hin und wieder Eigenes vermische; diese Möglichkeit ist aber auch bei mechanischen Medien nicht ausgeschlossen. Der Geist des Mediums, welcher sein Werkzeug dem entkörperten Geiste überlassen hat, durchdringt oft blitzartig das Gehirn des Men-schen, das durch die fluidischen Bande so viel enger mit dem Menschengeiste als mit dem entkörperten Geiste verbunden ist. Das was eine vollkommene Wiedergabe empfangener Gedanken durch ein Medium am besten ermöglicht, ist dessen Aehnlichkeit mit dem kundgebenden Geiste, ist sein reines Wollen, möglichst Hohes zu erhalten bei vollständigem Fernhalten jeder gewöhn-lichen Neugierde. Ist ein Medium im Verkehre mit einem hohen Geiste, so wird diese Mediumschaft in dem Grade Höheres, Be-deutenderes ermöglichen, als das Medium in reinem Streben, mit ganzer Thatkraft an seiner Vergeistigung arbeitet. Prüfungen und Schwierigkeiten im Erdenleben werden seine Mediumschaft nicht trüben können, es sei denn, dass es diese Prüfungen nicht so besteht, wie es dies kraft seiner erreichten Entwicklung ver-möchte, dass es die Schwierigkeiten nicht so überwindet, wie es dies könnte, wenn es sich stets der Gottes -Kraft und Gottes -Liebe bewusst bliebe. Viele Menschen machen den Medien zum Vor-wurfe, dass sie fremdem Geiste die Beherrschung ihres Körpers zeitweilig überlassen, und können selbst mit Verachtung von denselben reden. Diese Menschen wissen wenig von der Soli-darität der Geister, von dem Bedürfnisse einer materiellen Welt, dass die thatsächlich stattfindende Beeinflussung der Geisterwelt dem Menschen bewusst und klar werde. Nicht die Ausübung einer Mediumschaft knechtet den Menschen, wohl aber das Nicht-ankämpfen gegen seine Fehler und Schwächen, welche ein starkes Bindeglied zwischen niederem Geist und solch ' schwachen Men-schen sind. Ein hoher, oder auch nur ein guter Geist wird niemals die Freiheit eines Menschen, auch nur vorübergehend, zu beschränken suchen, sondern wird stets dem Menschen wahre Freiheit durch seine Lehre immer klarer zu machen streben. Es ist durch die Solidarität der Geister bedingt, dass der Bruder dem Bruder helfe. Geistähnlichkeit verbindet die Geister mehr, als das Menschenkleid sie zu trennen vermag. Stehen daher die Menschen vielfach unter dem Einflusse niederer Geister, so darf der Einfluss höherer Geister einer Welt nicht entzogen werden, welche sich gesetzlich zu höherer Stufe entwickelt. Wenn ein inkarnirter Geist das geistige Auge zu höherer Sphäre emporhebt und die Gedanken höherer Geistbrüder assimilirt, um sie den Erdenbrüdern in Wort und Schrift wiederzugeben, leidet da seine Freiheit? Sie wächst in dem Maasse seiner Liebe und seiner Erkenntniss; jede Lehre also, welche das Wachsthum der Liebes-Kraft fördert, welche die Grenzen der Erkenntniss erweitert, erweitert zugleich die Freiheit des Geistes. 8. Bewusstsein und Ahnung (spontan). Bewusst wird dem Menschen nur das, was ihm durch die Materie des Gehirns materialisirt wird. Wenn Du schreibst und wenn Gedanken sich in Dein Gehirn eindrücken, so werden sie Dir bewusst, sie bekommen Gestalt und Form und Du kannst sie der Mitwelt weitergeben. Wenn Du aber schläfst, so trennt sich Geist und Körper und wir können mit Dir ohne das Medium des Gehirns verkehren. Vereint sich im Erwachen der Geist mit dem Körper zu einer vollendeten Schaffung, dem denk-fähigen Menschen so braucht dieser Geist wieder das Werk-zeug des Gehirns, nicht nur zu seinem Verkehre mit anderen Menschen, sondern um sich selbst seine eigene Jetztform als Mensch verständlich zu machen. Deshalb bleibt dem erwachenden Menschen das, was der Geist eben klar gesehen oder gehört, nur als Ahnung, als ein freudiges oder trauriges Gefühl. So fühltest Du Dich am heutigen Morgen getröstet, denn Du hattest gesehen, dass Du Ursache dazu habest. Liebling, Gott ist gross genug, um Dich zu führen. Kannst Du nicht ausruhen in diesem Glauben? Kind, zweifle doch nicht immer und sorge Dich nicht stets um die Zukunft. Kannst Du sie ändern? oder zweifelst Du, dass der sie ändern kann, der sie bestimmte und ohne dessen Willen sie nicht in Dein Leben treten könnte, dass dieser Vater weiss, was noth thut? 9. Die Mediumschaft eine seelische Eigenschaft. Ist also die Seele des Menschen, wenn er im Tiefschlafe liegt, befähigt, mit der Geisterwelt in Verkehr zu treten? Antwort: Ich möchte vor Allem die Begriffe Geist und Seele etwas genauer definiren, damit Ihr nicht in Irrthümer verfallet und der Seele die Eigenschaften des Geistes beilegt. Das Vollkommene ist eine Einheit, und so ist der Keim des Vollkommenen Geist auch eine Einheit, ein Bewusst-sein. Der Geist im Menschen ist das Bewegende, Intellektuelle, das zielbewusst Strebende, das sich nach seiner Vollendung Sehnende. Die Seele ist das Bindeglied, welches es diesem Geiste ermöglicht, sich mit der Materie zu einer Einheit dem Menschen zu verbinden; sie ist die Atmosphäre, die es ermöglicht, dass die Musik, die der Geist empfindet, ausklingt. Sie hat keine Individualität, ist eng mit dem Geiste verbunden; die Art ihrer Wesenheit ist bedingt durch seine errungene Stufe. Der Geist bedarf des Seelenkleides selbst in seiner Vollkommenheit, in der die Seele, der Astralleib, der Nervengeist -oder welchen Namen immer Ihr dieser Geistmaterie geben wollt, -zum Geistäther geworden, ihm die Bedingungen seines Lichtkleides erfüllt. Die Seele der Gottheit ist Urlicht. Die Seele also ist es nie, die in Verkehr mit der Geister-welt tritt; sie ist die Brücke zwischen Geist und menschlicher Materie; sie ist es, welche die Bedingungen erfüllen muss, die der Geisterwelt den Verkehr mit dem Menschen ermöglichen, -mit anderen Worten: Die Mediumschaft ist eine seelische Eigenschaft. Liegt der Mensch im Tiefschlafe, so kann sein Geist mit den Geistbrüdern in Verkehr treten, doch bleibt er sich dessen nicht bewusst, so wenig er sich seiner Präexistenzen bewusst ist; und doch kann demselben schon etwas bleiben der äusserste Frage: Ring des Bewusstseins, das Ahnen, das feinste, zagende Empfinden, das er nicht vor das Kriterium seiner Vernunft zu stellen ver-mag, und das manchen Menschen doch etwas Reales, Thatsäch-liches ist. Wer dies nie gefühlt, vermag es auch kaum zu verstehen. 10. Besitznahme des Mediums durch hohen und niederen Geist. Der Geist Antonius Fußnote.) nahm, wenn das Medium ihn zum Zwecke seiner Besserung und Umkehr rief, intensiv an ihn dachte, ganz Besitz von demselben und äusserte sich durchaus wohl auf mechanischem Wege? Wie wurde es möglich, dass ein reiner Geist sich, während Antonius durch das Medium sprach, desselben zu inspirirten Kundgebungen bedienen konnte? Dass der Geist Antonius, so lange er in der Sünde, dem Gegensatze, verharrte, den reinen Geist nicht schauen, nicht er-kennen konnte, sondern nur als helle Wolke erblickte, ist mir begreiflich; nicht so, dass Antonius im Verkehre mit dem Medium nicht alsbald die bindende Macht des Leiters, der hohen geistigen Potenz, ahnend gefühlt haben sollte, welche seine Kräfte lähmte und wirkungslos machte? Der Geist Antonius nahm, wie jeder andere Geist, ganz Besitz von dem Medium, während er sich durch dasselbe äusserte, aber auch nur so lange. Gibt sich ein Medium zu einem gewissen Ausgleich zwischen Hoch und Nieder hin, und ein solcher ist ja der Wechselverkehr zwischen hohem und niederem Geiste, so nehmen die Geister abwechselnd Besitz von dem Medium. Das-selbe ist stets unter Kontrolle des Leiters und kann dieser durch seine höhere Macht und durch seine innigere Verbindung mit dem Medium sofort Besitz von ihm ergreifen, den niederen Geist Fußnote.) Dem Verkehre mit Antonius lag ein Fall von Besessenheit zu Grunde. Er hatte einen sowohl dem Medium als dem Fragenden persönlich bekannten Menschen Jahre lang in Hass und Rache physisch gequält und dessen intellektuelle und Willenskraft gelähmt. Das Medium über-nahm es unter der Leitung und Intervention Emanuels in den Jahren 1888 und 1889 in einer Reihe von zwischen den beiden Geistern durch seine Hand geführten Zwiegesprächen, Antonius von seiner Schuld zu überzeugen und ihn zu bewegen, von seinem Opfer abzulassen. Nachdem dies im September 1889 gelungen war, gesundete der bis dahin Besessene an Leib und Seele. ebok s20-21; 28-29 i org.bok: zwingend, seinen Besitz aufzugeben. Dies geschieht, sobald das Medium in Gefahr ist, wirklich Schaden zu leiden. Ob die Kundgebungen auf mechanischem oder inspirirtem Wege erfolgen, ist einerlei; die momentane Beherrschung des Mediums ist die gleiche. Niedere Geister äussern sich durch Dich, mein Schützling auf halbmechanischem Wege; Deine Hand wird in Bewegung gesetzt und Du weisst zu gleicher Zeit, was Du schreibst. Antonius fühlte Deine Ueberlegenheit, als er sich durch Dich äusserte, und suchte gar keine höhere geistige Potenz. Je höher der Geist, je weniger wird er von ganz niederem Geiste empfunden, wenn nicht der Wille des hohen Geistes diese Em-pfindung anregt. Dies geschieht aber nur, wenn es einen weisen Zweck hat. Von wem eine Lehre kommt, ist einerlei, wenn sie nur an sich gut und wahr ist und ihren Zweck an dem erfüllt, dem sie gegeben. II. Beruf des Mediums (spontan). Furchtlos musst Du der Zukunft in's Auge sehen; sie kommt aus Gottes Hand und Du bist Gottes Kind; da kann sie nicht anders werden, als gerade so, wie es für Dich am Besten ist. Der Glaube an Seine Vaterliebe und Vaterführung ist Dir nun zur hellen Gewissheit geworden, wie er es mir ist, und in Ge-wissheit geht der Glaube unter; der Geist weiss und ist befriedigt. Kind, wenn ich mit Dir über Dich und Deine Pflichten rede, so bedarf es keines Stiftes mehr; je ähnlicher Du uns wirst, desto besser verstehst Du uns wortlos, in der Berührung von Geist mit Geist. Wenn Du daher die Wahrheiten, auf die wir hin-deuten, erkannt hast und sie in Deinem eigenen Geiste fühlst, so wird dieser nicht zufrieden sein, bis er ihnen mit seiner ganzen Kraft, nach seinem tiefsten Empfinden leben darf. Du sollst sie also leben lassen. Du kamst mit der Aufgabe in die Welt: mitten unter Menschen ein Geist zu sein. Gott gab Dir die nöthige Erziehung, die Erkenntniss, den Schutzgeist und den Leiter. Danke ihm, Kind, denn Seine Liebe währet ewiglich und in Seiner Liebe liegt Kraft, zu stehen und zu siegen, das Geisterbanner hoch zu halten und es Dir durch keinen Feind, durch keinen Sturmwind entreissen zu lassen. Das Banner ist Geist und Du bist Geist; verbunden in Gottes Kraft stehe fest auf Gottes Erde. Die Kraft ist da; sie durchdringt das All und wartet, dass Ihr sie nehmet und festhaltet. So lebe, lebe Ihm allein; und wenn Andere Dich nicht verstehen, so lasse sie und warte. Gott wartet auch. Glaubst Du, mein Kind, Du dürfest noch zaghaft durch's Leben gehen, Deine Augen sorglich auf die Menschen gerichtet, ängstlich wartend, bis der Spiritualismus Mode geworden? Um mit dem Strome zu schwimmen, dazu bedarf es keiner Kraft. Du sollst mit Menschen bekannt werden, die das gleiche Interesse haben, die suchend in das Geistleben eindringen; Du sollst ihnen die Schönheit unserer Lehre zeigen, Du sollst so hingebend werden, dass es Dir genügt, zu fühlen, Du arbeitest mit ganzer Kraft im gei-stigen Arbeitsfelde Gottes. Wenn Menschen über diese Arbeit lachen, so sei Du stark und wahr genug, um Dir dies nicht zum Hinderniss werden zu lassen. Sei zufrieden, wenn zwischen Dir und Deinem Gotte keine Schatten sind. Du brauchst nicht Sonnen-licht und Lampenlicht zu gleicher Zeit; darum blicke ruhig hinweg über die Schatten des Nichtverstandenseins zwischen Dir und vielen Menschen. Lebe ruhig weiter, wie wir Dich führen; ver-stehe nur stets die Hauptsache von der Nebensache getrennt zu halten. Hauptsache ist Pflichterfüllung, getreu der gottgegebenen und errungenen Erkenntniss, -Nebensache ist Menschenurtheil, Menschengeschwätz. 12. Verhältniss zwischen Geist und Medium (spontan). Ich habe nicht nur die Aufgabe erhalten, durch mein Medium dem Menschen eine Lehre zu geben, welche ihrem jetzigen Be-dürfnisse entspricht; ich habe auch die Aufgabe übernommen, mich so innig mit meinem Medium zu verbinden, dass es in diesem geistigen Leben Entschädigung für die vielen Entbehr-ungen finde, die ihm dieses Erdenleben auferlegt. Als kleines Kind verstand es mich so gut, wie jetzt; zur Aussprache zwischen uns bedarf es keines Stiftes. Er hat Dich, Bernhard, wie auch G., irre gemacht, dass es Euch das sagte, was ich Euch später kund-gegeben und Ihr kommt zu dem irrigen Schlusse, es könne beide Male das Medium, und nicht ich, gesprochen haben, während ich dasselbe die beiden Male beeinflusst hatte. Diese Beeinflussung wahrt dessen Willensfreiheit vollkommen; meine Lehre führt das aus, was es vor seiner jetzigen Inkarnation theils gewusst, theils S22 ebok/30 org.buch; Frage: Antwort: geahnt und zu dessen Bethätigung es diese Inkarnation ange-nommen hat. Seine Mediumschaft ist eine intuitive; wenn ich mit ihm rede, eine rein intuitive, wenn niedere Geister mit ihm reden, eine halb mechanische, wie das Klopfen mit den Fäusten, das Zerreissen des Papieres u. s. w. beweist. Je höher der Geist, desto leichter äussert er sich intuitiv, weil er leichter den Geist, als die derbe Materie beherrscht, in der er nie gelebt. 13. Die psychischen Kräfte des Mediums. In wie weit wirken die psychischen Kräfte des Mediums und des Kreises zum Zustandekommen spiritualer Phänomene mit? das heisst in wie weit benützen die sich manifestirenden Spirits diese Kräfte zu ihren Kundgebungen? Ist zur Psychographie die substanzielle Anwesenheit der leitenden oder beherrschenden Geister erforderlich? oder kann sie durch Fernwirkung, dem Telephon ähnlich, zur Auslösung gebracht werden? Der Mensch besteht aus Geist, Seele und Körper, oder aus mit höchsten Eigenschaften begabtem Leben, aus feiner, aus dieser Lebenskraft sich bildender Materie und aus derber Materie. Die psychischen oder seelischen Kräfte des Mediums sind das Material, aus dem die Spirits schöpfen, um die spiritualen Phäno-mene hervorzubringen. Die psychischen Kräfte des Kreises werden von den Spirits, soweit die Bedingungen dazu gegeben, benutzt. Denkt Euch doch die verkörperte und entkörperte Geisterwelt als eine Welt, aus einer Quelle hervorgegangen, von gleichen Gesetzen geführt, einem Ziele entgegenstrebend. Die verkörperte Geisterwelt steht noch unter der Herrschaft einiger endlicher Gesetze, denen die entkörperte Geisterwelt entwachsen ist; doch die ewigen Gesetze, welche die ganze Geisterwelt der Vollendung entgegenführen, sind mächtiger, der Geist untersteht ihnen in erster Linie und der verkörperte Geist braucht nicht seinen Körper abzustreifen, um der Herrschaft gewisser endlicher Gesetze zu entwachsen; denn das, was die entkörperte und verkörperte Geister-welt verbindet, die Gleichheit der Wesenheit ist mächtiger, als das was sie trennt: die derbe stoffliche Hülle. Es ist daher im wahren Sinne des Wortes, der Verkehr der Geister mit dem Menschen nichts Uebernatürliches. Ihr müsst nur den Begriff "Natur "über die Grenze derber Stofflichkeit hinausführen. Es gibt natürliche Gesetze in einer geistigen Welt, es gibt geistige Gesetze in einer natürlichen Welt. In dem Masse der Vergeistigung der Materie erweitern sich die Grenzen dessen, was der Materie natürlich ist, indem die sie führende endliche Gesetzeswelt immer mehr von den ewigen, mächtigeren Gesetzen durchdrungen, er-weitert, ersetzt wird. In der Ausübung einer guten Mediumschaft stellt der Wille des inkarnirten Geistes seine psychischen und physischen Kräfte dem Spiritbruder zur Verfügung. Je nach der Art der Mediumschaft bedarf der Spirit mehr der psychischen Stoffe und Kräfte oder er beeindruckt den passiven Geist des Mediums mit seinen Gedanken und seinem Wissen und der in-karnirte Geist bringt so Erhaltenes sich selbst und Anderen durch das Instrument des Gehirns zum Bewusstsein. Da Aehnliches sich immer nur mit Aehnlichem verbinden kann, besteht in dieser Art des Verkehrs zuweilen eine Jakobsleiter in der Verbindung von Höherem mit wieder Höherem. So kommt der Gedanke, vom Geistbruder dem Geistbruder gegeben, von diesem direkt oder indirekt durch weiteres Geistglied auf intuitivem oder mecha-nischem Wege in's Bewusstsein des Mediums. Selbstverständlich ist dazu die substanzielle Anwesenheit des leitenden Geistes nicht nöthig. In dem zielbewussten Willen des Geistes liegt die Kraft; die Kräfte substanzieller Ruhe und Verbindung sind im Vergleiche damit untergeordnete. 14. Räumliches und zeitliches Fernsehen. Frage: Wie verhält sich die menschliche Seele bei Ferngesichten, und zwar sowohl bei räumlichem, als zeitlichem Fernsehen? Bei räumlichem Fernsehen könnte man an eine materielle Vermittlung denken, wobei die Seele nur passiv wäre. Ist es so? Dagegen existirt die Zukunft materiell noch nicht, beim Blick in die-selbe müsste also die Seele activ sein? Findet in einigen Fällen des Fernsehens Inspiration von Seite entkörperter Geistwesen statt? Antwort: Das Fernsehen, sowohl räumlich wie zeitlich, ist ein Beweis, dass es nicht der Materie bedarf, um Etwas zur Erkenntniss des Geistes zu bringen, und solcher Beweise bedarf es in einer Zeit, in der die in der Materie befangene Menschheit von der irrigen Ansicht zurückgebracht werden soll, dass die Materie das allein Reale ist. Bei allem Hineinragen des Geistigen in die Materie geistige Gaben oder Mediumschaft genannt bedarf es mehr des Mediums der Materie, als gerade beim zeitlichen Fernsehen. Der Fortschritt der Geister ist ein allgemeiner, all ' ihre Eigen-schaften umfassender, so wird ein höherstehender Geist auch erweiterte Grenzen des Wissens haben. Die Gesetze erkennend, sind ihm auch deren Wirkungen klar; beides natürlich nur innerhalb bestimmter Grenzen; denn die Grenze, welche die Unreife des Geistes seiner Erkenntniss und seinem Wissen zieht, geht logischer Weise erst in der Vollkommenheit des Geistes vollständig unter. Die Wirkungen der Gesetze sind, was Ihr Menschen die Zukunft nennt. Der Geist versteht Gesetz und Wirkung, seine Erkenntniss wirkt auf das Gehirn des Menschen und dieser meint, die Zukunft im Bilde zu schauen. Ein solches Fernsehen ist daher immer eine Inspiration, entweder des im Menschen ver-körperten Geistes oder von entkörperten Geistwesen. Bei räum-lichem Fernsehen dagegen besteht die materielle Vermittlung. Fortsetzung. Lieber Bernhard ! Du meinst in den Anfangs-und Schluss-worten meiner vorstehenden Mittheilung einen Widerspruch zu finden. Ich sagte: "Das Fernsehen, sowohl räumlich wie zeitlich, ist ein Beweis, dass es nicht der Materie bedarf, um Etwas zur Erkenntniss des Geistes zu bringen " und "Bei räumlichem Fern-sehen besteht die materielle Vermittlung. "Es bedarf nie der Materie, um Etwas zur Erkenntniss des Geistes zu bringen. Die Fähigkeit des Erkennens, des spontanen Verstehens ist eine rein geistige Eigenschaft, die dem Geistwesen in seiner derbmateriellen Verkörperung etwas getrübt wird, doch durch dieselbe niemals verloren geht. Der Geist im Menschen erkennt eine Sache; durch Benützung der Materie, Gehirn genannt, bringt er diese Erkenntniss in's Bewusstsein des Menschen. Bei allen geistigen Gaben bedarf es zu deren Aeusserung des Mediums der Materie, da Ihr Menschen eben unsere Sprache, den Gedanken, noch nicht versteht, wenn er sich nicht in Worte hüllt. Die Offenbarung ist ein grosser Faktor in der Heranbildung des Unvollkommenen zur Vollkommenheit. Sie ist die geistige Speise, welche die Gnade Gottes allen unvollkommenen Geist-wesen bietet, es deren freiem Willen überlassend, durch die Assimilirung dieser Speise an geistigen Kräften zuzunehmen. Die Unvollkommenheit und der Sündenfall der Geistwesen zwingt sie in die Materie; das enge Verwachsensein mit ihr bedingt, dass alle Offenbarung sich des Mediums der Materie bediene, um zum Bewusstsein des materiellgeistigen Wesens zu gelangen. So wurde Christus zum "Worte ", den Mantel der Materie um sich legend, um der Menschheit die Offenbarungen Gottes aus-zusprechen. Alles, was sich dem Menschen offenbart, muss Form und Gestalt annehmen. Auch das zeitliche Fernsehen, was an sich ein rein geistiger Vorgang ist, bedarf des Mediums der Materie, um in's Bewusst-sein des Menschen zu treten; doch ist es eine Offenbarung von Geistkraft und Geisteigenschaft, die ein mächtiger Faktor werden muss und schon ist zur Beweisführung des Irrthums der Materia-listen, die, in ihrer Lehre befangen, Wirkung und Ursache ver-wechseln. Beim zeitlichen Fernsehen streift der Geist des Menschen auf kurze Zeit die Fesseln der Materie ab, das heisst er lockert sie und entsteigt der derben Materie, um mit derselben nur mehr durch ein geistig materielles Band verknüpft zu sein; in den Kreis seiner Erkenntniss tritt nun die Wirkung der Gesetze, das heisst die Zukunft. Er erkennt und durch das Medium des Gehirns verleiht er seiner Erkenntniss Worte. Beim räumlichen Fernsehen sieht der von der Materie ge-lockerte Geist des Menschen materiell Thatsächliches; es besteht also darin eine Art materieller Vermittlung, welche beim zeitlichen Fernsehen entfällt, da letzteres nur zu seiner Aeusserung, nicht an sich selbst, zum Schauen, der Vermittlung der Materie bedarf. Was die Inspiration von Seite entkörperter Geistwesen in Fällen des Fernsehens betrifft, möchte ich Euch sagen, dass es für Euch schwierig sein würde, die Grenze des Hineinragens von ausserhalb Euch stehendem Geistleben in das Eurige zu bestimmen. Wie Eure Materie fühlt und empfindet, wenn fremde Materie sie berührt, so empfindet Euer Geist die Berührung von Geistwellen, welche ihn umfluthen. Jedes Geistwesen ist ein Theil des Ganzen und empfindet jene Theile desselben, die ihm auf seiner geistigen Stufe analog sind. Versteht mich recht. Es ist dies keine enge Grenze; denn kleinlich ist Nichts, was Gottes Weisheit gesetzlich werden liess. Die Menschheit ist von Geistleben durchfluthet und jeder Mensch zieht solche Theile desselben an, die ihm bis zu gewissem Grade ähnlich sind. 34-35 Ich berühre dies zur Erweiterung Deines Ausspruches von neulich, lieber Bernhard. Du sagtest, ein gutes Medium sei ein solches, das völlig passiv sei und den sich äussernden Geist allein und ohne jede Vermischung mit eigenen Gedanken reden lasse. Es ist dieser Ausspruch vollkommen richtig, doch nicht erschöpfend. Von eben so grosser Wichtigkeit, wie das passiv Seinwollen des Mediums ist seine höchstmöglichste geistige Entwicklung, seine Selbstlosigkeit, sein guter starker Wille in Allem, nicht nur in der vereinzelten Ausübung der Mediumschaft. Nur dies ermöglicht höherem Geistwesen, sich durch dieses Werkzeug zu äussern und nur solche Aeusserungen sind von ethischem Werthe für Euch. Jeder Mensch ist mehr oder weniger den geistigen Einflüssen, die ihn umgeben, ausgesetzt; dass diese Einflüsse und Inspira-tionen noch deutlicher fühlbar für ihn werden, wenn er sich von den Fesseln derber Materie befreit, wie dies beim zeitlichen Fern-sehen der Fall, ist natürlich. Geistbrüder umringen ihn jubelnd, geistige Aehnlichkeit bedingt die Erkenntniss ihrer Gedanken, das Sprechen ihrer Sprache, er nimmt ihr Wissen an, und Beides, seine Erkenntniss ihrem Wissen assimilirt, äussert sich durch das Medium der Materie seines Gehirns, seiner Hand oder seiner Zunge. -15. Zur Geschichte von Schatzhebungen. Es gehen oftmals aus niederen Spiritkreisen Mittheilungen an Medien und deren Cirkel über angeblich vergrabene Schätze und über die Mittel und Wege, sie zu heben, hervor, die sich in der Ausführung als ganz erfolglos erweisen. Es ist uns ein solcher Fall bekannt geworden, in welchem Ort, Zeit und Umstände genau bezeichnet wurden, unter welchen die Hebung eines zu wohlthätigen Zwecken zu verwendenden Schatzes erfolgen werde, welche unerlässliche Bedingung für die Erlösung eines armen Geistes, Andreas, sei. Wir hatten zwar eindringlich gerathen, dieser Mittheilung keine Folge zu geben; als die vorgeschriebenen Einleitungen jedoch wirkungslos geblieben waren und nur Ver-wirrung und Kämpfe hervorgerufen hatten, wandten wir uns auf die dringende Bitte des enttäuschten Kreises um Aufklärung und Rath an Emanuel, von welchem wir folgende Antwort empfingen. Antwort: Ihr wisst so wenig von den Gesetzen, welche die Geister-welt leiten, den Verkehr und die Verbindung zwischen Ent-körperten und Verkörperten ermöglichen, dass es für Euch nahe liegt, aus dem geringen Materiale der Geistererscheinungen und Offenbarungen falsche Schlüsse zu ziehen. Bevor ein Mensch den Verkehr mit Geistern anstrebt, thut er gut, die Geistlehre in ihrer ganzen Grösse und Tragweite zu erfassen und sie ganz zu assimiliren; dann wird sein Erkenntnisskreis wachsen und, so gestärkt, gehe er hinaus in das weite Feld der Wirkungen dieser Geisterwelt. Er wird sich nicht mehr verirren, sondern wird auf den vielen Wegen, die dieses Feld durchqueren, stets neue Schätze an eigenen Erfahrungen, an Möglichkeiten finden, Anderen zu helfen. Die Grundpfeiler der Geistlehre sind: die Erkenntniss der Solidarität der Geister und die möglichst selbstlose Hingabe an die Hilfsforderung, welche die ganze gefallene und unvollkommene Schaffung in Folge der Solidarität an jedes gute Geistwesen zu stellen berechtigt ist. Wenn ein Geist sagt, die Hebung eines Schatzes ist unerlässlich zu seiner Erlösung, so belehrt denselben. Nicht die Hebung eines Schatzes kann einen Geist erlösen; sondern einzig unerlässlich ist seine wahre Reue und sein fester Wille und Vorsatz, geistig vorwärts zu schreiten; seine Bestimmung zu erkennen und diesem Ziele entgegenzueilen. Das Gold ist es nicht, was den Geist bannt und festhält, sondern seine man-gelnde Erkenntniss, seine durch Schuld gelähmte Flugkraft. Sagt ihm, dass auch er, der Tiefgefallene, Geist ist von Gottes Geist, und dass er sich erheben muss, um diese Gotteskindschaft em-pfinden zu können. Wenn Ihr für ihn betet, so rufet ihn zuerst und saget dann: "Vater und Gott, mit unserm armen Bruder Andreas kommen wir zu Dir und bitten Dich um Erkenntniss. Gieb uns Er-kenntniss unserer Schuld, Erkenntniss unserer göttlichen Be-stimmung, Erkenntniss der Möglichkeit, uns zu erheben und fort-zuschreiten von Kraft zu Kraft; denn, obschon nicht werth, Deine Kinder zu heissen, sind wir es doch geblieben in Folge Deiner Unwandelbarkeit. So gib uns Erkenntniss dessen, was wir sind, Erkenntniss der Wege, die uns heimführen zu Dir. Amen. " So habt Ihr dem Geiste mehr geholfen aus Euerer Er-kenntniss der geistigen Wege, die allein zum Urgeiste führen können, als wenn Ihr jene Wege einschlagt, die eine ganze Geister-schaar Euch als gut bezeichnet. Jedes Medium tritt im Anfange seiner Mediumschaft mehr oder weniger in den Kampf, den stets das Böse in der Geister-welt gegen das Gute zu führen gewillt ist. Tritt es nur als Medium, nur als Mittler zwischen Entkörperten und Verkörperten in diesen Kampf, so ist es ja nicht anders möglich, als dass es theils von höheren, theils von niedereren Elementen beherrscht und benützt wird. Allein das Medium selbst kann da den Ausschlag geben, ob es zum Spielball wird oder zur Hilfsquelle für Viele. Was es in aller Wahrheit und Kraft anstrebt, das wird es auch erreichen können, wenn es die Bedingungen erfüllt, die das Er-reichen eines hohen Zieles erfordert. Diese Bedingungen sind: der Wunsch, die Sehnsucht, dem Bruderwesen zn helfen, in solcher Selbstlosigkeit zu dienen, dass eigene Freude Nebensache, Bruderhilfe Hauptsache im Leben werden; ferner die errungene Erkenntniss, dass es nur eine wahre Hilfe für den Bruder gibt: seinen Erkenntnisskreis zu erweitern, seine Willenskraft zu stählen und so auch ihn zum Mitarbeiter auf dem grossen Felde der Vervollkommnung alles Erschaffenen zu machen. Als solche Medien tretet hinaus in das weite Arbeitsfeld, das vor Euch liegt und Ihr werdet keine Enttäuschungen mehr erleben, sondern die höchste Freude, die es für das emporstrebende Geistwesen gibt: Erkenntniss des Gottes-willens und möglichst getreue Erfüllung desselben. Suchet jedem Menschen, den Ihr als Mitwirkenden in Euren Kreis einlasset, zuerst dies nöthige Wissen zu geben, damit er sich nicht auf Wegen verirre, die er nicht kennt. 16. Verkehr mit dem Meister. Du fragst, ob der Meister oft mit den Medien in Pest Fußnote.) verkehre? Es kommt Euch Menschen oft so unglaublich vor, Fußnote.) Der Verein "Geistiger Forscher in Budapest "empfing öfter durch seine Sprech-und Schreibmedien Kundgebungen, welche ihrem Wortlaute und Inhalte nach als von Jesus ausgehend betrachtet wurden, auch dessen Namen trugen. Es erglänzte bei solchen Anlässen das Angesicht der im Zustande der Extase sprechenden Medien. Siehe "Reflexionen aus der Geisterwelt "im Selbstverlage des Vereins, Pest, Herrengasse 2, 1873, Band I, Lief. 3, Seite 82-84, Lief. 4, Seite 115-118, Lief. 8, S. 232. Frage: dass hohe Geister oder gar der Heiland mit Euch Unwürdigen verkehren solle. Ihr könnt aber die vollkommene Liebe, wie sie der Meister für seine armen gefallenen Brüder fühlt, nicht er-messen; eine sehnende Liebe ist es, die mit jedem Einzelnen seiner Brüder direkt verkehren möchte, um ihn desto schneller zur Erkenntniss des Guten, zum Vater zurückzubringen. Es ist ja nicht nothwendig, dass Er selbst stets persönlich nahe sei und ist dies nur selten der Fall; aber er sieht, dass ein Medium oder ein durch dasselbe Belehrungen erhaltende Kreis, einer gewissen Lehre, eines Tadels, eines trostreichen Wortes bedarf. Er sieht das Bedürfniss; er will, dass es befriedigt werde; wer von seinen Dienern dann das Wort ausspricht, das er gesprochen haben will, ist Nebensache; es ist doch der Meister, der gesprochen. Ihr sagt ja doch auch, das Gebäude wurde von jenem Bauherrn gebaut, wenn er auch nicht einen Stein mit eigener Hand niedergelegt hat. Ihr könnt doch nicht sagen, der Maurer habe das Haus gebaut? 17. Vatermedien. -Eine ganz eigenthümliche Erscheinung auf dem Gebiete des Spiritualismus ist das Auftauchen sogenannter Vatermedien, das heisst von Schreibmedien, welche direkte Mittheilungen von Jesus-Vater zu erhalten glauben; -unstreitig fromme, kindliche Seelen, liebevolle Herzen, die aus tiefster, innigster Ueberzeugung wirken. Die Kundgebungen schliessen sich wohl enge an die Lehre Christi an, enthalten daher stets einen Kern von Wahrheit; doch erscheint mir ihre Form der Erhabenheit des Geistes Christi nicht ange-messen. Es fehlt ihnen die Tiefe, der Ernst, die Klarheit der Aussprüche, wie wir sie in den von Ihm ausgehenden in der Bibel durchgehend finden. Ich habe eine Sammlung derselben gelesen, darunter Gedichte auf das Weihnachtsfest, Liebeshymne, Abschiedswort auf eine Reise, in welchem der Passus vorkommt: "Sehet, Ich bin allmächtig und dennoch vermag ich nicht Alles, sondern ihr vermöget durch euern freien Willen, denn ich nimmer antaste, Meiner Allmacht einen Damm entgegenzusetzen. Euer freier Wille ist von Mir als eine Demuthsprobe gesetzt Mir selber, denn ich hemme mich selbst durch euch, die ich als Menschen nach Meinem Ebenbilde erschuf. Versteht es recht, was diese Worte Euch sagen sollen. Amen. Euer Euch treu liebender Jesusvater. " Frage: Seufzer, eine in sich selbst zurücksinkende kleine Welle. Leget kein Gewicht auf die grössten Wirkungen des Unvollkommenen; die kleinste Ausstrahlung des Vollkommenen, in die be-scheidenste Erscheinungsform getreten, ist weit mächtiger; denn das Unvollkommene ist vergänglich und seine mächtigsten Wirk-ungen sind nur endliche, während eine Vibration nur des Voll-kommenen sich in ewigen Wellen fortpflanzt, unendlich in ihren Folgeerscheinungen, unbegrenzt in ihren Wirkungen, von uns unergründet in ihrer vollendeten Weisheit. Fragt Ihr noch, wie Ihr Euch solch ' Kindermenschen gegen-über verhalten sollt? Vor Allem weise. In der Erkenntniss, dass auch sie Das nicht mehr assimiliren werden, dem sie ent-wachsen sind, suchet nur, wo Ihr könnt, ihr Wachsthum zu fördern. Wenn sie wirklich gut geworden, wird auch der reifende Verstand erwachen. Indem Ihr Ihnen aber sagt, dass sie schwach sind, macht Ihr sie nicht kräftiger. Und was den Schaden betrifft, den die Sache darunter leidet, so könnt Ihr nach dem, was ich zuvor gesagt, selbst er-messen, dass er nur ein sehr geringer sein kann, das heisst ein schnell vergänglicher. Einzelne Geisterstimmen sind so wenig in dieser grossen Bewegung. Ihr steht am Anfange derselben und könnt sie nicht überblicken. Wenn sie von Euch Menschen geführt, bewacht und behütet werden müsste, wenn Eure Erkenntniss, Eure Reife und reine Güte ihr Lebensdauer verleihen müsste, so wäre sie allerdings nur kurzlebig. Da sie aber eine Wirkung ewiger Gesetze ist, die das ganze Weltenall durchfluthen und in gleichmässigem Wellenschlage jede materielle Welt berühren, so ist Euer Thun und Lassen dabei von nur geringer Macht. Jeder von Euch soll in der erwachenden Erkenntniss der Grösse und Tragweite dieser Bewegung mit der ganzen Kraft seines Willens und Wirkens sich in ihren Dienst stellen. Er soll sein Sandkorn dem grossen Bau beifügen, soll sich aber bewusst bleiben, dass es ein Sandkorn ist. Ausführungen über vorstehende Kundgebung. ? Der Verbreitung der Geisterlehre und des Glaubens an die-selbe stehen vielfache Hindernisse im Wege, vom bewussten Be-truge geschwächter Berufsmedien und dem Missbrauche derselben durch ihre eigenen Spirits an, durch die Irrthümer und Unwahr-heiten, welche sich in psychographischen Manifestationen in Folge mangelhafter Reaktion der Schreibmedien auf Eingebungen von Spirits einschleichen, durch die Eitelkeit von Medien und unent-wickelten Geistern, welche kleinliche, überflüssige Details in den Verkehr hineintragen, durch die auf subjektiven und graduellen Gegensätzen beruhende Widersprüche selbst hochentwickelter Geister über Cardinalfragen der Lehre. Du sprichst uns nun in Deiner vorstehenden Kundgebung auch noch von kindlich frommem Betruge, welchen gutmeinende, kleine Spirits mit Gedanken und Lehren ausüben, die ihnen von höheren Geistern zur Verkündung an uns Menschen gegeben werden. Die, wenn auch indirekte Betheiligung höherer Geister an einem frommen Betruge, in welchem kleine Spirits den Namen des Erhabensten zu miss-brauchen wagen, kann uns, die wir unser Sandkorn der grossen Bewegung widmen, nur tief betrüben und entmuthigen, da wir doch nur in dem Zeittheilchen unserer irdischen Existenz für die Sache als Menschen wirken können. Es muss uns, die Bevorzugten unter Millionen, welchen wohlklingende Akkorde an's Ohr schlagen, aus denen wir die Harmonie der Zukunft ahnen können, sowohl für uns selbst, als noch mehr für die Zweifelnden und Zagenden schmerzen, wenn solche Misstöne das in ihnen erwachende Vertrauen erschüttern. Da heisst es, sich in Geduld und Resignation ergeben ! Wenn ich Dich richtig aufgefasst habe, betrachtest Du das,, Gut -sein -Wollen ", das "Menschen -helfen -Wollen "und von Deinem Standpunkte aus gewiss mit Recht -, als ein niederes Stadium unserer geistigen Entwicklung. Ich habe bisher in der Meinung gelebt, dass unser Werth in der geistigen Welt mehr nach unserem Wollen und ernsten Streben, als nach dem Erfolge gemessen werde, dass das wirklich gut Sein ein Zustand der Vollendung sei, welcher uns Menschen im Erdenkleide, unserer Natur nach nur schwer erreichbar bleibe. Ich selbst fühle nur zu sehr die Ohnmacht zum Erringen dieses Zieles, zur Lösung der erkannten Aufgabe, stehe deshalb in fortwährenden Seelen-kämpfen, unter einer tiefen Depression über meine Schwäche, welche mich zu der Freude über das Werdende, die Du liebevoll in mich ausgiessen möchtest, nicht gelangen lässt. Du hast die Noth meiner Seele, deren Zweifel an kommendem Glücke für sie, die Kälte und Dürre, unter denen sie leidet, voll Nachsicht und Milde berührt und danke ich Dir innig für Deine Mahnung. Das Bewusstsein meines Zustandes, die Schranken, welche sich meinem Wollen stets entgegenstellen, der Mangel an Flugkraft zu lichteren Höhen gaben mir auch die Worte ein, welche Du mit einem Lächeln der Liebe und des Mitleids gehört, nicht ein Zweifel an Deine Menschenliebe. Auf sie bauend, spreche ich mich in der Beschränktheit meiner Erkenntniss freimüthig Dir gegenüber aus, und bitte Dich um Deine sachliche und persönliche Belehrung, um Deine Rathschläge? Es muss Euch ein Trost sein in der jetzigen, so unvoll-kommenen Erscheinungsform einer grossen geistigen Bewegung, dass Gott mit anderem Maassstabe misst, wie Ihr; dass die Zeit-grenze, die Euch so hemmt, in Wahrheit nicht existirt. Die Er-scheinungsform dieser Bewegung durch unvollkommene Medien und meist sehr unvollkommene Geister scheint Euch das Reale, während sie, wie alle Erscheinungsform, das traumhaft Unreale, weil das Vergängliche, steter Verwandlung Unterworfene ist. Das Reale liegt in der ewig unvergänglichen Thatsache, dass das Geistleben in alle materielle Form hineinragt, dass nicht Diese das Primäre ist, sondern Jenes. Der Spiritualismus soll Euch lehren, dass eine Gottheit ist und als Folge dieser Gottheit Geistleben, als Bindeglied zwischen Gott, Geist und Brudergeist die Liebe, in ihren mannigfaltigen, durch die Sünde bedingten Formen: Opferwilligkeit, Mitleid, Nächstenliebe. Du, lieber Bernhard, stelltest einmal das Mitleid höher als die Liebe, was nicht richtig war; denn das Mitleid ist nur eine durch Sündenfall und Sündenfolge bedingte Form der Liebe. Da aber Fall und seine Folgen ver-gänglich sind, wie alles Unvollkommene, so ist auch das Mitleid vergänglich, die Liebe aber ist ewig. Der Maassstab Euerer und unserer geistigen Entwicklung ist die Erkenntniss und die Liebe. Diese beiden sind es, in denen die Kraft des Geistes liegt, dem Bruder wirklich zu helfen, zu dienen. Dies ist gerecht, da Erkenntniss und Liebe Errungen-schaften des Geistes sind, nicht Gnadengeschenke Gottes. Ein Geist kann auf einer verhältnissmässig niederen Stufe stehen und doch schon den Wunsch haben, gut zu sein, dem Nächsten zu helfen. Der Wunsch, gut zu sein, ist die erste Bedingniss dazu, es zu werden; doch zwischen dem Wunsche und der vollkommenen That ist die lange Stufenleiter der Vervollkommnung. In Geduld und Ausdauer muss Stufe um Stufe erklommen werden; jede Stufe hat ihre Grenze der Erkenntniss. Dich, lieber Bernhard, hat Dein Wollen, einer erkannten Aufgabe zu genügen, weil dieses Wollen ächt und stark war, auf eine Stufe gehoben, die Du noch nicht ganz beherrschst. Du fühlst das Unzulängliche und es quält Dich, Du vermagst den wahren Frieden nicht dauernd in Deiner Seele zu erhalten und doch ist sie sich ihres Durstes nach Frieden und Befriedigung bewusst. Wie magst Du zweifeln an kommendem Glück für Dich? Ist dies nicht ein Zweifel an der Liebe Deines Gottes, und was berechtigt Dich zu diesem Zweifel? Da Du ein Christ bist, müsste Christi Wort genug sein für Dich: "Gott ist die Liebe. "Du hast aber auch Beweise dieser Liebe in Deinem Erdenleben erfahren; denn Zufall gibt es nicht. Die Nahrung, die Dir geboten wurde, ist ein Beweis der individuellen Führung Deines Geistes durch höheren Geist. Und diese Führung wird nach ewigen Gesetzen jedem Geist zu theil, bis er seine Vollendung erreicht hat, seine vollkommene Erkenntniss ihm die Vollkommenheit seiner Freiheit ermöglicht. Lieber Bernhard ! Deine heutige Erkenntniss ermöglicht diesen Glauben, und dieser Glaube muss den Lichtkreis des Friedens, der Befriedigung in Deine Seele legen. So ruhe in der Liebe Deines Gottes und danke Ihm für diese Liebe, wie es der Geist allein vermag, indem er sie erkennt, empfindet und ihr zu leben sucht. II. Die Schöpfung. Seite Kurze Skizze derselben Der erste Geistfall Das Universum Zweck und Plan der Schöpfung Ausführung vorstehender Kundgebung Fortsetzung. Vergeistigung der Materie Die Verwandlungen der Schöpfung Entwicklung des Lebens. Elementargeist Lebensprincip und Complement Der zum Lebensprincip rückgebildete Geist Entwicklung der Materie, Thiermenschen II. Die Schöpfung. 18. Kurze Skizze derselben. Wenn der Geist nicht das Primäre wäre, sondern nur eine Entwicklung aus der Materie, so würde er für die Anziehungs-kraft des Göttlichen nicht so empfänglich sein, dass er sie auf den verschiedenen Stufen seiner Reife immer mehr als ein Sehnen nach Vollendung empfindet, welches zu befriedigen er die stets wachsende Kraft seiner Wesenheit einsetzen wird. Wie in dem Wasser die Kraft liegt, die Höhe wieder zu erreichen, auf welcher es entsprungen, so liegt in dem Geiste die Kraft die für ihn dasselbe bindende Gesetz ist wie für das Wasser die Höhe -zu erreichen, in welcher er sich zuerst zur Individualität geformt. -Im Anfang war Gott. Gott ist Urleben, ist Schöpfungskraft, schöpferische Bewegung, welche sich zu Geistindividualität krystall-isiren musste. Ihr könnt diesen Prozess nicht verstehen, nicht fassen; können wir von der Materie ganz befreite Geister ihn doch nur ahnen; aber so viel könnt Ihr fassen, dass Gleiches Gleiches zur Folge haben muss. So war Gott und wurde aus Ihm Ihm Aehnliches: reine Geister. Weil aus der Vollendung hervorgegangen, hatten sie den Keim der Vollendung in sich und diese Vaterschaft ist Bürge, dass sich diese Keime in Allem zum Abbild ihres Vaters entwickeln werden. Es lag in ihnen Schöpf-ungskraft, Willensfreiheit und Erkenntniss der Gesetze, durch welche sie diese Schöpfungskraft zu ihrer Vollendung ausbilden sollten. Sie mussten diese drei Eigenschaften haben: Schöpfungs-kraft, Willensfreiheit und Kenntniss der führenden Gesetze; denn nur durch dieselben konnten sie jene Grösse erreichen, die für sie, ihrer Sohnschaft gemäss, das gesetzliche Ziel war; und doch war in diesen Dreien die Möglichkeit des Auflehnens gegen Gott gegeben. Ohne Willensfreiheit wäre eine Gegensätzlichkeit zum Gotteswillen unmöglich, ohne Kenntniss der Gesetze, in welchen sie ihre Entwicklung ausbilden sollen, wäre das Verlassen dieser Gesetze kein Fall, keine Sünde für die Geister gewesen, und im Missbrauche ihrer Schöpfungskraft lag die Handlung, die der Ausdruck dieses ausgesprochenen Willens war. Es ist unendlich schwer, mit Menschenworten dem Menschenverstande nur in Umrissen ein Bild von diesem ersten Geisterfall zu geben. Gott in seiner unerschaffenen Grösse, die als ewiger Quell in Wellen der Liebe, der Weisheit und Allmacht aufsteigt, passte den nun entstandenen Bedürfnissen Seiner Kinder neue Gesetze, neue Schaffungsformen an. Das Resultat der missbrauchten Schöpfungskraft Seiner verirrten Kinder schloss er in versöhnende Gesetze ein und indem Er dieser Geistmaterie oder Halbmaterie Entwicklungs-und Ausbildungsfähigkeit gab, verwandelte Er Chaos in Gesetzlichkeit. Jene Erstlingsgeister, die diesem Falle sich nicht angeschlossen, waren in langen Zeitturnussen zu hohen Geistern herangereift; dadurch, dass sie den Versuchungen widerstanden hatten, waren sie so hoch über die abgefallenen Geister erhaben, dass die Gefallenen, dem ewigen Gesetze des Aehnlichen gemäss, ihre Sprache nicht mehr verstanden. Das Bindeglied zwischen Gefallenen und durch bestandene Prüfung der Vollendung Nahen ist ungeprüfte Reinheit. Und so schuf Gott reine Geister und gab ihnen als Wohnort die halbmateriellen Wellen, welche sich durch seine Gesetze aus jenen Stoffkeimen gebildet hatten, die aus dem Missbrauche der Geisterschöpfungskraft hervorgegangen waren. Diese zweite Schaffung wird Euch im Bilde der Erschaffung Adams gezeigt. Als Adam geschaffen wurde, hatte "das Uebel "schon Gestalt angenommen als versuchende Schlange. Die Bibel deutet ja dies Alles nur an; dem Verständnisse der Kinder gemäss ist die geistige Offenbarung, die ihnen zur Nahrung gegeben wird. Die neue Geistschaffung erhielt geistige Lehre nicht von Gott direkt, sondern von den hohen Erstlingsgeistern; die Versuchung trat in Gestalt der gefallenen Erstlingsgeister an sie heran. Sie sollten durch Widerstand gegen die Versuchung, im Erhalten ihrer Reinheit, den Gefallenen zur Lehre dienen; es war daher ihre Bestimmung eine zweifache: zu lehren und zu lernen. Dem grossen Gesetze der Solidarität der Geister war diese Form gegeben. Nun bildete sich ein zweites Lebendiges aus den Folgen der Schöpfungskraft der gefallenen Geister; denn da diese Folgen in göttliche Gesetze eingeschlossen wurden, war denselben Ent-wicklungs -Fähigkeit bis zum Erreichen der Vollendung ihrer Wesenheit gegeben. Es musste dies gesetzlich also sein. Und dieses secundäre Leben, das sich in unfreier Entwicklungs -Noth-wendigkeit aus der Materie bildet, nennen wir Lebensprinzip. Ihr könnt diesem secundären Leben auch einen anderen Namen geben, wenn Euch ein solcher den Begriff klarer macht. Namen ändern an Thatsachen Nichts. Dieses Lebensprinzip bildet sich in unfreier Entwicklungs -Nothwendigkeit durch die Stufen der Mineralien-, Pflanzen-und Thier -Welt bis zu Elementargeistern oder Elementarseelen heran, welche die Vollkommenheit seiner Wesenheit sind. Bestimmte Gesetze bringen dies secundäre Leben zu seiner Vollkommenheit, bestimmte Gesetze erfassen es nun und bringen den Geist der Materie zum Urgeiste, Gott, welcher verwandelnd auf dessen Wesenheit einwirkt, es um-gestaltend zur Anfangsstufe von reinem Geist, der nun mit der Willensfreiheit auch die Verantwortlichkeit für seine Handlungen erhalten hat. Vor diesem reinen Geiste steht derselbe Ent-wicklungsgang, wie vor dem Paradiesesgeist; er kann als Geist seine Vollendung erreichen, er kann, in den an ihn herantretenden Prüfungen fallend, materielleres Leiden zur Sühne und Läuterung bedürfen. In der Bibel wurde Euch vom Falle Adams, seiner Ver-treibung aus dem Paradiese gesagt, sowie von der Unfruchtbarkeit des Bodens, die eine Folge des Falles gewesen. Die reingeschaffenen Paradiesesgeister, die den Versuchungen der gefallenen Geister (der Schlange oder Lucifers) unterlagen, waren den Wohnorten, die ihnen bis dahin gesetzlich angepasst waren, entwachsen; denn ein freier Geist kann einer Stufe sowohl in fortschreitender als in rückschreitender Richtung entwachsen, indem er sich ausbildet oder rückbildet. Die Fortbildung schreitet in Katastrophen voran. Es kommt eine Zeit der Reife, ein Culminationspunkt, in welchem die Hülle, die Ungleiches verbindet, sich theilt, und frei gewordener Geist nach dem Gesetze der Anziehungskraft in neue Bahnen gelenkt wird. So formen sich Welten aus Welten, die Sonnen sind Erzeuger der sie umgebenden Planeten, die Planeten der sie umgebenden Monde, und alle diese Welten sind Wohnstätten der Geister; das Lebensprinzip entwickelt sich aus der Materie und bildet das lebendige Kleid derselben, die Wohnstätten der Geister präparirend. Der freie Geist kann in fortwährendem Falle sich bis zur Entwicklungsstufe des Lebensprinzipes rückbilden und muss sich dann in Unfreiheit gesetzlich fortentwickeln, bis er wieder eine Stufe erreicht hat, auf welcher ihm Willens-freiheit, Schöpfungskraft und Gesetzeserkenntniss neuerdings möglich werden. war. Das Weltenall entstand also durch Welttheilung, die eine Folge des Culminationspunktes von Fortbildung und Rückbildung Christus giebt Euch ein Bild davon in dem Gleichnisse der Ernte des Weizens und des Unkrautes. Zur Zeit der Unreife standen sie nebeneinander, der gleiche Boden gab Beiden die Nahrung; doch zur Zeit der Reife wurden sie gesondert und getrennt. Die von Gott geschaffenen Paradiesesgeister bleiben auch in ihrem Falle bis zur Schule der Menschform auf Erden oder erdähnlichen Welten herab, ihrer Bestimmung getreu, Binde-glieder zwischen gefallenen und reingebliebenen Geistern, zwischen Hohem und Niederem zu sein. Fußnote.) 19. Der erste Geistfall. Wir begegnen bei Menschen, welche die Tiefe, Bedeutung und Tragweite Deiner Lehre anerkennen und guten Willens sind, sich dieselbe zu eigen zu machen, der Schwierigkeit, dass sie nicht begreifen können, wie ein Fall reiner, aus Gott hervor-gegangener Geister, ein Verlassen der gesetzlichen Wege ohne äusserlichen, ihnen ursprünglich fremden Antrieb möglich war. Weisen wir darauf hin, dass Gott keine Automaten, sondern Geist-wesen mit Willensfreiheit geschaffen habe, die durch eigene Arbeit ihre Vollendung zu erringen haben und in dieser Errungenschaft ihre Seligkeit finden, so leuchtet ihnen dies vollkommen ein; doch sehen sie darin nicht die Lösung der alten Frage über den Ursprung der Sünde, des Abfalls und des Uebels, welchen sie mit der Natur von Gott geschaffener, reiner Geister unvereinbar betrachten. Sie suchen daher nach einer dem reinen Geiste fremden Quelle, dem Gegensatzgeiste, welcher den Antrieb zum Frage: Fußnote.) Siehe I, 3. Verlassen der gesetzlichen Wege gegeben haben müsse, da das Entstehen eines solchen Antriebes in reinem Geiste undenkbar sei. Kannst Du uns das Mittel an die Hand geben, diese An-schauung erfolgreich zu widerlegen oder wenigstens so weit zu berichtigen, als es unser Fassungsvermögen für rein geistige Zustände zulässt? Ihr Antwort: Du sagst, die Menschen suchen die Ursache des Falles reiner Geister in deren Versuchung durch Gegensatzgeister, da ihnen ein Fall ohne solche Versuchung undenkbar scheint. Wie erklären sie sich aber das Entstehen solcher Gegensatzgeister? Kann Gott unreine Geister schaffen oder kann es einen Lebens-strom geben, der nicht aus der einen Lebensquelle, Gott, hervor-gegangen wäre? Ihr habt unklare Begriffe über den Vorgang des ersten Geistfalles. Reinheit schliesst doch nicht die Mög-lichkeit eines Falles aus; dies vermag allein Vollkommenheit der Erkenntniss und der Liebe. Diese Vollkommenheit fehlte dem reingeschaffenen Erstlingsgeiste; er konnte Gott noch nicht lieben, in dem wahren Begriffe dieses Wortes, weil er Ihn noch nicht ganz erkannte; er konnte Ihn auch nicht erkennen, weil er noch nicht gross genug geworden zu solcher höchsten Erkenntniss. Erkannte er doch nicht einmal die Folgen seines Falles. müsst nun den Fall eines Theiles der reinen Erstlingsgeister zu einer Zeit (um mit Eueren Worten zu reden ), da sich die Schöpfung Gottes noch nicht zur Halbmaterie verdichtet hatte, nicht mit Sünden von Geistern auf Euerer Stufe vergleichen wollen. Es war eine Trübung, die Ihr als solche kaum fassen könntet, und die doch in jenem intensiven Lichte sich dunkel hervorhob. Nicht vollständiges Anschmiegen des Erstlingswillens an den Gottes-willen, wie er sich ihm seiner Entwicklungsstufe gemäss offen-baren konnte, nicht Einsetzen der ganzen Kraft, die seiner Ent-wicklungsstufe gegeben war, ein nicht intensiv genug Empfinden: "Du grosser, noch unerkannter Gott bist unser einzig Ziel, unsere einzige Sehnsucht ", dies waren die Wolken, die aufstiegen und sich verdichtend, den Blick dieser Geister immer mehr ver-dunkelten. Durch nicht mehr einheitliches Streben entstand eine elementare Veränderung in der Wesenheit, in dem Stofflichen der Dualgeister, was deren Trennung zur Folge haben musste, und dies musste nun ungesetzliche Schaffungen, oder besser gesagt, Verbindungen und Vermischungen der Urstoffe zu Neubildungen, die nicht mehr gesetzlich waren, zur Folge haben. In der Degeneration, welche die Folge des Verlassens gesetzlicher Bahnen war, lag der Anfang des Chaos; statt allgemeiner Entwicklung standen sich Entwicklung und Degeneration diametral entgegen. Die Harmonie war gestört und nur neue Gesetze konnten die Dissonanz wieder zur Harmonie umbilden. Die Willensfreiheit, die Gott den Geistern gegeben und geben musste, da sie ein Bedingniss für wahre Grösse ist, konnte er ihnen nicht nehmen, und wenn er die Folgen ihrer Willensfreiheit durch seine All-macht aufgelöst hätte, so hätte er thatsächlich diese Willensfreiheit selbst aufgehoben. Wenn eine Gottesgabe, das heisst eine gottähnliche Eigenschaft, wie der Geist sie erhalten muss, weil sie allein Mög-lichkeit und Bedingniss zum Erreichen seiner Vollkommenheit ist, wenn solche Gottesgabe durch den Unwerth des Geistes demselben zum Schaden wird, so nimmt Gott die Gabe nicht zurück, sondern bestimmten Gesetzen gemäss werden den Wirk-ungen dieser Gabe nur engere Grenzen gezogen und Gott gibt dem Geiste weitere Gaben, indem er ihn solchen Gesetzen unter-stellt, die seinen nunmehrigen Bedürfnissen entsprechen. Als die ersten gegensätzlichen Regungen die reine Geisterwelt zu trüben begannen und die Geister durch die Gedankensprache oder das gegenseitige Erkennen Licht und Dunkel vor sich liegen sahen, da trat das ein, was Ihr Versuchung von Aussen nennt, rein-gebliebene Geister sahen die ersten schöpferischen Folgen des Verlassens der gesetzlichen Entwicklungswege und es reizte ihre Neugierde und die ihnen immer mehr bewusst werdende Kraft, auch ihre Intelligenz schaffend und eigenwillig zu bethätigen. Erstlingsgeister, die dieser Versuchung widerstanden, ernteten als gesetzliche Folge klarere Erkenntniss, die immer mächtigere Gottesliebe zur Folge hatte und die Möglichkeit ihres Verlassens gesetzlicher Wege immer mehr abschwächte, bis ihre erreichte Vollkommenheit jeden Fall unmöglich machte. Dies Alles liegt wieder in dem Gebiete des rein Geistigen, das Ihr Menschen nicht beherrschen könnt. Von solchem Ent-stehen des "Uebels ", von solchen ersten Trübungen in der reinen Gottesschaffung, die Euch tief gefallenen Geistern im Vergleich zu Euerer Schuld fast noch als Licht erscheinen können, solchen Dingen können meine Worte Euch wenig mehr, als eine Ahnung geben. In dem Maasse Eueres Emporringens von Stufe zu Stufe wird Euch die Ahnung zur Erkenntniss und die Er-kenntniss zur Seligkeit werden. -von Frage: Antwort: 20. Das Universum. Das Universum, welches unser physisches Begriffsvermögen zu umfassen vermag, ist nur ein Theilbegriff der Welten -Organi-sationen, welche in unendlichem Raume nebeneinander existiren. Unendliche Fernen trennen diese einzelnen Schöpfungscyklen von einander. So lange wir auf Erden leben, gelangt uns nur jener Cyklus zum Bewusstsein, dem unser materiell -geistiges Dasein in seiner jetzigen Gestaltung angehört. Wie es Individualitäts-sphären gibt, so gibt es in sich abgegrenzte Weltensphären, von denen jede das repräsentirt, was wir ein Universum nennen. Jedes materielle Universum ist begrenzt und ein in sich abge-schlossenes Ganzes. Die Unendlichkeit selbst ist durchfluthet von der geistigen Welt, die deshalb an sich unendlich ist. Ist diese Vorstellung richtig und kannst Du uns dieselbe eingehender ausführen? Nennt nicht Universum, was nur ein Theil der Welten-organisationen ist; unrichtig gewählte Worte verwirren die Begriffe. Universum ist die Schöpfung, von derselben Weisheit geplant, aus derselben Kraft hervorgegangen und von derselben Liebe durchfluthet, die das gleiche Ziel dem Ganzen bestimmt. Gott ist eine Einheit, die Vollkommenheit aller seiner Eigenschaften ist Grundlage dieser Einheit. Die Geistwesen müssen sich empor-arbeiten zur Einheit der Vollkommenheit; so lange ihre Eigen-schaften ungleich ausgebildet sind, haben sie ihr Ziel noch nicht erreicht. Das Ziel des einzelnen Geistwesens ist auch Ziel der ganzen Schöpfung und Endpunkt ihrer mannigfaltigen Verwand-lungen. Was demselben Ziele entgegeneilt, geführt von denselben ewigen Gesetzen der Heranbildung, der Sühne, der Vergeistigung, das ist werdende Einheit und dieser wollen wir Ausdruck verleihen durch das Wort "Universum ", Plan und Ziel im Auge behaltend und in diese Beiden die Grenzen versenkend, die jetzt und für lange Zeiten hinaus Weltsphäre von Weltsphäre für das Geistwesen trennt. Du sagst richtig: "Die Unendlichkeit selbst ist durchfluthet von der geistigen Welt, die deshalb an sich unendlich ist "ein Lebensstrom, vom Urleben ausgehend und, von Diesem be-eigenschaftet, auf den Bahnen geistiger, halbmaterieller und ganz materieller Welten und Weltsphären fortrollend, je nach der Anziehungskraft dieser Weltsphären auf die Entwicklungsstufe Frage: Antwort: enthielt, die ihm förderlich waren. Gott macht keine Versuche und es giebt keine Willkür in dem ganzen Universum. Nicht ein Gutmachen, nicht ein Herausführen des Schlechten in's Gute, nicht ein Verwandeln des Chaos in ein durch Gesetze geführtes Universum ist Plan und Arbeit der Gottheit. Es müsste ja sonst ein Etwas gewesen sein, das älter als der Schöpfungsplan Gottes gewesen wäre. Gott müsste ein gegebenes Etwas umbildend geschaffen haben. Wer aber hätte Gott etwas geben können? Und wie hätte dieses Urleben, diese Weisheit, dieser Gott nicht von Anfang an einen ewigen Plan, bestimmtes Ziel und bestimmte Wege für alles werdende Leben haben sollen? Nichts, was war, wurde nachher eingeschlossen in diesen Plan, sondern dieser Plan bestimmte das Werden. 22. Ausführung vorstehender Kundgebung. Wir bitten Dich, den Schlusssätzen vorstehender Kund-gebung für die Leser derselben, welche sie sich nicht in unserem Sinne deuten können, eine bestimmtere Fassung geben zu wollen. Der Schluss genannter Kundgebung sollte Euch nur klar machen, was das Primäre in der Schöpfung gewesen, im Gegen-satze zu der Lehre, dass Gott durch Verwandeln des Chaos das Universum geschaffen. Unter Universum versteht Alles, was da ist, nicht nur die materiellen, sondern auch die rein geistigen Sphären oder Welten. Bedenkt doch, dass Gottes Schöpfungsplan so gross, weit über Euer Begriffsvermögen hinausgehend ist, dass Seine Schöpfung, das heisst die Lebenswelle, welche die Folge des Urlebens war, eine rein geistige gewesen, und dass das Chaos, die Verdichtung, die eine Folge gegensätzlicher Arbeit eines Theiles der Geister gewesen, nur wie ein trüber Punkt im klaren All, wie eine kleine Wolke an Euerem Firmament war. Der Glaube der Menschen geht oft dahin, dass Gott erst aus dem Chaos ein durch bestimmte Gesetze geführtes Weltenall geschaffen, während thatsächlich Zeiten, die sich Euerem Begriffsvermögen entziehen, über die reine Geisterschaffung hinweggezogen sind, bevor ein Theil dieser Schaffung in der zunehmenden Kraft ihrer gesetzlichen Entwicklung gesetzliche Bahnen verliess, die Trübung oder Verdichtung verursachend, die, durch Gott in neue Gesetze eingeschlossen, wieder durch die Arbeit der Vergeistigung in den Kreis der ewigen Gesetze gebracht werden muss. Frage: Ich denke, dass dies, früher Gesagtes verbindend, Euch ein möglichst klares Bild der Schöpfung geben wird. Fußnote.) Geistiges kann der Mensch auffassen; doch ist die direkte Schaffung Gottes rein geistig und Ziel dieser Schaffung: Vollendung der Geistwesen mit dadurch bedingter Vollendung der Geistatmosphäre oder Welt Ihr könnt nur den Begriff Welt von dem Begriffe Materie nicht ganz trennen; auch schliesst ersterer für Euch den Gedanken an ein gewisses Gebundensein ein. Die Atmosphäre des voll-endeten Geistes liegt in der vollkommenen Erkenntniss der Gottes-liebe, die eine Verbindung mit dieser Liebe und der in ihr liegenden Kraft bedingt, aus welcher die Vollendung der Geist-freiheit hervorgeht. 23. (Fortsetzung. ) Vergeistigung der Materie. In Kundgebung 21 sagst Du: "Nicht im Verwandeln des Chaos in ein durch Gesetze geführtes Universum ist Plan und Arbeit der Gottheit. Es müsste ja sonst ein Etwas gewesen sein, das älter als der Schöpfungsplan Gottes gewesen wäre. Gott müsste ein gegebenes Etwas umbildend geschaffen haben. "Mit diesem Ausspruche scheinst Du auf dem unserem Begriffsvermögen unfasslichen Standpunkte des Dogmas zu stehen, dass Gott das Universum aus Nichts geschaffen habe. Ein uns befreundeter Geist hat uns darüber gesagt: "Der Urgrund alles Seins ist Be-wegung. Die einfachste Bewegung ist die ursprünglichste That des Schöpfers, in dem sich zugleich die Summe aller Bewegungen concentrirt. Die Grundlage Eueres Universums ist zusammengesetzt aus der unendlichen, Eueren Begriffen unfassbaren Anhäufung von Bewegungsmomenten einfachster Art in absolutester Gleich-mässigkeit. Ihr nennt es Aether. "Jede Bewegungsmöglichkeit, sei es im Geistigen oder Mate-riellen, setzt aber eine geistige oder materielle Basis voraus; zur Bewegung gehört eine Substanz, welche sich bewegt oder bewegt wird. Als wir nach dieser Substanz fragten, wurden wir bedeutet: "dass es uns ebensowenig möglich sei, das Unendliche zu erfassen, als das zu begreifen, was dem Begriffe der Unendlichkeit ent-gegengesetzt ist. Das materielle Concentrationsprodukt, Atom ' und das materielle Expansionsprodukt, Licht ' umfasse alles für uns bezüglich der Materie Fassbare. "Bei einer anderen Gelegenheit wurde uns die Mittheilung: "Gott umfasst die geistige und die materielle Welt, wie Ihr in Euch Geist und Materie vereinigt. Diese Vereinigung des Geistigen und Materiellen übersteigt aber Euer Begriffsvermögen so weit, dass Euch nur das Ahnen bleibt. "Und auf unsere Bemerkung, es müsse demnach das ursprüngliche Schöpfungsmaterial gleichfalls göttlicher Natur sein? wurde uns gesagt: "Denkt Euch den Kreis unendlich, als Kugel ohne Grenzen. Alles was sie umschliesst, ist göttlich in seinem ewigen Beginnen, in seinem ewigen Werden und seinem ewigen Vollenden. "Wäre aber die Materie nur die uns sichtbare Erscheinungsform der Kraft, und zwar der sich in Schwingungen bewegenden Kraft, wäre der Stoff verdichtete Kraft in unendlich mannigfaltigen Variationen, dann wäre in der Einheit der Er-scheinungsform mit der Wesenheit, in der Einheit von Kraft und Stoff eine Lösung der Frage auch für unsere phänomenalen Begriffe denkbar, nach welcher der ewige Geist, Gott, die stoff-lichen Weltensphären aus seiner Kraft ohne ein ausser ihm stehendes materielles Substrat aus dem dogmatischen Nichts geschaffen hätte. In der Abstraktion von der äusseren Erscheinungs-form und in deren Rückführung auf ihre Quelle, auf die geistige Kraft, läge ausserdem die Möglichkeit einer Vergeistigung der Materie. -Wir bitten Dich, soweit dies für uns möglich, uns zur Klärung der Frage verhelfen zu wollen? Antwort: Seid vorsichtig im Schlüsse ziehen aus dem, was ich gesagt. Wenn ich sagte: "Nicht ein Verwandeln des Chaos in ein durch Gesetze geführtes Universum ist Plan und Arbeit der Gottheit. Es müsste ja sonst ein Etwas gewesen sein, das älter als der Schöpfungsplan Gottes gewesen wäre. Gott müsste ein gegebenes Etwas umbildend geschaffen haben ", so lässt sich daraus doch nicht der Schluss ziehen, ich wollte sagen: Gott habe das Uni-versum aus Nichts geschaffen. -Die Aussage des Geistes: "Der Urgrund alles Seins ist Bewegung ", ist vollkommen richtig; doch warum sucht Ihr das, was bewegt wird, in einer ausserhalb Gott stehenden Substanz? Ich sagte: "Gott ist Urlicht "und Licht ist nichts anderes als Bewegung. Das Stoffliche Gottes ist das Urlicht, ein Licht, das erzeugt wird durch die Bewegung des Urlebens. Alles Leben äussert sich durch Bewegung; ohne diese Frage: tritt Stagnation ein, in welcher keine Schaffungs-oder Bildungs-fähigkeit mehr liegt. Gott ist ewig, absolut ewig; die Aeusserung des Urlebens ist Bewegung. Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungsformen der Lebenswellen, die von der Lebensquelle ausgesandt werden, über-steigt weit Euere Begriffsvermögen; 1; die Lebensquelle selbst und die Art ihres Schaffens aus sich selbst, das Werden aller Erscheinungsformen, als Folge der Bewegung, welche eine Folge des Urlebens, das übersteigt selbst Euer Ahnen. Das Urlicht ist Ursache aller Erscheinungsform, Universum genannt; die Ur-liebe und Urweisheit sind der Lebensherd, aus dem dieses Licht quillt. Wenn Euch im Anklammern an sichtbare Grösse eine Ahnung wird der unsichtbaren Grösse, könnt Ihr vielleicht be-greifen, dass Ihr die Macht und Grösse dieser Liebe weder em-pfinden, noch erwidern könnt (im wahren Sinne des Wortes ), ohne dass dieses Empfinden sofort -Euere jetzige Umhüllung vernichten würde, mit anderen Worten gesprochen, Euern Tod ver-ursachen müsste. Wir sprechen daher von der Vergeistigung der Materie als Endziel der Schaffung. Ihr müsst den Begriff Materie nicht mit engen Grenzen umgeben. Das Urlicht Gottes ist seine Materie. Die Verdichtung der Materie zu so grober, derber Erscheinungs-form, wie die Euere, ist Folge des Geisterfalles. Jedes Geistwesen webt seine eigenen Gewänder und verfällt der Anziehungskraft jener Welten und jener Atmosphäre, welche die nothwendige Nahrung für dasselbe enthalten. Indem das Geistwesen sich durch-ringt zu reinerer Erkenntniss, zu mächtigerer Liebe und dadurch zu grösserer Freiheit, verwandelt es seine Gewänder, erfüllt es seinen Zweck in der Vergeistigung der Materie. Diese Ver-geistigung ist nur eine Folge seiner fortschreitenden geistigen Reife, wie alle Erscheinungsform und Möglichkeit derselben nur Folge ist der Bewegung, welche eine Folge ist des Urlebens Gott. 24. Die Verwandlungen der Schöpfung. In Deiner herrlichen Kundgebung über Gott als dem Mittel-punkte werdender Vollkommenheit sprichst Du von Verwandlungen der ganzen Schöpfung in ihrem materiellen und geistigen Theile. Kraft und Grösse, Erkenntniss und Liebe sind der Verwandlung unterworfen. Die Verklärung der Welten in der Auferstehung, von welcher Christus spricht, dürfte wohl nur eine der Ver-wandlungen der Schöpfung sein? Auch Paulus (I Corinther 15, Vers 51 u. 52) sagt: "Siehe, ich sage Euch ein Geheimniss. Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber Alle verwandelt werden. Und dasselbe plötzlich in einem Augenblicke zu der Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen und die Todten werden auferstehen unverweslich und wir werden verwandelt werden. "Kannst Du uns über diese Verwandlungen Klärung geben? Antwort: Alles was seine Vollendung noch nicht erreicht hat, ist der Verwandlung unterworfen. Bis zu einem gewissen Grade ist Reife und Verwandlung gleichbedeutend. Durch sein Heran-reifen verwandelt sich sowohl der Lebenskern, als auch die jeweilige Lebenshülle, denn sie muss immer dem Kern entsprechend sein. Jedes Leben ist mit der ihm nothwendigen Nahrung umgeben, und durch Assimilirung dieser Nahrung (entweder in der Unfreiheit, wie beim organischen Leben oder in der Freiheit wie beim Geistesleben) reift dieses Leben in Verwandlungen seiner Voll-endung entgegen. Derselbe Prozess des Heranreifens durch Verwand-lungen bis zum Erreichen seiner Wesensvollkommenheit vollzieht sich an dem geistigen, wie an dem materiellen Theile der Schöpfung. Die Verklärung der Welten ist eine dieser gesetzlichen Verwandlungen. -Wie die kleine Knospe am Baume sich dehnt und schwillt und zuletzt die Hülle abstreift, die früher ihr Lebensbedingung gewesen, so reift und wächst die Geistgruppe, die einen Weltenkreis, das heisst auf gleicher Stufe der Entwicklung stehende Sonnensysteme belebt und bewohnt; ihr Wachsthum fordert andere Nahrung, andere Wohnung; die Hülle ist gesprengt und abgestreift und die Knospe ist frei, sich zur Blüthe zu entfalten. Denn eines der ewigen Gesetze Gottes ist, dass alles Leben durch alle Stadien seiner Reife und in aller Ewigkeit seiner Vollendung von der Nahrung, von der Atmosphäre umgeben sei, die gut, nothwendig, gesetzlich, und beseligend sei für dieses Leben. "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. "Wohnungen der Materie und der Halbmaterie bis zu jenen Wohnungen, für die Euch noch alle Begriffe fehlen, wenn der vollendete Geist, dem Gesetze der Anziehung des Gleichen zufolge, in den Lichtkreis Gottes treten darf, sein Nahrungsquell die endlich verstandene Liebe Gottes ist. Die Aussprüche Pauli über die Verwandlungen, die Auf-erstehung und Verklärung sind Andeutungen, einer Menschheit gegeben, die als gesetzliche Folge ihres Heranreifens im Laufe der bildenden Zeiten diese Andeutungen verstehen lernen soll. Die Auferstehung der Todten ist eine fortwährende, nicht eine an eine bestimmte Zeit gebundene Erscheinung. Der Mensch stirbt, das heisst das aus Geist, geistiger Materie und derber Materie bestehende Dreiwesen streift die äussere Hülle, derbe Materie ab und ist somit Geist, umgeben von einem verklärten Leib. Dieser fluidische Leib vergeistigt sich immer mehr und mehr als Folge der Entwicklung, der zunehmenden Vollendung des Geistes. Ihr Menschen könnt die Art und Wesenheit des verklärten Leibes nicht ergründen; für die Art und Wesenheit eines Geistes, der seine Vollendung erreicht, müssen Euch alle Begriffe fehlen. Euer Begreifen hört auf, wo jede Analogie fehlt. Die Verwandlung durch Abstreifen der äusseren Hülle muss für eine derbmaterielle Welt, wie die Erde, eine oftmalige sein; ein,, letztes Gericht "ist der jeweilige Abschluss einer Entwicklungsperiode. Seid vorsichtig, dass Ihr nicht zu enge Grenzen zieht, wenn Ihr Euch selbst und Anderen das Wirken der göttlichen Gesetze klar zu machen sucht. Die Schaffung Gottes und sein Wirken in dieser Schaffung ist so gross, dass es jedem Geistwesen unermesslich und unbegrenzt scheint, und es ist auch nur ver-standen, durchmessen und gewogen von diesem Gott selbst und ist begrenzt von seiner Liebe und Weisheit, wie seine Führung allein diese Schaffung zu durchdringen vermag von der Höhe reinen Geistes bis in die Tiefen derber Materie, Alles in Ver-wandlungen herausbildend bis zur Vollendung seiner Wesenheit. 25. Entwicklung des Lebens. Elementargeist. Ich möchte Euch ein klares Bild geben von der Entwicklung des Lebens und seinen Verwandlungen in dieser Entwicklung, von dem dadurch bedingten Durchschreiten von Gesetzeswelt nach Gesetzeswelt bis zu seiner erreichten Vollendung und damit möglich gewordener Verbindung mit Urleben Gott. Alles, was ist, hat Leben, das heisst Alles, was geworden oder in eine Erscheinungsform getreten ist, als Folge einer Kette von Gesetzen, hat Leben als Bedingungsmöglichkeit der Erscheinungs-form. Lebenswellen sind Ursache der Materie, sowie auch deren erhaltende Kraft. Diese Lebenswellen durchtränken die drei Reiche, von bestimmten Gesetzen geleitet, sich entwickelnd zur der Erde ist nicht ganz ohne Geist und so ist der Geist der Erde nicht ganz ohne Materie. Wäre die Materie für den Geist nicht mehr nothwendig, so würde eine höhere materienlose Sphäre ihn anziehen; denn die Anziehungskraft ist ein geistiges Gesetz, das aber auch für die Materie gilt. Versteht mich wohl. Die Anziehungskraft, die den geworfenen Stein zur Erde zwingt und die Welt an Welt gefesselt hält, ist nicht ein Gesetz, das in der Materie allein wirkt, ja nicht einmal ein Gesetz, das erst durch die Materie bedingt war, sondern es bestand von Geist zu Geist wirkend, Gleiches mit Gleichem verbindend, lange bevor es Materie gegeben. Wenn ich von Geistern rede, die in den Erdensphären leben, so meine ich damit nicht nur solche Geister, die buchstäblich direkt an die Erde gebunden sind, sondern auch solche, deren Lebenssphäre die einer ganz materiellen Welt ist, einerlei, ob diese Welt Erde, Mars, Merkur oder Venus heisst, einerlei auch, ob die Welt etwas besser oder etwas schlechter sei, wie die Erde, wie es bei Venus und Merkur der Fall ist. Die geistige Materie nun, die es in dem materiellen Geist-kreise einer tiefmateriellen Welt geben muss, ist das geistige Complement einer Sache. Es ist schwer, Euch dies verständlich zu machen. Wie das Licht Bedingung des Schattens, oder besser gesagt, wie der Schatten Bedingung eines im Lichte stehenden Körpers, so ist das Complement bedingt durch das geistige Etwas, wofür Euch die Bezeichnung fehlt, das in aller Materie enthalten ist. Wie dem Menschen die ihm sicht-und greifbare Materie real ist, so ist dem Geiste das ihm fühl-und greifbare Complement der Sache real. Der Geist, der noch von der Materie der Erde an sich hat, benutzt dieses Complement, das auch von der Materie der Erde an sich hat; es ist ihm eine natürliche Handlung. Anderes als das Complement einer verfertigten Sache ist das Lebensprinzip einer Ur -Sache, das heisst einer nicht durch Menschen-arbeit, sondern durch Natur -Gesetze entstandenen Sache. Es ist ein Unterschied zwischen einem Stoffe und zwischen einer Mischung, einem Machwerke, einem Complement. Letztere kann der Mensch machen, durch Mischung von Stoffen bringt die Chemie neue Stoffe hervor; doch ein reiner, ein einfacher Stoff lässt sich nicht machen, der muss werden. Und Das, was wird, hat Lebensprinzip zum Motor des Werdens und ist fortbildungsfähig. Auf diesen Gesetzen beruht die Nothwendigkeit, dass die von anderen Welten ausgeworfene Materie nur die Fessel von einem Geiststoff ist, der in dieser Fessel liegt, bis sein gesetzliches Wachsthum dieselbe sprengt und er wieder Freiheit und mit ihr Verantwortlichkeit gewinnt. Latent ist der Geist, so lange er in den Fesseln dieser Materie liegt und heisst dann nicht Geist, sondern Lebensprinzip oder Seele. So haben Mineralien ihr Lebensprinzip, Pflanzen ein etwas Höheres, Thiere ein wieder Höheres. Es liegt viel Wahrheit in der Theorie Darwin's; doch ist immer Geist die Ursache, Materie die Folge. So ist die Materie zugleich Herrin und Dienerin dieses Lebensprinzipes. Herrin, indem dasselbe an sie gebunden und unfrei, ihren Gesetzen ver-fallen ist, und Dienerin, indem sie dies Lebensprinzip vom Niederen zum Höheren herausbildet und also befähigt, seine erste Stufe der Freiheit und Verantwortlichkeit wieder zu erlangen. Das ist die Nacht des Geistes, in der er nicht arbeiten kann, denn verdienstvolle Arbeit ist nur der Freiheit möglich; doch damit ist nicht gesagt, dass er nie mehr wird arbeiten können. Einer jeden Nacht folgt die Morgenröthe. Wie das Kind getragen wird, bis sein Wachsthur Vachsthum ihm eigenes Gehen ermöglicht, so tragen die Gesetze der Materie den tiefgefallenen Geist, bis er im gesetzlichen Fortschritt durch die niedersten Stufen fähig wird, so viel Freiheit zu erlangen, dass er die ersten schwankenden Schritte mit eigener Verantwortlichkeit zu machen vermag. Die Materie ist dem Lebensprinzip zu seiner Fortbildung nöthig, sonst wäre es nicht mehr Lebensprinzip, sondern freier Geist. Der gefallene Geist wurde nicht bei seinem ersten Falle zum Dämon; es bedurfte dazu wiederholten Falles, wiederholten Zurückweisens gebotener Gelegenheiten zum Fortschritte. Den Grad der tiefen Stufe, auf der es einem Geiste noch möglich, aus seiner noch nicht ganz verlorenen Freiheit heraus umzu-kehren und ein gesetzliches Leben zu beginnen, sowie den Grad, auf dem ihm dies nicht mehr möglich und er im latenten Zustande der Materie verfällt, diese Grade oder Stufen zu bemessen oder zu verstehen, ist Euch Menschen nicht möglich. Das fehlende Glied der Darwin'schen Kette sind Thiermenschen, die in prähistorischen Zeiten die Erde bevölkerten und von denen noch Reste in den tiefstehenden Naturvölkern der Erde zu finden sind. Allerdings hat der Lauf der gesetzlich bildenden Zeiten die Naturvölker der Jetztzeit auf eine weit höhere Stufe gebracht, als die, welche sie als ganze Thiermenschen eingenommen. 27. Der zum Lebensprinzip rückgebildete Geist. Frage: In Deiner vorstehenden Kundgebung hast Du uns den Unter-schied zwischen dem Complemente, einer durch Menschenarbeit verfertigten Sache, und dem Lebensprinzipe, einer durch Natur-gesetze entstandenen Ur -Sache klar gemacht, und uns gesagt, dass Letztere werden muss und Lebensprinzip als Motor des Werdens hat. Antwort: Dann fährst Du fort: "Auf diesen Gesetzen beruht die Nothwendigkeit, dass die von anderen Welten ausgeworfene Materie nur die Fessel von einem Geiststoffe ist, der in dieser liegt, bis er sie im gesetzlichen Wachsthum sprengt und wieder Freiheit und damit Verantwortlichkeit gewinnt. Latent ist der Geist, so lange er in den Fesseln dieser Materie liegt und heisst dann nicht Geist, sondern Lebensprinzip oder Seele. "Die von anderen Welten ausgeworfene Materie, wie kosmischer Staub, Asteroiden, Meteorsteine und andere uns nicht bekannte Uebertragungen, haben wir als die vom Leben genommenen, durch's Weltenall getragenen ersten organischen Keime betrachtet, welche auf Welten im Werden gelangen. Das Pflanzen-und Thierreich auf diesen werdenden Welten entstammen diesen welt-wandernden Keimen und bereiten die Stätten, auf denen die Saaten des Geistes sich zu reifender Frucht entwickeln sollen. Wie der Geiststoff in dieser ausgeworfenen Materie vom Lebens-prinzip zu freiem verantwortlichen Geiste wird, das zeigst Du uns in Deiner Kundgebung über den Elementargeist. Was aber das thierische Leben organisch ausgebildet hat, ist im mensch-lichen Organismus als Summe vereinigt und dient als solche, als vegetative Seele, der Vervollkommnung des inkarnirten Geistes als Werkzeug. Ist dies richtig gedacht? In meiner Aussage, dass die von anderen Welten ausge-worfene Materie nur die Fessel von einem Geiststoffe ist, deutete ich auf die Neubildung von Welten hin durch Abwerfen eines Theiles der Materie von solchen Welten, die in ihrem gesetzlichen Fortschritte eine Reife erlangt haben, welche deren Umbildung, Potenzirung zur Folge hat. Wie die Knospe die Hülle abstreift, um sich zur Blüthe zu entfalten, so gibt es für jede materielle Welt eine Zeit der Reife, die dadurch zu Tage tritt, dass sie einen Theil ihrer Materie mit solchem Geistleben, welches seinen Fortschritt nicht dem Fortschritte des Ganzen angepasst hat, ab-wirft. Auf solche Neubildungen weist die Bibel hin in ihrer Lehre des jüngsten Gerichtes, der Bildung einer neuen Erde und eines neuen Himmels, der Sonderung von Schafen und Böcken. Diese Neubildungen entwickeln sich zu Wohnstätten niederen und höheren Lebens, um nach langen Zeitturnussen ihrerseits eine Reife zu erlangen, die eine Sonderung des Lebens erfordert, das in gesetzlicher und ungesetzlicher Ausübung seines freien Willens, in Entwicklung und Rückbildung begriffen, nun seiner gewordenen Wesenheit, seiner erreichten Stufe nach, verschiedener Atmosphären bedarf. Der Geist, der bis zur Entwicklungsstufe seiner Wohnstätte seinen relativ freien Willen noch nicht zu seiner Entwicklung, zu seinem Fortschritte benutzt hat, wird mit dem materiellen Kerne ausgeschieden und ist an diesen gebunden, um gesetzlich unfrei, mit diesem rotirend, die Entwicklungsstufen des Lebensprinzipes oder der Seele in einer bestimmten Zeit, weil ohne freien Willen unter zwingenden Gesetzen stehend, durchzumachen und dann wieder zu seinem ursprünglichen Geist-leben auf der untersten Sprosse der langen Stufenleiter zu er-wachen, welche zur Vollkommenheit, zum Lichtkreise Gottes führt. Den langen Zeitabschnitt, in dem der Geist unfrei den endlichen Gesetzen untersteht, von diesen herangebildet wird, ohne selbst etwas zu seiner Heranbildung thun zu können, nennt Christus: "die Nacht, in der Niemand arbeiten kann "und das ist der Wahrheitskern Euerer Lehre einer Hölle. Doch auch dieser Nacht folgt der Morgen, eine Rückbildung des Geistes bis zu dessen Auflösung gibt es nicht. Hat seine relative Willensfreiheit durch ungesetzliche Ausübung jeden Werth für ihn verloren, so verfällt er jenen Gesetzen, deren Fessel jede Freiheit ausschliesst und bleibt so lange in diesen Fesseln, bis die Wirkungen dieser Gesetze seine Wesenheit so geläutert, dass die relative Willensfreiheit ihm wieder gegeben werden kann. Das Lebensprinzip selbst und der zur Stufe desselben zurück-gebildete Geist haben einen prinzipiellen Unterschied. Das Lebensprinzip muss bei Erreichung der Vollkommenheit seiner Wesenheit durch einen Willensakt Gottes zu höherer Wesenheit, das heisst zu Geist umgebildet werden, während der Geist auch in seiner Rückbildung bis zur Stufe und zur führenden und zwingenden Gesetzeswelt des Lebensprinzipes die einmal erhaltenen Gaben, wie freier Wille, Erkenntniss und Liebe nie ganz verlieren kann, so dass es eines schöpferischen Willensaktes Gottes bedürfte, um seine Wesenheit umzubilden, damit diese Keime höchsten Geist-lebens: Freiheit und Liebe in sie gelegt werden können. Hat der gefallene Geist die Schule des Lebensprinzipes durchgemacht, so erwacht er aus seinem latenten Zustande zu Geistleben mit allen Attributen und Eigenschaften des Geistes. Du siehst also, dass Deine Annahme, Meteorsteine oder kosmischer Staub seien die ersten organischen Keime, die auf werdende Welten getragen werden und dass Pflanzen-und Thierreich diesen Keimen entstammen, eine irrige ist. Die werdende Welt trägt in sich den Geiststoff, der sie formt und bildet und dessen Entwicklung mit der Entwicklung der Welt verbunden ist. Die gewordene Welt wird bei einer erreichten Reife die Wohnstätte jener menschgewordenen Geister, die in ihrem latenten Zustande durch gesetzlich rotirende Arbeit die allmählige Aus-bildung dieser Welt bewirkt haben. Bedenkt die Zeitturnusse, deren es bedarf, um die ausgeworfenen Schlacken einer Welt in Verwandlungen zu einer Entwicklungsstufe umzubilden, die ein Bewohnen derselben durch eine Menschheit möglich macht. In diesen Aeonen ist dem latenten Geiste oder dem Lebensprinzipe Zeit und Gelegenheit geboten, seine gesetzliche Entwicklung bis zur Stufe relativ freien Geistes zu bringen, der im Menschenkleide die weiteren Bedingungen seines Fortschrittes findet. Ueber Geist und Seele, deren Wesenheit und Verhältniss zu einander habe ich Euch schon ein möglichst klares Bild gegeben. Sie ist das Gewand, das Antlitz des Geistes; was der Geist ist, das zeigt die Seele. Sie ist das Stoffliche des Geistes, wie Urlicht das Stoffliche der Gottheit ist. Menschenworte genügen nicht, Dinge zu künden, die Menschenbegriff doch nicht fassen kann. Der Mensch hat nicht zwei Seelen, eine geistige und eine vegetative; er besteht aus Geist, Seele und Körper; die Zeit, in der dessen Geist vielleicht im latenten Zustande des Lebens-prinzipes gelegen, hat ihm kein ewiges Gewand gewoben. Der Werth der Menschen entspricht genau dem Werthe seines Geistes; den Werth des Geistes bildet die Wesenheit der Seele; Beide schaffen oder ergeben nun einen Körper, durch den sie sich selbst zum Ausdruck bringen können. Ihr müsst nicht ausser Acht lassen, dass die Menschheit Eurer Erde gefallener Geist ist. Reiner Geist, und das ist jeder Geist bei seiner Schaffung, sei diese nun die Umbildung des Lebensprinzipes, sei es die Erst-schaffung Gottes, wo es weder Materie noch Lebensprinzip gegeben, reiner Geist bedarf zu seiner Entwicklung nicht der Ver-bindung mit der Materie. Erst sein Fall zieht ihn in den Bann endlicher Gesetze und in deren Wirkungskreis: in materielle Welten. Jene Geister, die so tief gefallen, dass sie sich zur Entwicklungsstufe des Lebensprinzipes rückgebildet haben, er-wachen wieder zu Geist-Leben mit relativer Freiheit und Ver-antwortlichkeit auf so niederer Entwicklungsstufe, dass sie der Materie zu ihrer Weiterbildung bedürfen und nur fähig sind, die Menschenform in ihrer niedersten und unentwickeltsten Stufe zu bilden und zu beleben. Das sind die Thiermenschen, von denen ich Euch schon gesprochen und welche die Urbewohner tief-stehender materieller Welten, wie Euere Erde, sind. Euere Erde hat bereits eine Potenzirung durchgemacht, indem sie den Mond ausgeworfen und ist nun zur Wohnstätte von Geistern sehr ver-schiedener Stufe geworden. Die Rückbildung Einzelner und kleiner Geistgruppen, der Fortschritt und die Entwicklung grosser Geistschaaren schreitet stetig fort und wird, wenn der Culmi-nationspunkt erreicht ist, zu einer weiteren Umbildung Euerer Erde führen. Arbeitet daher mit ganzer Kraft, mit klarer Er-kenntniss, in der Selbstlosigkeit opferfreudiger Liebe, damit die Schaar der Geister, die sich aus materieller Schule und materiellen Leiden herauskrystallisiren, eine immer grössere wird, dass die grosse Lichtwelle aufwärts Strebender immer mächtiger anschwillt, das Universum überfluthend und alles Leben mit sich emportragend. 28. Entwicklung der Materie, Thiermenschen. Was Du uns über die von anderen Welten ausgeworfene Materie gesagt, giebt uns den Schlüssel zur Weltentheilung, zum Geiststoffe in der Materie und zu dessen Entwicklung und Läuterung durch das Lebensprinzip bis zu seiner Rückkehr in den Zustand wiedererlangter relativer Freiheit in der Menschform. Diese Form geht daher nicht nur aus dem vom freien Geiste bei seiner Inkar-nation bewerkstelligten Aufbau des Arbeitskleides, seines Körpers, hervor, sondern kann auch das Ergebniss der Entwicklung des in den Fesseln des Lebensprinzipes latent liegenden Geiststoffes sein. Wir danken Dir für diese Hinweise auf den zweiten Weg der Menschwerdung, welcher in der Theorie Darwin's seinen wissenschaftlichen Ausdruck findet. Die natürliche Zuchtwahl und der Kampf um's Dasein, in welchem die Tauglichsten Sieger bleiben, sind nach ihr die Mittel zu einer stetigen Vervollkommnung gamiren geistiger und stofflicher Eigenschaften und Attribute ein. Alles, was geistig ist, ist nur ausschliesslich Eigenschaft des Geistes, niemals Eigenschaft des Geiststoffes, das heisst jener Materie die, dem Entwicklungsgrade des Geistes und des Lebensprinzipes entsprechend, die jeweilige Atmosphäre, das jeweilige gesetzliche Arbeitsfeld des Geistes sind. Wenn daher Euere heutige Wissen-schaft die allgemeine Entwicklung aus Zuchtwahl, dem Kampfe um's Dasein, aus dem Ueberleben der Tauglichsten erklären will, so verwechselt sie Wirkung mit Ursache. Die Entwicklung niederen Lebens, welche unfrei bestimmten Gesetzen untersteht, bedingt die Entwicklung der Materie, die Verfeinerung des orga-nischen Lebens, Grösse und Gewichtzunahme des Gehirns, kurz Adaption des materiellen Werkzeuges, damit es die Entwicklung des zu Grunde liegenden geistigen Motors zum Ausdrucke zu bringen vermag. Damit ist Deine Frage von neulich, ob wohl Kraft und Materie identisch sind, da Materie ohne Kraft undenkbar sei, beantwortet. Materie, die sichtbare Erscheinungsform Euch unsichtbarer Atome, wird durch einen Kraftstrom verursacht und erhalten; es ist ein perpetuum mobile; die Kraft, die die Atome durch Attraktion und Repulsion in eine bestimmte Erscheinungs-form oder Art der Materie bringt, wird erhalten durch diese Attraktion und Repulsion, und ist der Bildungsmotor in den Ver-wandlungen dieser Materie dadurch bewiesen, dass diese Kraft der Ausfluss höheren, sich weiter entwickelnden Lebens ist, denn sonst wäre ein Verwandeln der Materie ausgeschlossen. Ewig gleiche Ursache muss ewig gleiche Folge zur Wirkung haben. Die Thiermenschen prähistorischer Zeit waren eigenschaftlich wenig von den Thieren unterschieden, aber nicht weil sie in thierischer Erscheinungsform ihren geringen Entwicklungsgrad erreicht haben, denn ihre reine Thierform war nichts Anderes, als der Ausdruck ihrer Wesenheitsentwicklung. So nahmen sie nicht Raubthiereigenschaften in ihre Thiermenschenform, weil sie Raubthiere gewesen, sondern weil die Entwicklung eine unendlich langsame, fast unmerkliche ist und sie die Eigenschaften, die sie in die Thierform zwangen, nicht abgestreift, sondern nur etwas abgeschwächt hatten, als ihre allgemeine Entwicklung ihnen die äussere Form des Thiermenschen gesetzlich machte. Die Ent-wicklung des Geistwesens, sei es nun Lebensprinzip oder Geist, bedingt seine materielle Erscheinungsform und diese ist wiederum die Sprache, die es benutzen muss, um den Gedanken, das heisst seine Wesenheit zum Ausdruck zu bringen. Dies ist Gesetz materieller Welten. Dieser Wahrheitskern der allmähligen Ent-wicklung niederen Lebens, des Hineinragens von theilweise Ueber-wundenem in eine Form, welche die etwas fortgeschrittenere Ent-wicklung dem Geistwesen möglich macht, liegt allerdings Eueren Sagen und Mythen von Centauren, Sirenen und anderen halb-menschlichen Thierwesen zu Grunde. Ihr müsst Euch die ersten Thiermenschen dem Thiere ähnlicher als dem Menschen Eures heutigen Begriffes denken; so unmerklich die Uebergänge der drei unteren Reiche sind, so unmerklich war der Uebergang vom Thier zu dem Wesen, das in fortschreitender Entwicklung zur Wohnung, zum Arbeitskleide für freien zielbewussten Geiste ge-worden. Je unentwickelter das Leben, desto langsamer seine Entwicklung, je fortgeschrittener der Geist, desto grösser die Sphäre von Kraft, Erkenntniss und Liebe, die sich ihm bei jedem Schritte erschliesst. Denkt Euch den Fortschritt des Geistes als eine Verdopplung; zweimal eins fügt der ursprünglichen Summe nur eins zu, doch zweimal eine Million fügt dem Besitze des Geistes einen Reichthum zu. Mühlford tastet ahnend nach einzelnen Wahrheiten, ohne sich Klarheit in seinem Aufbaue zu schaffen, ohne ein einheitliches Ganze formen zu können. Woher kommt die Mutter, die den hochentwickelten Geist eines Thieres anzieht? Nein, solche Sprünge gibt es nicht in Gottes Gesetzeswelt. Gleiches zieht Gleiches an, Aehnliches Aehnliches; je unentwickelter das Leben, desto enger die Schranken, die es umgeben. III. Geist. Seite Der unerschaffene und der erschaffene Geist 30. Urlicht und geschaffenes Licht 31. Individualität des Geistes. 32. Reinheit und Grösse des Geistes 33. Innere Freiheit des Geistes 34. Gesetz und Freiheit 35. Einheit des vollendeten Geistes 36. Wille und That des Geistes, Raum und Zeit. 37. Thätigkeit des Geistlebens 38. Schutzgeist 39. Träger göttlicher Offenbarungen 40. Die Solidarität der Geister 41. Entwicklung des Geistes, Gnade und eigene Arbeit 42. Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit 43. Jeder geistige Fortschritt eine Errungenschaft des Geistes 44. Geistige Freude 45. Freude in der Wahrheit 46. Das Empfinden des Wahren als Solches 47. Prüfungen, Reifen des Geistes 48. Todesschlaf und Erwachen 49. Erinnerung der Geister 50. Liebe III. Geist. 29. Der unerschaffene und der erschaffene Geist. Frage: Gott hat die Geisterwelt geschaffen, der geschaffene Geist ist aus ihm hervorgegangen, also göttlichen Ursprunges. Ist deshalb auch der geschaffene Geist gleicher Substanz, gleichen Wesens mit dem Göttlichen? Der göttliche Geist ist unerschaffen, unwandelbar, herrschend; der erschaffene ist geworden, wandelbar und wird seinem Endziele, der Vollkommenheit, von Gott auf verschiedenen Wegen zugeleitet. Wir können die Creatur dem Schöpfer nicht gleichstellen, müssen beide in ihrem Wesen als durchaus verschieden, wenn auch zu engster Verbindung bestimmt erkennen. Wäre der geschaffene Geist ewig gleicher Essenz mit Gott, könnte er nicht unvollkommen sein, oder müsste bei erlangter Vollkommenheit in ihm aufgehen. Wir können in unserem Geiste ein Spiegelbild Gottes sehen, nicht aber einen Funken seines Lichtes, seiner Flammen, wie es bildlich so allgemein angenommen wird. Unser Geist strebt Gott ewig zu; darin liegt sein Leben; er wird aber nie Gott. Antwort: Es ist unmöglich, dass das Unvollkommene und besonders das in der Materie befangene und gefangene das Wesen und Wirken der absoluten, ewigen Vollkommenheit erfasse und ver-stehe. Kinder, dieser Gott ! Uns Geister durchströmt Seligkeit, wenn wir nur das Wort "Gott "aussprechen; denn es ist ein Wort, das uns die höchsten, mächtigsten Begriffe erschliesst, deren wir nur fähig sind, und diese Begriffe enthalten so viel Seligkeit für uns, als uns nur möglich ist, auf unserer jetzt erreichten Stufe zu empfinden. Vielen Menschen ist es nur ein Wort, Vielen Basis einer Theorie, in wenigen nur ein Empfinden, das lebhafte Sehnsucht erweckt, und nur in Einzelnen ein Erkennen, das jede andere Erkenntniss in sich schliesst. Uns ist er: unser Schöpfer, unser Vater, unser Ziel, unsere Seligkeit, und unsere Sehnsucht nach diesem Gotte schliesst nicht reichste, vollste Befriedigung aus. Versteht mich recht. Unsere Befriedigung und unsere Seligkeit sind nicht an sich vollkommen; es ist nur das volle Maass dessen, was wir zu fassen vermögen. Wir streben dieser Gottheit zu mit jedem Kraft -Atome unseres Geistes; wir wissen, dass wir mehr und immer mehr von diesem Geistschatze (Euere Worte decken solche Begriffe nicht mehr) in uns werden aufnehmen können; doch gleichwerden mit dieser Gottheit können wir niemals; denn ewig bleibt ein Unterschied zwischen absoluter, ewiger Vollkommenheit und gewordener Vollkommenheit, zwischen Unerschaffenem und Erschaffenem. Vollkommenheit ist das Ziel der Schöpfung; doch kann kein Wesen mehr, als die Vollkommenheit seiner Wesenheit erreichen. Die Geistschöpfung erreicht die Vollkommenheit ihrer Wesenheit; doch kann sie nie die Vollkommenheit anderer Wesenheit erreichen; -Erschaffenes, Relatives kann sich nie zu einer Einheit mit Unerschaffenem, Positivem vermischen. Ziel der Schöpfung ist, dass eine vollkommene Geisterwelt die Gottheit umgebe, dass jeder einzelne Geist die Vollendung seiner Wesenheit erreiche, dass die Vollendung seiner Liebe und Erkenntniss ihm die Voll-kommenheit seiner Freiheit gebe; denn, wenn Liebe und Erkenntniss vollkommen, ist das Ziel erreicht, und bedarf es keiner Führung, keiner Einschränkung mehr. Erfasst doch dies, Ihr Menschen, und freuet Euch darüber. -Es ist so traurig, dass das, was uns mit Seligkeit erfüllt, noch nicht einmal den schwachen Abglanz der Freude in Euch zu wecken vermag. Versteht Ihr auch, dass Vollkommenheit der Erkenntniss und der Liebe in der Creatur die innigste Verbindung zwischen ihr und dem Creator bedingt? Vollkommenheit der Erkenntniss bedingt Vollkommenheit der Liebe und diese streift jede Fessel ab, und so ist die Vollkommenheit der Freiheit gefunden; -jubelnde Freiheit aber ist gewollter, tiefempfundener, beseligender Gottesdienst. Ich berührte dies, als ich Euch neulich sagte, dass vollendete Liebe zur erkannten Aufgabe jedes Leiden unmöglich macht; die jubelnde Freude, Hülfe zu bringen, überwältigt jedes andere Gefühl. So sind wir verbunden, Bruder mit Bruder, und in der Thatkraft der Hülfsbereitschaft empfinden wir die Freude, die sich zur Seligkeit der Befriedigung verwandelt, wenn das Ziel von Allen erreicht sein wird und die Liebe der Gottheit sich zum reinsten Abdrucke in der erreichten Voll-kommenheit der Schöpfung spiegeln kann. So unermesslich gross sie ist, dass Euer Ahnen sie nicht ganz durchmessen kann, so ist sie doch erkannt in jeder Einzelheit von ihrem Schöpfer; denn in seiner Vaterliebe liegt seine Grösse. Ihr Menschen aber, die Ihr dieser Grösse zustrebt, erkennt doch, dass Ihr Euch ihr nur dann nähert, wenn Ihr all ' Euere Kräfte anspornt, den Gottesdienst, der Euerer Stufe möglich ist, treu zu erfüllen. -Gott, Es giebt nur eine absolute Vollkommenheit, alle andere Vollkommenheit ist relativ, und demnach ist es jedem Menschen und jedem Geiste möglich, die Vollkommenheit seines Wesens und seiner Stufe zu erringen. Dies sei Euer Lebenszweck. So vermögt Ihr es, die Materie zu überwinden, damit sie Euch nicht mehr herunterziehe; denn sie ist Euch nur ein Arbeits-kleid, für kurze Zeit umgeworfen, um in ihm eine kurze, bestimmte Arbeit zu verrichten. Räumt der Materie nicht eine Macht über Euch ein, welche sie thatsächlich für den Geist, der auch nur die Anfangsstufen des bewussten Gottesdienstes errungen, nicht mehr besitzt. So erringt Euch die Freiheit und die Freudigkeit, deren Ihr fähig seid, und Ihr habt unsere Freude vermehrt. 30. Urlicht und geschaffenes Licht. Ihr wollt wissen, wie es A. geht? Er hat ausgeruht, um zu erwachen in der Erkenntniss dessen, was Geistleben ist. Er ist unendlich glücklich bei dem ver-wandten Geiste, der auf Erden seine Mutter gewesen; er fühlt nun, was eine "selige Seele "ist, und ist dankbar. Er sieht, dass das Kleine im Grossen nicht untergeht, sondern sich nur ver-vollkommnet in ihm. So kann die Liebe von Geist zu Geist nur immer mächtiger, stärker, intensiver werden, indem sich der Geist dem Urgeiste nähert; denn Nichts, was aus Gott hervorgegangen, weder Geist, noch göttliche Eigenschaft kann "untergehen "in Gott, nach dem Begriffe, wie er so vielen Erdenmenschen eigen ist. Nachdem aber der durch Gott beeigenschaftete Geist durch eigenes Ringen sich an der Kette der ewigen Gesetze emporgeschwungen hat, um im Lichtkreise des Urlichtes stehen zu dürfen, wenn er also von diesem Lichte umfluthet ist, hebt dasselbe jede dieser Eigenschaften scharf, klar und strahlend zu ihrer gottbestimmten Vollkommenheit empor. Denn es ist unmöglich und undenkbar, dass jemals geschaffenes Licht sich vermische mit Urlicht; aber indem es sich in dieses taucht, muss es sich nach ewigen Gesetzen zur Vollkommenheit seiner Wesenheit herauskrystallisiren. 31. Individualität des Geistes. Frage: Du lehrst uns, dass wir unsere Fehler nicht mit unserem wahren Ich ?, dem Empfinden unserer gottgegebenen Indivi-dualität, zu verwechseln haben. Fussnote; Siehe V, Christliche Mystik. Unter diesem wahren Ich haben wir den ursprünglich reinen, gottgegebenen Keim verstanden, dessen Entwicklung zur geistigen Individualität unsere irdische Lebensaufgabe ist. Eigenschaften und Fehler, die wir erringen oder denen wir verfallen, stehen mit der Entwicklung unserer geistigen Individualität im engsten Zusammenhange, ja sie bilden durch Assimilirung Bestandtheile derselben. Wie ist daher eine Verwechslung unserer Fehler und des "Ichs "aufzufassen? Die Sünde macht es zum Zerrbilde, so lange sie ihm anhaftet. Es fallen daher immer Beschaffenheit unseres Ichs mit unseren geistigen und seelischen Eigenschaften und Fehlern zusammen. Antwort: Unser wahres Ich ist gleichbedeutend mit unserer "geistigen Individualität ", wie Du sie nennst, und wie es eigentlich kaum nöthig ist, sie zu definiren, denn sie kann ja gar nicht anders als geistig sein. Wenn Du sagst: "Unter unserem wahren Ich haben wir den geistigen Keim verstanden, dessen Entwicklung zur geistigen Individualität unsere irdische Lebensaufgabe ist "so irrst Du, denn Ihr habt schon eine Individualität, nicht nur einen entwicklungsfähigen Keim, in das Erdenleben gebracht. Ihr seid Geister gewesen, bevor Ihr Menschen geworden. Das sich aus der Materie herauskrystallisirende Lebensprinzip ist, wenn es alle Stufen des organischen Lebens durchgemacht hat, noch nicht Geist, sondern erst ein Lebensprinzip, dass die Vollkommen-heit seiner Wesenheit erreicht hat. Hat ein Ding, ein Etwas diese seine Vollkommenheit erreicht, so hört damit seine gesetz-mässige Fortentwicklung auf und kann ein solches Etwas nie von selbst, das heisst aus eigener Entwicklungskraft die Anfangsstufe einer höheren Wesenheit erreichen. Dazu bedarf es eines Schöpf-ungsaktes Gottes, ein solcher Schöpfungsakt ist die Umwandlung des ausgereiften, vollendeten Lebensprinzipes zum Geist. Das, was ein Prinzip ist, ist keine Individualität; diese ist das Attribut oder der Stempel des Geistes. Ein Prinzip muss die Vollkommenheit seiner Wesenheit innerhalb einer genau begrenzten Zeit gesetzmässig erreicht haben; bei der Umschaffung des Prinzipes zum Geist tritt erst das Agens des freien Willens, welcher auch ein Attribut des Geistes ist, in Kraft. Es ist so schwer, Euerem Begriffe zu erklären, was eine Individualität ist. Im alten Testamente steht geschrieben: "Ich habe Euch Alle gerufen mit Namen. "Dieser Name ist die Individualität des Geistes. Wie die ganze unendliche Schöpfung ihrer Voll-kommenheit entgegengeführt wird, so ist jeder einzelne Geist bei seiner Schaffung vom Feuer seiner Individualität durchglüht, welche ihrer Vollkommenheit entgegenreift. Du kannst jede Individualität einen Gedanken Gottes nennen, einen gottgegebenen Namen, die Art, den Stempel, das Antlitz des Geistes; sie ist dasjenige, was verhindert, dass die Geister beim Erreichen ihrer Vollkommenheit zu einer Einheit zusammenfluthen, wie Ihr es auszudrücken versucht, wenn Ihr sagt: "Die Geister werden auf-gehen in Gott ", oder wie der Buddhist seine Individualität in der Nirwana untergegangen glaubt. Die Individualität eines Geistes, das heisst seine wahre, ursprüng-liche Individualität hat daher mit seinen Fehlern nichts gemein; denn es ist gesetzmässig nicht nothwendig, dass ein Geist in Fehler verfalle. In seinem Willen liegt die Möglichkeit, nicht die Nothwendigkeit des Falles; der Geist kann seine Indivi-dualität ohne Fall der Vollkommenheit entgegenführen. Gebrechen und Krankheiten, obschon fast kein Erdenmensch frei von ihnen, sind kein nothwendiges Attribut der Menschheit; sie kann sich frei machen durch ein rein geistiges Leben und wird dies auch mit der Zeit nach nothwendigen Klärungsperioden erreichen. Es ist immer ein Fall, der den Geist in die Materie zwingt; die Fehler, die in Folge seines Falles mit seiner Individualität eng verwachsen, sind deshalb noch keine Bestandtheile der-selben, sondern nur zeitweise so eng mit ihr verwachsen, dass Ihr Menschen sie als zu seiner Individualität gehörend betrachtet, Fragen: statt sie als fremde Stoffe zu erkennen, die sich mit dem Urstoffe amalgamirt haben und wieder ausgeschieden werden müssen. Ich weiss es, lieber Bernhard, dass diese Lehre nicht ganz übereinstimmt mit der liebgewordenen, früher erhaltenen Lehre; ich bitte Dich aber, sie dennoch genau zu prüfen. Du glaubst, dass eine Individualität ein von den Menschen gebildetes Etwas ist, während ich Dir sage, dass das, was Du unter geistigem Keim verstehst, sich so wenig aus eigener Entwicklungskraft zu einer Individualität ausbilden könnte, wie das Lebensprinzip aus eigener Entwicklungskraft Geist werden kann. Die Individualität ist ein gottgegebenes Attribut des Geistes, wie Liebe und freier Wille. Im Begriffe Geist sind diese Drei enthalten und müssen daher in der erreichten Vollkommenheit des Geistes auch ihre Voll-endung erreichen. Fortsetzung. Fragen: Lieber Emanuel ! Du hast mich aufgefordert, Deine Lehre über die mit der Individualität wohl verwachsenen, ihr jedoch nicht angehörenden Fehler zu prüfen und mir damit auch erlaubt, meine Einwände gegen dieselbe zum Zwecke weiterer Klärung der Frage auszusprechen. 1. Du sagst, die Umwandlung des ausgereiften, vollendeten Lebensprinzipes zum Geiste bedürfe eines Schöpfungsaktes Gottes bei der Umschaffung des Prinzipes zum Geiste trete erst das Agens des freien Willens ein. Was Prinzip ist principium oder der Anfang ist schaffend; könnte es umgeschaffen werden, so wäre es kein Prinzip mehr. Ein geistiges Prinzip ist schon an und für sich Geist; ein mechanisch wirkendes Prinzip, wie die Seele in ihrem Verhältnisse zu den unbewusst verlaufenden Funktionen des Körpers, ist wohl geistigen Ursprunges, jedoch mit dem freien Willen in keinem Zusammenhange, wenn auch gleichzeitig mit ihm wirkend. 2. Im Namen könnte doch nur der Ausdruck für die Indi-vidualität des Geistes liegen, während Du sie mit demselben zu identifiziren scheinst, indem Du sagst: "Dieser gottgegebene Name ist die Individualität. " 3. Du sagst: "Die wahre ursprüngliche Individualität des Geistes hat mit seinen Fehlern nichts gemein, denn es ist nicht gesetzmässig nothwendig, dass ein Geist in Fehler verfalle. "Wenn es nicht gesetzmässig nothwendig ist, zu fehlen, so ist ja über haupt gar nichts Anderes mehr da, was verantwortlich gemacht werden könnte, als eben die Individualität. 4. Was mit einer Individualität eng verwachsen ist, ist Bestandtheil derselben, weil Eigenschaften und Fehler in der Entwicklung der geistigen Individualität angeeignet, assimilirt oder abgestossen, ausgeschieden werden, daher den jeweiligen positiven oder negativen Besitzstand der wahren geistigen Indivi-dualität ausmachen. 5. Ich glaube nicht, dass eine Individualität ein von den Menschen gebildetes Etwas ist; muss jedoch glauben, dass ein Geist oder geistiger Keim, welchen der Fall in die Materie zwingt, in dem Stadium des Menschen durch seinen freien Willen, welcher die Richtung seiner Entwicklung bestimmt, mittelst Assimilirung von dieser entsprechenden Eigenschaften oder Fehlern, den Fall sühnen oder vertiefen, sich Gott nähern oder sich von Ihm ent-fernen, negativ bleiben oder positiv werden kann, je nachdem er bewusst und wollend die eine oder die andere Richtung einhält und sich in derselben aus eigener Willenskraft entwickelt, freilich nicht, ohne dass ihm Gott das Rüstzeug, die Hilfsmittel zu seiner Vervollkommnung verleiht, welche er benutzen kann oder nicht. Antwort: Es gibt zwei Lebenskräfte, die das Universum durchfluthen und beleben: Geist und Lebensprinzip. Geist ist die primäre Schaffung des Urgeistes und das Erreichen der Geistvollkommen-heit Schaffungszweck und Endziel jedes Lebenskeimes. Alle Materie ist der Vergeistigung fähig; -die Euch Erdenmenschen sicht-bare Materie liesse sich vergleichen mit dem zum Saum ver-dichteten Gewand der Gottheit. Die Materie verwandeln, ver-geistigen, aus ihr Gewänder für Lebenskeime zu weben, ist schaffende Arbeit des Lebensprinzipes. Die Kraft, die sich Ge-wänder webt, vom niedersten bis zum höchsten organischen Leben, ist eine begrenzte, sie ist nur eine Kraft, und obwohl innerhalb bestimmter Gesetze schaffend, ist sie doch ganz unberührt von den höchsten geistigen Gesetzen. In Unfreiheit gesetzmässig wirkend, erreicht sie die Grenze ihrer Vollkommenheit ohne Willensfreiheit, ohne Weisheit, ohne Gottesliebe zu kennen. Da verwandelt der schöpferische Wille Gottes diese Lebenskraft zu Geist und stellt sie somit an die Pforte, die zu höheren Zielen führt. Was ein Lebensstrom war, in bestimmtem Bette streichend, wird zu einzelnen Lebensherden oder Sonnen; freier Wille, Gotterkenntniss, Individualität sind die neuen Attribute, welche die Lebenskraft zu gottähnlichem Geiste machen. Du sagst: "Was Prinzip ist, ist schaffend; könnte es um-geschaffen werden, so wäre es kein Prinzip mehr. "Ich nannte Prinzip jene Lebenskraft, welche die niederen Stufen oder Formen der Materie bildend belebt, die aber aus eigener Entwicklung sich nie über eine thierische Materie belebende Kraft erheben kann. Sie kann sich selbst niemals mit jenen Eigenschaften be-eigenschaften, die sie von durch endliche Gesetze geleiteter Kraft zu gottähnlichem Geiste machen. Das fehlende Glied sucht Ihr umsonst in höher entwickelten Affenarten; was Thiere belebt, ist bis zur Thierseele entwickelte Lebenskraft; was Menschen belebt, ist Geist. Wenn es Dir den Begriff besser zu decken scheint, so setze statt des Wortes "umgeschaffen "verwandelt. Ich wollte mit diesem Worte nur den Willensakt Gottes bezeichnen, welcher den Strom der Lebenskraft zu Individualitäten theilte oder bildete, sie mit freiem Willen, Erkenntniss und Fähigkeit der höchsten Liebe beeigenschaftend, sie zu Wesen formend, deren Gottähnlichkeit Bürge für das Erreichen höchster Vollkommenheit und in ihr Seligkeit ist. Als ich sagte: "dieser Name ist die Individualität des Geistes ", wollte ich natürlich sagen: Was durch diesen Ausspruch als Namen bezeichnet ist, ist die Indi-vidualität des Geistes. Ich glaubte dies klar gemacht zu haben durch die weiteren Worte: "Du kannst jede Individualität einen Gedanken Gottes nennen, einen gottgegebenen Namen, die Art, das Antlitz, den Stempel des Geistes. "Vergesst nicht, dass es uns schwer wird, unsere Begriffe mit Eueren Worten zu decken. -Du fragst unter 3, es könne für die nicht nothwendigen Fehler des Geistes nur seine Individualität verantwortlich gemacht werden. Verantwortlich für seinen Fall ist der mit freiem Willen begabte Geist. Halte die Begriffe Geist und Individualität klar auseinander, denn sie decken sich nur zum Theile. Geist ist jene Schaffung Gottes, die gottähnlich beeigenschaftet ist mit freiem Willen, Fähigkeit höchster Erkenntniss und höchster Liebe, und die als Stempel, als Antlitz, als Eigenart, als Name, als Schlussstein jener Einheit, die es ihm unmöglich macht, jemals unterzugehen, das heisst sich in einem anderen Geistwesen (und sei es der Urgeist selbst) aufzulösen die Individualität erhalten hat. Ich verstehe nicht, was Dir da noch unklar sein kann. Der Geist verlässt gesetzliche Bahnen in Folge seines freien Willens; wenn er aber diese Bahnen verlassen müsste, wo wäre da der freie Wille? Er nimmt dadurch Fehler auf in seine ursprünglich reine, aber nicht zur Vollkommenheit ausgereifte Individualität und der freie Wille bleibt nun, wie er es Anfangs war, in Kraft, diese fremden Stoffe zu verdichten, zu vermehren oder sie aus-zuscheiden. Alle Fehler und Unvollkommenheiten sind vergänglich, der Geist und sein Antlitz, die Individualität, sind ewig und das Vergängliche kann nie einen Bestandtheil des Ewigen ausmachen. Das Ewige kann getrübt werden durch das Vergängliche; doch wird es immer das nicht zu ihm Gehörende ausstossen. Unter dem Begriff "Baum "verstehst Du doch nicht auch das Moos, das ihn bedeckt, obschon es im Baume wurzelt und die ganze Gestalt des alten, kranken Baumes bedecken kann? Der Baum stirbt und das Moos mit ihm; aus seinem Samen aber entsteht ein neuer Baum derselben Gattung, den das Moos nicht bedeckt, weil er gesund und kräftig ist. So versteht unter dem Begriffe "Individualität "nicht, was fehlerhaft ist. Für kurze Zeit kann ein Fehler zur Individualität zu gehören scheinen; doch sind solche Fehler nur Krankheiten, fremde Stoffe, welche die Indivi-dualität ausscheidet. Was Du unter 5 sagst, ist vollkommen richtig; es ist nur nicht deutlich hervorgegangen aus Deinen Worten von neulich: "Unter unserem wahren Ich haben wir den geistigen Keim ver-standen, dessen Entwicklung zur geistigen Individualität unsere irdische Lebensaufgabe ist. "Seid vorsichtig, nicht einen zu kleinen Maassstab, zu enge Grenzen an Gottes Schaffungen, an Gottes Gesetze zu legen. Das winzige Zeit -Theilchen eines Menschenlebens und der im Ver-gleiche kleine Zeittheil, in dem der Geist irrt, schwankt, fällt und sich emporringt, muss stets vergleichend mit der Ewigkeit der erreichten Vollkommenheit betrachtet werden; sonst ent-stehen irrige Begriffe, verzeichnete Bilder, an falsche Stellen gebrachte Schwerpunkte. Wenn Ihr Euch frei gemacht haben werdet von Zeit, von Materie und allem Vergänglichen, dann erst könnt Ihr richtig beurtheilen, was Bestandtheile einer ewigen Schaffung und was die Sandkörner und Staubatome sind, die ihr auf Secunden anhaften auf ihrem Wege von Sphäre zu Sphäre. 32. Reinheit und Grösse des Geistes. Immer reiner, grösser, durchgeistigter muss die Menschheit werden. Auch für den Erdenmenschen naht die Zeit, da er sich seiner wahren Wesenheit bewusst werden muss. Wir reine Geister warten auf diese Zeit, um mit Euch verkehren zu können; denn nur Euer Unverständniss macht uns stumm. Unter Reinheit müsst Ihr aber nicht nur ein Euch Fern-halten von plumper, derber Sünde in That und Gedanken ver-stehen, sondern Reinheit, Klarheit und Lauterkeit all ' Eurer Handlungen und deren Motive. Christus sagt, dass die reinen Herzens sind, Gott schauen werden, das heisst sie werden das Göttliche in jener Offenbarungsform, die ihrer Entwicklungsstufe verständ-lich, schauen. Die Reinheit, von der ich rede, besteht nicht nur in der krystallhellen Klarheit des Geistes selbst, sondern in der klaren Erkenntniss all ' seiner Empfindungen. Diese Reinheit wird dem Geiste zu einer Kraft, die ihn in der Unterscheidung zwischen Hauptsache und Nebensache nicht irren lässt, die eine so starke Anziehungskraft höchster Reinheit auf ihn möglich macht, dass er, ohne je vom geraden Wege abzuweichen, seinem Ziele mit immer zunehmender Kraft entgegeneilt. Ein solcher Geist hat intuitiv alle Wahrheit, die seiner Wesensstufe aufzu-fassen nur möglich ist. Er ist glücklich und lebte er in den engen Ketten irdischer Schmerzen. Diese Reinheit ist Bedingungs-stufe wahrer Grösse. Was wir Grösse nennen, könnt Ihr Menschen kaum noch fassen; bedarf es doch für die grosse Mehrzahl der Menschen festen Willens und stärkster Gebote, die Bedingungs-stufe: Reinheit, zu erkennen und zu erlangen. In der erreichten Grösse eines Geistes liegt ein Kraftgefühl, das ihn fähig macht, immer wieder von seinen lichten Höhen in die dunkeln Tiefen seiner armen Brüder herabzusteigen, sicher, dass an ihm nichts Dunkles haften bleiben kann, wohl aber, dass er im Stande sein wird, den einen oder anderen seiner Brüder in den Kreis seiner An-ziehungskraft zu bringen und dann mit sich in reinere Sphären zu heben. Selbstlosigkeit, so stark und vollkommen, wie sie sich der Durchschnitts -Erdenmensch kaum vorzustellen vermag, ist ein nothwendiges Attribut wahrer Grösse. Glaubt nicht, dass Geister, die sich solche Grösse errungen, jemals Missachtung oder gar Verachtung für den Aermsten ihrer armen Brüder empfinden können. Das sind Gefühle, die nur Ihr aus Euerer grossen Un vollkommenheit heraus für Euere Brüder, die von Euch durch Fehler -Verschiebungen differiren, empfindet. Wenn wahre Rein-heit auch nur anfängt, einen Geist zu durchglühen, sind solche Empfindungen schon unmöglich. Wahre Reinheit lässt den starken Quell des Mitleids im Geiste entspringen, um alle armen Brüder mit ihm zu überfluthen und das Hässlichste in ihnen mit immer stärkerem Strome zu übergiessen. So nur ist der reine Geist im Stande, dem armen Bruder zu helfen, und ihn zu erheben, das ist es ja, was den reinen Geist aus seinen Sphären in die Eure zwingt. Das ist die Freiheit des Gottesdienstes. Solche Grösse durchgeistigt den Geist. Geist ist jene direkte Schöpfung Gottes, die mit freiem Willen begabt, in ihrer Ent-wicklung die höchste Vollendung erreicht. Indem dieser Geist an Erkenntniss, Grösse und Liebe zunimmt, ermöglicht er es durch das Erreichen eines bestimmten Lichtkreises oder einer Entwicklungsstufe, dass eine direkte Ausstrahlung der Gottheit auf ihn fällt und sich ihm assimilirt. Dies ist angedeutet in den Worten des Psalmisten: "Wenn ich erwache nach Deinem Gleich-niss, werde ich gesättigt sein. "Das ist die Nahrung, die den Geist, der "hungert und durstet nach Gerechtigkeit ", befriedigen wird, das sind die Wasser, von denen Christus sprach, dass wer von ihnen trinke, nie wieder dürsten wird. Auch Geister, die also gesättigt und durchgeistigt sind durch die Berührung mit höchstem Geiste, nehmen Liebesmissionen in die Tiefen auf sich. Solche Geister können nicht mehr fallen; ihre Erkenntniss, ihre Liebe, ihre gottähnliche Macht, bedingt durch ihre Verbindung mit Gott, machen jeden Rückschritt unmöglich. Das sind die Söhne Gottes, das war unser Meister. Sagt Ringt Euch empor, liebe Menschen, aus Euerer Kleinlichkeit, aus Euerer Unlauterkeit zu jener Stufe der Reinheit, die Euch möglich. Strebt das Höchste an, sucht es zu erfassen. nicht, dass ich zu viel verlange; sagt nicht, dass ich nicht wissen könne, was dem Erdenmenschen möglich ist. Euer Menschthum ändert an Euerer Wesenheit nichts, und jeder höhere Geist durch-schaut tind erkennt, was unter ihm steht. Ich weiss, was Ihr heute versteht, was Ihr in zehn Jahren verstehen werdet; doch schwer, ja fast unmöglich, ist es für den höheren Geist, seine Worte nur dem Augenblicke anzupassen. Der Augenblick schwindet, die Wesenheit wächst und mit ihr das Verständniss, die Erkenntniss des Geistes. Wenn Ihr einzelne meiner Worte nicht versteht, so lasst sie liegen und arbeitet an Euerem Fortschritt, an Euerer Klarheit und Lauterkeit, und die Zeit des Verständnisses wird kommen. Es giebt Sommersaaten und Wintersaaten und jede Saat hat ihre bestimmte Zeit, da sie stille liegen muss. Ist es Frühling worden auf Euerer Erde, so keimt sie rasch, ist es Spätherbst oder Winter, so liegt sie lange still; doch die Zeit der Ernte naht und goldne Früchte reifen zu Euerer Nahrung. Darum Geduld, liebe Menschen mit Euch selbst und mit uns. Es ist schwer, das Lebendige mit dem Damm des Todten zurückzuhalten. Manchmal überfliesst das Lebendige jeden Damm; doch ist der Schaden nicht gross, wenn es nur Lichtwellen sind, die ihn überfluthen. So wachset in der Erkenntniss, in der reinen Sehnsucht, in der Klarheit und Lauter-keit, und wir werden Euch immer mehr geben können von dem, was stets an Werth für Euch gewinnen wird. 33. Innere Freiheit des Geistes. Der aufwärtsstrebende Geist strebt vollendeter Freiheit zu; seine vornehmste Aufgabe ist, sich schon im Erdenleben wahrer Freiheit bewusst zu werden. Ich sage: seine vornehmste Aufgabe, denn allein in der Atmosphäre, die ich wahre Freiheit nenne, kann wahre Liebe erwachen und sich zur Vollendung entfalten. Die Freiheit nach Aussen, die Freiheit in ihrer Erscheinungsform, wie sichtbare Macht, Beherrschung endlicher Gesetze, ist Folge wahrer innerer Freiheit, welche wieder eine Folge ist der Erkenntniss des Ewigen, des klaren, ganzen Lebens in ihm. Wenn die Menschen sagen, es fehle ihnen jede Freiheit, so irren sie in ihrer Kurzsichtigkeit. Sie betrachten das einzige Lebensatom: ihre irdische Vergangenheit, und folgern: Das Geschick, die äussere Einwirkung auf mein Leben, wie Erziehung, Schicksale, haben mich zu dem gemacht was ich bin, und weil ich nun so bin, kann ich nicht anders, als meiner Wesenheit nach handeln. Doch nicht das Schicksal hat den Charakter gebildet, sondern dieser, als das äussere sicht-bare Zeichen des inneren wahren Werthes des Geistes formt das Schicksal oder die Atmosphäre, welche diesem Geiste im Augen-blicke nothwendig ist. In grober Kontur formt Ihr Euer Erdenleben, bevor Ihr in dasselbe tretet; in täglicher, stündlicher Arbeit formt Ihr daran -weiter, stets Herren Eueres Schicksales in dem Maasse, wie Ihr Herren seid Euerer selbst. Ein Geist im Menschenkleide ist ja noch ein Wesen auf tiefer Entwicklungsstufe, seine Freiheit muss daher, namentlich in ihrer Erscheinungsform, sich als etwas Unentwickeltes zeigen, von wahrer Kraft noch nicht durchglüht. Ihr Menschen seht aber Alles nur in seiner Erscheinungsform, nicht in seiner wahren Wesenheit, die derselben zu Grunde liegt. Die wahre Freiheit liegt als gottgegebener Keim im Geiste und ist als solcher göttlich, das heisst ewig, durch nichts zu verlieren, ein unauslöschliches Licht, weil vom Urlichte selbst als Lebensquell in den Geist gelegt. Ihr könnt diesen Quell einschliessen, ihn verschütten durch Sündenfall, Irrthum, Unklarheit, er steigt immer wieder mit gleicher Lebenskraft in Euch empor, Schlacken und Schlamm durchdringend, um endlich Euere ganze Wesenheit zu überfluthen, ein Lichtmeer um Euch ergiessend. Werdet Euch dieser inneren Freiheit bewusst und bethätigt sie durch Beherr-schung dessen, was Ihr vielleicht bisher gewohnt ward, als Euere Former und Bildner zu betrachten. Bleibt Euch in jedem Augen-blicke dessen bewusst, was Ihr seid: aufwärts strebende Geister, die ihre innere Freiheit ununterbrochen bethätigen, bewusst oder unbewusst ihre Zukunft bilden, ihre Schicksale formen, ihre gott-gegebenen Schwingen entweder kraftlos hängen lassen oder sie entfalten zum herrlichen Fluge von Sphäre zu Sphäre, von Kraft zu Kraft. Selbstbeherrschung nach Innen und Aussen ist erste Noth-wendigkeit zum Wachsthum wahrer Freiheit, -die Beherrschung der Verbildungen Euerer Individualität, zur Ermöglichung der Entwicklung Euerer wahren Wesenheit. Furcht, Unruhe, Zagen sinken in ihr Nichts zurück vor Euerer Erkenntniss, dass nichts, was an Euch herantritt, anders sein kann, als gut für Euch; dass sich die nothwendigen Lehrmeister an Gestalt und Form verändern je nach Euerer Umbildung; dass es in Euerer Macht liegt, in jedem Augenblicke Eueres Lebens Grundsteine zu herr-lichem Bau zu legen. Der Wunsch nach irdischem Wohlergehen geht unter in der Sehnsucht nach wahrem Wohlergehen, nach Zunahme an wahrhaft beseligenden Empfindungen wie Kraft, wie Liebe. Als Folge dieser wahren Freude schliessen sich dann von selbst die kleinen funkelnden Krystalle irdischer Freuden an; als Folge des Sonnenscheines und Thaues wahren Gottvertrauens, aus der Erkenntniss der Gotteskindschaft, Gottesführung, der Frage: Antwort: angestrebten Gottesliebe erwachsen die irdischen Blumen auf Deinem Wege und besäen ihn mit farbigen Sternen, alle Steine mit ihren Blüthen deckend. Doch sind sie von Euch als von nebensächlichem Werthe erkannt, und selbst wenn sie spärlich blühen, bleibt Euch der Friede, der in Euerer Erkenntniss, in Euerem zielbewussten Fortschritte wurzelt. Je weniger Euere Verbildungen Euere wahre Freiheit hemmen, desto mehr kommt Euch diese als Empfindung ruhiger Kraft zum Bewusstsein. Ihr hebt das Haupt in das Licht der ewigen Gesetzeswelt empor und je mehr Ihr in das Ewige blickt, desto wahrer wird Euer Geist, bis Ihr, ganz in diesem Lichte stehend, von Wahrheit gesättigt werden könnt und keiner anderen Nahrung mehr bedürft, keine andere Nahrung mehr assimiliren könnt. Wenn Ihr die Wonne, die tiefe weite Seligkeit auch nur ahnen könntet, die solche Geister erfasst und in berauschender Sphärenmusik dem inneren Jubel Ausdruck verleiht, Euere ganze Wesenheit müsste erzittern vor erwartungsfreudiger Sehnsucht, solcher Seligkeit entgegen-zustreben und Euer irdisches Leben könnte nichts Anderes sein, als klare, zweckbewusste Arbeit, die ihre Befriedigung in sich trägt. 34. Gesetz und Freiheit. frage: Der Ausspruch des Geistes Vigil Fußnote.): "Dass nur da Gesetze sind, wo der Geist sich solche macht, dass da, wo Gesetze sind, keine Freiheit, wo aber Freiheit ist, es keine Gesetze giebt ", -ist wohl ebensowenig auf unser Erdenleben, als auf die ferneren Entwicklungsstadien des Geistes anwendbar? Fußnote.) Vigil ist der leitende Geist eines gutwollenden, aber erkenntniss-schwachen Mediums, mit welchem der Fragende im Auslande bekannt geworden war. Der Einfluss dieses unentwickelten, unklaren, dabei selbst-süchtigen und eitlen Geistes auf das Medium, führte dasselbe leider in folgenschwere Irrthümer. Antwort: Der Ausspruch Vigil's vermag Euch zur Erkenntniss seiner geistigen Stufe zu verhelfen. Das Gesetz ist der Ausfluss der Weisheit und der untheil-baren Einheit Gottes. Das Gesetz ist ewig, wie der, von dem es ausgegangen. Gesetzlosigkeit würde jede Freiheit unmöglich machen, da diese nur in der Vollkommenheit zu finden ist. Das ewige Gesetz verwandelt sich uns zu Gesetzen, dem Bedürfnisse der unvollendeten Schöpfung entsprechend. Gesetz ist, dass jeder Geist die Vollkommenheit seiner Individualität erreicht, dass gewordene Vollkommenheit sich nicht mit ewiger Vollkommenheit vermischen kann. Gesetze sind: Arbeit und Sühne, Solidarität der Geister und all ' die Naturgesetze, deren Verwandlung mit jener der Natur verbunden ist. Die Liebe ist die Vollendung der Gesetze. Durch die Gesetzesführung erreicht der Geist seine Vollkommenheit, und diese erhebt ihn über alle Gesetze, da die Vollendung der Liebe und der Erkenntniss sein Führer geworden; sie erhebt ihn über die Gesetze, weil er in den Lichtkreis des höchsten Gesetzes eingetreten ist. Aber die Gesetze wirken weiter, Welten führend und erlösend. Ihr könnt nicht verstehen, was wahre Freiheit ist; sie ist Geistesgrösse, schöpferische Kraft, Erkenntnissvollendung, Liebes-vollkommenheit. Dem Geiste, der die wahre Freiheit errungen, ist jeder Fehler, jeder Irrthum, jeder unklare Begriff unmöglich. Nach Eueren Begriffen von Freiheit müsste diese in ihrer Vollendung Alles möglich machen, doch Freiheit ist nicht Gesetzlosigkeit und dem Gesetze seiner Wesenheit entwächst kein Geist. 35. Einheit des vollendeten Geistes. Ich möchte Euch die Einheit und Einfachheit des voll-endeten. Geistes klar machen. Diese werden klarere Begriffe für Euch werden können, als das Dual -Verhältniss der Geister. (Siehe II 19, Seite 50.) Die Einheit des vollendeten Geistes besteht darin, dass das Gleichgewicht all ' seine Kräfte oder Wesenheits -Attribute, wie Erkenntniss, Weisheit, Wille, Thatkraft, Freiheit, ein vollkommenes ist; dass keine dieser Kräfte anders als in der Liebe, durch die Liebe geleitet sind, da der Geist relative Liebe geworden, wie Gott absolute Liebe ist. Durch diese geistige oder eigenschaftliche Vollendung des Geistes hat auch sein Stoffliches oder Elementares die Vollkommenheit erreicht, welche ich mit Wesenheits -Voll-endung bezeichnen möchte. Diese Wesenheit ist einfach, reines Element, dem ewigen Gesetze der Anziehungskraft von Gleichem auf Gleiches unterworfen oder (um Euch vielleicht einen klareren Begriff zu geben) in den Lichtkreis der Führung und Wirkung dieses Gesetzes eingetreten durch das Ausscheiden aller unreinen, nicht ewigen Stoffe, die sich im Laufe seiner Turnusse in niederen Sphären mit ihm amalgamirt haben. Da diese Einfachheit, dieses vollkommene Gleichgewicht aller ewigen Kräfte des Geistes sein Endziel und Ursache der Wesenheitsvollendung ist, möchte ich dem Erdenmenschen immer wieder zurufen: "Seid einfach, wider-spruchslos, klar und wahr. Soweit es Euerer Stufe möglich ist, strebt jetzt schon dieses Gleichgewicht der in Euch nun zur Ent-wicklung kommenden ewigen Kräfte an. Wollet nur mit ganzer Kraft und Ihr könnt die Schnelligkeit des Fluges, der Euch möglich ist, gar nicht ermessen. Breitet die Schwingen Eueres Willens nur weit aus; die Luft, die diese Schwingen trägt, hebt und sie der Sonne näher bringt, ist da; sie ist die Gesetzeswelt, aus der Gottesliebe und Gottesweisheit hervorgegangen, in Euch und um Euch ewig seiend und wirkend, wie der Aether, der das Universum erfüllt. Strebet, ringet, erweitert das Feld Euerer Erkenntniss durch die Kraft und Macht Euerer wahren Güte und findet darin den Beweis, dass die Vollendung des Geistes in seiner Einheit liegt. 36. Wille und That des Geistes, Raum und Zeit. Du willst Nachrichten von Deinen Lieben aus ihrer Geist-heimath, liebe G. Ein Geist, der gut gewesen, wie A., findet rasch das Element wahrer Befriedigung, ein Element, das ihn nährt, kräftigt und weiter trägt von Erkenntnisskreis zu Erkennt-nisskreis. Ihr könnt Euch keine wahren Begriffe des Lebens im Geistigen machen, wo der Wille und die Sehnsucht die Erfüllung und Befriedigung so nahe bringen. Im materiellen Leben bedarf der Wille einer Materialisation: der materiellen That, und viele Menschen, deren Wille gut ist, verstehen die Gesetze der Materialisirung dieses Willens nicht ganz; die Güte der That bleibt hinter der Güte des Willens zurück. Der Geist hat nur eine Sprache: den Gedanken, den Willen, die Sehnsucht, und bedarf es keiner Uebersetzung oder Materia-lisation zur That. Wille und That sind eins. Der Geist, der sich reine, ungetrübte Sehnsucht nach Erkenntniss und gottähnliche Liebe errungen, das heisst dem diese Sehnsucht als Folge seines Ringens nach geistiger Vollendung geworden, dieser Geist findet so viel Befriedigung, so viel Freiheit, dass Zeit und Raum aufhören, für ihn wahre Begriffe zu sein. Was ist Raum für einen Geist, dessen Freiheit und Wille ihm immer grössere -Frage: Antwort: Sphärenkreise erschliesst? Was ist Zeit für einen Geist, dessen Maass Wahrheit geworden, - nicht mehr ein Maass von der Bewegung der Materie, wie es die Achsendrehung des Erdballs festgesetzt, sondern bestimmt von seiner eigenen Bewegung, von seinen gesetzlichen Turnussen von Erkenntnisskreis zu Erkennt-nisskreis bis zum Erreichen seiner Vollkommenheit? A. steht an einer Sphärengrenze, die das Ahnen solcher Grösse ihm erschliesst, -noch etwas Lehre, noch etwas Assimilirung geistiger Kräfte, durch seine reine Sehnsucht ermöglicht, -und er wird frei sein von allen Fesseln der Materie. Versteht Ihr auch, was solche Fesseln für den Geist sind? Seine niedere Stufe überliefert ihn den Gesetzen der Materie, seine geistige Entwicklung erhebt ihn über diese Gesetze und führt ihn in die Freiheit ewiger Gesetze ein, welche Freiheit mit dem Erreichen vollendeter Liebe ihre Vollendung erreicht. Lasset A. und seinen Geist Bruder weiter reifen und betet für sie: "Vater, gieb ihnen Erkenntniss Deiner Grösse und Erkennt-niss, dass sie den Gesetzen von Zeit und Raum entwachsen können, Erkenntniss, dass sie damit den ersten Schritt zum Ergründen Deiner absoluten Ewigkeit gethan, nach der Mög-lichkeit für die Erschaffenen das Unerschaffene zu ergründen. "So gebt Ihr ihnen heute, was sie heute brauchen; denn das Bedürfniss der Geister ändert sich mit ihrem Fortschritte und allein das Gebet: "Herr, erfülle Deinen Willen ganz und voll an diesem Geiste "ist dem Bedürfnisse aller Geister, auf jeder Entwick-lungsstufe angepasst. 37. Thätigkeit des Geistlebens. frage: Wir bitten Dich, soweit dies möglich, uns mehr über die Ausführung von Handlungen und Aufgaben der Geister kund-zugeben. Du sagst: "Der Wille des Geistes ist seine That. "An anderer Stelle: "Den Geistern sind bestimmte Aufgaben gegeben. "Kann der Geist eine Aufgabe nur durch seinen Willen, ohne That, ausführen? Antwort: Es ist nicht möglich, Euch Menschen einen klaren Begriff der Thätigkeit des Geistlebens zu geben. Die Materie macht einen Bestandtheil des Menschen aus; Alles, was der inkarnirte Geist ist, fühlt, empfindet, was ihn zur Handlung bringt, kann nur durch die Materie zum Ausdrucke gelangen. Sogar der ihm vom fremden Geiste übertragene Gedanke gelangt dem inkarnirten Geiste erst durch das Medium des Gehirnes zum Bewusstsein. Er kann sich daher keinen klaren Begriff eines Lebens machen, das der Materie entwachsen ist. Ich wollte Euch nur zeigen, wie viel schwerer es für den tiefgesunkenen ent-körperten Geist ist, den Versuchungen, welchen ihn seine tiefe Stufe aussetzt, zu widerstehen, als für den tiefgesunkenen Geist im Menschenkleide, da letzterer seinen Willen zur That materia-lisiren muss, während bei ersterem der Wille an sich schon die That enthält. Der tiefgesunkene Geist übt sowohl physisch wie moralisch einen Einfluss zum Schlechten auf den inkarnirten Geist aus, wenn dieser ihm nicht so weit überlegen, dass die ihn umgebende reine Sphäre ein Vermischen mit der Lebenssphäre des Tiefgesunkenen unmöglich macht. Auch hier gilt das Wort: "Wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird auch das, was er hat, genommen werden. "Je reiner der Geist, desto weniger empfindet er das schwere, niederdrückende Element der ihn wechselnd oder stetig berührenden Welle der tiefgesunkenen Geisterwelt. Wie das ganze Geistleben durch Gesetze geführt und vervollkommnet wird, so zieht die errungene Reinheit, Kraft, eine bestimmte geistige Stufe, der Versuchungsmöglichkeit eine Grenze, die nicht überschritten werden kann, weil sie gesetzlich ist. Die Kirche lehrt, dass Sünde dem entkörperten Geiste unmöglich sei und irrt in ihrer Lehre nur um ein Zeittheilchen, indem nicht die Entkörperung oder der Tod die Grenze bildet, sondern eine errungene geistige Stufe. Mit jeder weiteren errungenen Stufe werden bestimmte Sünden und Fehler dem Geiste unmöglich, wie es der Libelle unmöglich geworden, als Folge ihrer Entwicklung wieder in das Element, in dem sie auf unentwickelter Stufe ihre Lebensbedingungen ge-funden hatte, auch nur vorübergehend einzutauchen. So schliesst erreichte Vollkommenheit jede Möglichkeit eines Falles aus. Was aber die Thätigkeit solch ' vollkommener Geister ist, vermögt Ihr nicht zu verstehen; die Einheit des Willens, der That und der jubelnden Seligkeit, wie sie das Leben im innersten Licht-kreise Gottes bedingt, geht weit über Euer Ahnungsvermögen. Die Aufgabe des Geistes entspricht stets seinem Werthe und besteht darin, seinen Willen zur Wirkung auf bestimmte Kreise zu bringen. Ich spreche hier natürlich von einem hoch stehenden Geiste, dem schon das gesetzliche Leben der Opfer-freudigkeit in der Bruderhilfe erschlossen ist. Es ist schwer, Geistleben und Wirkung Euerem Begriffe klar zu machen; schwer, in Euerer armen Sprache die Worte zu finden, die nicht nach einer Richtung den Begriff trüben, indem sie ihn nach der anderen Richtung ein wenig zu klären vermögen. Ein Geist ist stets eine Kraft; die Wirkung dieser Kraft entspricht dem Willen und dem Werthe des Geistes. Die Aufgabe oder Thätigkeit des Geistes ist eine wechselnde bis zur Erreichung seiner Vollkommenheit und mit dem Erreichen dieses Endzieles geht Euch jeder Begriff der gesetzlichen Wirkung einer solchen selbstthätigen Macht verloren. Der gutwollende Geist jeder Stufe bis zum Erreichen dieser Grenze ist in seiner Thätigkeit, im gesetzlichen Fortschritts -Wollen wechselnd, Perioden der Assimilirung und der Uebertragung unterworfen. Versteht mich recht. Eine Periode der Assimilirung schliesst nicht eine gewisse Thätigkeit der Uebertragung aus und um-gekehrt; doch gibt es für jeden fortschreitenden Geist wechselnde Turnusse, in welchen das Reifen durch Assimilirung und das Ausgiessen gewisser Kräfte, die er sich durch Assimilirung ge-wonnen, Hauptaufgabe ist. Sein Wille entspringt dann der Er-kenntniss dessen, was ihm nun Bedürfniss und was, nach Gottes unermesslicher Weisheit zu gleicher Zeit bestimmt ist, die beste und ausgedehnteste Wirkung auf seine Bruderkreise auszuüben. Indem es der Geist durch reines Sehnen, das der Stufe seiner Errungenschaften entspricht, höheren Geistern möglich macht, ihm vergeistigte Elemente der Erkenntniss, Wahrheit und Güte zu bringen, so dass er sie gesetzlich assimiliren und zu seinem Eigenthume machen kann, wird er als verbindendes Glied der Bruderkreise seiner Aufgabe, das heisst seiner Bestimmung gerecht; denn er bethätigt in der folgenden Periode der Ueber-tragung das Erworbene in dem Bruderkreise, dem er entwachsen ist. So kann Euch eine Ahnung werden der heutigen Thätigkeit der Apostel und aller Geister ihrer Stufe, die eine solche Periode der Assimilirung vollendet haben, und nun in der kommenden Aera der Vergeistigung Euerer Erde durch die Erscheinungsform des Spiritualismus die Uebertragung ihrer Kräfte auf die ver-körperten und entkörperten Erdengeister zur Wirkung bringen werden. Wenn Ihr glaubt, Euch durch weitere Fragen mehr Klarheit zu verschaffen, so will ich sie beantworten, soweit mir dies möglich ist. Sowohl A. wie sein Bruder stehen nun vor einer Periode der Assimilirung und deutete der Bruder auf eine solche Lehrzeit hin, als er Dir, G, sagte, dass er lernen müsse, bevor er ein Schutzgeistamt übernehmen könne. A. wird in einer grossen Periode der Assimilirung Seligkeit finden; sein Bruder nur so weit in dieses Element tauchen, als es ihn fähig machen wird, das von ihm gewollte, spezielle, engbegrenzte Amt der Führung übernehmen zu können. Dies ist Alles, was ich Dir heute über Deine Lieben sagen kann. 38. Schutzgeister. frage: A. bittet Dich, ihr zu sagen, ob der Charakter des Schutz-geistes mit dem des Schützlings Aehnlichkeit hat, ob sehr schlechte Menschen überhaupt Schutzgeister haben und ob dieselben nach dem Tode eines Menschen ihr Amt noch fortzuführen haben? Antwort: Ich sagte Euch schon, dass eine gewisse Aehnlichkeit zwischen Schützling und Schutzgeist bestehe; es ist dies natürlich eine Aehnlichkeit der geistigen Stufe, die sie sich errungen. Die Arbeit eines Geistes entspricht immer seinem Werthe. Die Arbeit, einen tiefstehenden Menschen zu etwas wahrerer Empfindung und An-schauung zu verhelfen, vermag ein gutwollender, nicht weit voran-geschrittener Geist zu leisten und zwar besser zu leisten, wie ein hochstehender Geist, weil Ersterer eine solche menschenähnliche Sprache spricht und weil auch der Stoff seiner Fluide sich besser mit dem fluidischen Kreise des Menschen vermischt. Ganz tiefstehende Völker, die Ihr unter dem Namen "Wilde "zusammenfasst, sind natür-lich ebenso von einem Geistleben umgeben, das ihrem Werthe ent-spricht, wie Ihr es seid. Das Beste von diesem Geistmaterial vermag es, Schutzgeistarbeiten bei ihren tieferstehenden Brüdern zu übernehmen, da diese bei tiefstehenden Völkern hauptsächlich darin bestehen, sie vor der Einwirkung ganz schlechter, teuflischer Geister zu schützen. Wenn ein Mensch mit Vorsatz und Wollen schlecht ist, die Stimme des Gewissens consequent betäubt, so kann der Schutzgeist seines Amtes nicht mehr walten und verlässt diesen Menschen, weil es zwecklos geworden, ihn länger zu umgeben. Das Analoge der endlichen mit den geistigen Gesetzen ist überall vorhanden und muss von Euch gefunden werden. Es ist ein ewiges Gesetz, dass alles Zwecklose erlischt und die Natur übersetzt Frage: Antwort: es in ihre Sprache, indem sie zwecklose Organe durch Rück-bildung verwischt und aufhebt. Wenn ein solcher Mensch Reue empfindet und das Gute anstrebt, so wird ihm wieder so viel Hilfe zu Theil, als seinem Werthe und Wollen entspricht. Ihr müsst Euch das Schutzgeistamt nicht als etwas nach einer bestimmten Schablone Gemachtes denken. Im Geisterreiche herrscht wahres Leben; in steten Ver-wandlungen und Berührungen mit höherem Leben strebt Alles der Vollkommenheit entgegen. Es ist nicht nothwendig, dass ein Schutzgeist von der Inkarnation bis zum Ende des Menschen-lebens an den Menschen gebunden ist. Wenn ein Mensch eine geistige Arbeit hat, zu der er höherer Führung bedarf, so wird ihm dieselbe durch einen hochstehenden Geist zu Theil; doch bedingt dies nicht, dass der Geist so an den Menschen gebunden ist, wie Ihr dieses Wort versteht. Es besteht zwischen ihnen ein geistiges und fluidisches Band, das die sofortige Gedankenüber-tragung ermöglicht, das aber keine Fessel in Euerem Sinne für den Geist ist, da es ihn nicht hindert, sich in seine Geistheimat zu schwingen, mit seinen Geistbrüdern dort zu verkehren. Zeit und Raum sind, wenn auch noch nicht vollkommen aufgehoben, doch von solchem Geiste beherrscht. Es wechseln auch die leitenden Schutzgeister der Menschen mit dem Wechsel ihrer Arbeit, ihres geistigen Fortschrittes. Ihr Menschen seid in Euerem geistigen Werthe erkannt, genau be-messen, klar durchschaut von höherem leitenden Geist. Euerem Werthe entsprechenden Werth nach dem Gesetze der Solidarität zur Hilfe beizugeben, ist die Aufgabe der geistigen Reife und Weisheit, welcher schon ein Führeramt materieller Welten gegeben ist. 39. Träger göttlicher Offenbarungen. Sind die Träger göttlicher Offenbarungen an die Menschheit ausschliesslich ursprünglich rein geschaffene Geister, welche sich zur Vollkommenheit emporgearbeitet haben? oder kann eine solche göttliche Mission auch einem Geiste auf dem Wege der Ré -Inkar-nation übertragen werden, welcher das materiell -geistige Dasein in Menschengestalt durchgemacht hat? Was nennst Du Träger göttlicher Offenbarungen? Göttliche Offenbarung ist Alles, was dem Menschen zur wahren, geistigen Nahrung dient. Diese Nahrung ändert sich mit dem Wachsthum der Menschheit, doch alle solche Nahrung wird der Menschheit dem ewigen Gesetze zufolge so geboten, dass jedes Geistwesen das erreichen und assimiliren kann, wodurch sein geistiger Fortschritt bedingt ist Die Träger solch ' göttlicher Offenbarungen sind daher sehr verschiedener Art. Die Materialisation ist eine göttliche Offen-barung; doch sind die Träger derselben auf keiner hohen geistigen Stufe. Ein Geist kann das Menschenkleid annehmen, um Träger einer göttlichen Offenbarung zu sein; ein Geist kann vor Jahr-tausenden in solchem Kleide auf Erden gelebt, längst die Erden-schule absolvirt haben, und wieder in die Erdensphäre zurück-kehren, um entweder im Erdenkleide oder als Leiter eines Mediums weitere geistige Nahrung zu bringen. Wenn nur reine Geister, die sich ohne Fall zu ihrer Vollendung emporgearbeitet haben, Träger göttlicher Offenbarungen sein könnten, so wäre Euere Erde seit der Inkarnation Christi ohne Nahrung geblieben; doch Gott lässt immerfort Geistkräfte in Euere Welt strömen, die ihrer Wesenheit nach befähigt sind, Träger göttlicher Wahrheiten zu sein. Ich sage: "Wahrheiten ", denn solche Träger sind Theil-bringer, der Eine diesen, der andere jenen Lichtstrahl auffangend und weiterstrahlend. Der Lichtbringer sind Viele, die in Eueren Nebel hineintauchen und ihn zum Theil erhellen. Wer sie sendet, ist die Liebe, und was es ihnen ermöglicht, ist das Gesetz der Solidarität der Geister. 40. Die Solidarität der Geister. Arbeite im Geistigen, so viel Du kannst, denn ich möchte durch Dich den Menschen die enge Verbindung und Verbrüderung alles wahren Lebens, einerlei ob in oder ausser dem materiellen Kleide, klar machen. Wenn einmal das intensive Licht der Ueber-zeugung, dass die Solidarität der Geister eines der ewigen Gesetze Gottes ist, die Menschheit durchdringen möchte, so würde dieselbe sich durch Anerkennung und Assimilirung dieses Gesetzes in eine höhere Sphäre erheben, in welcher sie von manchen endlichen Gesetzen und den damit verbundenen Leiden frei wäre, die heute noch das Scepter über die arme Menschheit schwingen. Ich sage, die Solidarität der Geister ist ein ewiges Gesetz, -für Euch das vornehmste; obschon in Wahrheit keines dieser Gesetze grösser ist als das Andere, da sie sich zu einer grossen Voll-t kommenheit verbinden und ihre Wechselwirkung von der einen grossen göttlichen Wahrheit bestimmt und festgestellt ist. Doch für Euch ist es jetzt das vornehmste Gesetz, denn es ist nach Euerer Entwicklungsstufe die Wahrheit, die von Euch zunächst anerkannt und gelebt werden muss, um die Atmosphäre zu schaffen, durch welche weitere ewige Gesetze zu Euch dringen können, Euch die grössere Freiheit der Beherrschung endlicher Gesetze bringend. Die erste nothwendige Errungenschaft, um die Solidarität der Geister anzuerkennen und ihr zu leben, ist Selbstlosigkeit. Der unentwickelteste Geist im Menschenkleide denkt nur an sich; er ist mit dem Hunde vergleichbar, der, obschon selbst gesättigt, doch seine Futterschüssel mit Zähnefletschen bewacht, damit kein hungriger Hund einen Brocken daraus erwische. Die nächste Entwicklungsstufe solcher Geister ist die, dass sie von ihrem Ueberflusse mittheilen, die Folgende, dass sie für Jene, die ihnen am Nächsten stehen, kleine Entsagungen auf sich nehmen. Geister auf niederer Entwicklungsstufe haben eine enge Grenze der Liebesfähigkeit, und Drummond hat in seinem Buche (The Ascent of Man, London, 1894) in dem er so viel an der Grenze der Wahrheit herum-schleicht und so selten versteht, das Wahre selbst mit festem Griffe zu fassen, Recht, wenn er sagt, das Verhältniss von Mutter und Kind sei eine mächtige Hilfe für unentwickelten Geist, um einen Begriff von entsagender Liebe zu erhalten. Mutterliebe ist etwas erweiterte Selbstliebe und steht in Wahrheit auf einer der untersten Stufen jener Liebesentwicklung, die ihr Ziel und ihre Vollendung für den geschaffenen Geist in der Assimilirung und dem Zurückstrahlen der Gottesliebe erreicht. Die Sinnlichkeit, die Ihr Menschen Liebe zu nennen pflegt, hat mit Liebe überhaupt nichts zu thun; denn wahre Liebe ist ewig, Sinnlichkeit aber ein Ergebniss des Geisterfalles, der damit verbundenen Verdichtung der Materie und folglich vergänglich. ein Viele Menschen werden sagen, dass die Mutterliebe die edelste, opferfähigste Liebe sei; sie wird ja auf Euerer unent-wickelten Erde fast der göttlichen Liebe gleichgestellt, trauriges Zeichen Euerer Entwicklungsstufe, dass es dieser materiellen Verbindung, des Gefühles: "Das ist mein Fleisch und Blut "bedarf, um Euch opferfähig zu machen. Die Selbstlosigkeit eines Menschen muss eine gewisse Entwicklungsstufe erreicht, eine gewisse Klarheit vor seinem geistigen Auge geschaffen haben, bis er die Solidarität der Geister als göttliches Gesetz empfindet, und diesem Gesetze lebt, bis er es in seiner Verbindung mit höherem Geiste, in der Wechselwirkung desselben auf seinen Geist fühlt und in jeder Handlung seines Lebens bethätigt, dass wie Gott jedem einzelnen seiner Geistbrüder die gleiche Liebe, die gleiche Quelle der Hilfskräfte gegeben hat, so auch wir als erste Bedingung unserer angestrebten Gottähnlichkeit, die ganze Kraft unserer Opferfreudigkeit, die ganze Anziehungskraft unserer selbstlosen Liebe auf jeden unserer Brüder auszugiessen haben, weil Gott sie liebt, weil Gottes Gesetze sie alle führen, weil es keine Seligkeit der Vollendung für den Einzelnen geben kann, wenn er nicht mit dem Sonnenlichte seiner Wesenheit die Schatten, die noch seine Brüder umgeben, aufzulösen sucht. So lange der Geist seine Vollendung nicht erreicht hat, wird es immer ein Austausch der Gaben für ihn sein, wenn er dem unentwickelten Geiste von den Seinen bringt. Je mehr er den erkannten ewigen Gesetzen lebt, desto mehr nähert er sich dem Lichtkreise der verstandenen Gottesliebe. Verlässt aber der vollendete Geist diesen Lichtkreis, um seinen Brüdern zu helfen, so kann er von diesen nichts mehr empfangen, denn Alles, was der Bruder dem Bruder geben könnte, ist schon in der Potenz der göttlichen Atmosphäre enthalten, welche die des Vollendeten geworden ist. Strebet wahre Selbstlosigkeit an, liebe Menschen. Ihr könnt nur in dem Maasse glücklich sein, in dem Ihr das wahre Glück Euerer Brüder mit ganzer Kraft, mit reiner starker Liebe fördert. Seid Gott ist Liebe. Indem Ihr in der Liebe lebt, steht Ihr trotz materiellem Kleide in dem Lichtkreise gesetzlicher Geister und empfindet als solche den wahren Frieden, die wahre auf-jauchzende Freude, die nur von Jenen empfunden werden kann, die sich durch alle Schatten des trägen Anerkennens in das reine Licht des Erkennens und Lebens durchgerungen haben. wahr, seid treu, verschlaft nicht Euer kostbares Erdenleben; jeder Augenblick ist von Werth für Euch, wenn Ihr ihn nur zu leben versteht. Brecht die engen Schranken Euerer Liebe nieder, schreitet darüber hinweg, wie dieselben auch heissen mögen: ,, Familie, Confession, Nation ". Ihr werdet den leiblichen Bruder nicht weniger lieben, wenn Ihr erkennt, dass die ganze Welt nur Brüder für Euch enthält, dass der Tod keine Trennung sein Frage: kann, weil unser aller Vater Urleben, Urliebe, Urgeist heisst, und nicht das materielle Kleid Euch zu Brüdern macht, sondern das Hervorgehen aus einer geistigen Schöpfungskraft, das Geleitet-werden von einer ewigen Liebe. Versucht es einmal, die Brüder alle in Liebe zu umfassen, Euerer kleinen Erde ihren Platz unter den Schwesterwelten zu geben, sie nicht zur alleinigen Geburts-und Entwicklungs -Stätte alles Lebens zu machen, überschreitet die engen Grenzen des Persönlichen. So werdet Ihr fühlen, was wahre Freude ist, denn sie liegt in der Grösse, die in der Erkenntniss der Gesetze und in dem Empfinden göttlicher Liebe liegt. 41. Entwicklung des Geistes, Gnade und eigene Arbeit. frage: Der hl. Bernhard von Clairveaux bezeichnet in seiner Schrift über die Liebe Gottes die zur Einigung mit Gott führenden Stufen wie folgt: "Auf der Ersten wird die fleischliche Liebe in gesellige Liebe umgewandelt, wenn diese zum Wohle des Allgemeinen mitwirkt. "Auf der Zweiten wird der Mensch durch Noth und Trübsal in knechtischer Furcht und im Gefühle der eigenen Hilflosigkeit zu Gott, dem Helfer, hingeleitet. "Auf der dritten Stufe erwidert er dann, die Milde und Lieblichkeit Gottes schmeckend, Liebe mit Liebe und liebt den Herrn nicht, weil Er ihm, sondern weil Er in sich selbst gut ist, wahrhaft und ohne Eigennutz, und das ist die Liebe, nicht des Knechtes, sondern des Kindes. "Auf der vierten Stufe liebt er sich selbst allein ob Gott dem Herrn und dann wird das Gemüth ganz in Ihn verzückt und, seiner selbst vergessend, mit Ihm zu einem Geist vereint, und von sich selbst entleert, Ihn wirklich liebend aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften ein Zustand, der bleibend nur den Seligen gewährt ist, und wenn je im sterblichen Leibe vorkommend, schnell wie ein Blitz vorüberzuckt. "-Der Mensch wird hiernach zur Gottesliebe geleitet, sie wird in ihn als Geschenk höchster Huld eingepflanzt, sobald er aus freiem Willen die Fehler und Mängel seines Wesens ausrottet, welche dem Einströmen der Liebeskraft Gottes in ihn ent-gegenstehen. Ist diese Auffassung der Wechselwirkung von Gnade und eigener Arbeit die richtige? Antwort: Kinder, etwas rein Geistiges, wie die im Geiste erwachende und wachsende Liebe, lässt sich nicht in genau begrenzte Stufen eintheilen. Schon die Entwicklung des Lebens im Lebensprinzip hat keine scharfen Grenzen mehr, wie wollt Ihr rein Geistiges seziren, analysiren, classifiziren? Du, lieber Bernhard, legst dem Uebergangsstadium, dem einen Verwandlungsprozesse (Euere Sprache hat kein Wort, um den Begriff genau zu decken) Mensch genannt, viel zu viel Wichtigkeit bei. Ich möchte Dir von der Entwicklung des Geistes reden. Auf welcher Stufe dieser Entwicklung (natürlich innerhalb einer bestimmten Grenze) der Geist das Arbeitskleid des Menschen-körpers eine Zeitlang um sich legt, um darin eine bestimmte Arbeit zu leisten, ist von wenig Belang. Und wenn er dann, die Früchte dieser Arbeit in der Hand, zurückgekommen in die Geisterheimat, wieder ein Stück Arbeit vor sich liegen sieht, zu welcher es des Arbeitskleides bedarf, so wird er es wieder um die Schultern legen. Denn einerlei ist dem gesetzlichen Geiste das Gewand, so er nur arbeiten darf in Gottes Weinberge. Die ganze geistige Schöpfung ist eine Einheit, kein Theil derselben in sich scharf abgegrenzt. Als solche erkennt sie der reifende Geist und ist es zufrieden, das Schwerste zu tragen, so er nur mit ganzer Kraft sich in der Ausarbeitung dieses herrlichen Ganzen bethätigen darf, so er sich als einen Theil dieses Ganzen fühlt, stark in der Erkenntniss, dass Gott die Eine grosse Liebe und dass daher Liebe zu Ihm und Liebe zum Bruder die Seligkeit des Geistes ausmachen muss. In der Kraft dieser Erkenntniss kann er tief hineintauchen in die rei-nigenden Wasser der Leiden aller Art, in denen er seine schwachen Brüder kämpfen sieht, um denselben Hilfe zu bringen, indem er sie aus diesen Wassern heraushebt, sondern indem er ihnen seine Kraft zeigt, die hervorgeht aus seiner Erkenntniss, nicht ihnen helfend, sich auf eine Stufe emporzuarbeiten, welche die gleiche Erkenntniss auch für sie bedingt. Ihr redet so viel von der Gnade Gottes. Seid Ihr auch ganz klar, was Ihr darunter zu verstehen habt? Gott ist die Liebe, das ist seine Ureigenschaft und allein diese Eigenschaft bedingt Eure Seligkeit, wie die Weisheit die Wege zu diesem Ziele gebaut hat. Diese Liebe zeigt sich dem gefallenen und dem unreifen Theile der Geisterschaffung in Verwandlungen. Solche Verwandlungen sind Gnade und Gerechtigkeit. Jenen Geistern gegenüber, die nie gefallen, bedurfte es auch keiner solchen Ver-wandlung der Ureigenschaft; sie leben in ihr und für sie, im reinen, ungebrochenen Lichte. Das Licht der Urliebe brach sich zuerst durch den Sündenfall der Geister und wurde für sie zur Gnade, als deren Folge das Gesetz der Sühne durch eigene Arbeit entstand. So lange es daher Fall und Sünde gibt, so lange ist das Licht gebrochen und besteht die sichtbare Farbe "Gnade ". Doch wendet sich diese Gnade nicht mehr dem einen, als dem andern Geistwesen zu, da sie eng verbunden ist mit der anderen, durch den Fall bedingten Farbe: "Gerechtigkeit ", und folglich jede Willkür ausgeschlossen sein muss. Wenn Du daher sagst: "Der Mensch wird hiernach zur Gottesliebe geleitet, sie wird in ihn als Geschenk höchster Huld eingepflanzt, sobald er aus freiem Willen die Fehler und Mängel ausrottet, welche dem Einströmen der Liebeskraft Gottes entgegenstehen "so möchte ich diesen nicht unrichtigen Begriff dahin erweitern und ausführen: Im Geistwesen liegt der Keim alles Guten, als Folge seiner Sohnschaft. Das Geistwesen hat dieses Gute in eigener Arbeit zu entwickeln und seiner Vollkommenheit entgegenzuführen. Die Folge dieser Entwicklung, die Folge geistiger Reife ist stets wachsende Erkenntniss und deren Folge wachsende Liebe. "Habet daher die Liebe und Ihr habt Alles "so sprach der Apostel aus seiner Erkenntniss heraus. Was aber die Liebe zu Gott ist, wie hohe Geister sie fühlen, so wie sie gleichbedeutend ist mit dem von Euch auch nicht ergründeten Begriffe: Seligkeit, das könnt Ihr Erdenmenschen nicht fühlen. Ein solches Gefühl würde Euere Materie auflösen und Eueren sofortigen Tod herbeiführen, wie der Blitz den starken Baum fällt. Ihr könnt es noch nicht verstehen; aber Ihr werdet es wissen und fühlen. "Wenn ich erwache nach Deinem Gleichniss, werde ich gesättigt sein. "Ihr müsst erwachen aus aller halben Erkenntniss, aus aller Verworrenheit, Halbheit. Dann erst könnt Ihr das Tageslicht empfinden, das im Schlafe der Unreife un-empfunden die geschlossenen Augenlider umgibt. Ist Dir nun die Wechselwirkung von Gnade und eigener Arbeit klar? -Der Fall der Geister forderte neue Gesetze; denn die reine Geisterschaffung bedurfte nur Gesetze der Entwicklung, des Wachsthums; nun bedurfte es Gesetze der Auflösung des Uebels, entstanden durch das Irren der Freiheit der Geister. Diese Gesetze sind Gesetze der Gnade und der Gerechtigkeit und sind so lange in Wirkung, bis die Vollkommenheit der ganzen Schöpfung erreicht ist Die Freiheit besteht immerfort im Geist-wesen, diese Geschenke der Gnade anzunehmen, durch ihre weise Verwerthung an Kraft und Erkenntniss zuzunehmen und so fähig zu werden, immer mehr dieser unermesslichen Gnadengeschenke an sich zu ziehen und durch ihre Assimilirung Friede und Freude, den Beginn der Seligkeit, für sich zu gewinnen. 42. Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Ich kann mir die Gerechtigkeit Gottes nicht als nur inner-halb eines Menschenlebens wirksam denken, losgelöst von den Präexistenzen und den zukünftigen weiteren Entwicklungsstufen. Die aus den Präexistenzen in's Menschenleben hereingebrachten Eigenschaften und Fehler, das Karma der Inder, bilden die Grund-lage weiterer Entwicklung der geistigen Individualität. Je nach deren Vervollkommnung oder Entartung werden sich die Wege gestalten, auf welchen der allmächtige Vater seine Kinder zur endlichen Vollkommenheit führt. Darin liegt die Gesetzmässigkeit, deren Inbegriff Gott ist. Neben Seiner Gerechtigkeit empfinden wir aber Seine unendliche Barmherzigkeit, welche nicht nur, wie im Erlösungswerke, die ganze Menschheit umfasst, sondern sich auch, wie wir glauben, in Seiner individuellen Hilfe und Gnade durch die individuell verschiedene Erkenntniss Seiner Grösse und Liebe, sowie des Gotteswillens und durch die zu dessen Erfüllung verliehene Kraft äussert. Je nach dem Maasse dieser Gnade und Hilfe steigert sich auch die Verantwortung für deren Gebrauch und so stünde Gerechtigkeit und Barm-herzigkeit wieder im vollsten Einklange. Nicht die irdischen Leiden, in welchen der Mensch die Fehler seiner Präexistenzen sühnt, sondern deren geduldige und ergebene Ertragung bringen ihn der Vollkommenheit näher. Ist aber diese Fähigkeit, zu ertragen, dem Menschen aus eigener freier Kraft ohne Hilfe und Gnade Gottes gegeben? Alle unsere Fortschritte sind neben dem eigenen Streben von der helfenden Liebe und Barmherzigkeit Gottes bedingt. Ist es so auf Erden, wird es wohl in den höheren Entwicklungs-stufen ebenso sein. Auch die Anregung des Willens zum Fort-Antwort: schritte, das Wecken desselben, der Antrieb dazu, ist je nach der Empfänglichkeit des Menschen dafür verschieden; bleibt jedoch immer Gegenstand unserer Hoffnung und Zuversicht, unseres Gottvertrauens. Er lässt, uns unbewusst, Zustände in uns reifen, welche als Fortschritte zu Tage treten. Der Glaube an Gottes Barmherzigkeit neben seiner Gerechtigkeit befreit uns durch die Liebe von der Furcht und ich möchte diesen Glauben nicht missen. Vollkommen Recht hast Du, lieber Bernhard, wenn Du sagst, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht denkbar ist, als nur innerhalb eines Menschenlebens wirksam, losgelöst von den Präexistenzen und den zukünftigen weiteren Entwicklungsstufen; vollkommen Recht auch in der Darlegung dieser Gesetzmässigkeit und Gerech-tigkeit. Wenn Du des weiteren von dem Glauben an Gottes individuelle Hilfe und Gnade sprichst, welche sich in der individuell verschiedenen Erkenntniss seiner Grösse und Liebe, seines Willens und in der verliehenen Kraft zu dessen Erfüllung äussert, so möchte ich nur wieder darauf zurückkommen, dass die Erkenntniss eines Geistwesens, sowie die Kraft, der Erkenntniss gemäss zu handeln, nicht nur Gnadengeschenk Gottes, sondern eine Er-rungenschaft dieses Geistwesens ist. Die Möglichkeit, sich das Höchste zu erringen, ist das Gnadengeschenk Gottes und ist dieses Geschenk das Gleiche für jedes Geistwesen. Gott kann nicht einem Menschen mehr geben als dem andern. Du sagst: "nicht die irdischen Leiden, mit welchen der Mensch die Fehler seiner Präexistenzen sühnt, sondern deren geduldige und ergebene Ertragung bringe ihn der Vollkommenheit näher. Ist aber diese Ertragungsfähigkeit dem Menschen aus eigener freier Kraft gegeben? Das Leiden ist eine Folge der Sünde; ich möchte es die Schöpfung der Sünde nennen. Gottes Gnade und Barmherzigkeit verwandelte die Sündenfolge zu einem Werthmittel, mit welchem seine gefallenen Kinder ihre grosse Schuld abzuzahlen vermögen. Es ist dies eine geistige Alchymie, deren nur Gott fähig ist: die Folge der Sünde zu einem geistigen Golde zu verwandeln und dieses dem Kinde zur Abzahlung seiner Schuld zu geben. Da-durch, dass Gottes Gnade die Sündenfolge, das Leiden, zur Sühne verwandelte, wird das Leiden vom reifenden Geistwesen nicht mehr als drückende Last allein empfunden; der Geist fühlt im Leiden den Gnadenhauch Gottes, der dem Leiden ausreifende, heilende Kraft verliehen. Ich sagte Dir schon, dass der vorangeschrittene Geist (einerlei ob in oder ausser dem Menschenkleide) intuitiv das Wahre als solches empfinde; er wird auch im Leiden den Gnadenhauch Gottes gesetzlich empfinden müssen, wie der Pflanzenkeim nach seinem gebundenen Gesetz den Sonnenschein durch die dichte und derbe Erde empfindet und diese durchdringt, um ihn zu finden. Die Ertragungsfähigkeit des Geistes (in oder ausser dem Menschenkleide) ist also bedingt durch seine Erkenntniss, durch sein Empfinden des Gnadenhauches Gottes, und diese sind Er-rungenschaften des Geistes. Doch passt Gottes Weisheit das Leiden genau der Ertragungsfähigkeit des einzelnen Geistwesens an und liegt darin eine Aeusserung seiner Vaterliebe, dem indi-viduellen Geiste gegenüber. Du sagst: "Der Glaube an Gottes Barmherzigkeit neben seiner Gerechtigkeit befreit uns durch die Liebe von der Furcht und Du möchtest diesen Glauben nicht missen. "-Lieber Bernhard, glaube an die Liebe Gottes und es wird Dir jede Furcht unmöglich sein. Wenn Du das herrliche Farben-spiel des Regenbogens betrachtest, freust Du Dich da mehr, dass unter diesen Farben auch das Blau oder auch das Roth enthalten ist? Eine Farbe ist so schön, wie die andere; nimm das Prisma weg und sie fluthen zusammen zum reinen Lichte. So freue Dich nicht mehr über Gottes Gnade und Barmherzigkeit, als über seine Gerechtigkeit; sende Deinen Geist in die Zeiten voraus, da das Prisma von Schuld und Schuldfolge aufgelöst und vernichtet sein wird und das reine, ungebrochene Licht der Liebe Gottes, das Weltenall durchleuchtend, von jedem Geiste als jenes Licht empfunden wird, das seine Wesenheit zur höchsten Voll-kommenheit entwickelte, die er in jubelnder Seligkeit empfindet. 43. Jeder geistige Fortschritt eine Errungenschaft des Geistes. Bernhard hatte an dem Ausspruche Emanuels in vorstehender Kundgebung gezweifelt, nach welchem die Erkenntniss der Grösse und Liebe, des Willens Gottes in einem Geistwesen dessen Errungenschaft und nicht ein Gnadengeschenk Gottes sei, hatte gegen diesen Ausspruch angekämpft, sich jedoch dann davon überzeugt, dass es im freien Willen des Geistwesens liegt, sich diese Erkenntniss durch Annahme oder Ablehnung der ihm von Gottes Gnade gebotenen Möglichkeit dazu zu erringen oder nicht und dies dem Medium unter Zurücknahme seiner früheren Behauptung mitgetheilt, worauf folgende spontane Antwort erfolgte. Es freut mich, lieber Bernhard, dass Du die Erkenntniss errungen, dass jeder geistige Fortschritt eine Errungenschaft des Geistes ist. Jedes Geistwesen steht inmitten reicher Schätze, von der Gnade Gottes ihm in den Weg gelegt; des Geistes freier Wille muss diese Schätze weise verwerthen. Die geistigen Kräfte, die er sich durch Assimilirung dieser Schätze erwirbt, sind demnach eigene Errungenschaft. Ein gesunder Mensch nimmt an Kraft zu, durch richtig gewählte, genügende Nahrung, -die Gesundheit des Geistes ist seine Gesetzmässigkeit und diese ist gleichbedeutend mit seinem reinen guten Willen. Dieser ist erste Nothwendigkeit, eine freie Gabe des freien Geistes, die er als Gegengabe niederlegen darf zu den Füssen Gottes. Denn alles andere, was der Geist im Laufe der bildenden Zeiten, im Laufe seiner fortschreitenden Reife und Vollendung seinem Gotte entgegenbringt, wie Glaube, Vertrauen, Opferwilligkeit, jedes Leid verklärende Sehnsucht, dem Bruder zu helfen, dem Gotte zu dienen, bis hinauf zur gottähnlichsten Eigenschaft des Geistes, zur mächtigen vollendeten Liebe sind nur Folgen der Erkenntniss des Geistes, Folgen seines geistigen Verstehens und Schauens. Der Geist schaut die Werke, die Gesetze Gottes im Laufe seines Heranreifens und die Folge ist Vertrauen zu diesem Gotte und die Sehnsucht, mitzuarbeiten am grossen Werke der Vollendung; doch die Ursache des geistigen Schauens oder der Erkenntniss ist die Bethätigung des guten starken Willens. 44. Geistige Freude. Ihr Lieben, seid nicht so niedergedrückt und freudlos. Ihr habt viel, wofür Ihr dankbar sein müsst; vergesset das Gute nicht in den fühlbaren Prüfungen des Erdenlebens. Es ist mancher Schatten in Euerem Leben; doch alle Schatten werden nur durch das Licht verursacht. Blicket hinweg über die Grenzen des Schattens und freuet Euch des glänzenden, strahlenden Lichtes, das diese engen, scharfen Grenzen umgiebt und fortfluthet, eine ewige Quelle, aufsteigend aus der Vollkommenheit Gottes und grenzenlos, wie sie. Kinder, freuen sollt Ihr Euch an der Schönheit, der Wahrheit, dem Lichte, welche die ganze Schöpfung durchziehen und die von jedem Geiste empfunden werden können, der sich emporringt zur Selbstlosigkeit, zur Erkenntniss der Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern bestimmt. Ihr ziehet die engen Schattengrenzen des Heute um Euch und senket das Haupt und lasset Euere Seele betrübt sein, statt Eueren Geist hinaufzusenden in das Licht, das ihn umfluthet, damit Euere Seele von demselben getränkt werde und Euer Menschenherz die reine Freude empfinde, die von Euerem Geiste ausgeht und auch die Menschenherzen erfüllen kann mit reinem Jubel. Nicht in Euer Erdenleben sollt Ihr die Freude herabziehen, gleichsam zu materialisiren suchen; sondern Ihr sollt Eueren Geist von jeder Fessel befreien, damit er sich zur Freude erheben kann, die da ist und so gut für ihn, wie für jedes andere Gotteskind ist, das da lebt, ringt und strebt. In der Freiheit Euerer Gotteskindschaft erhebet Euch und empfindet die reinen Lichtwellen der Freude, die das All durchfluthen. Nicht zittern sollt Ihr vor der Zukunft, nicht in den Fesseln der Reue über Vergangenes Euere Kraft lähmen. Frei von jeder Fessel erhebt Euch zu Euerem Gott. Kinder, was macht Ihr aus Euerem Leben ! Das Leben, das sich in reiner Seligkeit zur Vollkommenheit emporheben sollte, habt Ihr durch eigene Schuld getrübt, und statt nun zu sagen: "Vater, sieh, wir heben dies befleckte Leben empor in das reine Licht Deiner Liebe, Deiner Grösse, Deiner Unwandelbarkeit; denn Dein Licht muss jeden Flecken verzehren. Wir heben es empor mit der ganzen Kraft unseres Geistes; gieb uns mehr Kraft, damit wir es immer höher emporheben, dem Lichtherde immer näher bringen können. Deine Vollkommenheit ist grösser als alle Schuld der ganzen gefallenen Schöpfung; in der Erkenntniss dieser Grösse hebt sie sich empor aus aller Schuld und jauchzet Dir entgegen ", statt dies zu sagen, mit jedem Pulsschlage Eueres Lebens zu empfinden, legt Ihr Euch selbst in die Fessel Euerer alten Schuld. Ihr getraut Euch nicht, Euch frei zu machen, Ihr gebt der Vergangenheit alle Macht über Euch, während Ihr der ausgleichenden Zukunft dieselbe über Euch versagt. Dies ist ein Fehler; denn Ihr habt, Kinder der Gegen-wart, die Macht der Zukunft, wie die der Vergangenheit aus-gleichend in Euch wirken zu lassen. Freuet Euch über jedes Erdenleben, das friedlich, glücklich ist; denn, wenn Ihr nicht einmal solch ' materialisirte Freude empfindet, wie wollet Ihr die rein geistige Freude, die von Gott ausstrahlend das Weltenall durchfluthet, verstehen, empfinden, erfassen? Reisset die Schranken Eueres Egoismus nieder. Wer die materialisirte Freude des eigenen Lebens sucht, findet wahre Freude nie. Erhebet Eueren Geist in der Kraft der Selbstlosigkeit und Ihr werdet es verstehen, was es heisst, Euerem Gotte zu jubeln; zitternd, Ihn ahnend, geht die Morgenröthe der Seligkeit über Eueren frei gewordenen Geist. So lernt, was Leben heisst, was Freude ist. Beide sind nicht an's Erdenleben gebunden; doch auch nicht ausgeschlossen von ihm. 45. Freude in der Wahrheit. Kinder, haltet nur das Ewige, Wirkliche von dem Ver-gänglichen, Schattenhaften auseinander; denn Ihr seid Kinder der Ewigkeit und als solche kann Euch nur das Ewige befriedigen. Nur die absolute, von Gott ausströmende Wahrheit macht Ewig-keit möglich; denn Alles, dem nur der Schatten eines Irrthums anhaftet, ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das relativ ewige Wesen, der Geist, der sich in Folge seiner Unvollkommenheit an Irrthümer festhält, wird durch diese in die lange Entwicklungs-reihe der Verwandlungen eingeführt, in jeder Verwandlung einen Theil des Vergänglichen, das sich an ihn gehaftet, zurücklassend und so endlich fähig werdend, in vollkommener Wahrheit sein eigenstes Element und die Bedingung seiner Seligkeit, seiner Vollkommenheit zu finden. Deshalb rufe ich jedem Menschen vor Allem zu: "Sei wahr, sei wahr ! "Wenn Ihr nicht die Kreise der Wahrheit durch-schreitet, die Ihr Euerer Geistesstufe nach durchschreiten könnt, wie kann der Tod da zum Freiheitsherolde werden, Euch in grössere, weitere, tiefere Wahrheit einzuführen? Die innere geistige Verwandlung des Menschen bedarf nicht des Zeichens des Todes. Sie kann sich stetig vollziehen, von Tag zu Tag und eine solche stetige Verwandlung ist das Zeichen Eueres Wachsthums, welches ein Zeichen Eueres wahren Lebens ist. Wenige, so traurig wenige Menschen erreichen in ihrem Erdenleben jene Stufe, die sie erreichen könnten, und nur diese Wenigen sind frei von Reue, wenn der Tod ihnen zur Erkenntniss des Erreichten und des Nichterreichten verhilft. Die Reue aber über versäumte Zeit, über verträumte Fortschritts -Gelegenheiten ist der bitterste Schmerz, den der fortschreitende Geist kennt, eben so schmerzhaft im Verhältnisse zu seiner geistigen Stufe, als es für einen niederstehenden Geist der derbere Schmerz der Erkenntniss ist, einem Bruderwesen geschadet zu haben. Je höher der Geist, desto klarer die Erkenntniss seiner Schuld und eine Schuld kann ihn mit Schmerz erfüllen, die bei Euch gar nicht als Schuld betrachtet wird. Eine Regung des Unvollkommenen nur, ein unklarer Gedanke, ein unfreudiges Geben erfüllen ihn mit Schmerz, weil er daran seine Unvollkommenheit erkennt und nur in der erreichten Vollkommenheit, nicht schon in deren Anstreben, liegt selige Befriedigung. Ich will Euch nicht müde machen, Menschen, indem ich Euch zeige, welch ' weiter Weg Euch noch von jener Voll-kommenheit trennt, die Euer Ziel und Euere Befriedigung ist; aber in jenen Lichtkreis der Wahrheit möchte ich Euch führen, in dem Ihr Euerer Wesensstufe gemäss zu stehen vermöget. Alle Trugbilder, so tröstend sie Euere Schwäche auch gestattet haben mag, müssen mit der Zeit untergehen; denn allein das Auge, welches die Wesenheit seiner Entwicklungsstufe zu schauen vermag, vermag auch den Frieden und die Seligkeit derselben zu schauen. 46. Das Empfinden des Wahren als solches. Ich möchte Euch ein Wort über das Gefühl sagen, das Ihr neulich so warm besprochen. Es ist dasselbe eine gesetzliche Eigenschaft Eueres Geistes und für den vorangeschrittenen Geist ein mächtiger Faktor in der Unterscheidung des Wahren vom Unwahren. Es ist wohl kaum nothwendig, dass ich hinzufüge, dass Ihr keine solche vorangeschrittene Geister seid, um je nach Euerem Gefühle für eine Sache deren Wahrheit oder Unwahrheit bestimmen zu können. Für den wirklich vorangeschrittenen Geist ist es aber bestimmend Du kannst nichts schreiben, Liebling, ohne dass ich meine Gedanken darunter mische, denn um mitsammen zu arbeiten, sind wir Beide auf die Erde gesandt, auf die alte Erde, die ihrer Verjüngung entgegengeht, welche in der Vergeistigung liegt. An dieser zu arbeiten, sind wir berufen. Du verstehst mich ja und hast keine Angst, dass Deine Individualität durch diese enge Verbindung Schaden leide. Nur wo es zu denken und zu reden giebt, da vermischen sich die Wasser beider Quellen, wo es zu unterscheiden und zu handeln giebt, da stehst Du allein, um allein die Verantwortung zu tragen. So ist es gerecht und gut. Um wieder auf dies Gefühl zurückzukommen, so giebt es auch auf Euerer Erde Beispiele genug dafür. Sokrates war ein solches. Nichts konnte ihn an seiner Ueberzeugung irre machen, die er nicht beweisen konnte und doch so unerschütterlich fest empfand. Weitere Beweise sind die Jünger Christi, deren Gefühl so mächtig war, dass sie Alles verliessen, Ihm zu folgen. So ist vielen Menschen der überzeugende Glaube an ihre Unsterblichkeit und an die Grösse und Liebe ihres Gottes solches "Gefühl "oder der Ausdruck einer früher erreichten Stufe. Solche Menschen glauben, weil sie nicht anders können; nicht weil die Bibel oder Kirche es ihnen lehrt. Wenn sie ausser dem Bereiche einer Bibel oder Kirche geboren würden, bräche dieser Glaube, diese Ueberzeugung dennoch in ihnen hervor, wie es bei Sokrates der Fall war. Und das allein ist wahrer Glaube. Denn Ihr steht erst dann vor Irrthümern bewahrt, wenn Euer Glaube in Euch selbst aus der Erkenntniss heraus entstanden ist, wenn die Stimme der Wahrheit als solche von Euch erkannt, aber nicht um dessen willen angenommen wird, der sie lehrt. Was ich Euch Menschen sagen will, was ich Euch zeigen möchte, der ich berufen bin, es zu thun ist einzig die grosse Kette, die Glied mit Glied der ganzen Schöpfung verbindet, die grosse Gerechtigkeit Eueres Gottes, die Ihr nur dann verstehen könnt, wenn wir Euch zu Euerem kurzen Heute das Gestern und Morgen offenbaren. Das ist der Grund unserer Offenbarung und wo dieser Grund wegfällt, da schweigt das gottgesandte Wort; denn es hat bestimmte Grenzen, innerhalb welcher es zu wirken hat. 47. Prüfungen. Reifen des Geistes. Kind, es wird im Augenblicke viel von Dir verlangt. Wir wussten, dass dieser Augenblick kommen werde und suchten durch richtiges Einwirken Dich für diese Zeit widerstandsfähig zu machen. Und Du kannst widerstehen, kannst aushalten am Posten und nach Gottes Willen wirken, wenn Du nur willst, das heisst mit starkem Willen und möglichst vollkommener Selbst-losigkeit die Arbeit thust, die der Tag von Dir verlangt. Liebling, es ist viel auf einmal in Deine Hand gegeben; aber das Menschenleben ist kurz und Ihr müsst es in voller Thatkraft ausnützen. Sieh, weiter als das Wissen geht der Glaube und Dein Glaube muss an der Gerechtigkeit und der Führung Gottes fest-halten. In Kämpfen und Klärungsperioden (und eine solche ist nun an Dich herangetreten) wirken auch Kräfte von Aussen auf den Menschen. Wie meine Stimme zu solcher Zeit Dir doppelt klar wird, so werden es auch die Stimmen derer, die Freude an Deinem Falle hätten. In Stürmen, Kämpfen und Klärungsperioden werden Elemente entfesselt und in Kontakt mit dem kämpfenden Geist gebracht, die sonst fern von ihm gehalten sind und zwar gesetzlich fern, weil die Anziehungskraft fehlt. Doch im Sturme führt der Wirbel zusammen, was durch ruhige, gesetzliche An-ziehungskraft niemals zusammengebracht werden könnte. hebt nicht ein Gesetz das andere auf, aber neue Elemente haben neue Gesetze. So fühltest Du in dieser Zeit des Kampfes und der Prüfung eine Bitterkeit in Dir aufsteigen, wie Du sie früher nie gefühlt und die durch niedere Wesen angeregt war, welche an Dich herangelassen wurden, um den Kelch der Prüfung voll zu machen. Es Und warum? fragst Du, - warum das Schwere noch er-schweren? Es gibt eben Gesetze, von denen Ihr nichts wisst, und ein solches Gesetz ist, dass den Geist in einem Reifepunkt alles früher einzeln Ueberwundene vereint angreifen muss, um seine Kraft zu erproben. Es lehrt Euch dies die Geschichte von Hiob. Und es kommt über jeden Geist eine solche Zeit stets vor jedem geistigen Wendepunkt in seinem Leben, vor dem Ueber-gange von einer Weltenstufe oder Sonne zur anderen. Jede Prüfung, in der er einmal schwach gewesen und gefallen, kommt wieder an ihn heran und zwar, wenn er in der Zwischenzeit geistig gereift, in einer Gestalt, die für ihn jetzt ebenso schwer zu bekämpfen ist, wie früher die Versuchung, in der er gefallen. Es gibt für einen Geist kein Ueberspringen einer Lehre und es gibt keine Zeit, an welche die Lehre gebunden wäre. Hat er sie verstanden, bemeistert, dann sinkt sie in die Vergangenheit zurück; doch so lange diese Lehre nicht von ihm gelernt und an ihm erprobt ist, so lange schwebt sie über ihm und wird, sich je nach der Form, die nun seiner Wesenheit homogen ist, verwandelnd, ihm immer wieder in den Weg treten. Der Geist, der Herr seiner selbst geworden, ist auch Herr dieser Prüfungsschatten, die über ihm liegen; und er wird wünschen, dass sie ihm verkörpert entgegentreten, damit er seine Kraft an ihnen erprobe und dann, durch den Kampf gestählt, seinen geistigen Weg weiter schreite, während die bemeisterten Lehren für ihn in die Vergangenheit zurücksinken, um niemals wieder an ihn herantreten zu können. Und daraus seht Ihr klar die Unhaltbarkeit des Ausspruches, dass Christi Erscheinen im Fleische der Ré -Inkarnation der Geister ein Ende gemacht. In der Welt der ewigen Gesetze Gottes kann nie eine Wirkung ausklingen, es sei denn zuerst die Ursache aufgehoben. Die Ursache, dass der reingeschaffene Geist der Materie zu seiner Lehre bedarf, liegt in seinem Sündenfalle und die Möglichkeit seines Falles in seiner Willensfreiheit. Hat der Fall einen Geist auf die Stufe gebracht, welche ihm die Materie anheftet, weil ihm die Materie nothwendig geworden, so wird er dem Leben in der Materie ver-fallen sein, bis sein eigener Wille (und nicht eine enge Zeitgrenze) ihn auf eine höhere Stufe erhebt, auf welcher die Lehre des Materiellen nicht mehr als Schatten, der gesetzlich Form an-nehmen muss, über seinem Haupte schwebt, sondern auf welcher diese Lehre, bemeistert und überwunden, zurücksinkt in das grosse Grab der Gewesenen. Der Geist entwächst gewissen Ge-setzen Gottes und erhebt sich dafür in das Reich neuer, rein geistiger Gesetze und die Gesetze, denen er entwachsen, sind für ihn begraben. Dies beweist Euch Christus, der, obschon das grosse Gesetz der Solidarität der Geister Ihm die Pforten des Erdenlebens öffnete und Ihn in die Kleidung der Erdbewohner hüllte, doch den Gesetzen der Erde nicht unterworfen war. Sein Eintritt in das Erdenleben, wie Sein Austritt aus demselben, und Seine Handlungen während desselben waren den rein geistigen Gesetzen Seiner Individualität unterstellt. Die Materie legte nicht die zwingende Hand des Gesetzes auf Ihn, sondern die rein geistige Hand seiner vollkommenen Freiheit warf die Materie als Mantel um sich. Der Zweck seines Kommens war, Euch Wahrheit zu bringen, und wenn Ihr, diese Wahrheit erkennend, ihr lebt, so macht sie Euch frei von den Gesetzen, die bis zu dieser Er-kenntniss zwingend für Euch gewesen. Doch wenn Euer freier Wille und Euere thatkräftige selbstlose Arbeit Euch nicht erhebt und befreit, so bleibt Ihr diesen Gesetzen verfallen; denn Christus kam nicht, das Gesetz umzustossen, sondern es zu erfüllen. Sein Kommen auf die Erde brachte Euch Lehre; doch nicht das Bringen der Lehre befreit Euch, sondern das Befolgen derselben. Wie kann es denn auch anders sein? 48. Todesschlaf und Erwachen. frage: Du sagst in Deiner Kundgebung 30 Seite 79 von A.: "Er hat ausgeruht, um zu erwachen in der Erkenntniss, was Geist-leben ist. "Aus diesem scharf pointirten Satze geht hervor, dass der nach dem Sterben eintretende Todesschlaf und das Erwachen, das Erstehen, zwei verschiedene von einander getrennte Existenz-phasen sind. Tritt nun dieser intermediäre Zustand des Geistes zwischen Sterben und Erwachen unmittelbar nach dem Tode, nach dem Scheiden des Lebensprinzipes aus der körperlichen Hülle, oder erst in einem späteren Zeitpunkte ein? Das Er-scheinen kürzlich Verstorbener und der Umstand, dass Spirits öfter aussagen, ihrem eigenen Leichenbegängnisse beigewohnt zu haben, spräche für letztere Annahme. Wird dieser intermediäre Zustand, an einen bestimmten Ort gebunden, durchgemacht? Auf der Erde oder in deren Atmosphäre, in der gewohnten irdischen Existenzsphäre oder gar in der Nähe der verlassenen Hülle, um ihr allen Geiststoff zu entziehen? Wir nehmen allgemein an, dass dieses Zwischenstadium zwischen Sterben und Erwachen ein traumhafter Zustand des Geistes sei. Träume können wohl aber auch peinlich, unangenehm, schreckvoll sein. Diese wären dann die Einleitung und Vor-bereitung zu der Läuterungsperiode, welche für den unentwickelten Geist mit dessen Erwachen zur Erkenntniss, was Geistleben ist, nothwendig beginnen muss. Für den entwickelten Geist wäre der ruhige Todesschlaf dagegen die stärkende Vorbereitung zum Erwachen in's Geistleben in's ewige Licht -, unter welchem wir die Erkenntniss der ewigen Gesetze und in denselben bis zu einem gewissen Grade die Erkenntniss des Höchsten Wesens verstehen. Währt dieser Todesschlaf je nach dem individuellen Quale des Lebens auf Erden und je nach der grösseren oder geringeren Entwicklung des betreffenden Geistes verschieden lang? Antwort: Der Zustand des Geistes nach dem Tode ist stets bedingt von seiner Entwicklungsstufe. Je höher der Geist, desto kürzer die Zeit seines Todesschlafes oder Ruhens; denn der Entwick-lungsgrad des Geistes bestimmt auch seine Kraft, und ist der Geist vorangeschritten auf dem Wege seiner Vollendung, so beseelt ihn solche Geistkraft, dass die ihm nothwendige Zeitdauer des Ausruhens von der Arbeit der Trennung vom Körper nur Augenblicke zählt, etwa wie der langgezogene Seufzer eines müdgewordenen Menschen. In diesem Augenblicke durchströmt ihn die volle Geistkraft seiner ihm ähnlichen Brüder und er erhebt sich mit ihnen in die Lichtsphäre, die seine Heimat ist und war. Dies ist das selige Erwachen eines Geistes, der in selbstloser Liebe das Menschenkleid um sich genommen. Vorher der Materie entwachsen, verlieh er ihr auch in der engen Ver-bindung mit ihr, die ein Menschenleben fordert, keinerlei Macht und im Augenblicke seines Todes fällt jede materielle Fessel von ihm ab. Der Todesschlaf der Geister, die noch nicht diese Stufe errungen, ist verschieden, sowohl was den Zustand des Geistes betrifft, als auch in der Zeitdauer dieses Zustandes. Bei einem sehr tief stehenden Geiste, besonders wenn er durch Trinken oder ähnliche Laster seinen Geist abgestumpft, geknechtet hat, tritt nach dem Tode eine Betäubung ein, eine Lähmung seiner Geistkräfte, die im Verhältnisse zu seiner Arbeit an der Rück-bildung seines Geistes steht, wie für den schon sehr voran-geschrittenen Geist das selige Eintauchen in noch grössere Geist-freiheit die Folge seiner Ausbildung durch eine übernommene schwere, materielle Aufgabe ist. Dieser Zustand der Betäubung kann lange währen und klärt sich überhaupt nur sehr langsam; doch empfinden diese Geister ihren Zustand erst mit der erwachenden Klärung als Qual, wenn schon das dumpfe Unbefriedigtsein, das finstere Brüten (Euerer Sprache fehlen die Worte zur Beschreibung dieses Zustandes) überhaupt Qual genannt werden kann. Der Geist muss eine gewisse Stufe errungen haben, um die Reue in ihrer ganzen klaren Schärfe empfinden zu können. Gottes Gnade bestimmte dieses Gesetz, denn ein Geist, der auf der Entwicklungsstufe des Durchschnitts -Erdenmenschen steht, würde, wenn er die Reue über seine Sünde und deren Folgen ganz empfinden könnte, von solcher Qual erfasst sein, dass er unfähig wäre, zu handeln und zu ringen. Seine niedere Stufe bedingt das Verschleiern seiner Erkenntniss, seiner Erinnerung; er weiss nicht, was er verloren, er erkennt oder fasst nicht, zu was er bestimmt. Mit seinem geistigen Fort-schritt ist die Erweiterung seines Erkenntnisskreises bedingt und klärt sich seine Erinnerung und seine Reue. (Ned s115). Geister guter Menschen machen alle einen Todesschlaf durch; doch müsst Ihr dadurch nicht immer einen Zustand, wie der Menschenschlaf es ist, verstehen. Bei Vielen ist es nur ein kurzer, traumhafter Zustand, ein langsames Bewusstwerden geistiger Fähigkeiten. Jeder Geist tritt direkt nach dem Tode in diesen Ruhezustand ein, der hochstehende auf Augenblicke, um dann frei zu sein von aller materiellen Fessel; tieferstehende erwachen oft aus diesem Zustande, sehen ihr Leichenbegängniss, ihre An-gehörigen, fühlen sich wohl in ihren Räumen und führen dort ein traumhaftes, menschenähnliches Leben weiter und ist ihnen wiederholter Schlaf in solchem Zustande möglich. Geister, die in der letzten Zeit ihres Menschenlebens sehr gelitten, deren Trennung vom Körper mit viel Leiden verbunden war (was Ihr einen harten Todeskampf nennt ), die schlafen ruhig, friedlich in den Fluiden ihres Schutzgeistes eingehüllt, die ihnen die noth-wendige Nahrung oder Atmosphäre nach solcher Erschöpfung ihrer Geisteskräfte bieten. Das Ruhen nach dem Tode ist also gesetzlich für Geister der Welten, wie Euere Erde; die Reife des Geistes bestimmt die Dauer, die Möglichkeit der Kraftüber-tragung während dieses Ruhens und das langsame oder rasche Klären der Erkenntniss und Zunahme der Geistfreiheit. 49. Erinnerung der Geister. Frage: Tritt nach der Entkörperung des Geistes, oder auch schon während derselben, ein hellsehendes Ueberblicken der Prä-existenzen, namentlich des mit Freiheit und Verantwortlichkeit verbundenen Lebens im Menschenkleide, im Lichte der Wahrheit ein? Liest der Geist dann das selbstgeschriebene Buch seiner Entwicklungsgeschichte, seines eigenen Werthes, in der Geister-sprache? Bleibt dem Geiste die Erinnerung an sein Erdenleben im Jenseits bis zu einer gewissen Stufe seiner Vervollkommnung erhalten? Von dem Zustande der Läuterung und Sühne scheint eine solche Erinnerung untrennbar; über dieselbe hinaus, mit dem Eintritte in die Ewigkeit sollte sie zwecklos und daher un-möglich werden? Da die Raum-und Zeitanschauungen des entkörperten Geistes, diesen irdischen Begriffen gegenüber, wesentlichen Modifikationen unterliegen, so dürfte auch dessen Gedächtniss eine Art Concen-Antwort: tration in einen Brennpunkt erfahren, in welchem Vergangenheit Gegenwart und Zukunft, nach Art des somnambulen Schauens, und ebenso das irdische mit dem Geistesleben zusammenfallen? Antwort: Das klare Schauen des Geistes nach seiner Entkörperung im Lichte der Wahrheit ist bedingt durch eine schon erreichte, gewisse geistige Stufe. Wenn jeder Geist seine Entwicklungs-geschichte klar sehen, richtig lesen könnte, so gäbe es nicht die Widersprüche in den Anschauungen der Geister, wie sie Euch durch Medien kundgegeben werden. Das geistige Schauen ist Erkenntniss und diese erweitert sich mit jeder weiter errungenen Stufe. Wenig entwickelte Geister überblicken daher nach ihrer Entkörperung nur das eben vollendete irdische Leben und dieses bleibt ihnen oft noch lange unverstanden nach seinem wahren geistigen Werthe. Der Laie sieht oft ein Bild an und sieht nur Gestalten, Bäume und Häuser, nicht die Gedanken, die der Künstler in sein Werk gelegt. Wenn die Erinnerung einem niederen Geiste die materiellen Erlebnisse des abgestreiften materiellen Lebens vorhält, und es dem Geiste unbewusst, uner-kannt bleibt, dass bestimmte Gesetze diese materielle Vergangenheit für ihn bedingten, so sieht dieser Geist auch nur auf Gestalten, ohne den geistigen Grund dieser Formen zu erkennen; er mag die Gestalten richtig erkennen; aber im Lichte der Wahrheit steht solcher Geist noch nicht. Ein Geist, der im Menschenkleide durch sein Sehnen nach geistigem Fortschritt, durch seine reine Selbstlosigkeit und Opfer-freudigkeit sich die Erkenntniss geistiger Gesetze erringt und die Materie in ihrem wahren Werthe und Wesen erkannt, ein solcher Geist wird nach seiner Entkörperung reiches Material zu weiterem Ausbau der Stufenleiter der Wahrheit finden, welche Stufenleiter ihren Abschluss in der Berührung der Urwahrheit findet. Denn auch hier gilt das Wort: "Wer hat, dem wird gegeben werden. "Denkt Euch das Wachsthum des geistigen Werthes immer als Verdopplung; die Verdopplung der kleinen Summe ergiebt noch immer eine kleine Summe, jene einer grossen Summe er-giebt schon einen grossen Werth und so geht die geistige Entwick-lung weiter, von Kraft zu Kraft, bis zur Erreichung der Voll-kommenheit. Dem tiefstehenden Geist kann eine schlechte, von ihm in der Materie verübte That bis zur Qual deutlich, unentrinnbar in der Erinnerung bleiben, bis wahre Reue, ehrliches Streben nach Besserung dieses quälende Bild erblassen, wenn auch nicht er-löschen macht. Bis zu einer gewissen Stufe stehen die Geister unter den Gesetzen, die diesen Prozess, den Ihr Erinnerung nennt, bedingen; hochentwickelte Geister beherrschen auch diese Gesetze. Es drängt sich ihnen keine Erinnerung auf, aber ein Willensakt des Geistes kann jede Vergangenheit ihm im Lichte der Wahrheit augenblicklich wieder klar werden lassen. Glaubt Ihr, die Vollkommenheit Christi mache es ihm unmöglich, sein Erdenleben zu durchblicken? Ihr könnt ja gar nicht verstehen, was ein vollkommener Geist und was sein Wirkungskreis ist, Ihr könnt daher auch nicht ermessen, was zwecklos für ihn ist. Wenn sich ein Geist durch seine Entwicklung über gewisse Ge-setzeskreise erhebt, so bleibt er ihr Beherrscher; sie haben die zwingende Gewalt über ihn verloren, doch er hat nicht die Mög-lichkeit verloren, sie seinen Zwecken, seinem Willen dienstbar zu machen. 50. Liebe. Nothwendiger, als mögliche Präexistenzen zu besprechen, ist es für jeden Menschen, sein jetziges Leben zu der Vollendung, die seiner Entwicklungsstufe möglich, zu führen. Dazu ist es gar nicht nöthig, dass er von seinen Präexistenzen wisse; der gegebene Augenblick ist es, dem er seine ganze, reine Geistkraft zuwenden soll, Augenblick für Augenblick im erkannten Gottes-dienste voll ausnützend, um bei seinem Hinübertreten in die Geist-heimat eine Kette von Augenblicken zu besitzen, die einer Perlenschnur gleicht. Das Erdenleben eines Menschen ist gerade lang genug, um gegebene Arbeit gut zu Ende zu bringen; nützt Ihr Euere Zeit nicht nach dem Grade Euerer Entwicklungsstufe gut aus, so fügt Ihr fehlerhafte, minderwerthige Perlen aneinander. Jeder gefallene Geist muss auf einer ganz-oder halbmateriellen Welt, den Gesetzen derselben in äusserer Form unterworfen, eine Kette fehlerloser Perlen aneinanderreihen; dann erst ist es ihm möglich, in höhere Sphären einzugehen. Deshalb sagte ich Euch, dass vollkommener Mensch noch nicht vollkommener Geist sei; doch muss die Menschenvollkommen-heit einer halbmateriellen Welt von jedem Geiste erreicht sein, bis er den Lichtkreis werdender Geist -Vollkommenheit betritt. Ich selbst war ein Geist, der zur Stufe halbmaterieller Welten fiel und nun, an der Grenze des Lichtkreises reinen Geistlebens stehend, noch diese Schutzgeistmission übernommen habe, ehe ich ganz in meine Heimat eingehe. Mein Fall verbindet mich mit Euch gefallenen Geistern in und ausser dem Menschenkleide, und gerne bleibe ich an der Grenze stehen, sehnsüchtig in das Heimatland blickend, wenn ich dadurch nur einem meiner Brüder helfen, nur Einem die Macht der Gottesliebe damit zeigen kann. Denn das direkte Walten der Gottheit vermag die Erde nicht zu schauen, direkte Gottesliebe vermag sie nicht zu em-pfinden; doch durchdringt diese Liebe die reine Geistwelt und diese sagt dem Brudergeiste, der nicht tief gefallen oder sich nach solchem Falle wieder bis zur Grenze reiner Geistwelt empor-gearbeitet: "Nun zeige den armen Brüdern die Form der Liebe, die sie zu schauen fähig sind. "Und jeder von uns bethätigt also seine Liebe, bis die ganze gefallene Welt von Liebe durch-drungen sein wird. Diese reine Geistwelt ist der in der Schöpfungs-geschichte oder Schöpfungsparabel genannte: "Geist Gottes, der die Wasser bewegte. "Denn die Bethätigung der Liebe auf jeder Welt in der von ihrem Geistleben verstandenen Form ist der Anfang wahren Lebens auf derselben, eines Lebens, das bis zur Geistvollkommenheit entwicklungsfähig ist. Liebe und Leben ist Eines. Bis der Geist dies erkannt hat und jubelnd bereit ist, jeder Lebensform und Lebensfreude zu entsagen, um dem Bruder wahres Leben, das mit Liebe gleich-bedeutend ist, zu zeigen, ist er nicht fähig, den Lichtkreis reiner Geistwelt zu betreten. Doch kann er diesen Lichtkreis wieder verlassen, wenn er die Sehnsucht empfindet, den armen Brüdern abermals eine Offenbarung dieser höchsten Wahrheit zu sein. Wenn eine Welt in einer Periode geistigen Aufschwunges steht, so vermehren sich die Inkarnationen hochstehender und reiner Geister auf ihr; mit einem Funkenregen reinen Geist-lebens möchte die Liebe hochstehender Brüder diese Welt über-schütten, damit an allen Ecken und Enden das Licht wahrer Liebe emporleuchte, und die Welt langsam in einen höheren Entwicklungskreis emporziehe, in dem ihr immer mehr ewige Gesetze geoffenbart werden können. An diesem grossen Werke, das sich der Erkenntniss jedes höherstehenden Geistes zeigt, könnt auch Ihr Menschen Euch betheiligen, indem Ihr bestrebt seid, die höchste geistige Stufe, die zu erreichen Euch möglich ist, die reinste, mächtigste Liebe, die Ihr zu empfinden fähig seid, zu erringen und zu bethätigen. So werdet Ihr hier schon in wahrem Gottesdienste leben und beim Hinübertreten in die Heimat Euch die Kraft errungen haben, den schwächeren Brüdern eine Offenbarung wahren Lebens zu sein. - IV. Geist und Materie. 51. Die Inkarnation 52.Aufbau des Körpers, Vererbung 53. Früh sterbende Kinder 54. Ré -Inkarnationslehre 55. Ré -Inkarnation. 56. Ausführungen über die Ré -Inkarnationslehre 57. Ré -Inkarnation oder Materialisation selbstloser Geister 58. Heilmagnetismus 59. Der richtige Magnetismus. 60. Elektrizität und Magnetismus 61. Geistige Heilung des Körpers Mind -cure 62. Hypnose und Suggestion 63. Organprojection 64. Wechselwirkung von Geist und Materie im Menschen 65. Körper, Seele und Geist im Menschen 66. Der Astralleib 67. Die Seele als Lebensprinzip und Astralleib 68. Vergeistigung der Materie, Entmaterialisirung 69. Die Todesstrafe und das Tödten von Thieren 70. Die zwei Gedächtnisse im Menschen 71. Gedankenleben der Menschen 72. Quelle neuer Gedanken 73. Der Gedanke, Gedankenlesen 74. Der Ursprung der Sprache 75. Das Mitleid 76. Verbindung mit der Gotteskraft 77. Entwicklungsgang der Menschheit IV. Geist und Materie. Frage: 51. Die Inkarnation. Frage: Der Mensch ist die Erscheinungsform seines transcendentalen Subjektes. Der Geist hat den Willen zum Leben; dieser Wille geht dem irdischen Leben voraus, ist dessen Ursache. Die irdische Geburt ist daher ein Willensakt unseres erkennenden, individuellen, transcendentalen Subjektes. Es ist dies eine un-abweisbare Folgerung unserer Präexistenz. Der Geist besitzt die Fähigkeit, seinen Leib zum Werkzeuge für seine transcendentalen Zwecke zu bilden; er ist bei der Bildung seines Körpers an jene physischen und geistigen Assimi-lirungsgesetze gebunden, welche die Grenzen der Individualität im irdischen Dasein ausmachen. In der Dehnbarkeit dieser Gesetze liegt die Möglichkeit der Individualisirung innerhalb des allgemeinen Typus für das Menschenkleid. Unsere Eltern, welche zu diesem organisirenden Aufbau des Leibes das Material liefern, sind nach Swedenborg und Kant nur unsere Adoptiv -Eltern. Das irdische Dasein tritt durch die Geburt zum trans-cendentalen Dasein, unbeschadet des Letzteren, hinzu; beide Existenzweisen bestehen gleichzeitig; nur verschwindet für den irdischen Menschen das transcendentale Dasein optisch, sein Bewusstsein beschränkt sich auf die irdische Situation. Aber nicht nur die Inkarnation überhaupt, sondern auch die Geburt in die gegebenen individuellen Lebensverhältnisse hinein, ist ein freiwilliger Akt unseres Geistes, weil das Fernsehen ein Vermögen desselben ist, die gewählten Lebensverhältnisse daher seinem transcendentalen Zwecke entsprechen müssen, -auch dann, wenn sie den Wünschen der irdischen Person durch-aus widersprechen. starke Wille eines schon gereiften Geistes vermag. Sie sind Menschen geworden und wollen nichts anderes, als unter diesem Schleier die schleierlose Klarheit ihrer Vergangenheit sich bewahren und dadurch fähig sein, ihren Brüdern zu helfen. So ist zunehmende Erkenntniss Bedingung für zunehmende Freiheit des Geistes. Es ist Gesetz materieller Welten, wie Euere Erde eine von vielen Millionen ist, dass der sich inkarnirende Geist seinen Körper selbst aufbaut; er formt die Hülle seines eigenen Werthes und ist diese Hülle daher gesetzlich immer diesem Werthe ent-sprechend. Ist der Geist ein hochentwickelter, so muss seine Organisation in jeder Einzelnheit davon zeugen; die Hoheit und Reinheit seines Ausdruckes, die Form seines Kopfes, die Linien seiner Hände, die Gesundheit all ' seiner Organe, alle diese äusseren, sichtbaren Dinge zeugen dafür, dass der Geist gesund, das heisst dass seine Verbildungen zurückgegangen, seine Widersprüche gelöst und die Klarheit seiner Erkenntniss, nach welcher Ein-heitliches anzustreben, ihm die Wege erschliesst, auf denen er seinem Ziele unentwegt entgegeneilt. Jeder Geist, der sich auf einer materiellen Welt inkarnirt, hat einen bestimmten Zweck zu erfüllen; auf niederer Stufe steht er im eigenen Dienste, auf höherer im Dienste Anderer, und diesem Zwecke entsprechend ist die Organisation, die der Geist sich aufbaut. Denn die Gesetze Gottes sind dehnbar, sind Lichthüllen, nicht Zwangsjacken für den Geist. Tief zu beklagen sind jene tiefgefallenen Geister, die diese Lichthüllen als Zwangsjacken empfinden, welche die Folge ihrer Schuld gesetzlich in eine Organisation zwingt, die das in derber Verdichtung zum Ausdruck bringt, was dieser arme Geist geworden. Es sind dies jene Menschen, in denen das Thierische vorherrscht, deren unausgebildetes Gehirn sie zum Cretin macht, weil ihr Geist jegliche Klarheit verloren. Es ist kein Gesetz, dass die Blutsverwandtschaft aus einer Gruppirung gleichwerthiger Geister bestehe. Gleichwerthige, gleich-sphärige Geister haben immer eine gewisse Anziehungskraft für einander; doch ist es für nicht sehr hochentwickelte, aber ihren Fortschritt anstrebende Geister oft nothwendig, sich in einen Kreis zu inkarniren, der ihnen gewissermassen heterogen ist. Das Erdenleben soll eine Bethätigung dessen sein, was der Geist sich errungen oder sich errungen zu haben glaubt; es ist immer eine Prüfung. Der Geist soll sich solche Inkarnation schaffen, die dem Zwecke der geistig -materiellen Verbindung am Besten ent-spricht; doch viele Geister sind schwach und verschieben den Schwerpunkt vom Nützlichen, Zweckentsprechenden auf's An-genehme. Ihr müsst mich nicht missverstehen, wenn ich sage: "Der Geist schafft sich eine Inkarnation. "Jede Inkarnation untersteht bestimmten Gesetzen; doch diese sind dehnbar, wie alles Lebendige. Ihr müsst Alles, was ich Euch seither gesagt, nicht in seiner ganzen Klarheit aufgefasst haben, wenn für Euch noch ein Zweifel über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit bestehen kann, dass der sich inkarnirende Geist aus dem Materiale, dessen er sich zu diesem Zwecke bedient, beeigenschaftet werde. Der Geist ist das Reale, die Materie das Unreale; wie aber kann das Unreale, Vergängliche, dem Realen, Ewigen einen Stempel aufdrücken? Erringt Euch doch Klarheit über solche Dinge, die die Grund-steine unserer Lehre sind. Das Reale ist doch das Primäre, das Unreale später Gewordenes, durch Irrthum und Fall des Realen Entstandenes; das Reale bricht sich überall Bahn, durch-dringt jede Hülle mit seinem Lichte und drückt der Materie seinen Stempel auf, mit der es sich verbindet. Das Menschenkleid ist nur eine Uniform, äussere Gleichheit zwischen den Bewohnern einer Welt herstellend. Die Eltern stellen ihrem Kinde nur das Material zur Verfügung und der sich inkarnirende Geist baut sich einen Körper auf, der seine eigenen Eigenschaften zur Schau zu bringen geeignet ist. Wenn es eine geistige Vererbung aus dem Materiale gäbe, wie könnten die absoluten Gegensätze, wie sie Eltern und Kindern oft eigen sind, entstehen? Nein, der Geist ist frei; seine Eigenschaften, sein geistiger Werth sind sein frei errungenes Eigenthum; die Eltern geben und nehmen ihm Nichts von seinem eigenen Werthe. Alles, was Ihr Menschen seht, ist nur ein Spiegelbild dessen, was ist; Ihr seht die Spiegelung oder die Verdichtung, nicht das Reale, was diesen zu Grunde liegt. Deshalb ist es so schwer für Euch, Euch geistige Klarheit zu erringen. Ihr seht das Licht, Ihr fühlt die Wärme, Ihr hört den Schall und alles in materielle Erscheinungs-formen gehüllte Leben theilt diese Empfindungen mit Euch; doch den Zeiten des Fortschrittes und der Entwicklung auf der Erde blieb es vorbehalten, die Ursache dieser Erscheinungen: Licht, Wärme, Schall, in den Bewegungen des Aethers zu erkennen. Die gesetzlichen Zeiten des Fortschrittes und der Vergeistigung den Gesetzen, denen Euere Erde untersteht, zu formen vermögen. Lebensunfähig nach den Lebensgesetzen der Erde sterben solche Kinder, um, wenn sie wieder in ihrem früheren Zustande er-wachen, den Schluss eigener Erfahrung zu ziehen, dass jede Handlung des Geistes bestimmten Gesetzen untersteht. Der Geist lernt durch das, was er empfindet; je tiefer der Geist steht, desto derber die Lehre. Mancher Geist wieder inkarnirt sich und in den Sorgen und Mühen des Erdenlebens stehend, lässt er sich von diesen immer mehr in den Schlamm der Unklarheit, der Schwäche und der Feigheit hinunterziehen und kürzt schliesslich die Dauer des Menschenlebens ab, um den Leiden zu entgehen. Wenn solche Geister zur Erkenntniss kommen, dass das Leiden einzig in der Unvollkommenheit des Geistes liegt und dass die Leiden, die von Aussen zu kommen scheinen, nur die Erscheinungs-formen eben dieser Unvollkommenheit sind, so nehmen sie oft kurze Inkarnationen auf sich, um das zu Ende zu führen, was sie feige weggeworfen hatten. Andere Ursachen giebt es wieder. Von einer Geistgruppe, die zusammen gesündigt, erkennt Einer sein Unrecht und inkarnirt sich, um auf Erden seine Erkenntniss zu bethätigen, seine Kraft in den Versuchungen und Prüfungen, die ihm durch das Erden-kleid nahen können, zu stählen; doch die Macht des Bösen über ihn ist noch nicht gebrochen, die niederen Geister, die er ver-lassen wollte, umringen ihn und hindern jeden Fortschritt, indem sie seine Materie zum unfähigen Werkzeuge machen. Die Auf-lösung der Materie solcher Kinder hat die relative Freiheit solcher Geister zur Folge; durch ihre Reue, ihr freiwilliges Eintauchen in die reinigenden Wasser der Leiden erheben sie bestimmte Gesetze in eine andere Geistsphäre, in welche hindernde Elemente aus niederer Sphäre nicht mehr eindringen können. Du meinst, dass solche kurze Inkarnationen einen direkten Einfluss auf Medien bezwecken können. Dazu ist aber eine Inkarnation, als solche, nicht nothwendig. Der Geist, der das Medium beeinflusst, wird nur dann im Stande sein, eine Lehre zu geben, die für viele Menschen Hilfsmittel wird, wenn er möglichst über der Materie steht, das heisst wenn er durch seine Entwicklung der Anziehungskraft der Materie und der endlichen Gesetze entwachsen ist. Ihr müsst bedenken, das der Geist das noch beherrscht, dem er entwachsen ist; es ist ihm nicht fremdes Gebiet, denn er durchschaut es und kennt die Gesetze, die, Euch mit der Materie verbindend, Eueren geistigen Horizont verengen. Nur versteht mich recht. Es ist nicht die Materie, die den engen Horizont zieht, sondern Euere Entwicklungsstufe, welche diese Materie mit den sie beherrschenden Gesetzen zu Euerer Atmosphäre macht. Christus sah als Mensch so weit, wie als Geist und konnte als Geist wieder im Augenblicke den fluidischen Körper bilden, den er als Beweis seiner Identität seinen Jüngern gegenüber brauchte. Nicht das Menschgewesensein bildet die nothwendige Brücke zwischen Geist und Medium. Ein gutes Medium muss eine gewisse Aehnlichkeit mit dem sich äussernden Lehrgeiste haben, es soll die Lehre empfinden können, damit keine Gegen-ströme der Empfindungswelt dieser Beiden die Klarheit der Lehre trübe. Doch darüber habe ich schon gesprochen. Du sagst, menschlich betrachtet, sei es ein Vorzug als Kind zu sterben, weil solche Geister keine neue Schuld belastet. Das führt uns in ein anderes Gebiet. Die Definition einer "neuen Schuld "ist nicht so einfach, dass ein Geist frei von solcher Schuld wäre, wenn sein unentwickelter Körper, mit dem sein Menschthum ihn so eng verbindet, dass er ohne diesen keine Handlung begehen kann wenn dieser Körper ihn davor bewahrt. Schuld liegt nicht in der sichtbaren Handlung, denn diese ist ja nur die Erscheinungsform; Schuld liegt in dem Willen, in der Willensfähigkeit. Wenn ein Geist aus seiner Em-pfindungswelt, aus seiner Wesenheitsentwicklung ein Gelüste hat, das eben diesen Grad der Entwicklung oder Nichtentwicklung beweist und er bekämpft dieses Gelüste nicht, so hat er gesündigt, wenn er sein Wollen auch nicht zur That umsetzt. Dass ein Kind gewisse Sünden nicht begehen kann, stellt den Geist nicht höher, wenn es nach kurzer Inkarnation stirbt. Schranken, welche Aeusserlichkeiten dem Geiste setzen, machen diesen selbst um nichts besser, geben ihm keine errungenen Werthe in die Hand, wenn er in seine Geistheimat zurückkehrt. Unschuldig ist der reingeschaffene Geist, wenn er zuerst aus dem Lebensstrome des schaffenden Gotteswillens in's Bewusstsein tritt. Verlässt er die gesetzlichen Bahnen nicht, so reift seine Unschuld zur Vollkommen-heit. Gefallene Geister jedoch haben ihre Unschuld verloren und das Kinderkleid der Materie gibt sie ihnen nicht wieder, sondern nur zielbewusstes Streben stösst Schlacken und Fehler aus; die für sie zur Gnade gewordene Gottesliebe bestimmt, dass sie das gleiche Ziel der Vollkommenheit einstens erreichen werden Ihr seht in kleinen Kindern oft die hässlichsten Eigenschaften der Unwahrheit, des Neides, der Schadenfreude, der Grausamkeit; in Anderen wieder eine Selbstlosigkeit und Liebeskraft, die Euch staunen macht. Sobald die Entwicklungsstufe des Körpers es ermöglicht, äussert sich der Geist durch ihn so, wie er ist. Das Menschenleben ist für Euch in jedem seiner Augenblicke wichtig; nützt es aus, spannt alle Kräfte an, seid zielbewusst, willensstark, Herren Euerer selbst und Euerer Zeit. Doch behaltet in der treuen Pflichterfüllung des Kleinen, des Einzelnen stets das Grosse, das Ganze im Auge. So kostbar dies Menschenleben für Euch ist, wenn Ihr es zu leben versteht, so ist es doch nur eine Sprosse in der grossen Stufenleiter der Entwicklung Euerer Individualität, ist nur eine Note in der grossen, reichen Melodie Eueres Geistlebens. Werdet gross und tief und klar, damit Ihr ein möglichst weites Feld diesès Geistlebens zu überblicken ver-mögt, Zeittheile und Entwicklungsstufen mit einander vergleichend, nicht auf Nebensächliches, Vergängliches den Schwerpunkt legend, im Kleinen das Grosse im Auge behaltend. Vielseitig arbeitend sucht jede Eigenschaft Euerer Individualität der Vollkommenheit näher zu bringen und Ihr werdet die Klarheit und Einfachheit erreichen, die Attribute wahrer Grösse sind. 54. Ré -Inkarnationslehre, Geist und Seele. frage: Wir hatten einer Sitzung des Trance -Sprech -Mediums, Frau Fassbender aus St. Gallen und ihres Magnetiseurs, Herrn W. Gerbel von Rohrschach, beigewohnt und Schluss derselben die Bitte an Emanuel gerichtet, uns sein Urtheil über die Aussprüche des sich manifestirenden Geistes Filius und namentlich über die von ihm entwickelte Ré -Inkarnationslehre kundgeben zu wollen. Es erfolgte am nächsten Tage die nachstehende Antwort: In vielen Dingen, welche der Geist Filius berührte, hatte er vollkommen Recht; in manchen war er verworren und unklar. Er gab das Beste, was er hatte und gab es im guten Willen, Euch sowohl Freude zu machen, wie Hilfe zu sein. Es ist dies immerhin ein dankenswerther Akt. Was er von der Ursache des ersten Geisterfalles sagte: dass die Geister die erwachenden gottähnlichen Eigenschaften und Kräfte in selbstthätigem Schaffen erproben wollten, dadurch ihre J Fluide verdichteten, und, indem sie in selbstthätiger Bewegung sich der gesetzlichen, von Gott ausstrahlenden Bewegung ent-gegensetzten, ein Chaos hervorriefen, in welchem sie latent gebunden lagen, ist richtig. Neue Gesetze des grossen Gesetzgebers hüllten dieses Chaos ein, und da Göttliches Gesetz Leben ist, oder besser gesagt, Leben und dessen Ausbildung zur Folge hat, so erwachte das im Chaos schlummernde Leben zu neuer Erscheinungsform, an die erlösenden Gesetze gebunden, mitarbeitend an der Gestaltung von Welten, welche die Bedingungen erfüllen sollten, zu Pflanzstätten verlorener Freiheit, verlorener Grösse zu werden. Wenn aber der Geist Filius sagt, dass die Seele des Menschen jener verlorene oder gefallene Geist sei, der durch die Verbindung mit dem Geiste Gottes erlöst oder vergeistigt werden muss, so vermischt er Wahres und Falsches zu einer unklaren Halbheit. Die Seele ist die Erscheinungsform des Geistes, jene Hülle, die durch seinen Fortschritt von Kraft zu Kraft bis zum Erreichen seiner Vollendung alle Stadien der Vergeistigung durchmachen muss, bis zu ihrer Vollkommenheit, als Folge seiner Vollkommenheit, ein Zustand und ein Ziel, für welche Euch Menschen alles Analoge, folglich jeder Begriff fehlt. Ein Geist kann seiner Seele nicht entwachsen; sie kann nicht materiell und er hochentwickelt sein; sie ist ja nur der Spiegel, der seine Wesenheit widerstrahlt. Die Seele ist das Bindeglied, welches es ermöglicht, dass der Geist sich mit der Materie zu einer Einheit Mensch genannt verbindet. Ohne ein solches Bindeglied wäre die vollkommene Vereinigung von Geist und Materie ausgeschlossen. Wohl ist es nothwendig, dass sich hochentwickelte Geister zur Belehrung und Hilfe mit Tiefstehenden vereinen, das heisst dass hochentwickelte Geister, die der derben Materie entwachsen sind, sich noch einmal mit ihr verbinden, um so, im gleichen Kleide, wie der gefallene Bruder, die gleiche Sprache redend, von ihm verstanden zu werden. Versteht mich wohl. Erkenntniss kann keiner dem Anderen geben; doch das Material, das Gott der ganzen Geistschaffung gegeben, kann die Liebe des Bruders dem Bruder sichtbar machen, ihm in den Weg legen, und der ehrliche Wille des gefallenen Bruders wird dieses Material zu seinem Zwecke benützen und sich emporringen von Stufe zu Stufe, Erkenntnisskreis nach Erkenntnisskreis sich erschliessend. (hier war ende s133 in buch, 125 in ebuch.) Das Gesetz der Ré -Inkarnation hat Geist Filius richtig ver-standen, und ich möchte Dir, lieber Bernhard, einige Worte über dieses Gesetz sagen, da Du mich dazu aufgefordert. Sonst hätte ich geschwiegen; denn Worte bringen ja nicht Erkenntniss und es giebt der Felder viele, auf welchen wir im selben oder ähnlichem Lichte der Erkenntniss wandeln, so dass es zweckentsprechender ist, ich mache Dich auf die übersehenen Blumen dieser Felder aufmerksam, als dass ich Dich auf ein solches führe, auf das Du mir nur mit Widerstreben folgst. Das hat ja keinen Werth für Dich, -ich aber suche Dir zu dienen. Der Geist, der in die Inkarnation tritt, bedarf der Schule der Materie zu seinem geistigen Fortschritte. Mit diesem Satze sind wir Beide noch einverstanden, nicht wahr, lieber Freund? Der Geist soll die Prüfungen der Materie bestehen und soll sich alles Das zu eigen machen, was sie an Lehre und Bildungs-möglichkeit für ihn enthält. Selbst der beschränkten Erkenntniss eines Erdenmenschen drängt es sich auf, dass dies ein weites Feld ist. Nun kann aber der Geist logischer Weise erst dann von dem Gesetze, welches ihn in die Materie zwingt, entbunden werden, wenn er ihm entwachsen ist. Es ist dies ja nicht bei diesem Gesetze allein der Fall, sondern bei jedem Gesetze, welches Gott Seinen Kindern zu ihrer Ausbildung gegeben hat. Christus belehrt Euch, welche Stufe Ihr erreichen müsst, um in das Himmelreich einzugehen, das heisst um der Materie voll-kommen en vachsen zu sein. Dass er von der irdischen Geburt und nicht von einer geistigen Regeneration sprach, beweisen jene Worte: "Wenn ich von irdischen Dingen gesprochen habe und ihr glaubt mir nicht, wie wollt ihr glauben, wenn ich Euch von himmlischen Dingen rede? "Vom Geiste geboren und dadurch fähig sein, in's Himmelreich zu kommen, heisst: Durch den Willen geboren sein, nur dem Bruder zu helfen, zu dienen, -nur zu diesem Zwecke allein die Materie um sich nehmen, um veredelnd und vergeistigend auf den Bruder zu wirken. So lange ein Geist um seines eigenen Fortschrittes halber, oder auf ganz niederer Stufe stehend um der Lust des irdischen Lebens willen, in das Menschenleben tritt, so lange hat er die Schule der Materie nicht absolvirt und ist folglich nicht fähig, in höhere Stufen einzutreten. Denn nicht die Zeit, die Du in einer Schule zugebracht, befähigt Dich zum Eintritte in höhere Lehre, sondern erst, wenn Du die Lehren einer Stufe bemeistert, -Frage: sie Dir ganz zu eigen gemacht hast, kannst Du die Grenze über-schreiten, die Dich von Höherem trennt. Schau ' Dir die Menschen an, die Dich umgeben. Was berechtigt Dich zu der Annahme, dass der Tod eine solche Zauberwirkung habe, dass er den derb-materiellen Geist in die Möglichkeit versetzt, in geistige Gesetze emporgehoben zu werden? Es wären diese ja eine Sprache, die er nicht verstünde. Ist es aber die Stufe des Geistes, die ihn in die Materie zwingt, und erkennst Du die, wenn auch durch Unvollkommenheit beschränkte Freiheit des Geistes an, so wird nicht ein Erdenleben den Geist aus der Materie herausreifen, sondern allein der thatkräftige Wille des Geistes, sein Erdenleben einzig zu seinem wahren Zwecke zu benützen. Wie viele Menschen aber trägt die Erde, die sich ihres Lebenszweckes bewusst sind und die mit ungetheilter Kraft erkannte Aufgabe zu erfüllen trachten? Diese Wenigen stehen an der Grenze des Himmelreiches und ihr Tod wird ihnen wahrhaft zur Erlösung von der Materie. 55. Ré -Inkarnation. Wir bitten Dich um eingehende Mittheilung über die Ré -Inkarnationslehre. Nach neueren Mittheilungen indischer Mahatmas durch Sinnet Fußnote.) soll sich ein Geist im Durchschnitte 800 mal ré -inkarniren und zwischen jeder Ré -Inkarnation ein Zeit-raum von 1500 Jahren liegen. Uns scheint eine solche allgemeine Annahme höchst unwahrscheinlich. Alles, was in der Lehre Christi von Wiedergeburt vorkommt, bezieht sich wohl auf Ré -Inkarnation. Christus verstand darunter nicht geistige Wiedergeburt, sondern das Wiederkehren in's Menschenkleid. Wir können unter Ré -Inkarnation nur die wieder-holte Einkörperung in menschliche Erscheinungsform verstehen; die Seelenwanderung der Jeder geht noch unter diese Form herab und würden wir diese Seelenwanderung nach Deiner Lehre als Degeneration des Geistes zum Lebensprinzip auffassen. Es kommt uns jetzt hauptsächlich auf eine eingehende Definition der Ré -Inkarnation als Gnadenmittel zur Vergeistigung der Materie an, durch welche Definition wir dem Leser Deiner Geisterlehre klar machen können, dass alle, der Materie nicht bis ------------ Fußnote.) Die esoterische Lehre oder Geheimbuddhismus. Deutsch in Hinsichs Verlag, Leipzig 1884. zu einem gewissen Grade entwachsenen entkörperten Geister die Schule des Erdenlebens nothwendiger Weise wiederholt durch-machen müssen, weil es ihnen noch nicht möglich geworden, im Geisterreiche selbst ihre weitere Vervollkommnung anzustreben. Antwort: Die Atmosphäre, die den Geist umgibt, -und unter diesem Ausdrucke möchte ich alle Entwicklungsbedingungen des Geistes zusammenfassen, wird von dessen Bedürfnissen gebildet. Es wurzelt dieses Gesetz in dem Gesetze der Gnade, dem grossen Sühnegesetz, das nach dem Fall der Geister entstehen musste, um diese, sowie die durch dieselben hervorgebrachten Verdicht-ungen: Materie, mit den ewigen Gesetzen zu verbinden und es ihnen wieder zu ermöglichen, in den Kreis derselben zurückzukehren. Gott ist Geist, und die direkte Folge des Urgeistes konnte nur Geist sein. Als durch den Fall eines Theiles dieser Geisterwelt Verdichtungen, die Materie entstanden, waren diese Geister nicht mehr fähig, ihre Entwicklungsbedingungen in der reinen Atmosphäre jener Geistsphären zu finden, welche die gesetzlichen Wege der Entwicklung im Geistigen nicht verlassen hatten. Diese Bedingungen lagen für die gefallenen Geister in jener Materie, die durch sie entstanden; und wie dieselbe durch ihren Fall entstanden, so sollte sie sich durch die Arbeit der Geister an ihrer eigenen Vervollkommnung wieder vergeistigen. Um diese Vergeistigung der Materie zu ermöglichen, musste ihre Ver-bindung mit Geist eine enge sein. Mit der derbsten Materie einer Welt, wie sie sich in ihrem Mineralien-, Pflanzen-und Thierreiche zeigt, kann sich der Geist nicht verbinden; eine niedere Lebenswelle, welche ich Lebensprinzip nannte, belebt diese niedersten Formen. Der gefallene Geist ist an die Rotation der werdenden Welt gebunden; doch kann er erst dann auf derselben in Menschenform in's Leben treten, wenn sie eine gewisse Entwicklungsreife erlangt hat. Der tiefgefallene Geist wird sich auf jenen jungen Welten erst den Leidenschaften hingeben, denen er nun durch seinen Körper Ausdruck zu geben vermag. Der Tod eines solchen Menschen befreit ihn nicht von seinen niederen Begierden. Hat die niedere Stufe eines Geistes ihm die Materie homogen gemacht, so wird ihn nur seine langsam wachsende Erkenntniss, von der derben Kost der Leiden genährt, die eine Folge niederer Stufe sind, immer klarer werden lassen, dass solche Verbindungen mit der Materie ihm keine wahre Befriedigung bringen. Von diesem Anfang der Erkenntniss des Wahren bis zu der vollendeten Er-kenntniss, dass die Materie durch göttliches Gesetz zu einem Hilfsmittel für niederen Geist geworden, dass er in dieser Materie seine werdende Güte bethätigen, dass er in ihr lernen, lehren und wirken muss, bis er kraft seiner reinen und selbstlosen Liebe dieser Schule entwächst, -liegt ein weiter Weg. Wie lange der Geist zu diesem Wege braucht, steht ihm frei; der Eine wird mit grösserer Willenskraft erkannte Aufgabe bewältigen, als der Andere. Die Freiheit des Geistes ist allerdings durch seine niedere Entwicklungsstufe mehr oder weniger beschränkt; doch ist sie immerhin ein Faktor, der eine gleiche Anzahl von Ré -Inkarnationen für alle Geister zur Unmöglichkeit macht. Auf Welten von der Entwicklungsstufe der Eueren inkarniren sich viele Geister, die schon eine klare Erkenntniss ihrer Aufgabe haben, die sich schon zu der reinen Liebeskraft, die in der Opferwilligkeit liegt, durch-gerungen haben; solche Geister sind an der Grenze angelangt, an welcher die Materie keine Anziehungskraft mehr hat. Es gibt manche Geister, deren Fall ein einmaliger, sofort von der Qual der Reue gefolgter gewesen; diese gelangen nicht in den Anziehungskreis materieller Welten, sondern berühren nur den Saum des Gewandes der Materie, durch eine Inkarnation auf einer halbmateriellen Welt. Versteht mich recht, liebe Menschen. Die Gesetze Gottes sind unendlich gross und es besteht immer die Gefahr, wenn Ihr eines dieser Gesetze zu erfassen vermeint, dass Ihr es dann in gewisse Grenzen von Raum und Zeit einzuzwängen sucht, --Begriffe, die Euerer Wesensheitstufe entsprungen und von denen Ihr suchen sollt, göttliche Gesetze frei zu halten. Es ist Gesetz, dass eine bestimmte Entwicklungsstufe den Geistern die Verbindung mit der Materie nothwendig macht. Daraus geht hervor, dass eine höhere Entwicklungsstufe den Geist ausserhalb der Anziehungskraft der Materie bringen muss. Es unterliegt also ein Geist nicht einer bestimmten Anzahl von Ré -Inkarnationen, sondern er hat in der Verbindung mit der Materie einen gewissen Kreis der Wahrheit (Euerer Sprache fehlen wieder die Worte für diesen Begriff) zu erkennen und dem Erkannten zu leben. Ich kann daher nicht ganz Deine Behauptung bestätigen, dass Christus, wenn Er von der Wiedergeburt sprach, nur die Ré-Inkarnation, nicht eine geistige Wiedergeburt meinte. Unter dieser versteht Erweiterung des Erkenntnisskreises und Bethätigung bestimmte sei, dass aber jeder Geist zu seiner Entwicklung unbedingt der Verbindung mit der Materie in der Menschen-form bedarf. Die erste Anschauung der Schöpfung einer Seele durch die irdische Geburt ist die kindlichste und entspringt aus der Klein-lichkeit und der mangelnden Erkenntniss, welche das Sandkorn: Erde, als die wichtigste Schöpfung erscheinen lassen, um deret-willen die übrige Schöpfung entstanden ist; die Sternenwelt etwa zu dem Zweck, dass die "Krone der Schöpfung ": der Erdenmensch Nachts hübsche leuchtende Pünktchen zu bewundern habe. Ueber diese Anschauung bedarf es keiner weiteren Worte; der inkarnirte Geist entwächst ihr bald. -Die Annahme, dass der Geist einer bestimmten Anzahl Ré -Inkarnationen unterworfen ist (etwa 1500 wie mancher Buddhist glaubt) widerspricht der Freiheit des Geistes, welche, wenn auch durch Unvollkommenheit beschränkt, immerhin ein niemals völlig zu vernichtendes Geistesattribut ist. Für den Geist auf einer gewissen Entwicklungsstufe enthält das Leben in der Materie bestimmte Lehren, bestimmte Prüfungen, durch welche seine Kräfte gestählt werden; die Zeit, dieses Schemen, ist jedoch nicht Herrin des Geistes, so dass er eine bestimmte Zeit in einer bestimmten Entwicklungsstufe gefesselt bleiben könnte. Er ist frei, die Lehren, das ewig Gute, was in jeder Geistatmosphäre liegt (ob nun diese: dichte Materie, Halbmaterie oder Geistsphäre heisst ), mit mehr oder weniger Willenskraft zu assimiliren, und bestimmt so selbst die Zeitdauer seines Gebundenseins an die Welten der Materie. Ich nannte die Zeit: ein Schemen; für Euch ist sie es nicht, denn sie ist für Euch so wahr, wie die Materie selbst. Dass der Geist sich in Thierform inkarnire, ist ob der Attribute seiner Wesenheit: Freiheit, Liebe, Erkenntniss, unmöglich; es kann eine Wesenheit nur solche materielle Form annehmen, durch welche dieselbe zum Ausdrucke zu gelangen vermag. Es giebt in Gottes Gesetzeswelt nichts Zweckloses und zwecklos wäre eine Lebensform, die den Lebenskern in seiner Entwicklung hemmt. Es kann also der Geist des Erdenmenschen nicht in der nächsten Inkarnation ein Thier sein; wohl aber kann er durch fortgesetzte Rückbildung seiner Wesenheit eine Stufe erreichen, auf der seine Attribute der Lethargie verfallen und seine Entwicklungs-stufe die Thierform bedingt. Doch bedarf es für solche Rück bildung Zeitturnusse, für welche Euch der Begriff fehlt und kann der Geist bis zur völligen Lethargie seines Attributes: Willensfreiheit, dieser Rückbildung jeden Augenblick Einhalt thun. Erst bei völliger Lethargie sinkt er in die niedere Gesetzes-welt und unterliegt dem endlichen Gesetze alles niedersten Lebens, der unfreiwilligen Entwicklung der Wesenheit innerhalb eines bestimmten Zeitturnusses. Die menschliche Anschauung aber, dass den Geist zu seiner Entwicklung unbedingt der Verbindung mit der Materie in Menschenform bedarf, ist im Widerspruch mit der Wahrheit, dass das Geistige das Primäre, die Materie das Sekundäre ist. Wäre das Geistige nicht das Primäre, sondern müsste es sich erst aus der Materie entwickeln, dann gäbe es für den Geist allerdings keinen anderen Entwicklungsgang, als durch das Mineral-, Pflanzen-und Thierreich. Doch Gott ist nicht der Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Gott, der Urgeist, dessen Attribute Liebe und Weisheit sind, wie sie selbst Euer Ahnen nicht fassen kann, konnte als erste Folge seines Urlebens nicht ein Mineralreich haben. Gott, als Urleben, bedingte Bewegung, Bewegung ist Licht, ist Leben, und dieser erste Aus-fluss göttlichen Lebens konnte nicht anders, als dem Schöpfer ähnlich sein; die Attribute dieser Gottessöhne: Erkenntniss, Liebe und Willensfreiheit, hervorgegangen aus den Attributen Gottes: vollendete Weisheit, absolute Liebe, Allmacht. Doch ist reiner Geist noch nicht vollkommener Geist; die Unvollkommenheit der Erkenntniss, sowie die Freiheit innerhalb gewisser Grenzen ermöglichten dem Geiste das Verlassen bestimmter gesetzlicher Wege, die eine Verdichtung der Geistatmosphäre, eine Halbmaterie zur Folge hatte. Ueber Schöpfung und Fall habe ich Euch schon gesprochen; ich will hier nur betonen, dass die Materie, das Sekundäre, als eine Folgeerscheinung dem Primären, dem Geiste, nur dann nothwendig ist, wenn er die primären und ewigen Gesetze, welchen er seiner Wesenheit nach bei seiner Schöpfung untersteht, kraft seines freien Willens und innerhalb der Grenzen, die seine Unvollkommenheit diesem zieht, verlässt und sich damit der endlichen Gesetzeswelt der Materie unterstellt. Es giebt herrliche Geistschaaren, die niemals den göttlichen Weg der Entwicklung im Geistigen verlassen haben; es giebt aber auch Geistschaaren jeder Entwicklungsstufe, welche in allen Sphären halbmaterieller und derbmaterieller Welten jene Atmosphären finden, die ihrer Entwicklungsstufe adäquat und die ihnen folglich Welt, deren Entwicklungsstufe sie vor Unverstandensein und vor dem Schaden des Halbverstandenwerdens schützt. Der rein geistige Einfluss, von dem Du sprichst, besteht ja zu Euerer Führung; denn jeder Mensch fühlt mehr oder weniger den Einfluss seines Schutzgeistes, soweit er auf einer derb-materiellen Welt, wie diese Erde, überhaupt einen Einfluss solcher Art zu fühlen vermag. Die Gesetze, welche eine Welt führen, sind das Beste, was ihr gegeben werden kann, wenn auch nicht das Beste an sich. Darum beuget Euch unter diese Gesetze und suchet durch Euer möglichst reines, selbstloses und opfer-freudiges Leben die Vergeistigung Euerer Welt zu beschleunigen; denn wer hat, dem wird gegeben werden. 58. Heilmagnetismus. Die magnetische Heilkraft ist eine unserem Geschlechte eigenthümliche, nur zu wenig gepflegte und ausgebildete Gabe. Sie beruht auf dem einem gesunden, kräftigen Organismus ent-strömenden Fluidum, dem Träger von Lebenskraft, welche, auf die kranken Organe des Leidenden übertragen, Störungen in deren Funktionen zu beseitigen vermag. Wesentlich verstärkt wird diese Kraft durch Concentration des Willens und hingebendes Mitgefühl für die Leiden des Kranken. Dieses Mitgefühl befähigt den Magnetisirenden in seiner Entwicklung Alles zu empfinden, was den Patienten quälend belästigt und diese latente Intuition kann in Bezug auf Organisationsstörungen bis zum Hellsehen derselben gesteigert werden. Auch kommen die Gesetze der Reaktion bei manchem Magnetisirenden zur vollen Auslösung. Die stoffliche Kraft geht an sich nicht über die Grenzen ihrer physikalischen Wirkung hinaus; aber als vermittelnder Träger, als Werkzeug eines der ewigen Liebe entsprungenen, organisirenden Willens, wird sie zugleich psychisches Kraftmittel für Jene, welche diesen höheren, dem unendlichen Mitleide entstammenden Willen erfassen und für denselben empfänglich werden. In der engeren Verkettung des Magnetisirenden und des Patienten durch die höchste geistige Potenz, deren Assimilirung uns gesetzlich möglich ist, in der Verbindung mit dem Christ-geiste, wird die höchste physische und psychische Wirkung magnetischer Heilkraft erzielt werden. Antwort: Sind diese Anschauungen richtig? Willst Du sie uns von Deinem Standpunkte aus erhellen und erweitern? Der Magnetismus ist eine Kraft, deren Wirkung die Menschheit jetzt zu entdecken beginnt, ohne sich über die leitenden geistigen Gesetze klar geworden zu sein. Jeder Mensch ist Träger dieser Kraft, denn sie ist eine Eigenschaft seines Geistes und ewig wie dieser. Je nach der Entwicklungsstufe des Geistes wird dieser Kraftstrom an Macht zunehmen oder, durch die Schlacken seelischer Verdichtung gehemmt, zum Minimum abgeschwächt werden. Absolute ewige Vollkommenheit, Gott, ist eine Einheit; relative werdende Vollkommenheit, der Geist, strebt diese Einheit an, indem sie die ewigen, ihr innewohnenden Kräfte gleichmässig zu entwickeln sucht. Alle gottgegebenen Eigenschaften sind dem Geiste gleich nothwendig; nicht Eine darf verkümmert bleiben. Es giebt dadurch bedingte Inkarnationen, dass eine einzige Eigen-schaft des Geistes noch auf einer Entwicklungsstufe steht, welche ihm die Schule der Materie noch nothwendig macht. Es sind dies meistens Inkarnationen, welche die oberflächlich urtheilende, von ewigen Gesetzen wenig wissende Menschheit unglückliche nennt und zum Theile mit Recht, denn der gefesselte Vogel empfindet die Fessel quälender, als die gefesselte Schildkröte. Doch der Geist, der solche Inkarnation antritt, sieht (bedingt durch die hohe Entwicklungsstufe seiner anderen geistigen Eigenschaften) klarer, was ihm fehlt und wählt die Aufgaben und Prüfungen seines Menschenlebens seinem Ziele entsprechend, um die unvoll-kommensten seiner Eigenschaften auf eine Entwicklungsstufe zu bringen, die die Harmonie seiner Individualität wieder herstellt. Durch diese Harmonie kommen Kräfte zur Wirkung, die durch den Widerspruch der Ungleichheit im Geiste nicht zur vollen Wirkung gelangen konnte. Ihr Erdenmenschen Alle, mit wenigen Ausnahmen, sind noch unter dem lähmenden Banne des Wider-spruches in Euch selbst. Prüfet Euch mit Demuth und mit dem festen Willen, klar zu sehen, und Ihr werdet finden, dass einzelne Euerer geistigen Eigenschaften eine Entwicklungsstufe erreicht haben, die im Widerspruche mit der Grösse Euerer Fehler ist. Der Fehler ist das Negative; das Positive ist das Fehlen, oder besser gesagt, das noch latent Liegen der geistigen Eigenschaft, die diesen Fehler unmöglich machen würde. Euere kleine Welt ist nur ein Spiegelbild der Fratze Euerer Widersprüche, nur eine Folge dieser sind die Widersprüche und Unzulänglichkeiten Euerer Religionen, Euerer irdischen Gesetzgebungen und Eures Lesens der ewigen und endlichen Gesetze, denen Euere Welt untersteht. Die Krankheit des menschlichen Körpers ist nichts Absolutes, nichts, was einem ewigen Gesetze untersteht. Sie ist eine Giftpflanze, die überhaupt nur in der Atmosphäre niedriger Welten gedeihen kann. Geistige, das heisst ewige Gesetze sind mächtiger, wie die endlichen; gelingt es dem Geiste im kranken Menschen-körper, sich vom Banne der endlichen Gesetze frei zu machen, so dass die reine Kraft ewiger Gesetze die Atmosphäre durch-dringt, in der Krankheit allein gedeihen kann, so muss diese Giftpflanze absterben. Die kommenden Jahrhunderte werden Euch dieses Gesetz klar machen und eine psychisch und physisch gesunde Menschheit wird sich im Besitze von Kräften sehen, deren Wirkungskreise sich immer mehr erweitern. Ihr werdet mir vielleicht erwidern: "Wie kommt es denn, dass geistig hochentwickelte Menschen oft ihr Leben lang kranken, während M?nschen, die auf sehr niederer Stufe stehen, kaum Krank-heit kennen? Wie ist dieser Widerspruch zu lösen? "Er lässt sich, wie viele scheinbare Widersprüche dadurch lösen, das Ihr die Wechselwirkung ewiger und endlicher Gesetze in Euere Rechnung zieht. Das endliche Gesetz, dem Euere Materie unter-steht, stellt Euch zur Gesunderhaltung dieses materiellen Gewebes gewisse Bedingungen. Viele dieser Bedingungen wisst Ihr und stellt sie jetzt sogar zu einer Wissenschaft zusammen, die Ihr Hygiene nennt. Das ist auch recht und gut, denn als Kinder einer materiellen Welt untersteht Ihr den endlichen Gesetzen und sollt sie erkennen und Euch ihnen anpassen. Doch seid Ihr nicht nur Kinder der Materie und untersteht folglich auch den ewigen Gesetzen, von denen Ihr, der Entwicklungsstufe Euerer Welt gemäss, noch wenig wisst. Passt der sich inkarnirende niedere Geist sich ganz der Materie an, geht er in derselben unter, das heisst unterstellt er sich in Folge seiner fehlenden Er-kenntniss ganz den endlichen Gesetzen und zieht er nicht durch seine Willenskraft die möglichst grosse Wechselwirkung geistiger Gesetze in sein Leben hinein, so wird er, wenn er die Be-dingungen materieller Gesetze ganz erfüllt, und zwar sowohl während des Aufbaues seines werdenden Körpers, als auch später, gesund und physisch kräftig sein. Er fühlt sich wohl in der -Materie und gedeiht in der Atmosphäre, die ihm behagt. Er ist nicht gefeit vor Krankheiten, aber sie werden sich seltener an ihn haften, weil seine Kräfte noch nicht in ringenden Widerspruch gerathen durch die Erkenntniss des höchsten Zieles und durch seine ruckweise Annäherung an dasselbe. Es gibt eine sehr niedere Art Harmonie, in der sich der inkarnirte Geist befindet, dessen geistige Eigenschaften latent liegen, und der er folglich in dem vollkommenen Anpassen an endliche Gesetze auch den Segen dieser Gesetze empfindet: die Gesundheit. Wenn er dieser Ent-wicklungsstufe entwachsen ist, so beginnt für ihn die lange Periode geistigen Wachsthumes, bedingt durch die immer klarer werdende Erkenntniss seines Zieles, der Wege, die dahin führen, sowie der Kräfte, die er sich erringen muss. Diese Periode findet ihren Abschluss, wenn der Geist die Harmonie jener Entwicklungsstufe erreicht hat, die ihn über alle Gesetze materieller sowie halb-materieller Welten stellt und von der aus er seine Vollendung allein in dem Lichtkreise ewiger Gesetze anstrebt und ausarbeitet, bis er im Erreichen seines Zieles auch diesem Lichtkreise ent-wächst, das Empfinden und Zurückstrahlen der Gottesliebe seine einzige Leitung ist und er somit die Vollendung seiner Freiheit gefunden. In dieser langen Entwicklungsperiode ist er nun nicht vor Krankheiten gefeit; er kann in der Erkenntniss des Guten schon weit vorgeschritten und folglich Das sein, was Ihr einen guten, edlen Menschen nennt (was auf der langen Stufenleiter Euerer Entwicklung noch immer eine recht niedere Sprosse ist) und ist noch nicht zur Erkenntniss gekommen, dass Krankheit kein nothwendiges Uebel ist, dass dieser materielle Auswuchs Euerer geistigen Gebrechen nicht eine gottbestimmte Zeit hat, innerhalb welcher er nicht entfernt werden kann. Nichts ist irriger, als die Annahme, dass Gott die Leiden eines seiner Ge-schöpfe will. Ihr müsst das Gesetz der Sühne nicht missverstehen. Ihr seid Herren jenes schemenhaften Dinges, das Ihr Zeit nennt und nicht deren Diener. Wenn Ihr in einer leidensvollen In-karnation steht, so ist es nicht Erkenntniss der Gesetze Gottes, welche Euch sagen lässt: "Diese Inkarnation ist schon durch vergangene Schuld verdorben, in diesem Leben kann ich Schwächen und Krankheiten nicht ändern, mich nicht frei machen von dem Banne, der auf mir liegt. "Das ist ein Missverstehen eines gött-lichen Gesetzes, ein Missverstehen, welches das lichtvolle Gnaden-gesetz der Sühne in eine starre Form zu zwingen sucht und dasselbe unter den Bann eines von Euch bestimmten Zeitmaasses zur Wirkung gelangen lassen will. Das Ziel, das vor Euch liegt, ist Gottbestimmt, die latenten Kräfte in Euch sind Gottgegeben; doch die Zeit, dieses durch Eueren Fall in das Scheinleben gerufene Schemen ist mit nichten Euere Herrin; Euer Wille und die demselben unterworfenen Kräfte haben auch in Euerer Unvollkommenheit so viel Freiheit, dass Ihr Euerem Ziele langsamer oder rascher entgegenschreiten könnt. Ihr seid noch unfrei genug; macht Euch nicht willig zum Sklaven Euerer Trägheit. Lernet endlich geistige Gesetze verstehen, erhebt Euch in deren Wirkungskreis; denn was der Entwicklung einer Welt als solcher noch nicht möglich, ist es doch dem einzelnen Wesen in dem Ueberwiegen der Freiheit der Individualität gegenüber jener der Geistergruppe. Die Indivi-dualität ist ewig, die Gruppirung zu Sphären und aus diesen zur Erscheinungsform bewohnter Welten, ist nur eine Folge unvollendeter Entwicklung und des Geistfalles. So lernet geistige Gesetze verstehen, liebe Menschen. Eines dieser geistigen Gesetze ist die Wirkungskraft jenes Fluides, welches die Ausströmung Euerer gottgegebenen Eigenschaft relativer schöpferischer Macht ist. Nur wenige Menschen sind sich dieses Kraftstromes bewusst und steigern ihn durch Ausbildung zu immer grösserer Wirkung. Die Grösse der Willenskraft des Menschen, sowie die Grösse seiner Liebe müssen gesetzlich Hauptfaktoren an der Potenzirung dieses Kraftstromes sein, da der Entwicklungsgrad dieser zwei höchsten geistigen Eigenschaften den Wirkungsgrad der weiteren Eigenschaften bestimmt. Die nicht ausgebildete Harmonie im Geiste ist Ursache, dass nicht alle Menschen, deren Willens-und Liebeskraft hochentwickelt sind, einen diesem Entwicklungsgrade entsprechenden Kraftstrom des Magnetismus haben. Die Mit-arbeit des Leidenden, um sich die möglichst grosse Empfangs-fähigkeit dieses Kraftstromes zu schaffen, besteht darin, dass er sein Leiden nicht für unheilbar hält; denn der Glaube ist ein gesetzlicher Leiter und Träger solcher Kraftströme. Wie oft weisen Christi Worte auf dieses Gesetz hin. Je reiner aber die Sphäre, in die sowohl der Geber wie der Empfänger dieser Kraft sich zu erheben wissen, desto mächtiger kann auch diese reine Kraft zur Wirkung gelangen. Das Verbundensein in Christus, das Leben und Athmen im Geiste Christi war es doch, was so-fortige Heilungen durch Handauflegen den Aposteln möglich machte. Es gelangten nicht andere Gesetze für diese zur Wirkung, als für Euch; aber sie lebten voll und ganz in diesen Gesetzen und die Folge war sichtbare Wirkung. 59. Der richtige Magnetismus. Der richtige Magnetismus, der sich mit Deinen Fluiden verbindet, Krankheitsstoffe auflöst und aufzehrt und neue Lebens-kraft in Deinen Lebenskreis bringt, ist das Einzige, das Dir, liebe G., wirklich helfen kann. Du bist so müde, weil die Lebenskraft, die in der richtigen Mischung der Fluide liegt, schlaff und ungenügend ist. Die Fluide, die einen Menschen umgeben, sind die Hülle, welche, wenn sie gesetzlich in ihrer Mischung und in ihrer spezifischen Bewegung ist, ihn vor jeder Krankheit bewahren. Daher macht viel Sorge und Kummer den Menschen krank, denn er verliert darin das Gleichgewicht seines Geistes, dieser wirkt auf die Seelenhülle, hemmt deren individuell gesetzliche Bewegung, es tritt theilweise Stagnation ein, der Mensch empfindet das seelische Unbehagen und ist Krankheiten von Aussen unterworfen, wie durch gewisse Stimmungen der Melancholie, des Pessimismus, der Freudelosigkeit in der Unfähig-keit dauernder geistiger Erhebung. Seht darin die grosse Wechselwirkung ewiger und endlicher Gesetze. Der Geist unter-steht dem ewigen Gesetze, dass Gleiches sich mit Gleichem ver-bindet, dass die Entwicklungsstufe des Geistes seine Nahrung, seine Atmosphäre, seinen Erkenntnisskreis und das Maass seiner Seligkeit bestimmt. Dieses Gesetz klingt in dem endlichen Gesetze aus, dass der Geisterfall die Materie bedingt, die derbe Materie wieder dem inkarnirten Geiste Leiden bis zu seiner Abstumpfung bringen kann und doch wieder der Wechselwirkung des ewigen Gesetzes untersteht, dass das Geistige, als das Ursprüngliche und Ewige, bis in die Verdichtung zu einer magne-tischen statt materiell medicinischen Kur, in vielen materiellen Leiden einzig die Heilung zu bringen vermag. Der Mensch irrt, wenn er annimmt, sein Leiden solle ihm lieb sein, damit er es Gott aufopfere, er es gewissermassen Gott darbringen könne und Gott dafür ein anderes geliebtes Wesen von Leiden verschone. Welch ' falscher, kleinlicher Gottesbegriff, welch ' falscher Begriff der wunderbar herrlichen Gesetze Gottes, die in Seiner Liebe ihren Ursprung haben, liegt diesem Glauben zu Grunde ! Ist Gott ein Wesen, das Qual sehen muss, damit Er das Leiden des Einen annehmend, dadurch bestimmt wird, ein anderes Wesen ohne Leiden durch das Erdenleben ziehen zu lassen? Ich weiss, dieser Glaube war Dir oft ein Trost, liebe G., und doch möchte ich Dir ihn nehmen; denn Du bedarfst nicht mehr des Unwahren zu Deinem Troste, Du kannst im geklärten Gottesbegriffe in der Wahrheit, nicht in dem Zerrbilde des Opfers, Kraft und Trost finden. Die Gnade Gottes bestimmte, dass auch das Leiden, die Folge des Falles und daher die eigenste Schaffung des Geistes ' das Mittel zu seiner Veredlung werden kann; doch Gott will das Leiden nicht und Freude ist im Himmel über jeden Geist, der dieser niedersten Schule entwachsen und fähig geworden, höhere, primäre, nicht aus dem Geisterfalle entstandene Lehre zu empfangen. Versteht mich recht. Die niedere Stufe Euerer Erde ver-anlasst zwei entgegengesetzte und doch Beide falsche Begriffe des Leidens. Die Juden nahmen an, der Mensch, der leide, sei von Gott gehasst, von Gott verlassen; materieller Segen war das nothwendige Zeichen, dass Gott den Menschen liebe. In der Reaktion gegen diese irrige Lehre (und der Fortschritt Euerer Welt ist ein so langsamer, weil er sich in Reaktionen bewegt) entwickelten die Christen die Lehre von der Heiligkeit des Leidens; Leiden zu ertragen, stellten sie als das Gott Wohlgefälligste hin; sie konnten im traurigen aber immerhin thatsächlichen Heroismus Gott um Leiden bitten, ihrem Körper selbst Leiden zufügen. Fast zwei Jahrtausende sind über die Erde gezogen, seit der Gottessohn Euch den Begriff der Vaterschaft und der ewigen, unermesslichen Liebe Gottes sowie den Begriff des Leidens als Folge der Sünde gebracht hat, dass Alles zum Guten des aufwärtsstrebenden Geistes wirken muss, dass Eines nothwendig ist, Wahrheit und Anspannen aller Kräfte in dem Streben, das Ziel zu erreichen, vollkommen zu werden und in diesem Streben die Sprache Gottes, das heisst die Offenbarungen des göttlichen Gedankens, der göttlichen Gesetze immer deutlicher zu verstehen. Fast zwei Jahrtausende sind seit diesen Offenbarungen verstrichen und wie viele Menschen haben sie verstanden, erkannt und gelebt? Immer noch missverstehen die Menschen die Lehre Christi, miss-verstehen Ursache, Zweck und Werth des Leidens. In der Erkenntniss, dass Leiden eine Schule ist, der der Mensch ent-Frage: wachsen muss, soll ihm das Leiden als solches nicht lieb sein; es ist keine Münze, mit der er sich oder Anderen Gnaden erkaufen kann; er soll aber auch im Leiden nicht die Herrschaft über sich verlieren, sondern soll den Werth, den Gottes Gnade in das Leiden gelegt, erkennen, das Gute desselben assimiliren. Er soll aber auch nicht in dem Glauben, dass die Dauer des Leidens von Gott allein bestimmt, diese Dauer in Trägheit verlängern, sondern soll im Anspornen all ' seiner Kräfte der Schule des Leidens entwachsen, indem er ihre Lehre assimilirt. Dann sinkt das Leiden, als zwecklos geworden, in die Ver-gangenheit des Ueberwundenen. So, liebe Menschen, schreitet Ihr Euerem Ziele entgegen. Suche daher Heilung, liebe G., und sage nicht, ich möchte nur dieses oder jenes meiner Leiden verlieren, das Andere will ich ganz gerne zu einer kleinen Handelschaft behalten. Wenn dieser Ausspruch auch nur halb-verstanden und halbgemeint war, so liegt ihm doch ein falscher und unklarer Begriff zu Grunde. Dein Geist ist selbst nicht damit zufrieden, denn er strebt die Wahrheit an und will den Trost einer Unklarheit nicht als solchen acceptiren. Gieb ihm seine eigentliche Nahrung und er wird stark werden und den Einflüssen von Aussen helfen, die seelische Hülle zu gesundem Stoffe in individuell gesetzlicher Bewegung umzubilden. Du könntest weit mehr "hören " und "schauen "; öffne das geistige Auge, das geistige Ohr und Du wirst die Rückwirkung auf die Materie fühlen. Glaube mir und ringe Dich durch zur Klarheit. Und glaube an meine Liebe, die Dir nicht in der Unklarheit, sondern einzig in der Wahrheit Trost geben möchte. 60. Elektrizität und Magnetismus. frage: Es ist bekannt, dass beide Kräfte, sowohl statische Elek-trizität als thierischer Magnetismus, im beseelten Körper vor-kommen. Da wir nun wissen, dass alle von uns bisher erkannten Imponderabilien ihrem Wesen nach nur verschiedene Bewegungs-, oder besser gesagt, Schwingungs -Arten eines und desselben, uns unsichtbaren, das Gesammt -All durchdringenden gasartigen Stoffes sind, so resultirt mit nothwendiger Consequenz, dass Elektrizität und Magnetismus eigentlich identisehe Prozesse sein müssen; dennoch lassen sich zwischen Beiden gewisse Unterschiede aufstellen, Unterschiede, welche fast ähnlich sind mit jenen, die zwischen dem diffusen und polarisirten Lichte obwalten. Gerade so, wie das polarisirte Licht nur in einer Richtung hinstrahlt und zwar nur in der Ebene seiner Schwingungsrichtung, während das gewöhnliche diffuse Licht seine Strahlen überallhin aussendet, ebenso ver-liert sich die im menschlichen Körper befindliche statische Elek-trizität, wenn sie diesen verlässt, in das umgebende Modium, ohne eine bestimmte Richtung einzuhalten, wogegen die magnetische Kraft, wenn sie ihre magischen Effekte erzielt, stets nur nach einer bestimmten Richtung hin ausstrahlt. Wenn diese Annahme richtig, so könnte man auch sagen: Der thierische Magnetismus sei weiter nichts, als polarisirte Elektrizität, und beide müssten sich zu einander verhalten, wie das diffuse Licht zum polarisirten. Das diffuse Licht gestaltet man in der Physik am bequemsten und einfachsten zum polari-sirten Licht durch Reflexion vermittelst spiegelnder Flächen und die Richtigkeit und Vollkommenheit der Polarisation hängt dem-nach von der Beschaffenheit und Qualität der Spiegel ab. Trübe, defekte Spiegel polarisiren mangelhaft und umgekehrt. Hinsicht-lich des thierischen Magnetismus könnte nun sowohl die Seele als der Geist die Stelle der Spiegel übernehmen, um die im Körper befindliche statische Elektrizität zu polarisiren. Unbe-wusst thäte es die Seele, bewusst der Geist. Erstere insbesondere durch die verschiedenen Affekte, letzterer durch seine Willens-kraft. Der unbewusste Magnetismus wechselt in seinem Quale je nach der Reinheit und Vollkommenheit der Seele (daher die Sympathie und die abstossende, unangenehm berührende Anti-pathie) -der bewusste Magnetismus wechselt in seiner Mäch-tigkeit, je nach der Stärke der Willenskraft. Der unbewusste Magnetismus ist räumlich begrenzt und kann die Grenzen der körperlichen Sphäre nicht überschreiten, demnach reicht seine Kraft auch nur so weit, als eben das Auge reicht, die Hand langt oder der Odem, der Hauch, respektive die Stimme schwingt. Der bewusste, willensstarke Magnetismus ist hingegen nicht räumlich gebunden, sondern entfaltet seine magischen Wirkungen, wohin er eben vom Geiste polarisirt wird, gleichgiltig, auf welche Ent-fernung dies auch geschieht. Bist Du mit diesen Ausführungen eines uns befreundeten, gelehrten Gesinnungsgenossen, des Bruders M., einverstanden? antwort: Die Darlegung ist richtig und kann ich sie nur erweitern, indem ich auf die Ursache aller Kräfte zurückgehe. Frage: Im Anfange war die Vollkommenheit, Gott. Die Folge der Schöpfung des Urlebens war reiner Geist. Dieser, welcher durch Entwicklung die Vollkommenheit seiner Wesenheit erreichen sollte, war mit Eigenschaften und Kräften begabt, die sein ziel-bewusstes Streben ihrer Vollendung zuführen sollte. Die Aus-strahlung, der Lichtschein, die Schöpfungskraft (Euere Sprache hat kein Wort, diesen Begriff ganz zu decken) des reinen Geistes ist sein Magnetismus. Wie die Bewegung der erste Schöpfungs. akt Gottes und Folge des Urlebens, Ursache aller Lebenskraft ist, so ist die Bewegung, die von dem kleinen Lebensherd Geist ausstrahlt oder hervorgerufen wird, der Magnetismus des Geistes, der, durch den reinen Willen des Geistes polarisirt, dem Ziele zugesandt wird. Der Wille des Geistes ist der Spiegel, der alle seine Eigenschaften und Kräfte polarisirt. Ist der Geist gefallen, das heisst aus der einfachen und höchsten Gesetzeswelt geistiger Entwicklung herausgetreten, so ist sein Wille ein getrübter, gesprungener Spiegel, der nicht mehr fähig ist, seinem Zwecke, der Polarisirung vollkommen zu entsprechen, mit der Folge, dass die Eigenschaften und Kräfte dieses Geistes nicht mehr einfach, zielbewusst nach einer Richtung strömen. Der Magnetismus des Geistes wird mehr und mehr elektrisch, bis er durch seinen Fortschritt, seine Entwicklung in den niederen Gesetzeswelten, denen er nun angehört, seinen Willen wieder zur reinen, klaren Kraft bringt, die fähig ist, all ' seine Eigenschaften und Kräfte vollkommen zu polarisiren. Je höher und reiner der Geist, desto grösser auch die Macht und Wirkungskraft seines Magnetismus. Die kommende, geistige Aera Euerer Welt wird Euch die Beweise bringen, dass die Kraft des Magnetismus in seinen Wirkungen jene der endlichen Gesetze der Welt aufzuheben ver-mag und wird dadurch der wahrhaft geistige Mensch schon die Schwelle einer höheren Gesetzeswelt überschreiten, einer Gesetzes-welt, in der er dann Nahrung und Heimat findet bis zur Erreichung seiner Vollkommenheit. 61. Geistige Heilung des Körpers. Mind -cure. frage: Der Geist, welcher seinen menschlichen Körper, seine Um-hüllung nach dem durch endliche Gesetze bestimmten allgemeinen Typus, innerhalb dieses aber zu seinen individuellen Zwecken modifizirt, aufbaut, muss folgerichtig auch die Kraft besitzén, Antwort: die im Laufe des Lebens in seinem körperlichen Organismus eintretenden Störungen zu beseitigen. Auf dieser Annahme beruht die Anwendung und Wirkung der Suggestion in der Hypnose zu Heilzwecken, in noch weit direkterer und höherer Weise aber die Wirkung der sogenannten Mind -cure, der geistigen Heilung (mental healing ), welche ihre Kraft aus der Erhebung des Geistes des Leidenden oder des Heilenden zu Gott, dem Schöpfer des Geistes, ableitet. Ist diese Auffassung die richtige? und kannst Du uns aus dem neulich an Deinem Medium auf geistigem Wege angestellten Heilversuche über den inneren Vorgang und namentlich darüber Aufklärung geben, wie es kommt, dass der Heilende die grössere oder geringere Empfänglichkeit des Leidenden für die von Gott abgeleitete Heilkraft, sowie die Stufe seiner geistigen Entwicklung deutlich zu erkennen und zu empfinden vermag? Dem Geiste kann die Fähigkeit zum Aufbaue des mensch-lichen Körpers auch durch den leiblichen Tod nicht verloren gehen und aus dem Fortbestehen derselben erklären wir uns die Möglichkeit, dass er den abgelegten Körper unter gewissen Bedingungen vorübergehend zu seinen Zwecken rekonstruire, was wir mit dem Ausdrucke "Materialisation "bezeichnen. Ist dies richtig gedacht? Es ist ein so häufiger Fehler unvollkommener Wesen, wie es die Menschen sind, dass, wenn sie im Laufe der bildenden Zeiten ein Gesetz Gottes entdeckt haben, sie es nicht verstehen, dieses Gesetz vergleichend mit anderen Gesetzen und Faktoren zu überblicken, sondern das entdeckte Gesetz als etwas Abgegrenztes betrachten und so manch ' irrige Schlussfolgerung ziehen. Die Gesetze Gottes sind ein vollkommenes Gewebe, und Ihr erkennt die Herrlichkeit des göttlichen Gewebes nicht, indem Ihr einen Faden desselben herausziehet und besonders an das Licht haltet, sondern indem Ihr Faden an Faden liegen lasset, indem Ihr zu ergründen suchet, wie Faden mit Faden verwoben und verbunden ist, einer dem anderen Halt und Stütze verleihend und Alle zusammen erst das herrliche Muster ergebend, das Gott allein entwerfen und ausführen konnte. Die Mind -cure beruht auf einem göttlichen Gesetze; doch könnt Ihr die Folgen dieses Gesetzes erst dann ermessen, wenn Ihr die weiteren Gesetze, die mit ihm verwoben sind, in Betracht zieht. So nur ergiebt sich eine Summe der Wahrheit. Der Geist, der den menschlichen Körper aufbaut, hat die Kraft, Störungen in dessen Organismus zu beseitigen. Nun sind aber zwei andere Faktoren vorhanden, welche in die sichtbare Folge dieses Gesetzes hemmend eingreifen können: 1. Die sehr niedere Stufe Euerer Welt, 2. die Solidarität der Geister. Euere derbmaterielle Verkörperung bedingt Euer zeitweiliges Unterworfensein unter die Gesetze dieser Materie und wird es daher nicht jedem Menschen möglich sein, sich so in das Geistige zu versenken, dass sein dadurch befreiter Geist renovirend und heilend in seinen leidenden körperlichen Organismus eingreifen kann. SO Jede geistige Erhebung ist für Euch Menschen mehr oder weniger eine Anstrengung. Wie der Vogel ein Flügelpaar besitzt und doch nicht, ausschliesslich im Aether ruhend, schweben kann, sondern noch des Stützpunktes derber Materie bedarf, auch Ihr. Mancher Menschengeist vergisst, dass er ein Flügel-paar besitzt, und mancher (doch diese sind selten) fühlt die Kraft seiner Schwingen und versteht es nicht, die Grenzen dieser Kraft zu ermessen. Kommende Jahrhunderte werden die Flug-kraft des Menschen stärken, als Folge des geistigen Fortschrittes Euerer Welt. Ihr sagt richtig, dass es Gottes Wille nicht ist, dass Ihr leidet, dass das Leiden Lehre für Euch enthält und dass, wenn Ihr die Lehre verstanden und Euch zu eigen gemacht, die Art des Belehrens sich verwandeln muss. Es ist dies richtig, aber nicht erschöpfend. Vergesset nicht, dass Ihr Theile des Ganzen seid, dass die Solidarität der Geister eines der ewigen Gesetze ist. Ein Geist, welcher der Zuchtruthe des Leidens zu seiner Belehrung nicht mehr bedarf, sieht Brudergeister das Menschenkleid umwerfen, Brudergeister, die so schwach sind, dass sie nicht nur der Lehre des Leidens bedürfen, sondern die durch ihre Menschen-thaten ihre Leiden vergrössern. Sie bedürfen der Hilfe, und diese ist ihnen gegeben durch das Gesetz der Solidarität. Der starke Geist nimmt auch das Menschenkleid und das Leiden, das ihm die Verbindung mit der Materie bringt, willig und freudig an, um ihm von seiner Kraft geben zu können. Nächsten-liebe in der Form des Mitleids ist das verbindende Glied, und kein Geistwesen, sei es noch so schlecht, ist losgelöst von dieser grossen Kette. Solch ' hilfebringender Geist bewahrt sich stets seinen Frieden, er hat den Halt klarer Erkenntniss, mächtiger Liebe; aber dies hindert nicht, dass die Stürme auch sein Haupt umwehen, die Brandung auch seine Füsse benetzt. Er leidet mit dem Leidenden und solch ' seelisches Leiden ermöglicht manch ' physischem Leiden, von dem Organismus Besitz zu ergreifen. Ein solcher Geist fühlt jedoch stets Frieden und Befriedigung, all ' sein Gebet ist: "Herr, Dein Wille erfülle sich an mir und durch mich, "-weiter vermag er nichts zu beten. Er will leben, damit dieser Wille sich erfülle; wie er sich an ihm äussere, dazu vermag er sich nicht zu einem Wunsche zu erheben. Sagt nun nicht: "Gottes Wille kann für einen solchen Geist niemals Leiden sein, denn er ist dieser Zuchtruthe ent-wachsen. "Er hat sich in den Dienst des Ganzen gestellt, eigenes Glück, eigene Freude niederlegend, um eine Aufgabe zu erfüllen. Hat er die Aufgabe erfüllt und streift er die Fesseln der Materie ab, so findet sein Geist die Folgen der gesetzlichen That: grössere Reife, reinere Erkenntniss, mächtigere Liebe. Ihr müsst auch nicht die Macht des Beispieles vergessen, die ein mächtiger Faktor in der Heranbildung des Unvollkommenen ist. Wenn ein guter, starker Geist im Menschenkleide in körperlichen und seelischen Leiden stark im Gottvertrauen, selbstlos und geduldig bleibt, so kann er zu einer Offenbarung für andere Menschen werden; denn vielseitig müssen die Offenbarungen sein, die die arme Menschheit zu ihrem Gott erheben. Und wieder müsst Ihr bedenken, dass Euer Menschenleben nicht nur eine gottgegebene Gelegenheit ist, neue Saaten zu säen, sondern dass Ihr in ihm auch jene erntet, die Ihr in Präexistenzen gesäet. Das Gesetz, dass jede Handlung eines Geistes ihre Folgen für ihn hat, bleibt bestehen neben dem Gesetze, dass jeder Geist der Organisator seines Körpers ist. Die That mag rasch vollbracht sein; doch ist sie eine Wirkung der Gesammtsumme dessen, was sich der Geist erworben, und sie wirkt in Folgen weiter. Wirf einen Stein in's Wasser, kannst Du die Grenzen der Wellen im Wasser und in der Luft ermessen und feststellen? So ist für Euch Menschen unmöglich, festzustellen, wie weit Ihr unter dem Einflusse Eueres Vorlebens steht. Versteht mich recht, Ihr Lieben, und legt nicht mehr Gewicht auf diese Gesetze, als auf die anderen. Ich möchte Euch behilflich sein, die Wechselwirkung der Gesetze und ihr Ineinandergreifen so gut zu verstehen, wie es Euch möglich ist, damit Ihr in Allem den Schwerpunkt an seine richtige Stelle bringt. Wie Ihr Theile eines Ganzen seid und dies nie aus den Augen lassen sollt, so ist jedes Gesetz Theil eines vollkommenen Ganzen, und wenn Ihr auch dieses Ganze jetzt nicht zu überblicken und zu ermessen vermögt, so müsst Ihr doch stets eingedenk sein, dass es so ist. Lasst Euere Schlüsse so weit als möglich über dieses Feld streifen, so tief als möglich eindringen. So nur findet Ihr Wahrheit und Befriedigung. Wenn zwei Geister im Menschenkleide suchen, sich in möglichst vollkommener Hingabe an Gottes Willen zu Ihm zu erheben, so fallen damit manche Schranken zu Boden, welche die Materie zwischen das Verstehen dieser Geister geschoben, und sie können in solchen Augenblicken besser und klarer ermessen, wess ' Geistes Kinder sind, weil ihr geistiges Empfinden verfeinert ist durch diese geistige Erhebung. Das richtige Empfinden ist überhaupt eine Eigenschaft vorangeschrittener Geister, eine natürliche Folge des Fortschrittes. Durch die Materie ist dieses Empfinden getrübt; ist sie das Vorherrschende im Menschen, geht dies Empfinden verloren; ist der Geist das Vorherrschende, so tritt es in's Bewusstsein; in Augenblicken aber, wo der Geist die ihm höchstmögliche Herrschaft über die Materie erringt, ist dieses Empfinden zur Klarheit gesteigert. Es ist folgerichtig, dass dem Geiste die Fähigkeit zum Aufbau des menschlichen Körpers durch den Tod nicht verloren gehen kann und dass diese Fähigkeit die sogenannte Materiali-sation ermöglicht. 62. Hypnose und Suggestion. Du fragst, ob Hypnose und Suggestion ein Medium ver-anlassen können, die Bedingungen für das Eintreten spiritualer Phänomene zu versagen? Die psychischen Kräfte, das heisst die Seelenatmosphären oder Fluide des Mediums sind das Material, welches der sich äussernde Spirit benützt, sind das Feld, das er beherrschen muss, um sich kundgeben zu können. Das Medium kann, bewusst oder unbe-wusst, dieses Arbeitsfeld dem Spirit räumen, je nachdem es aus eigenem Willen und im Verlangen nach höherer Lehre oder im Wunsche, tieferstehenden Spirits zu helfen, demselben seine psychischen und physischen Kräfte zeitweise zur Verfügung stellt, oder unbewusst, wenn der eigene Wille des inkarnirten Geistes schwach ist und folglich von einem oder mehreren Spirits be-herrscht wird. Ist durch die Hypnose der Wille des inkarnirten Geistes brach gelegt, so werden seine psychischen und physischen Kräfte von einem anderen Geiste beherrscht und zwar meistens von dem Geiste des Menschen, der ihn in den Zustand der Hypnose versetzt hat. Ist aber der Hypnotisirte ein gutes, starkes Medium, das unter guter Leitung steht und erkennt der Leiter, dass sein Medium unter der Herrschaft des Willens und in der Gedankenatmosphäre des Hypnotiseurs Schaden leidet, so vermag dieser Leiter durch seine Macht über das Medium die Macht des Hypnotiseurs zu verdrängen und aufzuheben; doch ist ein solcher Kampf für das Nervensystem, jenes Grenzland physischen und psychischen Lebens, nicht gut, und wird daher der Leiter nur dann seine Macht anwenden, wenn das Medium unter der Macht und in der Atmosphäre des Hypnotiseurs grösseren Schaden er-leidet. Das Medium kann in der Hypnose keinen Drang zur Ausübung seiner Mediumschaft empfinden, weil sein Wille brach gelegt ist. Auf Deine Frage, ob die Macht der Suggestion auf einer Schwäche der Individualität des Subjektes beruht und ob der moralische Charakter des Menschen Schutz gegen die Wirkung einer in böser Absicht gegebenen Suggestion bietet? antworte ich Dir: -Die Macht eines Geistes, ob in oder ausser dem Menschen-kleide, beruht hauptsächlich in dem Maasse der Widerspruch-losigkeit, in dem Grade der Klarheit und Ergänzung guter Eigen-schaften, die er sich errungen. Wenn die Entwicklung des Geistes eine sehr einseitige ist, so fehlt ihm jene Kraft und Macht, die in einem relativen Ausgleiche seiner Kräfte und Eigenschaften liegt. Es ist dies eine Wirkung des Gesetzes, dass der absolute Ausgleich aller geistigen Kräfte die Harmonie und Vollendung der Geistfreiheit, sowie damit die Vereinigung der getrennten Duale und die Wesenheitsvollendung, ergeben. Damit ist zu-gleich M.'s Frage beantwortet: Warum der Mensch, der nach einer Richtung hin so hoch entwickelt ist, dass Ihr ihn ein Genie nennt, oft moralisch auf tiefer Stufe steht und so häufig trotz seines hervorragenden Intellekts der Nacht des Wahnsinns ver-fällt? Ein solcher Geist hat einseitig gearbeitet, er hat seine geistigen Eigenschaften und Kräfte nicht gleichzeitig vervoll-kommnet, sondern eine Eigenschaft auf Kosten der andern gross Frage: gezogen und damit die Kraft und Macht verloren, die in dem mög-lichsten Gleichwerthe der geistigen Eigenschaften liegt. Es fehlt ihm Zielbewusstsein und Beherrschung seiner Kräfte, er unterliegt den schädlichen Einflüssen von Aussen, den schädlichen Auswüchsen seiner eigenen Individualität. So kann ein Mensch, der auf einer moralischen Stufe steht, die Ihr gut nennt, den schädlichen Wirkungen einer Suggestion unterliegen, weil ihm die Kraft jener einheitlichen Entwicklung fehlt, die in einem Uebereinstimmen, in einem Gleichwerthe der geistigen Eigenschaften der Erkennt-niss, der Vernunft, der Willenskraft und der Selbstlosigkeit liegt. Ein Mensch aber, dessen Entwicklung ihn zielbewusst, willens-stark, selbstlos und klaren Verstandes durch's Leben gehen lässt, ist gefeit vor jeder Einwirkung der Hypnose; er beherrscht sich selbst, seine psychischen und physischen Kräfte, und kein ausser ihm stehender Geist vermag ihn zu beherrschen. Solcher Mensch ist gefeit gegen jede Hypnose und Suggestion, denn sein Geist hat dem Seelenkleide seinen Stempel aufgedrückt, hat es mit seiner Wesenheit durchdrungen und er bietet fremdem Geiste nicht mehr die nöthigen Bedingungen zu seiner Beherrschung. Viele Menschen aber sind niemals einer Hypnose ausgesetzt, nicht weil eine bestimmte Entwicklungsstufe ihnen diese relative Freiheit verleiht, sondern weil das Stoffliche ihres Seelenkleides die Be-dingungen nicht erfüllt. Ihr könnt daher kein Urtheil über den geistigen Werth eines Menschen nach seiner Sensibilität für Hypnose fällen, denn Ihr wisst nicht, welche Ursache seiner Nichtempfindlichkeit zu Grunde liegt. Gleiche Wirkungen können oft verschiedene erste Ursachen haben. 63. Organprojektion. Die Identität des organisirenden und denkenden Prinzipes, wie sie sich im transcendentalen Subjekte zeigt, ist auch inner-halb der irdischen Geistesthätigkeit nachweisbar, das heisst es zeigt sich in diese ein transcendentales Organisiren eingemengt. So findet sich der goldene Schnitt, das formale Eintheilungsprinzip unseres. Leibes, auch an griechischen Tempeln und gothischen Domen von deren Erbauern unbewusst angewendet. Noch deut-licher tritt dies bei unseren technischen Erfindungen zu Tage. Wenn auch bei denselben in der Regel ganz zielbewusst auf die Lösung eines bestimmten technischen Problemes in mathe- Antwort: matischer Behandlung hingearbeitet wird, so ist aber doch bei den einfachsten Mechanismen, wie bei den complizirtesten Apparaten eine geistige, vom Organisirenden ausgehende Unter-strömung unverkennbar, da die technischen Apparate nur unbe-wusste Copien von Theilen unseres Leibes, sogenannte Organ-projektionen sind, ohne dass die Erfinder copiren wollten. So ist der Hammer unbewusst unserem Vorderarme mit geballter Faust, der Blasebalg unserer Lunge, die Pumpe unserem Herzen nachge-bildet; bei der camera obscura ist keineswegs mit bewusster Ab-sicht das Auge copirt worden, sondern die Einrichtung unseres Auges wurde erst verstanden, als die camera erfunden war; das Objektivglas der Photographen entspricht der Krystalllinse, die Blende der Iris, der Verschluss dem Augenlide, der elastische Auszug dem contractilen Augapfel, der Bromsilber -Ueberzug der photographischen Platte dem lichtempfindlichen Sehpurpur der Retina. In gleicher Weise wird das Gehörorgan verstanden, wenn man zur Erklärung das Klavier heranzieht, oder der Nerven-apparat durch den Telegraphen. Kapp, in seiner "Philosophie der Technik "nimmt nun an, dass sich das organische Reich und jenes der Technik gegenseitig in der ganzen Natur, auf allen bewohnbaren Sternen ergänzen. Manche unserer technischen Apparate haben nach ihm ihr orga-nisches Vorbild vielleicht auf einem anderen Planeten; es seien dort Wesen denkbar, deren Augen teleskopisch oder mikroskopisch eingerichtet sind. Wie unverhältnissmässig mehr wüsste z. B. ein Wesen, welches das Spektroskop in organischer Form hätte und dadurch die chemischen Qualitäten der Dinge empfänglich wäre, wie es bis zu einem gewissen Grade unsere Somnambulen sind. Dagegen könnten manche Organismen unserer Erde, die wir technisch noch nicht verwerthet haben, auf anderen Sternen Glieder der technischen Reihe sein. Was hältst Du von dieser Hypothese? Gott ist einfach und die Wahrheit, in den leitenden Ge-setzen verkörpert, ist als von Ihm ausgehend, auch einfach in ihrer Urnatur. Ich sage Urnatur in Ermangelung eines besseren Wortes in Euerer Sprache. Die Gesetzeswahrheit, wie sie die noch sündlose Geistschaffung zuerst durchströmte, war einfach, gross, geistig. Erst als sich dieses Licht durch den Sündenfall brach, wurde es durch die Erscheinungsformen materieller, end-licher Gesetze complizirt. In der Vergeistigung der Schöpfung nähert sich diese wieder der ursprünglichen Einfachheit, befreit sich von den Complikationen der Rückbildung einerseits und von der Voranbildung oder Ausbildung andererseits und tritt wieder in den Kreis des ungebrochenen Lichtes der einfachen Ur-wahrheit. Das organische Reich mit seinen leitenden Gesetzen ist eine Farbe des gebrochenen Lichtes der Urwahrheit des geistigen Ge-setzes; die Erfindungen oder richtiger Auffindungen der Technik eine Ergänzungsfarbe dieser Farbe. Es giebt nur eine Urwahrheit, deren Quelle Gott ist, deren Strom, die Gottes-schöpfung durchfluthend, sich verwandelnd und materialisirend, den Verhältnissen dieser Schöpfung sich anpasst. Das Schauen, das heisst die höchste geistige Erkenntniss ist eine Eigenschaft des vollkommenen Geistes, das menschliche Auge, die materielle Er-scheinungsform dieser höchstgeistigen Eigenschaft, die camera eine Wiedergabe dieser höchsten Wahrheit in der Technik. Ueber-setzungen in verschiedene Sprachen gleichen die Gesetze der organischen Welt und die Entdeckungen der Technik; der eine goldene Faden der Wahrheit, der durch Beide geht, ist göttlich. Alle Wahrheit ist verbunden und das Auffinden einer Wahr-heit wird immer ein Auffinden weiterer Wahrheit bedingen. Rascher wird die Menschheit einen Wahrheitstheil an den andern reihen können, wenn sie den Schlüssel dazu gefunden, verstanden hat. Bis jetzt hat sie mit wenigen Ausnahmen das Geistige als ganz getrennt von der Materie halten wollen, und entweder, dem Geistigen lebend, die Materie verachtet und geknechtet, oder, der Materie lebend, das Geistige verneint. Die Materie wäre aber auch als solche nicht lebensfähig, wenn sie nicht geistdurchtränkt wäre; der Geist könnte nicht mit der Materie verbunden sein, wäre diese Verbindung nicht (wenn auch nur vorübergehend) Entwicklungsbedingung für den Geist. Was Gott also verbunden, das trennt nicht, Ihr Menschen. Suchet zu verstehen, warum diese Verbindung erfolgen musste und suchet in der Materie den Geist zu finden, der sie belebt. Habt Ihr eine technische Wahr-heit gefunden, so suchet das organische Vorbild und von diesem weitergehend, suchet Euch klare Begriffe der geistigen Eigen-schaft zu machen, welche demselben zu Grunde liegt. So werdet Ihr die Grösse Gottes erkennen und in ihr die Einfachheit seiner Wahrheit. Das organische Leben anderer Welten könnt Ihr nicht verstehen und wäre es zwecklos, Euch davon zu reden, da - es nur wie ein Märchen klingen würde und Euer geistiger Fortschritt nicht davon berührt würde. Wie es eine bestimmte Anzahl Grundfarben giebt, deren jede mannigfache Schattirungen hat, so giebt es verschiedene Organisationen, jede mit unzähligen Schattirungen; doch könnt Ihr Euch nur allenfalls Begriffe von den Schattirungen Euerer organischen Welt machen, andere Grundfarben aber müssen Euch fremd bleiben, so lange Euere geistige Stufe Euch an eine gewisse Grundfarbe bindet. Erreichet das Licht, aus dem die Farben alle hervorgegangen und Ihr werdet die Kreise alle beherrschen. Suchet Euch etwas hineinzudenken in diese Grösse, damit sie erhebend auf Euch wirken kann, und Ihr die Grenzen, welche die Erkenntnissmög-lichkeit Euerer geistigen Stufe zieht, wenigstens ahnend unter-gehen seht. 64. Wechselwirkung von Geist und Materie im Menschen. Wir hatten im kleinen Kreise die Kundgebung über "den unerschaffenen und erschaffenen Geist, III, 29, "gelesen und an die Stelle anknüpfend, welche von der Ueberwindung der Materie durch den Geist im Menschen spricht, unsere Anschauungen über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Beeinflussung des Geistes durch den Körper ausgetauscht. In Folge dieser Discussion wurde dem an derselben betheiligten Medium die nachstehende spontane Kundgebung zu Theil: Ich möchte Euch noch ein erläuterndes Wort über die Wechselwirkung von Geist und Materie im Menschen sagen. Der Geist formt und bildet die ihn umgebende Materie; die Stufe des Geistes bestimmt es also, dass die Materie entweder derb oder etwas vergeistigter ist. Der Geist bringt das zur Er-scheinungsform, was dann so eng mit ihm verkettet ist, dass er mit ihm eine Einheit Mensch genannt ausmacht. Diese Form (der Körper) wirkt, weil zur Einheit mit ihm verbunden, wieder auf den Geist und vermag es, je nach der Stufe des Geistes, ihn herabzuziehen. Versteht mich recht. Der Körper ist nichts, als das vom Geiste gewebte Kleid; an dem Geiste liegt es daher, wenn es beengend und hemmend ist, statt nur seine gesetzliche Hülle zu sein, in der eine bestimmte gesetzliche Arbeit geleistet zu werden vermag. Ich sagte nie, dass die Materie Euch herunterziehen muss. Wo wäre die Gerechtigkeit Gottes, wenn sich der schwache Geist einer Hülle bedienen müsste, die ihn schon als solche herabziehen müsste? Nicht die Hülle also ist beschwerend, son-dern die mangelnde Erkenntniss des Geistes, sich in das richtige Verhältniss zu dieser Hülle zu setzen. Sie kann allerdings wie ein Alpdruck auf ihm liegen, doch nur, wenn er schläft, im Traume befangen bleibt, nicht wenn er wacht, wenn er im Gefühle seiner Geistkraft sich der Freiheit des bewussten Gottes-dienstes nähert. Die Materie als solche ist machtlos über den Geist, wenn dieser nicht durch seine tiefe Stufe ihr die Macht über sich verleiht. Der Geist, der seinen Körper geformt und sich mit ihm zu einer Einheit vereint hat, wird sich, je nach seiner Stufe, in seinem Kleide behaglich fühlen, sich so mit diesem identifiziren, dass ihm das vergängliche Kleid das Reale und Wichtigste dünkt, oder wird diesem Kleide eine Macht über sich einräumen, die nicht eine Nothwendigkeit, wohl aber eine Möglichkeit ist, wenn der Geist sich nicht zum richtigen Verhältnisse durch-gerungen. Er sucht diese von ihm als solche empfundene, aber nicht im Grunde erkannte Krankheit durch die Palliativmittel der Askese zu bekämpfen, statt zu erkennen, dass es des Heil-mittels des geistigen Aufschwunges bedarf, um solche Krank-heiten und Missverhältnisse unmöglich zu machen. Zu diesen beiden Kategorien gehörte die Mehrzahl der Menschheit; doch haben sich schon Einige durchgerungen zu dem richtigen Verhältnisse zwischen Geist und Körper. Sie sind sich bewusst, Geist zu sein, bewusst, dass ihre Fehler und Mängel nur im Geiste liegen und dass der Körper nichts ist als Arbeits-kleid, als das Wort, das einen Gedanken zur Ausführung bringt und dann verhallt. Es wird ihm einerlei sein, mit was er diesen Körper nährt und umgibt; er gibt ihm, was nothwendig, um ihn dienstfähig zu erhalten. Habe ich Euch diese zwischen Geist und Körper bestehende Wechselwirkung nun klar gemacht? Der Geist kann dem Körper eine Macht über sich verleihen, doch nicht in der Hülle selbst liegt diese Macht, sondern in dem Geiste, der diese Hülle beeigenschaftet. Ich sagte, dass Ihr die Materie zu überwinden vermögt; sie ist überwunden, wenn Ihr sie erkannt und Euch in das richtige Verhältniss zu ihr gesetzt habt. Ich sagte, dass sie keine Macht für einen Geist besitze, der sich eine gewisse Stufe errungen; das weiset doch darauf hin, dass sie an sich machtlos ist und dass es lediglich der Geist ist, der sich zu sehr mit ihr identifizirt, sein Geistleben zersplittert, um seiner Erscheinungsform Scheinleben zu geben und ihr damit eine Macht verleiht, die sie an sich nie besitzen könnte. Zu vorstehender Kundgebung hatte Bernhard folgende Ein-würfe geschrieben: Die aus Geist und Materie zusammengesetzten Indivi-dualitäten sind den Konflikten der divergirenden Gesetzeswelten, welche beide in ihnen zur Wirkung gelangen, unterworfen. Da sie im Menschen zur individuellen Abgrenzung kommen, spielt sich in ihm der Kampf des Ewigen mit dem Vergänglichen ab. Die Seele ist die Brücke zwischen Geist und menschlicher Materie; diese Geistmaterie ist das bleibende Kleid des Geistes; sie ist während des irdischen Lebens das Schlachtfeld für die Kämpfe der gegenseitigen Machtsphären, welche Kämpfe zu Sieg oder Niederlage der einen oder der anderen führen. Unsere Lebensaufgabe ist, die Herrschaft des Geistes über die Materie im Kampfe zu erringen. Wer diesen Kampf flieht, tödtet sich selbst. Ein Kampf setzt aber sich entgegenstehende Kräfte voraus. Diese können ungleich sein, müssen aber hetero-genen Elementen innewohnen, solchen angehören. Die derbe Materie an sich ist wohl willenlos; nicht so die organisirte Materie in ihrer höchsten Vollendung, wie sie im Menschen dem Geistigen bereits so nahe gebracht ist, dass ihre Vergeistigung zur Mög-lichkeit wird. Treten die Kräfte der organisirten Materie ja bereits beim Thierreiche in ausgesprochenen Trieben auf und wirken auf die Thierseele. Um wie viel mehr wird dies im Menschenleibe der Fall sein, der so viel höher organisirt ist. Unser Bewusstsein gibt uns Kunde von zwei entgegen-gesetzten Strömungen in uns, von der von Innen nach Aussen und von jener von Aussen nach Innen. In ihnen liegt innerhalb unserer Individualität jene Wechselwirkung zwischen Geist und Körper, durch die Seele vermittelt, von welcher auch Du sprichst, die mir aber undenkbar wäre, wenn die Materie an sich machtlos, nur jene Kräfte besitzen sollte, die ihr der Geist verleiht. Diese Anschauung muss wohl die eines der Materie entwachsenen Geistes sein, welcher den Sieg über sie bereits errungen hat und im Vollgefühle seiner Freiheit ist. Dem menschlichen Geiste legt die Materie beschränkende und hemmende Fesseln an, die er nur theilweise zu sprengen vermag; wir unterliegen durch unser ganzes Erdenleben den in ihm waltenden endlichen Gesetzen, während unser Geist seiner Natur nach ewig ist. Wir müssen den Berg schrittweise erklimmen, die Hindernisse nach und nach überwältigen und uns so den Weg zum Gipfel langsam und ausdauernd bahnen, können unsere Wanderung nicht vom Gipfel aus antreten. Wie Du uns in Deiner Kundgebung über Zweck und Ziel der spiritualen Bewegung I 1 so schön und trostreich gesagt hast, kann sich vergängliche Materie dem höheren Geistleben unmöglich als unüberwindliche Schranke entgegenstellen; Antwort: sie aber für überwunden zu halten, sobald wir ihre Vergänglichkeit erkannt haben, sie für an sich machtlos zu erklären, so lange wir gegen sie anzukämpfen haben, erscheint mir bedenklich, weil es uns in eine falsche Sicherheit wiegen könnte, welche den Kämpfenden schwächt. Gerade darin, dass der Geist eine gewisse Stufe erreicht haben muss, damit die Materie keine Macht mehr über ihn besitze, erblicke ich den Hinweis darauf, dass sie an sich nicht machtlos ist, dass ihr die Macht im Emporklimmen des Geistes stufenweise abgerungen werden muss. Hat sich der Geist in das richtige, vom Schöpfer gewollte Verhältniss zu ihr gesetzt, dann hat er sie soweit überwunden, als seine Kraft reicht, er beherrscht sie in mehr oder minder hohem Grade, je nach seiner in dem Lebenslaufe erreichten eigenen Entwicklung; ihr völlig zu entwachsen, ist das Ziel, welches ihm in seiner Voll-endung winkt. Du sagst, dass der Körper nur Hülle, Erscheinungs-form des Geistes ist, sein Arbeitskleid; ich muss ihn als Blei-gewicht für die geistige Entwicklung fühlen, als Handlanger des Geistes, und zwar als wirkende Gewalt, nicht als todtes Werkzeug desselben betrachten. Du sagst, der Körper sei nichts als das Wort, das einen Gedanken zur Ausführung bringt und verhallt. Das Wort ist das Urelement der Schöpfung, äussert sich in der Bejahung und in der Verneinung; aus ihm construirt sich die Wahrheit; der Wille, die Individualität krystallisirt sich zum Worte, ihm entspringt die That. Alles Empfinden, alles Wirken der Seele verdichtet sich zunächst zum Begriffe; er ist das Wort. Und die Wirkung des verhallenden Wortes pflanzt sich in Schwing-ungen auf stets erweiterte Kreise fort. In diesem Sinne kann ich den Körper in seiner Wirkung als verhallendes Wort betrachten. Du legst zu viel Gewicht auf dieses winzige Bruchtheil des Geistlebens Menschenleben und Deine Schlüsse sind, wenn auch scheinbar logisch, falsch, weil auf falschen Grundlagen auf-gebaut. Du sagst: unsere Lebensaufgabe ist, die Herrschaft des Geistes über die Materie im Kampfe zu erringen. Ich sage: unsere Lebensaufgabe ist, das Gute in uns, das Bürgschaft unserer Gotteskindschaft ist, zu seiner Vollkommenheit auszubilden. Gieb dem Begriffe "Leben "doch nicht so enge Grenzen, dass Du darunter ein Menschenleben verstehst. Du nennst doch einen Lichtstrahl oder einen Schatten nicht den Tag, weil dieser sie hervorgerufen? Ich sage unsere Lebensaufgabe, weil das Kleid, sei es fluidisch geistig oder derbmateriell keine Aenderung der Aufgabe verursachen kann. Dieser Aufgabe ist der Geist nicht gerecht geworden, sein Fall bedingte die Verbindung mit der Materie und sein Fall, nicht die materielle Hülle, erschwert ihm seine Aufgabe. Das Du hast Dich daran gestossen, dass ich die Hülle mit dem Worte verglich. Das Wort zeugt vom Gedanken, nicht wahr? ist gewissermassen die Materialisation des Gedankens. Ich gehe weiter und sage: Das Wort, das vom Gedanken Gott zeugte, ist die Geistschaffung in der Totalität der Sohn. Das Wort aber, das von dem gefallenen, durch seinen Fall an materielle Welten gefesselten Geiste zeugt, ist das Menschenkleid, eine Wirkung, ein Ausdruck dieses Geistes sonst Nichts. Wort oder der Ausdruck Gottes, der von Ihm ausstrahlenden Bewegung, welche Folge des Urlebens ist, ist ewig; das Wort oder der Ausdruck des gefallenen Geistes ist vergänglich, da ja nur der Ausdruck der Vollkommenheit ewig sein kann. Indem sich der Geist sich von Stufe zu Stufe, von Kraft zu Kraft emporringt, wird auch sein Ausdruck logischer Weise die Form ändern müssen, bis auch dieser Ausdruck, dieses Wort, diese Hülle, dieser Lichtkreis die Vollkommenheit erreicht haben wird, welche allein die Umwandelbarkeit einschliessen kann. Die Wirkung des Wortes, des verhallenden Wortes pflanzt sich in Schwingungen fort, wie Du sagst; doch ist die Wirkung des Wortes nicht gleichbedeutend mit diesem selbst. Der Gedanke des Wandelbaren erweitert und vertieft sich; ein neues Wort bringt ihn zum Ausdrucke und der Gedanke oder Geist entsteigt dem Kreise der Schwingungen des schon verhallten Wortes. Verstehst Du, was ich meine? Die derbe Materie, die er abgestreift, fällt zurück zur Materie, Asche zu Asche, und Staub zu Staub; um neuen Bildungen unterworfen zu werden. Der Geist bringt einer materiellen Welt in seiner materiellen Hülle das zum Aus-drucke, was er ist, und dieses verhallende Wort pflanzt sich in Schwingungen fort, der Welt auch dann noch in seiner Wirkung fühlbar, wenn der Geist schon dieser Welt entwachsen und längst schon durch ein neues Wort seiner Vertiefung und Verherrlichung Ausdruck verliehen hat. Der Kampf, der in jedem Geiste liegt, der seine Voll-kommenheit noch nicht errungen, ist weder bedingt durch seine materielle Hülle, noch durch sie hervorgerufen. Er wusste, was Kampf war, bevor er in diese Hülle kam, und mit dem Abstreifen derselben endet auch der Kampf nicht. Laster lassen sich nie dem Körper zuschreiben, wie Ihr es irrthümlich meint; auch Trunksucht und Sinnlichkeit sind geistig-seelische Eigenschaften des tief gesunkenen Geistes. Dieser hat eine schwere, derbe Seelen -Hülle, in der er die Gelüste empfindet, die er in der noch derberen Hülle des Menschenleibes zum Ausdruck bringt. Doch nicht die Materie ist Schuld daran und nicht in dem Ausdrucke liegt die Sünde, sondern in dem Gelüste des Geistes. Versteht mich recht. Ein solcher Geist darf sein Gelüste nicht zum Ausdruck bringen. Durch Enthaltung vermag er es abzuschwächen und indem er erkannte Pflicht erfüllt (und sei sie noch so nieder) hebt sich der Geist langsam aus den Tiefen empor, in die sein eigener Wille ihn gestürzt, seine Seele wird zum lichteren Kleide und wenn er wieder menschliche Hülle um sich nimmt, braucht er kaum mehr als Versuchung zu empfinden, was früher seiner grössten Kraftanstrengung bedurfte, um nur nicht zum derben Ausdrucke gebracht zu werden. Du sagst: "Die aus Geist und Materie zusammengesetzten Individualitäten sind den Conflikten dieser divergirenden Gesetzes-welten, welche Beide in ihnen zur Wirkung gelangen, unterworfen. Da sie im Menschen zur individuellen Abgrenzung kommen, spielt sich in ihm der Kampf des Ewigen mit dem Vergäng-lichen ab. "nie Das Ewige kämpft nicht mit dem Vergänglichen und nimmer lieber Bernhard. Das absolut Ewige, die Gott-heit, ist. Es wirkt, schafft, strömt Leben aus, weil es ist; es bedarf überhaupt keines Kampfes von Seiner Seite, damit Alles, was aus Ihm geworden, sich in seiner Vollkommenheit mit Ihm verbinde. Das relativ Ewige, der Geist, ist durch seine Unvoll-kommenheit und Willensfreiheit auf ein Kampffeld gestellt worden; doch was sich ihm auf diesem Felde entgegenstellt, ist nicht die Materie, sondern eben seine Unvollkommenheit. Zu diesem Kampfe ist ihm jede Waffe und jede Rüstung gegeben, die ihn zum Siege führen muss über kurz oder lang. Es steht ihm frei, zu stehen oder zu fallen. Wirft er die gottgegebene Rüstung, die Reinheit, fort, so ist er verwundbar geworden und bleibt es, bis er sich durchgekämpft zur Vollkommenheit. Unsere Lebensaufgabe ist daher, unsere Vollkommenheit auszubilden, wodurch sich unser Seelenkleid immer mehr vergeistigt. Du sagst: "Gerade darin, dass der Geist eine gewisse Stufe erreicht haben muss, damit die Materie keine Macht über ihn Frage: besitze, erblicke ich den Hinweis darauf, dass sie an sich nicht machtlos ist, dass ihr diese Macht abgerungen werden muss. "Ich wiederhole: "Der Geist kann seiner Hülle, seiner Schöpfung eine gewisse Macht über sich verleihen, indem er sich zu sehr mit ihr indentifizirt. Darin liegt die Wechselwirkung zwischen Geist und Materie; sie besteht nicht an sich, sondern wird nur vom Geiste in's Leben gerufen, ermöglicht. Sobald der Mensch erkennt, dass er Geist war, bevor er mit der Materie verbunden war, wird er die Quelle aller seiner Fehler in seinem Geiste suchen, und die Materie lediglich als das betrachten, was sie ist eine Hülle, die sein Fall ihm umgeworfen, und die ihn an sich nicht herabzieht, obschon es traurig ist, dass der reingeschaffene Geist in solch ' dichter Atmosphäre seine Entwicklungsbedingungen findet. 65. Körper, Seele und Geist im Menschen. die Wechselwirkung erlaubt mir nicht, Das Thema, welches wir besprechen, zwischen Geist und Materie im Menschen über das Menschenleben hinauszugehen. Ich musste die Lebens-aufgabe des Menschen, und zwar speziell jene, welche ihm die Verbindung des Geistes mit der Materie stellt, in's Auge fassen, um bei der Frage zu bleiben; kann Dir auch heute nicht auf das alle Stufen der geistigen Entwicklung umfassende Gebiet des Geistlebens, von seiner Schaffung an bis zu seiner Vollendung folgen, so lange ich mir nicht Klärung und Verständniss der einen bestimmten Stufe, auf welcher der Geist mit orga-nisirter Materie verbunden ist, bei Dir erfragt habe. Du sagst, diese Verbindung könne keine Aenderung der Aufgabe für den Geist verursachen, drückst aber Deine Trauer darüber aus, dass der reingeschaffene Geist in der dichten Atmosphäre der Materie seine Entwicklungsbedingungen finden müsse, und damit kehren wir zum eigentlichen Thema zurück. -Das Ziel des Menschen, sei er Kind, Jüngling, Mann oder Greis, ist dasselbe; die diesen verschiedenen Stadien des Menschen-lebens gestellten Aufgaben können nicht die gleichen sein. Durch Deine ganze Lehre zieht sich der Grundzug, dass der Geist der Materie entwachsen müsse, um höhere Entwicklungsstufen anstreben und erreichen zu können. Du führst den der Materie nicht ent-wachsenen Geist stets auf's Neue in die Verbindung mit derselben zurück, bis er sich aus ihren Banden befreit. Dass diese Be-freiung nicht ohne grosse Anstrengung möglich ist, cine allmählige sein muss, geht daraus hervor, dass Du sagst: "Der sich langsam aus den Tiefen emporhebende Geist braucht, wenn er wieder mensch-liche Hülle um sich nimmt, das kaum mehr als Versuchung zu fühlen, was früher seiner grössten Kraftanstrengung bedurfte, um nicht zum derben Ausdrucke gebracht zu werden. "Du sagst ferner, dass der Geist, wenn er die Reinheit wegwirft, verwundbar ge-worden ist. Dies Wegwerfen der Reinheit ist sein Fall, bedingt die Verbindung mit der Materie. Durch wen soll er verwundbar sein und bleiben, wenn nicht durch die Wirkung und Folge seines Falles, durch die Verbindung mit der Materie? In dem Verkehre mit dem damals tiefstehenden Geiste An-tonius hast Du Dich über die Wirkung der Materie auf den menschlichen Geist noch deutlicher ausgesprochen: "Trunksucht ist nicht ein physisches Uebel allein, sondern verthiert den Geist und macht eine Verbindung mit reinem Geiste unmöglich. "Der Ausgangspunkt zum Aufstiege des tiefgesunkenen Geistes ist ein Ringen, ein Kampf mit der ihm verbundenen Materie, mit den ihr innewohnenden Kräften und Trieben. Indem sich der Geist von Stufe zu Stufe emporhebt, entzieht er sich mehr und mehr dem Einflusse dieser Kräfte, welche wohl nicht direkt auf ihn wirken, sondern mittelbar durch die Seele, durch das nothwendige Verbindungsglied zwischen Geist und Körper. Sie ist auch wohl das Kampffeld, auf welches der Geist, wie Du sagst, gestellt worden ist, sich nicht etwa selbst gestellt hat. Auch kann der Körper doch wohl kaum als eine völlig freie Schöpfung des Geistes betrachtet werden. Der Typus des mensch-lichen Körpers ist das Endresultat einer langen Entwicklungsreihe durch die Naturreiche hindurch, mit stets gesteigerten Kräften. Der Geist ist im Aufbaue seines Körpers an diesen Typus ge-bunden; auch ist er in der Wahl des Materiales auf jenes be-schränkt, welches seinem eigenen Werthe, seiner Stufe entspricht. Ist diese Annahme richtig, so geht daraus hervor, dass der beseelte Körper nicht allein Hülle, willen-und machtloses Werkzeug des Geistes an sich ist, sondern erst vom Geiste dazu gemacht werden kann, wenn er die volle Herrschaft über ihn erlangt hat. Dann erst tritt der Zustand ein, in welchem der Geist seiner Hülle nur jene Macht über sich verleiht, welche seine Entwicklung nicht zu hemmen vermag. Antwort: Von Es hört damit selbstverständlich die,, Wechselwirkung "zwischen Geist und Materie auf; die Lebensaufgabe des Menschen, welche sich auf dies gegenseitige Verhältniss bezieht, ist gelöst. Der auf diesem Wege der derben Materie entwachsene Geist, welcher sich von ihren indirekten Einflüssen dadurch befreit hat, dass er das Schlachtfeld, die Seele, erobert und sich mit ihr identifizirt hat, kann allerdings die Quelle seiner Mängel und Schäden nur mehr ausschliesslich in seiner Unvollkommenheit suchen. dieser Stufe aus kann ich mir auch Deinen dahingehenden Aus-spruch (Seite 169) erklären: "Laster lassen sich nie dem Körper zuschreiben; auch Trunksucht und Sinnlichkeit sind geistig -seelische Eigenschaften des tiefgesunkenen Geistes. Dieser hat eine schwere derbe Seelenhülle, in der er die Gelüste empfindet, die er im Menschenleibe zum Ausdrucke bringt. "Du bist der Materie völlig entwachsen; Dein Medium hat jene Stufe geistiger Herrschaft über den Körper erreicht, welche es ihm ermöglicht, demselben nur jene Macht über sich einzuräumen, zu verleihen, die seiner Weiterentwicklung förderlich ist. Du hast durch Dein Medium Deinen Zustand und die von ihm errungene Stufe zum Ausdrucke gebracht. In Deiner Kundgebung an Antonius Fußnote.) ist die niedere Entwicklungsstufe dieses Geistes gezeichnet. In dem Unterschiede der Entwicklungsstufen kann ich auch nur eine Lösung des Gegensatzes Deiner beiden Aussprüche finden. Um mir zu weiterem Verständnisse zu verhelfen, bitte ich Dich, mich zu belehren, wie sich Körper und Seele zum Geiste in dem Momente verhalten, in welchem sie zu gegenseitiger Reaktion gelangen? Erlaube mir, mich über das Wort, als dem Vermittler zwischen Gedanke und That, in besonderer Frage an Dich zu wenden. Ich habe die Bitte an Dich, lieber Bernhard, meine heutigen Worte in Deinem Geiste ruhen zu lassen, statt sie rastlos zu seziren. Jede höhere Lehre muss zur eigenen Erkenntniss im Geiste werden; geben kann ich Dir nichts. Du hast ja dies schon erprobt. Es gab eine Zeit, wo meine Worte Dich nicht überzeugten: "dass jede neue Blüthe, welche die Erkenntniss in einem Geiste treibt, eine Folge des geistigen Fortschrittes ist "; plötzlich erwachte diese Erkenntniss in Dir und Du bedurftest meiner Worte nicht mehr. Somit der Ré -Inkarnation. Vor Monaten hätte ich umsonst mit Dir darüber gesprochen; heute Siehe bedarf Deine gereifte Erkenntniss kaum mehr meiner Worte. Ein hochentwickelter Geist erkennt den Wirkungskreis seiner Worte, seiner Lehren; -nicht die Lehre ist ein mächtiger Faktor in der Entwicklung eines Geistes, sondern das Gesetz, dass die Erkenntniss Folge ist des reinen Strebens, des geistigen Aufschwunges, und dass jede erreichte Erkenntniss dem Geiste einen weiteren Er-kenntnisskreis erreichbar macht. "Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat (wer gegebene Gelegenheit brach liegen lässt ), von dem wird genommen werden, was er hat "(der wird gesetzlich gelegenheitsärmer werden). Ob dieser strebende Geist nun in oder ausser dem Menschenkleide sich befindet, ist von wenig Belang. Du äussertest Dich einmal, ob ich wohl je ein Mensch gewesen oder ein reingebliebener Erstlingsgeist sei? Lieber Bernhard, lerne doch nach der Aufgabe die Art eines Geistes erkennen, dem die Aufgabe zugewiesen. Meine winzige Aufgabe zeige Dir meine verhältnissmässig niedere Stufe, denn winzig ist die Aufgabe, einen Menschen zu erziehen und zu leiten, damit er in der derben Hülle der Materie nichts von der im Geistleben errungenen Klarheit verliere, und dann durch diesen Menschen einem kleinen Kreise Geister in und ausser dem Menschenkleide Hilfe und Wahrheitstheilchen zu reichen. Auch ich bin gefallener Geist; -wenn auch nie so tief gefallen, dass das Erdenkleid mir nothwendig wurde, so habe ich mich doch auf einer anderen Welt durch jene Materie gearbeitet, die meiner Stufe adäquat war. Nun strebe ich wieder im Geistigen jenem Ziele zu, das meine ganze Sehnsucht ist und das ich doch eine Zeit lang verlassen konnte. Reingebliebener Erstlingsgeist ist gewordene Vollkommenheit; Lebenssonnen sind solche Geister, denn gewordene Vollkommenheit ist ein selbststrahlender Lichtherd; solchen fertigen Geistern sind Weltsysteme zur Führung übergeben; sie sind die obersten Sprossen der Jakobs-leiter und von ihnen bis zum Dämon herab verbindet sich Glied mit Glied. Vergleiche mich nicht mit solchen; ich liege anbetend vor solcher Grösse. Du wirst nun wieder einen Widerspruch darin sehen, dass ich sagte: "Die Materie hat an sich keine Macht über den Geist "und dann, dass durch die derbe Hülle der Materie im Geistleben errungene Klarheit getrübt werden könne ". Und doch ist solcher Widerspruch nur scheinbar. Die Materie zieht den Geist nicht herunter und hindert nicht seinen geistigen Aufschwung; denn der Geist vermag in ihr jedes seiner Talente zu verwerthen, jede seiner Kräfte zu stählen. Wenn er die Materie abgestreift und sieht, was er sich durch seine Verbindung mit dieser Dienerin erworben, wird er erkennen, dass auch über die Materie, die eine Folge seines Sündenfalles, die belebende Hand seines Gottes gegangen und sie für ihn zum Heilmittel verwandelt hat. Wenn ich aber sagte, dass die Materie früher errungene Klarheit trübt, so wies ich damit auf das Gesetz hin, dass der Geist bei seiner Inkarnation jede Erinnerung niederlege und früher Erworbenes nicht mehr in früherer Klarheit vor ihm steht, sondern nur als Ahnung, als Sehnsucht, als Intuition in ihm erwacht, um von Neuem zu bewusster Klarheit ausgebildet zu werden. Du ziehst zu scharfe Grenzen um den winzigen Lebens-bruchtheil: Menschenleben. Da diese Grenzen thatsächlich nicht bestehen und Dich an der Erkenntniss von manchem hindern, was Du Deines ehrlichen Strebens gemäss erkennen könntest, so möchte ich diese Grenzen aufheben, indem ich Dich auf die grosse einheitliche Aufgabe des Geistes hinweise, der in Nichts durch das Menschenkleid geändert oder gehemmt wird. Unser Thema ist allerdings die Wechselwirkung zwischen Geist und Materie im Menschen; Du wirst aber eine Wirkung nie verstehen, wenn Du nicht auf deren Ursache zurück und auf deren Folge weitergehst. Will der Botaniker eine Pflanze erkennen, so zerlegt er nicht nur ein Stückchen des Stammes zu Fasern, sondern er betrachtet auch Wurzel, Blüthe und Frucht. Ich verlange nicht, dass Du mir auf alle Stufen geistiger Entwicklung bis zum Erreichen der Geistvollkommenheit folgen sollst; denn dies ver-möchtest Du ja gar nicht; aber ich verlange, dass Du ein so weites Feld überblickst, als Dir eben möglich. Als Du in die Inkarnation kamst, lieber Bernhard, warst Du ein stürmischer Geist, und als Du jung gewesen, da hast Du im Vollgefühle Deiner Kraft Dich (das heisst Deinen Geist) zu sehr mit Deinem Körper identifizirt. Du hast diesem dadurch eine Macht ver-liehen, die Du jetzt noch als solche empfindest. Nun suchst Du ein geistiger Mensch zu sein; empfindest aber noch als Fessel das, was Du selbst zur Fessel gemacht, und da ich Dein ehrliches Streben sah, wollte ich Dir helfen, indem ich Dir sagte: "Das, was Dir so wichtig dünkt, hat keine Macht an sich. "Der Kampf mit Windmühlen mag ja auch die Muskeln des Armes stärken; aber Windmühlen sind an sich keine gefährlichen Dinge. Ich freue mich ja Deines Kampfes und möchte ihn Dir erleichtern; ich sagte Dir schon einmal, dass ich Dir meinen Frieden und meine Freude geben möchte. Ich vermag mich nicht auf Deinen Standpunkt zu stellen und dem eine Macht einzuräumen, was an sich todt und machtlos ist, obschon Du es noch als Macht empfindest; aber Du vermagst Dich auf meinen Standpunkt zu stellen, wenn auch nicht heute, so doch morgen denn auch ich bin gefallener Geist, wie Du, und gleiches Streben, gleich ehrliches Ringen vereint die Brüder. -Natürlich muss der Geist der Materie entwachsen und ohne Kraftanstrengung ist dies nicht möglich; der geistige Fortschritt aber ist die Anstrengung für den tiefgefallenen Geist, die Befreiung von der Materie nur die Folge davon. Verwundbar, lieber Bernhard, wird der Geist durch seinen Fall, selbst wenn er nicht so tief gefallen, dass er der Verbindung mit Euerer Materie bedarf. Durch seinen Fall (und wenn er auch nur einen Schritt vom Wege abgewichen) begiebt er sich in den Einflusskreis des Bösen, die Rüstung ist ihm abgefallen, die Pfeile des Bösen, das heisst sein Einfluss ist ihm fühlbar und demselben schwer zu widerstehen. Von der leisen Einwirkung des Bösen auf den nur wenig gefallenen Geist bis zu dem im Augenblicke überwältigendem mächtigen Einfluss des tiefgefallenen Geistes auf den tiefgefallenen Geist in Form der Besessenheit, -ist eine lange Kette. Suche diese, soweit Dir möglich ist, zu überblicken, statt Dein Auge nur an einem Gliede haften zu lassen, in der irrthümlichen Ansicht, dass Du dadurch dieses Glied gründlich erkennen wirst. Gottes Gesetze und deren Wirkungen sind so unendlich gross, dass auch Ihr gross sein müsst, wollt Ihr sie nur annähernd erfassen. Verschieden ist die Form der Lehre, lieber Bernhard, je nachdem ich dieselbe an einen tiefgesunkenen oder etwas ent-wickelteren Geist richte. An Euch Menschen kann ich nicht ganz dieselben Worte richten, als an meine Geistbrüder, die mit mir auf gleicher Entwicklungsstufe sind. Es liegt darin kein Mangel an Wahrheit, oder auch nur an Aufrichtigkeit meinerseits. Jede Wahrheit, die durch einen höher entwickelten Geist zur Belehrung eines weniger entwickelten Bruders zum Ausdrucke gelangt, muss in eine Form gebracht werden, die es diesem möglich macht, sie anzunehmen. Was ich in meiner Lehre an Antonius nur andeuten konnte, weil mehr als eine Andeutung zwecklos gewesen wäre, das kann ich Dir gegenüber weiter aus-führen. Wenn ich ihm sagte: "Trunksucht ist nicht ein physisches Uebel allein, sondern verthiert den Geist ", so weise ich ja eben damit auf die Wechselwirkung zwischen Geist und Materie hin; in meiner Lehre an Dich möchte ich weitergehend auf die Ursache dieser Wechselwirkung deuten. Ein tiefgesunkener Geist hat, als Folge seiner tiefen Stufe, das Bedürfniss, seine niederen Gelüste im Menschenkleide zum Ausdruck zu bringen. Giebt er dieser Versuchung nach und befriedigt er das, was er als Bedürfniss empfindet, so verthiert er seinen Geist noch mehr. Dieser Geist hat als Folge seiner tiefen Stufe seiner Materie wirkliche Macht über sich verliehen, und je öfter er den Ver-suchungen nachgiebt, desto mehr verliert er seine Geistfreiheit, desto mehr empfindet er als zwingende Macht, was an sich keine Macht wäre, wenn nicht die niedere Stufe des Geistes sie dazu gemacht. Der Herr ist eben zum Schatten geworden, der Schatten zum Herrn, wie in Euerem Märchen. Je höher der Geist, desto weniger Macht verleiht er dieser Materie. Der Herr ist wieder Herr, der Schatten Schatten und das Verhältniss ein durchaus richtiges, wahres, gottgewolltes, statt ein durch die niedere Stufe des Geistes verschobenes, unrichtiges zu sein. Ich sagte nie, dass der Körper eine völlig freie Schöpfung des Geistes ist. Vollkommene Freiheit ist dem Geiste, welcher der Schule der Materie bedarf, verloren und muss er stets den Menschentypus jener Welt, der ihn seine geistige Stufe zuführt, tragen. Natürlich ist er in der Wahl des Materiales auf jenes beschränkt, was seinem eigenen Werthe entspricht. Ich nannte daher den Körper nur den Ausdruck des Geistes. Die Wechsel-wirkung zwischen Geist und Materie besteht ja; aber die Macht der Materie auf den Geist besteht nicht an sich, sondern ist eine ihr durch den Geist verliehene und die früher errungene Stufe des Geistes ist es, welche die Grenzen dieser Macht bestimmt. Ich würde daher nie einem verthierten Menschen sagen, die Materie sei keine Macht an sich, denn er steht ja im Augen-blicke im Banne dieser Macht, welche seine niedere Stufe der Materie verliehen, und ist ganz unfähig, über diesen Augenblick hinauszuschauen. Doch das, was er sieht und empfindet, ändert ja die Thatsache nicht. Gerade die Thatsache, dass ein höher entwickelter Geist die Macht der Materie nicht empfindet, beweist, dass dieselbe an sich nicht besteht. Wie wäre es sonst möglich, dass er sie nicht empfindet, da doch die Materie die gleiche ist? Je höher entwickelt der Geist, desto wahrer ist sein Empfinden. Die Unterschiede der Entwicklungsstufen der Geister bedingen den Unterschied ihrer Empfindungen; doch ändern sie nicht die Thatsachen, und allein die erreichte Vollkommenheit des Geistes bedingt die vollkommen richtige Empfindung einer Thatsache. Du meinst, die Seele sei das Kampffeld, auf das der Geist gestellt worden ist, Du meinst, er müsse sich die Seele er-obern und identifiziren? Die Seele ist ja nichts als der Aus-druck der fluidischen Hülle des Geistes, sie ist weder Schlacht-feld, noch eine mit Bewusstsein begabte Individualität, noch ein Feind, den sich der Geist unterthan machen muss, indem er ihr seine Ueberlegenheit zeigt. Sie ist die Hülle, die sich dem Geist anschmiegt; je höher der Geist entwickelt ist, desto leichter und vergeistigter ist seine Hülle. Sie kann gar nichts anderes sein, als sein Ausdruck, sein Spiegelbild. Im Menschen ist sie das nothwendige Bindeglied zwischen Geist und Materie, ohne welches sich der Geist nicht durch die Materie äussern könnte. Sie ist stets identifizirt mit dem Geiste, indem sie ja nur seine Atmo-sphäre, sein Dunstkreis, seine Ausstrahlung ist. Mit dem Kampffelde, auf das der Geist gestellt worden ist, meinte ich weit Grösseres. Es schliesst alle Unvollkommenheiten des Geistes ein, die sich durch seinen Fall gewissermassen krystallisirt haben, sowie alle gottgegebenen Gelegenheiten seines Fortschrittes, in welcher Gestalt sie sich auch immer zeigen. Er hat dieses Kampffeld erst erobert, wenn er seine Vollkommen-heit erreicht hat und er verlässt es nicht, wenn er das Menschen-kleid dieser oder jener Welt um sich wirft. Ich habe hier nur wieder grosse Contouren hingeworfen, wo Du ausführliche Detailmalerei verlangtest; aber ich kann nicht anders. Zuerst muss die grosse Contour richtig sein, bevor eine Detailausführung möglich wird. Habe daher Geduld, lieber Bernhard, mit mir und mit Dir und mit der langsamen Offen-barung göttlicher Gesetze. Frage: 66. Der Astralleib. Die Theosophie nimmt für den Menschen neben dem physischen Leibe einen geistigen Leib mit geistigen Sinnen, den Astral-körper an. Dieser sei die geistige, den physischen Gesetzen nicht unterworfene, in ihren Wirkungen weder an unsere Raum-und Zeitanschauungen, noch an die irdische Hülle gebundene, den Tod überdauernde Wurzel unseres Ichs, das Produkt der organi-sirenden Thätigkeit unseres Geistes. Antwort: Christus spricht von einem inneren Lichtleibe des Menschen; auch Paulus unterscheidet einen natürlichen und einen geistigen Leib. Die Spirits sagen uns von Lichterscheinungen: "Das sind unsere Lichter ", materialisiren sich oft in Lichtgestalt. Somnam-bule reden von Lichtorganen der Seele, sehen die Nerven der Menschen leuchtend, ihren Magnetiseur im Lichtscheine. Wir bitten Dich um Aufklärung über diesen inneren Licht-theil oder geistigen Leib des Menschen, der wohl nach dem Ver-luste des derbmateriellen Leibes, die Hülle des Geistes in dessen, dem Erdenleben folgenden Stadium bilden wird? Ihr sollt die Umrisse oder Grundzüge jener Wahrheit er-halten, die in jeder Einzelheit zu erfassen, allein Euere erreichte Vollkommenheit Euch fähig machen kann. Gott, der Urgeist, hat als Folge seines Seins, als äusseres, dem unvollkommenen Geiste sichtbares Zeichen Seines Lebens, das gleichbedeutend ist mit Ausstrahlung oder Bewegung, eine Hülle, die Urlicht genannt werden kann. Hülle ist wohl nicht das richtige Wort für die Ausstrahlung Gottes; Euerer Sprache fehlt das Wort, weil Euerer Entwicklungsstufe der Begriff dafür fehlt. Die Sprache ist die Erscheinungsform der Begriffe und folglich sich, wie diese, entwickelnd. Jeder gottgeschaffene Geist ist Lebenskern und folglich Be-wegung; der Entwicklungsstufe des Geistes ist die durch seine Entwicklungskraft gebildete Hülle angepasst. Dieselbe wird den Geist ewig umgeben, in der Vollendung des Geistes ihre Vollendung in Schönheit, sowie Vollendung ihrer elementaren Substanz (Euerer Sprache fehlt wieder das genauer bezeichnende Wort) erhalten. Diese Hülle könnt Ihr nun Seele, Astralleib, Lichtleib oder geistigen Leib nennen; dem gereiften Geiste ist das ein Begriff. Dieser geistige Leib ermöglicht dem Geiste die Verbindung mit der Materie und bedingt diese Verbindung, wenn er sich durch Frage: den Fall so verdichtet hat, dass er sich nur durch die Ver-bindung mit noch gröberer Materie wieder zu ursprünglicher Reinheit klären kann. Dieser geistige Leib ist es, der sich wieder mit der Materie verdichtend, die sogenannten Materialisations-erscheinungen ermöglicht. Ein Geist, der sich materialisirt, muss Mensch gewesen sein, während ein Geist, dessen Verkehr mit einem Menschen darin besteht, dass er mit seiner Empfindungs-welt jene des inkarnirten Geistes durchglüht, überwältigt und sich dadurch kundgiebt, nicht in der derben Menschenhülle gelebt haben muss. Ich weiss, dass diese Identifizirung von Seele und Astral-leib Dein Kopfschütteln und eine Reihe von Fragen hervorrufen wird. Ich möchte Dir nur vorerst zu bedenken geben, dass Gott eine Einheit und wir im Erreichen unseres Zieles, der Verbindung mit Gott, Einheiten werden müssen. Wie denkst Du Dir solche Einheiten, wenn Geist und Seele eigenes, getrenntes Leben und Bewusstsein haben? Fällt der Geist, so verdichtet sich als Folge die Seele; hat sie sich zu so derber Materie verdichtet, dass sie sich mit der noch derberen Materie der Menschform identifizirt, so hat der Geist eine harte Arbeit, diese Verdichtung wieder zur ursprüng-lichen Reinheit umzuarbeiten; aber abstreifen kann er diese Hülle nie. Sie war klar, als er fiel und verdichtete sich als Folge; sie ist verdichtet, wenn er zuerst wieder den Impuls des Aufwärts-strebens empfindet und vergeistigt oder klärt sich als Folge der Bethätigung dieses Impulses. 67. Die Seele als Lebensprinzip und Astralleib. Ich habe aus Deinen Kundgebungen gelernt, nicht an vor-gefassten Meinungen festzuhalten, sondern mich willig jeder besseren Erkenntniss, wie sie mir vielfach durch Dich zu Theil geworden, hinzugeben. So widerstrebe ich nicht nur der Iden-tifizirung von Seele und Astralleib nicht, sondern finde für die-selbe in meinem beschränkten Begriffsvermögen manche Anhalts-punkte. Der Name thut ja nichts zur Sache und die Funktionen der Seele und des Astralleibes, fallen dem Geiste gegenüber, vielfach zusammen. Nur darin kann ich mich nicht zurechtfinden, dass Du sowohl Astralleib, als auch Lebensprinzip "Seele "nennst. Du sagst in Deiner vorstehenden Kundgebung vom Astralleibe: "Der Entwicklungsstufe des Geistes ist die durch seine Entwicklungskraft gebildete Hülle angepasst. Dieselbe wird den Geist ewig umgeben. Diese Hülle könnt Ihr nun Seele oder Astral-leib nennen. Dieser geistige Leib ermöglicht dem Geiste die Verbindung mit der Materie und bedingt diese Verbindung, wenn er sich durch den Fall des Geistes so verdichtet hat. "In Deiner Kundgebung "Lebensprinzip und Complement " (II, Nr. 23, Seite 65 ), nennst Du den latenten Geist, so lange er in den Fesseln der von anderen Welten ausgeworfenen Materie liegt, "Lebensprinzip oder Seele ". Die Materie ist dem Lebens-prinzip zu seiner Fortbildung nöthig. In der kurzen Skizze der Schöpfung (II, Nr. 18, Seite 49) sagst Du: "Aus den Folgen der Schöpfungskraft der gefallenen Geister bildete sich ein zweites Lebendige und dies sekundäre Leben, das sich in unfreier Ent-wicklungsnothwendigkeit aus der Materie durch die Stufen des Mineralien-, Pflanzen-und Thierreiches bildet, nennen wir "Lebens-prinzip ". Die Vollkommenheit seiner Wesenheit ist Elementar-geist oder Elementarseele. Der Geist der Materie wird zu Gott getragen, der ihn zur Anfangsstufe von reinem Geiste umwandelt, umgestaltet. Das Lebensprinzip entwickelt sich aus der Materie und bildet deren lebendiges Kleid, die Wohnstätten der Geister präparirend. Lebensprinzip und Astralleib, beide Seele genannt, sollten hiernach identisch sein; doch ist der Astralleib, durch die Be-wegungskraft des Geistes gebildet, die ihn ewig umgebende Hülle, das Lebensprinzip dagegen entwickelt sich aus der Materie und bildet deren lebendiges Kleid. Wie kann ich zum Einklange dieser Aussprüche gelangen? Antwort: Bruchstücke der Wahrheit sind immer in Einklang zu bringen, wenn Ihr durch Euere geistige Entwicklung einen immer weiteren Blick in die unendliche Gesetzeswelt Gottes bekommt. Ihr müsst den prinzipiellen Unterschied zwischen Geist und Lebensprinzip festhalten, der darin liegt, dass die Entwicklungs-folge des Lebensprinzipes dieses nicht zu Geist machen kann ohne die direkte Einwirkung Gottes. Denn anders ist die elemen-tare Substanz des Lebensprinzipes und die des gottgeschaffenen Geistes, und die Umbildung dieser elementaren Substanz, die sie an die Anfangsstufen höheren, das heisst anderen Lebens stellt, ist ein Frage: Schöpfungsakt Gottes. Das geläuterte, alle Entwicklungsstufen seiner Wesenheit durchgemacht habende Lebensprinzip ist eine Lebenswelle, die aufwärtsfluthend, als Folge ihrer höchstmög-lichsten Entwicklung von dem schöpferischen Willen Gottes indi-vidualisirt, in ihrem Elemente durch die Verbindung mit göttlicher Substanz zu Geist wird mit jenen Eigenschaften, die allein im Geiste liegen: Liebe, Freiheit, Weisheit, mit der Entwicklungs-fähigkeit bis zur Vollkommenheit. Deine letzte Frage, lieber Bernhard, bezog sich auf die Seele oder den Astralleib des Menschen. Anderer Wesenheit ist die Seele oder der Lichtleib des Menschen, oder besser gesagt, des Geistes; anderer Wesenheit die Seele oder das Leben, das, in niederer Materie liegend, diese vor dem Verfalle, vor der Auf-lösung in Nichts bewahrt. Die Seele des Geistes ist dessen Folge. Was ist, hat eine Folge; also ist Geist ohne Seelengewand undenkbar. Die Seele oder das Leben in niederer Materie ist deren Erhaltungsbedingung. Darin liegt eben die Möglichkeit der Vergeistigung der Materie. Das Leben, das in der niederen Materie liegt, um diese zu erhalten und so die Wohnstätten ge-fallener Geister präparirend, entwickelt sich in der Unfreiheit, wird umgebildet zu anderer Wesenheit und folglich zu anderer, höchster Entwicklungsfähigkeit. Gefallene, wie gesetzlich rein geistige Bahnen nie verlassen habende Geister streben ihrem Ziele zu, die Kraftwelle höchster Güter schwillt und schwillt, und immer mächtiger ist deren Einfluss auf werdendes Leben. So zehrt die Kraft des Gesetzes die Kraft des Gegensatzes auf, und es wird eine Zeit kommen, wo es keinen Gegensatz mehr gibt; denn nicht nur der einzelne Geist, sondern die ganze Schöpfung Gottes wird licht werden. Die Zeiten, da dieses Ziel erreicht wird, können wir Geister nicht bemessen; der noch nicht erreichten Vollkommenheit fehlen solche Begriffe; doch wir wissen, dass einst alle Finsterniss im Lichte untergegangen sein wird und wir streben mit der ganzen Kraft unserer erreichten Stufe, Lichtträger zu sein. 68. Vergeistigung der Materie, Entmaterialisirung. Die Vergeistigung der Materie ist mir noch niemals so klar geworden, wie durch Deine Kundgebung 66 über den Astralleib Seite 179, welcher sich, durch den Fall des Geistes zu derber Antwort: Materie verdichtet, mit der noch derberen Materie der Menschen-form identifizirt, vom Geiste aber mit dem ersten Impulse zum Aufwärtsstreben und dessen Bethätigung geklärt und in harter Arbeit zur ursprünglichen Reinheit umgearbeitet wird. Im Bilde betrachtet, zieht der richtig geleitete Geist, dem Baume gleich, von Oben durch seine Zweige und Blätter das für das wahre Leben der Seele und durch dieselbe auch das für den Körper erforderliche Element an. Der gesunde Geist hat einen gesunden Körper. Mens sana in corpore sano In der Verbindung des Geistes mit dem Körper, der Wurzel des Baumes, zieht dieser mit Hilfe des feineren Elementes eine das geistige Leben nährende Kraft von unten an. In dieser Weise "wandelten in längstver-gangenen Zeiten "Einige mit Gott, wie in dem alten Testamente (Genesis Kap. V) berichtet wird und sie lebten über 900 Jahre lang, wie Adam, Seth, Enos, Kenon, Mahalabel, Jarod, Methusalem. Im VI. Kapitel der Genesis, Vers 3, aber lesen wir: "Die Menschen wollen sich meinen Geist nicht mehr strafen lassen (ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist ), denn sie sind Fleisch. Ich will ihnen noch Frist geben hundert und zwanzig Jahre. "Viele Jahrhunderte später wurde geschrieben, dass des Menschen Grenze sechzig und zehn Jahre sei, weil er noch weiter von der höchsten Macht abgefallen war, sich mehr auf materielle und weniger auf geistige Hilfe verliess. Grössere Vergeistigung schliesst also für den Geist höhere Macht ein, das Physische zu beherrschen, zu erneuern, zu erhalten. Ein relativ so vollkommenes Leben, wie das von Henoch war, bewirkt eine Dematerialisation des physischen Körpers; dieser entschwindet dem physischen Blicke seiner Umgebung. Werden mit zunehmender Vergeistigung unseres Geschlechtes solche Dematerialisationen an die Stelle des Todes des physischen Körpers treten? Es freut mich, lieber Bernhard, dass Dir die Vergeistigung der Materie durch meine Mittheilung über die Wesenheit des Astralleibes oder der Seele klar geworden. Die Vergeistigung der Materie ist ein göttliches Gesetz und diese zu verstehen, Aufgabe des in der Entwicklung fortschreitenden Menschen-geschlechtes. Die Erzählungen des alten Testamentes müsst Ihr nun nicht wörtlich nehmen; es sind Gleichnisse und Bilder, Zukünftiges und Vergangenes unklar vermischend. Ihr müsst Euch die Grundzüge der Wahrheit, wie sie sich Euch in der Lehre der Entwicklung des Lebens, in der erst durch den Geisterfall ent-standenen derben Materie offenbaren, nicht verwischen lassen. Euere kleine Erde entstand nach denselben Gesetzen, wie alle materiellen Welten und war zuerst die Heimstätte niederen Lebens (Lebensprinzipes ), dann in vorgeschichtlichen Zeiten, von denen jede Spur durch mächtige elementarische Ereignisse, wie das Auswerfen Eures kleinen Mondes, verwischt wurde, die Heim-stätte ganz tief gefallener Geister in Form von Thiermenschen und wurde endlich zur Heimstätte von Geistern Euerer Art in den unzähligen Schattirungen von Besser und Schlechter, Ent-wickelter und Unentwickelter, wie sie in jeder, eine Welt be-wohnenden Geistgruppe enthalten sind. Vor einigen tausend Erdenjahren, denn ob 3000 oder 6000 macht in der Entwicklung einer Welt wenig Unterschied, waren die Menschen nicht auf einer Höhe der Entwicklung, dass sie, wie die Bibel berichtet, mit Gott sprechen, dass sie Beherrscher jener Elementargewalten und materiellen Gesetze waren, und sie auch zu Herrschern über ihren menschlichen Körper machte, so dass sie diesen Jahr-hunderte erhalten und schliesslich entmaterialisiren konnten. Der Tod, wie er heute noch auf Euerer Erde stattfindet, ist die Folge derbmateriellen Lebens; dieses Leben muss bestimmte Stufen der Vergeistigung durchgemacht haben, ehe es, statt durch die enge, schmale Pforte der Todesqualen, über das sonnige, blumige Feld der Entmaterialisation von einer Lebensform in die andere treten kann. Johannes sagt in seinen Offenbarungen: "Und der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. "Der letzte Feind ist gleichbedeutend mit der Folge derbmateriellen Lebens, das eine Folge tiefen Geistfalles ist. Zuerst hebt sich nach göttlichen Gesetzen die Ursache auf, dann klingt leise verhallend die Wirkung aus. Das Leben in Menschenform ist immer eine Fessel für den Geist, selbst wenn er auf einer halbmateriellen Welt sich seiner wahren Wesenheit bewusst bleibt und keine engen, dunkeln, schauerigen Pforten, wie sie Geburt und Tod auf einer derb-materiellen Welt sind, zu durchschreiten hat. Der vorgeschrittene Geist, der eine klare Aufgabe vor sich sieht und in ganzer Selbstlosigkeit gut zu Ende führen will, wird sich einen gesunden Körper zu deren Erfüllung formen; Ihr werdet in den Augen solcher Menschen geistige wie physische Frage: Gesundheit schauen können; doch ist es nicht eine Folge der geistigen Entwicklung des Menschenlebens einer Welt, dass sich dasselbe Jahrhunderte lang erhalte, denn der Wunsch darnach ist in wahrhaft durchgeistigten Wesen erstorben. Jede materielle Form ist Fessel; je entwickelter der Geist, desto mehr empfindet er diese Fesseln, sehnt sich nach der vollendeten Freiheit in dem materielosen Lichtkreise vollendeter Liebe. Zugvögel sind wir belehrende Geister und Ihr seid in Menschenform lernende Geister und unsere Sehnsucht geht nicht dahin, den kurzen nor-dischen Sommer, der von Stürmen durchzogen und von Weh ' durchklungen ist, zu verlängern, sondern sie trägt uns in Licht-gefilde, die Stürme und Unbefriedigtsein nicht kennen. Die Herrschaft über materielle Gesetze ist noch nicht die höchste Freiheit; diese aber streben wir an, denn sie allein kann die Gottesschaffung, den vollendeten Geist, befriedigen. 69. Die Todesstrafe und das Tödten von Thieren. Wie beurtheilst Du die auf Erden noch vielfach in An-wendung stehende Todesstrafe? Entziehen wir durch deren Voll-zug dem Verbrecher nicht die Möglichkeit, seine Schuld im irdischen Dasein zu sühnen? Auch bitten wir Dich, uns zu sagen, ob Du den Menschen für berechtigt hältst, Thiere zu tödten, wie dies nicht nur in der Nothwehr und zur Deckung der mensch-lichen Lebensbedürfnisse geschieht, sondern auch als Jagdleiden-schaft vielfach in Uebung ist? Antwort: Die Todesstrafe, wie sie jetzt noch auf Erden nach Eueren Gesetzen vollzogen wird, ist der Entwicklungsstufe Euerer Welt ganz homogen. Sie ist bis jetzt gut, das heisst auch nach höheren Gesetzen, als die Eueren, gesetzlich; doch wenn die Menschheit durchgeistigter geworden sein wird, dann wird auch die Todes-strafe aufhören, gut, gesetzlich und homogen zu sein. Jedes Bildungsmittel hat seine Zeit; wenn der Geist niederer Lehre entwächst, so tritt er als Folge in den Wirkungskreis höherer Lehre ein. Für den sehr niederen Geist eines Mörders ist die Todesstrafe eine Hilfe, denn er sieht dieser Strafe selten entgegen ohne Reue, ohne tiefes Nachdenken über seine That und deren Folgen. Den Tod vor Augen zu haben, giebt ihm den Impuls zu diesem Nachdenken, ein Streiflicht der Erkenntniss wird in seinem Geiste geweckt und bleibt demselben erhalten, wenn der Frage: Körper abgestreift. Lebenslängliches Gefängniss wirkt nur in seltenen Fällen gleich heilsam auf den Geist. Je tiefer dieser, desto mehr bedarf er der Erschütterung spontan wirkender Ge-rechtigkeit, wie sie seiner Erkenntniss verständlich. Je höher der Geist, desto mehr vermag er in der Erkenntniss höherer Ge-setze zu ruhen. Er hat warten gelernt und bedarf nicht rascher, sichtbarer Wirkung der Gesetze, um von diesen überzeugt zu werden. Wer den Geist begriffen, bedarf keiner Erscheinungsform. Wenn der Mensch Thiere tödtet, so vernichtet er ja nur eine Erscheinungsform des Lebensprinzipes und dieses bildet sich dann neue Formen. Das Leben könnt Ihr nicht vernichten. So Euch aber die Erscheinungsform nützlich und nothwendig ist, so seid Ihr gerechtfertigt, das, was die Erde trägt, zu Euerem Nutzen zu verwenden. Ein durchgeistigter, sensitiver Mensch wird immer vor dem Akt der Tödtung zurückschrecken, wenn nicht Noth-wehr oder Mitleid ihn gebieten. Die Jagdleidenschaft als solche ist verwerflich. Wie kann ein geistig hochstehender Mensch stunden-und tagelang sein Denken und Wünschen auf das Tödten eines Thieres beschränken? Der unsterbliche Geist, der seine Vollkommenheit zu erringen hat, sollte Besseres zu thun wissen. 70. Die zwei Gedächtnisse im Menschen. Wie ist der Vorgang zu erklären, dass der Geist bei jeder neuen Inkarnation die Erinnerung an die Präexistenzen verliert? Ist das, was Prantice Mülford in "Yom forces and how to use them ", Band III, über die zwei Gedächtnisse des Menschen sagt, und namentlich die folgende Stelle des Werkes richtig? "Ihr bringt das geistige Gedächtniss mit auf die Welt oder Euer Geist bringt es vielmehr mit jeder neuen Inkarnation in die Stufe des Erdenlebens. Er bringt die in seinem letzten physischen Leben, wie in allen früheren Leben gesammelte Wesenheit oder Weisheit mit, nicht aber die Erinnerung an alle Ereignisse, Einzelheiten und Erfahrungen, aus welchen diese Weisheit gesammelt wurde. Euer Geist behielt die Erinnerung an sein letztes physisches Leben bis oder nahezu bis zum Zeit-punkte Euerer gegenwärtigen Inkarnation. Aber mit dem neuen Körper stellte sich auch sein neues physisches Organ des Ge-dächtnisses, dessen photographische Platte für die Aufnahme der physischen Eindrücke, ein und dieser Platte konnten nur die Scenen, Ereignisse und Umgebungen Fueres jetzigen physischen Daseins aufgedrückt werden. "Antwort: Gewiss hat ein Geist auf Euerer Stufe, das heisst ein noch unentwickelter, noch nicht einfach gewordener Geist, zwei Ge-dächtnisse. Verbindet sich der Geist in der Inkarnation mit der Materie, so müssen ihm die Ereignisse, die nun auch an den Menschen herantreten, durch den Eindruck in sein Gehirn zum Bewusstsein kommen. Das physische Gedächtniss der letzten Inkarnation ist dadurch natürlich verloren; der Mensch würde auch keinen Gewinn davon haben, die kleinen irdischen Ereig-nisse derselben zu wissen. Der geistige Gesammtwerth aber, das heisst das Ergebniss seiner mehr oder minder gut ausgenützten Vergangen-heit ist sein Eigen; er bringt jene Weisheit, jene Güte, jene Intuition oder Wahrheitsempfindung in sein Menschenleben, die er sich errungen und die ihm folglich kein äusseres Ereigniss, wie eine Inkarnation, sondern nur ein Fall zeitweilig trüben kann. Die Ereignisse des Erdenlebens haben ihr Spiegelbild im geistigen Elemente; so bleibt, wenn die photographische Platte des Menschengedächtnisses durch Krankheit oder den Tod vernichtet wird, dem Geiste das Bild der Ereignisse doch erhalten. Aber nur eine bestimmte Stufe des Geistes ermöglicht es ihm, diese Bilder zu schauen und zu verstehen. Wenn Ihr also ein geistiges, von dem physischen getrenntes Gedächtniss annehmt, so habt Ihr Recht; doch nicht der Tod ist es, der Euch den vollen Schatz des geistigen Gedächtnisses erschliesst, und nicht die Inkarnation als solche ist es, die undurchdringliche Schleier über diese Bilder zieht. Aus den verschiedenen Kundgebungen von Geistern, die so häufig die Möglichkeit einer Ré -Inkarnation leugnen, seht Ihr, dass nicht der Eintritt in das Geistleben dem Geiste die Stufenleiter seiner Vergangenheit sichtbar macht. Inkarnirt sich aber ein voll-kommener Geist, wie Christus, auf Euerer Erde, so bleibt das geistige Gedächtniss ungetrübt. Er steht über dem Gesetze materieller Welten und bedarf der Materie einer photographischen Platte nicht, um Ereignisse in sein Bewusstsein zu bringen. Seinem geistigen Blicke ist Zukunft wie Vergangenheit offen. Sehr kurzsichtig und kleinlich ist es, wenn Menschen sagen: "Was nutzt mir ein Vorleben, von dem ich nichts weiss? "Alles, was an Euch herantritt, hat nur den einen Werth für Euch, dass es Euch entwickelt, weiser, klarer, edler macht. Alles, was Ihr seid, das kommt zum Durchbruche, sowohl durch die Lichtschleier der Seele, wie durch die derbe Hülle der Materie. Zu wissen, wie Ihr in der letzten Inkarnation geheissen und gelebt, hat wenig Werth. Das ewig als Euer Eigen zu behalten, was die Gelegenheiten zum Fortschritte, die in jeder Inkarnation (das heisst in jedem Lebensabschnitte, sei er nun rein geistiger oder halb-materieller Natur) für Euch liegen, an Euerem geistigen Werthe erhöht haben, das ist das Wichtige, das ist die Hauptsache. Durch Euer geistiges Wachsthum sollt Ihr Klarheit bekommen, nicht durch Euch aufgedrungene kleine Bilder forcirtes Wachsthum er-halten; das ist ein ewiges Gesetz, in der ewigen Freiheit der Geistschaffung Gottes wurzelnd. Versteht mich recht, wenn ich von ewiger Freiheit rede. Euere Freiheit macht es Euch möglich, Euch selbst zu Sklaven zu machen; doch Gottes Gesetze zwingen den Geist nicht, sie leiten ihn nur. Wenn sie den strebenden Geist über die Grenze der Gesetze im Fluge hinaufgetragen in das Lichtmeer vollendeter Liebe, die jede andere Vollendung in sich einschliesst, so seid Ihr, über den Gesetzen stehend, die Herrscher jener Kräfte, die Euere Leiter und Träger gewesen. 71. Gedankenleben der Menschen (spontan). Du meinst, mein Schützling, Du willst auch selbständig danken? Kind, mit der Selbständigkeit eines Erdenmenschen ist es ein precäres Ding. Die Menschen sind alle mehr oder weniger dem Geistereinflusse ausgesetzt, und wohl dem Menschen, der durch Anstrengen all ' seiner Kräfte des Willens und der Sehn-sucht (in der Erscheinungsform der That) reine Geister anzieht und es ihnen möglich macht, ihre Gedanken immer klarer in sein Bewusstsein zu bringen. Es ist der Fehler der meisten Menschen, dass sie sich in Extremen bewegen. Entweder leugnen sie die Geistereinwirkung auf Euer Gedankenleben, oder sie wollen die Gedanken, wenn nicht ausschliesslich, so doch hauptsächlich einer fremden Quelle zuschreiben. Auch Euere spontanen wie ange-flogen kommenden Gedanken sind nicht ausschliesslich fremder Quelle zuzuschreiben. Eine Erkenntniss kann Euch urplötzlich werden, indem sie lediglich das Ergebniss einer erreichten Stufe ist. Ihr möget jahrelang gearbeitet haben an Euerer Entwicklung, Ihr habt endlich die Stufe erreicht, die eine gewisse Erkenntniss Euch möglich macht, Ihr habt die Bedingungen dazu erfüllt, -Frage: vielleicht langsam, mühsam; doch sind sie einmal erfüllt, flammt urplötzlich das Licht der Erkenntniss empor. Erkenntniss ist immer Errungenes, nie Gegebenes. Hat Euer sich empor-strebender Geist in den Lichtkreis einer Erkenntniss geschwungen, so kann er selbst durch einen spontanen Gedanken, den er in's Menschenbewusstsein ausklingen lässt, Zeugniss ablegen von seiner Errungenschaft. Ziehet nie zu enge Grenzen, sagt nie von Dingen, die sich Euerem vollkommenen Ergründen verschliessen: "Das Eine schliesst das Andere aus ". Ihr könnt das Ineinandergreifen der Gesetze Gottes nicht ermessen; kommende Jahrhunderte werden sie der Menschheit immer klarer machen und dadurch den Fehler immer mehr ausschliessen, dem, was sich Euch Euerer Unvoll-kommenheit wegen in unfertigen Contouren zeigt, zu enge Grenzen zu ziehen. 72. Quelle neuer Gedanken. Es durchzucken unser Gehirn manchmal blitzartig Gedanken, welche nicht Folge eines äusseren Sinnes -Eindruckes sind, die uns aber so fremd, unserem bewussten Wesen und Wollen so heterogen, peinlich und abstossend sind, dass wir deren Quelle nicht in der eigenen Seele, nicht im Unbewussten suchen und finden zu können glauben. Stammen solche in unser Bewusstsein tretende wie angeflogen kommende Gedanken ausnahmslos aus der eigenen Seele oder können sie nicht vielmehr Eingebungen, Versuchungen unentwickelter niederer Geister sein? Antwort: Ich sagte Euch bereits, dass Ihr mit dem Geisterreiche verwoben und verbunden seid und Euere eigenen Erfahrungen könnten Euch dies beweisen. Aus dem Geisterreiche kommend und wieder dahin zurückkehrend, seid Ihr während der kurzen Dauer Eueres Menschenlebens doch nicht getrennt von ihm. Euer Gehirn ist ein Instrument, auf dem Geister, sowohl höherer als niederer Stufe, wie Ihr selbst, Töne hervorbringen, die Ihr Gedanken nennt. Ebenso häufig, als Schlechtes, dem Euer eigener Geist schon entwachsen ist, als Gedanke in Euer Bewusstsein tritt, eben so oft durchzuckt Euch ein hoher, leuchtender Gedanke, den Ihr als Gegebenes zu verstehen fähig seid und an dem Ihr Euch emporzuringen vermögt, den Ihr aber noch nicht im Stande seid, aus Euerem schon Errungenen zu entwickeln. Die Menschen erkennen im Allgemeinen freilich leichter, dass sie dem Niederen entwachsen sind, als dass sie des wirklich Hohen noch nicht fähig sind. Frage: Es ist Euch immer noch das Gesetz nicht lebendig und gegenwärtig genug, dass Ihr Theile eines Ganzen seid. Zwischen Geist und Geist von den niedersten bis zu den höchsten Stufen -besteht eine Wechselwirkung. Indem ein hoher Geist Dir einen Gedanken giebt, den Du noch fassen und verstehen kannst, und der Dir durch Dein Verständniss zur geistigen Nahrung wird, durch welche Dein Geist an Kraft gewinnt, -indem ein hoher Geist Dir Solches giebt, hat er seiner Aufgabe gemäss gehandelt, von seinem Lichte weiterzugeben, dem ringenden Bruder zu helfen. Solche Geistesblitze durchzucken die ganze Menschheit; je nach dem Boden, auf den sie fallen, zünden oder erlöschen sie. Anders die Gaben der niederen Geistbrüder. Keiner kann anderes geben, als seiner Wesenheit nach; doch nur in der Art sind die Gaben verschieden, dasselbe Gesetz bedingt sie Beide. Und wieder je nach dem Boden, auf den sie fällt wird die Fackel zünden oder erlöschen, wird die Saat keimen oder verdorren. Denn Euer bleibt der freie Wille und die Thatkraft, Eueren Geist empfänglich zu machen für höhere oder niedere Botschaft. Der Höhere ist immer berufen, dem Niederen zu helfen. Erkennt Ihr, dass Ihr auf höherer Stufe steht, als die Quelle eines in Euerem Gehirn Euch bewusst werdenden Gedankens, so weiset diesen ab, erhebt Eueren Geist zu Hohem und Reinem und sendet die bindende, in ihren Wirkungen von Euch noch unergründete Kraft des starken Willens hinaus, den armen Bruder, der Euch mit dem schmutzigen Wasser seiner Wesenheit bespülte, zu überschütten mit dem reinen klaren Wasser Euerer Nächsten-liebe, Euerer Erkenntniss des Gesetzes, nach welchem Ihr Alle berufen seid, einer dem anderen zu helfen, zu dienen im Menschen-kleide wie im Geisterreiche. Denn Sünde und Materie und wie all ' die durch die Unvollkommenheit entstandenen Grenzen heissen, trennen nicht so weit, wie die ewige, alles durchdringende, einmal von Allen verstandene Liebe vereint. 73. Der Gedanke. Gedankenlesen. Anknüpfend an das in vorstehender Kundgebung über den Gedanken Gesagte, stellten wir die folgende Der menschliche Gedanke ist eine Wesenheit, eine Substanz, eine wirkliche Kraft, so wirklich, wie Wasser, Metall, ein Telegraphendraht, wie Luft oder ein anderes unsichtbares Element, von dem uns die Chemie Kenntniss giebt. Unser unsichtbarer und unausgesprochener Gedanke entströmt uns stets, als ein eben so wirkliches Element und eine Kraft, wie der Wasserstrom, den wir sehen, oder wie der elektrische Strom, den wir nicht sehen. Gedanken fliessen in Strömungen, verbinden sich mit den Gedanken Anderer und in dieser Verbindung und Vermischung von Gedanken-substanz, wie sie von Geist zu Geist strömt, werden neue Gedanken geboren. Der Gedanke geht zu der Person, Sache oder Oertlichkeit hin, auf die er gerichtet ist. Der Geist sendet mit jedem Gedanken einen feinen elektrischen Strahl aus, giebt damit einen Theil seiner Kraft und Lebensfähigkeit aus, und der Gedanke erreicht sein Ziel, gleichviel ob es sechs Fuss oder Tausende von Meilen vom Körper entfernt ist Was wir denken, sind wir im Geiste und führen es im Geiste aus. Unser Geist ist ein Gedankenbündel; woran wir meistens denken, das ist unser Geist. Der Geist giebt fort-während Gedanken oder Kraft aus, und ist alsdann positiv; oder er nimmt Gedanken -Element oder Kraft von irgend welcher Beschaffenheit auf, und ist dann empfänglich oder negativ. Wir sind Theile eines Ganzen und es besteht eine Wechselwirkung zwischen Geist und Geist von den niedersten bis zu den höchsten Stufen. Es ist von höchster Wichtigkeit, welches Gedanken-Element Euch zuströmt, wenn Ihr im negativen oder aufnehmenden Zustande seid, da Ihr dann ein unbewusst aufsaugender Schwamm seid. Es giebt aber eben so giftige Gedanken -Atmosphären, wie es schädliche Gase oder Miasmen gibt. Passende Verbindungen sind eine der grössten wirkenden Kräfte zur Erzielung von Fortschritten, Erfolgen, Gesundheit und Glück. Wir sind aber buchstäblich den Personen am engsten verbunden, an welche wir am meisten denken, wie sie auch 10000 Meilen weit entfernt sind. Intelligenz, Gedanke, Wille und Geist bedeuten ungefähr dasselbe. Der gesammelte Geist ist stark, wenn seine Kräfte, seine Gedanken concentrirt sind. Ein starker Gedanke ist derselbe, wie fester Wille. Ein schlechter Gedanke ist ein Pulsschlag, welcher Myriaden von Organismen mit Schmerz durchzuckt; der gute Gedanke hat die gleiche Wirkung, zur Freude anzuregen. Der Gedanke oder das Element des Wohlwollens hat die grössere Macht, kann den Gedanken der Feindschaft abwenden und unschädlich machen. Der Geist zieht Alles an, auf was er seine Gedanken richtet, er ist magnetisch. Jeder Geist bildet sich selbst zu seinem eigenthümlichen Charakter, zu der Beschaffenheit seiner ? Antwort: Gedanken aus. Es giebt keine Teufel, ausser den schlecht angewandten Geisteskräften; diese aber haben grosse Kraft, uns zu bedrängen und zu peinigen. Der vorherrschende Geisteszustand oder der Charakter der Gedanken gestaltet den Körper und die Gesichtszüge, bestimmt unsere Geberden, unseren Gang und die Haltung, macht uns für Andere anziehend oder abstossend. Darum ist jeder unserer Gedanken von wesentlicher Bedeutung für die Gesundheit und den wirklichen Erfolg. Auch der unausgesprochene, beharrliche, zuversichtliche Gedanke zieht die nothwendigen Hilfs-kräfte für jeden geistigen Fortschritt, wie für materielle Erfolge an; die geistige Kraft bewirkt sie. Der Gedanke ist Nahrung für den Geist, wie das Brod für den Körper. Der alte Gedanke ist altbackene Substanz, welche den Geist nicht genügend ernährt; der neue Gedanke ist neues Leben. "Wir bitten Dich uns über die Wahrheit in diesen Aus-sprüchen von Prantice Mulford in seinem Werke: "Your forces and how to use them ", Volume I und III belehren zu wollen und anschliessend an dieselben den Vorgang der Gedankenüber-tragung oder des Gedankenlesens, welche geistige Fähigkeit in unseren Tagen bei einer überraschend grossen Anzahl von Menschen zu Tage tritt, in seinem Grundzuge zu erklären? Viel Nebensächliches von dem, was Mulford sagt, ist richtig; doch in der Hauptsache irrt er, indem er Ursache und Wirkung verwechselt. Der vollkommene Geist ist einfach, ist eine ein-heitliche Kraft, daran haltet fest. Mulford sagt: "Was wir denken, sind wir im Geiste und führen es im Geiste aus "; während wir thatsächlich das denken, was wir im Geiste sind. Der Gedanke ist eine Ausströmung des Geistes und ist der Werth des Gedankens folglich dem Werthe des Geistes entsprechend. Der Gedanke ist also eine Substanz, ein Element und ist ewig, wie das Leben selbst; alle ewigen Gesetze sind wirkende Ge-danken Gottes. Doch wenn Mulford sagt, dass in der Verbindung und Vermischung von Gedankensubstanz, wie sie von Geist zu Geist strömt, neue Gedanken geboren werden, so ist dies so unklar gesagt, dass es zu ganz irrthümlichen Anschauungen führen kann. Jeder gottgeschaffene Geist ist denkfähig, das heisst er strömt fortwährend von seiner Erkenntniss, welche seinen Interessen-kreis bildet, die Gedankensubstanz aus, durchfluthet den fluidischen Kreis, der jeden Geist und jeden Menschen umgiebt und überträgt so die Individualität des Geistes auch in die ihn umgebende atmosphärische Hülle. Die Individualität eines Geistes ist ewig, wie dieser selbst und muss daher in allem, was ihn umgiebt, zum Durchbruche kommen. Entmaterialisirte Geister erkennen sich; ihnen ist die Gedankensubstanz des Bruders der Spiegel seiner Wesenheit, und wenn in dieser Substanz Reales, Wahrheiten ent-halten sind, die noch nicht aus seiner eigenen Quelle, als Folge seiner Erkenntnissstufe, geflossen sind, so vermischt er diese Substanz mit der eigenen und es werden in ihm neue Gedanken entstehen, als Folge der Verbindung seiner Wesenheitsstu Tesenheitsstufe mit den Ausströmungen oder Gedanken anderer Wesenheit. Natürlich ist der Geist, der Gedanken ausstrahlt, positiv, jener, der die Ge-danken annimmt, negativ; doch ist in diesem Sinne jeder Geist zugleich positiv und negativ, denn jeder strahlt die Gedanken seiner Wesenheit aus und nimmt fortwährend die Gedanken anderer Wesenheiten an, theils um sie in die eigene Erkenntniss aufzu-nehmen und sie sich zu eigen zu machen (welche Gedanken er dann, mit den Elementen seiner Individualität vermischt, wieder ausstrahlt) theils um sie in der Erkenntniss ihres Unwerthes auszustossen. Doch lassen sich nur Gedankensubstanzen von elementarer Aehnlichkeit also vermischen; der schmutzige Ge-danke des niederen Geistes kann sich gesetzlich nicht mehr mit dem Elemente des Hochstehenden vermischen. Schleudert der niedere Geist solche Gedankensubstanz dem Hochstehenden entgegen, wenn sich dieser ihm zur Hilfeleistung oder in der Verbindung mit dem Erdenkleide nähert, so wird das niedere Gedanken-element nur die Intelligenz des Hochstehenden streifen, doch kann keine Vermischung, kein Anhaften stattfinden. Ebenso-wenig kann der hohe Gedanke des vollkommenen Geistes das Eigenthum des Tiefstehenden werden, da die Vermischung solcher Elemente ungesetzlich. Deshalb ist die Hilfeleistung eines Geistes an gewisse Sphären gebunden; graduell verschieden dürfen die Geister sein, prinzipielle oder elementare Verschiedenheit schliesst direkte Hilfeleistung aus. Die Parabel des Thurmbaues von Babel weist darauf hin. In den Zeiten, da die Geister noch unentwickelt, aber nicht gefallen waren, verband sie eine Sprache, das heisst eine Gedanken-substanz; der Fall einerseits und die Vervollkommnung anderer-seits verwandelt das Gedankenelement und es entstehen ver. schiedene Sprachen. Das Wort, wie der Mensch es bedarf, um dem Nebenmenschen seine Gedanken klar zu machen, ist eine Materialisation des Gedankens. Er bedarf solcher Hülle, um vom inkarnirten Geist geschaut zu werden; doch ist eine Hülle immerhin ein Ding, das die Klarheit der verhüllten Form verwischt. Wenn Mülford sagt: "Passende Gedankenverbindungen sind eine der grössten wirkenden Kräfte zur Erzielung von Fortschritten, Erfolgen, Gesundheit, Glück ", so ist dies wieder so unklar, dass es zu ganz unrichtigen Anschauungen führen kann. Der Fortschritt des Geistes hat als alleinige Ursache dessen guten starken Willen. In der Bethätigung dieses Willens, der sich zur Sehnsucht steigert, wachsen die wahren Kräfte des Geistes, wie Erkenntniss, Selbstlosigkeit, Liebe; in der wachsenden Erkennt-niss wird der Geist von den ihn umgebenden Gedankensub-stanzen Anderer das nehmen, was zu seiner Nahrung, zu seinem Fortschritte dient; -nicht in der Verbindung liegt die wirkende Kraft, sondern die Erkenntniss des Geistes, was zu seinem wahren Wohle ist, leitet die Assimilirung der Dinge, deren er bedarf. Der frei geschaffene Geist, der seine Freiheit zur Vollkommenheit ent-wickelt, ist nicht wie eine unfreie Pflanze, auf die Regen und Sonnenschein fällt. Die Bedingungen zu seinem Fortschritte sind da, die Gelegenheiten sind ihm gegeben; doch sein Wille ist es, der sie annimmt, der sie mehr oder weniger voll ausnützt. Jeder hochstehende Geist wird vor Allem die Freiheit des Bruders wahren und ihm nichts aufzwingen, wonach er nicht verlangend die Hände ausstreckt. Ein grosser Fehler tiefstehender Geister ist es, dass sie sich noch gegenseitig den kleinen Rest der Frei-heit, den ihr tiefer Fall ihnen noch gelassen, nehmen wollen. Christus rief: "Wer Ohren hat zu hören, der höre ", und nur wo Er den Geist erkannte, der sich zu dem Zwecke, sich ihm näher zu verbinden, inkarnirte, sprach Er: "Folge mir. "Was ist übrigens im irdischen Leben Erfolg, Gesundheit, Glück? Dasselbe Wort enthält ja tausenderlei Begriffe, je nach der Entwicklungsstufe derer, die es aussprechen. Der Erfolg und das Glück nach dem Begriffe des Durchschnitts -Erdenmenschen sind nicht Folge einer Gedankenvermischung, sondern das Ergebniss der Präexistenzen. Hat ein Geist so wenig wahre Erkenntniss, dass er Nebensache und Hauptsache nicht klar unterscheidet, hat er noch so wenig wahre Kraft, dass er nicht fähig ist, zum Wohle Anderer eigenem Glücke zu entsagen, so wird er sich vielleicht in seiner begrenzten Freiheit eine Inkar-nation wählen, in der er irdischen Erfolg und irdisches Glück geniesst. Hat aber ein Geist sein wahres Ich und seinen wahren Zweck erkannt, so sind ihm irdische Freuden so nebensächlich, dass er gar nicht im Stande wäre, die ganze Kraft seines Wollens und der Gedanken -Concentration auf solche Zwecke zu richten, da er ein besseres Ziel erkannt hat, welchem er mit dem ganzen sehnsüchtigen Verlangen seines Geistes entgegenstrebt. Er wird den Blumen auf dem Erdenpfade nicht aus dem Wege gehen, er wird die Strahlen irdischer Sonnen auch dankbar auffangen; doch wenn sein Weg steinig und dunkel wird, so wird er sagen: "Vater, lasse jenen irdische Blumen blühen, die ohne dies Gleich-niss die Schönheit des ewigen Geistlebens nicht schauen können, lasse denen das Licht irdischer Sonnen leuchten, die eine Spiegelung solchen Lichtes brauchen, um das Licht höchster Liebe glauben zu können; ich weiss, dass Du die eine grosse Liebe bist und dass ich Liebe werde. "So wandelt solcher Geist durch's Erdenleben, ewige Geistesblumen in der Hand und allen Jenen gebend, die das Gleichniss erkannt, und die, noch im Leben der Materie stehend, Verlangen nach ewigem Leben empfinden. Ich denke, was ich eben gesagt, muss Euch das Irrthümliche folgender Sätze zeigen: "Jeder Geist bildet sich selbst zu der Beschaffenheit seiner Gedanken aus "und "Es giebt keine Teufel ausser den schlecht angewandten Geisteskräften; diese aber haben grosse Kraft zu bedrängen und zu peinigen. "Tiefstehende Geister wenden ihre Kraft schlecht an; doch ist nicht die Geistkraft der Teufel, sondern der Geist selbst kann zu so tiefer Stufe herabsinken, dass die Ausstrahlung seiner Wesenheit in Wille, Gedanke und That gegensätzlich und folglich schädlich ist. Doch auch der Gegensatz ist eingeschlossen in die allumfassenden Gesetze Gottes und dem Felde seines schädlichen Wirkens sind enge Grenzen gezogen. Wenn Mulford sagt, der vorherrschende Geisteszustand oder der Charakter der Gedanken gestaltet den Körper, die Gesichts-züge u. s. w., so muss er vorausschicken: "Der Geist schafft sich seinen Zustand oder seine geistige Stufe und seine Gedankenwelt ist nur ein Ergebniss seines wahren Seins. "Das Gedankenlesen der Menschen geschieht nach denselben Gesetzen, wie das der entmaterialisirten Geister. Es ist die primäre Sprache der Geistschaffung, eine Sprache, die zwischen Aehnlichem nie aufgehört hat, zu bestehen. Das geistige Auge des Menschen sieht die Gedankensubstanz, das geistige Ohr des Frage: Menschen hört die Gedankensprache, und wenn das Verständniss dieser alten, neuen Sprache auch kein vollständiges, so wird es doch in der geistigen Entwicklung der Erde immer vollständiger werden. Auch da gelten dieselben Gesetze, dass nur Aehnliches sich ganz durchschaut, der Niedere aber die Sprache des Hoch-stehenden nicht fassen kann. Es giebt viele Menschen, deren Gedanken unklar verschwommen sind; solch ' unklare Sprache ist natürlich für den gedankenlesenden Menschen schwer zu ver-stehen. Es giebt auch Menschen, deren fluidische Hüllen so verschieden sind, dass sie sich nicht vermischen und folglich ein Gedankenlesen ausgeschlossen ist. In dem Maasse der Entwicklung des Geistes entwickeln sich seine Kräfte, die darin liegen, dass er die Gesetze Gottes erkennt und in der Erkenntniss und Assimilirung ewiger Gesetze zum Herrscher in der Welt der niederen Gesetze wird. Dies ist ein Ergebniss; doch wenn der Geist diese Stufe der Entwicklung erreicht hat, wird er kein Verlangen fühlen, sein Herrscherthum zu bethätigen, sondern seine verlangende Sehnsucht wird ihn in immer höhere Gesetzeskreise tragen, bis er in den innersten Lichtkreis gedrungen und in der verstandenen, allen Gesetzen überstehenden Gottesliebe seine Befriedigung, seine Seligkeit gefunden hat. 74. Der Ursprung der Sprache. Die Entwicklung ist das auf allen Gebieten des Schöpfungs-planes allgemein geltende Gesetz, mit welchem die Annahme nicht in Einklang zu bringen ist, dass unsere ersten Voreltern die Sprache durch unmittelbare Eingebung fertig empfangen haben sollen. Die Verbindung von Geist und Sprache erscheint aber eine so wesentliche für den Menschen zu sein, weil diese die Materialisation des Gedanken -Elementes, welches den Geistern als unmittelbare Brücke gegenseitigen Verständnisses dient, zum Worte ist. Wie der Fall einen Theil der Geisterwelt in die Verdichtung ihres Astralleibes, in die Materie gezwungen hat, so bedingte er auch für die Verbindung von Geist und Materie, für den Menschen, die Materialisation der Geistersprache. Ist nun dem Menschen die Befähigung zur Sprachenbildung und Entwicklung gegeben worden und leitete er aus den Wurzeln der Sprache, aus den Formen für ursprüngliche Begriffe, deren Provenienz auch die Wissenschaft nicht kennt, allmählig den ganzen Reichthum und Umfang der Sprache ab, oder waren deren kleine Anfänge in die niedere Natur, in die Thierwelt, gelegt, um aus ganz materieller Grundlage in eine geistige Richtung hineinzuwachsen? Letzteres scheint Henry Drummond in seinem Werke: "The Ascent of Man "Fußnote.) anzunehmen, da er schon den Signal-dienst der in Herden lebenden Thiere, wie die Bewegungen und den Schrei des Rothwildes, das Grüssen der Ameisen mit den Fühlhörnern und in höherem Grade die Laute, wie das Wiehern des Pferdes, das Blöcken des Lammes, die 4 bis 5 Veränderungen im Hunde -Gebell und die 6 verschiedenen Into--nationen, welche der Affe hervorbringt, -Sprache nennt. Sucht er ja selbst den Ursprung der Beredsamkeit und des höchsten Aufschwunges im Worte nur in den Stimmen des Waldes, in den Thätigkeiten eines Ameisenhaufens ! Der Uebergang von den Zeichen-, Geberde-und Laut -Sprachen zur artikulirten Sprache soll dem Menschen, nach Drummond, erst dann möglich geworden sein, als sein Zahnlade -Bogen, die Gaumenfläche und seine Zunge die hierzu erforderlichen Ver-änderungen erfahren hatten. Der Mensch sei erst durch seinen ausgebildeten Organismus zum förderlichen Instrumente für die Sprache gemacht worden. Drummond behauptet, die Entwicklung der ursprünglichen und erblichen Zeichen-, Geberden-und Lautsprache der Menschheit sei durch Nachahmung entstanden, wie es heute noch die Zeichen-Sprache des Taubstummen, die Geberdensprache des wilden Mannes, sowie des Kindes bezeuge; Bewegungen und Laute seien natürlich aus eigenem Antriebe kommend Worte dagegen erfunden, verabredet, das Sprechen eine freie Kunst, die gelernt sein müsse. -Nachdem Drummond also den Ursprung der Sprache aus rein materiellen Vorgängen abgeleitet, geht er zu deren weiterer Entwicklung in geistiger Richtung über, wobei er die gleiche Stufenleiter zu Grunde legt. So ist ihm der Telegraph: Zeichen-sprache, das Telephon: Lautsprache. Und er weist auf die Tele-pathie als den nächsten Schritt in der Entwicklung der Sprache hin, welche weder Gedanken-noch Muskellesen bedeute, sondern Fußnote.) Lowell Lectures bei Hoddes, London 1894. Antwort: die Fähigkeit eines Geistes sei, einen Anderen in einem Wege zu beeindrucken, der von dem der Sinne abweicht. "So sind wir vom Brüllen des Löwen bis zum Geflüster einer Seele, von den eisigen Schranken des Raumes zu inniger Nähe des Athem-zuges gekommen. "Die Entwicklung des Instrumentes ging Hand in Hand mit der Function. Diese lag in der Natur; ihre Aus-übung und Vervollkommnung wurde aber so lange verzögert, bis das Instrument dafür fertig und reif war. Das Ziel der Sprachenentwicklung: die Vergeistigung ist beiden Anschauungen gemeinsam; die Wege zu demselben gehen in ihnen auseinander. Welcher ist der richtige? Der Begriff "Sprache "ist wie alles, was seinen Ursprung im Geistigen hat, durch den Geisterfall aber in die enge Grenze materiellen Lebens eingezwängt ist und durch den Fortschritt, die Entwicklung niederen Lebens zu höherem, seinem Ursprunge wieder näher gebracht wird, ein unendlich grosser, einheitlicher. Sprache ist der Ausdruck, dessen sich ein Wesen bedient, um sich dem Bruderwesen verständlich zu machen; die Wesenheits-stufe der mit einander Verkehrenden bedingt also die Art der jeweiligen Sprache. Jede Thiergattung hat ihre Sprache: bestimmte Laute und Zeichen, welche die wenigen Begriffe dieser Thiere ihrer Gattung verständlich machen. Als Thiermenschen zuerst Euere Erde bevölkerten, war ihre Sprache noch der Ausdruck ihrer Begriffe. Soweit diese den Begriffen der sie umgebenden Thierwelt gleichkamen, haben sie auch ähnliche Laute und Zeichen dem Bruderwesen begreiflich gemacht. Ist doch auf der heutigen Entwicklungsstufe der Erde das Gebrüll roher Menschen in sinn-lichem Zorn dem Gebrülle wilder Thiere weit ähnlicher, wie dem Wohlklange der Stimme eines edlen Menschen. Wo aber die Begriffe jene der Thierwelt überragten, formte die wachsende Intelligenz des Menschen Worte zur Aeusserung dieser neuen Begriffe. Die Worte wurden nicht durch die Bildung des Gaumens verursacht, sondern waren nur die gesetzliche Erscheinungsform jener Begriffe und Gedanken, die der Entwicklungsstufe der fort-schreitenden Geister eigen waren. Dass die Art des Lautes von der materiellen Bildung des Geschöpfes abhängt, ist ja selbst-verständlich; doch nicht die Bildung des Gaumens verursachte die Sprache und Sprachen des Erdenmenschen, sondern eine be-stimmte geistige Entwicklung erforderte ein Werkzeug, das die Gedanken des belebenden Geistes zum Ausdruck zu bringen ver mochte und der Wille des Geistes, verbunden mit seiner Intelligenz formte sich eben das Werkzeug, dessen er bedurfte. Jede Er-scheinungsform ist bedingt durch die Entwicklung des Lebens das dieser Form zu Grunde liegt. Was für Euere derben Sinne Laut und Schall ist, ist ein Ding, welches, durch die Dichtigkeit Euerer derben Atmosphäre bedingt, im Laufe der fortschreitenden Zeiten aufhören muss. Doch wird Euer geistiges Ohr Aether-schwingungen vernehmen, welche die Sprache des All's genannt werden können, Euer geistiges Ohr und Auge wird in jedem Brudergeiste Das vernehmen und schauen, was dieser Brudergeist ist, was seine Wesenheit und Individualität ausmacht. Das ist eine noch geistigere ursprünglichere Sprache, als das Gedanken-lesen. Denn die Gedanken sind nur das Ergebniss eines gewissen Theiles des Geistlebens, während jenes Schauen und Hören ein Durchdringen des Gesammtlebens des Geistes ist. Wie die Spektral-analyse die Sprache ist, die Euch die Beschaffenheit einer fernen Welt offenbart, ohne Euch jedoch Aufschluss über das Leben zu geben, welches auf ihr eine gewisse Reife erlangen muss, so giebt Euch das Gedankenlesen ein Verständniss für die Art und Wesenheit des Geistes, ohne Euch diesen ganz zu offenbaren. Diese Sprache zu führen und zu verstehen, erfordert aber die höchste Entwicklung des Geistes und ist ein Ergebniss jener voll-endeten Wahrheit, die nun im Lichtkreise der Vollkommenheit dem Geiste eigen werden kann. Es ist dies die Sphäre, in welcher der Geist in keinerlei Grenzen mehr eingeengt zu werden braucht, da seine Wesenheitsvollendung die Sprache der Gottesliebe ver-steht und in dem Wirkungskreise dieser mächtigsten Anziehungs-und Erhaltungskraft alle andern Kräfte für den Geist die Wirkung verlieren. So wird er gesetzlich zum Beherrscher aller Kräfte und hat damit die vollendete Freiheit gefunden. Die erste Verdichtung zu dieser Ewigkeitssprache ist das Gedankenlesen, welches die Sprache vorangeschrittener Geister ist und im Laufe der fortschreitenden Zeit auch die Sprache Euerer Erde sein wird, jene Weltsprache, welche nach Regeln der Grammatik zu schaffen, Ihr Euch vergeblich bemüht. Der Gedanke des unvollendeten, wenn auch hochentwickelten Geistes wird theils durch die Offenbarung vollendeter oder auch nur höher entwickelter Geister angeregt und durch die Folgerung des Geistes selbst ausgebildet. Es sind daher Irrthümer in der Ge-dankenwelt solcher Geister nicht ausgeschlossen und das Gedanken- Frage: lesen zeigt dem Brudergeiste den Kreis dessen, was er beherrscht und was er sich zusammenstellt, statt die ganze Wesenheit des Geistes zu offenbaren. Je nach der minderen Entwicklung der Geister durch alle Stufen halb-oder ganzmaterieller Welten hinab, erleidet die Sprache immer mehr Verdichtungen und Unzuläng-lichkeiten, bis sie im Schrei der Thiere die engste Grenze, die derbste Erscheinungsform erreicht. 75. Das Mitleid. Das Mitleid, eine Gesetzeswirkung der einen grossen ewigen Liebe ist aus der geistigen Welt in unser irdisches Dasein hinein-getragen; jeder Mensch ist naturnothwendig Träger des Mitleids, welches uns befähigt, die physischen und seelischen Leiden unserer Mitmenschen, ja aller Geistbrüder, zu theilen, und uns antreibt, sie zu lindern und zu heben. Das Leiden, Folge der Schuld, ist durch Gottes Gnade deren Sühne geworden, es vergeistigt den zur Erkenntniss erwachten Menschen, läutert und entwickelt ihn. Greifen wir nun durch thatsächlich geübtes Mitleid, welches materieller Noth und dem Elende abzuhelfen, von physischem Leiden zu befreien vermag, durch welches wir die irdische Existenz eines Menschen umzugestalten streben, nicht häufig hemmend in dessen geistigen Sühne -Läuterungs-und Entwicklungsprozess ein? Wir machen oft die Erfahrung, dass in Menschen, deren Erdenloos wir zu erleichtern und zu verbessern im Stande waren, Habsucht, Eigennutz, Egoismus und andere niedere Triebe zur Herrschaft kommen, dass sie sich ihren erwachenden Leiden-schaften hingeben, nicht veredeln, sondern in Undank verhärten. Die Bitterkeit solcher Enttäuschungen kann selbst auf unsere Hilfsbereitschaft lähmend einwirken. Wo liegt nun bei unserer beschränkten Einsicht die Grenze für die Anderen entgegengebrachte, mitleidsvolle Hilfe, damit wir dieselben nicht in der Wirkung des Leides auf ihre geistige Entwicklung schädigen? Antwort: Die grösste, alles Leben durchdringende und erhaltende Kraft ist die Liebe. Die Liebe, die der Geist seiner Entwicklungs-stufe gemäss besitzen kann, zu erhöhen, zu vergeistigen, zu be-thätigen, ist seine vornehmste Aufgabe. Je nach der Erkenntniss des Geistes wird er dieser Aufgabe mehr oder weniger gerecht werden. Der Geist, der dem Brudergeiste im Menschenkleide zu helfen sucht, muss vor Allem dessen wahre Bedürfnisse er-kennen und muss dem Geiste zu helfen suchen, indem er dessen getrübte Erkenntniss, was Lebenszweck und Endziel ist, zu klären sucht, indem er ihm die Ursache des Leidens, eigene Schuld und die alle Menschen gleich überströmende Gnade Gottes in dem Gesetze der Tilgung der Schuld durch eigene Arbeit, erläutert und durch das weitere Gesetz der Solidarität der Geister, klar zu machen sucht. Wenn nun aber ein Mensch, der alle seine irdischen Bedürf-nisse befriedigen kann, dem Hungernden und Frierenden von den Gesetzen Gottes spricht, so wird der arme Bruder sich dabei der Gedanken an ein Stück Brod und warme Kleider nicht erwehren können. Ist ein Mensch durch schwere Leiden, die er in ihren Ursachen und Folgen nicht verstehen kann, in die dunkle Empfindungswelt der Bitterkeit und der Verzweiflung herabgedrückt, so müsst Ihr ihn durch die Kraft der ihm ver-ständlichen Liebe, in der Form materieller Hilfsbereitschaft, aus dieser dunkeln Empfindungswelt herausheben, ehe er im Stande sein wird, grössere Güter von Euch anzunehmen und festzuhalten. Je nach der Reife des Geistes ist die Grenze seiner Erkenntniss mehr oder weniger eng gezogen, ist die Art der Arbeit, die er zu leisten vermag, mehr oder weniger derbmateriell. Zu verstehen, wie weit der Bruder Euch zu folgen vermag, zu erkennen, welche Art von Arbeit er zu leisten vermag, sind wichtige Faktoren in dem Maasse wahrer Hilfe, die Ihr demselben bieten könnt. Ist der arme Bruder auf sehr niederer Stufe, so ist Enthaltsamkeit von grober Sünde, etwas Liebe für die ihm Nächststehenden und leidlich gute Ausführung einer derbmateriellen Arbeit Alles, was Ihr von ihm verlangen könnt. Als "Religion "wird ein vager Begriff, dass das Böse bestraft und das Gute belohnt wird und dass es seine Pflicht ist, den Formen seiner Religion (die er mit dieser selbst identifizirt) nachzukommen, Alles sein, was dieser Mensch zu seiner geistigen Nahrung bedarf. Wenn Ihr ihm von Pflicht und Gott und Tugend redet, lasst Euere Definition so einfach sein, dass er sie ganz zu fassen im Stande ist und verwirrt ihn nicht durch den Hinweis auf rein Geistiges, das er wirklich aufzunehmen nicht fähig ist. Geräth ein solcher Bruder in irdische Noth, so wehrt, wenn es in Euerer Macht ist, das Uebermass derselben ab, das bei ihm Verzweiflung und Bitterkeit hervorrufen würde; denn diese lähmen noch völlig das kleine Maass von Kraft und Erkenntniss, das ihm auf seiner Stufe geblieben ist. Das Gesetz, das die ganze gefallene und unentwickelte Geisterwelt einschliesst und dem sich die vollendeten Geister in ihrer Erkenntniss der Solidarität aller Geistbrüder unterstellen, ist Arbeit. Die Arbeit, die eigenen Fehler zu bekämpfen, die Tugenden, die schon im Geiste erwacht sind, zu entwickeln und sich jene anzueignen, von denen ihm seine Erkenntniss sagt, dass sie ihm noch fremd sind; die Arbeit, die Bedürfnisse der Brüder zu erkennen und nach Kräften zu befriedigen; die Arbeit, diese Kräfte zu erkennen und ihnen nicht zu enge Grenzen zu stecken; die Arbeit, die Gesetzeswelt Gottes zu erkennen und Licht mit Licht zu verbinden, indem der Mensch den eigenen Willen den Wirkungen dieser Gesetze anschmiegt und vereint; die Arbeit, eigene Vollendung zu erreichen und dann den ganzen mächtigen Licht-und Kraft -Strom seiner Wesenheit in den erkannten Gottesdienst zu stellen: das ist Aufgabe des gottgeschaffenen Geistes. Auf niederen Welten, wie Euere Erde ist, wird der wahre Begriff "Arbeit "wenigen Wesen klar; sie muss mehr oder weniger derbmateriell sein, soll sie vor dem Kriterium der Menschheit bestehen. Doch Ihr, die Ihr das Geistige anstrebt, erkennt, dass zu arbeiten auch dem tief-stehenden Geiste ein Bedürfniss, eine Nothwendigkeit zu seinem Fortschritte ist und gebt dem Bruder Arbeit nach der Art, die er zu leisten im Stande ist, so viel Ihr es vermögt. Das ist die materielle Hilfe, die Ihr stets und immer dem Bruder geben dürft. Könnt Ihr ihn dabei auf die Wahrheit hinweisen, dass der Fortschritt seines Geistes in der Entwicklung alles Guten in ihm seine vornehmste Arbeit, materielle Arbeit nur die Ver-dichtung eines geistigen Gesetzes ist, so habt Ihr dem Manne geholfen, die Verbindung zwischen Materiellem und Geistigem zu erkennen und die Morgenröthe solcher Erkenntniss wird ihm den neuen Tag geistiger Arbeit verkünden. Du sagst, dass das Leiden eigener Schuld Folge und durch die Gnade Gottes deren Sühne und fragst, ob wir nicht durch Heben solcher Leiden hemmend in den geistigen Sühne -Prozess eingreifen? Diese Frage lässt sich nicht mit Ja oder Nein beant-worten. Die Erkenntniss der Individualität Eueres Bruders muss sie Euch in jedem individuellen Falle beantworten. Gott, die eine grosse Liebe, will nicht das Leiden seiner Geistkinder; diese selbst sind die Schöpfer ihrer Leiden. Leiden ist Folge des Verlassens gottbestimmter Gesetze. Schmiegt sich der Geist diesen Gesetzen wieder an, so erlischt die Folge seiner Sünde. Du darfst dem leidenden Geiste so viel Liebe zeigen, als Du nur vermagst; durch wahre Liebe wird dem Brudergeiste nie geschadet. Wenn der Brudergeist in der Leidensform physischer Schmerzen und Entbehrungen liegt, so muss Deine Liebe diese Form zu lindern suchen, um sich ihm auch ganz verständlich zu machen. Schaffst Du dem Bruder durch solches Zeigen Deiner Liebe eine Erleichterung, ein Lächeln der Freude, so hinderst Du dadurch nicht die Wirkungen des Gesetzes der Sühne; vermagst Du ihm aber zu helfen, dieses Gesetz zu verstehen, die Liebe und Grösse seines Gottes auch nur ahnend zu erfassen, so hilfst Du ihm, die Gesetzeswelt der Sühne rascher zu durchschreiten und sich in höhere Gesetzeswelten zu erheben. Du musst nur Acht haben, dass er Dich auch verstehe und dass Du ihn verstehst. Dem trägen, hungernden Menschen durch Geschenke den Hunger zu stillen, wäre ein Fehler Deinerseits; denn eben dieser Hunger soll ihn zwingen, die eigenen Schultern an die grosse Last der Arbeit zu legen, die auf der ganzen sich emporringenden Geisterwelt liegt. Viele Menschen haben, was Ihr ein verfehltes, ruinirtes Leben nennt; es ist dies Folge von Fehlern, die sie in einer Präexistenz hätten ablegen können und nicht abgelegt haben. Solche Menschen erkennen ihre Fehler erst, wenn sie schwer unter deren Folgen zu leiden haben; deshalb lässt das läuternde, emporführende Gesetz Gottes die Folgen solcher Fehler schwer auf den Menschen ruhen; denn ohne Erkenntniss giebt es keinen Fortschritt und ohne Fortschritt keine Befriedigung für den Geist. Ihr aber bleibt stets eingedenk, dass solche Menschen sich nur durch Fehlerverschiebungen von Euch unterscheiden und bleibt liebevoll und hilfsbereit in dem klaren Bewusstsein, was solche wahre Hilfe von Euch fordert: Euere mitleidsvolle Liebe für den Bruder und die Erkenntniss, wie weit Ihr materiell in sein Leben eingreifen dürft, um materielle und geistige Hilfe zu ermöglichen. Bedenkt, ob nicht etwa unerkannte Fehler in Euch ruhen, die Ihr Euerer Stufe gemäss wohl erkennen könntet und die für Euch nach gleichem Gesetze gleich schwere Folgen haben werden. Was aber die Enttäuschungen betrifft, die Ihr hilfsbereite Menschen stets und immer erfahren werdet, so lasst Euere klare Erkenntniss der Stufe Euerer Welt, des langsamen Fortschrittes tiefgefallener Geister Euch die Erklärung geben, dass Bewohner solcher Welten nicht anders können, als straucheln, fallen und sich wieder erheben. Habt Ihr daher einem Menschen nach bestem Wissen und Gewissen festen Boden unter die Füsse gelegt und verlässt er ihn wieder, um im Sumpfe zu waten, so lasst Euch doch durch den Fehler solch ' armen Bruders nicht in den Fehler der minder warmen Hilfsbereitschaft hineinziehen. Muss den auf Euerer Welt immer der Fehler des Einen den Fehler des Anderen zur Folge haben? Wenn Ihr in denselben verfallet, so war Euere Hilfsbereitschaft nicht vollkommen; sie wollte den Erfolg ihrer Bemühung sehen, vielleicht gar, Euch selbst halb unbewusst, die Anerkennung der Menschen haben: "Seht, wie gut dieser Mensch ist, und seht, wie klug er zu helfen vermag ! Leute, denen er die Hand reicht, erreichen festen Boden und verlassen diesen nicht mehr. "Vollkommene Hilfsbereitschaft bleibt sich stets gleich, weil sie nicht mehr den Wechselwirkungen Euerer guten Regungen und Euerer Schwäche unterworfen ist, sondern einzig dem Gesetze Gottes untersteht, dass der Bruder dem Bruder mit der ganzen Kraft und Macht seiner Liebe helfen muss. Solche Hilfsbereitschaft kennt keine Enttäuschung. Sieht sie Misserfolg, wo sie Erfolg erhofft und erwartet, so erkennt sie die Schwäche des Bruders, die aber nicht dadurch gehoben wird, dass sie ihm die Hilfe ganz entzieht; sie muss dagegen eine andere Form annehmen, da diese Form wirkungslos geblieben. Je reiner Euere Liebe und folglich Euere Hilfsbereitschaft, je ungetrübter durch andere Motive, desto grössere Erfolge werdet Ihr erzielen; denn wahre Liebe ist eine Macht, deren Wirkung Ihr nicht bemessen könnt. Deshalb arbeitet am eigenen Fortschritt, an der eigenen Erkenntniss, und vergesset nicht, dass Euere Hilfe, wenn wahre, reine, selbstlose Liebe sie bietet, ein Samenkorn ist, das wohl lange schlummern kann, doch endlich keimen muss, da Liebe ewig ist und durch keinen Einfluss oder Widerstand des Gegensatzes vernichtet werden kann. Erhebt Euch also zu den höchsten Lichtkreisen, die zu erreichen Ihr fähig seid und Ihr werdet nie muthlos werden können; denn, Kinder der Ewigkeit, arbeitet Ihr in der Ewigkeit und für die Ewigkeit und kein Atom geistiger Arbeit kann folgenlos bleiben. 76. Verbindung mit der Gotteskraft. So recht, mein Liebling, wenn Du Deine geistigen Freunde wieder mit Dir verkehren lässest, da nicht nur Du, sondern auch Andere Nutzen davon haben. Sei vorsichtig im Ausgeben des höchsten Werthes, der dem strebenden Geiste gegeben, der Zeit. Neue Arbeiten, neue Pflichten sind in Dein Leben getreten, und jede Arbeit, die dem Erdenmenschen gegeben, muss, der Natur dieser Welt nach, halbmateriell sein; rein geistige Arbeiten gibt es nicht für Euch; doch in jeder Arbeit den geistigen Theil auslösen, und als Vornehmstes, einzig Reales zu erkennen, ist Folge einer bestimmten geistigen Entwicklung. Es ist das schwer für den Menschen, für das Wesen, das eine so enge Verbindung von Geist und Materie ist. Nie einen Augenblick die Trübung des wahren inneren Friedens zu empfinden, ist das Zeichen, dass der Mensch sich zur Erkenntniss dessen, was er ist, und zur Bethätigung dieser Erkenntniss durchgerungen hat. Solche Menschen schöpfen nicht allein aus eigener Kraft, sondern dieselbe ist in Folge deren Reinheit mit der Gotteskraft verbunden, die das All ' durchströmt und erhält; diese Verbindung ist unversiegbar; wachsend und sich ausbreitend wird sie dem schwächeren Nebenmenschen fühlbar. Nicht müde sollt Ihr Menschen in Euerer gemischten geistig-materiellen Arbeit werden; dem vollkommenen Menschen ist Müdigkeit unmöglich. Der vollkommene Erdenmensch ist noch nicht vollkommener Geist; aber das Höchste, was Eure Erde jetzt in Menschenform trägt, ist der Müdigkeit entwachsen, und zwar, weil diese wenigen Menschen, mit der Gotteskraft verbunden, in ihrem Frieden ungetrübt, Erdenstürme wohl empfinden mögen, aber durch sie nie erschüttert werden. -Ihr seid Geist und dem strebenden Geiste ist die Verbindung mit der Gotteskraft gesetzlich. Ihr selbst brecht diese Ver-bindung zeitweilig ab, sei es, dass Ihr augenblicklich der Materie die Herrschaft über den Geist einräumt, sei es, dass Ihr durch den Fluch schwacher Geister dem Zittern und Zagen vor der Zukunft, dem alles Bessere momentan verdrängenden Grauen vor dem kommenden Tage verfallet, -dass Ihr durch diese Empfindungen wieder in den Staub hinuntergedrückt werdet, in dem eine wahre Verbindung mit der Gotteskraft unmöglich ist. Versteht mich recht, wenn ich sage, dass Ihr diese Ver-bindung abbrecht. Sich ganz frei von derselben machen, kaun der Geist nie; sie bleibt, dem Geiste unbewusst und ungefühlt, bestehen, um ihm bei der Regung des Wunsches nach Besserung die gesetzliche Möglichkeit dazu zu geben. Darin liegt die Aeusserung der Gnade Gottes -Gnade, weil unverdient, gerecht und frei von Willkür, weil für jedes erschaffene Wesen in gleichem Maasse vorhanden. Doch wenn Ihr diese Verbindung mit der Gotteskraft einmal empfunden habt (aufleuchtende Funken des Lichtes dieser Verbindung sind die seligen Augenblicke wahren Gebetes ), und Ihr lasst Euch durch Sünde, Selbstsucht, Selbst-überhebung, vertrauenslose Furcht von den Stufen herunterzerren, auf welchen Euch das Vollgefühl dieser Verbindung gesetzlich zukommt, so habt Ihr dem Heere dieser schwarzen Gestalten die Macht verliehen, die Verbindung in ihren beseligenden Folgen für Euch abzubrechen. Nichts, was Ihr für Eueren Nebenmenschen thun könnt, darf Euch geringer als Euere Pflicht erscheinen; zu grossen Handlungen befähigt Euere Entwicklung Euch noch nicht. Den Feind zu lieben, zu seinem Wohle das eigene zu opfern, ist wohl die schönste Handlung, deren ein Erdenmensch fähig, und doch ist es Pflicht des Geistes, die Liebe zum Nächsten nach jeder Richtung zu bethätigen, die Selbstlosigkeit zu ihrer Vollkommenheit zu entwickeln. Jeder strebende Geist erkennt, dass seine Seligkeit nur Folge seiner Vollkommenheit sein kann. Die Vollkommenheit ist ein intensiveres Licht, als sich Euer jetziges Begriffsvermögen nur vorstellen kann; wenn Ihr einzelne schwache Strahlen auf-fangt und in ihnen einzelne kleine Pflänzchen zur Blüthe und Reife bringt, das heisst wenn Ihr Euch auf relativ niedere Stufen der Entwicklung emporgerungen habt und von diesen aus einige kleine Handlungen zum Wohle des Nächsten ausführt, habt Ihr damit Etwas gethan, was gross genannt zu werden verdiente? Dünkt Euch nicht gross, liebe Menschen, Ihr seid ja so winzig klein; doch strebet wahre Grösse an, indem Ihr Euch ein reines Ideal schafft und dasselbe in Verbindung mit der Gotteskraft zu erreichen sucht. Das Ideal wird sich in Folge Euerer Entwicklung zu stets lichterer Gestalt verklären, und Euch dadurch stets unerreichbar erscheinen; doch seid nicht Kindern gleich, die den Regenbogen zu haschen suchen, sondern den Weisen des Morgenlandes, die dem leuchtenden Sterne folgten und von diesem an ihr Ziel geleitet wurden. Die strahlendste Form Eueres Ideals wird erreicht und Licht im Lichte unter-gehen, indem Ihr das Licht Euerer Vollkommenheit erreicht. 77. Entwicklungsgang der Menschheit. Auch auf Erden muss es Friede werden, die Gegensätze ausgeglichen, die Widersprüche müssen gelöst werden. Euer Sehnen nach Wahrheit muss in sich selbst wahr sein, Ihr müsst nicht suchen, Beweise für Euere Theorien zu finden, sondern vorurtheilslos lauschen, ob Ihr die klaren Offenbarungen, die in der Natur Euerer kleinen Welt liegen, nicht verstehen könnt, sie Euch nicht endlich zu Nutzen machen könnt. Euere Lehrmeister umgeben Euch in materialisirter Form und in dieser sind auch noch die Eindrücke enthalten, die längst entschwundene Zeiten gemacht. Die Menschheit hat angefangen das Alphabet dieser Sprache zusammenzustellen; wir warten, bis sie die Sprache be-meistert, bis sie den Geist, der also spricht, versteht. Einzelne Menschen schreiten ihrem Zeitalter voraus, einzelne Geister müssen stets Pionire sein, damit die schwächeren Brüder auf geebneteren Wegen weiter zu schreiten vermögen. In dem Bewusstsein der inneren Freiheit, in dem Kraftgefühle, das diesem Bewusstsein folgt, in der erwachenden Erkenntniss, wo ewige und endliche Gesetze sich verbinden und verbunden bleiben, so lange die bestimmte Entwicklungsstufe einer Welt es erheischt, erhebt der aufwärts strebende Geist im Menschenkleide gott-gegebene Flügel, um die grösser gewordene Sphäre seines Heims durchfliegen zu können, alle Schätze, die sie birgt, zu assimiliren. Und er erkennt die Grenze der endlichen Gesetze dadurch, dass Ewiges ihm realer wird, wie Endliches; er stellt sich in den Machtstrom des Ewigen und die Macht des Endlichen ist für ihn vorüber. Er bedarf keiner materiellen Sinne, um Etwas zu schauen Etwas zu empfinden, weil der ewige Sinn, das ewige Auge, das in jedem gottgeschaffenen Geiste liegt, die Erkenntniss sich zu voller Lebenskraft entwickelt hat, allem anderen gebietend, es zwingend. Die Erkenntniss zeigt ihm die Arbeit, die er auf einer bestimmten Welt zu leisten vermag, er beugt sich unter die bestimmten Gesetze von Geburt und Tod, die auf dieser Welt herrschen; denn kein hochentwickelter Geist stosst solche Gesetze um, die einer Welt nach ihrer Entwicklungsstufe noth wendig sind; doch die innere Freiheit ist diesem Menschen schon zum Bewusstsein geworden, sein freier Wille, der allein dem Gebote wahrer Liebe untersteht, führt ihn in diese Welt und führt ihn in die Heimat zurück. Je mehr solcher Geister sich in einer materiellen Welt inkarniren, desto rascher wird sich die Reife solcher Welt vollziehen; diese Geister sind wie das Brennglas, das die Strahlen der Sonne anzieht, um sie concentrirt auf die langsam reifenden Früchte zu lenken. Die Früchte, die dadurch gezeitigt werden, sind Freiheit, nach aussen bedingt durch den Frieden und die Liebe, welche die Menschen verbinden, Nationen und Klassen vereinigen, der Menschheit ein Ziel, einen Lebenszweck klar machen. Und so wird die Freiheit der ganzen Mensch-heit möglich, die Freiheit, die in der Erkenntniss der Herr-schaft ewiger Gesetze über die endlichen liegt. Damit entwächst die Menschheit den endlichen Gesetzen in ihren derben Formen und die Welt ist reif zur Umbildung in eine halbmaterielle Wohnstätte höher entwickelter Geister. Die Bewohner solcher Welten unterliegen nicht mehr den Qualen, die es nothwendig machen, dass dem Geiste die Erinnerung an Vergangenheit ver-wischt, das Bild der Zukunft verschleiert werden muss. Er über-blickt das Geschehene, sowie die Gründe, aus denen es geworden; er sieht, was vor ihm liegt, weil er die Gesetze, nach denen sein Leben sich formen muss, erkannt hat. Die Freiheit des Willens und die Macht, diesen zu bethätigen, haben weitere Grenzen be-kommen, weil die schweren Ketten derbmaterieller Gesetze sie nicht mehr fesseln. Der halbmaterielle Mensch findet seine Nahrung in der Atmosphäre, die er athmet und assimilirt sie ganz; er ist keiner Krankheit unterworfen und weiss die Stunde, in der er in die noch grössere Freiheit reinen Geistlebens ein-treten darf. Sein Wille gebietet seinem leichten Körper und verpflanzt diesen im Augenblicke an jene Stätte seiner Welt, wo er zu sein wünscht. Durch sein Beherrschen endlicher Gesetze ist er Herr der klimatischen Verhältnisse; seine Er-kenntniss, was schön ist, sein Bedürfniss, nur von Schönem umgeben zu sein, schafft eine Blumenwelt um ihn, von deren Herr-lichkeit Ihr keinen Begriff haben könnt. Der Wille des Einen legt dem Willen des Anderen seine Gedanken offen dar und alle Missverständnisse sind ausgeschlossen. Die Liebe des Einen zum Anderen ist so mächtig, dass sie dem Menschen den Vor-geschmack wahrer Seligkeit giebt. Die Einheit und Wider spruchslosigkeit hat bei diesen Menschen einen solchen Grad erreicht, dass ihre körperliche Schönheit von ihrer Entwicklungs-stufe geformt wird; denn auch auf solchen Welten, wie auch auf Euerer traurigen kleinen Erde, giebt es unzählige Schattirungen in der gesetzlichen Farbe der Welt. Doch verbindet die Liebe alle diese Menschen. Die Erkenntniss seines Minderwerthes er-füllt solch inkarnirten Geist nur mit dem mächtigen Wunsche, vom höheren Bruder zu lernen und kein Zeitatom dieser Fort-schrittsgelegenheit brach liegen zu lassen. Dies ist Euer Entwicklungsgang, liebe Menschen; kein auch nur denkbares Leid ist gross genug, um auf solche Lichtherde einen Schatten werfen zu können. Was ist das vergängliche Leid des Augenblickes, mit der wahren, tiefen Freude verglichen, die schon solche Geister voll und ganz beherrscht, welche noch auf der Stufe halbmaterieller Welten stehen? Darum macht der Freude jetzt schon Thür und Thore auf; Euer Leben ist des Lebens werth in jedem seiner Augenblicke; ein Ausfluss des Einen, Grossen, Ewigen Gottes lässt sich seine Schönheit durch Nichts, was Ihr zu thun vermögt, ganz vernichten. Das ewige Licht bricht stets wieder hervor, in einzelnen Funken, in grossen Feuergarben, bis der mächtig strahlende Lichtherd die Herrschaft behauptet. Dies meinte Johannes mit seinen Worten: "Und Sonne und Mond werden nicht mehr scheinen; denn das Lamm, das heisst die Vollendung, wird sein Licht sein. Amen. " V. Christenthum. Erkannte Wahrheit. Anerkennen und Erkenntniss der Wahrheit Die Evangelien. Das Erlösungswerk Christi Buddhismus und Christenthum Die Wiedergeburt Wiedergeburt des Menschen Christliche Mystik Sünde wider den h. Geist Abstieg zur Hölle, Auferstehung und Himmelfahrt Christi Die Taufe Erbsünde und Taufe Das Abendmahl V. Christenthum. 78. Erkannte Wahrheit. Kind, ich beobachte stets Euere theologischen und geschicht-lichen Conversationen und möchte mich nur mit einem Worte in diese Gespräche einmischen. Du musst stets im Auge behalten, dass Ihr zwei verschiedene Geisteskinder seid und als solche nie ein vollkommener Einklang erzielt werden kann. Wo aber Harmonie nicht möglich, gesetzlich unmöglich, da ist es zwecklos, zusammen zu musiziren und für solche, die ein feines Gehör haben, auch nicht erquicklich. Also, Liebling, schweige ! Jeder streiche sein Instrument für sich und suche, einen möglichst reinen Ton herauszubringen, einen Ton, der nur im Geister-reiche gehört und im Phonographen des ewigen Vergeltungs-gesetzes festgehalten wird, um wieder an das Ohr des Geistes, der das Menschenkleid abgestreift hat, zu seiner Freude oder zu seinem Schmerz zu schlagen. -Das Begriffsvermögen des Menschen schafft den Gott, den er anbetet. Versteh ' mich recht. Gott ist natürlich der ewige Gleiche, der von dem Verstande des Erdenmenschen absolut nicht ganz erfasst werden kann; daher schafft der, welcher an Gott glaubt, sich die Person dieses Glaubens. Er schmückt sie nicht bloss mit den Eigenschaften und Tugenden, die ihm die herr-lichsten dünken, sondern legt ihr zuweilen auch Fehler, wie Zorn, Rache, Willkür oder Kleinlichkeit bei. Jedem aber ist diese selbstgeschaffene Gottheit heilig. Je nachdem sich der Geist ändert, indem er den Berg der Erkenntniss emporklimmt und im Weiterklimmen immer mehr von der Bürde seiner Fehler und Irrthümer abwirft, je nach dieser Aenderung oder Verwandlung des Geistes verwandelt sich auch der Gottesglaube und der sich um Diesen bildende Hof, die Religion. Wie sich dieser Prozess am Einzelnen, so vollzieht er sich an Völkern. Ihr seht dies in dem Uebergange der mosaischen Religion in die christliche. Moses lehrte Gott als Rächer, als Gott der Heerschaaren; der Cultus der Israeliten legte sich als Hof um diesen Glauben. Sie brachten dem Gott Opfer, um ihn zu versöhnen; sie glaubten an Seine Rachsucht, an Seine Eifersucht, an Seine Willkür. Sie glaubten z. B., dass Er das Herz Pharao's verhärtet habe, um ihn zu verderben. Einen solchen Gott konnte man fürchten, doch kaum lieben. Da brachte Christus höhere Lehre: "Gott ist die Liebe, Gott ist ein Vater, Er selbst, der Vater, hat Euch lieb. "Der Jude erwartete den Lohn des Rechthandelns auf Erden im Irdischen, weil er von dem Fortleben nur sehr verschwommene Begriffe hatte. Christus sprach von den vielen Wohnungen in seines Vaters Hause, er gab Euch die Gewissheit des Fortlebens, die sich im Erdenleben zu erringende Seligkeit als Trost für Erdentrübsal, als Versöhnung mit dem Erdenleiden. Und er wies noch auf ein Weiteres, auf die Lehre des heiligen Geistes, um seine Lehre zu vervollständigen, wenn die Zeit dazu gekommen; denn nur mit jeder erreichten höheren Stufe des Menschen kann ihm weitere Lehre gegeben werden. Dies ist ein so einfaches Gesetz, das Ihr Menschen bei Euerer Kindererziehung so wohl anzuwenden versteht, indem Ihr nicht den Versuch macht, Mathe-matik zu lehren, bevor das Kindergehirn das Einmaleins begriffen hat. Bei der Lehre der gesammten Menschheit, sowie eines einzelnen Volkes wisst Ihr es nicht anzuwenden. Der Eine wähnt, weil Christus der Sohn Gottes war, muss er den Menschen Alles gelehrt haben, was zu wissen für sie gut ist, obschon Er selbst sagte: "Ich habe noch Vieles Euch zu sagen; aber Ihr könnt es jetzt noch nicht vertragen. "Der Andere wähnt, weil die Christenlehre nach seiner Auffassung vieles im Dunkel lässt, das heisst weil sie nicht vollkommen, nicht erschöpfend ist, könne sie auch nicht gut sein, und der Dritte glaubt, weil die ver-schiedenen sogenannten Offenbarungen sich widersprechen, können sie keine Göttlichen sein. Sie alle vergessen einen wichtigen Theil in ihrer Rechnung und so kann dieselbe nicht stimmen. Die Menschheit selbst ist das Bestimmende der Lehre, die ihr gegeben wird. Der Vater, Gott, lässt die Kinder nicht ohne Nahrung; aber der Zustand des Kindes, das heisst seine Gesundheit und sein Alter bestimmen dieselbe. Ihr seht die verschiedenen Arten der Nahrung und statt daraus zu entnehmen, dass das Kind (ich fasse unter diesem Begriffe das Einzelwesen, wie das Einzel-volk zusammen) von einem weisen Vater individuell behandelt wird, entnehmt Ihr nur daraus, dass die Behandlung, das heisst die Führung ganz fehlt, dass, da die Arten der Nahrung verschieden, sie nicht von einem Nährquell ausgehen können. Und doch braucht Ihr nur in dem grossen Anschauungsbuche der Natur nachzuschlagen, um eine materielle Abspielung dieses Gottes-prinzipes zu finden. Erde, Wasser, Sonnenschein sind die Gleichen, und die Pflanzen, die sie hervorbringen, die in ihnen wurzeln, durch sie ihr Leben zur Vollkommenheit entfallen, sind so ganz verschieden, den verschiedenen Bedürfnissen der Thier-und Menschenwelt angepasst. Und doch leugnet Niemand, dass diese Drei in ihrer Zusammenwirkung die Träger und Hervor-bringer der verschiedenen materiellen Nahrungen der Menschen sind. Da erkennen sie, dass die Verschiedenheit der Nahrung gut und nothwendig ist. In der einen Lehre oder Religion oder Anschauung, das heisst Erkenntniss eines Menschen oder Volkes ist diese Note der Wahrheit enthalten, in der anderen jene und erst die Voll-kommenheit wird diese Noten alle gesammelt haben und die Folge wird Harmonie oder Einklang sein. Ihr habt nun erst zu lernen, diese Noten zu sammeln, Ihr müsst Euer Gehör durch dessen Bildung verfeinern, das heisst Ihr müsst mit Anstrengung aller Kraft und allen Willens an Euerer Veredlung arbeiten; denn nur dadurch ermöglicht Ihr es, dass Ihr in der noch unhar-monischen Erdenmusik die einzelnen Töne der Wahrheit heraus-hört und erkennt. Ist das Gehör so gebildet, so ist der Mensch glücklich zu nennen. Er wird die Musik nicht gut finden, weil der Componist von den Menschen als in seinem Fache gross angesehen wird, sondern die Töne, die Melodien der Wahrheit werden ihm um ihrer selbst willen lieb sein und er wird sie kennen, so verschieden auch das Instrument, das sie wieder-giebt, -so verschieden die Begleitung, die sie umgiebt. Dies bedenket wohl. 79. Anerkennen und Erkenntniss einer Wahrheit. Es scheint, ich habe in all ' meinen Worten an Euch nicht zur Genüge den grossen, ich möchte sagen prinzipiellen Unter-schied zwischen Erkenntniss und dem Anerkennen einer Wahrheit klar gemacht. Die volle Erkenntniss einer Wahrheit ist gleich-bedeutend mit deren Assimilirung und kann ein Geist, der im wahren Sinne des Wortes eine Wahrheit erkannt hat, nicht anders, als ihr leben. Es entspringt aus jeder erkannten Wahrheit jener Gedankenkreis, jene Erhebung, jene Handlungsweise und jene Handlungsmotive, welche die Folge der Assimilirung dieser Wahrheit sind, wie Blüthe und Frucht der Pflanze bestimmte Folgen einer gewissen Reife dieser Pflanze sind. Fast jeder Erdenmensch hat eine kleine Summe guter Eigenschaften, die ihm keinerlei Anstrengung kosten, die, wie Ihr sagt, in seiner Natur liegen; das sind die sichtbaren Ergebnisse des Guten, das ihm zur wahren Erkenntniss geworden. Ausser dieser kleinen Summe des schon Erworbenen oder Erkannten hat jeder aufwärts-strebende Mensch eine grössere Summe Wahrheiten, die er anerkennt, das heisst die sein Intellekt als gut und wahr acceptirt und die sein Geist mit mehr oder weniger starkem Willen assimiliren möchte. Diese Eigenschaften kann der Geist auf kurze Zeit mit Anstrengen all ' seiner Kräfte festhalten oder, um mit anderen Worten zu sprechen, er erhebt sich mit Anstrengung in eine Atmosphäre, welche die Schwere seines Geistes noch nicht trägt und aus der er folglich, dem Gesetze der zwingenden Gewalt des Aehnlichen gemäss, wieder heruntersinken muss. Jeder Erdenmensch hat dieses Heruntersinken schon empfunden; auch Geister wie ich und meine Brüder empfinden es noch; auch an der Grenze unserer Atmosphäre sehen wir das intensivere Licht höherer Sphäre, langsam assimiliren wir die uns von dort zuströmende Nahrung und erst wenn unser "Körper "von diesem Lichte durchglüht ist, erheben wir uns ganz in diese Atmosphäre, die nun die unsere geworden ist. Der Prozess unseres Fort-schrittes kann Euch natürlich nicht klar werden; ich berührte ihn hier nur, um auf die Aehnlichkeit des grossen Gesetzes der Entwicklung und Erhebung der Geister in seiner Wirkung auf höheren und niederen Geist hinzuweisen. Geister auf Deiner Entwicklungsstufe, lieber Bernhard, und Geister, die noch um ein gutes Stück niederer stehen, wie Du, sind niemals der Degeneration ! bis zur Rückbildung zur Stufe vollkommener Unfreiheit verfallen. Jeder Geist, der einen noch so schwachen Willen zum Guten hat, hat jenes Maass von Freiheit, das ihm Fortschritt oder Rück-schritt ermöglicht. Der Geist auf der Entwicklungsstufe der Durchschnittsmenschen, mit einer kleinen Summe des Erworbenen und einer verhältnissmässig grossen Summe des anerkannten Guten, wird noch lange Zeiten zwischen Rückschritt und Fort-schritt hin-und herschwanken; dies sieht Dein Geist als das Dir Nächstliegende voraus, und aus dieser, sagen wir subjektiven Erkenntniss, (in Ermangelung eines richtigen bezeichnenden Wortes, ) entspringt Dein Glaube an eine Wellenbewegung im Fortschritt. Doch liegt dieser Wellenbewegung kein Gesetz zu Grunde. Ihr seid frei, dem kleinen Fortschritte einen weiteren kleinen Fortschritt anzureihen, so gut als Ihr nach einem Rückschritt weitere Rück-schritte machen könnt; allein Euer Wille und die Summe von Kraft, die Ihr in der Bethätigung dieses Willens entwickelt, wird die Entscheidung geben. Das Anerkennen einer Wahrheit ist der nothwendige Pionier der wahren Erkenntniss und Assimilirung derselben. Daher sollt Ihr nicht traurig sein, wenn Ihr viele Bruchtheile der Wahrheit anerkennt und dabei das Bewusstsein habt, sie noch nicht zu beherrschen, noch nicht assimilirt zu haben. Dies Alles ist Euer zukünftiger, vielleicht schon nahe gerückter Besitz, von dem Euch niemals ein Gesetz der Rückbildung auf lange Zeitturnusse hinaus trennen kann. Indem Ihr Euch oft bemüht, in die Sphäre des Guten und Wahren zu dringen, in der zwar noch nicht Eueres Bleibens sein kann, assimilirt Ihr doch Wahrheitsatome, die mit der Zeit Euere Wesenheit um-gestalten und Euch höhere Sphären gesetzlich machen werden. Versteht mich recht. Wer heftig und leicht erregbar ist, soll immer wieder versuchen, in die Sphäre der Selbstbeherrschung einzudringen; der Lügner in die Sphäre der Aufrichtigkeit, denn diese ist der Vorhof aller Wahrheit; wem wahres Gebet und geistige Erhebung unmöglich scheinen, soll immer wieder den Versuch machen, die wunderbare Grösse und Liebe des einen Lebensquelles und die Gesetze, welche diese Grösse und Liebe zur Folge hatte, anzuerkennen und zu empfinden, bis mit einem Male aus der Morgenröthe des Anerkennens und Tastens nach wahrem Empfinden, die starke Lichtgluth wahrer Erkenntniss über ihn hereinbricht, die seine jauchzende und dauernde Er-hebung zur Folge haben muss. Frage: 80. Die Evangelien. Die Lehre und das Leben Christi sind der Nachwelt durch die vier Evangelisten überliefert worden. Die vier Evangelien sind aber, mit Ausnahme etwa des von Johannes, erst mehrere Menschenalter nach Christi auf Grund mündlicher Ueberlieferungen zu verschiedenen Zeiten niedergeschrieben worden, -und auch diese Niederschriften tragen, so wie sie heute in der Bibel ent-halten sind, zum Theil den Stempel apokrypher Autoren, zum Theil legen sie die Vermuthung nahe, als seien sie mehr oder weniger Auszüge oder Bearbeitungen nach einem ihnen gemeinsam zu Grunde liegenden Urtexte. Da die Geschichte merkwürdiger Weise Nichts von der Lehre und dem Leben Christi überliefert hat und auch sonst eine Erwähnung oder Bestätigung der Thatsachen, wie sie in den Evangelien und in der Apostelgeschichte aufgezeichnet sind, von keiner Seite aus stattgefunden hat, so unterliegt heute das Neue Testament in Hinsicht auf das Maass seiner Authenticität ernster Kritik und Zweifeln. Die Umstände, dass die Nachrichten über die Heilslehre Christi und Seine Person sich auf unbestätigte, in mannigfache Form gegossene, indirekte Ueberlieferungen beschränken, haben aber schon von allem Anfange an bis auf den heutigen Tag innerhalb der gesammten Christenheit eine fortgesetzte Bewegung hervorgerufen; sie waren von jeher der Grund bitterer Ver-feindungen innerhalb des Schosses der Kirche, sie waren der Anlass zu dogmatischer Verknöcherung oder zu divergirender Auslegung des neu -testamentarischen Wortes, zu Scheidung in confessionale Lager, zu Krieg und Unfrieden und haben heute ein zunehmendes "Sich -Loslösen "von der christlichen Kirche, ja sogar von der christlichen Lehre überhaupt, zur Folge. Wenn auch der aufrichtige, überzeugte Christ bestrebt sein wird, immer nur den Geist der Lehre Christi, wie er aus den Evangelien zu uns spricht, in sich aufzunehmen, und sich nicht durch den in nebensächlichen Dingen öfters widersprechenden Buchstaben der heiligen Schrift in seinem Glauben beirren lassen wird, so muss er doch immer den Wunsch haben, zu wissen wie weit uns durch den biblischen Wortlaut der Evangelien das Leben Christi thatsächlich und ungefälscht, oder durch fremdes Dazuthun und durch unbekannte Einflüsse getrübt und entstellt, überliefert worden ist? Denn den historischen Christus, also das Heilandsleben, welches der Meister auf Erden gelebt hat und welches uns heilig und vorbildlich ist, vermögen wir nicht von dem Geiste und Wesen Seiner Lehre und Offenbarungen zu trennen. L. v. G. Antwort: Es ist sehr schwer für Euch Menschen, eine Wahrheit als solche, rein um ihrer selbst willen, in Euch aufzunehmen. Es liegt in der Natur Euerer Entwicklungsstufe, dass Ihr immer nach der Autorität fragt, von der sie gekommen, -dass diese Euch die ausgesprochene Wahrheit acceptabel macht, statt dass Ihr sie als solche empfindet. Alle Wahrheit, die Euch durch die göttliche Führung, welcher jede sich entwickelnde Welt untersteht, gegeben wird, muss der Entwicklungsstufe dieser Welt angepasst werden, diese Stufe einer Welt lässt aber grosse graduelle Ent-wicklungsunterschiede der sie bewohnenden Geister zu; in der Zeit der Offenbarung einer Wahrheit werden also viele Geister (in und ausser dem Menschenkleide) sie noch gar nicht verstehen das heisst sie noch nicht nachempfinden können, Viele verstehen sie falsch oder nur in ihrer halben Tragweite und verhältnissmässig Wenige erfassen sie mit ihrem ganzen Geiste, jubeln ihr ent-gegen und lassen ihr ganzes Leben von dieser erkannten Wahrheit zeugen. Rein geistige Wahrheit wird einer Welt immer von hohem Geiste offenbart; die relativen Wahrheiten der Wirkungen endlicher Gesetze und durch diese Wirkungen die endlichen Gesetze selbst werden von der Intelligenz der Menschen, die eine gewisse Entwicklungsstufe erreicht haben, gefunden. Christus brachte der Menschheit die höchste Offenbarung, die ihr gegeben werden konnte: dass Gott Liebe ist und dass die Liebe des Gesetzes Erfüllung sei. Dies war eine Offenbarung das heisst eine Wahrheit, die der Mensch mit seiner Intelligenz nicht finden konnte, eine Wahrheit, die er anerkennen, erkennen und der er leben muss, bevor er ihre Wirkungen mit seinem geistigen Auge schauen kann, in welchem Schauen der Glaube in der Erkenntniss untergeht. -Nur wenige Menschen erkannten dies als die Quintessenz seiner Lehre, -sie konnten ihren alten Glauben an einen Gott der Rache nicht plötzlich abstreifen und verbanden nun die alte und die neue Lehre, indem sie den rachedürstigen Gott versöhnt sein liessen durch das blutige Opfer seines Sohnes. Eine Handlung der Liebe Christi erfassten sie und hielten sie fest, statt die Unermesslichkeit und Unerschöpflichkeit dieser Liebe zu erfassen und weiter zu folgern: "Wenn der Sohn also liebt, wie unendlich muss die Liebe des Vaters sein ", von Dem der Sohn selbst sagt: "Mein Vater ist grösser, als ich. " Dass die Evangelien erst lange nach Christi Tod aus den Ueberlieferungen niedergeschrieben wurden, sollte für Euch eher eine Ursache des Trostes, als der Trauer sein; denn so erklären sich die Widersprüche, die in ihnen enthalten sind, und wie herrlich und göttlich muss der Geist der Christlehre sein, wenn er, trotzdem er nur halbverstanden, trotzdem er durch Ueber-lieferung abgeschwächt, jetzt noch als ein Licht, das eine Welt zu durchleuchten vermag, aus den Evangelien hervorstrahlt. Die verschiedenen Individualitäten, welche die Evangelien niedergeschrieben, lassen das Licht in verschiedenen Farben leuchten, je nach der Atmosphäre der eigenen Individualität, durch welche dieses Licht sich Bahn brechen muss. Nur dann werdet Ihr in den Evangelien Ursache zu Streit, Hass und Krieg finden, wenn Ihr einzig an der theils fehlerhaften Form hängen bleibt und gar nicht versteht, in den Geist der Lehre einzudringen. Doch auch dann könnt Ihr nicht den Evangelien Schuld an Eueren traurigen Zerwürfnissen geben; Euere eigene erbärmliche Blind-heit, Leidenschaft, Selbstüberschätzung hätten immer Ursachen gefunden, um deren willen Kampf und Hass entbrannt wären. Ihr wenigen Menschen, die Ihr sucht, eine Wahrheit zu ergründen, lernt erkennen, dass handgreifliche Ursachen oft nichts Anderes sind, als die Schlacken, die von einer im Innern tobenden, unausgeglichenen Kraft ausgeworfen werden. Ihr geistigen Menschen einer anbrechenden geistigen Aera leset die Evangelien im Lichte Euerer Erkenntniss der Gottesliebe, freuet Euch über das Licht, das Euch aus jeder Seite entgegenstrahlt und lasst den Buchstaben aufzehren von diesem Lichte. Denn der Buchstabe tödtet und der Geist gibt Leben. 81. Das Erlösungswerk Christi. Du möchtest ein erläuterndes Wort über das Erlösungswerk Christi haben. Es war eine Erlösung aus den Irrthümern, in welchen die Welt befangen war; die Wahrheit, die Er brachte, sollte die Menschheit erlösen, nicht das Blut, das Er vergoss, -die Menschheit mit dem Vater versöhnen; denn einer solchen Versöhnung bedurfte es nicht. Was wäre das für ein Gott, der die ganze Menschheit um des Vergehens eines Menschen willen strafte und der sie wieder in Gnaden aufnähme, weil Sein schuld-loser Sohn Qualen erduldet? Wahrlich, da wäre der Sohn grösser gewesen, als der Vater. Der Opferbegriff war im Judenthum ein so festgewurzelter, der Gottesbegriff ein so irrthümlicher, menschlicher, dass diese Auf-fassung des Geistopfers, sowie die Annahme, dass Gott so handeln konnte, nur folgerichtig, natürlich waren. Christus kam, der Menschheit den richtigen Gottesbegriff zu geben: "Gott ist ein Geist, Gott ist die Liebe ". "Ich sage nicht, dass ich den Vater für Euch bitten werde, denn Er selbst, der Vater, hat Euch lieb. "Ferner lehrte Er höchste Moral: den Nächsten zu lieben, wie sich selbst und denen Gutes zu thun, die Dich hassen. Denn die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes. So ward Er der Erlöser aus der Nacht des Irrthums und der Sünde, welche Folgen des Geisterfalles waren. Er brachte die vollkommenste Lehre oder Offenbarung Gottes, die bis dahin den Menschen noch geworden war. Der Geist Buddha hatte der Menschheit viel des Wahren gebracht, der Geist Christus brachte ihr Vollendeteres. Der Lehre Buddha's fehlte vor Allem der richtige Gottesbegriff: Gott als Person, als Vater. Ferner verlor sie sich zu viel in Aeusserlichkeiten, wie z. B. strenge Askese. Ein Fehler ist es auch, wenn der Mensch glaubt, er thue Recht, in strenger Abgeschlossenheit nur seiner Veredlung oder Vergeistigung zu leben. Jeder Mensch wie jeder Geist ist das Glied einer Kette und hat die Verpflichtung, möglichst thatkräftig zu sein, mit ganzer Kraft und ganzem Willen den Brüdern zu helfen, zu dienen. Dies lehrte nicht nur, dies bewies Christus, indem Er seine Lichtheimat verliess, die Qualen des Erdenlebens erduldete, nur um den Nächsten zu helfen. So hat Keiner, sei er nun Christ oder Buddhist, das Recht, in strenger Abgeschlossenheit nur an sich zu denken. Es ist dies auch ein Egoismus. So lange es Arbeit gibt, sind wir berufen, mit derselben Kraft, dem-selben Willen an unserer eigenen Veredlung, wie an jener des Nächsten zu arbeiten. Ob wir dabei Fleisch oder Früchte essen, ist gleich, wenn wir nur mässig leben. Wunderst Du Dich, dass ich als Geist gesagt habe "wir? "Es gibt auch bei uns Wesen, die noch an Aeusserlichkeiten hängen, Fragen: die der Frage: ob Früchtenahrung den Menschen nicht geistiger mache? ganz gleich kommen. Diese Wesen, seien es nun Menschen oder Geister, sind mit Solchen zu vergleichen, die ein Bild malen wollen und gar nicht fertig werden können, in ein einziges Bruchtheilchen des Bildes möglichst technische Vollendung hinein-zubringen; und sind sie endlich fertig, so sehen sie, dass dieses Bruchtheilchen gar verzeichnet, nicht mit dem ganzen Bilde in Einklang zu bringen ist, und sie müssen das sorgfältig ausgeführte Theilchen wieder auslöschen, das Bild zuerst in grossen Zügen anlegen und erst, wenn Alles richtig entworfen und fehlerfrei vor ihnen liegt, können sie anfangen, durch feine Ausführung etwas Vollendetes zu schaffen. Buddha führte zu sehr aus und seine Nachfolger führten die Theilchen, die er angelegt hatte, noch mehr aus und es entstand dadurch ein Mischwerk von Grossem und wieder peinlich Kleinlichem. Viele Menschen sind nun von dem Grossen in diesem Bilde so gefesselt, dass sie das Unfertige wie das kleinlich Fertige ausser Acht lassen, und doch ist dies ein Fehler. Christus legte das Bild, das heisst seine Lehre, in grossen Zügen an und versprach, dass es mit der Zeit vollendet werden würde. Unberufene, die zu diesem Werke nicht fähig waren, glaubten sich berufen, zu vollenden und sie trugen immer mehr der Farben auf und verdarben so gar Manches an dem Bilde. Doch wenn Ihr dessen Grundzüge verfolgt und Euch durch schlechte Färbung nicht irre machen lasset, so müsst Ihr anerkennen, dass der Entwurf ein grösserer, wie der von Buddha war. Freilich sind Wenige dazu fähig; den Meisten hat das farbenschlechte Gemälde im Laufe der Jahrhunderte den Geschmack verdorben und sie finden es schön, gerade so wie es ist. 82. Buddhismus und Christenthum. Die Offenbarung Christi, dass Gott ein Geist und die eine grosse Liebe, und die auf derselben fussenden Geisterlehre schliessen für den Christen und Spiritualisten ein Zurückgreifen auf die pantheistische Grundlage des Buddhismus aus. Nachdem jedoch der Mechanismus der kirchlichen Organi-sationen, welche nicht weiter entwickelt werden und daher einer allmächtigen Verknöcherung unterliegen, dem Bedürfnisse des aufschreitenden Menschengeschlechtes nicht mehr entspricht, so wird uns aus diesem Umstande die Erscheinung unserer Zeit erklärlich, dass eine grössere Anzahl ernster Menschen auf die Individualwege der Vergeistigung, welche der Buddhismus eröffnet, und auf den von ihm geschaffenen Mechanismus zurückgreift, der durch körperliche und geistige Disziplinen der Empfindungs-schwelle eine grössere Beweglichkeit und Vertiefung zu geben vermag und zu höherer geistiger Entwicklung befähigt. Der denkende Mensch, der dem Wohle seines eigentlichen Wesens, seiner metaphysischen Natur nachstrebt, wird sich, durch die erkannte Unhaltbarkeit und Trostlosigkeit der herrschenden materialistischen Weltanschauung in diese Richtung gedrängt, in derselben um so leichter zurechtfinden, als die hauptsächlichen Schriften buddhist-ischen Ueberlieferungen mit den Evangelien in vielen Cardinal-punkten übereinstimmen und trotz des Gegensatzes von Pantheismus und Monotheismus in der Grundlage, ein Zug innerer Verwandt-schaft durch beide Lehren geht. So ist demselben der Gedanke an die Erlösung gemeinsam. Christus sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt ", -in Indien ist der Wunsch nach Erlösung von dieser Welt, der Stätte beständigen Geborenwerdens und Sterbens, geradezu populär. Christus lehrt uns "den Nächsten lieben, wie uns selbst "der sich mit der ganzen Natur eins fühlende Inder hat diese Liebe auf alle Lebewesen ausgedehnt. Auch die Tugenden der Geduld, Gelassenheit und Friedfertigkeit sind in Indien seit uralten Zeiten wohlbekannt. Eine merkwürdige Uebereinstimmung herrscht in der Lehre von der Selbstverleugnung, wie sie in den Worten des Herrn "von der Nachfolge und dem Aufsichnehmen des Kreutzes "unverhüllt ausgesprochen ist, während die indischen Asketen Beispiele von Aufopferung und Selbstverleugnung liefern, welche uns Abendländern unfasslich sind. Die sogenannten Buddhisten des Abendlandes bringen die beiden Lehren auch nach ihren Quellen in engen Zusammenhang, indem sie sagen, die Saat indischer Weisheit sei seit Jahrhunderten im westlichen Morgenlande ausgestreut gewesen, doch unter alten Religionsformen und zerfahrenem weltlichen Interessenleben ver-kümmert. Jesu sei es vorbehalten gewesen, dieser Saat des Lichtes Asiens durch sein Leben und seine Lehre den ersten fruchtbaren Boden vorzubereiten und er habe diesen Ackergrund mit seinem Herzblute getränkt. Daraus erst habe jener reiche Segen, den die Evangelien verbreitet haben, für das ganze Abendland erwachsen können. Thun nun solche Christen, jeder für sich, wohl daran, wenn sie das zum Gemeingute der christlichen Welt Gewordene neuer-dings individualisiren und jenen schwer zu bahnenden Weg, auf welchen der Buddhismus führen musste, wandeln, vorausgesetzt, dass sie dazu besonders veranlagt sind? II. Vergleichen wir die Geisterlehre, wie wir sie von Dir empfangen, mit der buddhistischen Geheimlehre, deren Schleier durch die Matratma's, die derzeitigen Hüter derselben, auf dem Wege der theosophischen Gesellschaften etwas gelüftet wird, so ergeben sich zwischen beiden Lehren gleichfalls eine Menge von Berührungspunkten. Dahin gehören die übereinstimmenden Lehren: Dass die Erde einen sehr untergeordneten Rang unter den Sternen einnimmt und dass die irdische Entwicklung nur ein geringes Glied der alle Welten umspannenden Kette ist, dass die Menschheit zu immer geistigeren Welten aufstrebt, in welchen das Leben mehr und mehr von körperlichen Stoffen befreit sein wird, dass der Mensch ein entwicklungsfähiges Wesen ist und auch im zukünftigen Leben dem Gesetze des Fortschrittes unter-worfen bleibt, dass das Jenseits eine ganze Reihe von den Bedürfnissen der Einzelnen angepassten inneren Zuständen ist, dass die Sühne für irdische Schuld in den nächsten Ver-körperungen stattfindet, dass die geistigen, moralischen und sozialen Ungleichheiten des irdischen Lebens die nothwendige Resultante und Folge des letztvergangenen Daseins (dessen Karma) sind, dass also der Mensch sein künftiges Geschick selbst bestimmen kann, dass die Unsterblichkeit im Sinne beständiger Veredlung verdient werden muss, dass es eine Vernichtung geistiger Wesen nicht giebt, sondern nur eine Auflösung der niederen Grundtheile des Menschen, u. s. w. Beide Wege, der spirituale und der buddhistisch -theosophische werden dem gleichen Ziele, der Vergeistigung des Menschen zu gebahnt, weichen aber in den Mitteln zur Erreichung dieses Zieles weit von einander ab. Der buddhistisch -theosophische Weg verfolgt die Disziplinirung von Seele und Geist von innen heraus, aus deren eigener Kraft durch consequentes Abziehen der Gedanken von der äusseren Welt und durch Concentration nach Innen, gefördert durch die strengste Askese und verbunden mit schweren körperlichen Uebungen, als äussere Hilfsmittel. Die Individualität soll auf demselben eine grosse Selbständigkeit und geistige Freiheit er-ringen; indem sie sich den ewigen Gesetzen freiwillig bejahend unterwerfe, werde sie schon im Erdenleben über den Tod hinaus-geführt; es werden im Menschen schlummernde, geistige, nicht an seinen Organismus gebundene Eigenschaften und Fähigkeiten geweckt und unbewusst, ungewollt entwickelt, aus welcher systematischen Entwicklung nicht nur intuitives Wissen, sondern auch die Kunst entspringe, gewisse dunkle Naturkräfte zu be-herrschen. Diese Herrschaft äussere sich stufenweise in einem zeitweiligen Heraustreten des Geistes aus dem Körper zu dessen Lebzeiten, in Hellsehen und Fernwirken, in dem Erkennen des Wesens der Dinge, in der Macht über die Elemente und über magische Kräfte, in dem Ueberblicken der durchlaufenen Prä-existenzen und Inkarnationen. Der spirituale Weg wird durch von Aussen herbeigetragenes Material gebahnt, die seelische und geistige Entwicklung und Ver-edlung der Menschheit wird durch die Geisterwelt mittels äusserlich wahrnehmbarer physikalischer Phänomene und geistiger Kund-gebungen, welche in's Bewusstsein der Menschen treten, angeregt und gefördert. Er beruht vor Allem auf der festen Grundlage, welche Christus geschaffen hat; er ist klar, breit und für Viele gangbar angelegt, auch nicht nothwendig mit Weltflucht, Entbehr-ungen und Kasteiungen aller Art verbunden und ebensowenig den grossen Gefahren ausgesetzt, welche den Weg bedrohen, auf den der Buddhismus führt und der nur für wenige, besonders dazu Veranlagte gangbar, dabei schmal und vielfach gewunden ist. Das, was der Spiritualist zu seiner Entwicklung von Aussen herein erlangt, zwingt ihn zur Dankbarkeit, zur Demuth, während das, was der Mensch aus sich selbst erringt, allzu leicht zum Hochmuthe und Missbrauche des Erworbenen verleitet. In Ent-gegenhaltung der beiden Wege fragt es sich nun, ob die Indivi-dualität durch die aus eigener Kraft errungene grössere Selb-ständigkeit und geistige Freiheit wirksamer und sicherer zur höchsten geistigen Vollendung, soweit sie dem Menschen erreichbar ist, gelangt und ob dem Spiritualisten, welcher sich äusseren Finflüssen zu unterwerfen hat und der mächtigen Concentrations wirkung auf die Einzelindividualität entbehrt, nicht gleich hohes Ziel erreichbar ist? Antwort: Ihr müsst nie ausser Acht lassen, dass alle Lehre, die Euerer Erde gegeben werden kann, alle Lehre, die aus dem Entwicklungs-grade der Menschheit in ihr entsteht, durch die tiefe Stufe dieser Welt bedingt, nichts Fertiges enthalten kann Euch keine absolute Wahrheit, sondern nur Anklänge an diese geben kann. Die verschiedenen Lehren und Religionen, die sich von jeher auf der Erde verbreiteten, enthielten alle mehr oder weniger solcher Anklänge, und der Mensch, der seiner geistigen Entwick-lung gemäss, ganz vorurtheilslos ist und sich eine klare Intuition oder Wahrheitsempfindung errungen hat, wird diese Anklänge alle vernehmen und sie zu einer Melodie zusammenfassen, die mit seiner fortschreitenden Entwicklung immer reicher und voller werden wird. In den kommenden Zeiten, wenn viele solche Menschen auf Euerer Erde wandeln werden, werden die starken Grenzmauern, die heute noch Religion von Religion, Wahrheits-anschauung von Wahrheitsanschauung trennen, von selbst, das heisst als Ergebniss Euerer Entwicklung fallen, die Wahrheitstheile werden vereint und das sie als Ballast Umgebende, sowie das Unwesentliche wird als solches erkannt werden. Heute noch denkt jeder an einer Confession hängende Mensch, dass die ganze Menschheit einmal seine Confession als die eine Wahrheit aner-kennen werde und wenige Menschen leben heute, welche die zukünftige geistige Entwicklung der Erdbewohner verstehen. Der Buddhist und Theosoph, der Christ, der Spiritualist soll, wenn er die Wahrheit und mit ganzer Kraft seine Veredlung anstrebt, keine Lehre, die der seinen entgegensteht, a priori vor-werfen, sondern soll lauschen, ob sein vorurtheilsloses Ohr nicht die Wahrheitsanklänge anderer Lehren ebenso deutlich zu ver-nehmen vermag, wie die der ihm sympathischen Lehre. Ein durchgeistigter Mensch soll sich immer bewusst sein, dass er der Theil eines Ganzen ist und dass er daher dieses Ganze, soviel in seiner Kraft liegt, zu erheben und zu veredeln hat. Die Inkarnation eines Geistes auf Euerer Erde hat zwei Ursachen: entweder er bedarf des Menschenkleides mit Allem, was durch dasselbe an ihn herantreten kann, zu seinem Fortschritt, oder er bedarf dieses Kleides zur materiellen Hilfeleistung unter seinen Brüdern. Versteht mich recht. Ich meine mit dieser materiellen Hilfeleistung nicht, dass die Hilfe in erster Linie eine materielle sein soll, sondern dass er der materiellen Hülle bedarf, um den Brüdern geistige Hilfe bieten zu können. Wenn sich ein Mensch als Theil eines Ganzen erkannt hat, so wird er folgern, dass er alle geistigen Errungenschaften, die ihm seiner Stufe gemäss möglich sind, nicht zu einer kleinen Leiter aufbauen darf, die er ängstlich hütet, dass nicht Unberufene sie betreten sondern er wird in der grossen, lebendigen Nächstenliebe und Selbst-losigkeit, welche die Triebfedern aller seiner Handlungen sind, seine Errungenschaften all ' seinen Brüdern weitergeben, seine Schätze unter sie vertheilen und mit der ganzen Beredheit der Liebe ihnen erklären, wie kostbar sie sind. Tritt ein Geist zur Bruderhilfe durch das Menschenkleid in eine Welt, ist dann die Weltflucht für einen solchen Menschen denkbar? Wenn ein Mensch, der schwimmen gelernt, sich von Ertrinkenden umgeben sieht, wird er die Nässe und Kühle des Wassers scheuen, oder wird er sich hineinstürzen, um den Brüdern zu helfen? Lernet die Welt erkennen, beherrschen; dann bedarf es keiner Welt-flucht sondern Ihr werdet, unbefleckt von dieser Welt, Eueren Wirkungskreis durchschreiten, Euere Mission erfüllen. Urtheilt selbst, ob es einer exoterischen und einer esoter-ischen Lehre bedarf. Hat Gott nicht eine Gesetzeswelt für alles Leben, auf welcher Stufe es auch sei? Bist Du im Stande, zu erkennen, welcher Deiner Brüder wahrhaft unfähig ist, von geistiger Lehre Gewinn zu ziehen, dass Du Dir anmassen darfst, dem Volke die todten Steine exoterischer Lehre hinzuwerfen? Trennte Christus seine Lehre auf solche Art? Er rief: "Wer Ohren hat, zu hören, der höre. "Du weisst es nicht, wer die Fähigkeit hat, zu hören; deshalb werde auch nicht müde zu lehren. Schliesse Dich nicht ab vom Ganzen, sondern suche so viel von diesem Ganzen mit Dir emporzuziehen, als Du nur Kraft hast zu erfassen. Auch der Buddhismus enthält Anklänge an ewige Wahrheit; doch die reine Christlehre ergibt eine reichere, vollere Melodie. Prüfet Beide und urtheilt selbst. Es gibt einen geistigen Egoismus, dessen sich der schuldig macht, der erkannt hat, dass er ein Geist, und dass folglich in seinem geistigen Fortschritte seligster Gewinn für ihn liegt; der aber noch nicht wahre Entsagung von dem Scheine zu trennen versteht. Wer ein asketisches Leben führt und sich um seines geistigen Fortschrittes willen ängstlich von der Welt abschliesst, der hat die wahren Wege zu diesem Ziele noch nicht gefunden. Ihr müsst Christuse werden, Ihr Geister Alle jeder die Seligkeit, die er seiner geistigen Entwicklung zufolge in der Geisterheimat besitzt, freudig niederlegend, wenn es gilt, den Brüdern zu helfen. Nicht das Niederlegen des Menschenlebens war das Opfer und der Beweis der Liebe Christi, sondern das Niederlegen seiner Geist -Seligkeit zur Hilfe seiner Brüder. Wenn Ihr Menschen doch erst einmal verstehen wolltet, was der Zweck des Menschenkleides ist ! Der Eine lebt ganz den Freuden, die dieses Kleid ihm erschliesst, gewissermassen materialisirt ihm darreicht; der Andere erkennt die Nichtigkeit dieser Freuden, sieht in dem armen Menschenkleide eine Quelle von Gefahren und legt demselben seine Sünden und Gebrechen zur Last. Anstatt in der Materie die Folge seines Falles zu erblicken, welche durch die Gnade Gottes in die Brücke zu seiner Heimkehr verwandelt ist, überschüttet er die Materie, als Urheberin seiner Sünden, mit seinem Hass. Jener Geist aber, der sich zur klaren Erkenntniss der verschiedenen Lehrmittel und Fortschritts-werkzeuge, von denen er umgeben ist, durchgerungen hat jener Geist wird, von der Materie unentwegt, sie durchschreiten, keine Erscheinungsform als solche verachten, das Kleid als solches erkennen und willig tragen, entweder weil seinem geistigen Ich angepasst, es dessen gesetzliche Hülle ist, mit der er am raschsten zur Reife gelangt oder, wenn er es nicht mehr zu seiner Reife bedarf, wird er es wieder willig als Uniform um sich nehmen, die ihm die äussere Aehnlichkeit mit den Brüdern gibt, welche heute noch nothwendig ist, um sich ihnen verständlich zu machen. Anderen Werth, als dem Kleide zukommt, wird er ihm nicht zulegen; er wird daher weder um des Kleides willen leben wollen, noch wird er es durch mühvolle Arbeit zu durch-löchern suchen, damit sein wahres Ich zum Vorschein komme. Auch das wahre Ich, der Geist, hat eine Erscheinungsform, den Astralleib; doch wird der erkenntnissreiche Mensch nicht suchen, den Astralleib durch das Menschenkleid zu drängen, sondern er wird seinen geistigen Fortschritt, seine Gottannäherung allein im Auge haben, und diese, liebe Menschen, wird allein erreicht in thatkräftiger Nächstenliebe. Wahre Selbstlosigkeit wird solchen Menschen ein reiches Feld eröffnen, ein Feld freudiger Entsagung, ein Feld, auf dem er seine Liebeskraft auf den ringenden Nächsten übertragen kann. Ein solcher Mensch hat keine Zeit, sich Kräfte zu erwerben, noch sie auszuüben; ihm ersetzt die ? reine Kraft, deren Quell die Gottheit selbst ist, alle verdichteten Kraftsplitter. Jedes Ding hat seine Zeiten der Reife. Der Mensch, als solcher, ist in seinem Fortschritt, in seiner Entwicklung an die Entwicklung seiner Heimat gebunden. In den kommenden Zeiten einer geistigen Aera Euerer Erde wird der Mensch durch seine Erkenntniss ewiger Gesetze sich bis zu einem gewissen Grade von dem Banne endlicher Gesetze frei machen, der ihn jetzt noch seiner Stufe gemäss umgibt. Doch nicht im Frei-machen von diesem Banne liegt der Fortschritt, sondern das Freiwerden ist nur eine Folge seiner Entwicklung. Dann wird Euch von selbst, als Folge Euerer Stufe, das gegeben sein, was der Buddhist als Folge mühevoller Uebungen erreicht. Wenn er aber in der Zeit, die er auf diese Uebungen verwendet, einem ringenden Brudergeiste durch die Kraft seiner Liebe geholfen hätte, eine Thräne stummen Schmerzes durch den Hinweis auf ewige Gerechtigkeit und ewige Liebe getrocknet hätte er wäre der Gottheit näher gekommen. Lasst Euch nicht irre machen in Euerem Urtheile durch die glänzenden Feuerwerke magischer Kräfte, die sich der Mensch auf verschiedenen Wegen erringen kann und sich thatsächlich durch buddhistische Uebungen erringt. Ihr sagt: wenn die Herr-schaft über gewisse Naturgesetze die Folge einer erreichten Ent-wicklungsstufe ist, so müsste der beste, durchgeistigste Mensch auch die grösste Macht besitzen. Thatsächlich aber ist ihm der Fakir, der auf niederer geistiger Entwicklungsstufe steht, in der Ausübung solcher Kräfte überlegen. -Der Geist, der sich selbst erkennt, der sich seiner wahren Wesenheit, seines Zweckes und Zieles bewusst ist, strebt mit Anstrengung aller seiner Kräfte diesem Ziele zu. Dasselbe ist Vollendung seiner Wesenheit; der Weg dazu ist der breite, leuchtende, der von der Gottheit direkt ausgehende Strahl, der das All durchdringt: die Liebe. Hat ein Geist diesen Grad der Erkenntniss und die geistige Kraft erreicht, sich diese Erkenntniss in jeder äusseren Erscheinungsform zu bewahren, so taucht er da und dort in eine dunkle Welt, den Mantel der Materie als nothwendiges Verbindungsglied um sich nehmend, um den Brüdern Lichtträger, Liebesverkünder zu sein. Er bedarf der Materie nicht zu seinem Fortschritt und nicht einen Augenblick vermag sie den Blick dessen zu trüben, der ihr entwachsen; er bedarf keiner Uebungen, seien sie buddhistischer oder sonst asketischer Natur; er bedarf keiner spiritualen Lehre; er ist bewusster Geist, seine Erkenntniss lässt ihn in der Wahr-heit leben und seine Liebe, so übermächtig, dass Sie Alles zu tragen vermag, erschliesst ihm ein so reiches Arbeitsfeld, dass die Zeit, deren Gesetzen er sich wieder unterstellt, im Dienste des Nächsten voll ausgenutzt werden muss. Sein Geist hat die vollendete Herrschaft über Seele und Körper und er braucht letzteren nicht zu verlassen, das seelische Band nicht aus-zudehnen, um wahre Erhebung zu kosten, in vollen Zügen zu geniessen. Ein solcher Geist erreicht, was er will; er vermag aber nichts anderes zu wollen, als dem tieferstehenden Bruder eine Offenbarung von Liebe, von wahrem Leben zu sein. Wenn es zu solcher Offenbarung nothwendig, dass er seine Macht über die materielle Welt und deren Gesetze sichtbar zeigt, so wird er es vermögen, wie Christus es vermochte und auch aussprach: "Und grössere Werke wie diese, werdet Ihr thun, da ich zum Vater gehe. "Die Apostel und viele Menschen nach Ihm bewiesen diese Worte: Das grösste Werk, das der Geist thun kann, ist sein ununterbrochener Fortschritt von Kraft zu Kraft, ist seine Offenbarung wahren Lebens an niedere Welten. Doch zu dem Durchschnittsmenschen zurückzukehren, bedarf es für diesen noch der Anstrengung, sich seiner wahren Wesen-heit bewusst zu werden und bewusst zu bleiben, für diesen ist es noch ein Ringen, Herr über die Materie zu bleiben, deren Schule er noch nicht entwachsen ist. Du fragst, ob Christen wohl daran thun, den schwer zu bahnenden Weg, wie der Buddhismus ihn vorzeichnet, zu wandeln? Wenn ein Mensch wahrer Christ geworden ist, das heisst fähig, den Geist der Christlehre aufzufassen und ihm zu leben, so hat er Nahrung und geistige Arbeit genug. Wie wenige Menschen aber sind wahre Christen, wie wenige halten sich frei von geistlähmender Unduldsamkeit und Kleinlichkeit, -wie wenige verstehen auch nur, was christähnliche Liebe ist und wie weit geringer noch ist die Zahl derer, die solche Liebe nicht nur verstehen, sondern sie leben. Der Geist als Gottesschaffung ist Individualität und ob-schon dieser Geist seine wahre Wesenheit durch wiederholten Fall fast bis zur Unkenntlichkeit verbildet hat, so bricht sich die Individualität doch auch durch die Materie Bahn. Je nach der verschiedenen Art, dem verschiedenen Charakter, der das augenblickliche Gepräge dieser verbildeten Individualität ist, ist das Bedürfniss der Menschen verschieden nach dieser oder jener Art und Form der Wahrheit, wie sie sich eben niederen Welten, wie es die Erde ist, offenbaren kann. Es lässt sich daher einem Menschen nie eine Wahrheit aufzwingen, viel weniger noch ihm die Art und Form derselben sympathisch machen. Lasst Jeden auf solchem Wege sich seinem Ziele nähern, der ihm sympathisch ist; mit der Zeit reift seine Erkenntniss und er wird vielfach gewundene Wege verlassen, um direktere zu betreten. Der hochentwickelte Geist, der das unruhige, kräftezer-splitternde Leben Euerer Erde beobachtet, legt keinerlei Werth darauf, ob der Mensch sich Christ, Spiritualist, Buddhist oder Theosophe nennt; der, welcher am Besten seine wahre Wesenheit erkennt und den leuchtenden Weg der Liebe am unentwegsten wandelt, wird sein Ziel am raschesten erreichen, einerlei welche Anklänge an Wahrheit, wie sie die verschiedenen Erdenreligionen, Theorien und Philosophien durchziehen, ihm am sympathischsten sind. Die Wahrheit, dass Gott Geist und Liebe, dass der Menschen Wesenheit Geist und relative Liebe, dass die Vollendung dieser wahren Wesenheit auch deren Seligkeit enthält, wird doch mit dem allgemeinen Fortschritte der Welten immer mächtiger zum Durchbruche kommen, in ihren Religionen und in jedem Menschen selbst. Suchet die Zeit des allgemeinen Fortschrittes zu be-schleunigen, indem Jeder mit ganzer Kraft die eigene Entwicklung anstrebt und Jeder, soweit seine Erkenntniss des Mangelhaften aller Wahrheitsoffenbarungen auf Euerer Erde es ihm erlaubt, die Klüfte zwischen den verschiedenen Wahrheitsanklängen zu über-brücken sucht. Weil der unvollkommenen Individualität der eine Anklang sympathischer ist, wie der andere, braucht er doch nicht nothwendig höher zu stehen oder gar die eine grosse Wahrheit zu enthalten? Versteht doch, wie unmöglich es ist, dass die ganze volle Wahrheit, wie sie aus dem Urleben, Gott, hervorbricht, sich einer Welt wie Euere Erde offenbaren kann und habt Geduld, Einer mit dem Anderen, Alle mit der langsamen Entwicklung Euerer Welt und Eueres eigenen Geistes. Weil Du es willst, will ich noch auf die Unterschiede in unserer Erkenntniss und in der buddhistischen Lehre was Geist und Seele ist, eingehen, obschon dieser kleine Unter-schied in der Lehre kein Hinderniss im Aufwärtsstreben des Geistes ist und folglich zu dem Nebensächlichen herabsinkt. Der Buddhist nimmt zweierlei Bewusstsein im Menschen an, die sich feindlich gegenüberstehen und von denen das Höhere, der Geist, sich das Niedere, die Seele unterwerfen muss. Er nennt den Geist den Gott in ihm und wird durch diesen Glauben leicht in den Fehler geführt, den Willen und selbst die Inkli-nationen seines noch sehr unentwickelten Geistes für unfehlbar, für das für ihn allein Richtige zu halten. Dieser Fehler hat die traurigsten Folgen für den Geist und entwickelt sich leicht aus der irrigen Annahme, dass der Mensch einen göttlichen oder unbefleckt gebliebenen Geist habe. Der Mensch in seiner Verbindung von Geist, Seele und Körper ist eine Folgeerscheinung. Die Schöpfung Gottes ist der Geist, gottähnlich, weil aus dem Willen Gottes hervorge-gangen und folglich Wesenheit, in welcher Gotteseigenschaften zur Entwicklung gelangen konnten, aber nicht gottgleich, da das Erreichen der Vollkommenheit das in weiter Ferne liegende Ziel für ihn war, Gott aber ewige Vollkommenheit ist. Wir können daher nicht mit vollem Rechte von unserer absoluten Ewigkeit sprechen, denn unser Geistleben hat einen Anfang, als Gott durch Seinen Willen Individualitäten schuf, deren freier Wille sie auf direktem Wege ihrer Vollendung zu-führen konnte, aber auch das zeitweilige Verlassen dieses Weges ermöglichte. Ganz ohne Erscheinungsform, ohne äusseres Gepräge (in Menschen worten lässt sich nur in Gleichnissen von rein geistigen Dingen reden) ist kein Geist. Gottes Hülle oder Erscheinungs-form oder das Stoffliche Gottes (wieder fehlt Euerer Sprache das Wort) ist Urlicht, da Licht, Bewegung und Gott der Mittelpunkt von welchem Vibration, Schöpfungskraft ausgestrahlt ist. Als der Geist sich durch den Willen Gottes seines Lebens als Indi-vidualität bewusst wurde (welches Leben allerdings in seinem Ursprunge, dem Urleben, ewig enthalten gewesen ist) war er mit der Seele bekleidet, die für ihn das Stoffliche war, wie das Urlicht für Gott. Diese Seele ist untrennbar vom Geiste und wenn dieser die Vollendung erreicht hat, wird die Seele den Glanz der Vollendung zeigen. Der Geist ist der Gedanke, die Seele mit dem Worte vergleichbar; der Geist der Beweger, die Seele der Aether, welcher der Bewegung die Erscheinungsform des Lichtes giebt. Durch wiederholten Fall verbildete sich dieser noch unentwickelte Geist, verdichtete sich dieses seelische Ge-wand und machte die Verbindung mit derber Materie möglich und nothwendig. Indem der Mensch seine wahre Wesenheit erkennt, ihrer Entwicklung allein lebt, indem er als erste, er-hebende Kraft selbstlose, opferfreudige Nächstenliebe erkennt, entwickelt sich wieder die Schönheit des Geistes, die in seiner Reinheit, Kraft und Liebe liegt. Die mit dem Geiste ewig ver-bundene Seele strahlt nun wieder die Schönheit des Geistes aus. Inkarnirt sich ein tiefgesunkener Geist auf der Erde, so identifizirt er sich vollkommen mit der Materie und sein derb-materielles Gewand ist nur der Ausdruck seiner tiefen geistigen Stufe. Er ist sich seiner wahren Wesenheit überhaupt nicht bewusst, seine rein geistigen Kräfte sind latent. Doch braucht der Geist seine Seele nicht zu überwinden und zu unterwerfen; er muss nur seiner geistigen Kraft, seines wahren Zieles, sowie seiner Wesenheit bewusst werden, und indem er von Kraft zu Kraft steigt, wird seine Seele immer grössere Schönheit sichtbar machen, bis sie zu reinem Lichte geworden, dem äusseren Zeichen, dass der Beweger, der Geist, seine Vollendung erreicht hat. Du fragst im Hinweise auf die beiden Entwicklungswege, Buddhismus und Spiritualismus, ob die Individualität durch die aus eigener Kraft errungene grössere Selbständigkeit und geistige Freiheit wirksamer und sicherer zur höchsten geistigen Vollendung geführt wird und ob dem Spiritualisten, welcher sich äusseren Einflüssen zu unterwerfen hat und der mächtigen Concentrations-wirkung auf die Einzeln -Individualität entbehrt, nicht gleich hohes Ziel erreichbar ist? In dem, was ich gesagt habe, ist die Antwort enthalten; doch möchte ich noch auf die "eigene Kraft "zurückkommen, aus der der Buddhist seine Vervollkommnung anstrebt, während Du den Spiritualisten im Gegensatze als einen Menschen bezeichnest, der im Verwerthen von Gegebenem seinen Fortschritt findet. Was ist dieses Verwerthen von Gegebenem anderes, als die Be-thätigung der eigenen Kraft? Dem Buddhisten werden Wege vorgezeichnet, wie dem Spiritualisten, dem Einen durch Ueber-lieferung, dem Anderen durch geistige Kundgebungen; aus sich selbst heraus, das heisst als Folge der hohen Entwicklung seines Geistes, bahnt sich selten ein Mensch den Weg zur höchsten Vervollkommnung. Jeder Mensch schreitet durch das richtige Verwerthen von Gegebenem voran, denn die Menschheit im Allgemeinen, wie jeder Mensch im Besonderen, ist mit denn Frage: Antwort: der Atmosphäre, die seine gesetzliche Nahrung enthält, umgeben. Bethätigung der eigenen Kraft bedarf es für jeden Menschen, um gegebene Hilfsmittel zu erkennen, sich geistige Nahrung zu assimiliren. Unser geistiger Fortschritt ist eigenes Werk, ob dieser Fortschritt nun von Geistern in oder ausser dem Menschen-kleide angestrebt wird. Das macht keinen prinzipiellen Unter-schied; jedem wird die ihm nothwendige Nahrung dargereicht, für jeden bedarf es der Bethätigung höchster, reinster Kraft, ge-gebene Gelegenheiten zum Fortschritte voll und ganz auszunützen. Ist der Unterschied, was Mittel zur Entwicklung betrifft, zwischen Geist und Mensch nicht mehr prinzipiell zu nennen, um wie viel weniger noch zwischen zwei Menschen, die sich Buddhist und Spiritualist nennen? Erkennt der Mensch seine wahre Wesenheit und den Weg, sie zur Vollendung zu bringen, "that-kräftige Liebe ", so verbindet ihn diese Erkenntniss inniger, als kleine Verschiedenheiten der unentwickelten Individualität, die ihm im Augenblicke diese oder jene Anklänge an die Wahrheit sympathischer machen, zu trennen vermögen. 83. Die Wiedergeburt. Was ist unter Wiedergeburt des Menschen zu verstehen von welcher in den Evangelien mehrfach gesprochen wird und welche Buddhisten, Theosophen und christliche Mystiker als einen geistigen Vorgang im Menschen bezeichnen, der von gewissen körperlichen Erscheinungen, wie die eines verzehrenden Feuers in Knochen und Gliedern begleitet sei. Ich sagte Euch schon oft, dass das wahre geistige Wachs-thum nicht sprungweise stattfinden kann. Der Geist wächst und reift allmählig, alle geistigen Kräfte in ihm müssen sich langsam entfalten. Sein ganzes Wollen auf die Assimilirung des Guten einerseits und auf dessen Ausübung andererseits richtend, kann er an dem Maasse seiner Erkenntniss, an der Kraft seiner Liebe und an der Art seiner ihm übertragenen Arbeit seinen Fortschritt bemessen. Geister, welche auf solcher Stufe stehen, wissen nichts von dem, was Ihr geistige Wiedergeburt nennt. Sie stehen in der klaren, ruhigen Entwicklungsstufe, die keine Stürme und Erschütterungen, kein verzehrendes Feuer in Knochen und Gliedern mehr kennt, die keine Trübung der Erkenntniss mehr zulässt, --auf einer Stufe, die es ihnen ermöglicht, von innen heraus, aus der Fülle des Erworbenen, zum Eigenthum Gewordenen zu wirken, und nicht mehr den Einwirkungen von Aussen unterworfen zu sein. Versteht mich recht. Des Geistes Wille muss es sein, der Einwirkungen von aussen zulässt, weil seine Erkenntniss diese Einwirkung gut findet; er darf sich Nichts aufdrängen, sich durch Nichts erschüttern lassen, er muss das Gleichgewicht gefunden haben und es nie verlieren, weder in der Erkenntniss seiner Selbst, noch in der Erforschung der Gesetzeswelt Gottes. Hat er diese Stufe erreicht, so kann sein Fortschritt ohne jedes vorüber-gehende Hemmniss, ohne jeden Rückschritt stattfinden. Wenn in den Evangelien von einer geistigen Wiedergeburt gesprochen wird, so ist damit die Erkenntniss der Menschen, was Liebe ist, gemeint. Christus war die Offenbarung der Liebe, die in dem Geiste wie Er sie lehrte und bethätigte, den Menschen noch fremd war. Indem Er der Menschheit die höchste Gesetzes-welt der Liebe erschloss, ward Er ihr Erlöser. Er war der Weg, der zum Ziele führte; indem sie in Seinem Geiste seine Thaten nachahmte, fand sie das Ziel: vollendete Liebe, die jede andere Vollendung einschloss. Doch die Menschheit im Allgemeinen hat Seine Sprache nicht verstanden, sie nennt Ihn den Weg und wandelt ihn nicht, sie spricht von Liebe und lebt sie nicht. Die Erkenntniss, die sich einem Geiste (einerlei ob in oder ausser dem Menschenkleide) erschliesst, weil sein ganzes Wollen auf seinen geistigen Fortschritt gerichtet ist, kann ihn anscheinend plötzlich verwandeln, denn Euch ist die lange Kette von Ent-wicklungsstufen, die hinter ihm liegen, ist die langsame Assimi-lirung von Atomen der Wahrheit, Güte, Kraft nicht sichtbar. Seine Entwicklungsstufe bedingt seine Erkenntniss und erweiterte Erkenntniss bedingt einen neuen Kraftstrom des Wollens und Handelns. Die Menschen, welche die Lehre Christi verstanden, die Seinen Geist erfassen konnten und denen sich also das höchste Gesetz der Liebe offenbarte, fühlten einen neuen Kraftstrom ihren Geist durchfluthen, fühlten sich, von solcher Taufe neu gestärkt, allerdings verwandelt und predigten eine geistige Wiedergeburt. Sie standen eben in dem äussersten Lichtkreise einer ihnen neuen Erkenntniss, sie hatten diese noch nicht ganz assimilirt und noch nicht das Gleichgewicht gefunden, das in dem Ueberblicke der Gesetzeswelt Gottes liegt. Ihre Empfindungswelt, meinten sie, müsse zu der ihrer Brüder werden, wenn auch Diese die Christ-lehre erfassten, und sie verstanden nicht, dass jeder Geist eine Individualität, eine Welt im Kleinen ist und dass, obschon eine Gesetzeswelt das ganze Universum einschliesst, ein ewiger Lebens-strom die ganze Schöpfung durchfluthet, doch jeder Stern seine eigenen Gesetze, jeder Geist seine Individualität, seine Empfindungs-welt hat. Ihr müsst erst verstehen lernen, was Leben ist, um die Grösse und Vielseitigkeit jedes Lebensatomes zu verstehen, um die Gesetze der Solidarität, des Altruismus, des Verbundenseins alles Lebens mit der unbegrenzten Freiheit und ewigen Indivi-dualität jedes vollendeten Lebensatoms in Einklang bringen zu können. Betrachtet den vollkommenen Geist allein, so seht Ihr ihn als eine Welt von Gesetzeswirkung Kraft, Macht und ur-eigenem Leben (Individualität); betrachtet Ihr ihn als Theil des Ganzen, so ist er ein Atom, in der Hand Gottes ruhend, und aus dessen Grösse hervorgegangen, zu gleicher Zeit eine Welt zu nennen. Auch heute noch reden die Menschen von einer geistigen Wiedergeburt, und wie unklar, wie unbewusst unwahr, wie wider-sprechend sind die Begriffe, die sie von diesem Worte haben. Bei den wenigsten Menschen ist der Geist absoluter Herrscher, der seine Ruhe bewahrt, sein Ziel klar vor sich liegen sieht. Die meisten Menschen sind noch den Erschütterungen des äusseren Seelenlebens, der Nervenspiele, den äusseren Einwirkungen, dem ganzen Heere unklarer, unwahrer Empfindungen schwärmerischer, skoptischer, tieftrauriger, grundlos heiterer Natur unterworfen. Sie lassen alle Einwirkungen an sich heran und ziehen sie nicht vor das Kriterium ihrer Erkenntniss, um das, was gut ist, mit Wissen und Willen zu assimiliren und Das, was schlecht ist, mit Wissen und Willen hintanzuhalten. Sie suchen in ihrem unklaren, noch nicht gesund gewordenen Drang nach Fortschritt und Entwicklung Arbeit und Thätigkeit nach Aussen und ver-nachlässigen die so wichtige Arbeit an sich selbst, die sie erst fähig machen kann zur Arbeit von wahrem Nutzen. Sie gehen durch das Erdenleben, ein Spielball aller Einwirkungen und Ein-flüsse und kommen in die Geistheimat zurück, ohne nur das geringste Maass der ihrer Stufe möglichen Freiheit und Erkenntniss erreicht zu haben. Das sind Unterlassungssünden, die schwere Folgen für den Geist haben können schwerere, wie manche Sünde, die zur That geworden. Ach ! Erkenntniss, wenn ich sie Euch geben könnte ! Er--(kenntniss Euerer Arbeit, Euerer Gelegenheit, Erkenntniss der Gefahren, die Ihr in Euerer schlaffen Gleichgiltigkeit kaum ahnt; ich würde jubelnd ein Erdenleben der Qual annehmen. Doch Erkenntniss lässt sich nicht geben; die Bedingungen müssen vom Geiste errungen werden. Ringt Euch doch endlich durch zur Klarheit, zur Grösse, damit Ihr die Grösse der Gesetzeswelt Gottes erfassen könnt und nicht mehr, in der Unklarheit befangen, von Dingen redet, für die Euch die Begriffe fehlen. Ich möchte Euch so gerne einen klaren Begriff von der langsamen, gesetzlichen Entwicklung des Geistlebens geben, damit Ihr mit diesem Schlüssel scheinbare Widersprüche lösen könnt. Der Prozess, den Ihr mit geistiger Wiedergeburt bezeichnet, findet unzählige Male in der Entwicklung eines Geistes statt; er ist das jeweilige Ueberschreiten der Grenze in eine höhere Sphäre der Erkenntniss und der Thatkraft. Es ist schwer, Euch in Euerer Sprache den richtigen Begriff von dem allmähligen Wachsthum des Geistes und seiner oft scheinbar plötzlichen Ent-faltung zu mächtigerem Leben zu geben. Wenn ich von dem Ueberschreiten einer Grenze rede, kann es auch einen falschen Begriff bei Euch hervorrufen. Der Schritt, der den Geist über eine Grenze bringt, ist nicht grösser, als jeder andere, der ihn der Grenze näher brachte. Wie Lichtwelle von Lichtwelle getrennt ist und doch zu einem Lichtmeere zusammenfluthet, so sind die Grenzen in Euerer geistigen Entwicklung. Indem Ihr dem Licht-herde zuschreitet und das Licht in und um Euch intensiver wird, werden Euch Wahrheit und Grösse klarer, Fehler und Irrthümer unmöglicher. Dies Gesetz gilt für das ganze Geistleben; falsche und unklare Begriffe von geistigem Fortschritte sind Attribute jeder niederen Welt. Absolute Wahrheit, aus der Gottheit strömend und in den ewigen Gesetzen das Universum durchfluthend, offenbart sich dem ganzen Geistleben, führt, erfüllt und sättigt es, wenn es den endlichen Gesetzen entwachsen ist. Ihr Erdenmenschen, ringt Euch zu klaren Begriffen durch und lasst Euch nicht zu unbewusster Unwahrheit verleiten, indem Ihr das anstrebt, was Euch von Mystikern und mancher Art Christen unter geistiger Wiedergeburt gelehrt wird; solche Lehre hat oft schwärmerische Exaltation, krankhafte Empfindungen zur Folge, die den wahren Fortschritt hemmen. Strebet, lernet, arbeitet in aller Demuth und Selbst-erkenntniss, und wenn Ihr Kinder des Lichts geworden seid, Frage: Antwort: werdet Ihr Euer Auge auch in intensiverem Lichte offen halten können zu Euerer Wonne und als Folge unmerklichen Wachsthums. Fortsetzung. In vorstehender Kundgebung ist gesagt, dass die Menschen (Jünger Christi) noch nicht das Gleichgewicht gefunden, welches in dem Ueberblicke der Gesetzeswelt Gottes liegt. Können Menschen überhaupt einen solchen Ueberblick gewinnen? Emanuel sagt gleich darauf: "Ihr müsst erst verstehen lernen, was Leben ist, um die Gesetze der Solidarität, des Altruismus, des Ver-bundenseins alles Lebens mit der unbegrenzten (? ) Freiheit und ewigen Individualität des vollendeten Lebensatomes in Einklang bringen zu können. "Auch das Verständniss für Leben ist uns kaum im Erdenkleide möglich, wenigstens nicht in diesem Maasse. Die ewige Individualität scheint nach diesem Passus nur dem vollendeten Lebensatome (Geiste) gesichert zu sein, welchem auch nur die unbegrenzte Freiheit zu Theil wird. Ist diese Auffassung richtig? Es wäre gut, lieber Bernhard, wenn Du meine Worte zur besseren Assimilirung ein wenig in Dir ruhen lassen wolltest. Es würde Dir eine klarere Erkenntniss erwachsen und Du würdest manche Deiner rasch ausgesprochenen Fragen selbst beantworten können. Versteht mich recht. Mir ist immer eine Freude, Euch durch ein weiteres Wort zu einer klareren Erkenntniss zu verhelfen; doch der Hauptzweck meiner Worte ist, Euch ein Gedankenfeld zu erschliessen, auf dem Euer eigener Geist in der begrenzten Freiheit seiner Entwicklungsstufe und in jenem Lichte der Erkenntniss, das ein Ergebniss eben dieser Stufe ist, wandeln und forschen soll. In dem Maasse seines Fortschrittes wächst auch seine Intuition und nur Das ist das wahre Gut des Geistes, was als Ergebniss seines Ringens, Forschens, demüthigen Arbeitens an sich selbst und in dem gesetzlichen Wirkungskreise nach Aussen ihm klar wird: ein nie mehr zu verlierendes Eigenthum. Ich möchte Euch alles Gute geben, vor Allem die Erkenntniss, dass alles Gegebene vollkommen assimilirt werden muss, um von wahrem Nutzen für Euch sein zu können. Und nun zu Deinen Fragen. Der vollkommene Ueberblick der ganzen Gesetzeswelt Gottes ist selbstverständlich nur ein Attribut des vollkommenen Geistes; doch eben so selbstverständlich ist, dass dieser das Gleichgewicht, von dem ich sprach, nicht mehr verlieren kann. Wenn ich von den Menschen sprach, die noch nicht das Gleichgewicht, das in dem Ueberblicke der Gesetzeswelt liegt, gefunden hatten, so konnte ich doch nur das Gleichgewicht meinen, dass ein Ergebniss ihres klaren ruhigen Ueberschauens jenes Theiles der Gesetze ist, welcher ihnen, ihrer Entwicklungsstufe gemäss offenbart werden konnte. Das Herrliche der Gesetzeswelt Gottes ist ihre Einheit. Gesetz schliesst sich ergänzend an Gesetz, Eines bedingt das Andere und vollendet es zu gleicher Zeit. Ihr Menschen müsst im Kleinen arbeiten, bis sich Euch vollendete Grösse offenbaren kann; doch im Kleinen das heisst im Bruchtheile, die Grundzüge des Grossen, des vollendeten Ganzen zu erkennen, jedes Atom dieses Bruchtheiles in seinem wahren Werthe zu sehen und so das Gleichgewicht zu finden, das in der richtigen Erkenntniss des Feldes der Wahrheit oder des Theiles der Gesetzeswelt liegt, die sich Euerer Entwicklungs-stufe erschliessen können, das ist Euch Menschen möglich. Wenn ich sage: "Ihr müsst erst verstehen lernen, was Leben ist, um die Gesetze der Solidarität, des Altruismus und des Verbundenseins alles Lebens mit der unbegrenzten Freiheit und ewigen Individualität jedes vollendeten Lebens in Einklang bringen zu können ", so meinte ich nicht, dass nur das Abstreifen Eueres Körpers Euch diese Erkenntniss erschliessen kann. Das Abstreifen des Körpers verursacht keine gewaltige Veränderung in der Erkenntnissmöglichkeit des Geistes; ich sagte Euch schon wie viele Male, dass die Entwicklungsstufe allein dem Geiste die Grenze seiner Erkenntniss ziehe. Der Körper muss nicht dem Geiste ein Hinderniss sein; aber er kann es werden, -die Erkenntniss braucht nicht durch ihn getrübt zu werden; aber sie wird es thatsächlich oft, weil der Geist diesem Körper eine gewisse Herrschaft einräumt. Wenn Ihr etwas nicht versteht, eine Euch offenbarte Wahrheit nicht erfassen und assimiliren könnt, so sagt nicht: "Unser Erdenkleid hindert uns daran "; sondern sagt: "es ist unserer heutigen Entwicklungsstufe noch nicht möglich ". Euere Ent-wicklung vollzieht sich nach dem Maasse Eueres Wollens, Euerer Kraft, Eueres reinen, wahrhaft selbstlosen Strebens. Eine lichte Schaar reiner Geister schwebt über Euerer Erde, um noch einer vollzogenen gewissen Entwicklungsstufe dieser Welt sich auf ihr Frage: Antwort: zu inkarniren, um Lichtträger zu werden und Mittler zwischen Menschenbrüdern und höherem Geistleben. Diese Geister werden beweisen, dass der Körper nichts ist, als Erscheinungsform, ein Schatten ohne wahre Substanz. Die Erkenntniss dieser Geister wird nicht getrübt sein, ihr Geistleben durch die Materie in Nichts gehemmt werden. Die unbegrenzte Freiheit des vollendeten Geistes könnt Ihr so wenig verstehen, wie diesen selbst. Hat ein Geist durch sein Eintauchen in das Lichtmeer vollendeter Liebe seine höchste Vollendung erreicht, so tritt er auch in den Besitz seiner vollendeten Freiheit, die ich unbegrenzt nenne, weil sie nur mehr umgeben, getragen, durchglüht wird von vollendeter Liebe. Vollkommene Liebe und vollkommene Erkenntniss sind ein Lichtmeer, das der Geist nie mehr verlassen kann, weil das Licht aus ihm selbst hervorbricht als Ergebniss seiner Vollendung. Ueber Individualität sagte ich Dir schon so viel, dass Du Deine Frage selbst beantworten könntest. Die Individualität ist ewig, jene Gabe Gottes, die im reingeschaffenen, noch unvoll-kommenen Geiste liegt, und mit all ' seinen anderen Eigenschaften, der begrenzten Freiheit seines Willens zufolge, ausgebildet oder verbildet werden kann. Vollendete Individualität ist selbstver-ständlich nur dem vollendeten Geiste eigen. Suchet rein Geistiges ahnend zu verstehen, liebe Menschen, indem Ihr durch wahre Güte Euere Erkenntniss erweitert. 84. Wiedergeburt des Menschen. In Deiner Kundgebung Nr. 79 Anerkennen und Erkenntniss der Wahrheit sprichst Du vom Fortschritte der Geister auf Deiner Entwicklungsstufe und gebrauchst den Ausdruck: "erst wenn unser Körper von dem Lichte höherer Sphären durchglüht ist, erheben wir uns ganz in diese Atmosphäre ". Haben wir in diesem Vorgange nicht die geistige Wiedergeburt, wie sie uns die Mystiker mit der "Feuertaufe ", dem "Brennen der Knochen "bezeichnen, vor uns? Du hebst nicht ohne Absicht den "Körper "hervor, der durchglüht wird und weisest dabei auf die Analogie der gesetzlichen Entwicklung und Erhebung höheren und niederen Geistes hin. Es ist immer eine gewisse Analogie in dem Fortschritt des Geistes von niederer bis zur höchsten Entwicklungsstufe. Ich sagte Euch zu verschiedenen Malen, dass kein Geist körperlos formlos sei; die Seele, welche die Hülle des Geistes, ist das ge-treue Spiegelbild seiner Entwicklungsstufe, seiner Schönheit. Je höher der Geist, desto verfeinerter die Materie, die ihn umgiebt und desto rascher durchdringt oder durchglüht jeder von ihm erreichte Fortschritt, jede von ihm assimilirte höhere Erkenntniss seine Seele oder seinen Astralleib. Hat sich dieser in unmerklichen Verwandlungen durch Fortschritt des Geistes so potenzirt, dass das Licht, das ihn von Innen durchglüht, zu seiner Wesenheits-atmosphäre des Lichtes höherer Geistsphären bedarf, so erhebt sich der Geist in diese Sphären. Das meinte ich, als ich von dem Durchglühen unseres Körpers sprach. Je niederer der Geist, desto länger dauert der Prozess des Durchdringens der Seele von dem Fortschritte, den der Geist sich errungen. Die Seele ist auch in den niedersten Entwicklungsstufen das ungefähre Bild des Geistes; doch ist ein gradueller, wenn auch nicht prinzipieller Unterschied zwischen dem raschen und vollkommenen Durchdringen der assimilirten Erkenntniss eines hochentwickelten Geistes durch seine Seelenhülle und dem des Fortschrittes, den ein niederer Geist zu machen befähigt ist, durch seine derbere Hülle. Hat diese den Fortschritt zum Ausdruck gebracht, so ist dieser Fortschritt, diese errungene gute Eigenschaft, wie Ihr sagt, zur Natur des Menschen geworden. Denn dem Geiste, der eine gute Eigenschaft, mit anderen Worten, eine assimilirte Erkenntniss, zum Ausdrucke in seinem Seelenkleide gebracht, wird bei der Inkarnation der Materie seines Gehirns und seiner anderen Organe jene Form und Art verliehen, die ihm gewisse gute Eigenschaften natürlich, gewisse schlechte Eigenschaften widernatürlich und unmöglich machen. Der Mensch ist also der Ausdruck dessen, was sein Geist bei der Inkarnation gewesen und seinem Fortschritte ist dadurch eine gewisse Grenze gesetzt. Wenn Ihr also behauptet, ein Geist könne durch An-spannen all ' seiner Kräfte in einer Inkarnation die Entwicklung eines Durchschnittsmenschen bis zur Stufe Christi durchmachen, so beweist Ihr durch diese Behauptung, dass Euch jede Kenntniss der allgemeinen Entwicklungsgesetze fehlt. Ihr müsst Euch aber durch die Erkenntniss (um das Wort in dem Sinne, der Euch geläufig, zu gebrauchen ), dass Euerem Fortschritte während einer Inkarnation gewisse Grenzen gezogen sind, nicht hindern lassen, mit aller Kraft an Euerer Veredlung zu arbeiten. Wenn Ihr auch viel Gutes und Wahres, was Ihr anerkennt, noch nicht zur assimilirten Erkenntniss zu bringen vermögt, so wird doch dadurch ein Feld Frage: vorbereitet, welches Ihr dann in der nächsten Inkarnation zu beherrschen vermögt. Nur keine Lauheit, keine Schlappheit, meine Lieben; jeder Moment Eueres Erdenlebens ist so wichtig und so unendlich kostbar für Euch. von Aus dem, was ich gesagt, kannst Du Deine Frage bezüglich der Wiedergeburt des Menschen und dem damit verbundenen "Brennen der Knochen "selbst beantworten. Bei den meisten Menschen tritt entweder eine gewisse Stagnation ein, die darin liegt, dass sie die ihnen natürlichen guten Eigenschaften zur Aus-wirkung gelangen lassen und sich damit zufrieden geben, dass sie eben heftig oder schwach, sinnlich oder egoistisch sind; dabei aber doch recht gute Leute, oder ihr geistiger Fortschritt ist ein langsamer, fast unmerklicher, ein Fortschritt, den sie nicht einem bestimmten Tage an datiren können. Eine kleine Minderzahl von Menschen ist durch irgend ein besonderes Er-eigniss, vielleicht nur durch ein gesprochenes Wort, das gerade von ihrem Geiste ganz aufgefasst und durch die erhaltene Lehre assimilirt wurde, erschüttert worden und spricht dann von einer geistigen Wiedergeburt. Thatsächlich ist aber Das, was sich in ihnen vollzog, das Erwachen oder auch nur die Bekräftigung des Willens zum Guten. Bei den meisten Erdenmenschen ist auch das Seelen-und Nervenleben krank, weil nicht genügend mit dem Beherrscher Geist verbunden; bei solchen Menschen kommen alle möglichen subjektiven Empfindungen zum Ausdrucke. Doch hütet Euch, in solchen Empfindungen eine nothwendige Wirkung ewiger Gesetze zu sehen. 85. Christliche Mystik. Die christliche Mystik lehrt, dass der Mensch, um zur wahren Gottes-und Nächstenliebe zu gelangen, alle irdische Liebe, alle Anhänglichkeit an Etwas, was Gott nicht ist, in seinem Herzen ertödtet haben muss, dass er die Welt und alles Aeusserliche verachten solle, das Vergängliche als nichtig zu betrachten und Allem zu entsagen habe, was nicht die vernünftige Nothdurft des Leibes fordert. Er dürfe der Lust der Sinne und der Natur in keinem Dinge Folge leisten, solle auch selbst wünschen, lieber unbekannt und verachtet zu sein, als nach Ansehen, Ehre und Lob streben. Entziehen wir uns in diesem Sinne dem Leben, so fliehen Antwort: wir den Kampf, welcher uns zum Siege des Geistes über die Materie führen soll, wir tödten uns selbst. Das Aufgeben erlaubter Weltfreuden, eine theilweise Entsagung ist aber auch andererseits der geistigen Vervollkommnung bis zu einem gewissen Grade förderlich. Wo liegt für den Menschen, welcher nicht das Einsiedler-, Kloster-oder streng asketische Leben zu seiner Aufgabe auf Erden macht, die vernünftige Grenze solcher Entsagung? Wahres Christenthum ist Selbstlosigkeit, vollkommene Selbst-losigkeit aber für den Erdenmenschen das Schwerste zu erlangen; sie ist der Schlussstein im Gebäude des Christenthums. Wenn ich sage: "wahres Christenthum ", so meine ich damit jenen Geist Christi, von dem der Apostel sagt: : "Wer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein. "Was aber verlangt wahre Selbstlosigkeit von Euch? Vor Allem die Erkenntniss, dass Ihr Theile eines Ganzen seid und dass Ihr Euere Individualität dadurch zu ihrer Vollkommen-heit ausbildet, dass Ihr Euch mit reinem Sehnen und starkem Willen in den Dienst dieses Ganzen stellt, -die Augen offen, damit Euch keine Gelegenheit entgehe, dem Bruder zu dienen, zu helfen, wie Gott es von der werdenden Vollkommenheit ver-langt, dass sie in der Kraft der Selbstlosigkeit der noch unent-wickelteren Vollkommenheit helfe, wo sie vermag. Wollet nicht christlicher sein, wie Christus, liebe Menschen ! Er ass und trank. Er wohnte den Festlichkeiten einer Hochzeit bei; denn solche reine Aeusserlichkeiten haben gar keinen Einfluss auf die Entwicklung, auf den Fortschritt des Geistes. Nur müsst Ihr sie als reine Aeusserlichkeiten erkennen und auch empfinden, und niemals dem, was eine nichtige Neben-sache ist, irgend eine Macht über Euch gewähren. Wenn fröhliche Gesellschaft, Theater oder sonst ein irdisches Vergnügen anfängt, Euch zu absorbiren, dann entsagt ihm; denn ihr habt dann an-gefangen, dem Caesar zu geben, was Gottes ist. Die Schuld liegt nicht in diesen irdischen Freuden, sondern in Euerer Be-fangenheit in der Materie, welche Folge Euerer niederen Stufe ist und verursacht, dass Ihr, wenn sich Euch Materielles im rosigen Lichte zeigt, diese Materie gar nicht mehr aus den Augen lasset und Euch, mit materiell farbigem Lichte zufrieden, des reinen, farblosen Lichtes entwöhnt. Bunte Lichter sind hübscher ? Kindertand, an sich völlig harmlos und thun dem Lebensherde des Sonnenlichtes keinen Abbruch Lieber Bernhard, Du sagst, christliche Mystik lehre, dass der Mensch, um zur wahren Gottes-und Nächstenliebe zu ge-langen, alle irdische Liebe, alle Anhänglichkeit an Etwas, was Gott nicht ist, in seinem Herzen ertödtet haben muss. Der Apostel sagt: Wenn Ihr Eueren Bruder nicht liebet, den ihr gesehen, wie könnt ihr Gott lieben, den ihr nicht ge-sehen? In anderen Worten: Wenn Ihr Euern Bruder nicht liebet, der Euch ähnlich ist, wie könnt Ihr Gott lieben, den Euer Begriff jetzt nicht fassen kann? Die Entwicklung, der Ausbau der Schöpfung zur Voll-kommenheit duldet keine Sprünge; ein langsames Wachsthum vom Nächsthöchsten in's Nächsthöchste hinein, ist schon bedingt durch das Wort: Entwickelung. Die Liebe ist die göttlichste Eigenschaft im Menschen, die Selbstlosigkeit ist eine Errungenschaft der werdenden Vollkommen-heit; doch die Liebe ist ein Beweis und Bürge für die Sohn-schaft des Geistes. Nächstenliebe ist in der Selbstlosigkeit, diese in der Nächstenliebe enthalten und ist die Eine ohne die Andere undenkbar. Christus sagte: "Wer ist meine Mutter und wer meine Brüder? Wer den Willen Gottes suchet, um ihn zu thun, der ist mir Mutter und Bruder und Schwester. "Und von dem-selben Meister heisst es: "Johannes war der Jünger, den er liebte. "Durfte und konnte Christus, der treu gebliebene Sohn, in seiner vollendeten Vollkommenheit noch einen Menschen mehr lieben, wie den anderen, wie könnte es eine Pflicht des armen Erden-menschen sein, die Liebe zu einzelnen Menschen zu ertödten, in Wohlwollen abzuflachen? Der Liebe zweierlei gibt es im Menschen; denn sinnliche Leidenschaft ist keine Liebe, so wenig wie Schwäche Güte oder Eigensinn Willenskraft ist. Die erste dieser zweierlei Liebe ist die Nächstenliebe, das heisst das Verlangen, jedem Geistwesen, sei es Mensch oder Geist, zu helfen, zu dienen, nützlich und trostreich zu sein, wie es nur immer möglich ist, und die Grenzen dieser Möglichkeit nach jener Erkenntniss zu ziehen, welche eine Folge angestrebter Selbstlosigkeit ist. Die andere Liebe verbindet uns mit jenen Geistern und Menschen, die uns geistig nahe stehen; wir freuen uns, ähnliche Sehnsucht, ähnliche Erkenntniss im Bruder gefunden zu haben und diese Freude schlägt die Brücke der Liebe von Bruder zu Bruder. Wie kann es ein verdienst-liches, oder irgend förderliches Werk sein, diese Brücke zu zertrümmern? Ferner lehrt die Mystik, dass der Mensch die Welt und alles Aeusserliche verachten solle, das Vergängliche als nichtig zu betrachten habe, lieber wünschen solle, ungekannt und ver-achtet zu sein, als nach Ansehen, Ehre und Lob streben. Lieber Bernhard, das Christenthum verlangt wahres Em-pfinden im Menschen. Ein wahrhaft vorangeschrittener Geist wird auch im Menschenkleide intuitiv das Wahre als solches erkennen, in unbewusster Wahrheit jener Eigenschaft, welche Folge einer gewissen geistigen Stufe ist jedem Ding, das an ihn heran-tritt, die richtige Stelle anweisen. Ein solcher Mensch kann nicht anders, als alles Vergängliche gering achten, denn es ist gering. Er wird aber das Vergänglich nicht fliehen, denn was so gering, ist der Flucht nicht werth. Er wird auch die Welt und alles Aeusserliche nicht verachten, sondern wird sie, in der intuitiven Wahrheit seiner geistigen Stufe, als jenes Vergängliche erkennen, das er gering achten muss, weil er es auf seine richtige Stelle bringt. Das ist doch so einfach, Bernhard ! Ein Mensch, der die Vollkommenheit anstrebt, soll Nichts wünschen, als dass er Gottes Wille, soweit dies seiner Stufe nur möglich ist, erkenne, dass sich Gottes Wille voll und ganz an ihm erfülle, und dass seine Unvollkommenheit nicht hinderlich sei, dass ihn dieser Wille so weit wie möglich als Werkzeug zur Lehre und Hilfe seiner Brüder benütze. Dass er nebenbei wünsche, dass dieser Wille für ihn die Verachtung oder die Verehrung seiner Nebenmenschen enthalte, ist nicht nothwendig; ein Wunsch, wie dieser Wille sich äussern möge, ist schon keine volle Hingabe an denselben mehr. Dass ist das Leben in Christo, wie Paulus es meinte; doch dazu bringt Dich keine Askese, sondern die reine Selbstlosigkeit, der unentwegte Glaube, der in der erwachenden Erkenntniss Gottes wurzelt und die auflodernde Sehnsucht, einzig in Gott für Gott zu leben, welche Sehnsucht Folge der Errungenschaft obiger Eigenschaften ist, wie das Licht Folge der Flamme. Doch diese Stufe haben wenig Menschen inne; denn wenig, wenig Geister, die auf solcher Stufe stehen, inkarniren sich auf Euerer Erde. Kannst Du aus vorstehenden Worten die vernünftige Grenze der Entsagung nun nicht selbst erkennen? Du siehst, sie ist Frage: für jeden Menschen eine andere, je nach dessen Eigenschaften. Wo die Grenze Deiner Entsagung liegt ---von Deiner Individualität und geistigen Stufe gezogen das beurtheile selbst. Ringe Dich durch zur Klarheit, die in der Erkenntniss Deines Gottes liegt. "Ich glaube Gott, den allmächtigen Vater. "Diese zwei letzten Worte halte fest; sie enthalten Alles, dessen Du bedarfst. Gottes Wege sind gut, nicht nur das Ziel, an das sie führen. Ein Gut-machen für überstandene Erdenleiden, wie für durchwateten Erdenschmutz, wie Du es meinst, kann es nicht geben. Gott handelt nicht willkürlich. Der Glaube an den "allmächtigen Vater ", das heisst an die Grösse und die Liebe in ihrer Vollendung, schliesst jede Möglichkeit einer Annahme von Willkür aus. Im Erdenmenschen erwachen jene Eigenschaften, die er sich früher errungen und die während seiner Menschwerdung schlummerten; kein Mensch vermag dem anderen eine Eigenschaft zu geben und auch Gott vermag es nicht, in Folge der Unmöglichkeit einer willkürlichen Handlung. Er gab dem erwachenden Geiste freien Willen und die Gelegenheiten, sich durch denselben zur Voll-kommenheit emporzuarbeiten. Wie kann ein Gott der Gerechtigkeit und diese ist im Begriffe Vollkommenheit eingeschlossen -dem einen Menschen gute Eigenschaften geben, und es ihm da-durch ermöglichen, zu verstehen, was geistige Freude ist, so dass er als Mensch dem Geistigen zustrebt, wie die Sonnenblume der Sonne während derselbe Gott ein anderes irdisches Leben im Laster beginnen und beschliessen lässt, um es diesem Wesen durch raschen Fortschritt im geistigen Leben wieder gut zu machen? Wie könnte Gott einer solchen Willkür fähig sein? Nein, ein Gutmachen ist für Gott ausgeschlossen; nicht das Ziel allein ist gut, sondern jeder Schritt des Weges, und das Gutsein verlangt Gerechtigkeit und Unwandelbarkeit während jeder Sekunde Euerer Erdenzeit. Was nicht einmal Eueren Gerechtigkeitssinn befriedigt, wie ist es als Handlung Gottes denkbar? II. Die Mystik verlangt aber ausser dieser äusserlichen Ent-sagung, auch, um zur Erkenntniss der göttlichen Wahrheit zu gelangen, Entledigung von aller Lust des Geistes, in welcher der Mensch sich selbst sucht, ein wahres Ersterben, Verleugnen, Verlieren, ja Vernichten seiner Selbst, so dass nichts bleibe als Gott, damit Er in dem Menschen wirke, leuchte, sei und Seinen Antwort: Willen vollführe. Dazu ist Aufgeben des Eigenwillens, Eigen-nutzes, der Eigenliebe, deren Tödtung erforderlich; das Suchen des Eigenen in der Freude und Süssigkeit des Gebetes, der Be-trachtungen, des Fastens, Wachens und Wirkens soll ersterben, die Freude an der Natur, an dem Opfer muss hingeopfert werden. Nun gibt es wohl eine falsche Andacht, welche in den Empfindungen der Erhebung im Gebete die eigene Befriedigung, Beschwichtigung, Ruhe sucht, ohne dass diese Uebungen der Gottes-liebe näher bringen und eine nachhaltige Einwirkung auf den Lebens-wandel verursachen eine eigenliebige Lust des Geistes, der er sich in seinen Uebungen hingibt und die den Lichtstrahl der göttlichen Wahrheit hemmt. Diese Lust ist abzutödten. Wie der Mensch aber in einer wahren Erhebung, in der er Gott sucht, sich selbst, den Anbetenden, Bittenden, Denkenden, Liebenden verlieren und vernichten soll, das ist mir nicht fasslich. Der Mensch wird in Gott immer sein Glück, seine Seligkeit, die Hilfe zu seiner Vervollkommnung suchen und finden, die Ver-geistigung seiner Individualität anstreben. Wie ist dies mit der Vernichtung seiner Selbst, Gott gegenüber, zu vereinbaren? Das richtige Verhältniss zwischen Gott und Geist (einerlei ob dieser in oder ausser der Materie steht) ist das, wie zwischen Vater und Kind. Seiner Sohnschaft muss sich der Geist bewusst sein; in dieser Erkenntniss erwachen in ihm Dankbarkeit, Liebe, Hingebung. Die Aeusserung oder Stimme dieser Empfindungen ist das Gebet. Je wahrer, je reiner und freier von aller Unvoll-kommenheit sie sind, desto mehr wird auch das Gebet Das sein, was es sein soll. Ein hochstehender Geist wird die Freude und Süssigkeit des Betens nicht erst suchen, nicht erst erwarten wollen, um sie in geistiger Lust zu geniessen, -er kann nicht anders, als sie empfinden; das Wort "Vater ", welches sich über seine Lippen drängt, das Empfinden, welches dieser Aeusserung zu Grunde liegt, übergiesst ihn mit Wonne. Er sucht die Wonne nicht, aber er kann nicht anders, als sie in Folge seiner Erhebung zu Gott empfinden. Seid wahr und klar, liebe Menschen und seid einfach in Allem. Was Du eine falsche Andacht nennst, eine eigenliebige Lust des Geistes, das giebt es allerdings und zwar nicht nur unter den Menschen, sondern auch unter den Geistern; das aber ist doch nicht Gebet zu nennen. Ein Ding in seiner Entartung wird oft zum wahren Gegen-theile des ursprünglichen Dinges. Ein Mensch z. B., der die Eigenschaft der Sanftmuth mit in die Inkarnation gebracht, arbeitet zu wenig oder gar nicht daran, dass sich diese Eigenschaft vervollkommene, und ihrer Unvollkommenheit zufolge verbinden sich schlechte Eigenschaften mit dieser Sanftmuth und sie ver-wandelt sich hierdurch zur Schwäche. Sanftmuth in ihrer Voll-kommenheit ist aber das Gegentheil von Schwäche; denn es liegt Kraft, Wirkungskraft in ihr, die den so beeigenschafteten Menschen jener Stufe näher bringt, die wohlthuend und belebend auf den Nebenmenschen wirkt, wie der Thau auf die Pflanzenwelt. Seid Euch daher vor Allem klar, was eine Sache selbst und was deren Entartung ist; es sind ja Gegensätze und haben Nichts mit ein-ander gemein. Seid einfach, natürlich, liebe Menschen, und meidet alles Krampfhafte, Krankhafte. Wenn ich sage: "seid natürlich ", so meine ich damit, geht zurück zu Euerer wahren Natur. Ihr waret Geist, bevor Ihr Menschen geworden; lasst also als Menschen den Geist vorherrschen, SO werdet Ihr Euerer Natur gerecht. Ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, wobei Ihr rufet: "Abba ""Vater ". Ein Geist, ob in oder ausser dem Menschenkleide, -obschon es wenige der Ersteren gibt, welche die vollkommene Hingebung an Gott nicht nur anstreben, sondern erreicht haben, dessen Gedanken stets Gebete sind, fühlt die Verbindung zwischen ihm und Gott und diese Empfindung äussert sich als Gebet. Ein solcher Mensch braucht sich nicht anzustrengen, dass sein materielles Kleid er-sterbe; er ist sich seiner wahren Natur bewusst; diese herrscht vor. Solchen wachsen die Flügel des Gebetes von selbst, und er kann nicht anders, als sie zu seiner Wonne benutzen. Hat aber der Mensch diese geistige Stufe noch nicht erreicht, so kann er logischer Weise auch deren Folgen nicht empfinden. Diese Folgen lassen sich nicht durch starke Mittel erreichen, wie es ein widersinniger Kampf gegen die Materie ist, mit der der Mensch nun einmal verbunden ist. Er soll seine Kräfte nicht in einem krankhaften Hass gegen die Materie aufzehren. Die Baalspriester glaubten ihrem Gotte wohlgefällig zu sein, wenn sie ihre Körper zerfleischten; und Menschen, die sich Christen nennen, nahmen diesen Irrglauben an. Der Mensch soll suchen, dem Nächsten in möglichster Selbstlosigkeit zu dienen, er soll seine Fehler erkennen und vertilgen, er soll in Wahrheit und Klarheit den Körper als Das erkennen, was er ist: ein gott-gegebenes Hilfsmittel, das ihm auf seiner geistigen Stufe noth wendig ist, sonst könnte es nicht gottgegeben sein. Diesen Körper soll er rein und gesund erhalten, ihm in klarer Erkenntniss die Stelle gebend, die ihm gebührt. Was das Vernichten seiner Selbst, Gott gegenüber, betrifft, wie es die christliche Mystik lehrt, so weiss das Christenthum, wie es in den Evangelien dargestellt ist, nichts davon. Dass die Tödtung von Eigenliebe, Eigenwillen und gar des Eigennutzes erste Bedingungen für einen Menschen sind, der wahres Christenthum anstrebt, ist ja klar. Wie kann man aber seine Fehler mit seinem wahren Ich verwechseln? Fußnote.) Das wahre Ich eines Menschen ist das Empfinden seiner Individualität und diese ist gottgegeben. Was Gott gibt, dass darf der Mensch empfinden, dessen darf er sich bewusst bleiben. Gott gab es in Reinheit; eigene Arbeit verwandelt diese Reinheit in Vollkommenheit. Eigene Sünde hat diese Individualität zu einem Zerrbilde ihrer selbst verwandelt; doch nicht, indem der Mensch in krankhafter Unklarheit dieses Zerrbild zu vernichten sucht, wird er seiner Bestimmung gerecht, sondern indem er es in ruhiger Klarheit betrachtet, die Zuthaten seiner Unvollkommenheit in Muth und Geduld entfernt und so wieder die reine Natur herausbildet, die Gottes Schaffung ist, dann aber mit wachsendem Verständnisse und kunstgeübter Hand die reinen Linien zur fertigen Vollendung ausarbeitet. Eine andere Kraft, als die Gottes, kann keine Individualität in's Leben rufen; was Er aber ruft, das darf sich Ihm nahen, Schritt für Schritt, bis es den Lichtkreis des Urbildes erreicht hat. Was eine Individualität ist, und was sie empfindet, wenn sie ihre Vollendung und damit ihre Bestimmung erreicht hat, dafür fehlen Menschenworte und reichen Menschenbegriffe nicht aus. So seid klar, liebe Menschen, und gesund in Eueren Be-griffen, in Euerem Glauben. Nehmet die Hilfsmaschine: "Körper "zu dem Zwecke, zu welchem Gott sie Euch gab, führet weder einen widersinnigen Kampf gegen sie, noch stellet den Geist in den Dienst der Materie, das Leben in den Dienst der Vergäng-lichkeit. Es gibt einen geistigen Egoismus, und an diesem krankt die christliche Mystik. Begnügt Euch daher, Christen zu sein, in klarer wahrer Nächstenliebe die empfundene Gottesliebe aus-klingen lassend. Kein Mensch lebt für sich allein, keiner soll. Fußnote. Siehe III 31, Seite 80. Frage: seine geistigen Kräfte für sich allein aufzehren, sich ängstlich fernhaltend von geistigen Gefahren. So suchet den Geist der Christlehre zu verstehen, damit er sich mit Euerem Geiste ver-binde und ein thatkräftiges, selbstloses, liebevolles Leben diese Verbindung bestätige. III. Die Ehre, das Lob Gottes soll das Ziel alles menschlichen Thun und Lassens sein. Eine Verherrlichung Gottes in Seinen Geschöpfen, das Zusammenwirken derselben als Werkzeuge zur Durchführung Seines Schöpfungsplanes, eine unbedingte Unter-ordnung unter Seinen Willen kann ich mir als Ziel der Lebens-führung des Menschen denken. Ist es aber nicht eine Ueber-hebung desselben, der Alles von Gott hat, Nichts ohne Ihn weiss und vermag, Gottes Ehre und Lob mehren zu wollen? Antwort: Die Antwort auf diese dritte Frage ist eigentlich schon in dem Vorhergehenden enthalten. Werdet Christen, so wie ich es Euch zu definiren suchte, was wir unter diesem Namen verstehen, und Ihr lebt "zur Ehre Gottes ", wie die Menschen sagen. Was ist darunter zu verstehen? Die Sonnenstrahlen er-wecken das Veilchen zum Leben und die kleine Pflanze treibt Blüthe auf Blüthe, die Vollkommenheit ihrer kleinen Wesenheit entfaltend. Blüht sie zur Ehre des Sonnenscheines, oder kann sie das Lob und die Ehre ihres Lebensquelles dadurch mehren? Sie blüht in ihrer Unfreiheit, weil die Bedingungen zur Er-reichung ihrer Wesensvollkommenheit erfüllt sind. Ihr Menschen habt eine gewisse Stufe von Freiheit erreicht. Die Sonne muss nicht Euere Blüthe in einer genau begrenzten Zeit erwecken, Euere Freiheit kann der Sonne entgegeneilen oder kann Wolken aufthürmen, die Euch vor der reifenden Sonne eine zeitlang schützen. Mit der Zeit verzehrt die Sonne alle Wolken und fordert Blüthen von jedem Lebenskeime; denn seiner Bestimmung zu entgehen vermag kein erschaffenes Wesen. Gott, der von Euch unverstandene Quell alles Lebens, die reine, absolute, ewige Vollkommenheit, kann nichts anderes, als der Mittelpunkt einer werdenden Vollkommenheit sein. Welten entstehen und vergehen; die ganze Schöpfung, deren materieller wie geistiger Theil, verwandelt sich und wechselt Form und Gewand; Kraft und Grösse, Erkenntniss und Liebe sind der Verwandlung unterworfen, um sich zur Vollkommenheit herauszukrystallisiren. Die ewigen Gesetze Gottes umfassen die ganze Verwandlung, sie bildend und leitend und sich zu endlichen Gesetzen verdichtend, je nach den Bedürfnissen jedes einzelnen Theiles dieser unend-lichen Schöpfung. Wohl giebt es eine Sphärenmusik, eine Melodie, von Gott empfunden, von der absoluten Vollkommenheit aus-klingend. Die Begleitung, die scheinbar endlosen Verwandlungen, das Brausen der Räder dieser grossen Maschine; die Melodie könnt Ihr noch nicht verstehen, sie ist werdende Vollkommen-keit. Einzelne Noten der Begleitung schlagen an Euer Ohr und eine Ahnung der Grösse, die nur in den Verwandlungen liegt, ist schon genug, Euch den Athem zu nehmen. Diesem Gott allein zu leben, vermögt Ihr Erdenmenschen nicht. Euere tiefe Stufe bedingt noch Straucheln und Fall, ver-worrene Begriffe, halbe Kraft. Das Veilchen könnte nicht leben ohne Licht; doch das Licht allein genügt ihm nicht; es bedarf noch festen Erdreiches, tränkenden Regens. So stecken auch Euere Wurzeln noch in der Materie und bedarf Euer Wachs-thum noch der derben Kost des Leidens, der Sühne. Doch wenn auch ein Theil von Euch noch der Materie bedarf, so bedarf dagegen Euer Geist, jener Theil von Euch, der, von Gott aus-gegangen, eine Spiegelung Seiner Eigenschaften ist, bedarf Euer Geist des Geistigen. Und so hebt Euer Haupt empor in das Licht, und wenn auch Euere Wurzeln Euch noch eine kurze Zeit in der Materie festhalten, so treibt wenigstens Blüthe auf Blüthe, nicht weil Ihr das Leben erweckende Licht ehren wollt, sondern weil Ihr als Zwischending zwischen reiner Materie und reinem Geist nicht anders könnt, als, Euerer wahren Sehnsucht nach, der Materie entziehen, was sich ihr entziehen lässt, um es, durch Euere Adern kreisend, zur Blüthe zu verwandeln, und sie emporzuheben zum reinen Sonnenlicht. 86. Sünde wider den h. Geist. Wirklich unglücklich ist nur der Mensch, der sündigt, das heisst dessen Handlungen und Gedanken den Einklang zwischen ihm und seinen geistigen Führern stören. Das ist Sünde wider den h. Geist, die nicht vergeben wird. Was heisst: "nicht ver-geben ", da doch Alles einmal gesühnt sein wird? Kein Erdenmensch kann fehlerlos sein, jedem ist nur eine gewisse geistige Stufe erreichbar, das heisst jeder kann nur von der Stufe weiterbauen, die er sich vor dem Erdenleben vorgebaut. Es können nicht alle Menschen die gleiche Stufe erreichen, weil sie den Wettlauf auch nicht von der gleichen Stelle aus begonnen. Freilich kann der Eine langsamer, der Andere schneller laufen und kann der Eine den Anderen so überflügeln. Der aber, der sich also überflügeln lässt, der hat gesündigt, das heisst er hatte gott-gegebene Gelegenheiten nicht erkannt, nicht benützt, hat nicht in der Sehnsucht nach Erkenntniss gelauscht, hat wider den Geist gesündigt. Wenn ein solcher Mensch oder Geist dann später zur Erkenntniss dessen kommt, was er gethan, so wird er nicht hoffen, dass ihm vergeben werde, sondern nur bitten um neue Gelegenheiten, um Erkenntniss, dass er sie besser be-nütze. Dann wird ein Ringen, Kämpfen, Arbeiten beginnen. Den Menschen wird er keinen grossen Fortschritt zu machen scheinen und doch wird er sich in dem geistigen Wettlauf vor dem Allerkenner, Gott, dem Ziele nähern und vielleicht nur solche Sünden in die Geisterheimat zurückbringen, die vergeben werden können, das heisst die keiner solchen Kraftanstrengung seiner-seits zu ihrer Tilgung bedürfen. Versteht mich recht. Es ist ein grosser Unterschied, ob ein Mensch oder Geist eine Sünde begehe, die ihm auf seiner Stufe noch natürlich ist oder ob er derselben eigentlich schon entwachsen ist. Ebenso ist ein grosser Unterschied, ob sich Einer eine Tugend errang, die ihm natürlich, oder ob er durch riesige Kraftanstrengung, durch solche Sehnsucht nach geistigem Fortschritte, dass er alle Leiden gering schätzt, wenn er sich durch sie seinem Ziele nähern kann ob er durch Anstrengung und Gespannthalten jeder geistigen Eigenschaft, die er sich früher errungen, den Weg schneller zurücklegt, als seine geistig gleichen Brüder. Ein solcher Geist ist glücklich, er horcht, versteht, er-kennt und handelt. Und die Menschen sehen nur die Prüfungen, die Entbehrungen seines Lebens und wissen nicht, dass er am Morgen den Stein, auf dem sein Haupt gelegen, zu einem Dank-altar errichten wird. Frage: Antwort: 87. Abstieg zur Hölle, Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Kannst Du uns Verständniss für die geistigen Vorgänge nach dem Tode Christi geben, welche die evangelischen Bekennt-nisse mit "Abstieg zur Hölle ", "Auferstehung von den Todten "und,, Himmelfahrt "bezeichnen? Ich sagte Euch schon, dass es nicht möglich sei, Euch einen klaren Begriff von dem Leben, den Handlungen, der Wirkung eines vollkommenen Geistes zu geben. Christus hatte das Menschen-kleid als Mittel Seiner Verbindung mit Euch angenommen, ohne welche die Wahrheit seiner Lehre Euch nicht hätte klar gezeigt werden können. Als er mit den Worten: "Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist "seine Euch gebrachte Lehre in Wort und Beispiel beschlossen hatte, löste sein vollkommener Wille den vollkommenen Geist von der angenommenen Materie und nach dem ewigen Gesetze der Annäherung und Verbindung von Aehnlichem mit Aehnlichem hinderte Nichts das sofortige Ein-gehen gewordener Vollkommenheit in den Lichtkreis absoluter Vollkommenheit. Doch die Erdenmenschen, denen er die Lehre brachte, mussten noch sichtbare Beweise der Wahrheit seiner Worte erhalten. Er hatte seinen Körper selbst geformt und er löste ihn wieder in seine Urbestandtheile auf, ihn zu wiederholten Malen wieder um sich nehmend, um seinen Jüngern seine Iden-dität zu beweisen. Seine Worte: "Fürchtet Euch nicht; ein Geist hat nicht Fleisch und Blut, wie ich es habe ", und die Nahrung, die er vor ihren Augen zu sich nahm, beweisen Euch, dass er einen Körper ganz ähnlich dem gebildet hatte, in dem er den armen Menschen 33 Jahre göttliche Wahrheit lehrte. Die Bildung dieses Körpers aus den Urbestandtheilen der Materie, die ja auch ewig sind, geschah nach denselben Gesetzen der Materialisation, die der Menschheit der Jetztzeit geoffenbart werden. Die Auf-lösung dieses Körpers geschah nach Gesetzen, die in kommenden Zeiten der Vergeistigung auch für die Erde werden gesetzlich werden. Nur die tiefe geistige Stufe Euerer Erde bedingt den Verwesungsprozess Euerer Materie; doch ist Er: "Der Erstling von denen, die schliefen ", und wird das Erwachen aus diesem Schlafe im Laufe der bildenden und umbildenden Zeiten Seinem Erwachen ähnlich werden. Frage: Antwort: Vor den Augen seiner Jünger schwebte er empor und eine Wolke verhüllte Ihn ihren Blicken; doch bleibt sein Wort be-stehen: "Ich bin mit Euch immerdar bis an das Ende der Welt. "Die Worte "Abstieg zur Hölle "geben Euch einen unklaren Begriff Seiner Thätigkeit in der Geisterwelt. Geistern auf so tiefer Stufe, wie dieser Begriff sie bezeichnet, fehlt Jedes Ver-ständniss für Christi Lehre, durch Seine Person zum Ausdruck gebracht, und damit fehlte auch Zweck und Möglichkeit, dass Er in direkten Verkehr oder Verbindung mit ihnen trete. Lasset Euch diese Worte nur darüber Sicherheit geben, dass es für die Hölle eine Erlösung, eine Auflösung gibt; denn das Erlösungs-werk Christi war eine Bethätigung der Gesetze Gottes, die aus Seiner Liebe und Weisheit entsprungen, die Erlösung und Heim-führung der ganzen Schöpfung bedingen. 88. Die Taufe. Ist der Akt der Taufe, wie er heute an dem neugeborenen Christen vollzogen wird, die rein äusserliche Form für dessen Aufnahme in eine der confessionellen christlichen Gemeinschaften nach dem Willen der die Inkarnation vermittelnden Eltern, oder liegt diesem Akte eine tiefere symbolische Bedeutung und geistige Wirkung auf die derselben unbewusste, materiellgeistige Indivi-dualität zu Grunde? Wird für dieselbe in der Taufe eine Verkettung mit höheren geistigen Potenzen angebahnt, ihr ein Hilfsmittel für die Zurück-führung des gefallenen, verneinenden Geistes zur Bejahung des göttlichen Willens geboten? Die Taufe Christi sollte als Beispiel und Wegweiser dienen können. Der Geist Heinrich sagt von ihr: "In der Taufe Christi trat der Geist Gottes selbst als höchste Bejahung in die vollendete materiellgeistige Individualität des Sohnes ein ", und derselbe fügt bei: "So wird der erste bejahende Keim auch heute noch der zum Bewusstsein gelangenden materiell-geistigen Individualität zugeführt ". Alle geistige Wahrheit, die einer Welt auf der Stufe Euerer Erde geoffenbart wird, bedarf eines äusseren sichtbaren Zeichens, einer Materialisation. Die Solidarität der Geister ist eine ewige Wahrheit; die Verbindung von Geist mit Geist von höchster bis zur tiefsten Stufe ist das Mittel der Uebertragung und Weiter führung geistiger Kräfte. Wie Christus das Abendmahl einsetzte, als Hilfsmittel oder Leiter zur wahren geistigen Communion mit Ihm, so unterwarf er sich selbst der Taufe, um Euch zu lehren, dass dieser Akt nicht allein symbolisch, sondern ein gesetzliches Hilfsmittel für Euch sei. In der Taufe Christi verband sich der Geist Gottes mit Ihm und die Stimme dokumentirte die höchste, geistige Vollendung, die sich je auf Euerer Erde geoffenbart. Für Christus wäre der Akt der Taufe nicht nothwendig gewesen, weil Er über allen Hilfsmitteln der Erde stand, das heisst solcher nicht bedurfte, um in Verbindung mit dem Vater, den Er nie verlassen, zu treten. Denn obschon er sich den Gesetzen der Erde unterwarf, soweit dies zu Seiner Verbindung mit Euch nothwendig war, so verliess er dadurch doch nicht die Welt der ewigen Gesetze, jenes Lichtkreises, den Ihr noch nicht betreten habt, der aber auch im Menschenkleide Seine Heimat, Seine Atmosphäre blieb, in welche Er sich immer, Licht, Nahrung, reine Kraft suchend, erheben konnte. Sein Wille allein genügte, da er die Vollkommenheit erreicht hatte, sich das Menschenkleid zu formen; Sein Wille allein konnte das Band, das Ihn an dieses Menschenkleid knüpfte, wieder lösen und Sein Wille konnte es lockern, so dass Sein Geist sich erheben und mit dem Geiste Gottes verbinden konnte. Die Gesetze einer materiellen Welt können die höchsten Gesetze der geistigen Welt für einen Geist nicht aufheben, der schon seine Vollkommenheit erreicht hat. Durch den Akt der Taufe wird zwar dem Menschenkinde nicht seine Sünde vergeben; aber es wird durch denselben mit höherem leitenden Geiste in Verbindung gesetzt, in Mitte des Stromes gestellt, der von der Urquelle, Gott, ausgehend, die ganze Geistschaffung durchfluthet. Ihr müsst nur nicht den Akt der Taufe als einzige Möglichkeit für den Erdenmenschen betrachten, in diesen Strom zu gelangen, und auch nicht als Mittel, gegen seinen eigenen Willen in diesem Strome zu bleiben. Ein Hilfs-mittel wirkt nur als solches, wenn des Geistes eigener Wille und eigene That, es ausnützend, sich die darin enthaltenen geistigen Kräfte assimilirt. Wie es ohne den Leiter des Stromes in Gestalt von Brod und Wein eine geistige Communion mit Christus giebt, so kann der Geist auch im Menschenkleide, wenn er ausserhalb der Lehre eines Hilfsmittels in der äusseren Gestalt des reinigenden Wassers geboren wird, sich dennoch in diesen geistigen Strom begeben, die Kraft, die in ihm enthalten ist, assimiliren, falls er, Frage: Antwort: die Gottheit ahnend, sich in ihren Dienst stellt und diesen in selbstloser Nächstenliebe bethätigt. Wenn ich von einem geistigen Strom rede, der von Gott, dem Urquell, ausgehend, die Geisterwelt durchfluthet, so meine ich damit jene Lichtstrasse, auf der nur Solche wandeln, die den Geist der Christlehre erkannt haben und ihrer Erkenntniss zufolge, von Kraft zu Kraft, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit schreiten. Zieht nur keine engen Grenzen, liebe Menschen. Menschen auf dieser Erde, die nie von Christus gehört, können zu dieser Schar gehören; Menschen, die ihr Leben in einer christlichen Kirche verbringen, können auch ausserhalb dieser Schar stehen. Christus ist die Verkörperung der göttlichen Wahrheit. Wenn Ihr, Solche erkennend, ihr nichtlebt, so habt Ihr jenen Lichtweg, der Euch in die Euch möglichst enge Verbindung mit Gott bringt, noch nicht betreten. Es ist dieser Strom nur eine Strömung im Strome, denn ausserhalb der Einwirkung göttlicher Kraft und göttlichen Lebens, in Verwandlungen und Vermischungen bis zur Assimilirungs-möglichkeit mit niederstem Geiste, steht kein Geistatom im ganzen unermesslichen Weltenall. Gott ist, und die Bewegungswelle dieses Lebens berührt, überfluthet und vervollkommnet alles werdende und gewordene Leben. 89. Erbsünde und Taufe. Tritt der Geist, mit einer Schuld, mit einer Erbsünde beladen in die menschliche Form? Liegt diese Schuld, diese Belastung im Willen und dessen Missbrauche, entstammt sie dem ersten Falle der Geistschöpfung, der uns im Kampfe der Titanen gegen die Götter, im Sturze der Engel versinnbildlicht wurde, rührt sie aus unseren Präexistenzen her? Steht sie mit dem ganzen Werdeprozess der Schöpfung im Zusammenhange und ist sie deshalb auf alle gefallenen, mit der Materie in Verbindung gebrachten Geistwesen gleich vertheilt? Welche Wirkung hat der Akt der Taufe auf die Entlastung von dieser Schuld? Wann tritt diese Wirkung beim Menschen ein? Mit dem über den Astralleib (IV, Nr. 66, Seite 180) Gesagten, ist wohl auch die weitere Frage, ob der Geist mit einer Schuld (Erbsünde) beladen, in die menschliche Form tritt? beantwortet. Nennt nur diese Schuld, die mit wenigen Ausnahmen die Ursache der Einverleibung des Geistes ist, nicht Erbsünde. Zwei Dinge machen die Vererbung einer Schuld unmöglich: die Gerechtigkeit Gottes und die Unabhängigkeit der Geister von einander. Wie können Stammeltern eine Schuld auf ihre Kinder vererben, wenn diese in Nichts die Schaffungen der Eltern sind, sondern gottgeschaffen, wie diese selbst. Es muss der Geist nicht mit einer Schuld beladen in die menschliche Form eintreten; schuldloser Geist steht über den Gesetzen Euerer Erde und kann Euer Kleid annehmen, um eine Liebesmission zu erfüllen. Doch ist die menschliche Form und die Materie überhaupt in jeder Form nur eine Folge des Geistfalles und muss, weil Folge eigener Schuld, von dem gefallenen Geiste getragen und überwunden werden. Die Schuld des Geistes, die ihn zur Verbindung mit derber Materie ganz materieller Welten zwingt, entsteht nicht durch einmaligen Geistfall; unzählige Male ist der Geist gefallen, bis er so niedere Stufe erreicht hat. Präexistenzen sind an sich schon eine Folge von Geistfall. Verlässt der rein geschaffene, noch unentwickelte Geist den ihm vorgezeichneten Weg geistiger Entwicklung nicht, welches Verlassen des Weges mit Fall gleichbedeutend ist, so kann man nicht von Präexistenzen dieses Geistes reden. Die gottähnliche Einfachheit und Einheit seiner Wesenheit geht ihm nie verloren; es giebt keine Wellen-bewegung, keine Widersprüche für ihn; sein Fortschritt ist nicht ein Kampf, sondern eine von geistigen Gesetzen geleitete Ent-wicklung. Euere Präexistenzen sind also nicht Ursachen der Schuld, die Euer jetziges Erdenleben formt, sondern die Folge Eueres Verlassens Gottbestimmter Wege, die Euch eine rein geistige Entwicklung ermöglicht hätten. Den Akt der Taufe habe ich Euch schon erläutert. Es giebt keine Vergebung der Schuld in der Art, wie alle christ-lichen Confessionen sie lehren. Gott schuf reine Geister und eine Gesetzeswelt zu deren Führung. Freier Wille und noch nicht erreichte Vollkommenheit ermöglichte ihren Fall; der Fall bedingte Leiden. Da verwandelte Gott, in Seiner Gnade und Barmherzigkeit für die ganze gefallene Geisterwelt, diese Leiden zur Möglichkeit und Ursache ihrer Umkehr. Dies war die Folge der Vergebung Gottes, die jedem gefallenen Geiste galt, dass Er die todbringenden Folgen ungesetzlicher Handlung der Geister zu neuer Lebensfähigkeit umwandelte. Die Gesetze der Sühne, des Emporringens der Geister aus Nacht zum Licht, durch eigenes Wollen und eigene Kraft führen nun den gefallenen Geist in die Lichtkreise ewiger Gesetze zurück, denen er wiederum entwächst, indem er den Lichtkreis verstandener Gottesliebe erreicht. Hilfs-mittel in Menge sind dem sich emporringenden Geiste gegeben und zwar in voller Gerechtigkeit, denn nur der Wille und die ausdauernde Kraft des Geistes verbinden ihn mit diesen Hilfs-mitteln; und ein Hilfsmittel für eine winzige Geisterschar auf dem Sandkorn Erde ist die Taufe. Das Wasser versinn-bildlicht die reinigende Fluth der Gesetze Gottes, wie sie zum Emporführen der gefallenen Geisterwelt geschaffen wurden; doch wie es des Geistes Erkennen und Anschmiegen an diese Gesetze bedarf, damit sie ihre segensvolle Wirkung ganz an ihm aus-üben können, so bedarf es für den Menschen einer Bethätigung des Christglaubens, in den er durch den Akt der Taufe eingetreten ist. Wer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein, obschon das Wasser der Taufe über seine Kinderstirne geflossen ist. Natürlich bedurfte Christus nicht den Akt der Taufe; indem Er sich ihm unterzog, gab er diesem Akt die Weihe und seine Nachfolger setzten diese Handlung fort. Welten auf der Ent-wicklungsstufe Euerer Erde brauchen gewisse äussere Zeichen für alles Geistige, das ihnen gegeben; doch lernt das Aeussere, Sichtbare von dem unsichtbaren Kerne trennen, und werdet oder bleibt Euch stets bewusst, dass die Erde zu den niedersten Welten gehört und nichts, was ihr gegeben, vollkommen sein kann. Frage: 90. Das Abendmahl. Wir bitten Dich, uns kundzugeben, ob und inwieweit Du mit dem Ausspruche des Geistes Heinrich über das Abendmahl einverstanden bist? und denselben rücksichtlich des wesentlichen, inneren Vorganges ergänzen zu wollen, falls wir diesen fassen können. Der Ausspruch Heinrich's lautet: "Wähnend erfasst Ihr's, wissend nicht. Es geht über die Schranke Eueres Wissens. Die Vergeistigung der Materie führt zur Herrschaft des Geistes über die Materie. Sinnbildlich wurde schon in ältester Zeit diese Anerkennung der Herrschaft des Geistes über die Materie durch jene Thaten der Menschheit zum Ausdrucke gebracht, welche Ihr in ihrem Vollzuge als Opfer bezeichnet. Die frei willige Unterordnung des Materiellen unter das Geistige, symbolisch durch das Opfer dargestellt, ist aber in ihren Aeusserungen viel-fach ausgeartet und schliesslich trat das Gegentheil des Gewollten ein, das Materielle im Opfer gelangte zur Herrschaft. Das Opfer entartete. Besonders gilt dies von den blutigen Opfern des Alterthums, welches auch die Heimstätte der aufwärts strebenden Cultur zum Schauplatze missbräuchlicher Symbolisirung des Opfers machte. ""Christus, der den Sieg des Geistes über die Materie in-augurirte, sprach deshalb, indem er das Materielle des Opfers auf das einfachste Maass zurückführte, und Brod und Wein zu Symbolen bestimmte, die bezeichnenden Worte: "Das ist mein Fleisch und das ist mein Blut ", mit welchem von nun an das Symbol des Opfers bethätigt werden soll. Das ist aber nur die äussere Seite des neuen Opfers. Auch der geistige Kern, das Wirkende im Symbol, hat durch die Einsetzung dieses Opfers eine höhere, bis dahin ungekannte Steigerung erfahren. Das neue Opfer erhebt sich über die symbolische That, es wurde zur wirklichen Geistesthat erhoben. Die Berührungspunkte, welche die bestimmenden sind, verbinden das thatsächliche, bis zur äussersten Consequenz durchgeführte Opfer der göttlichen Inkar-nation Christi mit dem entmaterialisirenden Opfer der geistig-materiellen Individualität. Dieses Opfer besteht in der rückhalt-losen Anerkennung des ewigen Gesetzes, welche sich durch Reue und Sühne für die Consequenzen der Schuld dokumentirt, und in dem freiwilligen Entschlusse, dem Materiellen zu entsagen. Dadurch wird die verjüngte Hingabe der göttlichen Inkarnation an den kämpfenden, materiellgeistigen Organismus und die sich immer wieder erneuernde Hingabe der materiellgeistigen Indivi-dualität an Christus in gegenseitiger Wirkung zum Mittel der Vergeistigung der Materie. "Auf unsere Frage, ob eine wirkliche Umwandlung des Brodes und des Weines in das Fleisch und Blut Christi stattfinde? und wenn Ja, durch welches Agens?, antwortete Heinrich: "Das Opfer ist gebracht für Alle, die dasselbe freiwillig auf sich wirken lassen wollen. Diejenigen, welche sich das Hirten-amt, das Amt der Controle erkoren, haben nur die Macht des Spenders. ""Die partielle Inkarnation des göttlichen Geistes vollzieht sich aber erst durch die Hingabe des Empfangenden, der dadurch Antwort: selbst zum Opfernden wird, dass er der Herrschaft des Materiellen über das Geistige freiwillig entsagt. Nur durch freien Willen des Mediums werden Inkarnationen zur Möglichkeit. Alle Menschen sind Medien. Jedem ist die Möglichkeit geboten, die partielle Inkarnation des göttlichen Geistes, welche immer wieder neu bethätigt werden kann, durch das von Christus eingesetzte Opfer auch für sich zur Thatsache werden zu lassen. "Die Worte eines Geistes zeugen von seiner Wesensstufe und diese zeugt vom Wiedererrungenen oder vom nie Verlassenen. Die Worte, die Lehre Heinrich's sind die eines guten Geistes, der Erdenmensch gewesen und noch in der Atmosphäre der Erde sein Heim hat. Er schreitet voran er wollte den Seinen helfen; aber er war noch nicht frei von den Bildern und Er-kenntnissschranken irdischer Atmosphäre. Ich war niemals Erden-mensch und allein als Geist, der nie in den trübenden Nebel derbmaterieller Welten tauchte, konnte ich die Mission über-nehmen, in der Morgenröthe einer geistigen Aera Euerer Erde der Menschheit eine Lehre zu geben, welche derselben ihre geistige Stufe und namentlich ihre Verbindung mit allen Geist-wesen, die das Leben der Schöpfung sind, klar machen soll. Meine Worte sind jetzt nur wie ein Hauch, der über blumige Felder streicht; doch dieser Hauch zeigt die Windesrichtung an und das Wehen der Winde erfolgt nach bestimmten Gesetzen. Die Menschen haben ihre Erde als eine isolirte Schöpfung betrachtet; in der Kindheit der Menschheit wähnte diese, die Sonne drehe sich um ihre Welt, und nun, da sie, die anderen Gesetze erkennend, die einfache Wahrheit der entgegengesetzten Annahme fand, glaubt sie doch immer noch, dass ihre hochwich-tige Welt ganz besondere Lichtstrahlen der Gottesgnade auf sich herabgelenkt habe, indem Gott selbst, der Urgeist, zu ihrer Er-lösung und Heimführung das Menschenkleid und den Menschen-tod auf sich nehmen musste. Ich möchte keinem Menschen eine Ueberzeugung nehmen, die ihm den Frieden relativer Wahr-heit gibt, denn die Grenzen der Wahrheit erweitern sich von selbst durch den geistigen Fortschritt eines Wesens; und ich will besonders Dich, Bernhard, in keine Kämpfe mehr einführen, denn Du hast Dir genug errungen, um zielbewusst und ruhig Dein Erdenleben fertig zu machen und Dich dadurch in eine Sphäre zu erheben, wo weitere Lehre Dir gesetzlich nothwendig wird. Aber befragt, vermag ich nur die Wahrheit nach dem Lichtkreise meiner Erkenntniss zu geben; denn ich kann zur Schonung ein-zelner Menschen auch nicht schweigen, da ich die Mission über-nommen, den Anfang zu machen, Euere Begriffe über die Iso-lirung oder Sonderstellung Euerer Erde zu klären. Euere Erde ist ein Staubatom mit Geistleben, von verhält-nissmässig geringem Werthe, wie es unzählige Millionen solcher Weltkörper im Weltenall gibt, und konnte als solches unmöglich erkoren werden, der Träger des ewig untheilbaren Gottes zu sein. So wie gewordene Vollkommenheit sich niemals mit ewiger Voll-kommenheit vermischen kann, so wenig, d. h. nach demselben ewigen Gesetz, kann Gott sich niemals auf einer derbmateriellen Welt inkarniren. Es ist dies eine gesetzliche Unmöglichkeit. Der Urgeist kann sich nicht in Materie kleiden; eher lassen sich Feuerflammen in Strohgewänder kleiden; denn die Gesetze, durch welche Stroh vom Feuer verzehrt und aufgelöst wird, sind nur endliche Gesetze und können daher von höheren Kräften aufge-hoben werden; doch das Gesetz der untheilbaren Einheit Gottes ist ein ewiges, und gibt es daher keine Welterlösung durch die göttliche Inkarnation nach dem Begriffe der heutigen christlichen Kirche. Christus selbst lehrte dies nie und die Bewegung der Arianer in der Kindheit des Christenthums war eine von reinen Geistern hervorgerufene, die das Christenthum im Geiste Christi ausbauen wollten. In Deinem Glauben, lieber Bernhard, liegt ein Widerspruch, den Du wohl selbst mit der Zeit als einen solchen erkannt haben würdest: Du glaubst, dass die Vereinigung mit Gott, das Unter-gehen in Ihm, selbst dem vollkommen gewordenen Geiste nie möglich sein wird, und hast damit ein ewiges Gesetz ahnend erkannt; doch glaubst Du an die Möglichkeit der Vereinigung mit Gott für einen menschlichen Geist im Zustande der Ekstase. Die gesetzlich mögliche Verbindung mit Gott kann nur aus der erreichten Vollkommenheit des Geistes hervorgehen; deshalb sagte Christus: "Keiner kommt zum Vater denn durch mich. "Die Bedingung, in den Lichtkreis ewiger Vollkommenheit zu treten, ist gewordene Vollkommenheit. Der Zustand der Ekstase ändert Nichts an der Wesensstufe des Menschengeistes; folglich kann dieser Zustand denselben nur in jene geistige Sphäre er-heben, welche die seines lautersten Strebens ist. Die Grenzen dieser Sphären sind etwas dehnbar. Wie der Mensch durch fortgesetztes Trainiren seiner Körperkräfte die Grenzen des einer, (s261), Menschenkraft Möglichen erweitert, so kann der Geist im Menschen durch fortgesetztes Streben in der Kraft der Selbstlosigkeit, der Reinheit und des Nächstendienstes die Grenzen seiner geistigen Erhebung erweitern; doch sich mit Gott verbinden, kann er nie. Es wäre auch die Verbindung mit einer geistigen Potenz, die zu hoch ist, als dass sie sich mit ihm assimiliren könnte, zwecklos, und Zweckloses ist in Gottes Gesetzesführung ausge-schlossen. Wollet daher nicht den Himmel erstürmen, liebe Menschen, Ihr seid keine Giganten. Die geistige Nahrung, die Euch geboten wird, muss mit Euch ähnlicher Substanz vermischt werden; nur so könnt Ihr sie assimiliren. Christus war ein reingebliebener Erstlingsgeist, deren es eine Heerschar giebt, welcher die Leitung und Heimführung gefallener Brüder übertragen ist. Gottes Gesetze enthalten Erlösung, denn cines dieser Gesetze ist die Solidarität der Geister. Im Guten liegt erlösende Kraft, im Vollkommenen die Vollkommenheit der Kraft; in diesem ewigen Gesetze liegt die Bürgschaft, dass die ganze Schöpfung ihr Ziel erreiche, welches die Verbindung ge-wordener Vollkommenheit mit absoluter Vollkommenheit ist. Die Solidarität der Geister bedingt das, was Ihr mit dem Worte "Opfer "bezeichnet, -ein Wort, welches so viele irrthümliche Begriffe enthält. Es giebt Menschen, die alles, was sie für den Nächsten thun, mit dem Heiligenschein des Opfers verklären möchten; es sind dies unwahre, unlautere Naturen, die sich noch nicht durch die Kraft der Selbstlosigkeit zu klaren Begriffen verholfen haben. Die Geistwesen alle, ob in oder ausser einem materiellen Kleide, sind Theile des Ganzen nach dem Gesetze der Solidarität und er-wirbt sich kein Wesen Verdienste, wenn es in Entsagung dem Nächsten dient, sondern wird nur die Folgen gesetzlicher That an sich und in sich empfinden. Gott ist Urgeist, Urliebe, Urweisheit und dies schliesst jede Möglichkeit aus, dass Er ein Opfer von Qual, Blut und Dornen-krone von einem Seiner treuen Söhne verlangen konnte. Diese Auf-fassung des Christenthums hat die weitere Verirrung der Geisselung und der Selbstzerfleischung späterer Christen möglich gemacht. Die in verschiedenen Irrlehren befangene Erde bedurfte zu ihrem geistigen Fortschritte reiner Lehre, die tiefe Stufe dieser Erde machte es gesetzlich unmöglich, dass diese Lehre durch geistige Offenbarung gegeben wurde; die Macht, die der unvoll-kommene Geist stets, wenn auch nur in geringem Grade der -Materie einräumt, erforderte, dass ein vollkommener Geist diese Lehrmission übernahm, und die Liebe, die in einem solchen Geiste so stark ist, dass sie Alles freudig trägt, liess Christus, als Folge seines Herabsteigens in Euere Tiefen, Hohn und Verachtung, Kreuz und Dornenkrone annehmen. Er lehrte Euch, dass Gott ein Geist und die eine grosse Liebe, und dass somit die Liebe der Gesetze Erfüllung sei. "Brandopfer und Opfer wolltest du nicht; da sagte ich: Ich komme, deinen Willen zu erfüllen. Ich bin zufrieden, deinen Willen zu erfüllen, Dein Gesetz ist in meinem Herzen. "Seine That war Erfüllung des erkannten Gotteswillens; in der Kraft vollkommener Liebe entsagte er seiner Seligkeit, die er beim "Vater "hatte, um der Menschheit zu lehren, was Liebe ist und was sie von Euch fordert. Als Verbindung, als Communion mit der höchsten, geistigen Potenz, deren Assimilirung Euch gesetzlich möglich, setzte Er das Abendmahl ein. Es sollte Euch sein Versprechen dokumen-tiren: "Ich bin mit Euch immerdar ". Es sollte das Medium sein, durch welches geistige Kräfte auf Eueren Geist übertragen wer-den. Es ist Beweis und Bürge der Solidarität der Geister; es ist der höchste geistige Akt, dessen Ihr fähig seid; doch ist es eine geistige Erhebung und Verbindung mit dem Christgeiste, die Ihr anstrebt und erreicht, und nicht ein Opfer, das Ihr dar-bringt. Das Opfer wurde gebracht für Alle, als Folge der Er-kenntniss des Gesetzes der Solidarität durch einen vollkommenen Geist aus Seiner Liebe. Die Reifestufen der Erkenntniss und der Liebe eines Geistes bestimmen den Werth des Opfers, das dieser zu bringen vermag. Nicht Ihr bringt ein Opfer, indem Ihr das Abendmahl darreicht oder empfanget, sondern ein Ge-denken Euerer soll es sein an das werthvollste Opfer, welches je Euerer Erde und ihrem geistigen Fortschritte gebracht wurde. Euere Sehnsucht, den Geist Christi auf Euch herabzuziehen, Euer Wille, dem Gotte zu dienen, den Christus Euch in seiner Wesen-heit von Geist und Liebe offenbarte, diese von Euch ausgehenden Kräfte sind es, die es möglich machen, dass der Geist Christi sich Euerem Geiste assimilire, ähnlich wie die dargereichten äusseren Zeichen von Brod und Wein sich Euerem Körper assimi-liren. Nicht der Werth oder Unwerth des Priesters verleiht diesen äusseren Zeichen die Kraft, dass der Geist Christi that-sächlich in diesem Augenblicke auf Euch ruhe, sondern allein die Kraft Eueres Strebens, Wollens, Sehnens, Euerer Euch möglich Vergeistigung. Deshalb ist auch die Wirkung dieses geistigen Aktes so verschieden an verschiedenen Menschen; denn nicht in der äusseren Gestalt von Brod und Wein liegt die er-hebende, vergeistigende Kraft, sondern in Euerem eigenen geistigen Aufschwung. Ich sage in Euerem geistigen Aufschwung liegt die Gesetzesmöglichkeit der Assimilirung höchster geistiger Potenz mit Euerem Geiste, nicht in Euerem verschiedenartigen Glauben, ob nun der sich Euch nahende Geist Gott, das heisst absolute Voll-kommenheit oder gewordene Vollkommenheit sei, nicht in der Meinungsverschiedenheit, ob die dargereichten äusseren Zeichen durch wunderbare Wandlung wirklich Fleisch und Blut geworden, oder ob sie ihren Werth nur dadurch erhalten, dass sie, sich gleichbleibend in Substanz, nur die Träger und Leiter eines geistigen Stromes für Euch werden. Nicht in Euerem Glauben liegt der geistige Akt, sondern in Euerem Sein und Wesen, in der Wahrhaftigkeit Eueres geistigen Strebens. Menschenglaube ist ein wechselnd Ding; allein wahrer geistiger Fortschritt erweitert den Erkenntnisskreis des Geistes und dieser bestimmt die Art des Glaubens. Ein hochstehender Geist wird daher nie auf eine Glaubensfrage den Schwerpunkt seiner Lehre legen, sondern einzig darauf, dass die Menschheit "gut "werde, so wie Christus dieses Wort verstand. In jeder Einzelnheit Eueres Lebens strebet höchste Güte an und was der Begriff höchster Güte von Euch verlangt, das gebet und glaubet nie, es sei zu viel gegeben. Nützet Euer Leben aus in jedem Augenblicke in reiner Selbstlosigkeit, in freudigem Nächstendienst. Seid Ihr Christen, so empfanget das Abendmahl öfter zu Euerer Hilfe, denn dazu wurde es Euch gegeben. Seid Ihr keine Christen, so strebet dennoch höchste Güte an und der Geist Christi wird sich mit Euch verbinden, obgleich Ihr nie an einem christlichen Altar gekniet. Und lernet Alle warten, Ihr Christen und Nicht-christen, in der Kraft der Selbstlosigkeit auf eine Zeit, wo die Vergeistigung der Materie auf Euerer Erde soweit vorgeschritten, dass sie eine neue Erkenntniss -Aera möglich macht. E. Mühlthaler HEK K.K.HOFE dru München. siehe auch: http://www.wegbegleiter.ch/werke/emanuel/emanu001.htm